Das Legatenhaus und der von Rohdich´sche Legatenfonds

Das von Rohdich´sche Legatenhaus um 1820, Regimentsgeschichte.

"Der von Rohdich´sche Legatenfonds, der das Haus am Pariser Platz 3 in Berlin umschloß, ist die größte und segensreichste Stiftung, über die das Regiment verfügen konnte, und war wohl auch einzig in ihrer Art im Heere."

Aus der Regimentsgeschichte 1871-1914

Im Hintergrund hören Sie den Grenadiermarsch des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6, mit freundlicher Genehmigung durch die DGfMM.

1. Das Lebenswerk Friedrich Wilhelms von Rohdich 1719 - 1796

Die Geschichte des Legatenhauses geht einher mit der Geschichte des "von Rohdich´schen Legatenfonds". Benannt ist der Legatenfonds nach seinem Stifter Friedrich Wilhelm von Rohdich (22.01.1719-23.01.1796). Geboren wurde dieser in Potsdam im Jahre 1719. Sein Vater geriet als Offizier in schwedischen Diensten im Jahre 1715 bei Stralsund in preußische Gefangenschaft, "...wurde aber, da er von großer und schöner Statur, von Friedrich Wilhelm I. aufgefordert als Feldwebel in das Leibgarde-Grenadier-Bataillon einzutreten, was er auch annahm. Feldwebel Rohdich wurde später zu den Invaliden der Garde versetzt und avancirte bis zum Capitain und Compagnie-Chef. Er starb als solcher im Jahre 1759." (aus der Regimentsgeschichte)

Zum Vater von Friedrich Wilhelm Rohdich, Behrend, schreibt der Verein für die Geschichte Potsdams in seiner 19. Sitzung am 23.02.1864: "Der Vater unseres Rohdich fiel bei Stralsund im Jahre 1715 als Schwedischer Officier in Preußische Kriegsgefangenschaft. Er hatte beim Könige Carl XII. in dessen vielen Kriegen mit Ehrten gedient und war ein auffallend großer, schön gewachsener Mann, der dem Könige Friedrich Wilhelm I. auffiel, als er sich die Kriegsgefangenen besah. Körperliche Größe war bei diesem Könige eine sehr gute Empfehlung, und so ließ er dem kriegsgefangenen Rohdich anbieten, in Preußische Dienste zu treten. Zu jener Zeit war es eine ganz gewöhnliche und gebräuchliche Sache, daß Kriegsgefangene sofort in die Dienste des Siegers traten, und so fand denn auch das Anerbieten des Königs eine freudige Annahme. Als Feldwebel kam Rohdich nach Potsdam und wurde beim Leibgarde-Grenadier-Bataillon, dem 1sten des bekannten »Königs-Regiments«, eingestellt. Hier heirathete Rohdich und wurde später zu den Invaliden der Garde versetzt, wo er bis zum Capitain und Compagnie-Chef avancirte und im Jahre 1759 als solcher starb."

Und über seinen Sohn berichtet der Verein in der selben Sitzung: "Im Jahre 1719, am 22. Februar, wurde ihm ein Sohn, der spätere General der Infanterie und Königs-Minister, geboren. Nach dem Kirchenbuche der hiesigen Hof- und Garnisonkirche ist er Friedrich Wilhelm getauft. Der Vater wird hier Behrend Rohdich geschrieben (ohne das Adelsprädicat, welches auch der Sohn erst später angenommen oder erhalten zu haben scheint, da vor 1760 die älteren Ranglisten ihn nur »Rohdich« aufführen). Die Mutter heißt hierin Dorothea Caters; als Pathen sind eingetragen zwei Sergeanten, ein Fourier und zwei Frauen, woraus sich auf die Verhältnisse der Familie schließen läßt. Dieser Knabe hatte schon früh das Glück, vom Könige wegen seines munteren Wesens und wegen seiner Anstelligkeit bemerkt zu werden, so daß Friedrich Wilhelm I. die Gunst, in welcher der Vater bei ihm stand, auch auf den Sohn übertrug; denn der Knabe wurde auf Königliche Kosten in das Joachimsthalsche Gymnasium nach Berlin geschickt und dort sorgfältig unterrichtet. Da der junge Rohdich die Vornamen Friedrich Wilhelm hatte, so ist es nicht unwahrscheinlich, daß sein Vater den König bei der Taufe zu Gevatter gebeten, was die Mannschaften des Leibgarde-Bataillons thun durften und auch selten versäumten, wenn dies auch nicht durch das Kirchenbuch bestätigt wird. Dies würde es wenigstens am natürlichsten erklären, daß der König schon früh ein besonderes Interesse für den Knaben zeigte, und zwar ging dieses Interesse so weit, daß der König sich nicht allein widerholt Bericht darüber erstatten ließ, ob der junge Rohdich etwas Ordentliches lerne und Fortschritte mache, sondern er prüfte ihn selbst in höchsteigener Person und überzeugte sich, ob der Unterricht bei seinem Schützlinge auch anschlage.

Die Zeugnisse sowohl, wie die vom Könige selbst gemachten Wahrnehmungen waren dem Knaben und später dem Jüngling günstig, eine ansehnliche Leibeslänge auch keine zu verachtende Mitgabe für die Laufbahn, welche ihm der König bestimmte, und so trat er denn im 18ten Lebensjahre, 1736, nachdem er einige Zeit den Dienst als Grenadier erlernt, als Unterofficier in das große Leib-Grenadier-Bataillon vom Regimente des Königs. Obgleich es gewiß keine Kleinigkeit war, sich bei dieser Truppe durch irgendetwas auszuzeichnen, so gelang es dem jungen Unterofficier Rohdich doch, die besondere Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten auf sich zu ziehen. Dieselbe Gewissenhaftigkeit und Pünktlichkeit, welche man noch im hohen Alter von dem General v. Rohdich rühmte, dieselbe Treue, Rechtschaffenheit und aufopfernde Anstrengung für das Ganze, welche der hervorstechende Zug in seinem Charakter blieb, - das Alles wird sich auch wohl schon bei dem jungen Unterofficier oder »gefreiten Corporal« gezeigt haben. - So viel ist gewiß, daß er sich die Liebe seiner Kameraden und die Achtung seiner Vorgesetzten erwarb, die denn doch an tüchtige Dienstführung gerade in diesem so bevorzugten Truppentheile gewöhnt waren. Als bei der Thronbesteigung König Friedrich´s II. das Königs-Regiment aufgelöst und dafür die neue Leibgarde errichtet wurde, ernannte der junge König am 23. Juni 1740 den gefreiten Corporal Rohdich von der alten Garde zum Fähnrich in der neuen, und somit war er in den Officierstand eingetreten."

