2.3.       Der Schrecken seiner Feinde 1858 - 1871

 

 

Soldaten des Ersten Garderegiments zu Fuß in Paradeuniform um 1870, Archiv DGfMM.

 

Das Garderegiment zu Fuß ist die Freude seines Königs, das Muster für die Armee, der Stolz des Vaterlandes und der Schrecken seiner Feinde.“

 

Friedrich Wilhelm IV.

 

Im Hintergrund hören Sie den Marsch Salus Caesari nostro Guilelmo (AM II, 205). Dieser Marsch wurde von F.W. Voigt eigens für die Kaiserproklamation am 18.01.1871 komponiert und am Nachmittag dieses Tages durch das Musikkorps des Ersten Garderegiments zu Fuß im Garten des Schlosses von Versailles zu Ehren Kaiser Wilhelms I. uraufgeführt und sogleich 1871 in die Preußische Armeemarschsammlung aufgenommen. Übersetzt heißt der lateinische Titel: „Heil unserem Kaiser Wilhelm“. Im Trio des Marsches befindet sich eine bekannte Melodie aus Georg Friedrich Händels Oper „Judas Maccabäus“, uns heute allen eher als Weihnachtslied mit dem Titel „Tochter Zion, freue Dich“ bekannt. Mit freundlicher Genehmigung durch die DGfMM.

 

Bei der Feier am 03.10.1857 schenkte der König aus seiner Privatschatulle 11.000 Thaler zum Ankauf einer Offiziers-Speiseanstalt. Eine solche Speiseanstalt hatte das Offizierscorps bis dato noch nicht, die Offiziere aßen im großen Kasino in der Waisenstraße oder in "Voigts Blumengarten" vor dem Nauener Tor. Nun wurde eifrigst unter der Leitung von Oberst von Freiherr Hiller von Gärtringen nach einem geeigneten Grundstück gesucht. Am 06.12.1860 kaufte das Offizierscorps des 1. Garderegiments zu Fuß Das Grundstück nebst Haus in der Mammonstraße 4. Dieses war am 02.05.1859 von den Nachfahren des Generals von Bischoffswerder in den Besitz des "Kronfideikommißfonds" übergegangen. Der General und seine Nachfahren hatten dieses Mitte des 18. Jahrhunderts erbaute Haus von 1801 bis zum Verkauf 1859 im Besitz gehabt. Der Preis betrug 15.238 Thaler, 2 Silbergroschen und 10 Pfennig. 2.500 Thaler konnte das Regiment aus disponiblen Beständen bezahlen, die fehlenden 1.738 Thaler, 2 Silbergroschen und 10 Pfennig wurden von der Kronfideikommißkasse zinsfrei geliehen und mußten in vierteljährlichen Raten zu 60 Thalern zurückgezahlt werden. Durch A.K.O. vom 25.11.1859 war das Kriegsministerium ermächtigt worden, das Haus auf Rechnung des "Servisfonds" baulich zu unterhalten. Nun wurde das Haus zum Regimentshaus umfunktioniert und erfuhr fortan mehrere bauliche Veränderungen. Zunächst wurden die Hintergebäude abgerissen, um Platz für einen größeren Garten zu schaffen. Dennoch war der Garten noch zu klein, um Versammlungen des ganzen Offizierskorps des Regimentes zu ermöglichen. Daher wurden vom Oberst Graf von der Goltz Verhandlungen mit dem Königlichen Hof-Marstallamt um Abtretung des zum Bischofswerderschen Grundstück zugehörigen Gartens aufgenommen, was schließlich auch gelang. Der Preis des Gartenstückes ist nicht mehr überliefert. Der König bewilligte jedoch am 28.02.1861 aus dem Kronfideikommißfonds einen Vorschuß von 1.000 Thalern, damit die begonnenen Umbaumaßnahmen fortgesetzt werden konnten. Aus dem gleichen Fonds dann nochmal 2.500 Thaler (zinsfrei) und aus seiner persönlichen Schatulle abermals 1.000 Thaler, unter gleichzeitiger Bestimmung, daß das Regiment die Vorschüsse fortan anstatt mit 60 nun mit 75 Thalern vierteljährlich zurückzahlen sollte. 1873 waren schließlich alle Schulden getilgt. Am 17.10.1860 aßen die Offiziere erstmals im Regimentshaus, allerdings noch in den unteren Räumen, da die feierliche Einweihung durch Oberst Graf von der Goltz erst am 22.03.1861 - dem Geburtstag Wilhelms I., der so viel zum Regimentshaus beigetragen hatte - statt fand.

 

Regimentshaus des Offizierscorps in der Mammonstraße 4, Regimentsgeschichte.

 

Am 07.10.1857, 4 Tage nach dem großen Fest "..des Tages, an welchem vor 50 Jahren des Hochseligen Königs Friedrich Wilhelm IV. Majestät in dem reorganisierten Bataillon Garde zum ersten Male den Degen gezogen." (aus der Regimentsgeschichte), erkrankte der König so schwer, daß er seine Regentschaft an seinen jüngeren Bruder Wilhelm, seit den 48er-Wirren "Kartätschenprinz" genannt und zeitweilig in England im Exil, abgeben mußte.

 

Am 25.01.1858 heirateten in der Londoner St. James Kapelle Friedrich-Wilhelm Prinz von Preußen und Viktoria, Prinzessin von Großbritannien und Irland, Tochter von Queen Viktoria. Am 06.02.1858 zogen die frisch vermählten in Potsdam ein und erhielten vom Offizierskorps des Ersten Garderegiments zu Fuß zahlreiche Geschenke.

 

Am 22.03.1859, dem Geburtstage des Prinzregenten Wilhelm, wurde Friedrich Wilhelm Johann Ludwig Freiherr Hiller von Gaertringen zum Kommandeur der 31. Infanteriebrigade ernannt. In der Schlacht von Königgrätz 1866 ist er jedoch wieder ganz nahe beim Regiment zu finden. Für ihn übernimmt Karl Graf von der Goltz den Posten des Regimentskommandeurs.

 

Sardinischer Krieg (zweiter Italienischer Unabhängigkeitskrieg) 1859

 

"Infolge der politischen Verwickelungen zwischen Frankreich und Sardinien einerseits, und Oesterreich andererseits, und der hierauf eingetretenen kriegerischen Ereignisse in Italien wurde unter dem 20. April 1859 die Kriegsbereitschaft des 3., 7. und 8. Armeekorps, der gesammten Kavallerie des stehenden Heeres, der Artillerie und der Pioniere, und unter dem 29. d. Mts. die der ganzen Armee befohlen." (aus der Regimentsgeschichte).

 

Damit das Regiment auf Kriegsstärke gebracht werden konnte, wurden 921 Reservisten, 68 Trainsoldaten und 62 Pferde eingezogen. Am 13.05.1859 trafen die ersten Reserven ein, am 22.05. war das Regiment kriegsstark und wurde am 28.05.1859 durch den Kommandeur Oberstlieutenant Graf von der Goltz im Lustgarten in kriegsmäßigem Anzuge inspiziert.

 

Am 23.05.1859 wurden per A.K.O. umfangreiche Beförderungen vorgenommen. Hauptmann Hermann Carl Julius von Plötz wurde zum Major befördert und zum Kommandeur des Lippe-Detmoldschen Kontingents ernannt. Seinen Posten als Chef der 8. Kompagnie übernahm Hauptmann Karl von Plehwe. Premierlieutenant Arthur Louis Ernst von Gayl wurde zum Hauptmann, Secondelieuntenant Hans Paul Herwarth- von Bittenfeld II. zum Premierlieutenant.

 

Nach eingehenden Übungen, insbesondere für die Reservisten, exerzierten die Bataillone am 25. und 26.05.1859 in Kriegsstärke. Am 31.05.1859 fand auf dem Bornstedter Feld ein Exerzierten des ganzen Regiments statt, dem u. a. August Wilhelm, Prinz von Württemberg beiwohnte. "Die günstigen Witterungsverhältnisse übten einen vorteilhaften Einfluß auf den Gesundheitszustand der Leute aus." (aus der Regimentsgeschichte)

 

Am 31.05.1859 wurde eine weitere A.K.O. zu umfangreichen Beförderungen innerhalb des Regiments erlassen. Oberstlieutenant und Regimentskommandeur Karl Graf von der Goltz, Oberstlieutenant Ferdinand von Bentheim und der Oberstlieutenant á la suite Heinrich Maximilian von Roeder wurden zu Obersten, die Majors Bernhard Wilhelm von der Groeben , Kommandeur des I. Bataillons und Heinrich Freiherr von Lyncker, Kommandeur des II. Bataillons zu Oberstlieutenants, Hauptmann Friedrich Wilhelm Eckardt von Schmeling unter Belassung in seinem Kommando als Adjutant beim Gouvernement Mainz zum überzähligen Major, die fünf ältesten Premierlieutenants zu Hauptleuten, die fünf ältesten Secondelieutenants zu Premierlieutenants befördert. Der Hauptmann Bernhard Heinrich Ferdinand von Stülpnagel unter Entbindung von seinem Kommando als Adjutant beim Gouvernement in Luxemburg in das Regiment einrangiert.

 

In den ersten Junitagen des Jahres 1859 traf der Befehl ein, daß diejenigen Reservemannschaften, deren Anwesenheit zu hause dringend erforderlich schiene, beurlaubt werden sollen. Eine Allerhöchst auf den 10.06.1859 festgesetzte Parade fand wiederum in voller Kriegsausrüstung auf dem Bornstedter Feld statt.

 

Am 15.06.1859 erfolgte schließlich die Mobilmachungsordre für das Garde- und 5. Provinzial-Armeekorps. Mit A.K.O. vom 14.06. wurden die damit verbundenen Änderungen im Offizierskorps befohlen: Oberstlieutenant Ferdinand von Bentheim wurde zum Kommandeur des 2. Garderegiments zu Fuß ernannt, Oberstlieutenant Bernhard Wilhelm von der Groeben, wurde Kommandeur des 1. Garde-Landwehr-Regiments. Seinen Posten als Kommandeur des I. Bataillons im Regiment übernahm Major Hans Ferdinand Rudolf von Schachtmeyer, bisher Vorsitzender der Gewehr-Prüfungskommission zu Spandau und á la suite des 2. Infanterie-Regiments. Die Hauptleute Karl von Brauchitsch II. und August Julius Heinrich von Oppell traten von ihren Kommandos als Adjutanten beim Gouvernement von Magdeburg, bzw. bei der Kommandantur Berlin zum Regiment zurück. Major Alexander Friedrich Heinrich Eberhard Freiherr von Medem vom Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2, als etatmäßiger Stabsoffizier in das Regiment versetzt, übernahm für den Oberstlieutenant Ferdinand von Bentheim die Führung des Lehr-Infanterie-Bataillons, welches noch nicht aufgelöst war. Im Laufe der weiteren Mobilmachungsphase traten noch die Lieutenants von Le Fort, von Werder, Elsner von Growow und von Brüsewitz aus dem Bezirk des 2. Armeekorps und die Secondelieutenants Weller, Apel, Schumann, Heusler, von Palubicki und Keller aus dem Bezirk des 1. Armeekorps zum Ersten Garderegiment zu Fuß. Diese wurden jedoch nicht einrangiert und dienten nur im mobilen Regiment und traten danach wieder ihre ursprünglichen Posten an.

 

Der Aufmarsch der österreichischen Hauptarmee gegen Frankreich am Rhein zusammen mit Truppen des Deutschen Bundes unterblieb, weil Preußen und der Deutsche Bund nicht daran teilnehmen wollten. Damit wurde Norditalien der Hauptkriegsschauplatz des Sardinischen Krieges von 1859.

 

Am 24.06.1859 wurde dieser Krieg in der Entscheidungsschlacht von Solferino zugunsten von Frankreich und Sardinien entschieden. Die Schlacht war die erste Niederlage für Österreich in der langen Regierungszeit Kaiser Franz Josephs I. Während die blutige Schlacht von Solferino gegen die Truppen des französischen Kaisers Napoléon III. geschlagen wurde, stellte Feldzeugmeister Ludwig von Benedek (1804-1881) mit dem VIII. Armeekorps zeitgleich die gesamte Armee König Viktor Emanuels II. von Piemont-Sardinien wenige Kilometer nördlich von Solferino in der Schlacht von San Martino. Die österreichischen Einheiten warfen die Piemontesen zuerst zurück, so dass der König seine in Richtung Solferino marschierende Brigade „Aosta“, nach San Martino zurückbeordern musste. Während die Schlacht von Solferino mit einer fürchterlichen Niederlage Franz Josephs I. endete, blieb die Schlacht von San Martino lange Zeit unentschieden. Der Hügel von San Martino wechselte im Lauf des Tages sieben Mal den Besitzer. Feldzeugmeister Benedek hatte mittlerweile einen Rückzugsbefehl erhalten, dem er aber nicht nachkam. Erst gegen 21 Uhr konnten die letzten österreichischen Stellungen von den Piemontesen eingenommen werden. Er erhielt dafür das Kommandeurskreuz des Maria-Theresia-Ordens, das auch für Taten und Erfolge, die entgegen einem Befehl erzielt wurden, verliehen wurde. Benedek wurde fortan auch der „Held von Solferino“ genannt.

