2.4.       Von sonnigen Zeiten 1871 -1914

Wilhelm II. schreitet eine Parade des Ersten Garderegiments zu Fuß ab, Gemälde von Carl Röchling.

Im Marine-Offiziers-Casino in Wilhelmshaven wird gekegelt. Ein Offizier mokiert sich darüber, daß Kameraden in Hemdsärmeln kegeln. Da über die Etikettenfrage keine Klarheit erlangt wird, telegraphiert man ans Erste Garderegiment zu Fuß nach Potsdam mit der Bitte um Klärung. Nach einer Stunde kommt die Antwort: "Wenn se schon kejeln müssen, dann können se och in Hemdsärmeln."

gerne erzählter Witz unter Linienregimentern, der wohl auf einer wahren Begebenheit beruht

Im Hintergrund hören Sie den Marsch Die deutsche Kaisergarde (AM II, 208) von F.W. Voigt. Mit freundlicher Genehmigung durch die DGfMM.

Mantelappell, Erstes Garderegiment zu Fuß, 33 Bilder mit geschichtlichem Vorwort.

Nach den ruhmvollen Feldzügen der Einigungskriege folgten nun wieder lange Jahre des Friedens in denen man sich - besonders bei der Garde - im Glanze der errungenen Siege und des gewonnenen Prestiges sonnte. Am 16.06.1871 erhielten die beiden Grenadierbataillone Fahnenbänder zum Eisernen Kreuz verliehen, welches sie bereits seit den Freiheitskriegen an der Fahnenspitze führten. Die Fahne des III. Bataillons (Füsiliere) erhielt das Eiserne Kreuz als Auszeichnung für den Feldzug von 1870/71 verliehen. Alle drei Fahnen erhielten das Band zur Kriegsdenkmünze 1870/71. Am 21.06.1871 erfolgte die Übergabe der Mannschaften des Ersatz-Bataillons an das Regiment, die Abgabe der überzähligen Pferde und die Entlassung der Reserve- und Landwehr-Offiziere. Am 25.06.1871 war nach Entlassung der älteren Jahrgänge die Demobilmachung beendet. Gleich darauf setzte der gewohnte Kasernen-Alltag ein.

Feldwache bei einem Manöver, Erstes Garderegiment zu Fuß, 33 Bilder mit geschichtlichem Vorwort.

Am 18.08.1871 wurde zum ersten mal im Lustgarten der Schlacht bei St. Privat  gedacht. Dieser Tag wurde fortan jedes Jahr festlich begangen. Der Kaiser besichtigte stets das Regiment an diesem Tag.

Rangliste des Ersten Garderegiments zu Fuß im Jahre 1871

 

Quelle: Kessel, Gustav von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1857-1871, Berlin 1881, Ernst Siegfried Mittler und Sohn

 

Chef: Seine Majestät Kaiser und der König.

Oberst Oktavio Philipp von Böhn, Regimentskommandeur.

Oberstlieutenant August Julius Heinrich von Oppell, Kommandeur des I. Bataillons.

Oberstlieutenant Albert Gustav Guido von Rauch I., Kommandeur des II. Bataillons.

Major Arthur von Leipziger Kommandeur des Füsilierbataillons.

Major Carl von Prittwitz- und Gaffron, im Stabe.

 

Hauptmann Friedrich Hermann Heinrich Ludwig von Roeder

Hauptmann Oskar Graf von Schlieffen II.

Hauptmann Heinrich Adalbert Graf zu Rantzau.

Hauptmann Wilhelm Heinrich Freiherr von Roessing.

Hauptmann Karl Heinrich Ludwig Vitelo von Griesheim.

Hauptmann Otto Wilhelm Julius von Schleinitz.

Hauptmann Hans Peter Demetrius von Arnim I.

Hauptmann Eduard von Liebenau.

Hauptmann August Georg Ferdinand von Bomsdorff.

Hauptmann Oldwig Wilhelm Ferdinand von Natzmer.

Hauptmann Johann Rudolf Freiherr Hiller- von Gärtringen.

Herrmann Ernst Ludwig Albrecht von Winterfeld.

 

Premierlieutenant Adam Carl Guido Florenz Otto Freiherr von Diepenbroick-Grüter.

Premierlieutenant Friedrich August Philipp Alexander Louis Feiherr von Falkenhausen, kommandiert bei der 28. Division.

Premierlieutenant Wolf Maximilian Wilhelm Christian Johannes von Schlegell.

Premierlieutenant Friedrich Eduard Benno von Brauchitsch.

Premierlieutenant Egmont von Block.

Premierlieutenant Arthur Heinrich Friedrich Maximilian Wedig Boguslav von Bonin.

Premierlieutenant Alfred Friedrich Wilhelm Sigismund von Lieres- und Wilkau.

Premierlieutenant Kurt von Alvensleben I.

Premierlieutenant Friedrich Karl Paul Leo Freiherr von Tschammer-Osten.

Premierlieutenant Alexander Eberhard Eustach Oskar Freiherr von Medem I.

Premierlieutenant Wilhelm Otto Ludwig Arthur Brunsig- (Brunsich) Edler von Brun, kommandiert bei der Unteroffizierschule in Potsdam.

Premierlieutenant Alfred Gneomar Cäsar Graf von Wartensleben.

 

Secondelieutenant Adolph Ulrich Heinrich Kuno von Rantzau.

Secondelieutenant Julius Clemens Wilhelm von der Schulenburg.

Secondelieutenant Johann Friedrich Wilhelm August Bernhard Rudolph Graf zu Dohna.

Secondelieutenant Richard Friedrich Adalbert Graf von Pfeil, Regimentsadjutant.

Secondelieutenant Gustav Emil Bernhard Bodo von Kessel.

Secondelieutenant Friedrich August Bernhard Max von Arnim III.

Secondelieutenant Ernst Karl von Brause.

Secondelieutenant Max Friedrich Adolph von Krosigk I.

Secondelieutenant Wolf Werner Erdmann von Selchow.

Secondelieutenant Arthur Graf von Schlieffen.

Secondelieutenant Remus von Woyrsch, Adjutant des I. Bataillons.

Secondelieutenant Karl Albert von Raven II.

Secondelieutenant Job Edwin Hans Carl Freiherr von Manteuffel.

Secondelieutenant Oskar Hermann von der Marwitz.

Secondelieutenant Johann Heinrich Ernst Graf zu Rantzau.

Secondelieutenant Hugo von Hackewitz, Adjutant des Füsilierbataillons.

Secondelieutenant Friedrich Graf von Pückler, Adjutant des 2. Bataillons.

Secondelieutenant Alexander Carl Richard Graf von Kanitz.

Secondelieutenant Kurt Eberhard Leopold Freiherr von Medem II.

Secondelieutenant Paul Ludwig Gerhard Johannes von Hoepfner.

Secondelieutenant Clemens Otto August von Bernuth.

Secondelieutenant Georg Leopold von Kalckstein.

Secondelieutenant Friedrich Wilhelm Victor Albert Prinz von Preußen, Königl. Hoheit á la suite des Grenadier-Regiments König Friedrich Wilhelm IV. (1. Pommersches) Nr. 2 und des I. Bataillons 2. Garde-Landwehr-Regiments.

Secondelieutenant Eberhard Carl Otto Heinrich Ferdinand von der Lancken.

Secondelieutenant Kurt Gustav August Freiherr von Maltzahn.

Secondelieutenant Werner Constantin von Alvensleben II.

Secondelieutenant Constantin Nikolaus August von Grimm.

Secondelieutenant Franz Julius Leonhard Alfred von Löwenfeld.

Secondelieutenant Hans Dietrich Georg Freiherr (oder Baron) von Zedlitz-Neukirch.

Secondelieutenant Friedrich Wilhelm Anton Hugo Ehrenreich Hans von Besser.

Secondelieutenant Adolph Prinz Wrede.

Secondelieutenant Georg Conrad Heinrich Albert Eduard Kuno Freiherr von der Goltz.

Secondelieutenant Roderich von Barby.

Secondelieutenant Carl Leopold Freiherr Spiegel von und zu Peckelsheim.

Secondelieutenant Albrecht Wilhelm Teophil von Zitzewitz.

Secondelieutenant Friedrich Karl Oskar Heinrich Graf und Edler Herr zu Lippe-Biesterfeld.

 

Aggregirt.

Hauptmann Carl Alexander Friedrich August Graf Finck von Finckenstein, kommandiert nach Wien.

Hauptmann Alexander Friedrich Hermann Hugo von Strantz.

Karl Gustav Ernst von Petersdorff, kommandiert beim Gouvernement von Mainz.

 

á la suite.

Generalfeldzeugmeister Carl Alexander, Prinz von Preußen, Königl. Hoheit.

Generalfeldmarschall Kronprinz des Deutschen Reiches und Kronprinz von Preußen, Kaiserl. und Königl. Hoheit.

Generaloberst von der Kavallerie Friedrich Heinrich Albrecht, Prinz von Preußen, Königl. Hoheit.

General der Kavallerie Friedrich August Eberhard Prinz von Württemberg, Königl. Hoheit.

Oberst Leopold Stephan Carl Anton Erbprinz von Hohenzollern-Sigmaringen, Hoheit.

Major Ludwig Jakob Herwarth von Bittenfeld I.

 

Regimentsarzt: Oberstabsarzt Dr. Gielen.

Bataillonsarzt: Stabsarzt Dr. Vogelgesang.

Bataillonsarzt: Stabsarzt Dr. Rüsse.

Assistenzarzt: Dr. Schweder.

Assistenzarzt Dr. Reichert.

Zahlmeister Poppe.

Zahlmeister Baecker.

Zahlmeister Ramsch.

Besonders nach dem Krieg 1870/71, bei dem man erstmals auf große Distanz schießen mußte, um wenigstens einigermaßen mit dem überlegenen Chassepot-Gewehr mithalten zu können, war man bei der Armeeführung zu der Erkenntnis gelangt, daß eine gute Schießausbildung für die Truppe unabdingbar war. Es wurden daher, wenn noch nicht vorhanden, jedem Regiment Schießstände gebaut und/oder zugewiesen. Das über 30 Jahre alte Dreyse-Zündnadelgewehr wurde schon im 2. Halbjahr 1871 allgemein nach Beck aptiert, doch stellte dies nur einen Notbehelf dar.

Einjährig Freiwilliger Grenadier im Paradeanzug um 1871, Privatarchiv.

Am 13.06.1872 genehmigte der Kaiser einen Fahnenring zur Fahne des I. Bataillons (Grenadiere) deren Fahnenstange im Ausfallgefecht bei Pont Iblon am 21.12.1870 durch Granatsplitter zersplittert war. Es war ein silberner Ring mit der Aufschrift: "Pont Iblon vor Paris den 21ten Dezember 1870."

Mit A.K.O. vom 02.09.1872 wurde dem Füsilierbataillon das Führen eines im Kriege 1870/71 erbeuteten französischen Tambourstabes bewilligt. Er hatte einen massiv silbernen Knopf, auf dessen unterem Teil sich der französische Adler und die Inschrift "31éme Régiment d´infanterie de ligne" befanden. Auf dem oberen Teil stand eingraviert: "Erbeutet in der Schlacht von Sedan am 1. September 1870 durch die 11. Compagnie Ersten Garde-Regiments zu Fuß". Die Tambourstäbe der beiden anderen Bataillone und die Banderole aller drei Stäbe blieben unverändert. Diese drei Tambourstäbe führte das Regiment nun bis zu seiner Auflösung.

Besichtigung des Regimentes durch Kaiser Wilhelm I. Regimentsgeschichte.

Das erste Denkmal, das ausschließlich dem Ersten Garderegiment zu Fuß gewidmet wurde, konnte am 02.09.1872 im Katharinenholz in Bornstedt eingeweiht werden. Bei der feierlichen Enthüllung des Denkmals waren Kaiser Wilhelm I., seine Gattin und alle Prinzen und Prinzessinnen des kaiserlichen Hauses, die Damen des Regimentes und der Bürgermeister von Potsdam Beyer anwesend. Das Regiment stand unter präsentiertem Gewehr im Karree um das Denkmal, welches auf Befehl des Kaisers enthüllt wurde. Danach hielt der Kaiser eine kurze Ansprache und man ging zum Frühstück in ein Zelt, welches unweit vom Denkmal aufgestellt worden war.

Denkmal des Ersten Garderegiments zu Fuß im Katharinenholz in Bornstedt, Regimentsgeschichte.

Das Denkmal bestand aus einem steinernen Sockel mit vier Säulen an jeder Ecke, die je einen bronzenen Adler trugen. Auf dem Sockel in der Mitte war ein liegender, etwa lebensgroßer Löwe. Darunter waren auf jeder Seite Lorbeerkränze mit den Namen der Schlachten, an denen das Regiment in den Feldzügen 1866 und 1870/71 teilgenommen hatte. Auf den Randsäulen waren die Namen von Schlachten, an denen das Regiment nur am Rande teilgenommen hatte verzeichnet. Der Sockel trug drei Tafeln, die jeweils etwa 1,40m x 1,40m, bzw. 1,40m x 1,60m groß waren. Nur der Text der vorderen Tafel ist noch erhalten, die Inschrift lautete:

"Dem ehrenvollen Andenken der in den Feldzügen 1866, 1870 und 1871 mit Gott für König und Vaterland ruhmvoll gefallenen Offiziere, Unteroffiziere u. Mannschaften gewidmet vom Ersten Garde Regiment zu Fuss am 18ten August 1872"

Rangliste und Stellenbesetzung des Ersten Garderegiments zu Fuß im Jahre 1872

 

Quelle: Friedeburg, Friedrich von  / Waldersee, von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1871-1914, Berlin 1934, Junker und Dünnhaupt

 

Chef: Seine Majestät Kaiser und der König.

Oberst Oktavio Philipp von Böhn, Regimentskommandeur.

 

Major Erasmus Rudolph von Minckwitz, Kommandeur des II. Bataillons.

Major Arthur von Leipziger Kommandeur des Füsilierbataillons.

Major Carl von Prittwitz- und Gaffron, Kommandeur des I. Bataillons.

Hauptmann Friedrich Hermann Heinrich Ludwig von Roeder, im Stabe.

 

Hauptmann Wilhelm Heinrich Freiherr von Roessing. Chef 2. Kompagnie.

Hauptmann Karl Heinrich Ludwig Vitelo von Griesheim. Chef 10. Kompagnie.

Hauptmann Eduard Heinrich August von Helldorf. Chef 6. Kompagnie.

Hauptmann Hans Peter Demetrius von Arnim I. Chef 7. Kompagnie.

Hauptmann Eduard von Liebenau. Kommandeur Leibkompagnie.

Hauptmann Karl Gustav Ernst von Petersdorff. Chef 4. Kompagnie.

Hauptmann August Georg Ferdinand von Bomsdorff. Chef 11. Kompagnie.

Hauptmann Oldwig Wilhelm Ferdinand von Natzmer. Chef 5. Kompagnie.

Hauptmann Johann Rudolf Freiherr Hiller- von Gärtringen. Chef 9. Kompagnie.

Herrmann Ernst Ludwig Albrecht von Winterfeld. Chef 8. Kompagnie.

Hauptmann Adam Carl Guido Florenz Otto Freiherr von Diepenbroick-Grüter. Chef 3. Kompagnie.

Hauptmann Wolf Maximilian Wilhelm Christian Johannes von Schlegell. Chef 12. Kompagnie.

 

Premierlieutenant Friedrich Eduard Benno von Brauchitsch. 7. Kompagnie.

Premierlieutenant Egmont von Block. Kommandiert bei der Unteroffizierschule in Ettlingen. 11. Kompagnie.

Premierlieutenant Arthur Heinrich Friedrich Maximilian Wedig Boguslav von Bonin. Kommandiert bei der 2. Gardeinfanteriedivision. 4. Kompagnie.

Premierlieutenant Kurt von Alvensleben I. 8. Kompagnie.

Premierlieutenant Alexander Eberhard Eustach Oskar Freiherr von Medem I. 9. Kompagnie.

Premierlieutenant Wilhelm Otto Ludwig Arthur Brunsig- (Brunsich) Edler von Brun. Kommandiert bei der Unteroffizierschule in Potsdam. 3. Kompagnie.

Premierlieutenant Alfred Gneomar Cäsar Graf von Wartensleben. 9. Kompagnie.

Premierlieutenant Julius Clemens Wilhelm von der Schulenburg.11. Kompagnie.

Premierlieutenant Richard Friedrich Adalbert Graf von Pfeil. Regimentsadjutant.

Premierlieutenant Gustav Emil Bernhard Bodo von Kessel. Kommandiert zur Kriegsakademie. 5. Kompagnie.

Premierlieutenant Max Friedrich Adolph von Krosigk I. Kommandiert zur Kriegsakademie. 9. Kompagnie.

 

Secondelieutenant Wolf Werner Erdmann von Selchow. 12. Kompagnie.

Secondelieutenant Arthur Graf von Schlieffen. Kommandiert zur Kriegsakademie. 6. Kompagnie.

Secondelieutenant Remus von Woyrsch, Adjutant des I. Bataillons.

Secondelieutenant Karl Albert von Raven II. Kommandiert bei der Unteroffizierschule in Ettlingen.10. Kompagnie.

Secondelieutenant Job Edwin Hans Carl Freiherr von Manteuffel II. 2. Kompagnie.

Secondelieutenant Oskar Hermann von der Marwitz. Kommandiert zur Kriegsakademie. 11. Kompagnie.

Secondelieutenant Johann Heinrich Ernst Graf zu Rantzau. 5. Kompagnie.

Secondelieutenant Hugo von Hackewitz, Adjutant des Füsilierbataillons.

Secondelieutenant Friedrich Graf von Pückler, Adjutant des II. Bataillons.

Secondelieutenant Alexander Carl Richard Graf von Kanitz. 4. Kompagnie.

Secondelieutenant Kurt Eberhard Leopold Freiherr von Medem II. 6. Kompagnie.

Secondelieutenant Paul Ludwig Gerhard Johannes von Hoepfner. Kommandiert bei der Unteroffizierschule in Potsdam. 12. Kompagnie.

Secondelieutenant Clemens Otto August von Bernuth.10. Kompagnie.

Secondelieutenant Georg Leopold von Kalckstein. Leibkompagnie.

Secondelieutenant Friedrich Wilhelm Victor Albert Prinz von Preußen, Königl. Hoheit, á la suite des Grenadier-Regiments König Friedrich Wilhelm IV. (1. Pommersches) Nr. 2 und des I. Bataillons (Stettin) 2. Garde-Landwehr-Regiments. Leibkompagnie.

Secondelieutenant Eberhard Carl Otto Heinrich Ferdinand von der Lancken. 3. Kompagnie.

Secondelieutenant Kurt Gustav August Freiherr von Maltzahn. Kommandiert beim Lehr-Infanterie-Bataillon. 5. Kompagnie.

Secondelieutenant Werner Constantin von Alvensleben II. 4. Kompagnie.

Secondelieutenant Constantin Nikolaus August von Grimm. 11. Kompagnie.

Secondelieutenant Heinrich Camill Graf von Andlaw. 6. Kompagnie.

Secondelieutenant Hellmuth Johannes Ludwig von Moltke. Leibkompagnie.

Secondelieutenant Franz Julius Leonhard Alfred von Löwenfeld. 10. Kompagnie.

Secondelieutenant Hans Dietrich Georg Freiherr (oder Baron) von Zedlitz-Neukirch. 7. Kompagnie.

Secondelieutenant Friedrich Wilhelm Anton Hugo Ehrenreich Hans von Besser. 12. Kompagnie.

Secondelieutenant Georg Conrad Heinrich Albert Eduard Kuno Freiherr von der Goltz. 8. Kompagnie.

Secondelieutenant Roderich von Barby. 9. Kompagnie.

Secondelieutenant Carl Leopold Freiherr Spiegel von und zu Peckelsheim. 4. Kompagnie.

Secondelieutenant Albrecht Wilhelm Teophil von Zitzewitz. Leibkompagnie.

Secondelieutenant Friedrich Karl Oskar Heinrich Graf und Edler Herr zu Lippe-Biesterfeld. 2. Kompagnie.

Secondelieutenant Max Karl Gustav Hermann von Fabeck. 3. Kompagnie.

Secondelieutenant Hans Paul Emil von Hartmann. 6. Kompagnie.

Secondelieutenant Albrecht Alexander Hans Graf Finck von Finckenstein. 11. Kompagnie.

Secondelieutenant Arnold Wilhelm Anton Gustav von Lauer. 10. Kompagnie.

Secondelieutenant Kurt Karl Wilhelm Erdmann Gustav von Pritzelwitz. 5. Kompagnie.

Secondelieutenant Albert Wilhelm Heinrich, Prinz von Preußen, Unter-Lieutenant zur See, s. Marine. Leibkompagnie.

 

Aggregirt.

Oberstlieutenant Albert Gustav Guido von Rauch I., Kommandeur des Lehr-Infanterie-Bataillons.

Major Heinrich Adalbert Graf zu Rantzau, kommandiert bei der Unteroffizierschule in Potsdam.

 

á la suite.

Generalfeldzeugmeister Carl Alexander, Prinz von Preußen, Königl. Hoheit. S. Chef der Artillerie.

Generalfeldmarschall Kronprinz des Deutschen Reiches und Kronprinz von Preußen, Kaiserl. und Königl. Hoheit. S. Gen.-Insp. der IV. Armee-Insp.

General der Kavallerie Friedrich August Eberhard Prinz von Württemberg, Königl. Hoheit. S. Garde-Korps.

Oberst Leopold Stephan Carl Anton Erbprinz von Hohenzollern-Sigmaringen, Hoheit.

Major Ludwig Jakob Herwarth von Bittenfeld I. S. Unteroffizierschule in Potsdam.

General-Lieutenant Freiherr von Manteuffel I.

 

Regimentsarzt: Oberstabsarzt Dr. Friedel.

Bataillonsarzt: Stabsarzt Dr. Vogelgesang. Füsilierbataillon.

Bataillonsarzt: Stabsarzt Dr. Rüsse. II. Bataillon.

Assistenzarzt Dr. Reichert. I. Bataillon.

Assistenzarzt: Dr. Greve. II. Bataillon.

Zahlmeister Poppe. I. Bataillon.

Zahlmeister Baecker. Füsilierbataillon.

Zahlmeister Ramsch. II. Bataillon.

Die rasche Einführung des Gewehrs 71 (System Mauser) nach A.K.O. vom 22.06.1873 sorgte endlich wieder für den technologischen Gleichstand mit dem "Erbfeind". Anschließend ging man an die Ausbildung der Soldaten mit dem neuen Gewehr mit seinen neuen Möglichkeiten und der gesteigerten Leistung der Waffe. Das Kaliber war nun 11mm (bisher 15,4mm) und die Anfangsgeschwindigkeit des Geschosses 430m/s (bisher 300m/s), die Reichweite betrug nun 3000m (bisher 525m). Zum Vergleich: das Chassepot-Gewehr von 1866 hatte ebenfalls ein Kaliber von 11mm und eine Anfangsgeschwindigkeit von 436m/s, die Reichweite betrug ca. 1000m. Erstmals wurde hier eine Metallpatrone verwendet, die Füllung bestand aus ca. 5g Schwarzpulver.

Die Gewehre der preußischen Armee vom Modell 1871 bis zum Modell 1898, Zeichnung von Paul Pietsch.

Im Jahre 1874 wurde beim Hoflieferanten Beyerhaus in Potsdam für 575 Thaler ein neuer Schellenbaum nebst neuer Paradeflagge beschafft. Die Arabesken, sowie alle anderen Teile des Stockes, die Adler, der große und die kleinen Sternchen, der Halbmond, die große Glocke und die Schweiftüllenhalter waren silbern. Von Gold waren die Kronen der Adler, die Donnerkeile mit den Blitzen, die Füllhornenden des Mondes und die kleinen Glöckchen. Das "FR" des großen Adlers war silbern. Das Rondel des Ordenssterns war in den korrekten Farben des Schwarzen Adlerordens ausgeführt. Auf dem Füllhorn runde Fleckchen und Sternchen in Silber. Die silberne große Glocke hatte eine goldene Blattdecke und einen ebensolchen Eichenkranz. Der Holzgriff war wie beim älteren Schellenbaum schwarz, die Haarbüsche jetzt rechts weiß und links schwarz. Die Paradeflagge war die gleiche, wie beim älteren Schellenbaum von 1852, Zusätzlich dazu trug der Adler auf der Vorderseite den silbern gestickten Namenszug "FR" und unter dem Adler befand sich ein weißes Bandeau mit der silbern gestickten Inschrift "Erstes Garde Regiment zu Fuß".

Am 22.03.1875 erhielten Leutnants und Hauptleute, am 15.04. dann auch Stabsoffiziere des Ersten Garderegiments zu Fuß um die Feldachselstücke Vorstöße aus Silbertresse. Diese Tresse wurde zwischen die breite Silbertresse bzw. beim späteren Modell von 1888 zwischen Soutache und weiße Unterlage geschoben, sodaß nur ein silberner Vorstoß zu sehen war.

Offizier-Ruderverein, Regimentsgeschichte.