Die Regimentsgeschichte berichtet: "Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der König bei dem jungen Rohdich Pathenstelle vertreten, denn von seinem frühsten Alter interessirte er sich auf das huldreichste für den munteren und aufgeweckten Knaben. Derselbe wurde auf Königliche Kosten im Joachimsthalschen Gymnasium in Berlin erzogen, und der König ließ sich wiederholt Bericht erstatten, ob der junge Rohdich Fortschritte machte, ja er prüfte ihn mehreremals höchstselbst. Sowohl die Berichte als die Prüfungen fielen sehr günstig aus, und da Rohdich außerdem groß gewachsen war, stellte ihn der König mit 18 Jahren, nachdem er den Dienst als Grenadier gelernt hatte, im Jahre 1736 in das große Leib-Grenadier-Bataillon ein."

Als im Jahre 1740 König Friedrich der II. seinem Vater auf den Thron folgte, wurde der junge Rohdich zur neuen Garde Nr. 15 versetzt. Gleichzeitig erhielt er die Beförderung vom Gefreiten-Corporal zum Fähnrich. Dort machte er den 1. Schlesischen Krieg mit, avancierte 1744 zum Secondelieutenant und kämpfte bei allen Schlachten des 2. Schlesischen Krieges mit. In der folgenden Friedenszeit erweiterte er seine wissenschaftliche Ausbildung und wurde 1750 zum Premierlieutenant befördert, 1756 dann zum Stabscapitain. Beim Ausmarsch zum 3. Schlesischen Krieg (7-jähriger Krieg) erhielt Rohdich eine Compagnie im I. Bataillon Leibgarde Nr. 15. An der Spitze dieser zeichnete er sich am 25.05.1757 vor Prag aus. Rohdich erhielt als Anerkennung vom König den Orden Pour le mérite, eine "Canonicats-Präbende" und später noch die Amtshauptmannschaft von Rosenberg.

Über den weiteren Werdegang Rohdichs, nachdem er in den Offizersstand eingetreten war, berichtet der Verein für die Geschichte Potsdams in der erwähnten 19. Sitzung: "In dieser Charge machte er den ersten Schlesischen Feldzug, und 1744 zum Seconde-Lieutenant avancirt, den zweiten Schlesischen, focht in den Hauptschlachten von Czaslau, Soor, Hohenfriedberg, hatte aber keine Gelegenheit, sich persönlich auszuzeichnen.

Die nun folgenden Firedensjahre, in denen Rohdich 1749 zum Premier-Lieutenant und 1756 zum Stabscapitain avancirte, benutzte er vorzüglich zu seiner wissenschaftlichen Ausbildung, denn die dienstliche verstand sich in einer so strenegen Schule, wie unter König Friedrich II., von selbst.

Das Avancement vom Stabscapitain zum wirklichen Capitain und Compagnie-Chef folgte dem vorigen rasch, denn bald nach der Ernennung zum Stabscapitain brach der siebenjährige Krieg aus, und die Garden verließen Potsdam am 30. August, um nach Sachsen abzumarschiren. Diesen Marsch machte Rohdich schon an der Spitze seiner Compagnie im Regiment Garde. Gleich Anfangs in diesem Feldzuge wohnte er der Gefangennehmung der ganzen Sächsischen Armee in dem festen Lager beim Städtchen Pirna bei, nachdem der König die zum Entsatz der Sachsen anrückenden Österreicher bei Lowositz zurückgeschlagen hatte.

Damit schlossen aber auch für die Garde die kriegerischen Ereignisse des ersten Feldzuges, und Rohdich brachte den Winter über in Dresden zu. Dagegen sollte der Feldzug des nächsten Jahres, 1757, ihm Gelegenheit zu persönlicher Auszeichnung bieten, dien um so folgenreicher für ihn war, als sie zum ersten Male das Auge des großen Königs auf ihn lenkte.

Diese gewiß lange von ihm herbeigesehnte Gelegenheit fand sich bei der Belagerung von Prag, wohinein Friedrich der Große das Österreichische Heer gedrängt, nachdem er es in einer blutigen Schlacht geschlagen. Als es nun zur Einschließung, Berennung und Belagerung dieser starken Festung kam, stand das Regiment Garde und mit ihm der Capitain Rohdich der Kleinseite gegenüber und unter den Befehlen des Feldmarschalls von Keith. Die belagerte Armee, welche großen Mangel litt, machte wiederholte Versuche, sich aus der Festung herauszuschlagen. Ein solcher Ausfall geschah auch in der Nacht vom 25. auf den 26. Mai, als Rohdich gerade mit 100 Grenadieren einen am weitesten gegen die Festung vorgeschobenen Posten besetzt hatte. Eine sehr bedeutende Zahl Österreichischer Grenadiere, meist Freiwillige, und 1000 Croaten schlichen sich unbemerkt so weit als möglich in der Dunkelheit gegen den von den Preußen besetzten Posten vor und brachen dann gleichzeitig gegen das kleine Häuflein los. Rohdich traf jedoch die zweckdienlichsten Anstalten, so daß es ihm gelang, die Gegner bis zur Ankunft von Verstärkungen aufzuhalten und dann den Österreichischen General Buttler wieder in die Festung zurückzutreiben.

Als man die näheren Umstände des Gefechts erfuhr, war die einstimmige Anerkennung für die Geistesgegenwart und Tapferkeit des Capitains Rohdich gewonnen. Auf den Bericht, welcher darüber dem Könige gemacht wurde, erhielt Rohdich den Orden pour le mérite, eine Canonicats-Präbende und später auch noch die Amts-Hauptmannschaft von Rosenburg. Der König verlieh nämlich sehr häufig an verdiente Officiere die Enkünfte von geistlichen Stiftungen und bürgerlichen Ämtern, und waren dann Amts-Hauptmannschaft und Präbende eigentlich nur außerordentliche Geldzulagen.

Von nun an verlor der König, der für jede hervorragende kriegerische That nicht allein erin gutes Gedächtnis hatte, sondern sie auch gern und auffallend belohnte, den Capitain seiner Garde nicht wieder aus den Augen. Obgleich nun Rohdich allen weiteren Feldzügen des sioebenjährigen Krieges beiwohnte und überall mit Ehre und Anerkennung genannt wurde, so hatte er doch das seltene Glück, während dieses ganzen Krieges weder verwundet noch gefangen zu werden. Ja er war sogar niemals krank. Die drei letzten Kriegsjahre machte er bereits als Major mit und avancirte dann im fireden 1767 zum Oberst-Lieutenant, 1771 zum Obersten."

