Regimentsmusik

Ben Aissa, 1905-1919 Schellenbaumträger des Ersten Garderegiments zu Fuß, Archiv Seitenautor

"Zu allen Zeiten haben kriegerische Klänge die Herzen entflammt, zu höchster Todesverachtung begeistert, die Feinde mit Schrecken erfüllt. Mit tiefem Sinn war in den alten Vorschriften der Einsatz der letzten Reserven mit der Musik unter den Klängen des Avanciermarsches gefordert. Welche belebende Kraft die Musik ausübte, wenn sie nach langem Marsch die Truppe einholte, wie die Glieder sich strafften, und die müden Beine wieder mitmachten, hat jeder Soldat am eigenen Leibe verspürt. Was wäre die Parade ohne den hinreißenden Rhythmus der Märsche des Regiments, die für jede Formation des Vorbeimarsches befohlen waren, deren jeder dem Soldaten im Gehör saß, auch mit seinem untergelegten Text."

aus einem alten Text um 1900

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Hier finden Sie alles rund um die Regimentsmusik des Ersten Garderegiments zu Fuß. Davon zu unterscheiden sind die Spielleute, die nicht zur Regimentsmusik im eigentlichen Sinne gehörten, sondern den einzelnen Kompagnien zugeordnet waren. Natürlich hatte dieses besondere Regiment eigene Märsche, die zu bestimmten Anlässen gespielt wurden. Die Auflistung ist ohne Anspruch auf Vollständigkeit und wird nach Erkenntnisstand erweitert. Diese Ausarbeitung wäre ohne die Hilfe der Deutschen Gesellschaft für Militärmusik e.V. nicht möglich gewesen. Daher an dieser Stelle nochmals der Dank an die DGfMM.

Im Hintergrund hören Sie den Marsch des I. Bataillons Garde Nr. 15 (einem Stammtruppenteil des Ersten Garderegiments zu Fuß), AM I,7. Alle hier bereitgestellten Musikstücke (meist in der jeweiligen Originalbesetzung zum Zeitpunkt des Entstehens des Marsches) wurden veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung durch die DGfMM.

1. Regimentsmärsche

Angaben nach dem "Verzeichnis der Präsentier- und Parademärsche" vom Obermusikinspizient des Heeres, Prof. Schmidt aus dem Jahre 1940 und der "Deutschen Militär-Musiker-Zeitung", Jhrg. 1940, Seite 252 ff., Artikel von Wilhelm Zippel, Berlin (ehemaliger Militärmusiker im Ersten Garderegiment zu Fuß). Wilhelm Zippel stellte diese Märsche anläßlich des 250jährigen Regimentsjubiläums des Ersten Garderegiments zu Fuß am 04.06.1938 zusammen, an welchem Tage sie auch in Potsdam aufgeführt wurden.

1.1 Regimentsmärsche der Vorgängertruppenteile

1.1.1 Regimentsmärsche des Regiments Lottum, bzw. Coenen, bzw. Goltz, bzw. Garde Nr. 15

1.1.2 Regimentsmärsche des Regiments Kurprinz, bzw. Kronprinz, bzw. Bataillon Grenadiergarde Nr. 6

1.1.3 Regimentsmärsche des Regiments Prinz von Preußen, bzw. Kronprinz von Preußen, bzw. des Königs Nr. 18

1.2 Regimentsmärsche des Ersten Garderegiments zu Fuß

2. Ausführliche Formationsgeschichte

 

"So erweist sich die Regimentsmusik als ein wichtiger, unentbehrlicher Bestandteil des Regiments, maßgebend mit ihrem Tempo, immer begehrt und gern gesehen. Mancher hat die Träger der silbernen Schwalbennester als nicht vollwertige Soldaten über die Achsel angesehen. Sie haben das wohl auch selbst empfunden. Ihre Pflicht haben sie getan, wie jeder andere. Die Regimentsmusik gehörte zu Leib-Kompanie. 1912 wurde sie dem Regiment unmittelbar unterstellt. Im gleichen Jahre ist ihr Etat, der früher 48, dann 42 Hoboisten betrug, auf 36 herabgesetzt worden. Ihr Ersatz bestand aus Freiwilligen oder Kapitulanten aus anderen Regimentern. Der Musikmeister mußte für den Ersatz sogen. Der Zulauf war immer genügend; trotzdem der Dienst in der Musik des Regiments als besonders anstrengend galt, und sie mehr als bei anderen Regimentern durch Paraden, Ehrenwachen usw. in Anspruch genommen war. Die Freiwilligen hatten meist eine längere Lehrzeit im Musikerberuf hinter sich, wenn sie eintraten, um diesen Beruf bei der Regimentsmusik weiter auszubilden. Ihre vier bis sechs Wochen dauernde militärische Ausbildung beschränkte sich auf die notwendigen militärischen formen und auf den Dienst als Hilfskrankenträger. Zu ihrer weiteren Ausbildung im Beruf konnten die Hoboisten die Musikhochschule besuchen. Die Zahl dieser Bewerber fand indessen ihre Grenze darin, daß nicht zu viel Dienst ausfallen durften. Da der Dienst ihnen keine Zeit dazu ließ, konnten die Hoboisten nicht an dem Kapitulantenunterricht teilnehmen. Wer sich weiter bilden wollte, mußte dies durch Privatunterricht tun. Hierdurch und später durch den Militäranwärterunterricht, an dem sie teilnahmen, gewannen viele die Eignung für die Anstellung in mittleren Beamtenstellen.