Am 09.02.1877 kam der junge Prinz Wilhelm von Preußen als Premierlieutenant erneut zum Regiment, nachdem er seine Studienzeit abgeschlossen hatte. Er wurde als Adjutant des Kompagniechefs der 6. Kompagnie, Hauptmann von Petersdorff eingestellt. Dieser in den Feldzügen von 1866 und 1870/71 hochdekorierte Offizier war erst kurz zuvor zum Kompagniechef ernannt worden und galt allgemein als "die verkörperte militärische Strammheit und Gründlichkeit." (aus den Erinnerungen des damaligen Flügelmannes der 6. Kompagnie) Insgeheim bedauerten die künftigen Kameraden den Prinzen, wenn sie daran dachten, wie es ihm bei dem gestrengen Hauptmann ergehen würde. An jenem 09.02.1877 trat das Regiment im Langen Stall an und der alte Kaiser Wilhelm I. hielt eine markige Ansprache. Dann führte er seinen Enkel an den linken Flügel der 6. Kompagnie und stellte ihn mit den Worten "Nun gehe und tue Deine Schuldigkeit!" in diese als linken Flügelleutnant ein. Die Grenadiere hatten sich jedoch in Wilhelm getäuscht. Schon am nächsten Morgen kam er eine ¼ Stunde vor Anfang der Instruktionsstunde in die Quartiere und besichtigte gründlich die Spinde. Er zeigte reges Interesse für alle Utensilien wie Putzzeug, Zahnbürsten, Knopfpolierbrettchen, ließ sich den Kommißbrotbestand und die Löhnungen zeigen. Dann wurde eine Stubenrevision nach dem Inventarverzeichnis durchgeführt. Beim darauf folgenden Exerzieren wurde der Anzug vom Prinzen eingehend geprüft. Dabei stellte sich heraus, daß einige Leute den Gardestern, welcher zum Reinigen des Adlers von der Pickelhaube genommen wurde, verkehrt herum aufgeklammert hatten. Den Grenadieren war dies wurscht, doch Wilhelm ließ es sofort ändern. Der gestrenge Hauptmann schonte Wilhelm in der Folgezeit nicht. Stundenlang, ohne einmal zu rühren, ließ von Petersdorff die Soldaten ein und dieselben Übungen machen, bis sie perfekt gelangen. Nach dem Exerzieren nahm von Petersdorff den Prinzen zur Seite und ging alles noch einmal mit ihm durch. Danach war Dienstunterricht bei Major von Liebenau angesagt. So war das Leben des Prinzen mit militärischen Dingen ausgefüllt bis 21:00Uhr. Tagein, tagaus, nur unterbrochen von Vorexerzieren und Manövern. Der Regimentsbefehl vom 31.05.1877 besagte: "Morgen früh steht die 6. Kompagnie im Exerzieranzuge im Lustgarten, bei schlechtem Wetter im langen Stall, um durch den Premier-Lieutenant Prinzen Wilhelm Königliche Hoheit vorexerziert zu werden. Im Anschluß hieran wird eine Vorinstruktion stattfinden. Der Prinz Wilhelm hat mir die Kompagnie mündlich zu berechnen." Am darauf folgenden Tage und zu anderen Gelegenheiten wurde dann die 6. Kompagnie vorexerziert in Anwesenheit des Kaisers und des Regimentskommandeurs Oberst von Derenthall. Auch auf Feldwache beim Manöver wurde Prinz Wilhelm nicht geschont. So stand er einmal die ganze Nacht hindurch im Regen auf Posten. Mit dem Herbstmanöver 1877 schloß dann dieser Dienstabschnitt im Leben des künftigen Monarchen.

Waschen des Drillichzeugs, Erstes Garderegiment zu Fuß, 33 Bilder mit geschichtlichem Vorwort.

Im Jahre 1878 wurde das von Rohdich´sche Legatenhaus am Pariser Platz 3 neu gebaut. 1880 war der Bau abgeschlossen. Im gleichen Jahr wurde per A.K.O. das Eigentum am Haus vom Militärfiskus, vertreten durch das Ersten Garderegiment zu Fuß, auf den von Rohdich´schen Legatenfonds übertragen. Die Verwaltung des Fonds übernahm eine vom Kaiser eingesetzte Immediatkommision, die ab 1894 stets vom Regimentskommandeur, dem Oberstleutnant beim Stab, einem Hauptmann und einem Leutnant vom Regiment gebildet wurde. Die Verwaltung lag damit komplett in der Hand des Ersten Garderegiments zu Fuß.

Neubau des Legatenhauses 1878-1880, Regimentsgeschichte.

1878 wurde der Stabshoboist im Ersten Garderegiment zu Fuß, Friedrich Wilhelm Voigt zum Königlich Preußischen Musikdirektor befördert.

Über eine besondere Episode in der Regimentsgeschichte berichtet Wilhelm von Rauchhaupt (entnommen dem Semper Talis Nachrichtenblatt Nr. 22 vom Mai 1966, nach Zeitschrift für Heereskunde, Nr. 202, Nov./Dez. 1956, Nr. XXIX):

"»Aber ich, ich bin doch noch mit dem Esponton ausexerziert worden.«

    An einem trüben Vorfrühlingsnachmittag des Jahres 1881 sammelten sich im Weißen Saal des Berliner Schlosses etwa ein halbes Hundert auffallend großer Offiziere. Wenn man auch gewohnt war, daß viele Gardeoffiziere ein gewisses Durchschnittsmaß überragten, so schien hier doch eine besondere Auslese gewaltet zu haben. Sie waren meist im Mantel, denn der Saal war nur mäßig - wenn überhaupt - geheizt, und auch die Beleuchtung beschränkte sich auf einige Kerzen in den verschiedenen vielarmigen Leuchtern rings an den Wänden. An einer Seite lag ein Berg altertümlicher Gewehre, von denen sich ab und an einer der Herren einen »Kuhfuß« herausgriff, um ihn fachmännisch zu betrachten und in der Hand zu wiegen. Andere hatten lange Spieße in der Hand, mit denen sie herumfuchtelten und nicht sehr überzeugend wirkende Griffe versuchten.

    Es handelte sich hierbei um eine der Vorbereitungen für die Hochzeitsfeierlichkeiten des Prinzen Wilhelm von Preußen, des nachmaligen Kaisers Wilhelm II. Für den 1. März 1881 war als Überraschung der Einmarsch der Riesengarde Friedrich Wilhelms I., der Langen Kerls, wie der Soldatenkönig sie selber nannte, geplant, und man hatte zu diesem Zweck aus den Garnisonen Berlin und Potsdam die größten Offiziere der Garde ausgesucht, aber auch die zum Großen Generalstab Kommandierten ebenso wenig vergessen wie die Kriegsakademiker. Hier war einmal nicht die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Waffengattung oder einem besondern Regiment entscheidend: nur die persönliche Länge galt, ab 1,90m aufwärts!

    Die Leitung hatte ein älterer Herr in Zivil, der Major a. D. v. Hülsen, und wenn die Anwesenden, meist Seconde- und Premier-Lieutenants, ihn auch korrekt als »Herr Major« anredeten, so hatte das doch weniger einen dienstlichen Charakter, als den eines fröhlichen Beisammenseins, wie es immer zu sein pflegt, wenn Gleichaltrige sich treffen. Die Neckereien im reinsten Berliner Dialekt flogen hin und her und ab und zu gab es großes Gelächter. Da kloppten vier Herren, die sich zu zwei und zwei einander gegenüber aufgestellt hatten, Griffe mit den klobigen alten Gewehren, daß es nur so rauchte, und korrigierten sich gegenseitig. Zwei andere lieferten sich ein Duell mit den langen Spießen und wurden von den Umstehenden zu Attacke und Parade durch laute Zurufe angefeuert. Der Offizier von der Schießwache, der allgemein beliebte Seconde-Lieutenant v. Loeper vom Alexander-Regiment - sie kannten sich ja so ziemlich alle untereinander - kam durch eine kleine Seitentür herein, bat um Ruhe und wollte etwas bekannt geben. Er sah sich aber gleich von seinem Regimentskameraden, dem Seconde-Lieutenant v. Strantz mit einem großen Spieße bedroht und zog sich schleunigst unter allgemeiner Heiterkeit wieder zurück. So unterblieb auch sein wohlgemeinter Hinweis an die Versammelten, daß seine Majestät im Schloß sei, man möge nicht zu laut werden: gar nicht weit entfernt sei sein Arbeitszimmer.

Epoulette Wilhelms II. als Hauptmann im Ersten Garderegiment zu Fuß, DHM, Inv.-Nr. U2120, Archiv Seitenautor.

    Die 60 Herren, die die 2 Pelotons der Riesengarde darstellen sollten, waren schon mehrmals zusammengekommen. Die Waffen und Ausrüstungsstücke waren vom Zeughaus zur Verfügung gestellt worden, die Uniformen mußten sie sich »nach Muster und Probe« von einem bestimmten Schneider anfertigen lassen und erhielten dazu aus der Privatschatulle des Königs einen Zuschuß von einigen Talern. Die »Kostümproben« standen noch bevor, vorläufig war man noch bei der »Grundausbildung«. Die alten Vorschriften waren von der »Zentralregistratur und Druckschriftenverwaltung« beschafft worden, man hatte sich miteinander eingespielt, die Kommandos und Bewegungen klappten schon einigermaßen, und die Griffe hatten Format, wie Herr v. Hülsen zu sagen pflegte. Dazu waren an den Gewehren alle Schrauben etwas gelockert worden, wie das zur Zeit der Riesengarde üblich gewesen war, damit die Griffe richtig rasselten. Und dann kann man sich ja denken, wie die Riesen griffen! Schließlich gehörte das zu ihrem Handwerk. Die Herren von der Kavallerie und die wenigen Artilleristen hatten es schwer, hier Schritt zu halten und nicht unangenehm aufzufallen. Sie hatten sich schließlich, vom handfesten Spott der Kameraden zu Fuß geplagt, entschließen müssen, beim Seconde-Lieutenant von Plüskow vom »Ersten Regiment der Christenheit« - rechter Flügelmann des 1. Gliedes, Länge 2,10m ohne Grenadiermütze - einige Privatstunden zu nehmen.

    Aber eines hatte bisher nicht geklappt und klappte auch heute nicht. Verzweifelt drehte Herr v. Hülsen an seinem schwarzen Schnurrbart. Es war das Exerzieren mit dem Sponton, dem erwähnten langen Spieß, den diejenigen Herren, meist Stabsoffiziere, zu führen hatten - darunter Herr v. Hülsen selbst -, die die Offiziere darstellten und normale Menschengröße hatten. Das Sponton, ein partisanenartiger Spieß, etwa einer Saufeder vergleichbar, war im 18. Jahrhundert die Waffe, die der Infanterieoffizier neben seinem Degen im Dienst, bei Paraden und im Gefecht zu führen hatte. Für die Herren, die hier als Unteroffiziere mit dem sogenannten Kurzgewehr auftraten, gab es bindende Anweisungen. Sie machten ihre Sache vortrefflich. Warum diese Waffe, auch ein Spieß, nur um einiges länger als das Sponton, aus unerfindlichen Gründen ´Kurzgewehr´ hieß, habe ich nie ermitteln können. Kurz und gut: die Unteroffiziere mit ihrem Kurzgewehr waren o. k., würde man heute sagen, aber mit den Spontons haperte es erheblich. Die zugänglichen Vorschriften versagten. Man kramte alte Stiche und zeitgenössische Darstellungen heraus, aber die konnten natürlich immer nur eine Haltung des Spontons zeigen, so oder so, aber wie die Griffe ausgeführt wurden, das blieb unklar. Man probierte und experimentierte, auch die ´Grenadiere´ und ´Unteroffiziere´ versuchten ihr Heil, doch kam nichts Gescheites dabei heraus. Hülsen war ziemlich ratlos, denn etwas verkehrtes durfte unter keinen Umständen gezeigt werden.

Parademarsch mit angefaßtem Gewehr. Erstes Garderegiment zu Fuß mit Grenadiermütze. Zeichnung aus dem Jahre 1885

    Da entstand plötzlich eine Bewegung unter den Offizieren, die einer in die Bildergalerie fahrenden Tür am nächsten standen, und ehe einer der Herren ´Achtung´ rufen oder den Major v. Hülsen verständigen konnte, stand der alte König mitten unter den erstaunt stillstehenden Offizieren. - Im schwarzen, rot aufgeschlagenen, offenen Überrock, ohne Achselstücke, darunter die weiße Piquéweste - Zeit seines Lebens ein Stein des Anstoßes für den Kriegsminister v. Roon, der diese Weste als zivil empfand -, einen Kneifer, den er beim Lesen zu benutzen pflegte, in der Hand, so, wie er offenbar eben vom Schreibtisch aufgestanden war, winkte der König freundlich mit seiner alten Hand ab: »Nein, meine Herren«, sagte er, »ich habe mir das eben mit angesehen. Sie machen das nicht richtig. Sie können das ja auch gar nicht wissen. Aber ich, ich bin doch noch  mit dem Esponton - er sprach es noch französisch aus - ausexerziert worden.« Die 60 Riesen standen schweigend, voll Ehrfurcht angerührt vor dem so unbegreiflich weit gespannten Bogen dieses erfüllten Lebens. Der König, 1797 geboren, an jenem Februartag also 84jährig, war natürlich, als er 10jährig in die Armee eingestellt wurde, noch von seinem Exerziermeister mit der damaligen Waffe des Offiziers, dem Sponton ausgebildet oder, wie er sagte, ausexerziert worden.

    Dann ließ sich der alte Herr ein »Esponton« und einen Dreispitz geben - der Offizier trug nie die Grenadiermütze, sondern immer den Hut -, und zwei Herren mußten sich als Points zehn Schritte rechts und links vom Thron postieren, und nun stellte sich der greise Monarch in Positur: hoch aufgereckt, das Sponton in der rechten, den Dreispitz in der linken Hand, trat er im alten preußischen Stechschritt an und hob, wirbelte und senkte das schwere Sponton beim 1. Point. So marschierte, nein eigentlich stieg er in  dem uns seltsam erscheinenden langsamen Gang mit hochgezogenen Knien, den Dreispitz schwenkend, mit unnachahmlicher Grandezza an dem leeren Thron seiner Väter vorüber; ein Anblick so packend, ja ergreifend, daß manchem der sicher nicht rührseligen Leutnants das Wasser in die Augen schoß...

Posten präsentierend mit Gewehrstrecken. Erstes Garderegiment zu Fuß. Zeichnung aus dem Jahre 1885

    Das ist nun 84 Jahre her, genau so viele Jahre wie damals der alte König zählte. Aber mein Vater als Seconde-Lieutenant im Kaiser-Alexander-Gardegrenadier-Regiment Nr. 1, der mit seinen 1,92m am linken Flügel des 2. Gliedes gestanden hatte, also einer der kleinsten der Riesengarde war, hat seinen Söhnen diese Szene so oft erzählen müssen, daß ich fast glaube, sie selbst erlebt zu haben. Mit meinem langen Blasrohr als Sponton zeigte er uns immer wieder die geheimnisvollen Griffe, bis wir sie exact nachmachen konnten, und so mag es sein, daß ich heute vielleicht der letzte preußische Offizier bin, der mit dem »Esponton ausexerziert« ist."

Am 01.05.1882 hatte Kaiser Wilhelm I. dem Musikdirektor im Ersten Garderegiment zu Fuß, Friedrich Wilhelm Voigt, das Kreuz des Hohenzollernschen Hausordens verliehen, welches fortan als nächstes hinter dem EK II (1870) auf seiner großen Ordensschnalle rangierte. Als an diesem Tage im Lustgarten das Erste Garderegiment zu Fuß zu einer Besichtigung durch seinen Kontingentsherrn und Chef Wilhelm I. angetreten war, gratulierte als erster der Kronprinz Friedrich Wilhelm (und nachmalige Kaiser Friedrich III.) nebst der Generalität Friedrich Wilhelm Voigt vor der Front – eine ganz ungewöhnliche Geste in jener standesbetonten Zeit für den Spitzendienstgrad der Unteroffiziere eines Truppenteils. „Sodann beglückwünschte ihn der Regimentskommandeur durch eine Ansprache und übereichte ihm als Geschenk des Offizierkorps einen Ehren-Taktstock aus Elfenbein, den er an diesem, seinem Ehrentage, tragen solle. Nach der Besichtigung gratulierte ihm Seine Majestät der Kaiser persönlich, reichte ihm die Hand und betrachtete eingehend den Taktstock – und dies alles vor versammelten Truppen und Offizieren, was allenthalben großes Aufsehen erregte. Nach der Besichtigung war Musikdirektor Voigt vom Offizierkorps zum Frühstück eingeladen und hatte die hohe Ehre, neben dem Kronprinzen sitzen zu dürfen, der nach einem Toast auf Fr. W. Voigt mit ihm zuerst mit Champagner anstieß. Nach diesen Feierlichkeiten brachten dem Jubilar vor seinem Wohnhaus das Musikkorps des 1. Garde-Rgt. z. F. sowie die Kapelle des Garde-Jäger-Bataillons ein Ständchen." (nach einem Bericht von Paul Voigt, dem Sohn Friedrich Wilhelm Voigts) Dieser Ehren-Taktstock zum 25jährigen Dienstjubiläum Voigts ist nur noch auf alten Photographien überliefert, der Stock selbst ist leider verschollen.

Der letzte Besuch Kaiser Wilhelms I. beim Regiment am 02.05.1887 (Tag von Groß-Görschen)

Auch in Frankreich ging die Waffenentwicklung weiter und so wurde dort mit dem Grasgewehr M/74 erstmals ein Repetiergewehr eingeführt. Dies wiederum führte deutscherseits zu der Einführung des abgeänderten Gewehrs 71/84, bei dem unter dem Schaft ein Magazin mit 8 Patronen war, welche durch einen Federmechanismus nachgeführt wurden. Eine völlige Neukonstruktion war auf die Schnelle nicht machbar, daher behalf man sich wieder mit dieser Notlösung. Eingeführt wurde das Gewehr 71/84 im Dezember 1886, als die ersten Exemplare und Instruktionsschlösser beim Regiment eintrafen. Am 27.01.1887 wurde dann die gesamte Umbewaffnung des Regiments durchgeführt, gleich darauf 1.000 Reservisten in zwei Raten auf 14 Tage zur Ausbildung mit dem neuen Gewehr eingezogen. Das Gewehr 71/84 krankte daran, daß bei jedem Schuß der Schwerpunkt wanderte. Häufige Ladehemmungen taten ihr übriges. Dennoch war das Gewehr 71/84 das erste Repetiergewehr im deutschen Heer und damit ein Meilenstein der Waffenentwicklung.

In der Schieß-Vorschrift vom November 1887 wurde erstmals das "Prämienschießen" eingeführt, welches die Männer zusätzlich zu Höchstleistungen animieren sollte. Gleichzeitig Neben diesem Schulschießen wurde alljährlich auch das "Terrainschießen", welches ab 1877 "Gefechtsschießen" hieß, durchgeführt. Dieses Gefechtsschießen wurde in der Potsdamer Forst durchgeführt. Allerdings suchte das Regiment lange nach einem geeigneten Ort für das "Abteilungsschießen". Zunächst wurde am südlichen Ufer des Griebnitz-Sees, auf den Krähenbergen bei Caputh und bei Saarmund geschossen. 1880 schossen dort drei kriegsstarke Kompagnien. Vom Jahre 1882 an wurde jeweils 14 Tage lang außerhalb geschossen. So fand z. B. 1887 bei Marquard ein großes Regiments-Gefechtsschießen statt. Am 05.08. wurde dabei von 4 kriegsstarken Kompagnien ein Angriffsgefecht, ein Verteidigungsgefecht und eine Verfolgung gegen Ziele mit beweglichen Scheiben durchgeführt.

Brotbeutel 1887 und Feldflasche 1907, Zeichnung von Jürgen Kraus und Originale Sammlung Meinerzhagen

Im Jahre 1887 wurde das heute noch bekannte Brotbeutelmodell aus braunem, wasserdichtem Baumwollstoff eingeführt. Es hatte oben drei Stege zum Befestigen am Leibriemen. Die beiden äußeren waren zum Knöpfen eingerichtet, wobei der linke eine Lederverstärkung aufwies um das Gewicht der Feldflasche besser aufnehmen zu können. Der Mittlere war als Haken ausgeformt. Alle Metallteile waren zunächst aus Messing, in später4en Jahren, vor allem kriegsbedingt kamen auch Eisenbeschläge zum Einsatz. Innen hatte der Brotbeutel eine Unterteilung. Er war mit zwei Lederstegen am Deckel zu verschließen, innen verlief ein weiterer Ledersteg mittig zum Verschließen des Innenteils. Außen war links eine Lederschlaufe auf dem Deckel angebracht und am oberen Steg eine Metallöse. Diese Vorrichtung diente zur Aufnahme der Feldflasche. Zum Brotbeutel gehörte ein Brotbeutelriemen, der im Brotbeutel verstaut wurde. Er war aus dem gleichen Material wie der Beutel gefertigt, hatte an seinen Enden Lederverstärkungen und metallene Karabinerhaken, mit den man ihn an auf der Rückseite des Beutels angebrachten Metallösen einhaken konnte.

1887 schuf das Kriegsministerium die Stelle des "Armee-Musikinspizienten". Friedrich Wilhelm Voigt wurde im gleichen Jahr dorthin bestellt. Sein Nachfolger als Stabshoboist im Ersten Garderegiment zu Fuß wurde Fritz Möller vom Infanterieregiment Graf Schwerin Nr. 14, zuletzt Stabshoboist-Aspirant bei den Garde-Füsilieren.

Besichtigung der Leibkompagnie durch Kaiser Wilhelm II. Erstes Garderegiment zu Fuß, 33 Bilder mit geschichtlichem Vorwort.

Am 09.03.1888 starb 91-jährig Kaiser Wilhelm I. Ihm folgt, beim Regierungsantritt bereits schwer an Kehlkopfkrebs erkrankt, sein Sohn Friedrich III. auf den Thron. So kam es, daß schon nach 99 Tagen am 15.06.1888 Wilhelm II. (1859-1941) den Thron bestieg und damit der Enkel seinem Großvater folgte. Das Heer[1], das er übernahm hatte eine Stärke von ca. 400.000 Mann. Wilhelm II. lag viel am Militär und er machte sich sogleich an überfällige Reformen der Armee. So verwundert es kaum, daß viele Neuschaffungen und Änderungen in seine Regierungszeit fallen.

Wie seine Vorgänger auch, war Wilhelm II. "seinem" Regiment sehr eng verbunden. So erschien er alljährlich zur Weihnachtsbescherung der Leibkompagnie. Am 02. Mai, dem Tag von Groß-Görschen, besichtigte der Kaiser stets die einzelnen Bataillone und "prüfte" persönlich den Stand der Ausbildung. Ihm machte es auch sichtlich Spaß, das Regiment unverhofft zu alarmieren. Meist schloß sich ein Vorbeimarsch an, bisweilen eine Übung mit anderen Truppenteilen. Am 19.12.1888, 15:30Uhr wurde z. B. das Regiment auf Befehl des Kaisers alarmiert. Es sollte feldmarschmäßig antreten und stand dann auch in 12 Minuten in zwei Treffen auf dem Kasernenhof. Seine Majestät ging nach geschehenem Präsentieren und Gewehrabnehmen das Regiment in all seinen Zügen ab und stellte hier und dort Fragen an die Mannschaften. Nach Entlassung des Regimentes speiste der Kaiser im Regimentshaus mit dem Offizierscorps. Um 17:30 wurde dann in Gegenwart des Kaisers ein Garnison-Kriegspiel durchgeführt. Größere Exerzier-, Schieß- und Felddienstübungen mußten tags zuvor an den Flügeladjutanten vom Dienst gemeldet werden. Der Kaiser erschien, soweit er Zeit hatte, bei Übungen, die sein besonderes Interesse erregten.

Eine Kompagnie des Ersten Garderegiments zu Fuß im Gefecht vor einem Waldrand, Erstes Garderegiment zu Fuß, 33 Bilder mit geschichtlichem Vorwort.

Am 31.08.1888 verlieh Kaiser Wilhelms II. im Lustgarten ein Fahnenband zur Erinnerung an seine Kommandoführung (20.10.1883-02.09.1885) an die Fahne des I. Bataillons. Das Fahnenband war von weißer Seide mit mohnrot. Die Inschrift auf dem Bande war: "Zur Erinnerung an die Kommandoführung Se. Majestät des Kaisers und Königs 1883/85." Die Ornamente und Agraffe waren silbern, die Stickereien und Fransen golden. Neben dem Ersten Garderegiment zu Fuß, erhielten auch weitere Fahnen von Truppen der 2. Garde-Infanterie-Brigade, die Wilhelm persönlich geführt hatte, entsprechende Fahnenbänder verliehen. Wilhelm sagte bei der Verleihung der Fahnenbänder an die im Lustgarten angetretenen Regimenter der 2. Garde-Infanterie-Brigade:

"An Euch, I. Bataillon Meines Ersten Garderegiments z. F. wende ich mich zuerst!

    Grenadiere, seht mich an!

    Bei Euch bin ich eingetreten, Ihr seid der erste selbständige Truppenkörper, dessen Führung mein Hochseliger Großvater Mir anvertraut hat. Das werde ich nie vergessen! Zu Erinnerung an die Zeit habe ich Euch dies Fahnenband verliehen, es soll Euch mahnen, dem alten Ruhme der Fahne weiter Ehre zu machen, wie bisher.

    Es ist mein Wille gewesen, den hier versammelten Truppentheilen, welche einst unter meinem Kommando gestanden, ein besonderes Anerkennungszeichen zu verleihen. Ich erinnere an die gesegnete Regierung Meines glorreichen Herrn Großvaters und daran, daß diese Truppen die einzigen gewesen, welche Meinen glorreichen, in Gott ruhenden Herrn Vater gesehen. Wehmütigen Herzens gedenken Wir noch der Tage der Ehre, wo Wir vor Kaiser Friedrich vorbeimarschirten. Zum Andenken an diese Tage verleihe ich den versammelten Truppen diese Bänder und hoffe, daß die Truppen sich dieser Ehre stets würdig zeigen werden.

N. d. von dem 1. Bataillon 1. Garde-Regiments zu Fuß mit Bericht vom 5., sowie den von dem 2.Garde-Regiment zu Fuß und dem Garde-Füsilier-Regiment mit berichten vom 4. November 1888 mitgetheilten Aufzeichnungen. KM. C. 3.II.6.1.1. Band II"

Die entsprechende A.K.O. zur Verleihung der Erinnerungsbänder lautete:

"AKO.          An das Kriegsministerium.