 Im Jahre 1760 avancierte er also zum Major, 1767 zum Oberstlieutenant, 1771 zum Obersten. 1775 ernannte ihn der König zum Inspekteur sämtlicher in Westphalen stehenden Infanterieregimenter. "Eine große Auszeichnung, welche der König nur denen verlieh, die er zu höheren Stellen ausersehen hatte. Daß der König mit seinen Diensten zufrieden war, beweist die in dieser Zeit erfolgte Verleihung der Drostei Emden und der Amtshauptmannschaft Mühlenhof in Berlin." (aus der Regimentsgeschichte)

Der Verein für die Geschichte Potsdams berichtet weiter: "Im Jahre 1775 ernannte ihn der König zum Inspecteur sämmtlicher in Westphalen stehender Infanterie-Regimenter. Es war dies eine besondere Auszeichnung für ihn, da der König stets nur solche Männer zu Inspecteurs ernannte, die er prüfen wollte, ob sie sich auch zur Übernahme höherer Befehlshaberstellen eigneten. Sein Vorgänger als Inspecteur war der Generalmajor v. Dioeringshofen gewsen, während v. Rohdich nur Oberst war. Daß der König mit seinen Diensten als Inspecteur zufrieden war, beweist am besten die um diese Zeit erfolgte Verleihung der Drostei Embden in Ostfriesland und die der Amts-Hauptmannschaft Mühlenhof in Berlin, zwei Gnadenbeweise, die seine Einkünfte nicht unerheblich vermerhten. Indesen behielt Oberst v. Rohdich den Inspecteurposten in Westphalen nicht lange. Schon am 20. October 1776 berief ihn der König nach Potsdam zurück und übertrug ihm die Inspection der Garden, so wie der zur Potsdamer Inspection gehörigen Truppen, jedenfalls ein Beweis besonderen Vertrauens, da diese Truppen unmittelbar unter den Augen des Königs standen. Indessen war es damit noch nicht genug, und der König ernannte ihn gleichzeitig auch noch zum Commandeur des Regiments Garde.

So hatte er in der Garde des Königs und in demselben Regimente den ersten Schlesischen Feldzug als Fähnrich, den zweiten als Seconde-Lieutenant und den siebenjährigen Krieg als Capitain und Major mitgemacht. Wie er bei den verschiedenen Ausmärschen seinen Zug, seine Compagnie und sein Bataillon geführt, so sollte er jetzt, als 1778 der Bayerische Erbfolgekrieg ausbrach, sein Regiment als Oberst in´s Feld führen; gewiß für einen Soldaten, der von unten auf gedient, das schönste Gefühl und die ehrendste Auszeichnung. Wie der ganze Bayerische Erbfolgekrieg ein ziemlich thatenloser war, so hatte auch Oberst v. Rohdich keine Gelegenheit sich auszuzeichnen. Bemerkt muß nur werden, daß er während der Krankheit des Generalmajors v. Lestwitz die Reserve-Bigade der Armee des Königs selbst führte."

Am 20.10.1776 wurde demnach Friedrich Wilhelm von Rohdich zum Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15 ernannt und damit Nachfolger von Oberst Julius Treusch von Buttlar-Brandenfels, welcher als Generalmajor seinen Abschied nahm. Die Inspektion Potsdam, der auch die drei Bataillone Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde von Lestwitz Nr. 6 unterstanden, übernahm ebenfalls Oberst von Rohdich, da auch sie von Buttlar-Brandenfels zuvor geführt worden war. So zog Rohdich an der Spitze des Regiments, in dem er vom Fähnrich an gedient hatte, in den wenig ruhmvollen Bayerischen Erbfolgekrieg. Als Major von Lestwitz erkrankte, kommandierte von Rohdich zusätzlich noch die Reserve-Brigade der Armee des Königs. "Nach dem Frieden 1779 ernannte ihn der König zum Commandeur en Chef  des Grenadier-Garde-Bataillons für Lestwitz, welches Bataillon bekanntlich den Rang eines Regiments hatte, gleichzeitig avancirte er zum Generalmajor, wurde Commandant von Potsdam und Direktor des großen Potsdamer Militair-Waisenhauses. Rohdich stieg fortwährend in der Gunst des Königs und war der fast tägliche Tischgenoß seines Monarchen, welcher ihn auch verschiedener wichtigen und geheimen Aufträge würdigte." (aus der Regimentsgeschichte)

Friedrich Wilhelm von Rohdich, zeitgenössischer Kupferstich, Archiv Seitenautor.

Der Geschichtsverein Potsdams erzählt in genannter Sitzung weiter: "Nach wiederhergetselltem Frieden mit seinem Regimente nach Potsdam zurückgekehrt, ernannte ihn der König am 20. Juli 1779 zum Commandeur en Chef des Garde-Grenadier-Bataillons Nr. 6, welches bis dahin der Generalmajor v. Lestwitz gehabt hatte. Es war dies dasjenige Bataillon, welches König Friedrich II. im Jahre 1740 unmittelbar aus den größten Leuten des Leib-Regiments seines Herrn Vaters gebildet hatte, und bei welchem v. Rohdich seine militairische aufbahn begonnen. Obgleich es nur ein Bataillon war, so hatte es doch in der Armee den Reng eines Regiments. Während alle anderen Regimenter der Armee jedes einen Chef und einen Commandeur hatten, waren diese beiden Chargen bei dem Garde-Grenadier-Batailon Nr. 6 in einer Person vereinigt, und hatte daher kam der in der Armee sonst nicht noch einmal vorhandene Titel: Commandeur en Chef. Daß dieses Bataillon in Potsdam in Garnison stand, ist bekannt.

Gleichzeitig mit der Verleihung dieses Bataillons, welches von nun an den Namen v. Rohdich führte, avancirte er zum Generalmajor und wurde zum Commandanten von Potsdam ernannt, so wie der König ihm auch die Mitaufsicht über das große Potsdamer Militair-Waisenhas übertrug, in welchem in Folge der übergroßen Kinderzahl (1772 wuren 2083 Kinder im Hause verpflegt) Krankheiten und Sterblichkeit sich erschreckend eingenistet hatten, überhaupt Verbesserungen dringend nöthig waren; seine Sorge für alle Interessen dieses Hauses konnte also überall hervortreten. Diese Wirksamkeit fällt in den Verlauf der Jahre 1779 bis 1788 und setzte sich in der späteren Stellung des Generals im 8ten Departement des Ober-Kriegs-Collegii fort. In diesen verschiedenen Ernennungen und Beförderungen spricht sich immer wieder das ganz besondere Vertrauen und die persönliche Vorliebe des Königs für seinen verdienten General aus, denn besonders als Commandant von Potsdam kam er täglich in persönliche Berührung mit dem Könige selbst, und da es ja allgemein bekannt ist, wie schwer es hielt, namentlich in den späteren Regierungsjahren des großen Königs, dessen unbedingtes Vertrauen zu erwerben, so liegt hierin wohl die größte Anerkennung für v. Rohdich´s in jeder Beziehung bewiesene Tüchtigkeit.