 

Die Löhnung der Hoboisten war niedriger als die der anderen Unteroffiziere. Die Nebeneinnahmen durch Konzerte waren nicht erheblich. Bei der Leib-Kompanie bestand indessen eine Stiftung Sr. Majestät des Kaisers in Höhe von 30 000 Mark, die sogenannte Musikkasse. Nach der Darstellung des früheren Feldwebels Frentrup war sie bestimmt, tüchtige Musiker zur Regimentsmusik heranzuziehen. Die Zuwendungen schwankten nach den musikalischen Leistungen und dem Dienstalter. In den letzten Jahren wurden aus ihr monatliche Zulagen von 6, 9, und 15 Mark gezahlt. Der Musikmeister erhielt 30 Mark. ...

 

Die Anziehungskraft der Militärmusiken für das große Publikum in Konzerten ist eine bekannte Tatsache. Der künstlerischen Leistung standen die Uniform und der militärische Schwung fördernd zu Seite. Dei Musik des Regiments hat alljährlich Konzertverpflichtungen in Berlin, z. b. im Zoologische Garten, gehabt, auch öfter Konzertreisen im Reiche unternommen. Daß sie auch oft in Potsdam konzertierte ist natürlich; die Potsdamer hörten mit Vorliebe ihr 1. Garde-Regiment. ..." berichtet die Regimentsgeschichte.

 

Die Aufstellung der Regimentsmusik begann parallel zu der Errichtung des Regimentes 1806 und war 1813 abgeschlossen. Sie war der Leibkompagnie unterstellt und hatte einen festen Etat, der zunächst 48, dann 42 und ab 1912 nur noch 36 Hoboisten betrug. In das gleiche Jahr fällt auch die unmittelbare Unterstellung unter das Regiment. In dieser Formation bestand dann die Regimentsmusik bis 1919 fort, dann wurde sie mit dem Regiment zusammen aufgelöst. Die Instrumente wurden meist vom Etat des Offizierscorps des Regimentes bezahlt.

 

Besetzungsliste der Regimentsmusik und der Spielleute des Ersten Garderegiments zu Fuß um 1900, Archiv DGfMM

 

Im Besitz des Offiziercorps befand sich bei der Aufstellung des Regimentes ein alter Schellenbaum, welcher in den Befreiungskriegen  und danach bis zur Neubeschaffung eines Schellenbaumes 1852 weiter genutzt wurde. Von welchem Regiment dieser stammte, ist unbekannt.

 

Allen Militärmusikern der preußischen Armee gleich waren die sogenannten "Schwalbennester". Beim Ersten Garderegiment zu Fuß waren diese von Beginn an ponceaurot und bei den Spielleuten mit 8 weißen, senkrechten Wollborten besetzt. Unten herum verlief eine ebensolche quer. Bei Hoboisten im Unteroffiziersrang und Hilfsmusikern, also meist Gemeinen, Gefreiten, bzw. Kapitulanten, war der Besatz aus der Unteroffizierstresse des betreffenden Truppenteils gearbeitet. Hier demnach aus 2,1cm breiter, gemusterter Silbertresse. Bei der Garde trugen die Spielleute von jeher 5,5cm lange weiße Wollen-, die Hoboisten usw. 3cm lange silberfarbene Fransen. Die Stabshoboisten und Bataillonstambours, nur soweit sie Unteroffiziersrang besaßen, 7cm lange Kantillenfransen, die die Garde stets, die Linie erst nach A.K.O. vom 06.05.1847 führte. Bataillonstamboure, die nicht Unteroffiziersrang besaßen, bekamen mit A.K.O. vom 28.014.1811 um Kragen und Ärmel weiße Bandborten und Unteroffizierstroddel. Der Bataillonstambour der Füsiliere wurde nun "Stabshornist" genannt, was aber nach den Freiheitskriegen, wie auch die Tamboure ohne Unteroffiziersrang, nicht mehr in Erscheinung trat.

 

Als der König im Frühjahr 1813 in Breslau weilte und den Wunsch nach einem "tüchtigen" Stabshoboisten für das Regiment Garde zu Fuß äußerte, empfahl ihm der musikliebende Kommandeur der Oberschlesischen Infanterie-Brigade, General von Pirch, Carl Josef Krause. Dieser, auch Sohn eines Musikers, spielte Waldhorn, Fagott und Klarinette und galt durch seine Tätigkeit in der Kapelle des Ministers Graf Hoym zu Breslau als ausgezeichneter Virtuose. Er erhielt die Anstellung, machte den Feldzug 1813/15 mit.

 

Stabshoboisten trugen nach A.K.O. vom 15.01.1817 das Portepee, wenn sie wirkliche Musikmeister waren gemäß A.K.O. vom 14.01.1828 sogar den Offiziersdegen.