 

Im Verlauf der Schlacht von Solferino waren auf beiden Seiten bis zu 30.000 Soldaten getötet und verwundet worden. Mindestens 10.000 Soldaten beider Seiten galten als vermisst oder gefangen und rund 40.000 weitere Soldaten erkrankten durch Nahrungsmangel, Überanstrengung und aufgrund der völlig unzureichenden sanitären Verhältnisse in den Tagen nach der Schlacht. Die meisten Soldaten waren nicht infolge der Kampfhandlungen gestorben, sondern später an den Folgen ihrer Verwundungen. Die Schlacht von Solferino galt als die blutigste militärische Auseinandersetzung seit der Schlacht von Waterloo. Sie war insbesondere gekennzeichnet durch einen extremen Mangel an medizinischer Versorgung der Opfer durch die militärischen Sanitätsdienste, die auf beiden Seiten sowohl personell als auch bezüglich ihrer Ausstattung völlig überfordert waren. Verwundete wurden oft nach ihrer Bergung sich selbst überlassen oder gänzlich auf dem Schlachtfeld zurückgelassen. Nahrung und Wasser standen nur in unzureichenden Mengen zur Verfügung und waren darüber hinaus von hygienisch schlechter Qualität. Die Grausamkeit der Schlacht und die Hilflosigkeit der verwundeten Soldaten veranlassten Henry Dunant (1828-1910) zur Gründung des Roten Kreuzes und führten zur Vereinbarung der Genfer Konvention von 1864.

 

Rangliste des Stellenbesetzung des Ersten Garderegiments zu Fuß bei Beginn der Mobilmachung 1859

 

Quelle: Kessel, Gustav von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1857-1871, Berlin 1881, Ernst Siegfried Mittler und Sohn

 

Chef: Seine Majestät der König.

Oberst Karl Graf von der Goltz, Regimentskommandeur.

Oberstlieutenant Heinrich Freiherr von Lyncker, Kommandeur des II. Bataillons.

Major Hans Ferdinand Rudolf von Schachtmeyer, Kommandeur des I. Bataillons.

Major Alexander Heinrich Bernhard von Kessel III, Kommandeur des Füsilierbataillons.

Major Alexander Friedrich Heinrich Eberhard Freiherr von Medem, etatsmäßiger Stabsoffizier.

 

Hauptmann Hugo von Block, Kommandeur Ersatz-Bataillon.

Hauptmann Ernst Conrad Maximilian Graf Finck von Finckenstein I., im Regiment. Chef 7. Kompagnie.

Hauptmann Rudolf Leopold Wilhelm von Barby, Kompagnieführer im Garde-Landwehr-Bataillon Stettin. Im Regiment Chef der 5. Kompagnie, wird vertreten von Hauptmann Arthur Louis Ernst von Gayl.

Hauptmann Hugo Prinz zu Schönburg-Waldenburg, im Regiment. Chef 4. Kompagnie.

Hauptmann Julius Cäsar von Sommerfeld, Kompagnieführer im Garde-Landwehr-Bataillon Königsberg.

Hauptmann Rudolph von Neumann II, im Regiment. Kommandeur Leibkompagnie.

Hauptmann Rudolph Friedrich Wilhelm Graf von Kanitz, im Regiment. Chef 11. Kompagnie. (Laut Offizierverzeichnis löste diesen jedoch schon zum 07.12.1858 Hauptmann Alexander Theodor Paul August von Kameke als Chef der 11. Kompagnie ab.)

Hauptmann Ewald von Kleist II, im Regiment. Chef 12. Kompagnie.

Hauptmann Anton Wilhelm Carl von L´Estocq, Kompagnieführer im Ersatz-Bataillon. Im Regiment Chef der 3. Kompagnie, wird vertreten von Premierlieutenant Leopold, Erbprinz von Hohenzollern-Sigmaringen.

Hauptmann Alexander Theodor Paul August von Kameke, Kompagnieführer im Garde-Landwehr-Bataillon Königsberg.

Hauptmann Carl von Plehwe II., Kompagnieführer im Garde-Landwehr-Bataillon Graudenz.

Hauptmann Karl von Brauchitsch I., Kompagnieführer im Ersatz-Bataillon.

Hauptmann Viktor von Brauchitsch II., Kompagnieführer im Ersatz-Bataillon.

Hauptmann August Julius Heinrich von Oppell, im Regiment, Ad interim Führer der 9. Kompagnie.

Hauptmann Waldemar Wilhelm von Schack, im Regiment. Ad interim Führer der 8. Kompagnie.

Hauptmann Arthur Louis Ernst von Gayl, im Regiment. Ad interim Führer der 5. Kompagnie.

Hauptmann Carl von Reinhard (Dieser ist der Verfasser der ersten Regimentsgeschichte, siehe das Literaturverzeichnis.), Kompagnieführer im Ersatz-Bataillon.

Hauptmann Berthold von Seegenberg, Kompagnieführer im Garde-Landwehr-Bataillon Königsberg.

Hauptmann Hans Ernst Otto von Studnitz, Kompagnieführer im Garde-Landwehr-Bataillon Graudenz.

Hauptmann Bernhard Heinrich Ferdinand von Stülpnagel, Kompagnieführer im Garde-Landwehr-Bataillon Stettin.

 

Premierlieutenant Leopold, Erbprinz von Hohenzollern-Sigmaringen, im Regiment. Ad interim Führer der 3. Kompagnie.

Premierlieutenant Rudolph Carl Graf von Waldersee I., im Regiment. Ad interim Führer der 10. Kompagnie.

Premierlieutenant Lothar von Petery. Kompagnieführer im Ersatz-Bataillon.

Premierlieutenant Ludwig Jakob Herwarth von Bittenfeld I., Kompagnieführer im Garde-Landwehr-Bataillon Stettin.

Premierlieutenant Richard von Arnim I. Kompagnieführer im Ersatz-Bataillon.

Premierlieutenant Ernst Friedrich Albert von Bülow, Kompagnieführer im Garde-Landwehr-Bataillon Königsberg.

Premierlieutenant Carl Ulrich von Möllendorff, im Regiment. Ad interim Führer der 2. Kompagnie.

Premierlieutenant Arthur von Leipziger, Kompagnieführer im Garde-Landwehr-Bataillon Graudenz.

Premierlieutenant Wilhelm von Grolman, im Regiment. Ad interim Führer der 6. Kompagnie.

Premierlieutenant Hans Paul Herwarth von Bittenfeld II., Kompagnieführer im Garde-Landwehr-Bataillon Königsberg. Adjutant 1. Garde-Landwehr-Regiment.

Premierlieutenant Louis Graf von Wartensleben, im Regiment. Adjutant des 2. Bataillons.

Premierlieutenant Hermann Bogislav Albert Graf von Hacke, im Regiment. (1864 als Unionsoffizier in der Schlacht in der Wilderness gefallen)

Premierlieutenant Hans Gneomar von Natzmer, im Regiment.

Premierlieutenant Ferdinand, Prinz zu Solms-Braunsfeld, im Regiment.

Premierlieutenant Carl von Prittwitz und Gaffron, im Regiment.

 

Secondelieutenant Friedrich Hermann Heinrich Ludwig von Roeder, im Garde-Landwehr-Bataillon Stettin.

Secondelieutenant Otto von Derenthall, Adjutant des Füsilierbataillons.

Secondelieutenant Clemens von Radowitz, im Regiment. Adjutant des I. Bataillons.

Secondelieutenant Cuno von Rantzau, im Regiment.

Secondelieutenant Heinrich Gustav Alfred Nicolaus Baron von Eberstein, im Garde-Landwehr-Bataillon Königsberg.

Secondelieutenant Victor Graf von Schlieffen I., Adjutant Ersatz-Bataillon.

Secondelieutenant Heinrich Adalbert Graf zu Rantzau, im Regiment.

Secondelieutenant Friedrich von Berg,  im Garde-Landwehr-Bataillon Königsberg.

Secondelieutenant Carl Alexander Friedrich August Graf Finck von Finckenstein, im Regiment.

Secondelieutenant Arthur von Fabeck, im Garde-Landwehr-Bataillon Stettin.

Secondelieutenant Hans Freiherr Geyr von Schweppenburg, im Garde-Landwehr-Bataillon Stettin.

Secondelieutenant Albert Johannes von Roon, im Garde-Landwehr-Bataillon Königsberg.

Secondelieutenant Friedrich Heinrich Konrad Reinhold von Risselmann, im Regiment. Adjutant des I. Bataillons.

Secondelieutenant Friedrich Graf zu Sols-Laubach, im Regiment.

Secondelieutenant Heinrich Synold von Schütz, im Regiment.

Secondelieutenant Leopold Friedrich von Gerlach, im Garde-Landwehr-Bataillon Graudenz.

Secondelieutenant Hans Georg Karl Emanuel Konstantin von Willisen, im Garde-Landwehr-Bataillon Graudenz.

Secondelieutenant Friedrich Otto von der Groeben I., im Garde-Landwehr-Bataillon Stettin.

Secondelieutenant Karl Heinrich Ludwig Vitelo von Griesheim, im Regiment. Adjutant des Füsilierbataillons.

Secondelieutenant Karl Wilhelm Ludwig von Weiher, im Garde-Landwehr-Bataillon Königsberg.

Secondelieutenant Franz Rudolph Herrmann von Seel, im Garde-Landwehr-Bataillon Graudenz.

Secondelieutenant Herrmann Friedrich Karl von Stülpnagel, im Regiment.

Secondelieutenant Karl Hans Herwarth- von Bittenfeld III., im Regiment.

Secondelieutenant Ferdinand August Ludwig Edmund von Witzleben, im Ersatz-Bataillon.

Secondelieutenant Julius Joseph Adalbert Louis Ulrich von Löwenfeld, im Ersatz-Bataillon.

Secondelieutenant Max von Voß , im Garde-Landwehr-Bataillon Stettin.

Secondelieutenant Wilhelm Günther von der Groeben II., im Regiment.

Secondelieutenant Adolph Hermann Heinrich Lucius von Rhade, im Regiment..

Secondelieutenant Friedrich Wilhelm August Karl Max Graf von Lüttichau, im Regiment.

Secondelieutenant Otto Wilhelm Julius von Schleinitz, im Garde-Landwehr-Bataillon Graudenz.

Secondelieutenant Richard Paul Hermann Eduard von Blankenburg,  im Garde-Landwehr-Bataillon Königsberg.

Secondelieutenant Kurt Alexander Karl Hermann von Knobelsdorff, im Garde-Landwehr-Bataillon Stettin.

Secondelieutenant Friedrich von Alvensleben, im Garde-Landwehr-Bataillon Königsberg.

Secondelieutenant Leopold Gustav Adolph von Rauch II., im Regiment.

Secondelieutenant August Botho Louis Traugott Graf zu Eulenburg, im Regiment.

Secondelieutenant Eduard Wilhelm Bernhard Georg von Unruh, im Regiment.

Secondelieutenant Hasso Wilhelm Felix von Wedell, im Regiment.

Secondelieutenant Fritz Andreas August von Twardowski, im Regiment.

Secondelieutenant Hans Peter Demetrius von Arnim II., im Regiment.

Secondelieutenant Eduard von Liebenau, im Regiment.

Secondelieutenant Bogislav Friedrich Wilhelm von Below, im Regiment.

Secondelieutenant Karl Johann Eduard von Müller, im Regiment.

Secondelieutenant Georg von Braunschweig, im Regiment.

Secondelieutenant Alexander Friedrich Hermann Hugo von Strantz, im Regiment.

 

"In den ersten Tagen des Monat Juni fanden Uebungsmärsche feldmarschmäßig im Regiment, verbunden mit Gefechtsübungen gegen einen markirten Feind, statt. Die Witterung war mit Ausnahme hin und wieder eintretender Regenschauer für die Ausbildung der Mannschaften und Abhaltung von Uebungen durchaus günstig. Der Allerhöchste Befehl, welcher die Auflösung des Lehr-Infanterie-Bataillons für die Dauer des mobilen Verhältnisses bestimmte, trat, da wenige Tage später die Kontreordre eintraf, nicht in Kraft. Durch die Feststellung des Etats der Schulabtheilung wurden dort die Sekondelieutenants v. Rantzau und v. d. Knesebeck disponibel; sie traten, ersterer unter Ernennung zum Regiments-Adjutanten, zum Regiment zurück.

 

Der indessen zwischen Oesterreich und Frankreich abgeschlossene Präliminarfrieden von Villa Franca gebot auch den Rüstungen unserer Armee Halt. Die Truppen erhielten Befehl, nicht weiter nach ihren Bestimmungsorten zu rücken, sondern in den augenblicklich innehabenden Kantonnements zu verweilen." (aus der Regimentsgeschichte).

 

Der Frieden von Zürich beendete am 10.11.1859 vollends den Sardinischen Krieg. Hierbei trat Österreich die Lombardei, mit Ausnahme der Festungen Mantua und Peschiera del Garda, die an dem Grenzfluss zu Venetien, dem Mincio lagen, an Napoleon III. ab, der die Lombardei dann weiter an Sardinien übergab.

Am 25.07.1859 wurde die Demobilmachung des Garde-, 3., 4., 5. Armeekorps und des 10. Infanterieregiments unter Beibehalt der Kriegsformation ausgesprochen. Das 7. und 8. Armeekorps blieben vorläufig noch mobil. Zum 01.08.1859 wurde der Beginn der Demobilmachung festgesetzt.

 

Durch A.K.O. vom 14.11.1859 wurden die bisher beibehaltenen Kriegsformationen der Armee aufgehoben und zugleich bestimmt, daß die Landwehrstamm-Bataillone unter Reduzierung der zu denselben abzugebenden Zahl an Offizieren und nach Entlassung der Hälfte der im vierten Jahr dienenden Mannschaften formiert bleiben sollen. Allerdings blieben diese nur 3 Wochen so bestehen, da am 12.12. eine zum 10.12.1859 datierte A.K.O. bekannt gegeben wurde, nach der unverzüglich die noch vorhandenen Reserven des 4. Jahrganges entlassen zu seien, sei entschlössen sich zur Kapitulation. Daher bestanden die Stamm-Bataillone ab dann nur noch aus Unteroffizieren, Kapitulanten und Rekruten.