Jeden Tag pflegte der König sowohl die Parole als die besonderen Befehle für die Garden selbst auszutheilen und zwar unmittelbar dem Commandanten von Potsdam, wobei natürlich die militairischen Angelegenheiten des Tages besprochen wurden und der General häufig vom Könige um seine Meinung gefragt wurde. Da der König den General v. Rohdich mit jedem Jahre mehr seines Vertrauens und seines näheren Umgangs würdigte, so liegt darin schon der Beweis, daß sich v. Rohdich desselben immer würdiger gemacht haben muß. Er hatte nicht allein zu jener Zeit freien Zutritt zu seinem Monarchen, wenn es sich um dienstliche Angelegenheiten handelte, sondern er wurde auch nach und nach fast der tägliche Tischgenosse des großen Königs. So gern der Monarch seine tüchtigen Generale auszeichnete, so mußten sie doch, um die Ehre seines täglichen und vertrauten Umganges genießen zu können, auch sehr unterrichtete, gebildete und geistreiche Männer sein, und hier kam dem General v. Rohdich zu statten, daß er ein geistig wahrhaft seltener Mann war. Es blieb daher auch nicht blos bei der Ehre, des königlichen Umganges gewürdigt zu werden, sondern v. Rohdich wurde auch zu mehreren wichtigen und geheimen Aufträgen gebraucht, deren er sich mit Klugheit und vor allen Dingen mit der ihm eigenthümlichen Pünktlichkeit und Genauigkeit entledigte."

In seiner Zeit als Kommandeur von Potsdam versuchte von Rohdich die Last der Einquartierungen für die Soldaten zu mildern. "Es ist in späteren Zeiten das Verdienst des Generals Rohdich um die Stadt Potsdam, daß er es als Commandant beim Könige durchsetzte, daß dieser nicht allein einen jährlichen Zuschuß von 7075 Thlr. für die Unterhaltung der Utensilien bewilligte, sondern auch nach und nach fast den ganzen Holzbedarf und die sonstigen Ausgaben übernahm, so daß in den letzten Zeiten der Hauseigenthümer eigentlich nur die Stube hergab." (aus der Regimentsgeschichte)

"Mit dem Jahre 1779 beginnt in dem Leben Rohdichs jene dauernd segensreiche Thätigkeit in Bezug auf Erziehung und Vorbildung der Jugend zu braven Soldaten, für welche der General geradezu als bahnbrechend bezeichnet werden muß." (aus der Regimentsgeschichte) Rohdich stellte zunächst die unter Friedrich Wilhelm I. schon seit 1721 bestandene Garnisonschule wieder her. Die Schule war dazu bestimmt, die Soldatenkinder unentgeltlich zu unterrichten. Die Zahl der Kinder war jedoch außerordentlich groß, allein vom Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 kamen schon 500 Kinder. "Während der Kriege war die Schule aber so in Verfall gerathen, theils aus Geldmangel, theils aus Mangel an Oberaufsicht, daß alle Kinder, die nicht im Waisenhause Aufnahme fanden, in den Straßen von Potsdam vollkommen verwilderten. In Gemeinschaft mit dem verdienten Feldprobst Kletschke entwarf Rohdich einen Plan für die Verbesserung der Garnisonschule, welcher am 17. December 1780 die Allerhöchste Genehmigung erhielt. Es wurde ein eigenes Gebäude in der Priesterstraße für die Schule erworben, und die Zahl der Schüler stieg bald auf 700. General von Rohdich widmete der Anstalt fortgesetzt die ausdauererndste persönliche Aufsicht, wohnte den Prüfungen bei und beschenkte die sich hervorthuenden Schüler. Ebenso erreichte er vom Könige die Erhöhung der Kindergelder von 8 auf 16 Groschen, und die Ausdehnung derselben auf alle Infanterie-Regimenter der Potsdamer Inspektion, während sie bisher nur für die Potsdamer Garnison bezahlt worden waren." (aus der Regimentsgeschichte)

Auch ein anderes Institut, gestiftet von König Friedrich II., welches nicht mehr den edlen Absichten seines Stifters entsprach, verbesserte Rohdich. Es war dies das Erziehungsinstitut für arme Offizierstöchter. "Es wurde nicht allein vergrößert, sondern auch durch Anstellung besonderer Erzieherinnen so eingerichtet, daß die Erziehung der jungen Damen eine vollkommen standesgemäße wurde, woran es bisher gefehlt hatte. Der Zweck war, durch einen richtig abgegränzten wissenschaftlichen Unterricht, so wie durch gründliche Unterweisung in allen weiblichen Arbeiten, die jungen Mädchen zu thüchtigen Erzieherinnen auszubilden und so den Segen der Anstalt auch noch weiteren Kreisen zu verbreiten.

Waren diese Verbesserungen der Antrieb seines Herzens, so widmete er dem großen Militair-Waisenhause zu Potsdam, dessen Direktor er war, die ganze Sorgfalt, welche ihm sein reges Pflichtgefühl auferlegte. Noch jetzt (1858) schreiben sich viele Einrichtungen dieses so überaus wohlthätigen Instituts von ihm her und in Allem, was er anordnete und betrieb, zeigte er stets die gründlichste Kenntnis dessen, was einem solchen Institut eigentlich nothwendig war. Dazu gehört vor allen Dingen, daß er es war, welcher eine bedeutende Anzahl von Militair-Waisenknaben auf Kosten der Anstalt theils bei Handwerkern, theils bei Bauern auf dem Lande unterbrachte, wo sie verpflegt und erzogen wurden." (aus der Regimentsgeschichte)