 

1828 ging der bisherige Stabshoboist Carl Josef Krause in Pension. Zu seinem Nachfolger wurde auf besondere Empfehlung der 1817 als Hoboist beim 31. Infanterieregiment in Erfurt eingetretene Carl Engelhardt ausersehen. Er blieb auf diesem Posten bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1857. Während seiner Dienstzeit erschuf er zahlreiche Kompositionen und Arrangements für Militärmusik. Von seinen Marschkompositionen wurden vier in die Sammlung der Preußischen Armeemärsche aufgenommen.

Im Jahre 1852 wurde ein für 800 Thaler neuer Schellenbaum nebst neuer Paradeflagge beschafft, der alte wurde danach verkauft. Das Offizierscorps kaufte ihn jedoch später von einem Berliner Händler aus eigenen Mitteln zurück und bewahrte ihn im Offizierscasino auf.

1857 wurde Friedrich Wilhelm Voigt[3] vom "Direktor der gesamten Musikchöre des Gardecorps", Wilhelm Wieprecht, dem König Friedrich Wilhelm IV. für die vacant gewordene Stellung des Stabshoboisten im Ersten Garderegiment zu Fuß vorgeschlagen. Er war zu diesem Zeitpunkt erst 24 Jahre alt! Er 1833 war als Sohn des Stabshoboisten Christian Voigt im damals in Koblenz liegenden Infanterieregiment Graf Werder Nr. 30geboren. Nach dem Besuch der höheren Schule in Koblenz und Trier studierte er am Musikkonservatorium in Köln, um sich dann einem mehrjährigen Studium unter bedeutenden Lehrern in Leipzig und Berlin, u. a. in der Opernkapelle der Hauptstadt, zu widmen. Für seine Abschlußarbeit, eine Choral-Symphonie für Großes Orchester "Ein feste Burg", wurde ihm die Silberne Medaille der Königlichen Akademie für Kunst und Wissenschaft verliehen. Als Voigt 1857 die Stelle als Stabshoboist beim Ersten Garderegiment zu Fuß antrat, mußte er sich zunächst einer militärischen Ausbildung unterziehen, denn es war das erste Mal, daß ein Ungedienter Stabshoboist wurde. Die Tatsache, daß seine Kapelle als einzige die Musik bei Hofe stellte, zeigt ihren hohen Leistungsstand unter Voigts Stabsführung. Er war Teilnehmer der Feldzüge 1866 und 1870/71 und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Voigts Geburtstag fiel mit dem des späteren Königs und Kaisers Wilhelm I. (1797- 1888) zusammen. Bei der Paradeaufstellung des Regiments im Lustgarten am 22. März jeden Jahres wurde er von diesem stets vor der Front beglückwünscht, worauf Voigt seine Wünsche für den alten Herrn erwiderte.

Einen Tag nach der Kaiserproklamation in Versailles am 18.01.1871 wurde von der Regimentsmusik unter Friedrich Wilhelm Voigt der von ihm eigens zu diesem Ereignis komponierte Marsch "Salus Caesari nostro Guilemo" mit der Hymne im Trio aus Händels Oper "Judas Maccabäus", "Seht, da kommt er preisgekrönt...", der später mit der Nummer 205 in die Preußische Armeemarschsammlung einging, aufgeführt.

 

Im Jahre 1874 wurde beim Hoflieferanten Beyerhaus in Potsdam für 575 Thaler ein neuer Schellenbaum nebst neuer Paradeflagge beschafft.

 

1878 wurde der Stabshoboist im Ersten Garderegiment zu Fuß, Friedrich Wilhelm Voigt zum Königlich Preußischen Musikdirektor befördert.

 

1887 schuf das Kriegsministerium die Stelle des "Armee-Musikinspizienten". Friedrich Wilhelm Voigt wurde im gleichen Jahr dorthin bestellt. Sein Nachfolger als Stabshoboist im Ersten Garderegiment zu Fuß wurde Fritz Möller vom Infanterieregiment Graf Schwerin Nr. 14, zuletzt Stabshoboist-Aspirant bei den Garde-Füsilieren.

 

"Unsere Garde" Titelblatt des Notensatzes für den gleichnamigen Marsch, Archiv Seiotenautor

 

Nach A.K.O. vom 28.07.1889 erhielten Musikmeister die doppelte Ärmeltresse, wie die etatmäßigen Feldwebel.