 

Dennoch wurden diese Landwehr-Stamm-Bataillone und -Regimenter, die eigentlich nur zur Mobilisierung von 1859 gebildet worden waren, nicht aufgelöst und bildeten so eine "stille" und nicht vom Preußischen Parlament legitimierte Heeresvermehrung, die erst im Mai 1860 offiziell verkündet wurde.

 

Die Formation der 1. Garde-Infanteriebrigade sah zum 03.05.1860 wie folgt aus:

Das Erste Garderegiment zu Fuß mußte bei der Heeresvermehrung laut der Allerhöchsten Kabinetts-Ordre (A.K.O.) vom 23.02./05.05.1860 Mannschaften und Offiziere zur Bildung des neuen 3. Garderegiments zu Fuß[1] abgeben, mit welchem es fortan im Brigadeverband stand und das es als sein „Schwesterregiment“ bezeichnete. Es wurde zunächst am 05.05.1860 aus dem 1. Garde-Landwehr-Stammregiment das 1. Kombinierte Garde-Infanterie-Regiment zu I., II. und Füsilierbataillon gebildet. Dieser Tag ist also der Gründungstag des Schwesterregiments. Die Offiziere, die zum 3. Garderegiment zu Fuß wechselten, durften ihren Helm mit den weißen Beschlägen nach A.K.O. vom 12.08.1860 weiter tragen. Auch durften diese Offiziere ihre silbern-gemusterten Epoulettfelder weiter tragen, lediglich die silbernen Halbmonde mußten gegen goldfarbene ausgetauscht werden.

 

Es ergingen folgende A.K.O.s:

 

    "Bei der nunmehr vollendeten Neuorganisation der Armee verleihe ich den Truppentheilen aller Waffen die aus der beiliegenden Zusammenstellung ersichtlichen Benennungen, bei denen Ich theils die ruhmwürdige Vorgeschichte und den Ursprung der Regimenter, theils ihre besondere taktische Bestimmung im Auge gehabt habe.

    Erstes kombinirtes Garde-Infanterie-Regiment = 3. Garde-Regiment z. F. etc.

Baden-Baden, den 4. August 1860.

Im Namen Seiner Majestät des Königs

gez. Wilhelm, Prinz von Preußen.

 

    Ich bestimme hierdurch, daß diejenigen Offiziere des Ersten Garde-Regiments z. F., welche vermittelst Meiner Ordre vom 01. Juli cr. zum 3. Garde-Regiment z. F. versetzt worden sind, die silbernen Epaulettfelder und den Helmbeschlag des erstgenannten Regiments auch ferner und solange sie in dem 3. Garde-Regiment z. F. stehen, forttragen sollen; wonach das Kriegs-Ministerium das Weitere mit dem Bemerken zu veranlassen hat, daß die Monde der Epauletts dieser Offiziere von gelbem Metall sein sollen.

    Ostende, den 12. August 1860.

Im Namen Seiner Majestät des Königs

gez. Wilhelm, Prinz von Preußen."

 

Der Helm war im Jahre 1860 allgemein etwas kleiner geworden. Weiterhin änderte sich zunächst wenig für das Regiment, bis auf das neu auf den Gardeadler aufgelegte Motto-Bandeau „Mit Gott für Koenig und Vaterland“, welches natürlich auch alle übrigen Regimenter erhielten.

 

Schon 1858 hatte Wilhelm die Regentschaft für seinen kranken Bruder Friedrich Wilhelm IV. übernommen. Als dieser schließlich am 02.01.1861 starb, wurde er als Wilhelm I. neuer preußischer König. Wilhelm machte sich gleich daran die preußische Armee zu reformieren, was schließlich zu den umfangreichen Neuerungen des Jahres 1860 und dem großen Streit im preußischen Parlament darüber und natürlich über die Finanzierung dieser Reformen mündete. Diese Reformen waren dringend geboten, da das Heer 1858 ca. 150.000 Mann zählte und damit seit den Einigungskriegen personell und überdies auch organisatorisch nahezu unverändert geblieben war. Die Mobilisierung des Jahres 1859 bei Ausbruch des Krieges von Frankreich und Sardinien gegen Österreich hatte diese Mängel deutlich zu Tage treten lassen. Wilhelm, sein Stabschef Helmuth Graf von Moltke (1800-91) und sein Kriegsminister Albrecht von Roon (1803-79) gingen sofort daran ein neues Rekrutierungssystem, ein auf die Eisenbahn gestütztes Mobilisierungssystem, die Aufstellung neuer Regimenter, um nur die wichtigsten Punkte zu nennen, umzusetzen. Bereits 1862 war dadurch die Sollstärke auf 200.000 Mann angewachsen. Diese Reformen verschlangen natürlich Unsummen und so kam es darüber und über die Verfügungsgewalt über die neu erstarkte Armee zum Streit mit dem Parlament. Wilhelm spielte mit dem Gedanken abzudanken und nur sein neuer Ministerpräsident Otto von Bismarck (1815-98) hielt ihn davon ab. Dieser löste kurzerhand das preußische Parlament auf und wandte sich sofort danach der Außenpolitik zu, bei der er auch auf die neue Armee zurückgreifen wollte.

 

Die Zeitschrift für Heereskunde (Nr. 32, August 1931) berichtet über eine Episode des Regiments aus dem Jahre 1861: "Der Fahnenhammer des Ersten Garde-Regiments zu Fuß trägt die Inschrift: »F. W. III. Alex. 1807«. Es ist ein Erinnerungsstück von großem historischen Wert. Er wurde 1861 von Graf Konrad Finck von Finckenstein (geb. 1820, gest. 1884) dem Offizierkorps des Ersten Garde-Regiments zu Fuß geschenkt."

 

Mit A.K.O. vom 28.07.1862 wurde das verbesserte Zündnadelgewehr Modell 1862 eingeführt. Bis auf einige wenige Details war es jedoch identisch mit dem alten Modell 1841.

 

Deutsch-Dänischer Krieg 1864

 

Die erste Folge der neuen Politik Bismarcks war der Deutsch-Dänische Krieg von 1864, der ausbrach, als Dänemark entgegen allen Verträgen Schleswig-Holstein annektierte. Eine Armee von Preußen und Österreichern besiegte die Dänen bei der Erstürmung der Düppeler Schanzen am 18.04.1864. An diesem Feldzug nahm das Erste Garderegiment zu Fuß nicht teil. Lediglich 4 Offiziere des Regiments nahmen am Feldzug gegen Dänemark teil. Es waren dies Major Ewald von Kleist II vom 19.12.1863 bis 18.12.1864 als 1. Adjutant der für die Ausführung der Bundes-Exekution bestimmten Armee, Premierlieutenant Albert Johannes von Roon als 4. Generalstabsoffizier bei selbiger,  Premierlieutenant Heinrich Adalbert Graf zu Rantzau (dem es als geborener Holsteiner durch eine A.K.O. zustand am Feldzug teilzunehmen) mit Versetzung zum 4. Brandenburgischen Infanterieregiment Nr. 24 und Prinz Anton von Hohenzollern-Sigmaringen, welchem durch A.K.O. vom 15.03.1864 die Erlaubnis erteilt wurde, sich zur Begleitung seines Vaters in das alliierte Hauptquartier des Generalfeldmarschalls Freiherrn Friedrich von Wrangel (*13.04.1784 in Stettin; †01.11.1877 in Berlin) zu begeben.

 

Major Ewald von Kleist II kehrte nach dem Feldzug in das Regiment zurück und wurde am 03.04.1866 Kommandeur des I. Bataillons.

 

Premierlieutenant Albert Johannes von Roon kehrte nicht wieder zum Regiment zurück, sondern verblieb im Generalstab und wurde am 16.08.1864 zum Hauptmann im Generalstabe befördert.

 

Premierlieutenant Heinrich Adalbert Graf zu Rantzau, dessen Stelle im Regiment offen geblieben war, wurde nach beendetem Feldzuge in das Regiment zurückversetzt.

 

Prinz Anton von Hohenzollern-Sigmaringen war schon seit dem 24.02.1863 a la suite des Regiments gestellt und kehrte erst zum Feldzug 1866 zu selbigem zurück.

 

Schleswig-Holstein wurde nach dem Krieg von 1864 unter die gemeinsame Verwaltung Preußens und Österreichs gestellt. Darüber kam es bald zum Streit und so wurde 1865 in Gastein Schleswig unter preußische und Holstein unter österreichische Verwaltung gestellt. Dennoch wuchsen die Spannungen zwischen den beiden größten Staaten im deutschen Bund und so kam es schließlich 1866 zum deutschen Bürgerkrieg Preußens gegen die süddeutschen Staaten unter der Führung Österreichs.

 

Deutscher Krieg 1866

 

Am 05.06.1866 folgte auf die Kriegsbereitschaft die A.K.O., welche die Mobilmachung des Gardekorps, sowie des 3. bis 6., und 8. Armeekorps aussprach. Als erster Mobilmachungstag war der 06.05.1866 bestimmt worden.

 

Zu Beginn der Mobilmachung wurden die Offiziere auf das aktive Regiment, das neu gebildete Ersatz-Bataillon des Ersten Garderegiments zu Fuß und das 1. und 2. Garde-Landwehr-Regiment verteilt. Für diejenigen Offiziere, die nicht mit dem aktiven Regiment am ersten Feldzug seit 52 Jahren teilnehmen durften, war dies eine herbe Enttäuschung.

 

 „Am 14. wurden bei der Parade durch das Loos diejenigen Offiziere bestimmt, welche zu den beiden Landwehr-Bataillonen Stettin und Graudenz abzugeben waren. Es wurden gerade die ältesten Hauptleute davon betroffen. – Ein großer Verlust für das Regiment – Es fällt uns schwer zu erwähnen, wie schmerzliche Stunden bitterer Enttäuschung dieser Tag für einen Teil des Offizierkorps in sich schloß, dem es nicht vergönnt sein sollte, den bevorstehenden Feldzug in den Reihen des Regiments mitzumachen. ... Die beurlaubten Offiziere wurden sofort durch Telegramme zurückberufen. Den Prinzen Anton von Hohenzollern-Sigmaringen, à la suite des Regiments, welcher in Begleitung des Premierleutnants v. Geyr und Grafen Finckenstein von einer Reise aus dem Orient zurückkehrte, erreichte die Depesche in Konstantinopel. … Der Prinz beantwortete diese Frage durch die Bitte, nicht in einem Stabe verwendet zu werden, sondern an dem Feldzuge in den Reihen des Regiments teilnehmen zu dürfen." (aus der Regimentsgeschichte)

 

Zeitgleich mit den Telegrammen an die Offiziere wurden auch die Mannschaften und Unteroffiziere der Reserve einberufen. Bereits am 08.05.1866 gegen 11:30Uhr trafen die ersten Reservisten beim Regiment in Potsdam ein. Insgesamt wurden 1797 Mann – ohne Offiziere – aus der Reserve in den Verband des Regiments eingegliedert, das damit auf etwa doppelte Friedensstärke anwuchs. Die notwendigen planerischen Vorbereitungen zur Einkleidung und Ausrüstung der Reservisten waren von der Regiments-Bekleidungskommission, einem Gremium aus nebenamtlich dazu abgestellten Offizieren und Unteroffizieren, glücklicherweise bereits seit April getroffen worden.

Major von Kleist hatte in der gleichen Zeit ein vollständiges Verzeichnis aller beweglichen Gegenstände aus dem Besitz des Regiments angefertigt und Vorschläge zur Aufbewahrung derselben für den Fall einer Mobilmachung gemacht. Die Adjutanten, die den größten Teil des Schriftverkehrs für ihre Bataillone oder das Regiment zu erledigen hatten, erhielten den Befehl, ihre Bureaus entweder zu sich nach Hause zu nehmen oder sich in denselben einzuquartieren, um jederzeit erreichbar und auskunftsfähig zu sein. Am 12.05.1866 trafen 94 Mobilmachungspferde ein und wurden im Lustgarten auf die Offiziere verteilt. Dazu waren die Offiziere bereits vorher gewogen worden, um jedem ein für sein Gewicht geeignetes Pferd zur Verfügung stellen zu können. Das Lehr-Infanterie-Bataillon wurde aufgelöst, gleichzeitig ein Ersatz-Bataillon aufgestellt. Am 15.05.1866 holte ein Kommando aus der Zitadelle Spandau die gesamte für das Regiment bestimmte Munition und die Waffen für die Reservisten. All das musste peinlich genau nachgezählt, geprüft und auf Verwendbarkeit untersucht werden. Parallel dazu mussten alle blanken Waffen (Degen, Säbel, Bajonette) geschliffen werden, was alleine zwei Tage in Anspruch nahm. Ebenfalls gleichzeitig wurde der Train der Bataillone im Fahren und Bespannen geübt. Die vielen einberufenen Ersatzmannschaften, deren Wehrdienst längere oder kürzere Zeit zurücklag, benötigten eine Auffrischung ihrer Ausbildung und mussten innerhalb kürzester Zeit wieder an die Anstrengungen von Märschen, das Ertragen und Überwinden von Strapazen, die Last des Tornisters und vieles mehr gewöhnt werden. Dazu wurden täglich Übungen auf dem benachbarten Truppenübungsplatz Döberitz und ausgedehnte Märsche unternommen. Um sich auf den Kampf vorzubereiten, legte man Wert auf eine möglichst wirklichkeitsnahe und zeitgemäße Ausbildung.