1888. August 31. Potsdam.

    Ich verleihe hierdurch dem 1. Bataillon Meines 1. Garde-Regiments zu Fuß und den Regimentern der 2. Garde-Infanterie-Brigade Fahnenbänder und Meinem Lei-Garde-Husaren-Regiment ein Standartenband zur Erinnerung an die Zeit, welche diese Truppentheile unter Meinem persönlichen Kommando gestanden haben. Wegen der Uebergabe und Anheftung der Fahenbänder bezw. des Standartenbandes werde Ich besondere Befehle ergehen lassen.

N. d. A. KM. Archiv KOS. Band 796."

Abschnitt des Fahnenbandes des Ersten Garderegiments zu Fuß, Geschichte der Königlich Preußischen Fahnen und Standarten.

Nach A.K.O. vom 12.11.1888 wurden die Schuppenketten der Helme und die Sternschrauben der Offiziershelme versilbert getragen.

Im Januar 1889 faßten Seine Majestät den Entschluß, als den Stiftungstag des Ersten Garderegiments zu Fuß fortan denjenigen des Regiments Lottum, später Garde Nr. 15 anzusehen. Er ließ hierfür umfangreiche Recherchen in den Archiven vornehmen und erließ zahlreiche Dekrete dieses Thema betreffend.

"Immediatvortragsdekret

1889. Januar 10. Berlin.

... S. M. wollen die alte Anciennetät des 11 Garde-Regiments z. F. anerkennen und den Stiftungstag dem Vorschlage des Departments (für das Invalidenwesen) gemäß festsetzen. Auch soll die 3. und 4. Kompagnie fortan an den Helmen und Grenadiermützen Bänder mit der Devise "Semper talis" führen. Proben sind schleunigst vorzulegen, auch die Säkular-Auszeichnungen möglichst bis zum 27. d. M. zu fertigen...

Der Kriegsminister     

Bronsart v. Schellendorff.

N. d. A. KM. C.3.II.1.1.3. Band V."

An jenem "27. des Monats" hatte Seine Majestät Geburtstag und wünschten daher zu diesem Tage die neue Auszeichnung an sein Regiment zu verleihen. Auf den Immediavortrag folgte die entsprechende Kabinetts-Ordre:

"AKO.      An das Kriegsministerium.

1889. Januar 27. Berlin.

    Auf den Mir gehaltenen Vortrag befehle ich, daß als Stiftungstag Meines Ersten Garderegiments zu Fuß der 11. August 1688 anzusehen ist. Gleichzeitig verleihe Ich den drei Bataillonen desselben die Säkular-Fahnenbänder und die Säkular-Schleifen und bestimme, daß die dritte und vierte Kompagnie zur Eriunnerung an ihren Ursprung aus dem Regimente Meines in Gott ruhenden Vorfahren, des Königs Friedrich Wilhelm I. Majestät an den Helmen und Grenadiermützen ein Band mit der Inschrift Semper talis tragen. Das Kriegsministerium hat das hiernach Erforderliche nach Meinen besonderen Befehlen zu veranlassen.

N.d.A. KM. Archiv KOS. Band 801."

Jubiläums-Militärmarken des Ersten Garderegiments zu Fuß, Archiv Seitenautor.

Soldaten des Ersten Garderegiments zu Fuß um 1890, Privatarchiv.

Zur Erinnerung an die Gründung des Regimentes von Lottum Nr. 15, einem Vorgängerregiment des Ersten Garderegiments zu Fuß, wurde am 27.01.1889 von Kaiser Wilhelm II. folgende Dokumentenübergabe vorgenommen:

"AKO.           An Mein Erstes Garderegiment zu Fuß.

1889. Januar 27. Berlin.

    Ich lasse Meinem Ersten Garderegiment zu Fuß in der Anlage Abschrift der durch Meinen in Gott ruhenden Vorfahren, den Kurfürsten Friedrich III. dem Obersten Freiherrn v. Lottum unter dem 1. August 1688 alten Styls ertheilten Kapitulation zur Aufbewahrung in seinem Regiments-Archive zugehen.

N. d. dem Regiment ertheilten Ausfertigung."

Quelle: Geschichte der Königlich Preußischen Fahnen und Standarten seit dem Jahre 1807. Der Wortlaut des Kapitulation war folgender.

"Capitulation des Obristen Freiherrn von Lottum´s etc.

1. August 1688.

 

    Wir Friedrich der Dritte von Gottesgnaden Markgraff zu Brandenburg etc. Thun kundt und geben hiermit jedermänniglichem, denen es zu wissen von nöthen ist in gnaden zu vernehmen, daß Wir den Wohlgebornen Unsern lieben getreuen Freiherrn von Lottum Obristen, in ansehung der von Ihm allmahl verspüreten unterthänigsten Zuneigung zu Unsern Diensten, wie auch der zu Ihme führenden gnädigsten Confidenz, in gleichen der éstime halber so Wir von seiner Person machen, alß Obristen in Unsere würkliche Krieges Dienste engagyret, demselben auch zu mehr derer bezeugung Unserer Ihme zutragenden Churfürstl. Hulde undt Gnade ein Regiment zu Fuß conferiret haben; Thun auch hiermit undt in Krafft dieses Patents also undt dergestalt, daß Unß undt Unserm Churf. Hause, Erben und nachkommen derselbe alß Unser Obrister getreu, holdt, gehorsam und gewertig seyn, Unsern nutzen undt bestes befordern, schaden undt nachtheil verhüten und abkehren, Waß Wir immediaté oder Unsertwegen die Ihme fürhgesetzte hohe Generalität, demselben anbesehen, auch respektivé committiren undt auftragen werden, ohnweigerlich bei tage und nachte, mit behörigem Fleiße, auch mit Auf Opfferung gutes undt blutes, exequiren, und werkstellig machen, undt in Summa sich also comportiren und bezeigen solle, wie es einem treuen, fleißigen und Krieges erfahrenen Obristen, woll anstehet, seine Eydes Pflichte solches erfordern, undt Unser gnädigstes Vertrawen deßfalß zu ihme gerichtet ist, Allermaßen Wir auch wegen des ihme zu conferirenden Regiments, nachfolgender gestalt, mit demselben capituliret: Anfänglich ist Unsere Gnädigste Intention undt wille, daß Unserm Obristen zur formirung dieses Regiments von dem Varenischen Regt. zu Fuß, Acht Kompagnien wovon jede in Vierzig Gemeinen bestehet, nebst einem Capit.-Lieut. undt einigen Unter officirern laut beygefügter Liste übergeben, dan auch demselben die zugleich hierbey specificirte Compag. außgelieffert werden sollen (maßen deßhalb an den Obristen Marquis de Varenne die notturfft befohlen) worauß´undt auß der darbey annoch zu zuwerbenden Mannschafft ein ganzes Regiment auff den Fuß, alß andere Teutsche regimenter gesetzet sein, gerichtet werden soll: Und weil alßdan die Unter Stabs-Bedienten, wie auch bey denen compagnien einige Unter officiere annoch ermangeln thun, So stehet Unserm Obristen frey dieselben zu bestellen undt anzunehmen, Wobey Unser Gnädigster befehl und wille weiter ist, daß die übrige Mannschaft biß auf Einhundert fünff undt zwanzig Gemeine zu completirunge des Regiments zugeworben werden soll; Maßen wir den Obristen auff sothane Mannschafft daß gewöhnliche Werbe geldt, alß auff jedweden Mann Acht Rthlr undt auff Vier Monathe das Tractament, laut Unserer Verpflegungs-Ordinanz undt zwar auff den ersten Monath ein dritteil, auf den zweiten zwei Drittel undt auf die übrigen 2 Monathe complet Auf die prime planen, undt den Staab aber ihn von anfang für voll verpflegen lassen wollen: Das Gewehr anlangendt, deßhalb bezahlen Wir monathlich so viel alß andere Regimenter bekommen, undt müßen die Officirer solches schaffen, vermöge der Verordnung, so deßhalb gemachet worden, Picquen, Schweinsfedern, Trommeln aber wollen Wir anschaffen laßen, wie auch die Fähnlein, wan neue nötig sein sollten.

    Nach verfließung solcher Vier Monathe, muß, das Regiment complet sein, damit es zur Musterunge sistiret werden, die behörige pflicht ablegen, undt gleich anderen Regimentern, wohin wir daßselbe commendiren werden, seine Dienste, undt waß von Unß anbefohlen werden möchte, ohnweigerlich verrichten könne.

    Undt weil dieß Regim. von lauter Französischen Officirern bestehet, so versichern Wir Unsern Obristen hiermit gnädigst, dz. wan von solcher Nation bei dem Regimente einige mit tode abgehen, oder sonsten davon wegkommen, undt er der Obriste nicht selbst Franzosen wieder vorschlagen wirdt, Wir demselben keine Franzosen wieder obtrudiren noch auff dringen, sondern allmahl vorhero seine unterthänigste Vorschläge vernehmen wollen, wehm er zu solchen dienste capabel halten wirdt:

    Die Jurisdiction undt bestellung der Ober Officirer betreffendt, deßhab wird Unserm Obristen eine gleichförmige Capitulation, wie allen Unsern andren Obristen gegeben werden, wornach er sich wirdt zu nrichten haben, den Muster Platz, wollen Wir Unsern Obristen im Fürstenthumb Minden, undt in der Graffschafft Ravensberg anweisen lassen, undt weile das Regiment insgesambt allda nicht wirdt stehen können, so haben Wir demselben, die hierbey liegende specificirte Quartiere noch dazu anweisen lassen: Wobey auch Unsere gdst. Intention ist, daß ihme, dem Obristen, vermöge der letzten Ordinanz bey einer jeden compagnie Sieben Gemeine, nebst einem Unter officirer wie bey andern Regimentern undt Bataillons geschiehet, gut gethan, undt bey denen Musterungen frey passiret werden sollen, jedoch aber sollen ihme darauff keine werbegelder gereichet werden: Ferner ist der Obriste schuldig daß Regiment allezeit complet undt in gutem stande zu erhalten, auch deßfallß auff seine officirer gute Achtung zu geben, damit dieselbe auch ihre schuldigkeit hierunter beobachten:

    Wegen der Gefangenen bleibet es bey der gemachten Verordnunge, daß nemblich von denjenigen, so vom Feinde mögten bekommen werden, die halbscheidt der Rançon Unß heimbfallen, die andere helffte aber dem Regimente verbleiben, diejenigen aber, welche von den Unserigen Gefangen werden möchten, wollen Wir zu rançoniren über Unß nehmen:

    Wan dieses Regiment durch feindtliche einfällem sterben, oder sonsten auff andere weise ohne seine verschulden geschwächet wirdt, oder in abgang kombt, alßdan wollen Wir ihme jedesmal behörige Recruiten geben lassen, und solches wieder zu completiren, undt im stande zu bringen:

    Wir wollen auch dieses Regiment an Praerogatifen undt Range undt waß andere Unsre Regimenter haben, allerdings gleich tractiret, und deßfalß ganz keine Differentz gemachte wißen: Wan auch Unser état undt zustandt Unß veranlassen solte, einige Abdankunge daß bewegenden Uhrsachen fürzunehmen, so soll dieses Regiment nicht cassiret werden, sondern wie die alten Regimenter, auf denjenigen Fuß, worauff Wir es naninzo richten oder setzen lassen, stehen bleiben: anerwogen mehrbesagter Unser Obrister andere Dienste, in welchen Er wohl accomodiret gewesen, undt worim Ihme sein advancement nicht fehlen können, auß unterthster devotion gegen Unß quitiret hat:

    Damit auch mehrgedachter Unser Obrister Unser Gnade desto mehr zu verspüren haben möge; Versprechen Wir ihme hiemit, undt wan gelegenheit sich darzu ereugenen wirdt, auff deßelben bessere accomodation undt ferneres advancement allemahl in gnaden bedacht sein sollen: Sollte auch der Obrister dieser charge halber von jemandt, unter was praetext es auch sein möge, an seiner Person oder Landt Gütern angefochten werden, so wollen Wir ihn allezeit gebührend mainteniren und schadtloß halten, wan der Obriste, oder sonst jemandt von diesem Regiment verstirbt, so soll dessen engsten Anverwandten oder Erben die verlassenschafft ohnweigerlich abgefolget werden. Wie Wir dan auch diejenigen Officirer und Gemeine, welche etwa in Unsern diensten beschädiget undt umb ihre Gesundtheit gebracht, mit einiger ergetzlichkeit, unmdt Unterhalt, dem befinden nach versehen und begnadigen wollen. Zu Uhrkundt deßen allen, haben Wir diese Capitulation eigenhändig unterschrieben, et cum appressione Sigilli gratiae.

    Gegeben Cöln den 1. August 1688.

J. E. Grumbkau."

Mit der A.K.O vom 27.01.1889 (dem Geburtstage Seiner Majestät) wurden an alle drei Fahnen Säkular-Bändern mit Schleife verliehen. Die Übergabe dieser Bänder fand am 09.02.1889 statt. Nach der gleichen A.K.O. verlieh Seine Majestät der 3. und 4. Kompagnie des Ersten Garderegiments zu Fuß das „SEMPER TALIS“-Bandeau zur Erinnerung an ihre Abstammung von der Riesengarde des Soldatenkönigs, welche diese Inschrift auf den roten Grenadiermützen trug. Das Bandeau wurde oberhalb des Adlers der Pickelhaube, bzw. des Sterns der Grenadiermütze aufgelegt. Der Wortlaut der A.K.O. dazu war folgender:

    "AKO.          An Mein Erstes Garde-Regiment zu Fuß

    Nachdem Ich durch Meine Ordre vom heutigen Tage befohlen habe, daß als Stiftungstag Meines Ersten Garde-Regiments zu Fuß fortan der 11. August 1688 anzusehen ist, verleihe Ich Ihm als Zeichen Meines Königlichen Dankes für die hervorragenden Dienste, welche es bei allen Gelegenheiten, im Kriege wie im Frieden, mit Aufopferung und Treue dem Könige und dem Vaterlande geleistet hat, die Säkular-Fahnenbänder und die Säkular-Schleifen Gleichzeitig bestimme ich, daß seine 3. und 4. Kompagnie, welche aus dem Regimente Meines in Gott ruhenden Vorfahren, des Königs Friedrich Wilhelm I. Majestät, hervorgegangen sind, zum dauernden Andenken an die ruhmreiche Geschichte dieses Truppentheils an Helmen und Grenadiermützen ein Band mit der früher in diesem Regimente getragenen Inschrift: "Semper Talis" führen. Ich habe zu Meinem ganzen Ersten Garde-Regimente das Vertrauen, daß es diesem Wahlspruche stets treu bleiben, den alten Ruhm seiner Fahnen zu erhalten und zu wahren wissen und dem Könige und dem Vaterlande bis in die fernste Zukunft mit gleicher Hingebung dienen wird.

    Berlin, 27. Januar 1889

Wilhelm R."

 Parade des Ersten Garderegiments zu Fuß um 1890, Archiv Seitenautor.

Zur Verleihung der Säkularbänder der Fahnen hielten S. M. am 09.02.1889 in Potsdam eine gewohnt markige Ansprache vor dem Regiment:

    "Soldaten Meines Ersten Garde-Regiments zu Fuß! Am heutigen 12. Jahrestage Meines Diensteintritts in das Regiment, an derselben Stelle, an der Ich damals zum ersten Male den Degen zog, habe ich Euch zusammenberufen, um Euch von Neuem einen Beweis Meiner Huld und Gnade zukommen zu lassen. Das Regiment nennt sich mit Stolz das erste und vornehmste der Armee. Seine Geschichte reicht zurück bis in die Zeiten Friedrich Wilhelms I. und seiner Riesen-Grenadiere, auch trägt das Regiment in seinen äußeren Abzeichen die Erinnerung an die Riesen-Grenadiere des Soldaten-Königs.

    Es ist nun gelungen - und erfüllt Mich mit hoher Befriedigung - die Geschichte des Stammes noch weiter hinauf zu verfolgen bis zum Jahre 1688. Zur Erinnerung daran und zur Ansporung zu fernerer angestrengter Thätigkeit, verleihe Ich dem Regiment Fahnenbänder, welche an die Zeit seines Ursprungs erinnern sollen.

    Mögen sie, wie Eure Fahnen, Euch heilig sein und mögt Ihr sie immer in Ehren halten.

    Ich habe den Wunsch und die Ueberzeugung, daß das Regiment bis zum letzten Blutstropfen, im Frieden durch Anspannung und Gehorsam, im Kriege durch Tapferkeit seine Pflicht thun wird.

    N. d. vom Regiment mit Schreiben des Generalkommandos des Gardekorps vom 02.03.1889 mitgeteilten Aufzeichnung. KM.C.3.II.6.1.1.1. Band III."

Quelle: Geschichte der Königlich Preußischen Fahnen und Standarten seit dem Jahre 1807

Die verschiedenen Anzugsarten beim Ersten Garderegiment zu Fuß um 1900, Regimentsgeschichte.

Das Säkularband bestand aus einem schwarzen Seidenband mit silbernen Kanten und Fransen. Auf dem oberen Band stand "Errichtet 1688", unten "F.III." mit Kurhut. Auf der Rückseite war das brandenburgische Wappen. Auf dem unteren Band  stand unten "W.II." mit Königskrone. Auf der Rückseite stand "1888". Die dazugehörende Säkularschleife war aus dem gleichen Band gefertigt und hatte links die Aufschrift "1688" und rechts "1888". Gehalten wurden Band und Schleife von einem silbernen Knopf mit eingeprägtem Preußischen Adler.

Rangliste und Stellenbesetzung des Ersten Garderegiments zu Fuß im Jahre 1889

 

Quelle: Friedeburg, Friedrich von  / Waldersee, von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1871-1914, Berlin 1934, Junker und Dünnhaupt

 

Chef: Seine Majestät Kaiser und der König.

Regimentskommandeur: Oberst Hans Georg von Plessen, Flügel-Adjutant Weiland Seiner Majestät des Kaiser und der Königs Wilhelm I.

 

Oberstlieutenant Freiherr von Bülow, im Stabe.

Major Freiherr von und zu Egloffstein, Kommandeur des I. Bataillons.

Major Graf von der Goltz Kommandeur des Füsilierbataillons.

Major Brunsich (Brunsig) Edler von Brun, Kommandeur des II. Bataillons.

Major Wilhelm Otto von Normann.

 

Hauptmann Ernst August Edwin Freiherr von Manteuffel. Chef 10. Kompagnie.

Hauptmann Freiherr von Reibnitz. Chef 8. Kompagnie.

Hauptmann Graf von Kanitz. Kommandeur Leibkompagnie.

Hauptmann Karl Freiherr von Plettenberg. Chef 4. Kompagnie.

Hauptmann von Westernhagen. Kommandeur 11. Kompagnie.

Hauptmann von Strantz. Chef 9. Kompagnie.

Hauptmann Freiherr von Hornstein-Biethingen. Chef 6. Kompagnie.

Hauptmann von Pritzelwitz. Chef 12. Kompagnie.

Hauptmann von Nickisch-Rosenegk. Chef 7. Kompagnie.

Herrmann von Grumbkow. Chef 3. Kompagnie.

Hauptmann Freiherr Treusch von Buttlar-Brandenfels. Chef 2. Kompagnie.

Hauptmann Hermann Otto Hugo Ferdinand von Plüskow. Chef 5. Kompagnie.

 

Premierlieutenant von Jacobi, kommandiert zum General-Stab. 2. Kompagnie.

Premierlieutenant Freiherr von Ende. 8. Kompagnie.

Premierlieutenant Karl Freiherr von Willisen, kommandiert zur Kriegs-Akademie. 8. Kompagnie.

Premierlieutenant Graf von Holnstein aus Bayern. 5. Kompagnie.

Premierlieutenant von Klitzing, kommandiert zur Kriegs-Akademie. 10. Kompagnie.

Premierlieutenant von Helldorff, kommandiert zur Kriegs-Akademie. 12. Kompagnie.

Premierlieutenant Freiherr von Müffling, sonst Weiß genannt. 6. Kompagnie.

Premierlieutenant von Trotha. 9. Kompagnie.

Premierlieutenant von Leipziger, kommandiert zur Kriegs-Akademie. Leibkompagnie.

Premierlieutenant von Unruh I. kommandiert zur Kriegs-Akademie. 5. Kompagnie.

Premierlieutenant von Hülsen. Regimentsadjutant.

Premierlieutenant von Eckartsberg. 4. Kompagnie.

Premierlieutenant Bronsart von Schellendorff I., kommandiert zur Kriegs-Akademie. 6. Kompagnie.

Premierlieutenant Wilhelm August Carl Joseph Peter Ferdinand Benedict, Erbprinz von Hohenzollern. 2. Kompagnie.

 

Secondelieutenant von L´Estocq, kommandiert bei der Unteroffizierschule in Potsdam. 2. Kompagnie.

Secondelieutenant von Kleist, kommandiert beim Lehr-Infanterie-Bataillon. 9. Kompagnie.

Secondelieutenant von Bülow. Leibkompagnie.

Secondelieutenant Graf zu Rantzau, Adjutant des II. Bataillons.

Secondelieutenant Freiherr von Hammerstein-Equord, kommandiert bei der Unteroffizierschule in Weißenfels. 7. Kompagnie.

Secondelieutenant Graf Finck von Finckenstein. 11. Kompagnie.

Secondelieutenant Graf von Waldersee I. Adjutant des Füsilierbataillons.

Secondelieutenant von Plüskow, Adjutant des I. Bataillons.

Secondelieutenant von Luck. 10. Kompagnie. 

Secondelieutenant Bronsart von Schellendorff II. 2. Kompagnie.

Secondelieutenant Graf von Zedlitz und Trützschler.

Secondelieutenant Ludwig Graf zu Pappenheim. 7. Kompagnie.

Secondelieutenant von Barby. 6. Kompagnie.

Secondelieutenant von Stülpnagel. 12. Kompagnie.

Secondelieutenant Freiherr von Humboldt-Dachroeden. 3. Kompagnie.

Secondelieutenant Ottfried Prinz von Schoenaich-Carolath. Leibkompagnie.

Secondelieutenant Graf von Waldersee II. 8. Kompagnie.

Secondelieutenant Wilhelm Ernst Alexander Friedrich Heinrich Albrecht, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit. Leibkompagnie.

Secondelieutenant Friedrich von Friedeburg. 2. Kompagnie.

Secondelieutenant von Schlichting. 11. Kompagnie.

Secondelieutenant Graf von Saurma-Jeltsch. 4. Kompagnie.

Secondelieutenant Graf von der Goltz II. 5. Kompagnie.

Secondelieutenant von Koeller. 12. Kompagnie.

Secondelieutenant von Kessel. 9. Kompagnie.

Secondelieutenant von Pirsch. 7. Kompagnie.

Secondelieutenant von Berg. 10. Kompagnie.

Secondelieutenant Graf von Bismarck-Bohlen. Leibkompagnie.

Secondelieutenant Graf von Schwerin. 3. Kompagnie.

Secondelieutenant Wilhelm Friedrich Carl Ernst Joachim Albrecht, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit. Leibkompagnie.

Secondelieutenant von dem Knesebeck. 5. Kompagnie.

Secondelieutenant Freiherr von Wöllwarth-Lauterburg. 2. Kompagnie.

Secondelieutenant von Unruh II. 6. Kompagnie.

Secondelieutenant von Griesheim. 8. Kompagnie.

Secondelieutenant Freiherr von Dobeneck. 7. Kompagnie.

Secondelieutenant Graf von Mengersen. 4. Kompagnie.

Secondelieutenant Bronsart von Schellendorff III. 12. Kompagnie.

Secondelieutenant Freiherr von Steinaecker. 11. Kompagnie.

Secondelieutenant Freiherr von Wangenheim. 9. Kompagnie.

 

á la suite:

General der Infanterie Ernst, Herzog von Sachsen-Altenburg, Hoheit. S. I. Bataillon 7. Thüringisches Infanterieregiment Nr. 96 und 2. Schlesisches Jägerbataillon Nr. 6.

General der Infanterie Friedrich, Herzog von Anhalt, Hoheit. S. Anhaltinisches Infanterieregiment Nr. 93.

General der Infanterie Ludwig IV., Großherzog von Hessen und bei Rhein, Königliche Hoheit. S. General-Inspekteur der III. Armee-Inspektion.

General der Infanterie Leopold Stephan Carl Anton Gustav Thassilo, Fürst von Hohenzollern, Hoheit. S. Hohenzollernsches Füsilierregiment Nr. 40.

Oberstlieutenant Oldwig Wilhelm Ferdinand von Natzmer, s. Lehr-Infanterie-Bataillon.

Oberstlieutenant Friedrich Wilhelm Ludwig Leopold August, Großherzog von Baden, Königliche Hoheit. Á la suite des I. Badischen Leibgrenadierregiments Nr. 109 und des I. Gardeulanenregiments, kommandiert z. Dienst. beim 5. Badischen Infanterieregiment Nr. 113.

Major Albert Wilhelm Heinrich Prinz von Preußen, Königliche Hoheit. Korvetten-Kapitän, á la suite des Gardefüsilierregiments.

Hauptmann Franz Julius Leonhard Alfred von Löwenfeld, s. Adjutant des Kriegs-Ministers.

Premierlieutenant Freiherr von Gagern. S. Gouvernement von Straßburg im Elsaß.

Premierlieutenant von Roeder. S. 1. Gardeinfanteriebrigade.

Premierlieutenant von Guckow. S. Kommandantur von Berlin.

Secondelieutenant Ferdinand Victor Albert Mainrad, Prinz von Hohenzollern, Durchlaucht.

 

Regimentsarzt: Oberstabsarzt 1. Klasse Dr. Ernesti.

Bataillonsarzt: Stabsarzt Dr. Alberti. Füsilierbataillon.