 

Am 01.04.1890 wurde dem ehemaligen Stabshoboisten im Ersten Garderegiment zu Fuß und damaligen Armee-Musikinspizienten Friedrich Wilhelm Voigt anläßlich seines Ausscheidens aus seinem Amt ein weiterer Ehrentaktstock verliehen. Der neue Ehren-Taktstock wurde in einer Schatulle aufbewahrt. Diese Schatulle hatte die Maße: 37cm lang; 4,5cm tief, 4,0cm hoch. Es war ein Holzkasten, darauf unter Spannung verklebtes schwarzes Buchbinderleinen, feingenoppt wie der Fischhautbezug auf dem Griff des Infanterie-Offiziers-Degens (IOD) Modell 1889. Am Boden und an der Kanteneinfassung des Deckels befand sich mittig eine feine Prägerille; auf dem Deckel nach Art eines Buchrückens vier feine Prägerillen, eine breitere mittig. Frontseitig am Deckel waren zwei längliche, weißmetallene Schatullenbeschläge (Schließen) in Metallschneide/-stanzarbeit mit inwärts umgelegten, viertelgebördelten Außenkanten; die Schließen waren bei den Außenverzierungen am Kasten gestiftet. Mittig auf dem an den Längskanten leicht gewölbten Schatullendeckel war ein kaiserliches Emblem: Ein etwa Groschengroßes kreisrundes Medaillon mit feuervergoldetem, schmalen Rand, mit marineblauem Fließquarz (Emaille) ausgegossen, von leicht gewölbter Oberfläche. Darauf erhaben eine gotische „W“-Chiffre, darunter eine römische „II“, also das Emblem für Kaiser Wilhelm II. Auf dem Medaillon saß oben das Symbol der deutschen Kaiserkrone, links und rechts gesäumt von zwei gefalteten Schleifen. Diese Staatssymbolik ist in Bezug auf den Armee-Musikinspizienten unzutreffend. Friedrich Wilhelm Voigt war sowohl als Stabshoboist, dann seit 1878 als Königlich Preußischer Musikdirektor beim Ersten Garderegiment zu Fuß, sodann als Armee-Musikinspizient dem König von Preußen als Landesherr und Dienstherr über das Königlich Preußische Heereskontingent untertänig und nicht dem Deutschen Kaiser. Der Buchbinder scheint sich hier aushilfsweise eines Uniform- oder Ausrüstungsattributs der Kaiserlichen Marine, der Marine-Infanterie, der Schutztruppen oder des Yachtclubs o. ä. bedient zu haben. Das Innere des Schatullenkastens war mit königsblauer gewässerter Damastseide ausgeschlagen und mit weichem Textil/Buchbinderpapier unterfüttert. Auf dem Boden waren vier Stellrippen als Waage zur Einlage des Dirigentenstabes montiert. Eine umlaufende schmale zweigedrillte Kordel säumte den Bezugsstoff im Deckel und Kastenboden. Der Dirigentenstab hatte eine Gesamtlänge von 35cm, davon mittig 25cm der eigentliche Stab aus hochglanzlackiertem schwarzen Ebenholz. Diesem Mittelstück war als obere Hauptapplikation eine 6cm hohe und 3,5cm breite, 5 – 7cm dicke elfenbeinerne Lyra aufgesteckt, die auf einer knapp 3cm hohen Säulentrommel aufsaß, welche im oberen Drittel von einem umlaufenden Lorbeerband gesäumt war. Der untere Abschluß des Ebenholzstabs bestand aus einem 3,5cm hohen elfenbeinernen Knopf: Eine etwa 3cm hohe Säulentrommel, zu 1cm unten glattpoliert, war oben erhaben von 6 halbreliefierten, herabfallenden Akanthusblättern überdeckt, darauf eine kleine Kugel (Durchmesser: 0,5cm). Unterhalb des elfenbeinernen Lyra-Dekors war dem schwarzen Stab ein nach oben aufsteigendes silbernes Schriftband, 2½ mal umgeschlagen, mit Silberstiften in den Schwalbenschwanzenden aufgenagelt. Das Bandeau trug die Gravur „Dem Kgl. Musikdirektor F.W. Voigt gewidmet. 1. IV. 1890“ Am unteren Ende des Ebenholzstabes, nahe dem Akanthusblatt, war mit 4 Stiften eine silberne, gut 3½cm lange und 1cm hohe Gedenkplatte (längsrechteckig mit Ausbuchtungen an den Schmalseiten) fixiert. Sie trug in Schwabacher Fraktur die Gravur: „1. G. R. z. F.“ Dieser einmalige Ehren-Taktstock hat mitsamt der Schatulle die Zeiten überdauert und befindet sich heute im Besitz eines Mitgliedes der Deutschen Gesellschaft für Militärmusik e.V.

 

Der am 01.04.1890 an F.W. Voigt verliehene Ehrentaktstock, Archiv DGfMM

 

Am 09.02.1894 wurde Stabshoboist Fritz Möller zum "Königlichen Musikdirektor" ernannt, ohne die hierfür erforderlichen Voraussetzungen erfüllt zu haben. Normalerweise wurden Stabshoboisten nach 18 - 20 Dienstjahren zum "Musikdirigenten" ernannt, nicht zu verwechseln mit dem Titel "Musikdirektor", welcher nicht vom Kriegs- sondern vom Kultusministerium aufgrund besonderer Voraussetzungen zuerkannt wurde. Möller aber wurde auf folgende Weise zum "Musikdirektor": Als sich das Musikkorps des Ersten Garderegiments zu Fuß auf einer Konzertreise in Hamburg befand, wurde Möller bekannt, daß Kaiser Wilhelm II. persönlich zur Eröffnung der Fischereiausstellung in Altona erscheine. Er schickte sofort zwei Hoboisten nach Potsdam, ließ die weißen Hosen und Grenadiermützen holen und nahm in Paradeuniform am Eingang der Ausstellung Aufstellung. Der Kaiser, sehr beeindruckt und erfreut, bedankte sich für die Überraschung und redete Möller mit "Herr Musikdirektor" an. Von seinem Adjutanten darauf aufmerksam gemacht, daß Möller nicht "Musikdirektor", sondern "Musikdirigent" sei, antwortete der Kaiser: "Was ich gesagt habe, bleibt bestehen!"