 

„In der nächsten Zeit exerzirte das Regiment wiederholt auf dem Bornstädter Felde, wobei der Mann bis zwanzig Patronen erhielt und ein Massenfeuer von großer Heftigkeit entwickelt wurde. Es wurde vielfach in deployirten Fronten exerzirt, auch das Hinlegen in dieser Formation, sowie das Niederwerfen der Schützen beim Anreiten der Kavallerie wurde gleichfalls zum Gegenstande der Übungen gemacht. Das Regiment exerzierte meistens in Halb-Bataillonen, die erste Linie der Kompanie-Kolonnen auseinandergezogen, um so die großen Bataillons-Kolonnen dem starken feindlichen Feuer zu entziehen. Bei diesem Exerziren waren die Fahrzeuge des Regiments in der Regel zugegen und operierten hinter der Front.“ (aus der Regimentsgeschichte)

 

Eine Besichtigung dieser Übungen durch den König fand am 25.05.1866 statt, zu der auch zivile Gäste zugelassen waren. Der dabei anwesende Dompropst von Mansbach war davon so begeistert, dass er dem Regiment als Stiftung 1.000 Taler überwies, ein für damalige Verhältnisse immenser Betrag.

Neben diesen, vom Regiment oder anderen Stäben gesteuerten, Tätigkeiten gab es noch genügend Raum für persönlichere Sorgen und Freuden. Die Offiziere brachten ungeheure Degen und Schleppsäbel mit, die haarscharf geschliffen wurden, und kauften private Revolver. Normalerweise wurden die Haare noch nicht kurz getragen. Nun ließ sich der größte Teil der Offiziere die Haare kurz schneiden wie die Bürsten, um aller unnötigen Toilettenkünste enthoben zu sein. Lebensversicherungen schlossen nur wenige ab, und die in großer Menge hereinkommenden Angebote von Panzerhemden wurden von noch wenigeren angenommen. Der kriegerische Enthusiasmus wurde noch dadurch bestärkt, dass plötzlich das Rauchen auf der Straße erlaubt wurde, ein erster Hauch gelockerter Regeln. Die Begeisterung wurde jedoch etwas gedämpft, als am 26.05.1866 die Nachricht vom Generalkommando des Gardekorps eintraf, dass der Ausmarsch des Regiments vorläufig noch nicht bevorstehe.

 

Am 03.06.1866 traf der erlösend empfundene Befehl ein, dass das Regiment den Fußmarsch in den Konzentrierungsraum bei Cottbus antreten solle und der Ausmarsch ins Kriegsgebiet unmittelbar bevorstehe. Nun wurden auch im sozialen Bereich Maßregeln getroffen, die in erster Linie das Wohlergehen der Mannschaften und Unteroffiziere und ihrer Angehörigen zum Ziel hatten. Am 04.06.1866wurde allen Soldaten und den Ehefrauen der Offiziere bekannt gegeben, was zur Unterstützung der zurückbleibenden hilfsbedürftigen Familien veranlasst worden war. Die Ehefrauen der Offiziere wurden mit einbezogen, weil sie in erster Linie für die Durchführung dieser Maßnahmen zuständig sein sollten. Die monatlich zu zahlende Unterstützung wurde auf die Familien nach Anzahl der zu versorgenden Kinder verteilt, worüber Zahlmeister Poppe vom Regimentsstab Buch zu führen hatte. Das Geld sollte monatlich von den Familien persönlich bei der Frau des Regimentskommandeurs abgeholt werden. Um auch für die Reservisten, die dem Regiment ja nicht angehörten und daher keinen Anspruch auf Mittel aus diesem Fond hatten, etwas zu tun, wurden diese angewiesen, dass sich in Not geratene Angehörige bei Gräfin Keller melden sollten, bei der sie weitere Weisung erhalten würden.

Rangliste und Stellenbesetzung des Ersten Garderegiments zu Fuß bei Beginn der Mobilmachung 1866.

Quelle: Kessel, Gustav von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1857-1871, Berlin 1881, Ernst Siegfried Mittler und Sohn

Oberst Bernhard von Kessel III, Regimentskommandeur.

Oberstlieutenant Hugo von Block, Kommandeur des II. Bataillons.

Oberstlieutenant Heinrich Gottfried Ernst von Helldorf, Kommandeur des Füsilierbataillons.

Major Ewald von Kleist II, Kommandeur des I. Bataillons.

Major Ernst Conrad Maximilian Graf Finck von Finckenstein I., Kommandeur des I. Bataillons (Berlin) 2. Garde-Landwehr-Regiments.

 

Hauptmann August Julius Heinrich von Oppell, im Regiment. Chef 9. Kompagnie.

Hauptmann Rudolph Carl Graf von Waldersee I., im 3. Bataillon (Graudenz) 1. Garde-Landwehr-Regiments. Im Regiment Chef 7. Kompagnie. Wird vertreten von Premierlieutenant Waldemar Wilhelm von Schack.

Hauptmann Arthur Louis Ernst von Gayl, im Ersatz-Bataillon. Im Regiment Chef 5. Kompagnie. Wird vertreten von Premierlieutenant Hans Freiherr Geyr von Schweppenburg.

Hauptmann Albert Gustav Guido von Rauch I. Kommandant des Hauptquartiers der II. Armee. Im Regiment Chef der 10. Kompagnie. Wird vertreten von Karl Heinrich Ludwig Vitelo von Griesheim.

Hauptmann Ludwig Jakob Herwarth von Bittenfeld I., im 2. Bataillon (Stettin) 1. Garde-Landwehr-Regiments. Im Regiment Chef 6. Kompagnie. Wird vertreten von Premierlieutenant Hans Georg Karl Emanuel Konstantin von Willisen.

Hauptmann Carl Ulrich von Möllendorff, krank, beurlaubt. Eigentlich Kommandeur Leibkompagnie. Wird vertreten von Hauptmann Friedrich Hermann Heinrich Ludwig von Roeder.

Hauptmann Paul Graf von Waldersee II., im 2. Bataillon (Stettin) 1. Garde-Landwehr-Regiments. Im Regiment Chef 4. Kompagnie. Wird vertreten von Premierlieutenant Robert von dem Knesebeck.

Hauptmann Arthur von Leipziger, im Regiment. Chef 2. Kompagnie.

Hauptmann Carl von Prittwitz und Gaffron, im Regiment. Chef 8. Kompagnie.

Hauptmann Friedrich Hermann Heinrich Ludwig von Roeder, im Regiment. Ad interim Kommandeur der Leibkompagnie, eigentlich Chef 11. Kompagnie. Wird vertreten von Premierlieutenant Carl Alexander Friedrich August Graf Finck von Finckenstein.

Hauptmann Oskar Graf von Schlieffen II., im Regiment. Chef 3. Kompagnie.

Hauptmann Heinrich Adalbert Graf zu Rantzau, im Regiment. Chef 12. Kompagnie.

 

Premierlieutenant Carl Alexander Friedrich August Graf Finck von Finckenstein, im Regiment. Ad interim Führer 11. Kompagnie.

Premierlieutenant Robert von dem Knesebeck, im Regiment. Ad interim Führer 4. Kompagnie.

Premierlieutenant Hans Freiherr Geyr von Schweppenburg, im Regiment. Ad interim Führer 5. Kompagnie.

Premierlieutenant Heinrich Synold von Schütz, im 2. Bataillon (Stettin) 1. Garde-Landwehr-Regiments.

Premierlieutenant Hans Georg Karl Emanuel Konstantin von Willisen, im Regiment. Ad interim Führer 6. Kompagnie.

Premierlieutenant Karl Heinrich Ludwig Vitelo von Griesheim, im Regiment. Ad interim Führer 10. Kompagnie.

Premierlieutenant Karl Wilhelm Ludwig von Weiher (Weyher), Adjutant der 2. Garde-Infanterie-Division.

Premierlieutenant Herrmann Friedrich Karl von Stülpnagel, Adjutant beim General-Kommando des Gardekorps.

Premierlieutenant Waldemar Wilhelm von Schack, im Regiment. Ad interim Führer 7. Kompagnie.

Premierlieutenant Hermann Albert Carl Ludwig von Werder, im Ersatz-Bataillon.

Premierlieutenant Max von Voß, im Ersatz-Bataillon.

Premierlieutenant Friedrich Wilhelm August Karl Max Graf von Lüttichau, im Regiment. 11. Kompagnie.

 

Secondelieutenant Otto Wilhelm Julius von Schleinitz, im Regiment. 3. Kompagnie.

Secondelieutenant Hasso Wilhelm Felix von Wedell, im Regiment. 10. Kompagnie.

Secondelieutenant Hans Peter Demetrius von Arnim I., im Regiment. Leibkompagnie.

Secondelieutenant Eduard von Liebenau, Regimentsadjutant.

Secondelieutenant Karl Johann Eduard von Müller, Adjutant des Füsilierbataillons.

Secondelieutenant Alexander Friedrich Hermann Hugo von Strantz, Adjutant des I. Bataillons.

Secondelieutenant Karl Paul Wilhelm von Barby, im Garde-Landwehr-Bataillon Stettin.

Secondelieutenant Karl Friedrich Adolph Graf von Seckendorf I., im Regiment. 6. Kompagnie.

Secondelieutenant Hans Friedrich Karl von Treskow, im Regiment. 4. Kompagnie.

Secondelieutenant Maximilian Alexander Andreas von Saldern-Ahlimb, im Regiment. 7. Kompagnie.

Secondelieutenant Hans Viktor Rudolph Wilhelm von Quitzow, im Regiment. Ordonnanzoffizier.

Secondelieutenant Karl Gustav Ernst von Petersdorff, im Regiment. 12. Kompagnie.

Secondelieutenant Götz Burkhard Graf von Seckendorff II. Adjutant des 2. Bataillons.

Secondelieutenant Anton Graf von Keller I., kommandirt zur Unteroffiziersschule Potsdam, demnächst Adjutant Seiner Königl. Hoheit des Prinzen Adalbert.

Secondelieutenant Carl August Graf von der Goltz, im Regiment. 2. Kompagnie.

Secondelieutenant Oldwig Wilhelm Ferdinand von Natzmer, im Regiment. 5. Kompagnie.

Secondelieutenant Werner Graf von der Schulenburg, im Garde-Landwehr-Bataillon Graudenz.

Secondelieutenant Johann Rudolf Freiherr Hiller- von Gärtringen, im Garde-Landwehr-Bataillon Graudenz.

Secondelieutenant Waldemar Georg Emil von Schrötter, im Regiment. 8. Kompagnie.

Secondelieutenant Ernst Ludwig Albrecht von Winterfeld, im Regiment. Ordonnanzoffizier.

Secondelieutenant Adalbert Anselm Clemens Martin Hubertus Maria Graf zu Stolberg-Stolberg, im Regiment. 3. Kompagnie.

Secondelieutenant Adam Carl Guido Florenz Otto Freiherr von Diepenbroick-Grüter, im Regiment. 9. Kompagnie.

Secondelieutenant Friedrich August Philipp Alexander Louis Feiherr von Falkenhausen, im Ersatz-Bataillon.

Secondelieutenant Wolf Maximilian Wilhelm Christian Johannes von Schlegell, im Garde-Ersatz-Bataillon.

Secondelieutenant Gotthard Heinrich Leopold Alexander Friedrich August Freiherr von Loën, im Garde-Landwehr-Bataillon Graudenz.

Secondelieutenant Friedrich Eduard Benno von Brauchitsch, im Regiment. 12. Kompagnie.

Secondelieutenant Egmont von Block, Adjutant im Garde-Landwehr-Bataillon Stettin.

Secondelieutenant Arthur Heinrich Friedrich Maximilian Wedig Boguslav von Bonin, im Regiment. 7. Kompagnie.

Secondelieutenant Alfred Friedrich Wilhelm Sigismund von Lieres- und Wilkau, im Ersatz-Bataillon.

Secondelieutenant Kurt von Alvensleben I., Adjutant im Garde-Landwehr-Bataillon Graudenz.

Secondelieutenant Friedrich Karl Paul Leo Freiherr von Tschammer-Osten, Adjutant im Ersatz-Bataillon.

Secondelieutenant Alexander Eberhard Eustach Oskar Freiherr von Medem, im Regiment. 11. Kompagnie.

Secondelieutenant Hans Peter Demetrius von Arnim II., im Garde-Landwehr-Bataillon, Stettin.

Secondelieutenant Alfred Gneomar Cäsar Graf von Wartensleben, im Regiment. 5. Kompagnie.

Secondelieutenant Adolph Ulrich Heinrich Kuno von Rantzau, im Regiment. 6. Kompagnie.

Secondelieutenant Julius Clemens Wilhelm von der Schulenburg, im Garde-Landwehr-Bataillon Graudenz.

Secondelieutenant Adolph Leorahma Friedrich Heinrich von Alvensleben II. im Regiment. Leibkompagnie.

Secondelieutenant Johann Friedrich Wilhelm August Bernhard Rudolph Graf zu Dohna, Ordonnanz-Offizier der 1. Garde-Infanterie-Division.

Secondelieutenant Richard Friedrich Adalbert Graf von Pfeil, im Ersatz-Bataillon.

Secondelieutenant Gustav Emil Bernhard Bodo von Kessel, im Regiment. 4. Kompagnie.

Secondelieutenant Friedrich August Bernhard Max von Arnim III., im Regiment. 10. Kompagnie.

Secondelieutenant Wilhelm Karl Eduard von Raven, im Garde-Landwehr-Bataillon Stettin.