Zur Finanzierung dieser ganzen Vorhaben versuchte Rohdich durch Sparsamkeit und Vermehrung der Mittel der Anstalt auszukommen. Diese Vermehrung gelang ihm zunächst durch die Verpachtung des Amtes Bornstedt und der Alaun-Bergwerke bei Freienwalde. Diese Besitzungen hatte König Friedrich Wilhelm I. noch dem Waisenhaus für ewige Zeiten zugesichert. Er versuchte darüber hinaus durch Spekulationen die Mittel zu vermehren. Hierfür errichtete er ein Leihhaus in Potsdam, finanziert vom Kapital des Waisenhauses, welches ihm mit 5% verzinst werden mußte. "Obgleich dieses Leihaus nur 6 Procent nehmen durfte, so erreichte es trotzdem, bei vollständig gesichertem Capital, einen jährlichen Ueberschuß, den Rohdich wieder den armen Soldatenkindern zuwandte." (aus der Regimentsgeschichte)

Dem König gefiel dieses edle Tun seines Generals. Er zog Rohdich immer zu Rate, wenn in Preußen irgendwo eine wohltätige Anstalt errichtet wurde. Auch wurden Rohdich viele Ehrungen zuteil. Er erhielt die Oberaufsicht über das Institut der Königlichen Hofpagen und auch die Oberaufsicht über das 1774-75 erbaute große Potsdamer Stadtarmenhaus. "Hierdurch kam er in direkte Verbindung mit dem Armenwesen der Stadt und suchte nun auch nach dieser Richtung hin so viel als möglich zu helfen und zu bessern. Er erreichte, daß die Bewohner dieses Armenhauses freies Holz und Mehl vom Könige erhielten, so daß dadurch die Hauptausgaben für die Anstalt auf Königliche Kassen übergingen, und da er nach und nach am besten die wirklich Hülfsbedürftigen in Potsdam kennen lernte, so übertrug ihm der König auch die Vertheilung des sogenannten Gnaden-Roggens an die Soldatenwittwen, für welche der König jeden Monat 60 Scheffel hergab, die aus seiner Schatulle bezahlt wurden." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 09.03.1786 avancierte Rohdich zum Generallieutenant und erhielt vom König eine besondere jährliche Zulage von 2.000 Thalern. "Er war jetzt der fast tägliche Umgang des Königs geworden und brachte Stundenlang allein mit dem Monarchen zu. Noch am vorletzten Tage seines Lebens ertheilte der König dem General die Disposition zu einem Manöver, welches die Garnison am Tage darauf ausführen sollte." (aus der Regimentsgeschichte)

Beim Tode Friedrichs II. am 16.08.1786 spielte Rohdich, sein engster Vertrauter, eine besondere Rolle. Zunächst wurde die Vereidigung auf den neuen König Friedrich Wilhelm II. vorgenommen. "Hierauf nahm der General-Lieutenant von Rohdich den Hut ab, schwenkte ihn dreimal um den Kopf, indem er ebenso oft: Vivat der König Friedrich Wilhelm ausrief, welches von allen Stimmen nachgerufen wurde." (Kronprinz Friedrich Wilhelm) Später am Tage wurde der Leichnam Friedrichs aufgebahrt. "Der Regiments-Feldscheer Orgel benebst einigen Compagnie-Feldscheeren von der Garde hatten den hochseligen König gewaschen und mit Spiritus eingerieben. Bald darauf kam der General von Rohdich, der beim Könige Parole geholt hatte, heraus. Die hieß: »Berlin« und: »Der Dienst bleibt beim Alten!«" (aus dem Tagebuch des Kronprinzen) Rohdich war einer der Generallieutenants, die bei der Trauer-Prozession den Thronhimmel trugen. "Mit welchen Gefühlen mag der edle tiefempfindende Soldat neben diesem traurigen Zuge gegangen sein! Umschloß doch dieser Sarg für Rohdich fast Alles, was ihm hoch und erhaben war: einen großen König, einen unsterblichen Krieger, einen wahren Freund, einen stets bereiten Helfer für die vor sein Ohr gebrachte Noth der Armen!" (aus der Regimentsgeschichte)

Wie sehr Friedrich den General schätzte, läßt sich hieran erkennen: "Es hatte nämlich der König auf die Schlacht von Torgau eine große goldne Medaille schlagen lassen. Dieselbe war aber nie öffentlich bekannt und ausgegeben worden, und verwahrte nur der König selbst einige Exemplare. Nach den Bestimmungen des Testaments erhielt eine der General von Rohdich, eine das 1. Bataillon Garde, zwei das Regiment Garde. Am 28. Januar 1787 wurden diese Medaillen nach dem Willen des Königs vertheilt. Vom 1. Bataillon erhielt sie der Commandeur desselben, Major von Kunitzki, vom 2. der Oberstlieutenant von Röder, vom 3. der Major von Arnim. Diese Erbschaft, welche die Bataillone an einen der glorreichsten Tage ihrer Geschichte erinnerte, sollte sie dadurch zugleich für alle Zeiten auf jene Bahn führen, die Friedrich sie geführt, und der der Preußische Wahlspruch: non soli cedet Ausdruck giebt." (aus der Regimentsgeschichte)

Unter dem neuen König blieb für Rohdich zunächst alles beim Alten. Auch der neue König dankte ihm seine gute Arbeit mit zahlreichen Gnadenbeweisen. So wurde Rohdich am 10.06.1787 unter Belassung in seinen bisherigen Chargen zum "Wirklichen Geheimen Staats- und ersten dirigierenden Kriegsminister im Militair-Departement des General-Direktorii" ernannt. Schon am 25. des selben Monats wurde er dann zum Vize-Präsident des neu errichteten Ober-Kriegs-Collegii und am 02.07. dann zum Mitglied des Geheimen Staatsraths ernannt. Mit dieser Beförderung wurde Rohdich nach Berlin versetzt. Den Bürgern Potsdams ist er als Wohltäter in Erinnerung geblieben. Die Kommandantur von Potsdam mußte er damit natürlich abgeben.

Im Jahre 1787 feierte der 68-jährige Rohdich sein 50-jähriges Dienstjubiläum. In seinen späten Jahren heiratete Rohdich die verwitwete Geheimrätin Caroline Friederike von Oesfeld, eine geborene von Hoffmann, aus Halle. Die Ehe blieb kinderlos, doch war sie überaus glücklich. "Seine liebste Unterhaltung im häuslichen Kreise war, wenn er einen Cirkel von gelehrten und geistreichen Männern bei Tische um sich vereinigen konnte, und dazu gehörten besonders General Graf Lottum und der Legitimationsrath Oelrichs, welche beide seine vertrautesten Freunde waren. Sein Haus war daher auch der Sammelplatz aller bedeutenden und berühmten Männer seiner Zeit." (aus der Regimentsgeschichte)

Noch zu seinen Lebzeiten wurde 1790 bereits ein Denkmal zu Ehren Rohdichs errichtet. Es bestand aus einer Marmorbüste, welche im Beratungszimmer des Magistrats der Stadt Potsdam stand und folgende Unterschrift trug:

"Friedrich Wilhelm von Rohdich.