Nach den Unterlagen der Fa. Imme in Berlin ist am 15.06.1895 ein Schellenbaum (mit Paradeflaggen) des Ersten Garderegiments zu Fuß  renoviert worden. Er hat ferner ein Paar neue schwarz-weiße Büffelhaare erhalten.

Nach A.K.O. vom 27.01.1896 trugen auch die Hoboisten und Spielleute die Grenadier- bzw. Füsiliermütze, jedoch mit roter Püschel.

 

1902 wurde der letzte Schellenbaum nebst je einer Parade- und Dienstflagge beschafft[4].

1905 reiste Kaiser Wilhelm II. nach Tanger (Marokko). Dabei führte ein Marokkaner das Pferd von S.M.. Dieser Farbige gefiel Wilhelm und so "schenkte" ihm der dortige Sultan den baumlangen Mauren Namens Ben Aissa. Dieser stammte aus Fez, sein Vater war dort Kammerdiener des Sultans und er selbst Fechtoffizier. Als er Wilhelm begegnete, war er 18 Jahre alt. Mit seinem Einverständnis kam er Pfingsten 1906 nach Potsdam, wo er anfangs noch seine Heimattracht trug. In dieser machte er das Manöver und die Übung des Regimentes im gleichen Jahr in Döberitz mit. Im Herbst fuhr er in seine Heimat zurück und blieb den Winter über bei der deutschen Gesandtschaft in Tanger. Im Frühjahr 1907 kam er nach Potsdam zurück und wurde in die Uniform des Ersten Garderegiments zu Fuß eingekleidet und der Leibkompagnie als Schellenbaumträger zugeteilt. Der 1,88m große Mann (manche Quellen nennen 2,10m als Größe) erreichte mit aufgesetzter Grenadiermütze stattliche 2,25 m. Er wurde 1908 zum Unteroffizier und 1913 sogar zum Vize-Feldwebel befördert.[5] "Die Regimentsmusik des I. Garderegiments zu Fuß in Potsdam erhält einen 2,10 Meter großen schwarzen Schellenbaumträger, den Kaiser Wilhelm aus Marokko mitgebracht hat. Das Leibgarde-Husarenregiment hat schon einen schwarzen Paukenschläger." (Archiv DGfMM, Tagesspiegel, Nr. 2954, vom Sonntag, den 29.05.1955, unter Rubrik "Heute vor 50 Jahren", es handelt sich also um die Meldung dieser wöchentlich erscheinenden Zeitung zwischen dem 29.05. und 04.06.1905) "Der schwarze Schellenbaumträger beim 1. Garde-Regiment steht im Range eines Unteroffiziers. Der schwarze Kesselpaukenschläger bei den Garde-Husaren ist Gefreiter. Beide sind Kapitulanten und müssen infolgedessen nach zwölfjähriger Dienstzeit den Zivilversorgungsschein unter denselben Voraussetzungen erhalten wie jeder andere Militäranwärter. Dem Schellenbaumträger vom 1. Garde-Regiment müssen ebenfalls Ehrenbezeugungen erwiesen werden wie den übrigen Unteroffizieren. Der schwarze Gefreite bei den Garde-Husaren dient bereits sechs bis acht Jahre und ist trotzdem über den Gefreitengrad noch nicht hinausgekommen." (leider nicht näher beschriebener Zeitungsausschnitt aus dem Archiv der DGfMM, jedoch ist anzunehmen, daß dieser aus der "Deutschen-Militär-Musiker-Zeitung" und deren Rubrik "Fragekasten" stammt.)

"Die Stabshoboisten erhielten 1908 die Bezeichnung Musikmeister, nach längerer Dienstzeit Obermusikmeister und rangierten als Unteroffiziere mit Portepée vor den Feldwebeln. Die ihnen neun verliehene Uniform mit rotgeflochtenen Achselstücken glich der Offizieruniform. Der Musikmeister des Regiments war eine wichtige Persönlichkeit bei jedem Vorbeimarsch, besonders bei der Parade. Während die Spielleute mit dem Locken anmarschierten, trug der Regimentstambour die Verantwortung für das Tempo, das 1889 von 112 auf 114 heraufgesetzt war. Sobald die Musiken standen und einsetzten, war der Musikmeister für das Tempo verantwortlich. Eine Uhr, die er in der linken Hand hielt, zeigte ihm das Tempo an. Se. Majestät der Kaiser war bei Paraden sehr empfindlich gegen schleppendes Tempo; auch manche Vorgesetzte hatten ein feines Gehör oder glaubten es zu haben. Trotz Hinweis auf die Uhr entgingen die Musikmeister manchmal mit knapper Not dem Verhängnis, wegen falschen Tempos bestraft zu werden." (aus der Regimentsgeschichte)

1909 quittierte Musikdirektor Fritz Möller im Alter von 60 Jahren seinen Dienst. Sein Nachfolger wurde Walter Bernhagen vom Infanterieregiment Nr. 155 in Ostrowo, welcher 1895 im Grenadierregiment Nr. 5 in Danzig seine Karriere begonnen hatte.