Secondelieutenant Ernst Karl von Brause, im Regiment. 8. Kompagnie.

Secondelieutenant Hermann Albert Carl Ludwig von Werder, im Regiment. 4. Kompagnie.

 

Portepeefähnrich Gustav Graf von Keller, im Regiment. 2. Kompagnie.

Portepeefähnrich Max Friedrich Adolph von Krosigk I., im Regiment. 9. Kompagnie.

Portepeefähnrich Hermann Gebhard Werner von Alvensleben III., im Regiment. 3. Kompagnie.

Portepeefähnrich Arthur Gustav Wilhelm von Blumenthal, im Regiment. 11. Kompagnie.

Portepeefähnrich Wolf Werner Erdmann von Selchow, im Regiment. 12. Kompagnie.

Portepeefähnrich Arthur Graf von Schlieffen, im Regiment. 6. Kompagnie.

 

Aggregirt.

Oberstlieutenant Victor von Roeder, Kommandeur des Garde-Jäger-Bataillons.

Secondelieutenant Albrecht, 3. Pommersches Landwehr-Regiment Nr. 14, im Regiment. 7. Kompagnie.

Secondelieutenant von Nikisch-Rosenegk, 3. Pommersches Landwehr-Regiment Nr. 14, im Regiment. 8. Kompagnie.

Secondelieutenant Samradt, 2. Pommersches Landwehr-Regiment Nr. 3, im Regiment. 12. Kompagnie.

 

á la suite.

Generalfeldzeugmeister Carl Alexander, Prinz von Preußen, Königl. Hoheit, im Großen Hauptquartier.

General der Infanterie z. D. Adolph Heinrich Wilhelm Karl von Grabow.

General der Infanterie z. D. Franz Carl von Werder.

General der Infanterie Kronprinz von Preußen, Königl. Hoheit, Oberbefehlshaber der II. Armee.

Oberst Karl Adolph von Randow, Direktor des Großen Militär-Waisenhauses und Kommandant von Potsdam.

Hauptmann Herrmann Friedrich Karl von Stülpnagel, Kommandeur des III. Bataillons Westfälischen Landwehr-Regiments Nr. 15.

Secondelieutenant Anton Prinz zu Hohenzollern-Sigmaringen, im Regiment. 9. Kompagnie.

 

Stellvertretender Regimentsarzt Stabsarzt Dr. Vogelgesang.

Feldassistenzarzt Dr. Schulte, I. Bataillon.

Assistenzarzt Dr. Rüsse, II. Bataillon.

Feldassistenzarzt Dr. Elias, Füsilierbataillon.

 

Mit A.K.O. vom 07.06.1866 wurden Feldachselstücke eingeführt, welche aus einer silberfarbenen Tresse mit zwei schwarz-seidenen Durchzügen und einer Unterlage in der Farbe des Epoulettfeldes bestanden. Hier war die Unterlage zunächst noch einfach weiß.

 

Für die Zeit des mobilen Regiments wurde neben den Ersatz- und Landwehr-Truppen des Ersten Garderegiments am 11.07.1866 erstmals ein IV. Bataillon zu 800 Mann aufgestellt. Das Ersatz-Bataillon gab dazu 200 Mann als Stamm, hinzu traten eingezogene Landwehrleute des 1. und 2. Aufgebotes. Dieses IV. Bataillon wurde zwar in keine Kampfhandlungen verwickelt, marschierte jedoch gemäß Marschbefehl vom 19.07. am 20.07.1866 zur Mainarmee nach Zwickau, wo es am 24.07. eintraf. Dann marschierte es weiter im Brigadeverband über Bayreuth in die Gegend von Nürnberg nach Oberfranken und versah hier seinen Dienst als Besatzungstruppe.

 

Rangliste und Stellenbesetzung des IV. Bataillons des Ersten Garderegiments zu Fuß 11.07.1866

 

Quelle: Kessel, Gustav von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1857-1871, Berlin 1881, Ernst Siegfried Mittler und Sohn

 

Kommandeur: Hauptmann Arthur Louis Ernst von Gayl.

Adjutant: Secondelieutenant Friedrich Karl Paul Leo Freiherr von Tschammer-Osten.

 

1. Kompagnie.

Hauptmann von Restorff vom 1. Garde-Landwehr-Regiment.

Secondelieutenant Adolph Hermann Heinrich Lucius von Rhade.

Secondelieutenant Senglier vom 9. Landwehr-Regiment.

 

2. Kompagnie.

Secondelieutenant von Gayl.

Secondelieutenant Alfred Friedrich Wilhelm Sigismund von Lieres- und Wilkau.

 

3. Kompagnie.

Premierlieutenant Matton vom 34. Landwehr-Regiment.

Secondelieutenant Boutin vom 31. Landwehr-Regiment.

 

4. Kompagnie.

Premierlieutenant Hermann Albert Carl Ludwig von Werder.

Secondelieutenant Brausewetter vom 1. Landwehr-Regiment.

Secondelieutenant Richard Friedrich Adalbert Graf von Pfeil.


Am 12.06.1866 ging der Befehl zum Ausmarsch für den 14.06.1866 ein. An diesem Tag trat das Regiment um 03:00Uhr morgens im Lustgarten an, um von dort abzumarschieren. Die Angehörigen der Soldaten und vor allem der Offiziere waren in großer Zahl ebenfalls auf dem Platz und auch die Bürgerschaft Potsdams nutzte die Gelegenheit zum Abschied. Um 03:30Uhr kam der König aus dem Schloss, um sich persönlich von seinem Regiment mit der Zusicherung zu verabschieden, dass er bald selbst wieder bei diesem sein werde.

 

Die Kampfhandlungen begannen mit der Besetzung Holsteins durch preußische Truppen am 12.06.1866, am 14.06. veranlaßte daraufhin der Bundestag die Mobilisierung aller Bundestruppen, mit Ausnahme Preußens natürlich. Dieses erklärte daraufhin Hannover, Sachsen und Kurhessen den Krieg. Letztere Staaten wurden am 16.06.1866 besetzt. Die sächsische Armee zog sich nach Böhmen zurück und vereinigte sich dort mit der österreichischen.

 

Die Kämpfe um Kurhessen zogen sich dagegen etwas hin und am 27.06.1866 bei Langensalza wurde sogar eine Schlacht von den Preußen verloren. Am 29.06.1866 mußte Kurhessen schließlich doch die Waffen strecken. Die restlichen meist bayrischen Truppen in Westdeutschland kämpften nun ohne Zusammenhang und wurden von der preußischen Mainarmee nach und nach geschlagen. Die Hauptschlacht des Krieges fand am 03.07.1866 bei Königgrätz auf dem östlichen Kriegsschauplatz in Böhmen statt. 

 

Das Erste Garderegiment zu Fuß unter Oberst von Roeder bildete mit dem 3. Garderegiment zu Fuß, dem Schwesterregiment, die 1. Gardeinfanteriebrigade unter Oberst von Kessel und war Teil der 1. Gardedivision unter Freiherr Hiller von Gärtringen (1809-1866[2]). Diese war mit dem gesamten Gardekorps unter Prinz August Friedrich Eberhard Prinz von Württemberg (1813-1885) der 2. Armee von Kronprinz Friedrich Wilhelm (1831-1888) zugeteilt worden. Die 2.Armee des Kronprinzen rückte nun von Schlesien aus nach Böhmen ein.

 

Die Vielzahl von Zu- und Abkommandierungen von Offizieren hatte dazu geführt, dass nur sechs der zwölf Kompagnien des Regiments von Hauptleuten geführt wurden. Die übrigen unterstanden dem Kommando von Premierlieutenants. Da Beförderungen damals wesentlich langsamer aufeinanderfolgten, darf man sich aber auch diese Offiziere als langgediente und erfahrene Soldaten mit entsprechendem Lebensalter vorstellen. Drei Kompanien verfügten auch nur über zwei Kompagnieoffiziere, während die übrigen immerhin für jeden der drei Züge einen Offizier oder Portepeefähnrich als Führer besaßen.

So gegliedert kam das Regiment am 14.06.1866 morgens in Schlesien an, wo es von der Bevölkerung begeistert begrüßt und sehr gastfreundlich aufgenommen wurde. Die Truppen hatten in der damaligen Zeit keine Zelte und wurden an den jeweiligen Etappenzielen ihrer Märsche in Bürgerquartieren untergebracht. Dazu war stets ein Vorauskommando vor den Regimentern, das in den dazu befohlenen Ortschaften die Quartiere für alle Soldaten festlegte. Kam die Truppe nachmittags oder abends an der Ortschaft an, wurde sie von den Quartiermachern eingewiesen. Zusätzlich standen gewöhnlich mit Kreide die Anzahl der Soldaten und von welcher Einheit oder die Namen der Offiziere an den Haustüren. Die Quartierwirte konnten außerdem angewiesen werden, die Truppe zu verpflegen, wofür sie, wie für die Unterkunft, eine finanzielle Entschädigung erhielten. Nur im Feindesland oder in Notfällen ließ man die Truppe biwakieren, da die Soldaten dann unter freiem Himmel schlafen mussten und den Unbilden der Witterung weitgehend schutzlos ausgeliefert waren, was den Krankenstand leicht in die Höhe schnellen und die Kampfkraft absinken ließ. Das notwendige Geschirr, um bei einem solchen Biwak Verpflegung zubereiten zu können, wurde allerdings von der Truppe mitgeführt.

Übersichtskarte des böhmischen Kriegsschauplatzes im Juni / Juli 1866. Craig: Königgrätz, 1866.

 

Das I. Bataillon musste bereits am 15.06.1866 weitermarschieren, während das II. und das Füsilierbataillon noch einen Ruhetag hatten. Der Marsch ging über Mollwitz, was von den Soldaten wegen des Siegs, den preußische Truppen am 10.04.1741 dort über Österreicher errungen hatten, als gutes Omen betrachtet wurde. In mehreren Tagen wurde bis in die Gegend von Brieg marschiert, um das sich das Regiment in verschiedenen Dörfern versammelte und wo es noch einige Übungen veranstaltete. Das Wetter war heiß und drückend und machte den Soldaten zu schaffen, die sich, nachdem sie das Flachland verlassen hatten, auch erst an die bergige Landschaft gewöhnen mussten. Da Schlesien seit über hundert Jahren preußische Provinz war, war die Aufnahme überall sehr freundlich. Ehemalige Grenadiere des Regiments kamen meilenweit herbei um ihre Offiziere von früher wiederzusehen und ihre „Nachfolger“ anzuspornen. Einer brachte sogar seinen Sohn zum Regimentskommandeur mit der Bitte, ihn noch für den laufenden Feldzug einzustellen, was ihm allerdings abgeschlagen wurde. Täglich wurde die Ausrüstung appelliert. Dabei konzentrierte man sich auf Gewehre, Patronentaschen und Schuhzeug. Insbesondere dem Schuhzeug hatte man vor dem Ausmarsch besondere Aufmerksamkeit zuteil werden lassen und es so weit in Stand gesetzt, dass für jeden Soldaten zwei Paar vorhanden waren. Die Maxime der äußerst sparsamen Kompaniewirtschaft der preußischen Armee war aber Reparatur vor Neubeschaffung, demzufolge sich unter den Schuhen oft ziemlich verbrauchte fanden. Die Stimmung wurde nochmals allgemein gehoben als ein Brief des pensionierten und als besondere Auszeichnung dem Regiment à la suite gestellten Generals der Infanterie von Grabow eintraf. Dieser versprach dem Unteroffizier oder Gemeinen, der dem Feind die erste Trophäe abnehme, eine Belohnung von 100 Talern. Mit Trophäe war in diesem Zusammenhang eine Fahne, Kesselpauke, Kanone oder sonstiges besonderes militärisches Gerät gemeint. Sollte derjenige dabei so verwundet werden, dass er invalide wäre, würde er auf Lebenszeit des Generals zusätzlich einen monatlichen Zuschuss von drei Talern erhalten

 

No 1: Marschkarte für den Feldzug 1866. Regimentsgeschichte.

 

Nach dem allgemeinen Schlachtplan des Generalstabschefs Helmuth Graf von Moltke „Getrennt marschieren - vereint schlagen!“ wurden am 22.06.1866 die Elbarmee über Münchengrätz von Nordwesten, die 1. Armee unter Prinz Friedrich Karl von Preußen (1828-1885) über Reichenberg von Norden und die 2. Armee, aufgeteilt in die Korps I. (Bonin), Garde (v. Württemberg) und V. (Steinmetz), über Soor von Nordosten allgemein auf Gitschin angesetzt. Die Elbarmee zählte 46.000 Mann und 156 Geschütze, die 1. Armee verfügte über 93.000 Mann und 300 Geschütze, die 2. Armee schließlich bestand aus 113.000 Mann und 352 Geschützen. Ihnen gegenüber standen 219.000 Mann der österreichischen Nordarmee und 24.000 Sachsen. Oberkommandierender war der österreichische General Ludwig von Benedek (1804-1881), der „Held von Solferino“.

 

Am 22.06.1866 kam der Befehl zum Beginn der Angriffsbewegungen gegen die böhmische Grenze. Das Gardekorps erhielt den Auftrag, gegen Braunau vorzugehen. Die große Hitze und die ungewohnten Steigungen verursachten viele Fußkranke und sogar Fälle von Ohnmachten. Am 24.06.1866 wurde noch einmal ein Ruhetag eingelegt, an dem die Truppeneinteilung für den nunmehr unmittelbar bevorstehenden Feldzug befohlen wurde. Das Füsilierbataillon wurde zur Avantgarde der Division abgestellt, deren Führung der Regimentskommandeur, Oberst von Kessel, übernahm. Die Führung des Regiments wurde auf einen Stellvertreter übertragen. Leider ist unklar auf wen. Ab diesem Zeitpunkt kämpften also die Grenadierbataillone und das Füsilierbataillon getrennt voneinander. Erst nach der Schlacht von Königgrätz vereinte sich das Regiment wieder.