Den Helden ein Muster,

Den Bürgern ein Trost,

Den Armen ein Vater,

Drei Königen werth."

Errichtet aus Dankbarkeit von Magistrat und Bürgerschaft Potsdams 1790."

Über den Verbleib ist derzeit nur bekannt, daß sie im Keller des Potsdam Museums lagert. Sie soll erst nach dem Umzug des Museums in das alte Rathaus wieder ausgestellt werden.[1]

"Es paßt ganz zu Rohdichs Charakter, daß er ein warmer Freund der Natur war. Fast kein Tag verging, wo er nicht, und zwar immer allein, weit hinausritt, um irgend einen Punkt aufzusuchen, von dem er die blauen Havelseen, die belaubten Höhen, die reizenden Fernsichten des schönen Potsdams betrachten konnte. Hier traf man ihn oft in tiefes Nachsinnen versunken. Er mochte aus der Güte des Herrn, der all dies so wunderbar gemacht, neuen Trieb und Eifer für sein segensreiches, beglückendes Wirken schöpfen. Bis in sein hohes Alter bewahrte er seine ihm eigenthümliche Munterkeit und Rührigkeit. Seine Dienstgeschäfte verrichtete er, selbst als der Körper dem Willen nicht mehr recht gehorchen wollte, mit äußerster Pünktlichkeit, und wie fleißige Menschen immer, mit Heiterkeit. Jeder, der sich ihm nahte, liebte ihn. Körperliche Leiden brachen nicht die Kraft seines Geistes, niemals klagte er über sie." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 08.01.1794 wurde Rohdich zum General der Infanterie ernannt.

Im Alter von 76 Jahren wurde Rohdich krank und konnte fortan das Bett nicht mehr verlassen. Zu seinem Arzt, Hofmedikus Dr. Boch, sagte er: "Ich weiß wohl, daß ich nicht lange mehr zu leben haben werde, da ich aber in meinem jetzigen Zustande dem Staate doch nichts mehr nützen kann, so hat dies Leben auch keinen Werth mehr für mich."

Am 23.01.1796 um 19:00 Uhr starb Friedrich Wilhelm von Rohdich. "Als der König von dem herannahenden Tode seines Kriegs-Ministers erfuhr, sandte er seinen General-Adjutanten, den Obersten von Zastrow. zu ihm, um dem Sterbenden für alle dem Preußischen Staate geleisteten Dienste seinen Königlichen Dank zu überbringen. Hierbei ermannte sich der Greis, der seit dem Morgen bereits in einer Art von Todesschlummer gelegen, noch einmal und sagte mit Aufbietung seiner letzten Kraft: »Das ist mein Trost, - den nehme ich mit ins Grab.« Und auch dieses letzte Emporlodern der schwindenden Lebenskraft benutzte der edle Mann noch zu einer schönen Handlung. Auf die im Namen des Königs an ihn gerichtete Frage, ob er noch irgend einen Wunsch habe, erbat er sich eine Gnade für einen alten Grenadier seines Bataillons! Diese eine That kennzeichnet den ganzen Mann, und läßt ihn lieben, bewundern!" (aus der Regimentsgeschichte)

So wie er im Leben den Prunk nicht liebte, so wurde er auch seinem Willen nach nur in das Laken gehüllt in dem er starb, neben seinen alten Kriegsgefährten auf dem Invalidenkirchhof bei Berlin beerdigt. Seine trauernde Witwe setzte später noch ein kleines Denkmal auf seine Grabstelle. "Schöner, unvergänglicher aber ist das Denkmal, was er sich selbst durch seine Sorge für die Armuth, insbesondere für die Soldatenkinder seines Bataillons, gesetzt hat. Denn wie er im Leben sie als seine eigenen angesehen, so endete seine Sorge auch im Tode nicht, wovon sein Testament ein beredtes Zeugnis." (aus der Regimentsgeschichte) Am 21.01.1796, also zwei Tage vor seinem Tode hatte von Rohdich seinen letzten Willen diktiert. In diesem bestimmte der kinderlos gebliebene General: "Die Einkünfte meines Hauses mit den Mobiliarstücken, welches und welche ich meinem unterhabenen Grenadier-Garde-Bataillon unter den vorstehenden Bedingungen vermacht habe, sollen, wie ich hierdurch festsetze und bestimme, zu »ewigen Zeiten« zur Erziehung der Kinder des genannten Bataillons einzig und allein Verwendung finden." Sein Haus stand in Berlin im Quarree am Brandenburger Tor, dem späteren Pariser Platz. Es trug dann die Adresse: Pariser Platz Nr. 3. Während der Lebenszeit seiner Ehegattin sollte diese indessen ungestört im im Besitz und Nießbrauch des Hauses bleiben und dasselbe erst nach deren Tode an das Bataillon übergehen.

2. Der von Rohdich´sche Legatenfonds 1806 - 1918

Im Jahre 1806 starb die Ehefrau Rohdichs und am 18.08.1806 fiel so die Erbschaft dem Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 zu.

"Der damalige Commandeur en chef des Grenadier-Garde-Bataillons, Generalmajor von Lecoq, bestimmte, daß die Einkünfte des Hauses den Eltern der Kinder zu deren Unterhaltung ausgezahlt werden sollten. Alle Kinder der in Reihe und Glied stehenden Soldaten des Bataillons sollten gleiche Ansprüche haben, die Kinder der Ausrangierten aber nur, insofern ihre Eltern nicht vermögend wären, aus eigenen Mitteln für ihre Erziehung zu sorgen und insofern sich die Eltern in Potsdam oder Werder aufhalten. Die Kinder der Beurlaubten wurden gänzlich von dem Genuß des Vermächtnisses ausgeschlossen. Die Unterstützung sollte bis zum vollendeten 13. Jahre gezahlt werden, und nur Krüppel und Blödsinnige sie länger empfangen. Einer Commission von Stabs- und anderen Officieren des Bataillons, unter specieller Leitung des Commandeur en chef, wurde die Verwaltung der Gelder übertragen. In dieser Weise wurde das Vermächtnis bis 1806 verwandt und verwaltet." (aus der Regimentsgeschichte)

Die Giebelfiguren des alten Legatenhauses im Gartenhof, Regimentsgeschichte.