Bataillonsarzt: Stabsarzt Dr. Jaeckel. II. Bataillon.

Zahlmeister Ramsch. I. Bataillon.

Zahlmeister Neugebauer. Füsilierbataillon.

Assistenz-Arzt: 2. Klasse Dr. Altgelt. Füsilierbataillon.

Assistenz-Arzt: 2. Klasse Dr. Brecht. II. Bataillon.

Zahlmeister Koch. II. Bataillon.

Offiziershelm des I. Bataillons, letztes Modell um 1914 (aus dem Besitz Wilhelms II.), Kube: Militaria.

Das Bandeau am Helm war aus aus Neusilber gefertigt, das an der Grenadiermütze jedoch bei den Mannschaften aus Messing mit rotlackierten Buchstaben und bei den Offizieren aus Silber mit ebenfalls rotlackierten Buchstaben. Am 20.05.1890 wurde das Bandeau auch dem restlichen I. Bataillon und den Regimentsstab verliehen.

Wilhelm geriet sehr bald nach seinem Regierungsantritt in scharfen Gegensatz zum Kanzler seines Großvaters, Fürst Bismarck. Dieser hatte zwar in den vergangenen Jahren viel für Deutschland getan, sei es durch seine Bündnispolitik im Ausland, oder durch seine Sozialgesetzte im Inland. Wilhelm wollte jedoch auf beiden Gebieten selber regieren und so entließ er Bismarck am 20.03.1890.

"Der Kronprinz führt die Ehrencompagnie", patriotische Postkarte um 1900, Archiv Seitenautor.

Am 20.04.1889 wurde zu Braunau am Inn ein gewisser Adolf als Sohn von Alois Schicklgruber, der sich selbst nach einem seiner möglichen Väter (Alois war ein uneheliches Kind) 1876 in "Hitler" umbenannt hatte, geboren. Eigentlich wollte sich Alois nach Johann Georg "Hiedler" benennen, der Pfarrer verschrieb sich jedoch und so hießen er und seine Nachkommen nun "Hitler".

Semper Talis Bandeaus an Grenadiermütze und Pickelhaube, Zeichnungen von Fritz Kersten, Archiv Seitenautor.

Das I. Bataillon erhielt am 02.05.1889 (Tag von Groß-Görschen) neue Fahnen. Dies war nötig geworden, da durch die Kriege, aber auch durch mangelhafte Bindemittel die meisten preußischen Truppen-Fahnen regelrecht auseinander gefallen waren. Oft wurden die gemalten Mittelfelder hart und rissen so aus dem Tuch. Die Feldzeichen wurden dann nur aus Fahnenstock, Auszeichnungsbändern und Tuchresten bestehend, weiter geführt - es gab ja keine anderen und die Preußen waren ja sprichwörtlich sparsam! Die neue Fahne war den Fahnen des alten Friderizianischen Regimentes Garde Nr. 15 nachempfunden. Sie hatte ein gesticktes weißes Tuch mit silbernen senkrechten Streifen, das Nagelband und die Nagelung silbern, mittig ein silberner, zum Teil goldeingefaßter Rokokoschild, das Devisenband silbern mit goldener Randeinfassung und goldener Schrift "Pro Gloria Et Patria". Das Mittelfeld mit goldenen und silbernen Lorbeerzweigen umrankt, darüber eine goldene, durchbrochene Krone ohne Mütze und mit blauen Steinen auf den Bügeln und blauem Reichsapfel. Der Innenring war rot. Im Mittelfeld befand sich ein schwarzer Adler mit goldenem Schnabel, Fängen und Krone, die Zunge war rot. In den Fängen zum einen ein Schwert mit goldenem Griff und silberner Klinge, zum anderen ein goldenes Blitzbündel. Auf dem Tuch waren keine Flammen vorhanden. In den vier Ecken befanden sich gekrönte goldene Namenszüge des Königs WR (Wilhelminus Rex). Darum links ein Palm- rechts ein Lorbeerzweig von Silber. Darüber kleine Kronen analog zur großen Krone. Der Fahnenstab war gelb, 3,215m lang, mit vergoldeter Spitze mit dem Eisernen Kreuz von 1813. die bisher verliehenen Auszeichnungen und Fahnenringe wurden weiter getragen. Dazu kam ein Fahnenring mit der Truppenbezeichnung "1. G.R. I. B." und einer mit der Aufschrift: "Erneut unter König Wilhelm II. 1889." Der alte Fahnenstab wurde im Regimentshaus aufgestellt hinter der Büste des bei St. Privat gefallenen Oberst von Roeder.

Die neuen Fahnen des Ersten Garderegiments zu Fuß ab 1889, Skizze von Fritz Kersten, Archiv Seitenautor.

So kam dann nach langen Versuchen im Herbst 1889 das Gewehr 88 zur Einführung. Im Januar 1890 wurden zunächst je zwei Gewehre pro Kompagnie ausgegeben. Im März 1890 erhielt das I. Bataillon (Grenadiere), im Herbst die anderen Bataillone die Gewehre für ihre volle Stärke. Im November 1890 wurden wieder Reservisten in großer Zahl eingezogen und mit dem neuen Gewehr vertraut gemacht. Im Februar und März 1891 folgten je ein Landwehr-Bataillon in Stärke von 800 bis 900 Mann. Das neue Gewehr war völlig anders als sein Vorgänger. Es hatte einen unten offenen Magazinkasten, in den ein Ladestreifen zu fünf Patronen eingeschoben wurde. Beim Verschießen viel der Ladestreifen dann unten heraus. Dieser Offene Ladekasten führte jedoch leicht zu Verschmutzungen und damit zu Ladehemmungen. Der Lauf war von einem Holzmantel umgeben. Das Kaliber war auf 7,9mm verringert worden, die Anfangsgeschwindigkeit stieg auf 620m/s, die Reichweite betrug nun 4000m. Die Schießvorschriften wurden im November 1889 neu gedruckt, da sie dem neuen Gewehr angepaßt werden mußten. Die Patronenmenge, die jeder Infanterist bei sich trug, konnte durch das kleinere Kaliber von 100 auf 150 Stück gesteigert werden. Neben diesem positiven Effekt, viel das neue Gewehr dadurch auf, daß erstmals rauchschwaches Pulver eingesetzt wurde, was dazu führte, daß die verräterischen Pulverwolken auf dem Schlachtfeld reduziert wurden. Das wiederum bedingte aber auch, daß der Soldat nun besser zu sehen war und erstmals auch an Tarnung gedacht werden mußte.

Die Uniformen des Ersten Garderegiments zu Fuß um 1900, Knötel/Collas/Pietsch.

Am 01.04.1890 wurde dem ehemaligen Stabshoboisten im Ersten Garderegiment zu Fuß und damaligen Armee-Musikinspizienten Friedrich Wilhelm Voigt anläßlich seines Ausscheidens aus seinem Amt ein weiterer Ehrentaktstock verliehen. Der neue Ehren-Taktstock wurde in einer Schatulle aufbewahrt. Diese Schatulle hatte die Maße: 37cm lang; 4,5cm tief, 4,0cm hoch. Es war ein Holzkasten, darauf unter Spannung verklebtes schwarzes Buchbinderleinen, feingenoppt wie der Fischhautbezug auf dem Griff des Infanterie-Offiziers-Degens (IOD) Modell 1889. Am Boden und an der Kanteneinfassung des Deckels befand sich mittig eine feine Prägerille; auf dem Deckel nach Art eines Buchrückens vier feine Prägerillen, eine breitere mittig. Frontseitig am Deckel waren zwei längliche, weißmetallene Schatullenbeschläge (Schließen) in Metallschneide/-stanzarbeit mit inwärts umgelegten, viertelgebördelten Außenkanten; die Schließen waren bei den Außenverzierungen am Kasten gestiftet. Mittig auf dem an den Längskanten leicht gewölbten Schatullendeckel war ein kaiserliches Emblem: Ein etwa Groschengroßes kreisrundes Medaillon mit feuervergoldetem, schmalen Rand, mit marineblauem Fließquarz (Emaille) ausgegossen, von leicht gewölbter Oberfläche. Darauf erhaben eine gotische „W“-Chiffre, darunter eine römische „II“, also das Emblem für Kaiser Wilhelm II. Auf dem Medaillon saß oben das Symbol der deutschen Kaiserkrone, links und rechts gesäumt von zwei gefalteten Schleifen. Diese Staatssymbolik ist in Bezug auf den Armee-Musikinspizienten unzutreffend. Friedrich Wilhelm Voigt war sowohl als Stabshoboist, dann seit 1878 als Königlich Preußischer Musikdirektor beim Ersten Garderegiment zu Fuß, sodann als Armee-Musikinspizient dem König von Preußen als Landesherr und Dienstherr über das Königlich Preußische Heereskontingent untertänig und nicht dem Deutschen Kaiser. Der Buchbinder scheint sich hier aushilfsweise eines Uniform- oder Ausrüstungsattributs der Kaiserlichen Marine, der Marine-Infanterie, der Schutztruppen oder des Yachtclubs o. ä. bedient zu haben. Das Innere des Schatullenkastens war mit königsblauer gewässerter Damastseide ausgeschlagen und mit weichem Textil/Buchbinderpapier unterfüttert.

Der am 01.04.1890 an F.W. Voigt verliehene Ehrentaktstock, Archiv DGfMM.

Auf dem Boden waren vier Stellrippen als Waage zur Einlage des Dirigentenstabes montiert. Eine umlaufende schmale zweigedrillte Kordel säumte den Bezugsstoff im Deckel und Kastenboden. Der Dirigentenstab hatte eine Gesamtlänge von 35cm, davon mittig 25cm der eigentliche Stab aus hochglanzlackiertem schwarzen Ebenholz. Diesem Mittelstück war als obere Hauptapplikation eine 6cm hohe und 3,5cm breite, 5 – 7cm dicke elfenbeinerne Lyra aufgesteckt, die auf einer knapp 3cm hohen Säulentrommel aufsaß, welche im oberen Drittel von einem umlaufenden Lorbeerband gesäumt war. Der untere Abschluß des Ebenholzstabs bestand aus einem 3,5cm hohen elfenbeinernen Knopf: Eine etwa 3cm hohe Säulentrommel, zu 1cm unten glattpoliert, war oben erhaben von 6 halbreliefierten, herabfallenden Akanthusblättern überdeckt, darauf eine kleine Kugel (Durchmesser: 0,5cm). Unterhalb des elfenbeinernen Lyra-Dekors war dem schwarzen Stab ein nach oben aufsteigendes silbernes Schriftband, 2½ mal umgeschlagen, mit Silberstiften in den Schwalbenschwanzenden aufgenagelt. Das Bandeau trug die Gravur „Dem Kgl. Musikdirektor F.W. Voigt gewidmet. 1. IV. 1890“ Am unteren Ende des Ebenholzstabes, nahe dem Akanthusblatt, war mit 4 Stiften eine silberne, gut 3½cm lange und 1cm hohe Gedenkplatte (längsrechteckig mit Ausbuchtungen an den Schmalseiten) fixiert. Sie trug in Schwabacher Fraktur die Gravur: „1. G. R. z. F.“ Dieser einmalige Ehren-Taktstock hat mitsamt der Schatulle die Zeiten überdauert und befindet sich heute im Besitz eines Mitgliedes der Deutschen Gesellschaft für Militärmusik e.V.

Löhnungsappell, Regimentsgeschichte.

Wilhelm II. befahl dann am 18.12.1890 persönlich für alle neuen Fahnen ein neues Herstellverfahren, bei dem doppeltes Seidentuch mit bestickten Emblemen verwendet werden sollte. Die neue Fahne des I. Bataillons (Grenadiere) war bereits nach diesem neuen Verfahren hergestellt. Nun wurden nach und nach die neuen Tücher auch für die anderen Truppenteile angeschafft.

Der Kronprinz bei der Leibkompagnie 1891

Im Jahre 1891 erschien das Werk "Das Buch vom Deutschen Heere" von Herrmann Vogt (siehe das Literaturverzeichnis). Es widmet ab Seite 274 ein ganzes Kapitel dem Ersten Garderegiment zu Fuß, welches hier ungekürzt wieder gegeben werden soll:

"Beim 1. Garderegiment z. F.

    Wer in Deutschland hätte nicht schon vom Regimente der »langen Kerle« gehört, jener Riesengarde, die mit dem Andenken an König Friedrich Wilhelm I. unlösbar verknüpft ist!

    So lange es stehende Heere gegeben hat, seit der makedonischen Leibwache Alexanders des Großen und den Prätorianern der römischen Kaiser, haben kriegerische Könige und fürstliche Feldherren es geliebt, sich mit Garden zu umgeben, ausgewählten Truppen, denen der persönliche Schutz des Herrn anvertraut war, und die bei öffentlichen Gelegenheiten im prunkhaften Aufzuge der Größe und dem Glanze des Herrschers den äußeren Ausdruck verliehen.

    Nach dem Beispiel des französischen Ludwig schuf auch Friedrich I. von Preußen eine eigene Leibgarde, während sein Nachfolger sich mit dem Königsregimente der langen Kerls begnügte. Bekanntlich löste Friedrich II. unmittelbar nach der feierlichen Beisetzung des königlichen Vaters diese Truppe auf und erhob das von ihm als Kronprinz befehligte Regiment zur neuen Garde. Dagegen errichtete er voll Pietät gegen seinen Vater von den kriegstüchtigen Mannschaften unter den langen Kerlen bei diesem Regiment ein Grenadier-Gardebataillon, welches später die Bezeichnung Erstes Bataillon Leibgarde erhielt, und aus dem dann mit der Zeit das jetzt bestehende 1. Garderegiment zu Fuß hervorgegangen ist. Mittelbar ist dieser letztgenannte Truppenteil also als eine Fortsetzung des Leibregiments Friedrich Wilhelms I. mit seinen langen Kerls anzusehen.

    Von den kräftigsten und schönsten Leuten, welche aus der ganzen Monarchie als Rekruten in das Gardekorps eintreten, werden auch heute noch die ausgesuchtesten dem 1. Garderegiment zu Fuß zugeteilt. Zwar sieht man in der bekannten Uniform desselben nicht mehr solche Riesen, wie beispielsweise der Flügelmann Homann einer war, dem der stattliche König August II. von Sachsen mit ausgestrecktem Arme nicht an den Kopf reichen konnte, oder wie einzelne andere, deren lebensgroße Bildnisse zum Teil jetzt Aufstellung in der Ruhmeshalle gefunden haben, immerhin bringt auch die Neuzeit noch ganz ansehnliche Gestalten hervor. So standen in den dreißiger Jahren zwei Brüder Licht im Regiment, von denen der eine 6´11´´ (= 2,17m) maß, während der andere gar die volle Größe von 7´ (= 2,20m) erreichte. Auch zwanzig Jahre später hat das Regiment einmal wieder einen Flügelmann von derselben Größe besessen, und noch jetzt kann man unter den Grenadieren verschiedene baumlange Männer bewundern, die größtenteils aus dem Westen der Monarchie, aus Westfalen, Hannover, vom Rhein und neuerdings auch aus den Reichslanden stammen.

    Die Größesten der Großen werden zu der am rechten Flügel des Regiments stehenden LeibKompagnie vereinigt, deren Chef der Kaiser und König ist. Viele dieser rasch und rank emporgeschossenen jungen Burschen bedürfen übrigens besonderer Schonung und Pflege, um die Anstrengungen des Dienstes zu überwinden und sich kräftig weiter zu entwickeln. Beides wird ihnen zu teil, und der hohe Chef sorgt väterlich für seine blauen Jungen.

    Das 1. Garderegiment zu Fuß kann noch heute so recht eigentlich als die Leibwache der preußischen Könige gelten, soweit diese einer solchen überhaupt bedürfen, und trägt in dieser Eigenschaft bei Paraden und prunkhaften militärischen Schaustellungen die hohen Grenadiermützen von Blech, eine Erbschaft der »langen Kerle«. Dar Regiment beschränkt sich aber nicht auf den Ruhm einer ausgezeichneten Paradetruppe, es ist nicht nur in der Zusammensetzung seines Offizierskorps und in seinen Friedensleistungen ein Vorbild für das ganze Heer, sondern hat sich bei Groß-Görschen, auf den Feldern von Chlum und den Höhen von St. Privat unvergängliche Lorbeern erworben. Seine Kriegsbrauchbarkeit leuchtet allen deutschen Truppen voran und seine Tapferkeit ist mit dem Blute zahlreicher Offiziere und Grenadiere besiegelt. Es ist wahrlich nicht ohne Grund, daß alle Prinzen des Hohenzollernhauses gerade in diesem Regiment »von der Pike auf« ihre erste militärische Schule durchmachen.

    Das Regiment der Langen Kerls stand bis zum Jahre 1720 in Brandenburg a. d. Havel. Der König wollte die Truppe aber in seiner unmittelbaren Nähe haben und verlegte das 1. Bataillon des Leibregiments nach Potsdam. In Ermangelung einer Kaserne wurden die Leute zunächst in Bürgerquartiere gelegt. Aber auch das machte allerlei Schwierigkeiten, denn keiner der achthundert Riesen war kleiner als sechs Fuß, und die ehrsamen Bürger auf solche Bettstellen nicht eingerichtet. Um der Potsdamer Einwohnerschaft deshalb eine angemessenen Entschädigung für die Einquartierungslasten zu gewähren, ohne die erforderliche Summe auf die Schatulle zu übernehmen, schrieb der König eine jährliche Steuer von 10000 Thalern für die Kur- und Neumark aus, die unter der Bezeichnung als Bettsteuer auch über hundert Jahre erhoben wurde und später in die allgemeinen Servicegelder aufgegangen ist.

    Als später auch die beiden anderen Bataillone des Leibregiments nach Potsdam gezogen wurden, ergab sich noch ein Mangel an passenden Quartieren. Der König suchte deshalb auf die Erweiterung der Stadt hinzuwirken, und die Besitzer neuer Häuser, für deren Bau ihnen manche Vorteile und Erleichterungen gewährt werden mochten, mußten in denselben Stube und Kammer zur Aufnahme von Soldaten nach ganz bestimmten Vorschriften herrichten. Auch unter Friedrich dem Großen sind die Mannschaften des 1. Bataillons Leibgarde stets bei den Bürgern einquartiert gewesen, und erst seit 1811 hat das 2. Bataillon des in der Zwischenzeit formierten Regiments Garde zu Fuß in Potsdam eine Kaserne, die sogenannte von Kunheimsche, bezogen.

    Vor hundert Jahren, als die altgedienten angeworbenen Soldaten, nachdem sie einmal »dressiert« waren, nur während der eigentlichen Exerzierzeit und der Herbstmanöver regelmäßig übten und exerzierten, betrieben viele von ihnen neben dem Militärhandwerk noch ein bürgerliches Gewerbe und aus der Einquartierung derselben bei den Bürgern ergaben sich kaum dienstliche Nachteile. Seit aber die jungen pflichtigen Mannschaften in verhältnismäßig sehr kurzer Dienstzeit in ihren unmittelbaren Obliegenheiten unterwiesen, zu Gehorsam, Königstreue und Vaterlandsliebe erzogen sollen, seit damit jede Stunde des Tages durch den Dienst vollauf in Anspruch genommen ist, treten die mit einer solchen Einquartierung für die Disciplin und die Ausbildung verbundenen Unzuträglichkeiten in immer verstärktem Maße zu Tage.

    In den sechziger Jahren wurde deshalb die unter Friedrich Wilhelm I. erbaute Gewehrfabrik, deren Räume durch die Verlegung dieser Anstalt nach Spandau leer standen, zur Kaserne für einen Teil des Regiments umgebaut. Nach und nach sind Erweiterungsbauten hinzugetreten, und jetzt ist für das gesamte Regiment dort eine zweckmäßige Unterkunft geschaffen.

    Es ist natürlich, daß der Kriegsherr an dem Zustande seines ersten Garderegiments das denkbar wärmste Interesse nimmt und den Exerzitien desselben gern und oft beiwohnt. Diese werden nach wie vor in denselben Übungsräumen und auf denselben Plätzen vorgenommen, auf denen schon die langen Kerls gedrillt wurden, im langen Stalle, im Lustgarten, auf dem durch die Revuen des großen Königs weltbekannten Bornstedter Felde.

    So gehört es seit Jahren zu den Gewohnheiten unserer kaiserlichen Herren, am 2. Mai, am Ehrentage von Großgörschen, die Vorstellung der Bataillone des 1. Garderegiments abzunehmen, und mit scharfem Blicke die gesamte Bataillonsschule, die Handhabung der Kolonnen und das Gefecht zu verfolgen. Wie dies in der Armee überhaupt üblich, pflegt der Kaiser dann das Offizierskorps des Regiments um sich zu versammeln, sich über die gewonnenen Eindrücke auszusprechen, und im Kreise der Offiziere ein Frühstück im Regimentshause einzunehmen.

    Die Offiziere des Leibregiments unter Friedrich Wilhelm I., wie die des Ersten Bataillons Garde, des späteren Regiments Garde zu Fuß und ebenso des Regiments der Garde du Korps waren tägliche Gäste des Königs und speisten an der sogenannten Adjutantentafel. An Stelle dieser Beköstigung sind später erhebliche Geldzuschüsse getreten, die der Fürst unter dem Namen von Tischgeldern aus seiner Schatulle den Offizieren des 1. Garderegiments zu Fuß und der Garde du Korps gewährt. Damit trat auch an die Offiziere dieser Regimenter das Bedürfnis einer gemeinschaftlichen Speiseanstalt heran. König Friedrich Wilhelm IV. machte dem Offizierskorps des 1. Garderegiments zu Fuß gelegentlich seines 50jährigen Dienstjubiläums am 3. Oktober 1857 ein Geschenk von 11000 Thalern. Dafür wurde das Bischoffswerdersche Haus in der Mauerstraße vom Kronfideikommiß angekauft, welches jetzt völlig schuldenfreies Eigentum des Offizierskorps ist, eine vortrefflich eingerichtete und geleitete Speiseanstalt bietet, mit dem dahinter gelegenen Garten als angenehmer Mittelpunkt für jede Art von Erholung und Geselligkeit dient, und damit dem glücklichen Korps einen Vorzug vor fast allen Regimentern der Armee gewährt.

    Der Kaiser verschmäht es nicht, gelegentlich als Gast im »Regimentshause« zu erscheinen, er nimmt aber auch teil an anderen Veranstaltungen der Offiziere, welche ihm schon deshalb besonders nahe stehen, weil sie zum größten Teile selbst wieder Söhne alter Offiziere sind.

    Von alters her üben sich die Offiziere des Regiments wöchentlich einmal im Schießen nach der Scheibe. Unter den herrlichen Buchen und Eichen des westlich vor der Stadt hinter dem Gelände von Sanssouci und de Dorfe Bornstedt gelegenen Katharinenholze befinden sich die Schießstände. Hier sind die ersten Versuche mit dem Zündnadelgewehr gemacht, hier hat das Mausergewehr seine Proben bestanden, hier ist ein besonderer Scheibenstand für die Offiziere bestimmt, und hier mitten im Waldesgrün hält alljährlich im August oder September das Offizierskorps des 1. Garderegiments zu Fuß ein Preisschießen, das sogenannte Adlerschießen ab, das sich durch die Beteiligung des Kaisers, der höchsten in Potsdam anwesenden Herrschaften und der zum Regiment gehörigen königlichen Prinzen in der Regel zu einem glänzenden militärischen Sommerfest gestaltet.

    Hinter dem Löwendenkmal des 1. Garderegiments unter einer wunderbar schönen Buche befindet sich der Schießstand; die Stelle zum Anschlag ist mit Mosaikplatten ausgelegt. Das Ziel besteht in einer Wildscheibe und dem hoch oben auf der Stange befestigten bunt bemalten, kolossalen Adler mit ausgebreiteten Schwingen. Der Weg, den der Kaiser von der Anfahrt bis zum Schießstande zu nehmen hat, ist durch Laubbogen bezeichnet und mit Flaggen, Wimpeln, Kränzen, Wappen und Geweihen reich geschmückt. Flambeaus und bunte Lampen zur Beleuchtung des Waldes sind in Bereitschaft.

    Das ganze Offizierskorps nimmt an dem Schießen teil. Die Schützen, unter ihnen auch hochgestellte frühere Offiziere des Regiments, treten unter dem Kommando des Obersten am Eingange des Scheibenstandes in zwei nach der Größe geordneten Gliedern an. Da gilt nicht Rang noch Stand, der General steht unter dem längeren Lieutenant, der Prinz im zweiten Gliede, wenn seine Körperkleinheit ihn dorthin weist. Das Eichenreis an der Mütze deutet an, daß der betreffende Herr bereits an einem Adlerschießen teil genommen hat.

    Wenn der Kaiser sich nähert, präsentieren die Offiziere auf Kommando die verschiedenartigen Jagdbüchsen, und die Regimentsmusik fällt mit einem Jägermarsche ein. Der Kriegsherr schreitet grüßend die Front entlang, reicht solchen Offizieren, die ihm persönlich nahe stehen, vielleicht die Hand, kommandiert dann selbst: »Das Gewehr über!« »Gewehr ab!« »Wegtreten!« und das Schießen beginnt.

    Zuerst nimmt der kaiserliche Herr selbst die Büchse zur Hand, und erweist sich als tadellos sicherer Schütz, dann folgen die Prinzen und Offiziere dem Range nach.

    Der Glückliche, nach dessen Schusse der Rumpf des Adlers von der Stange herabfällt, wird als Schützenkönig proklamiert, erhält den ersten Preis aus den Händen des  Monarchen und gewinnt das Recht, bei dem folgenden kurzen Mahle den Trinkspruch auf Kaiser und König, als den Chef des Regiments, auszubringen. Der Kaiser, die Kaiserin und die Prinzen stiften persönlich die ersten Preise, Pokale, Schalen und Humpen, die weiteren Prämien an Jagdtaschen, Revolvern, Krimstechern u. s. w. werden aus der Schießvereinskasse beschafft.