1912 wurde Walter Bernhagen nach nur drei Jahren Dienstzeit als Stabshoboist, bzw. Musikmeister beim Ersten Garderegiment zu Fuß auf eigenen Wunsch Stabshoboist beim 1. Badischen Leibregiment Nr. 109. Man sprach davon, daß er sich "wegen Verletzung seines musikalischen Ehrgefühls" um eine andere Regimentskapelle beworben hatte[6]. Sein Nachfolger war Fritz Bauerfeld. Er kam vom Infanterieregiment 152 in Marienburg, dessen Kapelle er nach beendigtem Hochschulstudium in Berlin im Jahre 1900 übernommen hatte. Er war der letzte Leiter der Regimentsmusik[7].

 

"Die Kosten der Ergänzung der Instrumente wurden zum Teil von dem Offizierskorps getragen. Zu den Instrumenten gehörte auch der Schellenbaum, eine Erinnerung an die Janitscharenmusik. Ihre Majestät die Kaiserin schenkte dem Regiment 1912 eine neue Standarte für den Schellenbaum, welche in Silber gestickt war und das Wappen beider Majestäten trug." (aus der Regimentsgeschichte)

 

Die Regimentsmusik zog 1914 mit dem aktiven Regiment aus und begleitete es beim Vormarsch durch Belgien und Frankreich. Hin und wieder wurden auch im Felde Paraden abgehalten, die selbstverständlich von der Regimentsmusik musikalisch begleitet wurde, teilweise sogar mit klingendem Spiel in zu besetzende Städte einmarschiert, wie z. B. am 04.09.1914 in Epernay in der Champagne. Am 06.09.1914 erhielt bei Givry der Wagen mit den Instrumenten des Regiments einen Volltreffer. Über die weitere Verwendung der Regimentsmusik während des Krieges ist wenig bekannt, es ist jedoch anzunehmen, daß sie zu den auch im Felde stattfindenden Paraden des Regiments stets aufspielte. Am 11.12.1918 hatte sie vermutlich ihren letzten Auftritt, als das Regiment mit der Regimentsmusik an der Spitze in Potsdam einzog. Danach ist die Regimentsmusik mit dem Regiment zusammen aufgelöst worden und ihre Instrumente zum 9. (Preuß.) Infanterieregiment der Reichswehr gelangt.

 

3. Zusammenfassung Stabshoboisten

 

Ernennung zum Stabshoboisten[2] Name
1813 Carl Josef Krause (15.07.1775-ca.1860)
1828 Carl Engelhardt (1793-1861)
1857 Friedrich Wilhelm Voigt[3] (22.03.1833-22.02.1894)
1887 Amandus Schulz (1856-1904)
1889 Fritz Möller (28.06.1959-1914)
1909 Walter Bernhagen[6] (12.12.1875-05.08.1957)
1912 Fritz Bauerfeld[7] (31.10.1872-04.1945)

 

 

4. Zusammenfassung Schellenbäume

 

Allgemein: Großteil der Metallteile silbern, Tragriemen zunächst allgemein schwarz, später bei Paraden weiß
älterer Schellenbaum 1852-1874 Alle Teile des Stockes silbern, desgleichen die Adler, die große Glocke  mit Eichenkranz, der große und die kleinen Sterne und der Halbmond. Dagegen sind von Gold alle Kugeln, die kleinen Glöckchen, die Haarschweiftüllen und die Kronen der Adler des Halbmondes. Die silbernen Fasces haben goldene Bänder und goldenen Blitze. Der Ordensstern hat ein goldenes Mittelfeld mit schwarzem Adler. Um dasselbe ein roter Kreis mit goldenen Rändern. Der Holzgriff ist schwarz. Die Roßschweife waren (vom Träger aus gesehen) rechts schwarz, links weiß.

Die Flagge war ein Geschenk der Kronprinzessin und der Prinzessinen. Die Flagge war beiderseits aus weißem Atlas gefertigt. Alle Stickereien wie Schwert und Krone auf der Vorderseite, sowie Schnüre, Fransen, Quasten, Krone und Namenszug mit Eichen-Laubwerk auf der Rückseite waren Silberstickerei. Der Adler war von schwarzer Seide gefertigt. Auf der Bandschlinge der Rückseite befand sich die Inschrift "Gott mit uns".

jüngerer Schellenbaum 1874-1902 Die Arabesken, sowie alle anderen Teile des Stockes, die Adler, der große und die kleinen Sternchen, der Halbmond, die große Glocke und die Schweiftüllenhalter waren silbern. Von Gold waren die Kronen der Adler, die Donnerkeile mit den Blitzen, die Füllhornenden des Mondes und die kleinen Glöckchen. Das "FR" des großen Adlers war silbern. Das Rondel des Ordenssterns war in den korrekten Farben des Schwarzen Adlerordens ausgeführt. Auf dem Füllhorn runde Fleckchen und Sternchen in Silber. Die silberne große Glocke hatte eine goldene Blattdecke und einen ebensolchen Eichenkranz. Der Holzgriff war wie beim älteren Schellenbaum schwarz, die Roßhaarbüsche jetzt rechts weiß und links schwarz. Ab 1895 waren beide Schweife aus schwarz-weißem Büffelhaar gefertigt.