So blieb es bis zum Untergang des alten Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 im Jahre 1806. "Nach der Auflösung des Grenadiergarde-Bataillons als solches, durch die Ereignisse des Jahres 1806, blieben die Kinder der Leute vom Grenadier-Garde-Bataillon in dem Genuß der Unterstützungsgelder. Als diese Leute nach und nach aus dem neu formierten Garde-Regiment ausschieden, erließ der König eine Allerhöchste Cabinetsordre, wonach: »auch die Kinder des Regimentes Garde zu Fuß, welchem die Reste des Grenadiergarde-Bataillons einverleibt worden, an den Wohlthaten des von Rohdichschen Vermächtnisses Antheil haben sollten!« Der höchste Satz der monatlichen Unterstützung wurde für jedes Kind auf 8 gGr. festgelegt. Dieser Allerhöchsten Cabinetsordre lag die Erwägung zu Grunde, daß das alte Grenadiergarde-Bataillon seinem Wesen nach in dem neu formirten Regiment fortdauerte." (aus der Regimentsgeschichte) Das genaue Datum der A.K.O. ist leider nicht überliefert.

Im Jahre 1820 strengten die Erben Friedrich Wilhelms von Rohdich einen Prozeß an, der jedoch in allen Instanzen zu Gunsten des Ersten Garderegiments zu Fuß abgewiesen wurde. Die Gerichte erkannten damit rechtsgültig an, daß das Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 im Ersten Garderegiment zu Fuß fortbestand. "Das von Rohdichsche Vermächtnis ist eine große Wohlthat für das Regiment, da es namentlich der Klasse der Unterofficiere eine nicht unbeträchtliche Unterstützung gewährt, der gerade sie so sehr bedarf." (aus der Regimentsgeschichte)

Durch A.K.O. vom 19.09.1828 befahl der König, daß die Verwaltung des Rohdich´schen Legatenhauses künftig durch folgende Personen geführt werden sollte:

1. den Kommandanten von Berlin

2. den Kommandeur des Ersten Garderegiments zu Fuß

3. den Garnison-Verwaltungs-Direktor von Berlin

Die Kontrolle über die stiftungsmäßige Verwendung der Gelder wurde dem kommandierenden General des Gardecorps übertragen.

"Im Jahre 1840 schenkte Herr von Bredow auf Bredow bei Nauen, ein Großneffe des General von Rohdich, dem Regiment einen Tambour-Major-Stock, welcher aus dem Stock des General von Rohdich gebildet war, zu bleibendem Andenken." (aus der Regimentsgeschichte) Seitdem wurde beim I. Bataillon (Grenadiere) wurde als Tambourstock jener umgearbeitete Rohrstock des Generals von Rohdich verwendet, die Verzierungen am Griff und am Knopf bestanden aus zwei erhaben gearbeiteten Eichenkränzen. Auf dem Kopfe das Wappen der Familie von Rohdich und um dasselbe die Inschrift: "Andenken des Generals d. I. von Rohdich, von den Kurprinzen Friedrich von den Landständen der Kurmark errichteten Regiments,  von Friedrich II. 1740 formierten Grenadiergarde-Bataillons, welches in Folge des Krieges von 1806 aufgelöst wurde, durch Einverleibung in das 1. Garde-Regiment z. F. aber fortbesteht."  

Neubau des Legatenhauses 1878-1880, Regimentsgeschichte.

Im Jahre 1878 wurde das von Rohdich´sche Legatenhaus am Pariser Platz 3 neu gebaut. 1880 war der Bau abgeschlossen. Im gleichen Jahr wurde per A.K.O. das Eigentum am Haus vom Militärfiskus, vertreten durch das Erste Garderegiment zu Fuß, auf den von Rohdich´schen Legatenfonds übertragen. Die Verwaltung des Fonds übernahm eine vom Kaiser eingesetzte Immediatkommision, die ab 1894 stets vom Regimentskommandeur, dem Oberstleutnant beim Stab, einem Hauptmann und einem Leutnant vom Regiment gebildet wurde. Die Verwaltung lag damit komplett in der Hand des Ersten Garderegiments zu Fuß. So blieb es nun bis zum Ende des Weltkrieges 1918. Am 01.10.1894 übernahmen so der damalige Oberstleutnant im Stabe von Brun und Premierlieutenant Graf von Gaurma die Akten, Kasse und Belege. Die Rechnungsführung geschah durch einen Beamten des Kriegsministeriums, welchem auch die Prüfung der satzungsmäßigen Verwendung der Gelder oblag.

Der Legatenfonds konnte damals die enorme Summe von 15 Mark je Kind und Monat auszahlen. Vor dem Weltkrieg waren es sogar 20 Mark! Dies umfaßte alle Kinder von Regimentsangehörigen aus dem Unteroffiziersstande bis zum vollendeten 14. Lebensjahr, bei bestimmten Voraussetzungen wie Krankheiten o. ä. auch darüber hinaus. Die Auszahlung der Kindergelder geschah vierteljährlich durch den Regimentszahlmeister. Ihre Verwendung zur Erziehung der Kinder wurde vom Regiment überwacht. In den letzten Jahren vor und während dem Weltkrieg wurde außerdem aus der Milchküche des "Vaterländischen Frauenvereines Potsdam" für die Kleinsten Milch geliefert. Um verdienten Unteroffizieren anderer Behörden und Kommandos diese Kindergelder zu verschaffen, versetzte das Generalkommando sie in einzelnen Fällen zum Regiment.

Dem Begründer des von Rohdich´schen Legatenfonds, dem General Friedrich Wilhelm von Rohdich, zu Ehren, wurde zu dessen 100. Todestag im Jahre 1897 ein Gedenkstein mit seiner Büste auf dem Turnplatz im Kasernenbereich aufgestellt.