    In einiger Entfernung vom Schießstande ist das geräumige Offizierszelt aufgeschlagen. Dorthin begibt sich der Kaiser und nimmt mit den Prinzen und Prinzessinnen, den älteren Damen an der wohlbesetzten Tafel Platz, während die jüngeren Herren ihr Souper draußen im Stehen verzehren.

    »Stoßen wir an, Herr Kollege,« scherzt dann der hohe Herr wohl mit den besten Schützen, bringt selbst ein Hoch auf das Regiment aus und verweilt mit Vorliebe noch eine Zeitlang im Kreise seiner Offiziere, um erst bei Mond- und Fackelschein den zur Heimfahrt bereit stehenden Wagen herbeizuwinken. -

    In ganz eigenartigen Beziehungen steht das 1. Garderegiment zu Fuß zu der russischen Kolonie Alexandrowska, und wenn diese letztere auch streng genommen innerhalb des Rahmens der deutschen Armee keinen Platz findet, so mag ihrer doch hier um jener Beziehungen halber gedacht sein.

    Im Jahr 1812 war durch das Yorcksche Korps eine Anzahl trefflicher Sänger aus dem russischen Heere in Gefangenschaft geraten, welche Kaiser Alexander später auf Wunsch König Friedrich Wilhelm III. demselben überließ, um aus ihnen einen russischen Sängerchor zu bilden, der dem ersten Bataillon des ersten Garderegiments attachiert wurde. Die Sänger erhielten eine dem Regiment ähnliche Bekleidung und folgten demselben auf den Feldzügen 1813, 14 und 15 bis nach Paris. In Biwaks und Kantonnements trug der Sängerchor zur Erheiterung der Offiziere und Soldaten seine eigentümlichen russischen Nationallieder vor, deren ernste fast wilde Melodien die Sänger mit Tamburin, kleinen Glöckchen und Triangel begleiteten. Auch nach den Feldzügen wurden sie gelegentlich verwendet, um bei der königlichen Tafel zu singen, bis sie allmählich, durch Aussterben unvollständig geworden, von dieser Verpflichtung entbunden werden mußten. Zum letztenmale haben sie im Jahre 1830 vor dem Hofe musiziert. Auch ihre Bekleidung änderte sich später; sie erhielten lange grüne Überröcke, die auf den roten Achselklappen mit dem Namen des Kaisers Alexander versehen waren. Als der letztere gestorben war, beschloß Friedrich Wilhelm III., ihm zu Ehren eine russische Kolonie anzulegen, in der jedem der zwölf Sänger, die damals noch von der ursprünglich viel größeren Zahl übrig waren, ein nach russischer Art gebautes Gehöft mit dazu gehörigem Gemüsegarten überwiesen und ein dreizehntes für den mit der Aufsicht betrauten Feldwebel eingerichtet wurde. Auch eine russische Kapelle wurde in der Nähe der Kolonie am Fuße des Pfingstberges erbaut und neben derselben ein ebenfalls im russischen Stile erbautes Haus für den Aufseher derselben, in welchem sich der König auch ein Theezimmer zu eignem Gebrauche reservierte. So entstand im Norden der Stadt ein vollständig russisches Dorf, dessen von Fachwerk erbaute Häuser den blockhausartigen Eindruck der russischen Bauernwohnungen genau nachahmen. Das dienstliche Verhältnis des Sängerchors zum Regiment hat längst aufgehört, von den jetzigen Bewohnern der Kolonie sind überhaupt die allerwenigsten noch Nachkommen der russischen Sänger, für welche dieselbe ursprünglich erbaut wurde; nur noch in einigen Namen, wie Sabloroff, Anisimoff, Grigorieff lebt das Andenken derselben fort. Aber dem ersten Garderegiment ist die Aufsicht über die Kolonie verblieben, dasselbe ernennt den als Dorfschulzen fungierenden Aufseher und besetzt diese Stelle in der Regel mit einem bewährten Feldwebel des Regiments. Ebenso wird die Mehrzahl der Gehöfte nebst Anwesen jetzt, soweit nicht Nachkommen der ursprünglichen russischen Inhaber vorhanden sind, ausgedienten Unteroffizieren oder Spielleuten des Regiments zur Nutznießung übergeben."

Mit A.K.O. vom 17.05.1892 wurde ein schilfgrüner Überzug zum Helm eingeführt, welcher vorne allgemein rot die Regimentsnummer zeigte, bei der Garde jedoch frei blieb. Dieser Überzug bedeckte den ganzen Helm und wurde vorne mit zwei und hinten drei Metallhaken am Helm befestigt. Wegen des schlechten Sitzes und der hervorragenden Brutstätte für Ungeziefer aller Art waren diese Überzüge bei der Truppe äußerst unbeliebt. Offiziere ärgerten sich obendrein noch darüber, daß die kleinen Metallhäkchen den (selbst bezahlten) Helm beschädigten. So wurde inoffiziell für Offiziere ein anderes Modell zum Einschlagen und mit Pappverstärkung an Vorder- und Hinterschirm eingeführt, bei der Garde natürlich ebenfalls ohne Regimentsnummer auf der Vorderseite. Allgemein entwickelte sich ab den 1890er-Jahren ein zunehmendes „Imponiergehabe“ bei der Form der Helme. So wurden die Offiziersspitzen immer höher und die Gardesterne immer stärker vorgewölbt. Auch Fähnriche und lang gediente Mannschaften trugen oftmals an ihren Eigentums-Helmen hervorgewölbte Gardesterne, diese jedoch ohne emailliertes Mittelfeld. Der Helmkorpus an sich wurde dagegen, der Mode entsprechend, immer niedriger.

Das Offizierscorps des Regimentes 1893 mit den alten Grenadiermützen

Leibkompagnie in Paradeaufstellung mit dem Kronprinzen Wilhelm, Aufnahme von 1894 mit den neuen Grenadiermützen (noch ohne Schuppenketten)

Am 06.05.1892 wurde der älteste Sohn des Kaisers, Kronprinz Wilhelm (1882-1951) der Tradition entsprechend im Alter von 10 Jahren in das Regiment als Secondeleutnant eingestellt. Zu seiner Einstellung trat das Regiment im Lustgarten an und der Kaiser übergab seinen Sohn dem Kommandeur des Regimentes, Oberst von Natzmer. Der kleine Kronprinz, mit der Grenadiermütze, dem Bande des Schwarzen Adler Ordens und der Kette des Hausordens der Hohenzollern, welche ihm zu diesem Tage verliehen worden war, trat mit gezogenem Degen an den Kommandeur der Leibkompagnie, Hauptmann von Plüskow heran. Er salutierte und trat am rechten Flügel der Kompagnie ein, umrahmt von teilweise über zwei Meter großen Soldaten.

Kronprinz Wilhelm bei der Leibkompagnie 1894, Zeichnung von Fritz Kersten

Am 27.01.1894, dem Geburtstag des Kaisers, stiftete er per A.K.O. eine neue Schießauszeichnung. Die bisher gebräuchlichen Borten in Landesfarbe, die über den Aufschlägen getragen wurden, kamen hiermit in Fortfall. Die neue Auszeichnung für gutes Schießen, kurz "Schützenschnur" genannt, bestand aus einer schwarz-weiß-rot gemusterten Schnur mir geflochtenem Medaillon. Je nach Abstufung wurden Eicheln an das untere ende angebracht, die höheren Stufen zierte ein Metallschild auf dem Medaillon, etc. Die neue Auszeichnung wurde im ganzen Reich einheitlich eingeführt, nur in Bayern wurde die Schnur in den Landesfarben gehalten. Diese Schützenschnur war ausschließlich Mannschaften und Unteroffizieren vorbehalten und hing von der rechten Schulter bis zum 2. Rockknopf.

Einstellung des Kronprinzen in das Ersten Garderegiment zu Fuß am 06.05.1892

Am 09.02.1894 erhielt das Ersten Garderegiment zu Fuß neue Grenadiermützen die denen des Regiments Garde Nr. 15 der friderizianischen Zeit nachempfunden wurden. Die Originalwerkzeuge waren nicht mehr vorhanden, so sind die neuen Grenadiermützen nur eine Nachbildung und nicht identisch mit den alten. Besonders die Borten und Nähte unterschieden sich hier und natürlich fehlte beim friderizianischen Modell das Motto "Semper Talis". Dort stand "Pro Gloria et Patria“. So hatte das alte I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 an den Grenadiermützen silberne Borten, hier waren sie nun für alle drei Bataillone weiß. Die Offiziere hingegen führten auf den neuen Grenadiermützen die silbern-schwarze Epoulettentresse. Da das II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 statt der silbernen, vermutlich weiße Borten trug und auch die Farbe des Beutels und Püschelmittelteils mit rot identisch war, könnte man sagen, daß die 1894 eingeführten Grenadiermützen für Mannschaften der Grenadierbataillone in etwa denen dieses Bataillons entsprachen.

Grenadiermützen für Mannschaften des Ersten Garderegiments zu Fuß , links M1824 (mit falschem SEMPER TALIS-Bandeau), rechts M1894

Die Grenadiermützen bisheriger Probe gingen an das Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1, natürlich ohne das „SEMPER TALIS“-Bandeau, was bedeutete, daß dort die Mützen zunächst bis zur Neubeschaffung mit Löchern im Schild getragen wurden. Preußische Sparsamkeit vom Feinsten.... Bei den neuen Grenadiermützen hatten I./II. Bataillon (Grenadiere) und der Regimentsstab über dem Adler das Bandeau „SEMPER TALIS“, während die Füsiliere des III. Bataillons die Aufschrift „Pro Gloria et Patria“ trugen. Dies ist insofern bemerkenswert, da am Helm ja nur der Regiments-Stab und das I. Bataillon (Grenadiere) diese Auszeichnung erhielten. Die Füsiliermütze war nicht wie beim alten Modell etwas kleiner, sondern hatte nun die gleiche Größe wie die Grenadiermütze. Zur Unterscheidung der Bataillone war sie jedoch mit einem gelben statt einem roten Beutel versehen und entsprach damit nahezu völlig dem Modell, welches das alte III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 getragen hatte. Der Püschel war allgemein weiß mit roter, bei den Füsilieren gelber Mitte. Offiziere und Portepee-Unteroffiziere hatten ein silbernes, birnenförmiges Nationale, auch "Pflaume" oder "Birne" genannt. Spielleute und Musiker, sowie berittene Offiziere trugen die Grenadier- bzw. Füsiliermütze zunächst nicht.

"Parade im Lustgarten 9.2.1894" Gemälde von Carl Röchling

Die Verleihung der Grenadiermützen wurde noch am gleichen Tage durchgeführt. Um 09:00 Uhr sollten Leib-, 5., 9. und 13. Kompagnie, um 10:00 Uhr die übrigen im Lustgarten stehen ohne zu wissen, worum es ging, da die ganze Aktion strengstens geheim gehalten wurde. Im Lustgarten angekommen, hieß es: die Kompagnien abrücken nach dem Stadtschloß. Auf dem Hof mußte das Gepäck abgelegt werden. Im großen Saal des Stadtschlosses wartete schon Wilhelm II. mit seinem Flügeladjutanten, vor ihnen auf langen Tischen, eingepackt in Seidenpapier die nagelneuen Parademützen. Die Soldaten gingen nun hinein und bekamen von S. M. und seinem Adjutanten persönlich die Mützen aufgesetzt. Danach marschierten sie wieder ab zum Lustgarten. Die Mützen der Offiziere und der oben genannten Kompagnien wurden von Wilhelm II. bezahlt, die anderen beschaffte das Kriegsministerium. Zunächst waren, wie beim alten Vorbild auch, keine Kinnriemen oder sonstige Befestigungen vorgesehen. Zu Zeiten Friedrichs II. wurden jedoch unsichtbar durch unter dem Haar des Trägers liegende Bänder gehalten. Das Fehlen der Befestigungen führte dazu, daß gelegentlich die Mützen bei Paraden vom Kopf fielen. 1896 kam daher eine silberne Schuppenkette am Knopf M/91 hinzu, diese war vom gleichen Muster wie die Schuppenkette an der Pickelhaube. Diese wurden nun zu Paraden, etc. abgeschlagen.

Vergleich der alten und neuen Grenadiermützen  des Ersten Garderegiments zu Fuß, Zeichnungen von Fritz Kersten

Der Erhalt der Mützen oblag dem Regiment, dessen Eigentum die Mützen auch waren. Bezahlt wurde dies aus dem so genannten Ersparnisfonds der Bekleidungswirtschaft des Regimentes. Eine Tragezeit ist nicht reglementiert worden, die Mützen sind aber nicht mehr erneuert worden, sondern wurden vom Regiment an die jeweiligen Träger ausgegeben. Waren die Mützen nicht im Gebrauch, standen sie in Wachstuchhüllen, frontseitig versehen mit dem Trägernamen, auf Kammer. Sie durften nur mit Handschuhen angefaßt werden, damit die Versilberung nicht litt. Bei den Soldaten waren die Mützen nicht beliebt, sie nannten sie respektlos "Jubeltüte" oder "Kaffeetrichter", denn sie drückten und nickten ständig auf dem Kopf ihres Trägers.

Frühjahrsparade im Lustgarten um 1900,  Erstes Garderegiment zu Fuß, 33 Bilder mit geschichtlichem Vorwort.

Mit der gleichen A.K.O. vom 09.02.1894 wurde ausschließlich für Offiziere des Ersten Garderegiments zu Fuß eine Schießauszeichnung eingeführt. Diese Auszeichnung bestand aus silbernem, flach geflochtenem Achselband und hatte unten eine Silbereichel. Sie war entgegen den anderen Schützenschnüren, die für Mannschaften und Unteroffiziere geschaffen wurden, nur für Offiziere des Regimentes gedacht. Sie wurde am rechten Schulter- und zweiten Waffenrockknopf befestigt und war bei Versetzung weiter zu tragen.

Schützenschnüre nach A.K.O. vom 27.01. und 09.02.1894 , Zeichnung von Paul Pietsch

Am 27.01.1894, also zum 25. Jubiläum seines Eintritts in das Erste Garderegiment zu Fuß, stiftete SM der Kaiser einen Wanderpokal, den sogenannten Kaiserbecher, für den bestschießenden Offizier in seinem Regiment. Dieser wurde zusammen mit der Schützenschnur für Offiziere des Ersten Garderegiments zu Fuß bis 1913 verliehen. Ab 1914 fand kriegsbedingt keine Verleihung mehr statt. Der Kaiserbecher hat die Zeiten überdauert und befindet sich heute im Besitz des Semper Talis Bundes / Wachbataillon beim BMVg.

Wanderpokal, Sogenannter "Kaiserbecher", gestiftet am 27.01.1894 von Kaiser Wilhelm II.  für den bestschießenden Offizier des Ersten Garderegiments zu Fuß, Wachbataillon beim BMVg / Semper talis Bund 2010

Genauso respektlos, wie die Soldaten die "Jubeltüte" bedachten, so gedachten sie z. B. auch dem berühmten Lustgarten. Karl Willnitz (Angehöriger des Füsilierbataillons) berichtet: "Wer kennt ihn nicht, jenen Paradeplatz Friedrich Wilhelm I. und des alten Fritz, jene gelbe Sandfläche, die sich zwischen dem Stadtschloß und dem Neptunsbrunnen, dem figurengeschmückten Marstall und dem Wäldchen ausbreitet. Man sagt, »So viel Steine und Steinchen er besäße, so viel Schweißtropfen habe er schon geschluckt«, und wir, die wir nicht so weit zählen können, geben uns keine Mühe mehr, dies nachzuprüfen. Was wir von ihm wissen, ist, daß wir ihn wohl ein Dutzend Mal und mehr nach allen Richtungen auf dem Bauche »überrutschten«. Im Sommer haben wir ihn blank gefegt und im Winter mit den Tischplatten unserer Korporalschaften vom Schnee gesäubert. Vom »Auf-« und »Hinlegen« und vom »Knien« hat manch ein Loch in unserer Montur von der Schärfe dieser besonderen Sandwüste Zeugnis abgelegt. Wir mochten ihn nicht, und selbst in unseren Liedern ist er schlecht weggekommen, dieser kleine »Schleifstein« der Potsdamer Wachtparade. Dabei sind wir in unserer Abneigung nur Glied einer Kette gewesen. Schon die langen Kerls wurden hier gedrillt. Der »Soldatenvater« hat sie mit seinem Krückstock durcheinander gejagt. Sein Geist wohl ist es gewesen, der nie Ruhe auf diesem Stück erde aufkommen ließ, der hier im Frieden vorbereitete, was sich im Kriege bewähren sollte."

Gewehrfechten beim "Ersten Hieb", im Hintergrund die Garnisonkirche, Regimentsgeschichte.

Ebenfalls am 09.02.1894 wurde Stabshoboist Fritz Möller zum "Königlichen Musikdirektor" ernannt, ohne die hierfür erforderlichen Voraussetzungen erfüllt zu haben. Normalerweise wurden Stabshoboisten nach 18 - 20 Dienstjahren zum "Musikdirigenten" ernannt, nicht zu verwechseln mit dem Titel "Musikdirektor", welcher nicht vom Kriegs- sondern vom Kultusministerium aufgrund besonderer Voraussetzungen zuerkannt wurde. Möller aber wurde auf folgende Weise zum "Musikdirektor": Als sich das Musikkorps des Ersten Garderegiments zu Fuß auf einer Konzertreise in Hamburg befand, wurde Möller bekannt, daß Kaiser Wilhelm II. persönlich zur Eröffnung der Fischereiausstellung in Altona erscheine. Er schickte sofort zwei Hoboisten nach Potsdam, ließ die weißen Hosen und Grenadiermützen holen und nahm in Paradeuniform am Eingang der Ausstellung Aufstellung. Der Kaiser, sehr beeindruckt und erfreut, bedankte sich für die Überraschung und redete Möller mit "Herr Musikdirektor" an. Von seinem Adjutanten darauf aufmerksam gemacht, daß Möller nicht "Musikdirektor", sondern "Musikdirigent" sei, antwortete der Kaiser: "Was ich gesagt habe, bleibt bestehen!"

Grenadiermütze und Fahnenträger des Ersten Garderegiments zu Fuß, Zeichnung von Fritz Kersten.

Vergleich der neuen Grenadier- und Füsilier-Mütze 1894, Zeichnung von Fritz Kersten.

Am 07.06.1894 wurden auch bei der Garde - die Linie hatte sie schon seit 1892 - blaue Litewken eingeführt. Diese waren entgegen der Linie mit vollfarbigen Achselstücken ausgestattet, also hier weißen. Auf der roten Patte saß eine ca. 7,5cm lange weiße Doppellitze von der Form her wie am Waffenrock. Bei Einführung der neuen Litewka-Modelle 1899, 1900 und 1902/3 wurden diese Besonderheiten beibehalten. Die 1903 eingeführte Offizierslitewka unterschied sich hier nicht weiter von der der Linie, die Kragenpatte war natürlich weiß. Das blieb auch so beim Kleinen Rock M1915.

Parade der Fahnenkompagnie vor dem neuen Palais, Erstes Garderegiment zu Fuß, 33 Bilder mit geschichtlichem Vorwort.

Am 17./18.10.1894 wurde die Fahne des neu aufgestellten IV. (Halb-) Bataillons geweiht und genagelt. Anschließend wurde die Fahne dem neuen Truppenteil übergeben. Sie hatte ein gesticktes weißes Tuch mit silbernen senkrechten Streifen, das Nagelband und die Nagelung silbern, mittig ein silberner, zum Teil silbern eingefaßter Rokokoschild, das Devisenband war silbern mit goldener Randeinfassung und goldener Schrift "Pro Gloria Et Patria". Das Mittelfeld mit silbernen Lorbeerzweigen umrankt, darüber eine silberne, durchbrochene Krone ohne Mütze und mit blauen Steinen auf den Bügeln und blauem Reichsapfel. Der Innenring war rot. Im Mittelfeld befand sich ein schwarzer Adler mit goldenem Schnabel, Fängen und Krone, die Zunge war rot. In den Fängen zum einen ein Schwert mit goldenem Griff und silberner Klinge, zum anderen ein goldenes Blitzbündel. Auf dem Tuch waren keine Flammen vorhanden. In den vier Ecken befanden sich gekrönte goldene Namenszüge des Königs WR (Wilhelminus Rex). Darum links ein Palm- rechts ein Lorbeerzweig von Silber. Darüber kleine Kronen analog zur großen Krone. Der Fahnenstab war gelb, 3,12m lang, mit vergoldeter Spitze mit Namenszug. Als Truppenbezeichnung wurde ein silberner Fahnenring mit der Aufschrift: "1. G. R. IV. B." angebracht.

 Kaiserabzeichen nach A.K.O. vom 27.01.1895, Zeichnung von Paul Pietsch.

Am 27.01.1895 (dem Geburtstag des Kaisers), wurde ein neuer Schießpreis, neben der Schützenschnur, eingeführt. Die Regimentsgeschichte berichtet: "Um den hohen Wert, den der oberste Kriegsherr auf die Schießausbildung legte, besonderen Nachdruck zu verleihen und zu Höchstleistungen anzuspornen, bestimmte er in einer A.K.O. vom 27. Januar 1895, daß die Kompagnie, welche in ihrer Gesamtleistung im Schießen innerhalb des Armeekorps die beste sei, einen Kaiserschießpreis erhalten solle. Der Preis bestand in der Bronzebüste des Monarchen - bei wiederholten Leistungen auch in der seiner Vorgänger - und wurde im Offizier-Kasino aufbewahrt. Als äußere Auszeichnung erhielt die Kompagnie das auf dem rechten Arm zu tragende »Kaiserabzeichen«, das den angehörigen der Kompagnie bis zur Beendigung ihrer Dienstzeit verblieb und in einem Kranz zwei kreuzweise gelegte Gewehre zeigte, gekrönt von der Kaiserkrone; am unteren Ende die Jahreszahl. Der Kompagniechef der siegenden Kompagnie wurde mit einem Orden ausgezeichnet. Mit berechtigtem Stolz trug die in jedem Jahr als Sieger aus dem Kampf hervorgehende Kompagnie ihr Abzeichen. Denn es mußte in hartem Kampf erworben werden. In einem Vergleichsschießen und nach ihren sonstigen Leistungen, früher auch den Leistungen im Einzel-Prüfungsschießen, wurde die beste des Regiments ausgesucht. Innerhalb der Brigade, Division und des Korps wurde in einem gefechtsmäßigen schießen, in dem Trefferprozente, Feuerverteilung usw. maßgebend waren, die beste Kompagnie ermittelt, für diejenigen, die in die letzte Stichwahl kamen, eine starke Nervenprobe vom Kompagniechef bis zum letzten Mann. Die siegreiche Kompagnie des Gardekorps ließ S. Majestät der Kaiser nach der Herbstparade stets am »Steuerhäuschen« antreten und sprach ihr, die das Abzeichen schon angelegt hatte, seine Anerkennung aus. Sie durfte mit der FahnenKompagnie bis zum Schloß einrücken."

Unteroffizierslitzen  des Ersten Garderegiments zu Fuß ab 1895, Zeichnung von Fritz Kersten.

Die A.K.O. vom 25.05.1895 verfügte einen verkleinerten Kragen, welcher nun nicht mehr höher als 4cm sein durfte. Infolgedessen wurde die Litze der Gardeunteroffiziere verschmälert und der Sergeantenknopf zwischen Unteroffizierstresse und Litze gesetzt.

Nach den Unterlagen der Fa. Imme in Berlin ist am 15.06.1895 ein Schellenbaum (mit Paradeflaggen) des Ersten Garderegiments zu Fuß  renoviert worden. Er hat ferner ein Paar neue schwarz-weiße Büffelhaare erhalten[2].

Rekrutenvereidigung um 1900 vor dem Portal des Langen Stalls, Bauer / Knitter / Ruppert: Vernichtet, Vergessen, Verdrängt.

Am 18.08.1895 wurden allen 4 Fahnen des Ersten Garderegiments zu Fuß der Hohe Orden vom Schwarzen Adler verliehen. Die Fahnen der ersten drei Bataillone erhielten überdies die Fahnenbänder mit den Spangen zur Kriegsdenkmünze 1870/71 - Gravelotte. - St. Privat. - Sedan. - Paris. - Le Bourget - verliehen. Am 18.01.1896 wurde der Fahne des I. Bataillon (Grenadiere) ein silberner Gedenkring verliehen  mit der Aufschrift: "Zur Erinnerung an den 18. Januar 1896, dem Gedenktage der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches. an welchem S.M. Kaiser Wilhelm II. mit dieser Fahne in der Hand das Gelübde erneuerte, einzustehen für des Volkes und des Landes Ehre, sowohl nach Außen, wie nach Innen. Ein Reich! Ein Volk! Ein Gott!"

Mit A.K.O. vom 25.05.1895 wurde ein neues Tornistermodell eingeführt, welches mit leichten Abwandelungen bis in die Reichswehrzeit verwendet wurde. Es war nach wie vor aus braunem Kuhfell gearbeitet, hatte Schlaufen oben und an den Seiten zum Aufschnallen der Mantel- und Zeltbahnrolle. Vorne hatte er zwei Oberriemen, die hier weiß waren, mit Messinghaken zum Einhaken in die Ösen an den Patronentaschen. Daran angenietet die stets schwarzen Unterriemen zum Anhaken an den Tornisterboden.

Tornistermodelle 1895, 1907 und 1907/13, Zeichnung von Jürgen Kraus und Original aus Privatsammlung.

Nach A.K.O. vom 27.01.1896 trugen auch die Hoboisten und Spielleute die Grenadier- bzw. Füsiliermütze, jedoch mit roter Püschel.

Die Einstellung Prinz Eitel Friedrichs in das Regiment, Regimentsgeschichte.