 

Nachdem bislang alles in mustergültiger Ordnung abgelaufen war, begann der eigentliche Feldzug chaotisch. Am Abend des 24.06.1866 kam vom Regiment der Befehl, Helme, Seitengewehre und Drillichjacken zurückzulassen. Die Kompanien, jeweils 300 Mann stark, traten dazu getrennt voneinander an und verluden diese Ausrüstungsstücke möglichst sorgfältig auf Wagen, nachdem sie verpackt waren. Sie sollten danach mit diesen Wagen zurück nach Potsdam gehen. Das Einsammeln und Verladen war gerade beendet, als um ein Uhr morgens der Gegenbefehl gemeinsam mit dem Befehl, um 2:00 Uhr abzumarschieren, die Kompanien erreichte. Zu allem Überfluss setzte zu diesem Zeitpunkt Regen ein. Es gelang zwar, den Termin einzuhalten und die Ausrüstung mit Ausnahme der Drillichjacken, die tatsächlich zurückgehen sollten, wieder auszugeben, aber bei Regen und in tiefster Nacht ohne Beleuchtung konnten natürlich nicht jeweils 300 Helme richtig verpasst werden. Punkt zwei Uhr traten die Bataillone den Marsch über inzwischen morastige Wege an. Die vorangegangene Unruhe rächte sich, unterwegs wurde viel verloren, unter anderem auch Bajonette.

 

Am 25.06.1866 morgens klarte das Wetter auf, und bei einem Halt wurde der Befehl gegeben, die Gewehre mit scharfer Munition zu laden, was auf alle einen tiefen Eindruck machte. Am 26.06.1866 gegen Mittag wurde bei Ottendorf mit klingendem Spiel die Grenze überschritten. Das Grenzdorf war menschenleer. Es wurde Halt gemacht, und da es schon wieder sehr heiß war, wurden die Mannschaften in die Häuser geschickt, um nach Lebensmitteln und Getränken zu suchen. Man befand sich im Feindesland. Zum Schutze ihres Eigentums kamen nun doch noch einige Frauen des Dorfes aus dem nahe gelegenen Wald und verkauften Milch und Brot an die Truppe. An diesem Tage wurde noch bis nach Dittersbach hinter Braunau weiter marschiert und dort Quartier bezogen. In Dittersbach sahen die Soldaten erstmals den Feind in Gestalt einiger österreichischer Dragoner, die bei einem Patrouillengefecht von den 3. Garde-Ulanen gefangen genommen worden waren. Die Gefangenen wurden dort zur Bewachung an das Regiment abgegeben und waren Gegenstand lebhaftesten Interesses. Das II. Bataillon sollte in dem Dorf das Eintreffen der noch zurückhängenden Artillerie abwarten, um diese zu decken. Das I. Bataillon wurde ohne seine 4. Kompanie, die zu ihrem großen Leidwesen die Bagage decken sollte, nach Eipel in Marsch gesetzt. Wegen der zuvor eingetretenen Marschausfälle wurde die Bagage allerdings um die Tornister der Soldaten vermehrt, die damit zwar etwas Komfort bei der Rast einbüssten, für die anstrengenden Märsche allerdings wesentlich entlastet wurden. Das I. Bataillon erreichte Eipel und wurde von dort unmittelbar als Vorposten eingesetzt und am nächsten Morgen weiter in Richtung Trautenau vorgeschoben. Dort hatte an diesem Tage, dem 27.06.1866, eine Schlacht zwischen dem I. Armeekorps und den Österreichern stattgefunden, die die Preußen verloren hatten.

 

Am 27.06.1866 kam es bei Nachód und Trautenau zu ersten Gefechten, bei denen sich schnell die überlegene Feuerkraft des preußischen Dreyse-Zündnadelgewehres zeigte und die Österreicher schwere Verluste hinnehmen mußten, auch wenn sie die Gefechte für sich entscheiden konnten.

 

Das Bataillon stand nun mit der Masse seiner drei Kompanien direkt an der Aupa. Am 27.06.1866 nachmittags traf auch die Artillerie in Braunau ein, wo das II. Bataillon auf sie gewartet hatte. Spät am Abend kam auch für diese Teile der Befehl zum weiteren Vormarsch, von dem aber auch hier eine Kompanie ausgenommen war. Die 7. Kompanie erhielt den Auftrag, als Etappenbesatzung in Braunau zu bleiben und dort ein Lazarett einzurichten und einen Fuhrpark für die Intendantur aufzustellen. Die restlichen drei Kompanien verließen Braunau mit der Artillerie Richtung Eipel um Mitternacht und marschierten bis Tagesanbruch des 28.06.1866, als von rechts und links Kanonendonner zu hören war. Da sich die Marschkolonne in einem engen Tal bewegte, war es nicht möglich, die Richtung des Gefechtslärms sicher festzustellen. Es handelte sich tatsächlich um den Lärm zweier verschiedener Schlachten, die gerade in der Nähe, in Skalitz und Burkersdorf stattfanden. Um 17:00Uhr wurde Eipel erreicht. Das Bataillon, das bislang noch nicht im Feuer gestanden hatte, traf hier auf die ersten Verwundeten.

 

„In Eipel standen Wagen neben mit Verwundeten, so daß das Bataillon theilweise einzeln zwischen denselben durchkriechen mußte. …. Auch Leute vom Regiment waren auf den Wagen und mehrere der verwundeten Offiziere konnten während des vielfach aufgehaltenen Marsches aufgesucht werden.“ (aus der Regimentsgeschichte)

 

Der Marsch wurde von dort durch unwegsame Hohlwege noch bis 22:30Uhr fortgeführt, bis man Raatsch bei Trautenau erreichte, wo biwakiert wurde. Während dieser Zeit war das Füsilierbataillon mit der Avantgarde schon deutlich voraus und hatte Raatsch bereits erreicht. Die Avantgarde sollte zwar noch in der Schlacht bei Trautenau eingesetzt werden, was der dort kommandierende General von Bonin in der irrigen Annahme, das Gefecht bereits gewonnen zu haben, jedoch ablehnte.

 

Am 28.06.1866 folgten die Gefechte bei Skalitz, Burkersdorf und Soor. Bei Burkersdorf kam endlich auch die 1. Gardedivision mit dem Erste Garderegiment zu Fuß zum Einsatz, welche dem Gegner ebenfalls schwere Verluste zufügte.

 

Am Morgen des 28.06.1866 marschierte das I. Bataillon im Gros hinter der Avantgarde nach Burkersdorf, während das II. Bataillon nachgeführt wurde. Die Avantgarde hatte Befehl bekommen, das Korps des österreichischen Generals Gablenz, das am Tage zuvor bei Trautenau siegreich gewesen war, der Division voraus in der linken Flanke anzugreifen. Dazu trat das Füsilierbataillon im zweiten Treffen hinter einem Bataillon des 3. Garde-Regiments zu Fuß, bereits mit vier Kompanien nebeneinander entwickelt aus Ober-Raatsch nach Westen Richtung Burkersdorf heraus. Nach Durchschreiten eines Bachgrundes stiegen die Kompanien in die verwinkelt angelegte Ortschaft Staudenz, die quer zur Stoßrichtung etwa 1500 Meter vor Burkersdorf liegt. Als sie wieder aus der Ortschaft heraustraten und weiter Richtung Burkersdorf vorgingen, erhielten sie sofort Artilleriefeuer. Das Feuer forderte zwar keine Opfer, scheuchte aber mehrere Bienenvölker auf, die sich über die 10. und 12. Kompanie hermachten. Die völlig ungeregelten Ausweichbewegungen ließen die beiden Kompanien nach Norden abkommen. Das Gelände zwischen Staudenz und Burkersdorf ist sehr hügelig und war von mehreren kleinen Waldstücken und kleineren Bachgründen durchzogen, die es insgesamt sehr unübersichtlich machten. Dadurch bemerkten die abgekommenen Einheiten ihren Irrtum erst als sie schon etwa einen Kilometer nördlich von Staudenz angelangt waren. Die übrigen Kompanien, die weiter Richtung Burkersdorf vorgingen, versuchten das Artilleriefeuer zu unterlaufen. Dadurch gerieten sie sehr bald in gut gezieltes Feuer österreichischer Infanterie, die die Waldstücke besetzt hielt. In Staudenz war inzwischen preußische Artillerie aufgefahren, die das Vorgehen der Füsiliere unterstützte. In den Waldstücken kam es zu kurzem heftigen Kampf, bei dem es sogar zu Bajonettwunden kam. Die Preußen entschieden das Waldgefecht für sich und warfen die Österreicher aus dem Wald auf Burkersdorf zurück. Zum Angriff auf Burkersdorf reichten die Kräfte der Avantgarde jedoch nicht mehr. Es erwies sich aber als glücklicher Zufall, dass die 10. und 12. Kompanie vorher die Richtung verloren hatten und weit im Norden standen. Dadurch lief ein Umgehungsversuch der Österreicher, der die Garden in den Waldstücken flankierend und im Rücken fassen sollte, frontal in diese Flankierungsstellung. Nachdem einige Stunden später die Haupttruppen der Division mühsam aus Ober-Raatsch über Staudenz herangekommen waren, begann der Sturm auf Burkersdorf, das schnell genommen wurde. Das Füsilierbataillon hatte bei diesem Gefecht an Toten 10 Mann, an Verwundeten 49 Mann, davon sechs Offiziere zu beklagen. Sechs der Verwundeten, darunter ein Offizier, verstarben später an den Folgen ihrer Verwundung.

 

No 2: Karte des Gefechts um Burkersdorf am 28.06.1866. Regimentsgeschichte.

 

Am 29.06.1866 erreichte schließlich die 1. Armee unter Friedrich Karl Gitschin. Dort wurden in harten Gefechten die Österreicher und die sächsische Leibbrigade geworfen. Die Elbarmee fiel etwas zurück, sodaß nun die 1. Armee in vorderster Linie auf die österreichischen Hauptkräfte vor Königgrätz / Sadowa zumarschierte. Die Garde focht derweil einen kurzen aber heftigen Kampf in Königinhof am 29.06. aus, bei dem das Erste Garderegiment zu Fuß die Fahne des österreichischen Regiments Coronini eroberte.

 

Nachdem Burkersdorf durch die 1. Garde-Division genommen war, bezogen die Truppenteile rund um den Ort und bis nach Ober-Raatsch zugewiesene Biwakräume, in denen sie eine relativ ruhige Nacht verbrachten. Am folgenden Tage, dem 29.06.1866, wurde die inzwischen leicht verstärkte Avantgarde um 12:00 Uhr nach Süden gegen Königinhof in Marsch gesetzt. Der Marsch durch den dicht nördlich dieser Ortschaft gelegenen Königreichwald war wegen der enormen Hitze beschwerlich. Überall lagen in dem dichten Fichtenwalde österreichische Ausrüstungsstücke herum, zum Teil wurden ganze Gewehrpyramiden gesehen. Als die Avantgarde nach einigen Stunden wieder aus dem Wald heraustrat, war das von seinen Einwohnern völlig verlassene Königinhof zu sehen, und mehrere Kolonnen marschierender österreichischer Infanterie. Oberst von Kessel ließ sofort die Artillerie vorziehen und das Feuer eröffnen. Er setzte zwei Füsilierbataillone zum sofortigen Angriff auf die Ortschaft an. Eines sollte von Norden her vorstoßen, das Füsilierbataillon des Ersten Garderegiments zu Fuß sich links daneben setzen und von Osten angreifen. Die erste Widerstandslinie der Österreicher, die sich in hohen Roggenfeldern befand, wurde rasch auf den Ortsrand zurückgeworfen. Nachdem die österreichische Verteidigung einmal aufgebrochen war, drangen die Preußen schnell von allen Seiten in das Städtchen ein, wo sich ein lebhaftes Ortsgefecht entwickelte. Ein verwundetes Pferd sprengte im Ort eine österreichische Kolonne auseinander, sodass eine Art Gasse frei wurde. Darin erhob sich plötzlich die Fahne des Regiments Coronini. Als die preußischen Gardefüsiliere diese sahen, warfen sie sich in die Gasse und stürzten auf den Fahnenträger zu. Gardefüsilier Gottlieb Bochnia ergriff die Fahne. Der Österreicher wollte sie natürlich nicht los lassen und nach kurzem Gezerre wurde der Fahnenträger erschossen. Der vierfach verwundete Bochnia hatte damit die erste Trophäe des Feldzugs gewonnen und erhielt die versprochene Belohnung von 100 Talern von General von Grabow. Dem Gefecht bei Königinhof fielen aus den Reihen des Ersten Garderegiments zu Fuß zwei Soldaten, die auf dem Schlachtfelde blieben, und 13 Verwundete zum Opfer. Offiziere waren diesmal nicht betroffen.

 

No 3: Karte des Gefechts bei Königinhof am 29.06.1866. Regimentsgeschichte.