3. Der von Rohdich´sche Legatenfonds im Semper talis Bund 1921 - heute

1921 wurde in Potsdam der „Semper talis-Bund“ (STB) von ehemaligen Offizieren des Ersten Garderegiments zu Fuß gegründet. Er hatte zum Ziel, die Überlieferung des alten Regiments und die Kameradschaft aus Frieden und Krieg zu pflegen. Während der zwanziger Jahre wurden in ganz Deutschland Ortsgruppen gegründet, so daß der Bund in dieser Zeit weit über 10 000 Mitglieder zählte. Sie kamen aus dem alten Stamm-Regiment sowie den bei Beginn und während des Krieges aufgestellten Neuformationen, z. B. dem 1. Garde-Reserve-Regiment. Wie schon zu Zeiten des alten Regiments war das Haus Hohenzollern auch dieser Organisation verbunden und mehrere preußische Prinzen waren sogar Mitglied im STB. In der Satzung des Bundes war neben der Kameradschaft und Traditionspflege auch die Hilfe für in Not geratene Mitglieder enthalten. Auch eine Zeitschrift, das „Semper talis-Blatt“, wurde regelmäßig herausgegeben. In ihm wurden z. B. Artikel zur Regimentsgeschichte veröffentlicht. Weiterhin wurde ab 1921 der „von Rohdich´sche Legatenfonds“ vom STB, zwei Beamten des preußischen Staatsministeriums und Offizieren bzw. Unteroffizieren des  9. (Preußischen) Infanterieregiments verwaltet. Geschäftsführer des Legatenfonds wurde ein Feldwebel des  9. (Preußischen) Infanterieregiments. Eine hohe Wertsteigerung des Berliner Grundstücks und der damit gestiegene Mieterlös ermöglichten in den 1920er-Jahren den Erwerb von drei weiteren Immobilien in Potsdam. Bis 1945 konnten so die Kinder von Unteroffizieren, Mannschaften und Beamten des 9. (Preußischen) Infanterieregiments mit einer monatlichen Ausbildungsbeihilfe von je 30 Mark unterstützt werden. So wurde wenigstens diese eine Tradition nahtlos fortgeführt.

1937 wurde dem STB, obwohl er per Satzung ausdrücklich unpolitisch war, jegliche Aktivität von den Nazis verboten.

Bereits 1953 konnte der Semper Talis Bund (STB) auf einer Bundestagung in Essen wieder aktiviert werden. Er nannte sich fortan:

"Semper Talis Bund der Angehörigen des alten Ersten Garde-Regimentes zu Fuß, des Regiments der Gardes du Corps und der aus ihnen hervorgegangenen Truppenteile: 1. Garde-Reserve-Regiment, Reserve-Infanterie-Regiment 204, Res.-Infant.-Regiment 261, Infant.-Regiment 442, Infanterie-Regiment 9, Reiter-Regiment 4".

Dem von Rohdische´schen Legatenfonds erging es nach dem 2. Weltkrieg wesentlich schlechter als dem STB. Das Legatenhaus am Pariser Platz wurde während der Endphase des Krieges vollständig zerstört. Unmittelbar nach Kriegsende bemühte sich der Stiftungsvorstand unter Mitwirkung des STB intensiv um die Fortführung des Stifterwillens. 1951 wurde jedoch die Stiftung in einem internen Verwaltungsakt des (kommunistischen) Magistrats von Groß-Berlin aufgelöst und das Stiftungsvermögen dem Volkseigentum zugeführt. Ohne Mieteinnahmen war der Fonds praktisch mittellos. 1961 ging mit dem STB auch der Legatenfonds auf das Wachbataillon beim Bundesminister der Verteidigung (BMVg) über. Seit 1972 bemühte sich der STB intensiv um die Beweissicherung der Besitzansprüche der Vermögenswerte in Ost-Berlin. Die rechtmäßige Vertretung der Stiftung durch den STB wurde in einem Beweissicherungsverfahren ausdrücklich festgestellt.

 

Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde ein Restitutionsverfahren eingeleitet, das Vermögen ging zurück an den Fonds. Der Bundesminister der Verteidigung übernahm nach Artikel 130 Abs. 3 des Grundgesetzes die Aufsicht über die Stiftung und Revidierte dessen Auflösung 1951. Ein 7 Personen zählender Stiftungsvorstand aus aktiven und ehemaligen Soldaten des Wachbataillons beim BMVg wurde berufen und eine neue Stiftungsverfassung erlassen.

Nun konnte im Rahmen der Veräußerung eines Teils der Vermögenswerte die Stiftung in die Lage versetzt werden, den Stifterwillen fortzuführen, jedoch läuft bis heute noch ein Gerichts-Verfahren mit dem Bundesfinanzministerium, welches ebenfalls Ansprüche auf die Vermögenswerte geltend machte. Über die Zuordnung des Gesamtvermögens muß noch Einigung erzielt werden.

Der Stiftungssitz in Köln wurde 1997 durch die Einrichtung einer Geschäftsstelle in Berlin erweitert.

Der Fonds kann jedoch nun seit der Wiedervereinigung endlich wieder den Willen des Stifters fortsetzen und den nun begünstigten Kindern von Angehörigen des Wachbataillons beim BMVg bei der Finanzierung ihrer Ausbildung zu helfen. So konnte diese alte preußische Tradition als einzige des alten Ersten Garderegiments zu Fuß und diesem Falle sogar noch des alten Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 bis heute fortgesetzt werden.

 

Restaurierte Grabstätte von Friedrich Wilhelm von Rohdich auf dem Invalidenfriedhof Berlin, Archiv Seitenautor.

 

Die Grabstätte von Friedrich Wilhelm von Rohdich befindet sich auch heute noch auf dem Berliner Invalidenfriedhof. Stark beschädigt hatte sie die Kämpfe in Berlin zum Ende des zweiten Weltkrieges, sowie die Vernachlässigung während der DDR-Zeit in unmittelbarer Nähe zur Mauer überstanden. In den 90er Jahren machte sich der STB an die Restaurierung der Grabstätte. Am 12.06.1998 wurde die Einweihung der original restaurierten Grabstätte mit einem militärischen Festakt unter Beteiligung des Wachbataillons beim BMVg begangen.
 

Von Deinen grauen Helden, die Dich schirmten

Mit muthgestählter Hand,

Wenn schwarze Ungewitter schwer sich thürmten,

Dich schreckend, - Vaterland;

 

Sank auch Dein Rohdich, der in blut´gen Schlachten

Dir Glück und Ruhm errang,

Und in der Feinde, die Dich beben machten,

Furchtbare Phalanx drang;

 

Der sonder Hochgeburt - vernehmt´s ihr Krieger,

Ihr Berge, hallt es nach,

Durch Thatkraft sich als Menschenfreund und Sieger

Die schönsten Lorbeern brach;

 

Drum, setze Vaterland, zu deinen weisen

Helden, Schwerin und Keith,

Auch Rohdich, den die frommen Dichter preisen,

Hin zur Unsterblichkeit!

 

Th. Heinsius zum Tode Friedrich Wilhelms von Rohdich am 23.01.1796

 

 

 


[1]  Besonderer Dank für diesen freundlichen Hinweis gilt Herrn Ernst Schüßling Hauptmann im WachBtl BMVg.