Über die Kameradschaft auf den Stuben des Ersten Garderegiments zu Fuß gibt eine kleine Anekdote gute Kunde. Sie wird berichtet von Karl Willnitz, vom Füsilierbataillon: "Jeder alte Soldat weiß, was der heilige Geist ist. In der Dienstzeit erschien er sehr oft des Nachts in den Kasernen, wenn irgendein Kamerad etwas ausgefressen hatte und durch Güte und Ermahnung nicht zum Kameradschaftsgeist zu erziehen war. Ich erinnere mich sehr gut, wie er auch in meiner Korporalschaft einmal »zu Besuch erschien«. Ein reicher Bauernsohn, der Kuchen- auf Kuchenpaket aus der Heimat erhielt, hatte diese in seinem Spind aufgestapelt und keinem seiner Kameraden etwas abgegeben. Als der Aermste meiner Korporalschaft, wie es Sitte war, den Inhalt seines eigenen Paketes an alle Kameraden gleichmäßig verteilt und auch der Kuchenbesitzer sein Teil bekommen und verzehrt hatte, brachte eine Spindrevision seine Schandtat ans Licht. Dreiviertel seiner Vorräte waren verschimmelt und nur der heilige Geist konnte dieses Konto wieder ausgleichen."

Am 01.06.1897 wurde die Fahne des bisherigen IV. (Halb-) Bataillons an die Leibkompagnie überwiesen, mit der Bestimmung, daß diese Fahne nur bei Ehrenwachen einzutreten habe.

Trotz der gerade erst erfolgten Einführung des Gewehrs 88 wurden von der Gewehr-Prüfungskommission stetig Versuche zur Verbesserung des Gewehres durchgeführt, welches zur Ausgabe des Gewehrs 88/97 im Herbst 1897 an das Füsilierbataillon zur Erprobung führte. Die anderen Bataillone erhielten das verbesserte Modell ein Jahr später. Es wurde auch ein dünneres Seitengewehr mitgeliefert, dessen Koppelschuh bezeichnenderweise für alle Bataillone in schwarz ausgeliefert wurde (normalerweise hatten die Grenadiere geweißtes Lederzeug), da man sehr bald mit einem anderen Gewehrmodell rechnete.

Offiziershelm Modell 1897 I./II. Bataillon und Regimentsstab des Ersten Garderegiments zu Fuß, Parade, Hilsenbeck: Deutsche Offiziershelme.

Rückkehr von der Bataillonsbesichtigung am 02.05.1898, Regimentsgeschichte.

Am 01.05.1899 wurde bestimmt, daß alle Truppenteile mit Litzen, solche auf den Mantelkragenpatten anzulegen hätten. Beim Ersten Garderegiment zu Fuß hieß das, daß auf der roten Patte die gleiche Doppellitze wie auf der Litewka saß. Unteroffiziere trugen über dieser Litze die schwarzweiße Borte, etatsmäßige Feldwebel unter der Litze noch eine zweite Borte.

Einstellung des Prinzen Oskar in das Regiment am 27.05.1898, Privatarchiv.

Am 18.08.1899 wurde von Kaiser Wilhelm II., der auch die Anregung dazu gegeben hatte, in feierlicher Form unter Beteiligung der Leibkompagnie, das Denkmal des Ersten Garderegiments zu Fuß in St. Privat eingeweiht. Er hielt dabei eine Rede in der es u. a. hieß:

"Die für das Denkmal gewählte Form ist abweichend von den sonst auf den Schlachtfeldern üblichen. Der gepanzerte Engel stützt sich friedlich auf sein Schwert, geziert mit dem Motto des Regimentes: Semper talis. Ich will daher, daß dieser Figur eine allgemeine Bedeutung verliehen wird. Es steht auf diesem blutgetränkten Schlachtfeld gleichsam als Wächter für alle gefallenen Soldaten beider Heere, des französischen wie des unseren. Denn tapfer und heldenmütig für ihren Kaiser und ihr Vaterland sind auch die französischen Soldaten in ihr ruhmvolles Grab gesunken. Und wenn unsere Fahnen sich grüßend vor dem erzenen Standbild neigen werden und wehmutsvoll über den Gräbern unserer lieben Kameraden rauschen, so mögen sie auch über den Gräbern unserer Gegner wehen, ihnen raunen, daß wir der tapferen Toten in wehmutsvoller Achtung gedenken."

Kronprinz Wilhelm bei einer Rast während eines Manövers im Jahre 1900, Privatarchiv.

Geschaffen wurde dieses Denkmal nach einer Anregung von Wilhelm II. vom Bildhauer Walter Schott. Es zeigte einen überlebensgroßen messingnen Cherub, einen Erzengel. Auf dem Schwert stand das Motto des Regimentes "Semper Talis". Die Inschrift lautete "Den braven unvergesslichen Kameraden. Wilhelm II. und sein Erstes Garderegiment z. F."

Einweihung des Denkmals des Ersten Garderegiments zu Fuß bei St. Privat am 18.08.1899, Regimentsgeschichte.

Im Herbst 1899 wurde nach langen Versuchen das Gewehr 98 eingeführt, welches nahezu identische Schußleistungen wie das Vorgängermodell aufwies. Die Fehler des Vorgängers wurden jedoch durch die Bauform ohne offenen Kasten vermieden. Es hatte eine Visiereinteilung von 200, 300, 350m usw. Die fünf Patronen wurden an einem Ladestreifen, welcher nach beendeten Laden heraussprang, in die Ladevorrichtung gedrückt. Das Seitengewehr wurde nun zum Aufpflanzen unten aufgeschoben, wogegen es bislang seitlich aufgepflanzt wurde.

Am 14.12.1899 wurden allen Fahnen des Regimentes "Jahrhundert-Fahnenbänder" verliehen. Diese bestanden aus dem Band des Hausordens der Hohenzollern, also einem silbernen Band mit drei schwarzen Streifen (am Rand und in der Mitte). An jedem Ende ein schwarz-silberner Quast. Auf den goldenen Spangen war zum einen vorne die Kaiserkrone und auf der Rückseite "1. Januar 1900" eingeprägt. Die andere Spange trug vorne "WII." mit Königskrone, auf der Rückseite "1. Januar 1900" und "1. August 1688".

Frühjahrsparade im Lustgarten 1901, Archiv Seitenautor.

Am 06.05.1900 folgte die Verleihung eines silbernen Erinnerungs-Ringes an die Fahne des I. Bataillons (Grenadiere) mit der goldenen Inschrift: "Zur Erinnerung an die Eidesleistung Seiner Kaiserlichen Hoheit des Kronprinzen am 6. Mai 1900."

Soldaten des Ersten Garderegiments zu Fuß mit Grenadiermütze um 1900, Bauer / Knitter / Ruppert: Vernichtet, Vergessen, Verdrängt.

Am 30.08.1900 erhielten endlich auch die letzten Bataillone im Regiment neue Fahnen.  Die Fahne des II. Bataillon (Grenadiere) hatte ein gesticktes weißes Tuch mit silbernen senkrechten Streifen, das Nagelband und die Nagelung silbern, mittig ein silberner, zum Teil silbern eingefaßter Rokokoschild, das Devisenband war silbern mit goldener Randeinfassung und goldener Schrift "Pro Gloria Et Patria". Das Mittelfeld mit silbernen Lorbeerzweigen umrankt, darüber eine silberne, durchbrochene Krone ohne Mütze und mit blauen Steinen auf den Bügeln und blauem Reichsapfel. Der Innenring war rot. Im Mittelfeld befand sich ein schwarzer Adler mit goldenem Schnabel, Fängen und Krone, die Zunge war rot. In den Fängen zum einen ein Schwert mit goldenem Griff und silberner Klinge, zum anderen ein goldenes Blitzbündel. Auf dem Tuch waren keine Flammen vorhanden. In den vier Ecken befanden sich gekrönte goldene Namenszüge des Königs WR (Wilhelminus Rex). Darum links ein Palm- rechts ein Lorbeerzweig von Silber. Darüber kleine Kronen analog zur großen Krone. Der Fahnenstab war gelb, 3,085m lang, mit vergoldeter Spitze mit dem Eisernen Kreuz von 1813. Die Fahne des Füsilierbataillon war identisch dazu, sie hatte nur eine andere Fahnenspitze mit dem Eisernen Kreuz von 1870. Bisher verliehene Auszeichnungen und Fahnenbänder wurden weiter getragen.  Die Truppenkennzeichnungen auf dem silbernen Fahnenring lautete "1. G.R. II. B." und "1. G.R. F.B."

In den Jahren 1900 und 1901 errang die 12. Kompagnie des Füsilierbataillons vom Ersten Garderegiment zu Fuß den begehrten Kaiserschießpreis für die besten Schießleistungen innerhalb des Gardekorps. Kompagniechef war damals Hauptmann Graf Finck von Finckenstein.

Gewehrreinigen auf der Stube, Erstes Garderegiment zu Fuß, 33 Bilder mit geschichtlichem Vorwort.

"Am 18. Januar 1901 bestimmte Se. Majestät der Kaiser, daß auch innerhalb der Regimenter der deutschen Infanterie, deren Chef er war, seiner Leibregimenter, ein Schießen um einen Preis abgehalten werden sollte. Die beste Kompagnie jedes Regiments - es waren mit den nicht preußischen 10 - mußte auf gefechtsmäßige Ziele auf weitere Entfernungen ihre Ausbildung zeigen. Der Kompagniechef und die Offiziere der siegreichen Kompagnie durften, solange sie bei ihr standen, das Schützenabzeichen der Armee in einer goldenen Schnur tragen." aus der Regimentsgeschichte.

1902 wurden bei allen Regimentern, deren Chef der Kaiser war, also auch beim Ersten Garderegiment zu Fuß, ein spezieller Griff bei Paraden vor dem allerhöchsten Monarchen eingeführt, das „Anziehen“ des Gewehrs. Dieser Griff wurde in Anlehnung alter Exerziergriffe des Heers Friedrichs des Großen, dessen größter Bewunderer wohl Wilhelm zwo war, angewendet. Ein weiteres Privileg dieser Art war das Abspielen der Königs-, bzw. später Nationalhymne beim Frontabschreiten durch den Monarchen, erstmals erwähnt 1861, 1890 dann ausdrücklich beschränkt auf große Kaisermanöver.

Offiziere und Unteroffiziere beim Manöver im Jahre 1900, Regimentsgeschichte.

1902 wurde der letzte Schellenbaum nebst je einer Parade- und Dienstflagge beschafft[3]. Mit Ausnahme der Krone war der Schellenbaum vollständig versilbert. Der Name des Regiments  - "Erstes Garde-Regiment zu Fuß" - auf der Vorderseite des Halbmonds und das Eichenlaubgewinde war matt eingeschnitten. Der Stern hatte ein Mittelschild, welches seiner Größe entsprechend in Form, Schrift und Farbe dem Stern des Schwarzen Adlerordens gleich und in Emailfarbe gemalt war. Der Holzgriff war weiß lackiert, die Büffelhaarbüsche waren rechts schwarz-weiß, links rot. Die Paradeflagge war ein Geschenk des Kaiserpaares. Sie war 32cm breit und 28,5cm hoch, ausschließlich der Stabhülse aus Silberstoff gefertigt. Der schwarze Adler war nach Vorbild des Adlers auf der Fahne des I. Bataillons (Grenadiere) gefertigt. Er bestand aus schwarzer Seidenstickerei. Unter dem Adler befand sich ein silbernes, gold umrandetes Bandeau mit der schwarz gestickten Inschrift "Erstes Garde Regiment zu Fuß". Die Eichenzweige auf Vorder- und Rückseite, Rippen und Früchte in Gold, die Blätter von Silber mit Goldumrandung gestickt. Die Flagge war von allen vier Seiten mit einer 9mm breiten gemusterten Borte mit 4 cm langen Fransen eingefaßt. Die Unterfransen ebenfalls silbern. Die Dienstflagge war identisch, jedoch ohne Regiments-Bandeau und ohne Eichenlaub-Verzierungen. Die Flagge wurde mit dem Ring in den im Schnabel des Adlers befindlichen Karabinerhaken bannerförmig eingehängt. Der Gardestern durfte nicht verdeckt werden.

Trauer-Parade anläßlich der Abholung des Sarges von Kaiserin Victoria, Witwe Friedrichs III. in Schloß Friedrichshof im Taunus, 1901, Privatarchiv.

Im Jahre 1903 errang die 11. Kompagnie unter Hauptmann von Oppel das begehrte Kaiserschießabzeichen und die Büste Se. Majestät als beste Kompagnie des Gardekorps. 1905 konnte dieselbe Kompagnie auch noch den Kaiserschießpreis als beste Kompagnie der Regimenter, deren Chef der Kaiser war, erringen. Nach dieser ist es keiner Kompagnie des Ersten Garderegiments zu Fuß mehr gelungen, diese Auszeichnung zu erringen.

Abermals wurde mit A.K.O. vom 27.01.1905 die Schießvorschrift dem neuen Gewehr 98 angepaßt. Erstmals wurden hierin auch der Entfernungsmesser 99 und weitere Hilfsmittel zur besseren Entfernungsmessung berücksichtigt. Die neue Schieß-Vorschrift legte nun mehr Wert auf das Gefechtsschießen. Davor hatte das Schul- und Einzel-Schulschießen einen wesentlich größeren Raum während der Ausbildung eingenommen. Nun wurde dieses nur noch als Vorstufe des eigentlichen Sinns der Ausbildung, des Gefechtsschießens angesehen. Das Einzel-Schulschießen mit den abschließenden Prüfungen fand nun für jeden Jahrgang auf einem vorher ausgelosten Schießstand im Katharinenholz unter persönlicher Aufsicht des Regimentskommandeurs statt. Weiterhin wurde das gefechtsmäßige Einzelschießen zugunsten des Abteilungsschießens eingeschränkt. Das gefechtsmäßige Schießen gliederte sich nun in Vorbereitungsschießen, Schießen in Gruppen, Zügen und größeren Abteilungen. Um 1905 wurde auch die "S-Munition" eingeführt, welche einen als Spitzgeschoß ausgeführt war, Stahlmantel mit Bleikern besaß und eine erheblich bessere Schußleistung bot. Die Anfangsgeschwindigkeit erhöhte sich von 620m/s auf 890m/s. Dadurch mußten die Visiere geändert werden, es kam das "Lange-Visier" zur Einführung.

Rekrutenvereidigung 1905 vor dem Portal des Langen Stalls, Regimentsgeschichte.

1905 reiste Kaiser Wilhelm II. nach Tanger (Marokko). Dabei führte ein Marokkaner das Pferd von S.M.. Dieser Farbige gefiel Wilhelm und so "schenkte" ihm der dortige Sultan den baumlangen Mauren Namens Ben Aissa. Dieser stammte aus Fez, sein Vater war dort Kammerdiener des Sultans und er selbst Fechtoffizier. Als er Wilhelm begegnete, war er 18 Jahre alt. Mit seinem Einverständnis kam er Pfingsten 1906 nach Potsdam, wo er anfangs noch seine Heimattracht trug. In dieser machte er das Manöver und die Übung des Regimentes im gleichen Jahr in Döberitz mit. Im Herbst fuhr er in seine Heimat zurück und blieb den Winter über bei der deutschen Gesandtschaft in Tanger. Im Frühjahr 1907 kam er nach Potsdam zurück und wurde in die Uniform des Ersten Garderegiments zu Fuß eingekleidet und der Leibkompagnie als Schellenbaumträger zugeteilt. Der 1,88m große Mann (manche Quellen nennen 2,10m als Größe) erreichte mit aufgesetzter Grenadiermütze stattliche 2,25 m. Er wurde 1908 zum Unteroffizier und 1913 sogar zum Vize-Feldwebel befördert.[4] "Die Regimentsmusik des I. Garderegiments zu Fuß in Potsdam erhält einen 2,10 Meter großen schwarzen Schellenbaumträger, den Kaiser Wilhelm aus Marokko mitgebracht hat. Das Leibgarde-Husarenregiment hat schon einen schwarzen Paukenschläger." (Archiv DGfMM, Tagesspiegel, Nr. 2954, vom Sonntag, den 29.05.1955, unter Rubrik "Heute vor 50 Jahren", es handelt sich also um die Meldung dieser wöchentlich erscheinenden Zeitung zwischen dem 29.05. und 04.06.1905) "Der schwarze Schellenbaumträger beim 1. Garde-Regiment steht im Range eines Unteroffiziers. Der schwarze Kesselpaukenschläger bei den Garde-Husaren ist Gefreiter. Beide sind Kapitulanten und müssen infolgedessen nach zwölfjähriger Dienstzeit den Zivilversorgungsschein unter denselben Voraussetzungen erhalten wie jeder andere Militäranwärter. Dem Schellenbaumträger vom 1. Garde-Regiment müssen ebenfalls Ehrenbezeugungen erwiesen werden wie den übrigen Unteroffizieren. Der schwarze Gefreite bei den Garde-Husaren dient bereits sechs bis acht Jahre und ist trotzdem über den Gefreitengrad noch nicht hinausgekommen." (leider nicht näher beschriebener Zeitungsausschnitt aus dem Archiv der DGfMM, jedoch ist anzunehmen, daß dieser aus der "Deutschen-Militär-Musiker-Zeitung" und deren Rubrik "Fragekasten" stammt.)

Ben Aissa, 1905-1919 Schellenbaumträger des Ersten Garderegiments zu Fuß, Archiv Seitenautor.

Über eine leider nicht näher datierte Anekdote, die sich beim Ersten Garderegiment zu Fuß abgespielt hat, berichtet Karl Willnitz, 9. Kompagnie. Vermutlich geschah das berichtete im Jahre 1907, denn  über eine A.K.O., die das Frontmachen, bzw. die Einschränkung dieser Vorschrift zum Inhalt hatte, berichtet die Regimentsgeschichte für das Jahr 1909. "Gut gewachsen und reicher Eltern Kind, hatte das Schicksal ihn zu einem Garde-Regiment geführt. Nun ist es nicht immer so, daß mit einem großen Geldbeutel auch der nötige Verstand »gleichen Schritt« hält. Kamerad Kartoffelkeim hatte jedenfalls von dem ersteren zuviel und von dem letzteren etwas zu wenig abbekommen. Das wirkte sich besonders stark aus, als er in seiner Rekrutenzeit die Dienstabzeichen der Vorgesetzten auswendig zu lernen hatte und die Art der Ehrenbezeugungen für jedes Abzeichen sich merken mußte. Nicht nur für »Jupp«, so will ich ihn weiterhin nennen, war diese Wissenschaft ein Buch mit 7 Siegeln, es sind auch andere... ganz andere darüber gestolpert. Nur... Jupp setzte allem die Krone auf. Er brachte es fertig, einen Feuerwehrhauptmann für einen General und einen Briefträger für einen Unteroffizier zu halten. Und das war schlimm in einer Stadt wie Potsdam. Dort gab es noch ein: »Frontmachen vor direkten vorgesetzten«. Wäre Jupp nur zwei Jahre später Soldat geworden, so hätte er diesen gemeinsten Fallstrick der ganzen preußischen Armee nicht mehr kennen gelernt. Er war einer von den vielen, allzuvielen Kameraden, die nie begriffen, wann und wann nicht, ob und ob nicht... usw. So konnte es passieren, daß ein Leutnant des Regimentes Garde du Corps Offizier der Ronde war und, falls die Infanterie Garnisonwache zu besetzen hatte, dieser von niemand gekannte Leutnant der Kavallerie für die Infanterie direkter Vorgesetzter wurde. Das Recht auf Frontbezeugung stand ihm in diesem Falle genau so zu wie all den fremden hohen Offizieren, die zu Besuch in der Garnison weilten. Es kam hinzu, daß, auch der Ortskommandant, Brigade- und Divisionskommandeur ein Recht auf diese Ehrenbezeugungen hatten und keiner der Rekruten die Kaserne verlassen durfte, von dem die Ausbildungsoffiziere wußten, daß er mit tödlicher Sicherheit über Ehrenbezeugungen stolpern würde.

1906 Das Schrippenfest, welches alljährlich vom Lehrinfanteriebataillon bei den Communs durchgeführt wurde. Das Erste Garderegiment zu Fuß und einige andere Garderegimenter stellten zu diesem Anlaß stets die Regimentsmusik.

Jupp hatte also innerhalb der Mauern unserer Kaserne Ausgang, soviel es der Dienst erlaubte, nach draußen kam er jedoch nie, sogar das Holen von Briefmarken über der Straße war ihm strengstens verboten. Nun ist der aktive Feldwebel nicht immer nur ein Bullenbeißer. Unser »Spieß«, wie ihn die Soldatensprache nennt, hatte Mitleid mit Jupp, weil dieser sich sonst ziemlich willig anstellte und sicher auch das ehrliche Wollen bezeugte, ein guter Soldat zu werden. Daß er zu wenig Gehirnkleister mitbekommen hatte, war ein Erbfehler seiner Körpergröße. ... Als die ersten Weihnachtstage herankamen, gab der Spieß Jupp daher den Rat: »Gehen Sie, wenn Sie an den Feiertagen Ihren Ausgang haben, hinaus in das Katharinenholz. Klemmen sie sich eine leere Zigarrenkiste unter den Arm, und geben Sie Obacht, daß Sie keiner zu sehen bekommt.«

Mit der Zigarrenkiste hatte es nämlich eine besondere Bewandtnis. Trug der Soldat ein Paket, dann brauchte er nicht Front zu machen. Er konnte, mit der Hand an der Mütze grüßend oder in »gerader Haltung«, wie es militärisch so schön heißt, an seinem Vorgesetzten vorübergehen. Jupp nahm also eine Zigarrenkiste und zog seelenvergnügt ins winterliche Weiße. Selbstverständlich hielt er es für richtiger, wenn er schon eine Zigarrenkiste schleppen sollte, auch eine Zigarre dabei zu rauchen. Es lag ja auch schließlich 20 Zentimeter Schnee, und die Gefahr eine Waldbrandes war bei seinem Pech so leicht nicht zu befürchten. Mochte nun der Teufel wissen, was den Generalmajor v. P., den größten, d. h. längsten Offizier der deutschen Armee, dazu trieb, seine Rosinante ausgerechnet an diesem Feiertage im Katharinenholz zu tummeln. Pfeilgerade gelang es ihm, ausgerechnet dem Grenadier Jupp damit über den Weg zu reiten. »Nur nicht verblüffen lassen«, ist Jupps Ansicht gewesen. Krampfhaft hat er seine Zigarrenkiste in der einen Hand getragen, die andere aber zum Gruß an die Mütze erhoben und dabei mit lustig dampfender Zigarre im Munde, seinem höchsten General die »Reverenz« erwiesen. Schneller als Kamerad Kartoffelkeim sich dies hatte träumen lassen, ist selbstverständlich dieser Offizier aus dem Sattel gewesen. »Er, Zinnsoldat«, hat er ihn angebrüllt, »weiß er nicht, daß man beim Grüßen die Zigarre aus der Schnauze nimmt?« Jupp hat sich über den Ausdruck Zinnsoldat zuerst einmal herzlich satt gelacht und gar nicht daran gedacht, die Zigarre wirklich aus dem Munde zu nehmen. Nur als dieser »freundliche« fremde Reiter ziemlich eklig geworden war und gefragt, wie »Er« heiße und welcher Kompagnie »Er« angehöre, hat Jupp endlich den Glimmstengel in die Hand genommen und geantwortet. Bis zum Abschied hat er auch nicht geahnt, mit wem er die Ehre und das Vergnügen gehabt und selbstverständlich auch seiner Kompagnie keine Meldung gemacht oder irgendwem gebeichtet, welches Mißgeschick ihm widerfahren war.

Trinkgefäß in Form einer Grenadiermütze, Geschenk der Offiziere des Ersten Garderegiments zu Fuß an Offiziere, die 5 Jahre im Regiment gedient haben.  Wachbataillon beim BMVg / Semper Talis Bund 2010.

Der Regimentsbefehl vom nächsten Tage, der ihn mit fünf Tagen Mittelarrest bestrafte, ließ ihn aber erkennen, daß, der Mann im Walde wirklich nicht Knecht Ruprecht, sondern sein Divisionsgeneral gewesen ist. Die Bestrafung eines Mannes durch einen Regimentsbefehl löst ganz eigenartige Wirkungen in einer Kompagnie, im Bataillon, ja selbst im Regiment aus. Zuerst der Major... Er bekommt sofort einen blauroten Koller. Der Feldwebel einen leichten Schlaganfall. Der Hauptmann läuft gleichfalls blau an und gab in unserem Falle dem armen Jupp wegen der nicht gemachten Meldung noch weitere drei Tage Mittelarrest. Es waren die ersten drei Worte, die der Häuptling wieder hervorbrachte, und eine Erlösung für uns, die wir schon glaubten, er würde an der »Pille von oben« den Erstickungstod erleiden. Von den anderen Kompagnieangehörigen ist noch zu berichten, daß sie alle den Kopf hängen ließen und alles als eine rein persönliche widerwärtige Angelegenheit betrachteten. Selbstverständlich wurden wir in den nächsten Tagen besonders im »Grüßen« bewegt. Es kam vor, daß einer des Nachts im Schlaf »Achtung« brüllte und alles im Hemd aus dem Bette sprang, der unfreiwillige Rufer aber mit einer dicken Beule sich in seinen Kissen wälzte, weil er beim allzuschnellen Aufrichten sich an den Brettern des über ihn befindlichen Bettes - Soldaten schlafen immer übereinander - gestoßen hatte. Einer nur nahm die ganze Angelegenheit nicht so tragisch. Während wir bei grimmiger Kälte im Schweiße unseres Angesichtes auf dem Kasernenhofe das Grüßen übten, zog Jupp mit einem Kommißbrot unter dem Arm und einer Sonderwache zur Rechten und zur Linken lächelnd in Arrest oder, wie wir es damals in der Soldatensprache ausdrückten, zu »Vater Philipp«. Dort vergingen acht Tage rasch und ebenso die folgenden, die ihn lehrten, alle Abzeichen der Vorgesetzten zu unterscheiden und den entsprechenden vorgeschriebenen Gruß auch richtig anzuwenden.