 

Am 30.06.1866 kehrte etwas Ruhe ein. Beide Seiten holten noch mal Luft, bevor es zur Entscheidungsschlacht kommen sollte. Auf preußischer Seite war hoher Besuch bei den Truppen angekommen. Bei dem zahlreichen Gefolge des Königs, der eine kurze Ansprache hielt, befanden sich auch einige, die extra aus Berlin angereist waren, darunter auch Moltke und Bismarck. Auf österreichischer Seite entschloß sich nun auch Benedeck die Schlacht anzunehmen, allerdings erst nachdem er schon die Niederlage und die drohende Kapitulation an den Kaiser Franz Joseph I. (1830-1916) telegraphiert hatte und von diesem dann abgewiesen wurde mit den Worten „Einen Frieden zu schließen unmöglich. Ich befehle - wenn unausweichlich - den Rückzug anzutreten.“ Benedeck sammelte daraufhin alle Truppen im Halbkreis um Königgrätz. Am 01.07.1866 wurden diese Truppen schließlich von Reiterpatrouillen der 1. Armee entdeckt. So ergingen nun endlich die Befehle an die 1. Armee mittig (frontal) vorzurücken, an die Elbarmee rechts flankierend vorzurücken und an den Kronprinzen, der mit seiner 2. Armee noch bei Königinhof stand, so schnell als möglich vorzurücken und dem Gegner in die Flanke zu fallen. Am Morgen des 03.07.1866 entbrannte bei den Höhenzügen vor Chlum, die die Österreicher mit Infanterie und massierter Artillerie zu einer Festung ausgebaut hatten, die Schlacht.

 

No 4: Karte der Schlacht bei Königgrätz (Gefecht bei Chlum) am 03.07.1866. Regimentsgeschichte.

 

Um 07:30Uhr begann die 1. Armee mit dem Angriff, kam jedoch nicht recht voran, sondern mußte nach dem Übergang über die Bistritz bei Sadowa in den Hola- und den Swiepwald eindringen. Hinter diesen stand die Artillerie der Österreicher und überschüttete die Truppen Friedrich Karls mit mörderischem Feuer. Auch unter größten Anstrengungen ging es hier erst einmal nicht weiter. Überdies kam in den Wäldern das Zündnadelgewehr nicht so zum Zuge, die österreichischen Jäger konnten dagegen dem Gegner schwere Verluste zufügen. Der von der 7. Division gehaltene Swiepwald wurde sogar mehrfach von überlegenen österreichischen Kräften angegriffen. Die 7. Division unter Eduard Friedrich Karl von Fransecky (1807-1890) hielt jedoch unter starken Verlusten stand. So war im Zentrum gegen Mittag die Front nahezu unverändert gegenüber dem Morgen. Am äußersten rechten Flügel gelang es der Elbarmee das von den Sachsen verteidigte Nechanitz mit der dazu gehörenden Brücke zu erobern. Danach ging es auch hier nur noch langsam weiter, da die Brücke zunächst von den Pionieren instand gesetzt werden mußte. Die 2. Armee mit der 1. Gardedivision an der Spitze war inzwischen auf dem linken Flügel ebenfalls losmarschiert und erreichte gegen 11:00Uhr Choteborek. Nach einem Artillerieduell ging es bald zügig weiter Richtung Königgrätz. Auch der rechte Flügel kam nun wieder in Gang und so wurde nach einem erfolglosen sächsischen Gegenangriff um 15:00Uhr Problus erreicht. Hier war die Angriffskraft der Elbarmee erschöpft. Die 1. Gardedivision nahm gegen 13:00Uhr Horenowes und rückte weiter vor. Um 14:30 stieß dann die 1. Gardeinfanteriebrigade auf Chlum vor[3], welches vom I. Bataillon (Grenadiere) und dem Füsilierbataillon des Ersten Garderegiments zu Fuß genommen wurde. Verteidigt wurde es vom österreichischen 46. Regiment, welches sich gerade anschickte das Dorf zurück zu erobern, als mitten in den Angriff zurückflutende Reste des österreichischen 7. Husarenregiments platzten und so auch die Infanterie zum Rückzug zwang.

Schlacht b. Königgrätz,  3. Juli 1866, Erstürmung v. Chlum durch das 1. Garde-Regiment, Lithographie nach Prof. Richard Knötel, Archiv Seitenautor.

Benedek konnte die Meldungen, die Preußen seien in Chlum nicht glauben. Man hatte die 2. Armee nicht so schnell auf dem Schlachtfeld erwartet, da sie ja am Morgen noch sehr weit entfernt war. So ritt er also mit seinem Stab nach Chlum um sich selbst zu überzeugen und geriet mitten in einen Feuerüberfall der Garde, wobei es unter seinem Stab erhebliche Verluste gab. Benedeck fing sich jedoch recht schnell und befehligte persönlich nun den Gegenangriff seines 52. Regiments, der jedoch vom Ersten Garderegiment zu Fuß abgewiesen wurde. Die Angriffe wurden weiter geführt, sogar vom berühmten Regiment der Hoch- und Deutschmeister, die schließlich das 2. Garderegiment zu Fuß aus dem Nachbarort Rosberitz warfen und auch das Erste Garderegiment zu Fuß in Chlum derart stark bedrängten, daß auch hier hohe Verluste entstanden, so fielen z. B. bei der 4. Kompagnie sämtliche Offiziere. Den Rückzug aus den brennenden Dörfern auf die dahinter liegenden Höhen deckten 2 gerade vorgerückte Kompagnien des 3. Garderegiments zu Fuß unter denen sich auch ein gewisser Leutnant Paul Ludwig von Hindenburg (02.10.1847-02.08.1934) befand. Dieser berichtete:

"Der nun eintreffende Vormarschbefehl wurde mit Jubel begrüßt. ... Unter strömendem Regen, trotz kühler Witterung in Schweiß gebadet, wateten wir mühsam in langgezogenen Kolonnen auf grundlosen Wegen vorwärts. ... Der Kanonendonner wurde, nachdem wir aus dem Elbtal heraufgestiegen waren, immer deutlicher hörbar. Auch sahen wir gegen 11 Uhr einen höheren Stab zu Pferde auf einer Anhöhe neben unserem Wege halten, sorgsam durch die Ferngläser nach Süden spähend. Es war das Oberkommando der 2. Armee, an seiner Spitze unser Kronprinz, der spätere Kaiser Friedrich. ... Unsere Bewegung wurde zunächst noch querfeldein fortgesetzt, dann marschierten wir auf, und bald wurden uns die ersten Granaten von den Höhen seitwärts Horenowes entgegengeschickt. Die österreichische Artillerie bewahrheitete ihren guten, alten Ruf. Eines der ersten Geschosse verwundete meinen Kompagnieführer, ein anderes tötete dicht hinter mir meinen Flügelunteroffizier und bald schlug auch eine Granate mitten in unsere Kolonne ein und setzte 25 Mann außer Gefecht. ... Die Lage in Rosberitz war, als ich dort eintraf, eine ernste. Ungestüm vordrängende Züge und Kompagnien verschiedener Regimenter unserer Division waren daselbst auf sehr überlegene feindliche Kräfte geprallt. Hinter unsern schwachen Abteilungen befanden sich zunächst keine Verstärkungen. Die Masse der Division war von dem hochgelegenen Dorfe Chlum angezogen worden und stand dort in heftigem Kampf. Mein Halbbataillon, mit dem ich mich am Ostrande von Rosberitz glücklich wieder vereinigte, war daher die erste Hilfe. Wer mehr überrascht war, die Österreicher oder wir, vermag ich nicht zu beurteilen. Jedenfalls drängen die zusammengeballten feindlichen Massen von drei Seiten auf uns, um das Dorf wieder ganz in Besitz zu nehmen. So fürchterlich unser Zündnadelgewehr auch wirkt, über die stürzenden ersten Reihen kommen immer wieder neue auf uns zu. So entsteht in den Dorfgassen zwischen den brennenden, strohbedeckten Häusern ein mörderisches Handgemenge. Von Kampf in geordneten Verbänden ist keine Rede mehr. Jeder schießt und sticht um sich, soviel er kann.

Prinz Anton von Hohenzollern vom 1. Garderegiment bricht schwerverwundet zusammen. Dessen goldene Uhr wird mir überbracht, damit diese nicht etwa feindlichen Plünderern in die Hände fällt. Bald laufen wir Gefahr, abgeschnitten zu werden. Aus einer in unseren Rücken führenden Seitengasse tönen österreichische Hornsignale, hört man die dumpfer als die unsrigen klingenden Trommeln des Feindes. Wir müssen, auch in der Front hart bedrängt, zurück. Ein brennendes Strohdach, das auf die Straße herabstürzt und sie mit Flammen und dichtem Qualm absperrt, rettet uns. Wir entkommen unter diesem Schutz auf eine Höhe dicht nordöstlich des Dorfes. Weiter wollen wir in wilder Erbitterung nicht zurückgehen. Major Graf Waldersee vom 1. Garderegiment zu Fuß, der 1870 vor Paris als Kommandeur des Gardegrenadierregiments Königin Augusta fiel, läßt als ältester anwesender Offizier die bei uns befindlichen beiden Fahnen in die Erde stecken; um diese geschart werden die Verbände geordnet. Schon nahen auch von rückwärts Verstärkungen. Und so geht es denn bald wieder mit schlagenden Tambours vorwärts dem Feinde entgegen, der sich mit der Besitzergreifung des Dorfes begnügt hat. Auch dieses räumt er bald, um sich der allgemeinen Rückwärtsbewegung seines Heeres anzuschließen.

In Rosberitz fanden wir den Prinzen von Hohenzollern wieder, der aber nach kurzer Zeit im Lazarett zu Königinhof seinen Wunden erlag. ... Eigenartige Gefühle waren es, welche mich am Abend des 3. Juli bewegten. Nächst dem Dank gegen Gott den Herrn herrschte besonders das stolze Bewußtsein vor, an einem Werke mitgetan zu haben, das ein neues Ruhmesblatt in der Geschichte des preußischen Heeres und des preußischen Vaterlandes geworden war. Übersahen wir auch noch nicht die volle Tragweite unseres Sieges: daß es sich um mehr als in den vorhergegangenen Gefechten gehandelt hatte, war uns doch schon klar. In Treue gedachte ich der gefallenen und verwundeten Kameraden. Mein Zug hatte die Hälfte seines Bestandes verloren, ein Beweis dafür, daß er seine Schuldigkeit getan hatte."

Prinz Anton von Hohenzollern im Kampfe um Rosberitz tödtlich verwundet, Gemälde von Prof. Richard Knötel, Regimentschronik.

 

Eine kleine Gruppe der 9. Kompagnie des Erste Garderegiments zu Fuß gelangte nicht mehr aus dem Dorf heraus. Unter ihnen befand sich auch der junge Prinz Anton von Hohenzollern. Im Nahkampf erhielt er einen Schuß ins Knie und wurde von zwei Füsilieren unter der Führung des Portepeefähnrichs von Woyrsch, fortgeschleppt. Dabei wurde er noch dreimal in die Beine getroffen und einer der Füsiliere fiel. Von Woyrsch beschloß daraufhin, das nächstgelegene Haus aufzusuchen. Im Haus angekommen schnitten der Fähnrich und der Gefreite Hohenthal die Stiefel und Hosen des Prinzen auf und verbanden die Wunden, so gut sie es konnten. Der Prinz schickte von Woyrsch dann heraus aus dem Haus, um einen Arzt zu suchen, jedoch war die kleine Gruppe schon von Österreichern umzingelt. Von Woyrsch gelang es zwar noch, in das Haus zurückzuspringen und die Tür zu verbarrikadieren, aber der Prinz untersagte jeden Widerstand. Mit dem Bajonett im Anschlag drangen dann die Österreicher in das Haus, entwaffneten von Woyrsch und Hohenlohe und schleppten diese am Kragen aus dem Haus. Den Schwerverwundeten erkannten sie aber nicht als Prinzen und die beiden Soldaten hüteten sich, dessen Namen zu nennen. Die Bitte des Prinzen, doch einen der Soldaten bei ihm zu lassen, wurde natürlich zurückgewiesen. So ließ man ihn denn allein im Haus liegen, wo er wenig später, als das Dorf zurückerobert wurde, gefunden wurde. Der Prinz wurde am 04.07.1866 nach Königinhof zurückgeschleppt und verstarb dort nach schwerem Leiden am 05.08.1866 um 23:00 Uhr. Von Woyrsch kam nach Königgrätz in Kriegsgefangenschaft und stieß nach dem Friedensschluß zum Regiment zurück.

 

Endlich trafen um 16:30Uhr Verstärkungen des I. Korps bei der bedrängten Gardedivision ein und die letzten Angriffe der Österreicher konnten nun abgewiesen werden. Der Divisionskommandeur Hiller von Gärtringen fiel in dem Augenblick, als diese Verstärkungen eintrafen.

 

Das Erste Garderegiment zu Fuß bei Chlum 1866, der Sturm auf die Batterie der Toten, Gemälde von Carl Röchling (1855-1920) und Vaclav Sochor (1855-1935), Archiv Seitenautor.

 

Auch im Zentrum konnte endlich der Swiep- und Holawald verlassen werden, die 1. Armee war wieder auf dem Vormarsch. Nun kam es hier zu einem großen Kavallerieduell zwischen preußischen Dragonern, Husaren und Ulanen und österreichischen Kürassieren und Ulanen, das die Österreicher wohl gewonnen hätten, wenn sie nicht in das gegnerische Infanteriefeuer geraten wären. So zogen sich hier wie auch bei Chlum die Österreicher kämpfend zurück und hielten dadurch den Fluchtweg für die gesamte Armee Richtung Elbe und Königgrätz bis 21:00 offen. Die Österreicher und Sachsen verloren an diesem Tage 1.368 Offiziere, 42.945 Mann wogegen die Preußen nur 359 Offiziere und 8.794 Mann verloren. Das Gardekorps verlor 54 Offiziere und 1284 Mann.