Die Paradeflagge war die gleiche, wie beim älteren Schellenbaum von 1852, Zusätzlich dazu trug der Adler auf der Vorderseite den silbern gestickten Namenszug "FR" und unter dem Adler befand sich ein weißes Bandeau mit der silbern gestickten Inschrift "Erstes Garde Regiment zu Fuß".

letzter Schellenbaum 1902-1919  Mit Ausnahme der Krone vollständig versilbert. Der Name des Regiments  - "Erstes Garde-Regiment zu Fuß" - auf der Vorderseite des Halbmonds und das Eichenlaubgewinde war matt eingeschnitten. Der Stern hatte ein Mittelschild, welches seiner Größe entsprechend in Form, Schrift und Farbe dem Stern des Schwarzen Adlerordens gleich und in Emailfarbe gemalt war. Der Holzgriff war weiß lackiert, die Büffelhaarbüsche waren rechts schwarz-weiß, links rot.

Die Paradeflagge war ein Geschenk des Kaiserpaares. Sie war 32cm breit und 28,5cm hoch, ausschließlich der Stabhülse aus Silberstoff gefertigt. Der schwarze Adler war nach Vorbild des Adlers auf der Fahne des I. Bataillons (Grenadiere) gefertigt. Er bestand aus schwarzer Seidenstickerei. Unter dem Adler befand sich ein silbernes, gold umrandetes Bandeau mit der schwarz gestickten Inschrift "Erstes Garde Regiment zu Fuß". Die Eichenzweige auf Vorder- und Rückseite, Rippen und Früchte in Gold, die Blätter von Silber mit Goldumrandung gestickt. Die Flagge war von allen vier Seiten mit einer 9mm breiten gemusterten Borte mit 4cm langen Fransen eingefaßt. Die Unterfransen ebenfalls silbern.

Die Dienstflagge war identisch, jedoch ohne Regiments-Bandeau und ohne Eichenlaub-Verzierungen.

 

 

Älterer Schellenbaum, geführt 1852-1874

 

Paradeflagge zum älteren Schellenbaum

 

Jüngerer Schellenbaum, geführt 1874-1902

 

Paradeflagge zum jüngeren Schellenbaum

 

Letzter Schellenbaum, geführt 1902-1919

 

Parade- und Dienstflagge zum letzten Schellenbaum

 

5. Fotoaufnahmen der Regimentsmusik

Die Regimentsmusik unter Friedrich Wilhelm Voigt im Jahre 1875, Privatarchiv

Rückkehr von der Bataillonsbesichtigung am 02.05.1898, im Vordergrund die Regimentsmusik, Regimentsgeschichte

Einstellung des Prinzen Oskar in das Regiment am 27.05.1898, links die Regimentsmusik unter Fritz Möller, Privatarchiv

"Der Kronprinz führt die Ehrencompagnie", patriotische Postkarte um 1900, vorne die Regimentsmusik, Archiv Seitenautor

Die Regimentsmusik unter Fritz Möller um 1900, Privatarchiv

Die Regimentsmusik unter Fritz Möller auf den Stufen von Schloß Sans souci in Potsdam ca. 1909, Privatarchiv

Feier anläßlich des 200-jährigen Geburtstages Friedrichs II. am 24.01.1912 in Potsdam, links die Regimentsmusik, Privatarchiv

Ansprache des Kaisers anläßlich einer Parade des Ersten Garderegiments zu Fuß, in der Mitte aufmarschiert die Spielleute und die Regimentsmusik, Privatarchiv

Die Regimentsmusik unter Walter Bernhagen zwischen 1909 und 1912, Archiv DGfMM

Einzug des Ersten Garderegiments zu Fuß in Potsdam am 11.12.1918, an der Spitze die Regimentsmusik

6. Dokumente zur Regimentsmusik

Anhang I zur Bekleidungsordnung, Zweiter Teil. Verzeichnis etc. der Instrumente der Königlich Preußischen Militärmusik (Bekl.O.II.), Berlin 1903.pdf

Militärmusik 1800-1830, Besetzungslisten, Instrumentierung.pdf

Militärmusik Marschaufstellung.pdf

Weitere Dokumente zum Herunterladen auf Ihren Rechner finden Sie unter Übertragbares.

 


[1] AM = Preußische Armeemarschsammlung, I = Sammlung für Präsentiermärsche, II = Sammlung für Parademärsche, III = Sammlung für berittene Truppen (Märsche im Schritt, Trab und Galopp).