Rekrutenvereidigung 1907 vor dem Portal des Langen Stalls, Regimentsgeschichte.

So dachten wir, das Schicksal meinte es anders. Schon Ostern durfte »Er« wieder einmal ausgehen und ohne besondere Richtungsvorschriften Potsdam »genießen«. Daß diese Erholung kritisch und zu allerletzt doch noch für ihn günstig ausging, lag nicht an ihm selbst, sondern an der Großmut unseres Generalmajors, eben jenes Herrn v. P. Durch die Erfahrung gewitzigt, hatte sich Jupp für seinen Ausgang einen eigenen Schlachtplan zurechtgelegt. Außer der natürlich wiederum mitgeführten Zigarrenkiste steckte er sich in den Aufschlag seines linken Aermels die Uniformtafel aus dem Dienstbuch und glaubte nun, mit einem raschen Blick sich »informieren« zu können. Es ging alles gut bis zu dem Augenblick, als auf der Hauptstraße sein General, auch diesmal zu Pferde, ihm begegnete. Nahe genug herangekommen, stellte sich Jupp einfach mit dem Rücken zur Front, schaute sich, da eine Plakatsäule nicht vorhanden war, genauestens die Fugen einer Mauer an. General ließ er General sein. Dies aber war dem Offizier denn doch zu bunt. Zu Rede gestellt, weshalb er nicht grüße, ist es aber diesmal Jupp gewesen, der selbst einen Königlich Preußischen General aus der Fassung brachte und dessen drohende Mine in eitel Sonnenschein verwandelte. Vom Schein dieser Sonnenstrahlen hat »Seine Exzellenz« sogar noch anderen abgegeben. Durch das ganze Garde-Korps ist die »Antwort« Jupps: »Ich dachte, Sie wären mir vom letzten Mal noch böse!« gegangen und überall herzlich belacht worden. ... Jupp ist nicht bestraft worden. »Wegen allzu großer Dummheit« hat man ihm damals ein Küchenkommando verschafft. Er hat seine restlichen anderthalb Jahre treu und brav und ohne weitere größere Erschütterungen zu Ende gedient."

Parade des Ersten Garderegiments zu Fuß im Lustgarten, anläßlich des 200-jährigen Geburtstages Friedrichs II. am 24.01.1912 in Potsdam, Privatarchiv / Archiv DGfMM.

Bei jenem Offizier handelt es sich um Herrmann Otto Hugo Ferdinand von Plüskow, von 1890-96 Kommandeur der Leibkompangnie. Er war der größte Offizier der deutschen Armee mit 2,08m und wurde überall nur der lange Potsdamer oder der lange Plüskow genannt. Wie der Zufall es wollte, sollte es am 12.09.1914 erneut zu einer Begegnung der beiden kommen und dies war auch der Tag, an dem der Soldat den Spitznamen "Kartoffelkeim" erhielt.

Potsdam Parade im Lustgarten - Vorbeimarsch des I. Garde-Rgt. z. F., historische Fotopostkarte, gelaufen 1913, Archiv Hellenthal.

Durch A.K.O. vom 14.02.1907 wurde die neue Feldgraue Bekleidung eingeführt. Diese unterschied sich beim Ersten Garderegiment zu Fuß von der Linie in einigen Punkten. Zum einen dadurch, daß die weißen Litzen am Kragen und Ärmelaufschlag weiter geführt wurden. Sie hatten die Maße der bisherigen, lediglich der Zwischenraum der beiden Kragen-Litzen war nicht mehr rot sondern von Grundtuch, also feldgrau. Unteroffiziere wie bisher nur eine Litze am Kragen. Der rote Spiegel und die Form blieben wie bisher. Anfangs hatten die Garderegimenter auch an der unteren Kante der Ärmelaufschläge rote Vorstöße, da diese jedoch schnell abwetzten wurde ab ca. 1913 darauf verzichtet. An den mit 5,5cm statt bisher 6cm etwas schmaleren Schulterstücken, welche nun zum Schlaufen eingerichtet waren, befand sich ringsherum ein weißer Vorstoß. Die Unteroffizierstressen verliefen unten herum am Klappkragen und am Ärmelaufschlag wie bisher. Sie waren wie bisher auch silbern-gemustert, jedoch mit 1,6cm etwas schmaler als bislang (es war dies die Breite der zweiten Tresse für den etatsmäßigen Feldwebel am bunten Rock). Die Knöpfe waren von mattem Nickel und hatten allgemein eine Krone und einen erhabenen Rand. Die Achselstückknöpfe zeigten wie bisher auch die Kompagnienummer und bei der Leibkompagnie das „L“. Nun allerdings natürlich auch matt und mit erhabenem Rand.

Kompagnie im Waldgefecht während eines Manövers, Erstes Garderegiment zu Fuß, 33 Bilder mit geschichtlichem Vorwort.

1908 brach im Osmanischen Reich die jungtürkische Revolution aus. Österreich-Ungarn wurde dadurch daran erinnert, dass Bosnien und die Herzegowina zwar von der k.u.k. Monarchie seit dreißig Jahren okkupiert und verwaltet wurden, jedoch formal Teile des Osmanischen Reiches geblieben waren. Franz Joseph I. (13.08.1830 - 21.11.1916) sah nun die Chance, „Mehrer des Reiches“ zu sein, und stimmte dem Annexionsplan des k.u.k. Reichsfinanzministers zu. Der einseitige, von keiner internationalen Konferenz unterstützte Rechtsakt, das Hoheitsgebiet der k.u.k. Monarchie auf Bosnien und Herzegowina zu erstrecken, verursachte in Europa größere Unruhe („Bosnienkrise“). Dabei wurde klar, wie wenige Verbündete Österreich-Ungarn im Kriegsfall haben würde. Nur Deutschland schien noch ein fester Bündnispartner zu sein und wurde somit unweigerlich mit in die unruhige Politik des Vielvölkerstaates auf dem Balkan verstrickt.

Ansprache des Kaisers anläßlich einer Parade des Ersten Garderegiments zu Fuß, in der Mitte aufmarschiert die Spielleute und die Regimentsmusik, Privatarchiv.

"Die Stabshoboisten erhielten 1908 die Bezeichnung Musikmeister, nach längerer Dienstzeit Obermusikmeister und rangierten als Unteroffiziere mit Portepée vor den Feldwebeln. Die ihnen neun verliehene Uniform mit rotgeflochtenen Achselstücken glich der Offizieruniform. Der Musikmeister des Regiments war eine wichtige Persönlichkeit bei jedem Vorbeimarsch, besonders bei der Parade. Während die Spielleute mit dem Locken anmarschierten, trug der Regimentstambour die Verantwortung für das Tempo, das 1889 von 112 auf 114 heraufgesetzt war. Sobald die Musiken standen und einsetzten, war der Musikmeister für das Tempo verantwortlich. Eine Uhr, die er in der linken Hand hielt, zeigte ihm das Tempo an. Se. Majestät der Kaiser war bei Paraden sehr empfindlich gegen schleppendes Tempo; auch manche Vorgesetzte hatten ein feines Gehör oder glaubten es zu haben. Trotz Hinweis auf die Uhr entgingen die Musikmeister manchmal mit knapper Not dem Verhängnis, wegen falschen Tempos bestraft zu werden." aus der Regimentsgeschichte.

Endgültigen Niederschlag bekamen die erhöhten Leistungen des Gewehres 98 in der Schieß-Vorschrift vom 21.10.1909, welche endlich das Schieß- mit dem Exerzier-Reglement in Einklang brachte und die gefechtsmäßige Ausbildung nach modernsten Gesichtspunkten betonte.

Offizierskorps des Ersten Garderegiments zu Fuß und der Couleur von den Gardes du Corps vor dem Portal des Langen Stalles, Privatarchiv.

Im Jahre 1908 wurde zunächst beim I. Bataillon des Ersten Garderegiment zu Fuß die "Fahrbare Küche" eingeführt. Die Regimentsgeschichte berichtet: "Die Feldküchen waren in der russischen Armee schon zur Einführung gekommen, die uns hierin vorangegangen war. Der unschätzbare Wert einer fahrbaren Feldküche für die Truppe war auch bei uns schon längere Zeit erkannt. Beim Uebergang zur Ruhe, dem Biwak, mußten Kochgräben, Kochlöcher angelegt, Wasser geholt werden, um die gelieferte Verpflegung abzukochen. Oft kam die Truppe erst spät zum Essen. Der übermüdete Mann nahm sich häufig nicht die Zeit, sein Essen richtig zu kochen. Die Feldküche überhob ihn der Mühe. Auf dem Marsch gekocht, konnte das Essen, sobald die Truppe ruhte, ausgegeben werden. ... Schon lange vor Einführung der fahrbaren Feldküchen konnte das I. Bataillon aus solchen gespeist werden, denn der Allerhöchste Chef hatte ihm schon 1908 vier russische Feldküchen geschenkt und bei der Kompagnie-Besichtigung im Lustgarten als ein Zeichen seiner Fürsorge für sein altes Bataillon und das Regiment übergeben. Noch im selben Jahre wurde sie beim Schießen des kriegsstarken Bataillons in Gebrauch genommen. Der Allerhöchste Chef ließ sich aus der Feldküche von einem baumlangen Unteroffizier der LeibKompagnie einen gefüllten Teller reichen und erprobte selbst die fertiggestellte schmackhafte Kost, die den Mannschaften nach der anstrengenden Uebung verabreicht werden konnte. Noch geraume Zeit blieb er inmitten des ruhenden Bataillons und nahm sein Frühstück aus einem für ihn und das Gefolge mitgeführten Wagen. Das Bataillon trat in den Nachmittagsstunden den Rückmarsch an." Im Jahre 1905 hatte dann auch das Preußische Kriegsministerium ein Preisausschreiben "zur Gewinnung eines brauchbaren Musters für fahrbare Feldküchen" erlassen. Die Versuche und die Anfertigung der Feldküchen nahm noch Jahre in Anspruch. Das übrige Regiment erhielt sie erst 1910 für seine Kompagnien, 1911 auch für die des im Kriegsfalle aufzustellenden 1. Garde-Reserve-Regiments. Zu ihrer Aufnahme wurde ein Wagenhaus am Bornstedter Feld errichtet. Zur Schonung des Materials durften jedoch nur selten Übungen mit ihnen gemacht werden. Karl Willnitz von der 9. Kompagnie berichtet auch über das Geschenk der russischen Feldküchen. "Eine Eigenart unseres Regiments!... Wir führen russische Schriftzeichen an diesen fahrbaren Freßbehältern. Sie sind Geschenke des russischen Kaisers. Als er 1909 Potsdam besuchte, hat er sie mitgebracht. Für alle ferneren Erzeugnisse, die wir in dieser Form im deutschen Heer auf die Räder stellten, sind sie das »Modell« gewesen!! Ein Witz der Weltgeschichte, daß ausgerechnet der Russe, unser zahlenmäßig größter Gegner, uns eine Waffe - die Gulaschkanone war eine sehr gewichtige Waffe - verehrte, die unsere Schlagkraft in der Front ganz erheblich verstärken half. Auch etwas Soldatenromantik ging freilich durch die Einführung dieser Fahrzeuge wieder verloren. Wie herrlich war das Bild in den großen Manövern, wenn auch nach den Kämpfen des Tages überall in der Runde lodernde Feuer nächtens standen, wenn die damals noch blauen Uniformen aus dem Dunkel in die Helle huschten und jeder sich bemühte, etwas »Eßbares« in seinem Kochgeschirr herzustellen."

Einführung der Feldküche 1908, Regimentsgeschichte.

1909 quittierte Musikdirektor Fritz Möller im Alter von 60 Jahren seinen Dienst. Sein Nachfolger an der Spitze der Militärmusik des Regiments wurde Walter Bernhagen vom Infanterieregiment Nr. 155 in Ostrowo, welcher 1895 im Grenadierregiment Nr. 5 in Danzig seine Karriere begonnen hatte.

Über die Verhältnisse in der Garnisonstadt Potsdam gibt folgender Passus aus der Regimentsgeschichte (Seite 134) Auskunft:

    "Eine besondere Sorge des Kommandanten war die Erhaltung der Staßendisziplin. Dies war bei der starken Garnison nötig. Denn der Soldat beherrschte besonders an Sonntagen das Straßenbild. Oft enthielt der Kommandanturbefehl Strafen wegen schlechten Anzugs, lässiger Ehrenbezeugungen oder weil der Mann vor dem Kommandanten nicht Front gemacht hatte.

    Die Verpflichtung, vor seinem direkten Vorgesetzten bis zum Leutnant seiner Kompagnie herab Front zu machen, hat den Mann zu scharfer Aufmerksamkeit angehalten. Wenn auch die im Jahre 1909 angeordnete Aufhebung dieser Verpflichtung, die für Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften die Ehrenbezeugung des Frontmachens nur noch vor ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin und dem Landesfürsten und seiner Gemahlin, für Unteroffiziere und Mannschaften auch vor Fahnen und Standarten forderte, in dem anwachsenden Straßenverkehr, den schnellfahrenden Kraftwagen u. a. begründet war, so hat sie doch für Potsdamer Verhältnisse die Erhaltung der Straßendisziplin nicht gefördert.

    Noch im Jahre 1901 sah sich die Kommandantur veranlaßt, zu befehlen, daß Unteroffiziere und Mannschaften auf der Straße nicht rauchen dürfen."

Kochgeschirr 1910 bis 1917, Kraus: Die feldgraue Uniformierung des deutschen Heeres.

Nach der K.V. vom 14.01.1910 wurde ein verbessertes Kochgeschirrmodell eingeführt. Es bestand wie das nach A.K.O. vom 14.12.1893 eingeführte Kochgeschirr, ebenfalls aus geschwärztem Aluminiumblech. Es war jedoch gegenüber seinem 2,5l fassenden Vorgängermodell auf 2l Fassungsvermögen verkleinert worden. Der bislang lose einzuhakende Stiel für den Deckel war nun durch ein Scharnier fest mit selbigem verbunden. Die losen Stiele waren zu oft verloren gegangen. Dieses Modell wurde nun in leichten Abwandelungen, die vor allem den Stiel betrafen, bis in die Reichswehrzeit hinein produziert. Während des Krieges mußte man aufgrund Materialknappheit anstelle des Aluminiumbleches auf emailliertes Stahlblech für Kessel und Deckel zurückgreifen.

Aufziehende Schloßwache, Farbpostkarte aus dem Jahre 1910, Archiv Seitenautor.

Für Offiziere wurde erst durch A.K.O. vom 23.02.1910 die feldgraue Uniform eingeführt. Diese unterschied sich - ausdrücklich - nicht sonderlich von der der Mannschaften. Offiziere der Regimenter mit Litzen bekamen am Kragen eine 7,5cm lange und 4,3cm breite Patte von der Farbe der Patte der Litewka (also hier weiß), auf welcher kurze mattsilberne, gewebte (hier doppelte Kapellen-) Litzen mit einer geflochtenen Spiegelkordel saßen. Die gleichen mattsilbern gewebten Litzen, nur breiter und länger natürlich, saßen auch auf dem Ärmelaufschlag. Der Helmüberzug blieb wie bisher - also hier ohne Regimentsnummer und schilfgrün. Die feldgraue Uniform wurde fortan bei allen Manövern angelegt, zum normalen Dienst und zur Parade blieb es bei der bisherigen blauen Uniform.

Am 01.10.1911 wurde laut A.K.O. vom 07.04.1911 eine Maschinengewehr-Kompagnie gebildet und als 13. (MG) Kompagnie dem Regiment und hier dem II. Bataillon beigeordnet.

Besichtigung der Leibkompagnie durch Wilhelm II. 1908, Regimentsgeschichte.

1911 konnte die 6. Kompagnie unter Hauptmann von Rettberg das Kaiserschießabzeichen und die Büste Se. Majestät erlangen als beste Kompagnie des Gardekorps.

1912 wurde auch den berittenen Offizieren bei Paraden die Grenadier- bzw. Füsiliermütze bestimmt. Zur Frühjahrsparade des gleichen Jahres wurden diese dann auch erstmals derart aufgesetzt.

Manöver in Döberitz 1908, Regimentsgeschichte.

"Die Kosten der Ergänzung der Instrumente wurden zum Teil von dem Offizierskorps getragen. Zu den Instrumenten gehörte auch der Schellenbaum, eine Erinnerung an die Janitscharenmusik. Ihre Majestät die Kaiserin schenkte dem Regiment 1912 eine neue Standarte für den Schellenbaum, welche in Silber gestickt war und das Wappen beider Majestäten trug." (aus der Regimentsgeschichte)

1912 wurde Walter Bernhagen nach nur drei Jahren Dienstzeit als Stabshoboist beim Ersten Garderegiment zu Fuß auf eigenen Wunsch Stabshoboist beim 1. Badischen Leibregiment Nr. 109. Man sprach davon, daß er sich "wegen Verletzung seines musikalischen Ehrgefühls" um eine andere Regimentskapelle beworben hatte[5]. Sein Nachfolger wurde Fritz Bauerfeld. Er kam vom Infanterieregiment 152 in Marienburg, dessen Kapelle er nach beendigtem Hochschulstudium in Berlin im Jahre 1900 übernommen hatte. Er war der letzte Leiter der Regimentsmusik[6].

Herbstparade 1912 auf dem Tempelhofer Feld, zu Pferde (erstmals trugen hier auch die berittenen Offiziere die Grenadiermütze) Eitel Friedrich Prinz von Preußen, der Kommandeur des I. Bataillons, Hilsenbeck: Deutsche Offiziershelme / Privatarchiv / Archiv DGfMM.

Rangliste des Ersten Garderegiment zu Fuß vom 06.05.1913

Quelle: Königliches Kriegsministerium: Rangliste der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps für 1913 nach dem Stande vom 6. Mai 1913, Berlin1913, Ernst Siegfried Mittler und Sohn

Chef: König Wilhelm II. von Preußen, Deutscher Kaiser

Kommandeur: Oberst Friedrich von Friedeburg

 

Stab: Oberstleutnant von Hake

II. Bataillon Kommandeur: Major Wilhelm von Hahnke

I. Bataillon Kommandeur: Major Wilhelm Eitel-Friedrich, Christian Karl Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

Füsilierbataillon Kommandeur: Major Friedrich von Bismarck

Stab: Major von Bonin

Stab: Major Graf von Merfeldt

 

4. Kompagnie: Hauptmann Graf von Stillfried und Rattonitz

6. Kompagnie: Hauptmann von Schlichting

10. Kompagnie: Hauptmann Siegfried Graf zu Eulenburg-Wicken

9. Kompagnie: Hauptmann von Eschwege

Leibkompagnie: Hauptmann von Roeder

8. Kompagnie: Hauptmann von Müller

3. Kompagnie: Hauptmann Freiherr Schilling von Cannstatt

7. Kompagnie: Hauptmann von Stutterheim

13. (MG-)Kompagnie: Hauptmann Graf zu Rantzau

5. Kompagnie: Hauptmann von Witzleben

2. Kompagnie: Hauptmann Hans Ulrich von Trotha

12. Kompagnie: Hauptmann von Schütz

11. Kompagnie: Hauptmann von Lindeiner genannt von Wildau

Stab: Hauptmann von Wiese und Kaiserswaldau

 

Oberleutnant Oskar Karl Gustav Adolph, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

5. Kompagnie: Oberleutnant von Weiher

11. Kompagnie: Oberleutnant Wedigo von Wedel

Adjutant des Deutschen Fürsten: Oberleutnant von Riedesel Freiherr zu Eisenbach,

Oberleutnant Waldemar Wilhelm Ludwig Friedrich Viktor Heinrich, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

6. Kompagnie: Oberleutnant von Helldorf

zur Kriegsakademie: Oberleutnant Graf Finck von Finckenstein

6. Kompagnie: Oberleutnant von Kracht

2. Kompagnie: Oberleutnant von dem Knesebeck

beim Generalstab: Oberleutnant von Arnim

Adjutant des Deutschen Fürsten: Oberleutnant von Veltheim

Regiments Adjutant: Oberleutnant von der Marwitz

beim Generalstab: Oberleutnant von Jagow

3. Kompagnie: Oberleutnant von Moltke

Oberleutnant Joachim Franz Humbert, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

Leibkompagnie: Oberleutnant von Massow

8. Kompagnie: Oberleutnant Freiherr von Hornstein-Biethingen

zur Kriegsakademie: Oberleutnant Brunsich Edler von Brun

zur Kriegsakademie: Oberleutnant von Borries

5. Kompagnie: Oberleutnant Friedrich Sigismund Prinz von Preußen

zur Kriegsakademie: Oberleutnant von Rosenberg-Gruszczynski

zur Kriegsakademie: Oberleutnant Freiherr von und zu Egloffstein

 

7. Kompagnie: Leutnant Tassilo Wilhelm Humbert Leopold Friedrich Karl, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

zur Kriegsakademie: Leutnant Kuno von Sick

zur Kriegsakademie: Leutnant von Schuckmann

zur Kriegsakademie: Leutnant Rudolf von Oppen

13. (MG-)Kompagnie: Leutnant von Arnim

zum Lehr-Infanterie-Bataillon: Leutnant von Natzmer

Leutnant Franz Joseph Oskar Ernst Patrick Friedrich Leopold, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

Adjutant Füsilierbataillon: Leutnant Graf von Matuschka Freiherr von Toploczan und Spaetgen

Leutnant Wilhelm Viktor Karl August Heinrich Sigismund, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

Adjutant I. Bataillon: Leutnant Hans-Siegismund von Oppen

2. Kompagnie: Leutnant von Keudell

Adjutant II. Bataillon: Leutnant Freiherr von Ketteler

10. Kompagnie: Leutnant Graf von Schlieffen

Leibkompagnie: Leutnant Freiherr von Bodenhausen

5. Kompagnie: Leutnant Freiherr von Plettenberg

12. Kompagnie: Leutnant Friedrich Viktor Alexander Leopold Karl Theodor Ferdinand, Erbprinz von Hohenzollern, Durchlaucht.

5. Kompagnie: Leutnant Freiherr von Gayl

9. Kompagnie: Leutnant Burggraf und Graf zu Dohna-Schlobitten

6. Kompagnie: Leutnant Herwarth von Bittenfeld

13. (MG-)Kompagnie: Leutnant von Heineccius

7. Kompagnie: Leutnant von Katte

4. Kompagnie: Leutnant Freiherr von Rheinbaben

10. Kompagnie: Leutnant von Ammon

9. Kompagnie: Leutnant Bronsart von Schellendorff

8. Kompagnie: Leutnant von Diest

12. Kompagnie: Leutnant Freiherr Senfft von Pilsach

3. Kompagnie: Leutnant von Eickstedt

6. Kompagnie: Leutnant von Alvensleben

Leibkompagnie: Leutnant Freiherr von Lyncker

4. Kompagnie: Leutnant Graf von Hardenberg

8. Kompagnie: Leutnant Hans Ulrich von Trotha

5. Kompagnie: Leutnant von Diringshofen

7. Kompagnie: Leutnant von Bonin

9. Kompagnie: Leutnant von Kaßler

11. Kompagnie: Leutnant von Werder

2. Kompagnie: Leutnant von Woyrsch

 

á la suite:

Generaloberst mit dem Range als Generalfeldmarschall Friedrich II. Großherzog von Baden, Königliche Hoheit.

Generaloberst mit dem Range als Generalfeldmarschall Oskar Fromhold Friedrich Olof von Lindequist

Generaloberst mit dem Range als Generalfeldmarschall Hans Georg von Plessen

Generaloberst Albert Wilhelm Heinrich, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

Generaloberst Joachim Carl Wilhelm Friedrich Leopold, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

Generaloberst Gustav Emil Bernhard Bodo von Kessel

General der Infanterie Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein, Königliche Hoheit.

General der Infanterie Remus von Woyrsch

General der Infanterie Freiherr von Lyncker

General der Infanterie Wilhelm Ernst, Großherzog von Sachsen, Königliche Hoheit.

Generalleutnant Ernst II., Herzog von Sachsen-Altenburg, Hoheit.

Generalleutnant Karl Eduard, Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, Königliche Hoheit.

Ferdinand, Victor Albert Mainrad Prinz von Rumänien, Königliche Hoheit.

Oberst Friedrich Wilhelm Viktor August Ernst, Kronprinz des Deutschen Reiches und Kronprinz von Preußen, Kaiserliche und Königliche Hoheit.

Oberstleutnant Friedrich Wilhelm, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

Hauptmann Adalbert Ferdinand Berengar Viktor, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

Hauptmann August Wilhelm Heinrich Günter Viktor, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

Georg, Kronprinz von Griechenland, Herzog von Sparta, Königliche Hoheit.

 

Regimentsarzt: Oberstabsarzt Dr. Wiemuth

Arzt Füsilierbataillon: Stabsarzt Dr. Hölker

Arzt II. Bataillon: Stabsarzt Dr. Bulius

Arzt I. Bataillon: Oberarzt Dr. Kersting

 

Oberzahlmeister: Renungsrat Koch

Zahlmeister: Woitschach

Zahlmeister: Ballosch

Abgänge:

Versetzt: Oberleutnant von Plüskow zur Unteroffizierschule in Ettlingen, Leutnant von Oppell zum Füsilier-Regiment Nr. 90

Ausgeschieden und nun Leutnants der Reserve des Regiments: Leutnant Christoph-Albrecht von Trotha, Leutnant von Blumenthal

Übung an der Hindernisbahn, Regimentsgeschichte.