 

[2] Alle Stabshoboisten wurden nach 18 - 20 Dienstjahren zu "Musikdirigenten" ernannt, nicht zu verwechseln mit dem Titel "Musikdirektor". Letzterer wurde nicht vom Kriegsministerium, sondern vom Kultusministerium auf Grund besonderer Voraussetzungen zuerkannt.

 

[3] Friedrich Wilhelm Voigt wurde 1887 zum ersten "Armee-Musikinspizienten" ernannt. Er schuf viele bekannte Märsche wie die "Kaiser-Friedrich-Fanfare" oder "Die Deutsche Kaisergarde, AM II,208".

 

[4] Nach den Unterlagen des Semper Talis Bundes schenkte 1913 Kaiserin Auguste Viktoria dem Regiment eine  neue Standarte zum Schellenbaum. Um welche (Parade- oder Dienstflagge) es sich handelte, ist unbekannt. Nach der Regimentsgeschichte ist es jedoch die Paradeflagge. Unter "D. Besondere Bestimmungen" im Anhang I. zur Bekleidungsordnung, II. Teil (Bkl.O.II) der D.V.E. Nr. 122 aus dem Jahre 1903 findet sich der neue Schellenbaum des Ersten Garderegiments explizit erwähnt, jedoch nicht die Flagge dazu.

 

[5] Seine Dienstzeit betrug insgesamt 14 Jahre. Er wurde dabei mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse, dem Türkischen Roten Halbmond, der Dienstauszeichnung III. Klasse und der Medaille zum Rothen Adlerorden ausgezeichnet. Bei der Mobilmachung 1914 rückte er zunächst ganz normal mit dem Regiment und der Regimentsmusik gen Westen aus und kehrte im Verlauf des Krieges zum Ersatzbataillon zurück. Später fand er an der Palästinafront Verwendung als Dolmetscher und trug dort die Uniform seines Regiments. Ben Aissa kehrte im Dezember 1918 in vollem Dienstanzug und mit Waffen nach Potsdam zurück und blieb zunächst in der Kaserne des Ersten Garderegiments zu Fuß bis Mitte 1919, um dann von Hamburg aus per Schiff in die Heimat zurückzukehren. Diese Fakten entstammen: Havelländischer Erzähler, Ausgabe 11.04.1937, Artikel von August Bonnseß mit dem Titel "Die Farbigen der Potsdamer Regimenter" und Karl Willnitz: Seitengewehr pflanzt auf! (siehe das Literaturverzeichnis). Wobei Bonnseß behauptet, er wäre beim Ersatzbataillon geblieben, Willnitz jedoch den Einmarsch mit ihm and er Spitze in Epernay am 05.09.1914 beschreibt.

 

[6] Hierzu kann erläutert werden: Bernhagen hat in seiner Posenschen Garnison Ostrowo während des Winters allmonatlich ein Sinfoniekonzert gegeben, welches für das kleine Städtchen ein kulturelles und gesellschaftliches Ereignis darstellte und zu dessen Besuchern u. a. fast das gesamte Offizierkorps zählte. So wollte er es auch in Potsdam halten, aber seine älteren Hoboisten bemerkten, die Offiziere der Potsdamer Garnison führen zur Staatsoper oder zur Philharmonie nach Berlin, wenn sie ein Sinfoniekonzert hören wollten. Bernhagen ließ sich von seinem Vorhaben nicht abbringen, veranstaltete ein Sinfoniekonzert - und der erwartete Besuch blieb aus. Im Badischen Leibregiment bewährte er sich als Nachfolger des ebenfalls aus dem Ersten Garderegiment zu Fuß hervorgegangenen kgl. Musikdirektors Adolf Boettge, der durch seine Konzerte historischer Meisterwerke in historischer Besetzung  sehr populär und in Fachkreisen geschätzt war. Mit dieser Kapelle unternahm Bernhagen auch mehrere Auslandsreisen. Im 1. Weltkrieg mit beiden Eisernen Kreuzen ausgezeichnet, übernahm er in der Reichswehr die Kapelle des 14. (Bad.) Infanterieregiments in Konstanz. In dieser Stadt ist er 1957 einem Herzschlag erlegen. Er trat mehrmals als Komponist von Chorwerken und Märschen hervor.

 

[7] 1917 wurde er schwer verwundet und kehrte mit beiden Eisernen Kreuzen aus dem Weltkrieg zurück. Danach übernahm er zunächst eine Kapelle der Berliner Schutzpolizei, um dann in der Reichswehr die Kapelle des 5. (Preuß.) Infanterieregimentes in Rostock zu übernehmen und später am gleichen Standort die Kapelle des Infanterie-Regiments 27 der Wehrmacht. Als erstem wurde ihm auf Grund der Verordnung vom 12.04.1938 der Rang eines "Musikinspizienten", dem Major entsprechend, verliehen. Am 31.03.1939 schied Fritz Bauerfeld aus dem Heeresdienst aus. Im Ruhestande in Potsdam lebend, beging er mit seiner Frau dort Selbstmord, als im April 1945 die Rote Armee einmarschierte.