Die Kanzler, die Bismarck folgten, vermochten sein kompliziertes Bündnisgeflecht nicht fortzusetzen. So wurde Deutschland zusehends isoliert, letzte Bündnispartner waren das schwankende Reich der Habsburger (Zweibund 1879) und „der kranke Mann vom Bosporus“, wie das Osmanische Reich spöttisch genannt wurde. Italien war zwar offiziell mit den „Mittelmächten“ Österreich-Ungarn und Deutschland verbündet, doch das war keineswegs so sicher, wie es sich die Politiker der Mittelmächte dachten. Durch solche und viele weitere Fehleinschätzungen deutscherseits gefördert, aber auch gegen die forsche Art Wilhelms und seiner Politik und natürlich gegen die wachsende Wirtschaftsmacht des starken Deutschen Reiches formierten sich langsam England, Frankreich, Rußland und Serbien und schlossen sich 1907 schließlich zur „Entente“ zusammen.

Einbringung der Feldzeichen vor dem Langen Stall 1910, Hilsenbeck: Deutsche Offiziershelme.

Einmarsch der Leibkompagnie mit dem Deutschen KronprinzenErstes,  Garderegiment zu Fuß, 33 Bilder mit geschichtlichem Vorwort.

Mit der A.K.O. vom 15.06.1913 erfolgte die Verleihung des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit dem Kreuz der Großkomthure an alle 4 Fahnen des Regimentes. Dieser Orden hatte ein weißes Band mit drei schwarzen Längsstreifen, auf dem die Kette mit silbernen Bändern am unteren Ende der Spitze befestigt, aufgenäht war. Das Kreuz ruhte auf einem zu einer Rosette gelegtem Ordensband. Mit der gleichen A.K.O. erfolgte die Verleihung silbernen "Leibspange" an alle 4 Fahnen. Ihr Sitz war auf der Banderole über der Jahrhundertspange. Auf der ersten Spange stand "W II." mit der Königskrone, auf der 2. Spange "W II." mit Jahreszahlen "1888" und "15. Juni 1913".

Am 23.09.1913 wurde ein für das Erste Garderegiment zu Fuß äußerst peinlicher kriegsrechtlicher Prozeß in Potsdam gestartet. Sogar bis ins ferne New York hat sich die Kunde von dieser Angelegenheit herumgesprochen, wie die Anzeige vom 24.09.1913 aus der New York Times beweist. Die Anzeige lautet:

"Ganze Kompagnie angeklagt wegen Beihilfe.

Deutsche Soldaten beschuldigt des Betruges bei Schießwettbewerb.

Spezial-Übertragung zur New York Times.

    Berlin. Sept. 23. - Ungewöhnliches Kriegsgerichtliches Verfahren gegen das ganze Personal der sechsten Kompagnie des Ersten Garderegiments zu Fuß, einschließlich des Kompagniechefs, elf Unteroffizieren und 110 Mann, wurde heute in Potsdam eröffnet.

Die Kompagnie ist beschuldigt der Unehrlichkeit im Zusammenhang mit dem Zielschießen um den Kaiserpreis der Preußischen Armee letzten Monat. Das Erste Garderegiment zu Fuß ist eines der stolzesten Regimenter der Haustruppen und der Kaiser und alle seine Söhne haben zeitweise in ihm gedient.

    Während der Schießwettbewerb im Lager Döberitz lief, fiel einem Offizier eines anderen Regiments auf, daß ein Soldat der sechsten Kompagnie des Ersten Garderegiments zu Fuß seine Hand in seine Stiefel und seinen Brotbeutel steckte und Patronen herausnahm. Der Offiziere meldete das dem Hauptquartier und das Schießen wurde sofort eingestellt. Eine Untersuchung deckte eine schöne Bescherung auf. Praktisch alle Unteroffiziere und Mannschaften der Kompagnie, so wird behauptet, hatten in ihrem im Besitz mehr Patronen als ihnen nach den Regeln zugestanden hätten. Munition wurde versteckt in Stiefeln, Brotbeuteln, verschiedenen Teilen der Kleidung der Mannschaften, im Ganzen 1.700 Patronen wurden gefunden, die die Männer ohne Berechtigung besaßen. Die Kompagnie hatte Patronen sogar in Büschen und Gräben versteckt.

    Hauptmann von Schlich, der Kompagniechef, der auch einer der Angeklagten ist, wird lediglich beschuldigt, es versäumt zu haben, einwandfreie Kontrollen der Aktionen seiner subalternen Offiziere durchgeführt zu haben."

Oskar, Prinz von Preußen, ab 1913 Chef der 4. Kompagnie, Archiv Hensel / Hilsenbeck Offiziershelme

Noch 1913 wird der in der Regimentsgeschichte "von Schlichting" genannte Kompagniechef der 6. Kompagnie durch Hauptmann Wedigo von Wedell ersetzt.

Am 01.08.1913 wurde mit Oskar Prinz von Preußen, abermals ein Sohn des Deutschen Kaisers zum Kompagniechef ernannt. Prinz Oskar erhielt an diesem Tage die 4. Kompagnie.

Über eine drollige Geschichte des Jahres 1909 berichtet Karl Willnitz von der 9. Kompagnie des Füsilierbataillons. Da für dieses Datum jedoch kein Besuch eines belgischen Königs verzeichnet ist, König Albert I. (1875-1934) von Belgien jedoch am 05.11.1913 Deutschland und damit Potsdam besuchte, ist davon auszugehen, dass sich Willintz im Datum irrte und daher der folgende Bericht an dieser Stelle wiedergegeben: "Hübner ... Ich sehe ihn noch, wie er 1909 zum Besuch des belgischen Königs mit dreißig anderen Kameraden in das Stadtschloß befohlen war und dort Zuträgerdienste für die servierende Potsdamer Schloßgarde leisten mußte. Nur drei Fenster, die nach dem Lustgarten blicken, lagen zwischen uns und dem Festsaal. Hübner brachte es fertig, sich an das erste Fenster unseres Raumes zu stellen und seinerseits eine beißende »Kritik« im lauten Tone über das vor dem Schloß vorbeimarschierende 1. Garderegiment zu halten.

    Man vergesse nicht, daß Tausende von Blicken bei dem Vorbeimarschieren mit »Augen rechts« auf die Fenster des Schlosses gerichtet waren, daß jeden Augenblick ein Vorgesetzter in unser Zimmer treten konnte und trotzdem der Hübner, nur um uns zu belustigen, Kopf und Kragen riskierte, weil sein angeborener rheinischer Humor ihn dazu zwang.

    Damit aber war sein Bedarf noch längst nicht gedeckt. Je länger das Essen sich nach der Parade hinzog, desto mehr bekamen wir von den herrlichen Weinen zu trinken. Es war ganz fabelhaft, wie Hübner aus einer Sektflasche zwei Gläser füllen konnte und dann mit der treuherzigsten Miene der Welt der bedienenden Ordonnanz erklärte, die Flasche sei leer, er müsse erst eine neue holen. Und wie er dann den Zettel in die Hand nahm, das machte ihm keiner nach. Tatsächlich gelang es ihm stets, eine neue zu erwischen. Das, was er »gut machte«, floß selbstverständlich durch unsere Kehlen.

    Die alte friderizianische Uniform mit Puderperücke, Bandelier und allen möglichen Taschen und Täschchen bot ja auch herrliche Gelegenheit, allerhand verschwinden zu lassen. Aber daß selbst Weinflaschen in den hinteren Rockschößen Platz finden könnten, das hat für diesen und die folgenden fetten Tage erst Hübner entdeckt.

    Ich hatte das Silber zu überwachen. Es war das Hochzeitsgeschenk der Kaiserin, und jeder Teil war in wundervollsten Formen verziert und mit einem A. und V., Auguste-Viktoria, in gotischen Buchstaben graviert. Und ich habe wohl die meiste Angst an diesem Tage ausgestanden, denn wehe, wenn ein Teil gefehlt hätte. Ich wäre mein Leben lang nicht mehr aus dem »Vater Philipp« herausgekommen.

    An dem Tag, an dem dies geschah, war ziemlich kalt. Wenn ich mich richtig erinnere, muß es im Februar gewesen sein. Ich vergesse jedenfalls nicht, wie als Dessert nach der offiziellen Tafel - die Parade fand vormittags statt und das Ganze war eine Frühstückstafel - zirka vierzehn Schüsseln der herrlichsten Erdbeeren in die Hände der Ordonnanzen kamen, um serviert zu werden. Durch irgendeinen Regiefehler im Großen Saale war so etwas wie eine Unruhe entstanden. Auf die Frage des Schloßgardehauptmanns, ob noch etwas aufzutragen sei, antwortete Hübner - die Stimme des Majors nachahmend - »Das Essen ist zu Ende!« Bei vierzehn Schüsseln Erdbeeren im Februar, bei dreißig Leckermäulern und bei sechzig glänzenden Augen!

    Diese herrliche Schandtat kann nur verstehen, wer wirklich einmal Soldat war. Auch wir haben keine Skrupel empfunden. Wir haben die Erdbeeren gegessen ... restlos und mit verklärten Mienen.

    Das Glück war aber noch nicht vollkommen für Hübner. Es sollte noch viel dicker kommen. Ein Unteroffizier stand plötzlich unter uns, und obgleich seine Augen argwöhnisch durch den Raum glitten, waren wir ihm auf diesem Schloßparkett doch bedeutend überlegen. Hier waren wir schon sechs Stunden bessere Angestellte, und das genügt für einen Durchschnittssoldaten durchaus, um sich mit allen Schlichen eines so hohen Amtes vertraut zu machen.

    Dieser Unteroffizier brachte einen Urlaub von zehn Tagen für ... Hübner, dessen Vater ihn beantragt hatte, wohl, um seinen Jungen zur heimatlichen Karnevalsfeier im Kreise der Familie zu haben. Hübner erklärte, daß er so schnell wie möglich in die Kaserne kommen würde um abzufahren. Jeder andere wäre in diesem Falle sofort mitgegangen, aber vier Kästen Biskuit waren noch vorhanden, und Hübner hätte es sich nie verziehen, daß er als Soldat davongelaufen sei, wo eine Möglichkeit bestand, sich den Magen mit etwas Besonderem zu füllen.

    Auch waren nach alter Erfahrung noch einige Zigarren zu erben, sintemalen der Große Festsaal schon jetzt in einem blauen Hecht sich zeigte und Hübner nicht Hübner geheißen hätte, wenn er nicht plötzlich mit einer Kiste Zigarren unter dem Arm unter uns erschienen wäre. Das heißt, ganz richtig ist das nicht geschildert. Mit einer beispiellosen Geschicklichkeit hatte er in eine leere Kiste einige silberne Löffel und Gabeln gepackt, den Nagel wieder wieder hineingedrückt und dann diese Kiste mit einer vollen vertauscht. Mit meinem Silberzeug!

    Statt nun die Zigarren zu verteilen, legte sich dieser lustige Kerl auf den großen Teppich, erfaßte den Zipfel und drehte sich blitzschnell in diesen ein, daß nur noch sein Kopf zum vorderen Loche herausschaute, im übrigen sah man nichts als eine große Rolle, die im Raume lag und auf keinen Fall in diesem Zustand dahin gehörte. Die Angst, die wir ausgestanden, als in diesem Augenblick die Tafel aufbrach und viele Offiziere unseres Regiments ihren Abgang durch unseren Raum suchten, spüre ich heute noch in den Knochen. Wie eine Weintraube zusammengedrückt, so standen wir Ordonnanzen sämtlichst vor dem Loch des Teppichs. Es haben ja viele Offiziere merkwürdig durch den Raum geblickt, vielleicht sich auch gewundert, weshalb ausgerechnet zu diesem hohen Festtage einer der kostbaren Teppiche aufgerollt blieb, aber das Frühstück und die Weine waren vielleicht zu gut gewesen. Es hat keiner etwas gesagt, und es ist auch nichts, aber auch rein gar nichts »hinterher« gekommen."

Rangliste und Stellenbesetzung des Ersten Garderegiments zu Fuß im Jahre 1914

(Letzte Rangliste des Regiments vor Ausbruch des Weltkrieges, mit Vermerk der Kriegsverluste)

 

Quelle: Friedeburg, Friedrich von  / Waldersee, von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1871-1914, Berlin 1934, Junker und Dünnhaupt

 

Chef: Seine Majestät Kaiser und der König.

Kommandeur: Generalmajor Friedrich von Friedeburg, General á la suite Seiner Majestät des Kaisers und Königs.

 

Oberstleutnant Wilhelm von Hahnke, im Stabe.

Major Wilhelm Eitel-Friedrich, Christian Karl Prinz von Preußen, Königliche Hoheit, Kommandeur I. Bataillon.

Major Friedrich von Bismarck (gefallen). Kommandeur Füsilierbataillon.

Major von Goerne, Kommandeur II. Bataillon.

Major Graf von Merfeldt, im Stabe.

Major Graf von Stillfried und Rattonitz, im Stabe.

Major Siegfried Graf zu Eulenburg-Wicken, im Stabe.

 

Hauptmann von Eschwege. Chef 9. Kompagnie

Hauptmann von Roeder. Kommandeur Leibkompagnie

Hauptmann von Plüskow. Chef 5. Kompagnie

Hauptmann Freiherr Schilling von Cannstatt. Chef 3. Kompagnie

Hauptmann von Stutterheim (gefallen). Chef 7. Kompagnie

Hauptmann Graf zu Rantzau. Chef 8. Kompagnie.

Hauptmann von Witzleben (gefallen). Chef 13. (MG-)Kompagnie.

Hauptmann Hans Ulrich von Trotha (gefallen). Chef 2. Kompagnie.

Hauptmann von Schütz. Chef 12. Kompagnie.

Hauptmann von Lindeiner genannt von Wildau. Chef 11. Kompagnie.

Hauptmann Oskar, Prinz von Preußen. Königliche Hoheit. 4. Kompagnie.

Hauptmann von Wiese und Kaiserswaldau. Chef 10. Kompagnie.

Hauptmann Wedigo von Wedel (gefallen). Chef 6. Kompagnie.

Hauptmann Riedesel Freiherr zu Eisenbach (gefallen). I. Bataillon.

Hauptmann Graf Finck von Finckenstein. Füsilierbataillon.

Hauptmann von Kracht. II. Bataillon.

 

Oberleutnant von dem Knesebeck (gefallen). Leibkompagnie.

Oberleutnant von Veltheim (gefallen).

Oberleutnant von Jagow. Kommandiert beim Generalstab.

Oberleutnant von Moltke. 5. Kompagnie.

Oberleutnant von Massow. 4. Kompagnie.

Oberleutnant Freiherr von Hornstein-Biethingen (gefallen). 13. (MG-)Kompagnie.

Oberleutnant von Hahnke (gefallen). Kommandiert beim Generalstab.

Oberleutnant Brunsich Edler von Brun (gefallen). Kommandiert zur Kriegsakademie.

Oberleutnant von Borries. Kommandiert zur Kriegsakademie.

Oberleutnant von Bock und Polach (gefallen). 12. Kompagnie.

Oberleutnant von Rosenberg-Gruszczynski. Kommandiert beim Generalstab.

Oberleutnant Freiherr von und zu Egloffstein. Kommandiert zur Kriegsakademie.

Oberleutnant Kuno von Sick. Regimentsadjutant.

Obereutnant von Schuckmann. Kommandiert zur Kriegsakademie.

Oberleutnant Rudolf von Oppen. Kommandiert zur Kriegsakademie.

Oberleutnant von Arnim (gefallen). Kommandiert zur Kriegsakademie.

 

Leutnant von Natzmer (gefallen). Kommandiert beim Lehr-Infanterie-Bataillon.

Leutnant Franz Joseph Oskar Ernst Patrick Friedrich Leopold, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

Leutnant Graf von Matuschka Freiherr von Toploczan und Spaetgen, Adjutant Füsilierbataillon.

Leutnant Freiherr von Manteuffel (gefallen). Kommandiert zur Kriegsakademie.

Leutnant Wilhelm Viktor Karl August Heinrich Sigismund, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

Leutnant Hans-Siegismund von Oppen (gefallen). Adjutant I. Bataillon.

Leutnant von Keudell (gefallen). 3. Kompagnie.

Leutnant Freiherr von Ketteler (gefallen). Adjutant II. Bataillon

Leutnant Freiherr von Bodenhausen. 7. Kompagnie.

Leutnant von Schweinitz (gefallen). 9. Kompagnie.

Leutnant Freiherr von Plettenberg (gefallen). 8. Kompagnie.

Leutnant Friedrich Viktor Alexander Leopold Karl Theodor Ferdinand, Erbprinz von Hohenzollern, Durchlaucht.

Leutnant Freiherr von Gayl. 9. Kompagnie.

Leutnant Burggraf und Graf zu Dohna-Schlobitten (gefallen). 4. Kompagnie

Leutnant von Waldow (gefallen). Leibkompagnie.

Leutnant von Blankenburg (gefallen).

Leutnant von Katte. 13. (MG-)Kompagnie.

Leutnant Freiherr von Rheinbaben (gefallen). 2. Kompagnie.

Leutnant von Ammon. 11. Kompagnie.

Leutnant Bronsart von Schellendorff (gefallen). 2. Kompagnie.

Leutnant von Diest. Kommandiert bei der Infanterie-Schießschule

Leutnant von Eickstedt. 13. (MG-)Kompagnie.

Leutnant von Alvensleben. 6. Kompagnie.

Leutnant Freiherr von Lyncker (gefallen). 4. Kompagnie.

Leutnant Graf von Hardenberg. Leibkompagnie.

Leutnant von Trotha (gefallen). 8. Kompagnie.

Leutnant von Diringshofen (gefallen). 5. Kompagnie.

Leutnant von Bonin (gefallen). 9. Kompagnie.

Leutnant von Müller. 10. Kompagnie.

Leutnant von Cramon. 11. Kompagnie.

Leutnant Graf von der Goltz. 2. Kompagnie.

Leutnant von Plüskow. 8. Kompagnie.

Leutnant von Krosigk (gefallen). 6. Kompagnie.

Leutnant von Werder. 3. Kompagnie.

Leutnant von Woyrsch. 7. Kompagnie.

 

á la suite:

Generaloberst mit dem Range als Generalfeldmarschall Friedrich II. Großherzog von Baden, Königliche Hoheit.

Generaloberst mit dem Range als Generalfeldmarschall Oskar Fromhold Friedrich Olof von Lindequist, General-Adjutant Seiner Majestät des Kaisers und Königs.

Generaloberst mit dem Range als Generalfeldmarschall Hans Georg von Plessen, diensttuender General-Adjutant Seiner Majestät des Kaisers und Königs Oberbefehlshaber in den Marken.

Generaloberst mit dem Range als Generalfeldmarschall Albert Wilhelm Heinrich, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

Generaloberst Joachim Carl Wilhelm Friedrich Leopold, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

Generaloberst Gustav Emil Bernhard Bodo von Kessel, General-Adjutant Seiner Majestät des Kaisers und Königs und Kommandant des Hauptquartiers.

General der Infanterie Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein, Königliche Hoheit.

General der Infanterie Remus von Woyrsch

General der Infanterie Freiherr von Lyncker, vortragender General-Adjutant Seiner Majestät des Kaisers und Königs.

General der Infanterie Wilhelm Ernst, Großherzog von Sachsen, Königliche Hoheit.

Generalleutnant Ernst II., Herzog von Sachsen-Altenburg, Hoheit.

Generalleutnant Karl Eduard, Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, Königliche Hoheit.

Ferdinand, Victor Albert Mainrad Prinz von Rumänien, Königliche Hoheit.

Oberst Friedrich Wilhelm Viktor August Ernst, Kronprinz des Deutschen Reiches und Kronprinz von Preußen, Kaiserliche und Königliche Hoheit.

Oberstleutnant Friedrich Wilhelm, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

Hauptmann Adalbert Ferdinand Berengar Viktor, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit. Kapitän-Leutnant.

Hauptmann August Wilhelm Heinrich Günter Viktor, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

Hauptmann Waldemar Wilhelm Ludwig Friedrich Viktor Heinrich, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit. Kapitän-Leutnant

Oberleutnant Joachim Franz Humbert, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

Oberleutnant Friedrich Sigismund, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

Oberleutnant Tassilo Wilhelm Humbert Leopold Friedrich Karl, Prinz von Preußen, Königliche Hoheit.

Oberleutnant Georg, Kronprinz von Griechenland, Herzog von Sparta, Königliche Hoheit.

Oberleutnant Carol, Prinz von Rumänien, Königliche Hoheit.

 

Regimentsarzt: Oberstabsarzt Dr. Pröhl.

Stabsarzt: Dr. Hölker. Füsilierbataillon.

Stabsarzt: Dr. Bulius. II. Bataillon.

Assistenz-Arzt.

Zahlmeister: Woitschach. Stab

Zahlmeister: Ballosch. II. Bataillon.

Zahlmeister: Nünninghoff. I. Bataillon.

Zahlmeister: Gebauer. Füsilierbataillon.

Der Deutsche Kronprinz bei der Leibkompagnie, Archiv Seitenautor

So vergingen die letzen Vorkriegsjahre „...für das Regiment, das unter den Augen seiner königlichen Chefs in nie rastender, mit großer Hingabe getaner Friedensarbeit, in Geist, Ausbildung und Ausrüstung zu dem herrlichen Kriegsinstrument geformt wurde, das es bei der Mobilmachung 1914 darstellt.“ (Eitel Friedrich Prinz von Preußen, bei Kriegsausbruch zum Regimentskommandeur ernannt)

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[1] Ab hier ist nur noch vom deutschen Bundesheer die Rede, die Zahl bezieht also auch die übrigen Kontingente wie Bayern und Sachsen ein.

[2] Nach den Unterlagen der gleichen Firma fanden weitere Reparaturen an Schellenbäumen des Regiments statt am 14.06.1899 und 28.08.1900.

[3] Nach den Unterlagen des Semper Talis Bundes schenkte 1913 Kaiserin Auguste Viktoria dem Regiment eine neue Standarte zum Schellenbaum. Um welche (Parade- oder Dienstflagge) es sich handelte, ist unbekannt. Nach der Regimentsgeschichte ist es jedoch die Paradeflagge. Unter "D. Besondere Bestimmungen" im Anhang I. zur Bekleidungsordnung, II. Teil (Bkl.O.II) der D.V.E. Nr. 122 aus dem Jahre 1903 findet sich der neue Schellenbaum des Ersten Garderegiments explizit erwähnt, jedoch nicht die Flagge dazu.

[4] Seine Dienstzeit betrug insgesamt 14 Jahre. Er wurde dabei mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse, dem Türkischen Roten Halbmond, der Dienstauszeichnung III. Klasse und der Medaille zum Rothen Adlerorden ausgezeichnet. Bei der Mobilmachung 1914 rückte er zunächst ganz normal mit dem Regiment und der Regimentsmusik gen Westen aus und kehrte im Verlauf des Krieges zum Ersatzbataillon zurück. Später fand er an der Palästinafront Verwendung als Dolmetscher und trug dort die Uniform seines Regiments. Ben Aissa kehrte im Dezember 1918 in vollem Dienstanzug und mit Waffen nach Potsdam zurück und blieb zunächst in der Kaserne des Ersten Garderegiments zu Fuß bis Mitte 1919, um dann von Hamburg aus per Schiff in die Heimat zurückzukehren. Diese Fakten entstammen: Havelländischer Erzähler, Ausgabe 11.04.1937, Artikel von August Bonnseß mit dem Titel "Die Farbigen der Potsdamer Regimenter" und Karl Willnitz: Seitengewehr pflanzt auf! (siehe das Literaturverzeichnis). Wobei Bonnseß behauptet, er wäre beim Ersatzbataillon geblieben, Willnitz jedoch den Einmarsch mit ihm and er Spitze in Epernay am 05.09.1914 beschreibt.

[5] Hierzu kann erläutert werden: Bernhagen hat in seiner Posenschen Garnison Ostrowo während des Winters allmonatlich ein Sinfoniekonzert gegeben, welches für das kleine Städtchen ein kulturelles und gesellschaftliches Ereignis darstellte und zu dessen Besuchern u. a. fast das gesamte Offizierkorps zählte. So wollte er es auch in Potsdam halten, aber seine älteren Hoboisten bemerkten, die Offiziere der Potsdamer Garnison führen zur Staatsoper oder zur Philharmonie nach Berlin, wenn sie ein Sinfoniekonzert hören wollten. Bernhagen ließ sich von seinem Vorhaben nicht abbringen, veranstaltete ein Sinfoniekonzert - und der erwartete Besuch blieb aus. Im Badischen Leibregiment bewährte er sich als Nachfolger des ebenfalls aus dem Ersten Garderegiment zu Fuß hervorgegangenen kgl. Musikdirektors Adolf Boettge, der durch seine Konzerte historischer Meisterwerke in historischer Besetzung  sehr populär und in Fachkreisen geschätzt war. Mit dieser Kapelle unternahm Bernhagen auch mehrere Auslandsreisen. Im 1. Weltkrieg mit beiden Eisernen Kreuzen ausgezeichnet, übernahm er in der Reichswehr die Kapelle des 14. (Bad.) Infanterieregiments in Konstanz. In dieser Stadt ist er 1957 einem Herzschlag erlegen. Er trat mehrmals als Komponist von Chorwerken und Märschen hervor.

[6] 1917 wurde er schwer verwundet und kehrte mit beiden Eisernen Kreuzen aus dem Weltkrieg zurück. Danach übernahm er zunächst eine Kapelle der Berliner Schutzpolizei, um dann in der Reichswehr die Kapelle des 5. (Preuß.) Infanterieregimentes in Rostock zu übernehmen und später am gleichen Standort die Kapelle des Infanterie-Regiments 27 der Wehrmacht. Als erstem wurde ihm auf Grund der Verordnung vom 12.04.1938 der Rang eines "Musikinspizienten", dem Major entsprechend, verliehen. Am 31.03.1939 schied Fritz Bauerfeld aus dem Heeresdienst aus. Im Ruhestande in Potsdam lebend, beging er mit seiner Frau dort Selbstmord, als im April 1945 die Rote Armee einmarschierte.