 

Zwar folgten noch einige Gefechte, doch der Krieg war entschieden und so wurde nach langen Verhandlungen am 26.07.1866 Frieden geschlossen. Preußen war nun in Deutschland und dem neu gegründeten Norddeutschen Bund eindeutig vorherrschend. Preußen war dadurch jedoch auch in erbitterte Gegnerschaft zum Frankreich Napoleons III. (1808-1873) geraten, der sich vom allgemein erwarteten Sieg Österreichs Gebietszuwächse im Rheinland erhoffte und sich nun bitter enttäuscht sah.

 

Der 03.07.1866, der Tag der Schlacht von Königgrätz, oder Sadowa, wie sie die Österreicher und Franzosen nannten, mit dem Sturm auf Chlum wurde zum dritten Gedenktag des Regimentes.

 

Am 02.08.1866 verlegte das IV. Bataillon des Ersten Garderegiments zu Fuß in Kantonnements um Bayreuth, am 10.08.1866 dann nach Fürth und am 29. schließlich wurde der Rückmarsch, mit der Bahn bis Ober-Kotzau, dann im Fußmarsch angetreten. Am 08.09.1866 wurden die Landwehrleute zweiten Aufgebots nach Potsdam befördert, am 13.09.1866 der Rest des Bataillons. Sogleich wurden alle Landwehrleute entlassen und der Rest des IV. Bataillons mit dem Ersatz-Bataillon verschmolzen und somit aufgelöst.

 

Am 18.09.1866 wurden "..alle Offiziere und Mannschaften, welche dem mobilen Regiment angehört hatten, so weit ihr Zustand es erlaubte, dem Regiment entgegen gesandt, um sie Theil nehmen zu lassen am Einzuge in Berlin." (aus der Regimentsgeschichte)

 

Am 20.09.1866 zog das Erste Garderegiment zu Fuß an der Spitze der siegreichen Truppen in Berlin durch das Brandenburger Tor ein. Am 23.09.1866 erfolgte über die Glienicker Brücke der feierliche Einzug nach Potsdam. Am 24.09.1866 fand ein Dankesgottesdienst im Lustgarten statt. Mit der Meldung der vollständigen Demobilisierung am 02.10.1866 war der Feldzug von 1866 für das Erste Garderegiment zu Fuß beendet.

 

Am 01.01.1867 erfolgte die Verleihung der Fahnenbänder mit Schwertern des Erinnerungs-Kreuzes für den Feldzug 1866 an die Fahnen der 3 Bataillone des Ersten Garderegimentes zu Fuß.

 

Am 16.03.1867 wurde der Kragen am Waffenrock niedriger (4,75cm) und ringsherum rot. Teile des Ersten Garderegiment zu Fuß trugen den Kragen probeweise vorn schräg nach oben ausgeschnitten. Dieser Kragen wurde jedoch nicht eingeführt und so bekam nach Order vom 11.04.1868 das ganze Regiment den geschlossenen Kragen, den auch die übrige Armee trug. Nur war er hier wie gehabt eckig und natürlich mit Litzen besetzt. Infolge des niedrigeren Kragens trugen die Gardeunteroffiziere nach A.K.O. vom 30.04.1868 nur noch eine Litze am Kragen. Diese jedoch breiter, als bei den übrigen Mannschaften. Der Sergeantenknopf saß nun auf dem hinteren Litzen-Ende, der „Kapelle“.

 

Anstelle der bisherigen „1“ trugen die Mannschaften der Leibkompagnie des Ersten Garderegimentes zu Fuß[4] ein gotisches „L“ auf den Achselstückknöpfen. Eine Order mit genauer Zeitangabe hierfür ist nicht mehr erhalten. Diese Auszeichnung muß jedoch zwischen 1868 und 1871 befohlen worden sein, da sie im Reglement von 1868 noch nicht erwähnt wird, wohl aber im Instruktionsbuch von Louis Schneider von 1871.

 

Am 27.01.1869 wurde Wilhelm, Prinz von Preußen der Tradition gemäß an seinem 10. Geburtstag als Secondelieutenant in das Erste Garderegiment zu Fuß eingestellt. Der greise König Wilhelm von Preußen hielt vor dem versammelten Regiment eine Rede an seinen Enkel.

 

"Du weißt, wie alle Könige Preußens neben ihren anderen Regentenpflichten stets ihr Hauptaugenmerk auf das Heer gereichtet haben. Schon der große Kurfürst hat durch persönlichen Heldenmut seinen Scharen ein unübertroffenes Beispiel gegeben. Friedrich I. wußte sehr wohl, daß, als er sich die Krone auf das Haupt setzte, er diesen Schritt zu verteidigen genötigt sein könne, er wußte aber auch, daß seine schon erprobten Truppen ihm dies ermöglichen würden. Friedrich Wilhelm I. hat in der Garnison, die Du nun beziehst und die man gern die wiege der preußischen Armee nennt, den festen Grund zu ihrer Organisation durch die strenge Disciplin gelegt, welche er Offizieren und Soldaten einprägte, ohne welche keine Armee bestehen kann - dieser sein Geist lebt noch heute i ihr fort. Friedrich der Große übernahm mit seinem angeborenen Feldherrntalent diese festgegliederten Truppen als Kern seiner Armee, mit der er die Schlachten schlug, die ihn unsterblich machten. Friedrich Wilhelm II. mußte zuerst einer veränderten Kriegsart begegnen, welcher gegenüber das Heer doch nicht ohne Lorbeeren aus dem Kampf hervorging. Mein königlicher Vater begegnete dem gleichen Feind, und ein schweres Geschick traf Vaterland und Heer; aber das Alte, Unhaltbare beseitigend reorganisierte er die Armee und gründete sie auf Vaterlandsliebe und Ehrgefühl. So erreichte er mit ihr Erfolge, welche auf ewige Zeiten in den Annalen der preußischen Geschichte verzeichnet stehen. Mein schwergeprüfter Bruder, König Friedrich Wilhelm IV., sah mit Genugthuung auf seine Armee, die in schmerzlichen Tagen stets zu ihm stand, die er zeitgemäß fortbildete, und die nun Lorbeeren pflücken konnte.

 

So fand ich Heer. Wenn es je eine Regierung gegeben hat, deren Geschicke durch die Vorsehung gnädig gelenkt wurden, so ist es die der letzten Jahre, und wieder ist es die Armee, die durch ihren unerschütterlichen Mut und ihre Ausdauer Preußen auf die Höhe gestellt hat, auf der es nun steht.... Deine Jugend ist in diese Zeit gefallen und Du hast in Deinem Vater ein ehrendes Vorbild der Kriegs- und Schlachtenleitung. Es werden Dir in den Dienstverhältnissen, in welche Du jetzt eintrittst, manche dem Anschein nach unbedeutende Dinge entgegentreten, die Dir vielleicht auffallen könnten, aber Du mußt auch lernen, daß im Dienst nichts klein ist, und daß jeder Stein, der zum Aufbau der Armee gehört, richtig geformt sein muß, wenn der Bau gelingen und fest sein soll. Nun gehe hin und thue Deine Schuldigkeit!" (Vogt, Herrmann: Das Buch vom Deutschen Heere)

 

Dieses Schlußwort wurde stets den preußischen Prinzen beim Eintritt in das Erste Garderegiment zu Fuß mitgegeben.

 

Das gesamte Garde-Korps wurde ab 1869 mit dem nach Beck abgeänderten Dreyse-Zündnadelgewehr Modell 1862 ausgerüstet. Die Abänderung bestand in einer besseren Gasabdichtung mittels eines Gummiringes und einem zusätzlichen Hohlzylinder im Verschluß. Damit sollten die Nachteile gegenüber dem neueren französischen Chassepot-Gewehr Modell 1866 wenigstens abgemildert werden. Um eine einheitliche Munitionsausstattung der gesamten Armee zu erreichen, mußten diese Waffen jedoch bei Kriegsausbruch 1870 wieder abgegeben werden. So zog das Gardecorps, wie auch der Rest der preußischen Armee und der überwiegende Teil der anderen Kontingente mit fast 30 Jahre alten Dreyse-Systemen in den Krieg gegen Frankreich.

 

Deutsch-Französischer Krieg 1870/71

 

Um von innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken forcierte Napoléon III. nach 1866 stark die Außenpolitik. Bei dieser stand er stets dem nun stärkstem Staat in Deutschland feindlich gegenüber: Preußen. Über die Thronfolgerfrage in Spanien kam es zum offenen Streit, den Bismarck geschickt mit der berühmten „Emser Depesche“ so forcierte, daß Napoleon allein um sein Gesicht zu wahren Preußen den Krieg erklären mußte. Bereits 1868 hatten spanische Militärs die spanische Königin Isabella II. abgesetzt. Seitdem suchten die Spanier in den europäischen Fürstenhäusern nach einem Anwärter, den das Parlament zum König wählen könnte. Ein vielversprechender Kandidat war Prinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, Spross einer süddeutschen Nebenlinie der Hohenzollern. Er war gemäßigt katholisch, wenig ehrgeizig und entfernt mit Napoléon III. verwandt. Der Prinz selbst hatte wenig Ambitionen auf den spanischen Thron, lehnte ihn im April 1870 auch ein erstes Mal ab, ließ sich aber 1870 von Bismarck überreden, die Kandidatur doch anzunehmen. Auch der preußische König Wilhelm I. gab, wenn auch widerstrebend, seine Zustimmung. Sowohl Bismarck als auch Napoléon III. spielten mit der Kandidatur, um die jeweils andere Seite zu provozieren und ihr eine diplomatische Niederlage beizubringen. Napoléon III. war mehr als jeder andere Monarch in Europa von der Unterstützung des Volks abhängig, und es galt gleichzeitig, gravierende innenpolitische Mängel zu überdecken. Deshalb suchte Napoleon III. sein Heil in der Außenpolitik, von der er sich Erfolge erhoffte, um seine Popularität weiterhin zu sichern.

Bismarck wiederum war bestrebt, den französischen Einfluss auf Süddeutschland zu verringern, um zugleich die Stellung Preußens in Deutschland und in Europa zu stärken. Beide Seiten wussten, dass sie mit der Kriegsgefahr spielten. Als die Kandidatur offiziell bekannt wurde, reagierte Frankreich empört über das angebliche Ansinnen, Frankreich mit Hohenzollernkönigen in Preußen und in Spanien einzukreisen. Der französische Außenminister Herzog von Gramont hielt eine leidenschaftliche Rede im Parlament, die eine kaum verhüllte Kriegsdrohung enthielt.
Gedenkstein, der an die Emser Depesche in Bad Ems erinnert

Der preußische König Wilhelm I. und Prinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen zogen daraufhin, zur Enttäuschung vieler Deutscher, die Kandidatur zurück. Anstatt sich mit diesem diplomatischen Sieg zu begnügen, verlangte Gramont von König Wilhelm zusätzlich eine Entschuldigung und das Versprechen, nie wieder einer hohenzollernschen Thronkandidatur in Spanien zuzustimmen. Die Forderungen wurden nicht nur über normale diplomatische Kanäle gestellt, sondern auf der Kurpromenade in Bad Ems auch direkt vom französischen Botschafter Vincent Graf Benedetti an Wilhelm selbst.

Der König reagierte auf die an ihn herangetragenen Forderungen höflich und reserviert, er habe noch keine neuen Nachrichten bekommen, weitere Audienzen seien unnötig; Heinrich Abeken sandte darüber Berichte nach Berlin an Otto von Bismarck, den preußischen Ministerpräsidenten und Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes. Dieser kürzte die telegrafische Nachricht seines Mitarbeiters über die Unterredung so, dass sowohl das Auftreten Benedettis als auch die Ablehnung des Königs schroffer aufgefasst werden konnten. Die Veröffentlichung dieser Emser Depesche am 13.07.1870 in der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung nahm der französischen Regierung die Möglichkeit, ihren diplomatischen Misserfolg vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Angesichts der ohnehin angespannten Lage kam Frankreich nicht umhin, die Vorgänge in Bad Ems als Provokation und Kriegsgrund aufzufassen.

Damit hatte Bismarck die französischen Drohungen, das ungeduldige Vorgehen Benedettis und die Empfindsamkeiten der Franzosen geschickt ausgenutzt, auch indem er den Gang in die Öffentlichkeit der Diplomatie vorzog. Am 19.07.1870, nachdem schon zuvor die Mobilisierung angelaufen war, beugte sich Napoléon III. dem Druck der Öffentlichkeit sowie nationaler Kreise und erklärte Preußen und dem Norddeutschen Bund den Krieg. Damit erfüllte die Depesche den von Bismarck beabsichtigten Zweck: Frankreich stand als Aggressor da, denn in den Augen der Weltöffentlichkeit war der Kriegsanlass nichtig, und Frankreich hatte sich durch überhöhte Forderungen unnötig in Zugzwang gebracht.

Bismarck hatte diese französische Antwort auf seine Veröffentlichung der geänderten Depesche dagegen richtig einkalkuliert, denn nur bei einem Angriff von außen konnte er die bestehenden militärischen Beistandsbündnisse der einzelnen süddeutschen Staaten einfordern und damit die Fortsetzung der Politik verhindern, die Frankreich jahrhundertelang zu seinem Vorteil geführt hatte, indem es die deutschen Staaten gegeneinander ausspielte.

 

Nach der französischen Kriegserklärung vom 19.07.1870 erfüllten die süddeutschen Staaten ihre Beistandsverträge von 1867 und unterstützten den Norddeutschen Bund im Krieg gegen Frankreich. Ein Bündnis Frankreichs mit Österreich-Ungarn, dem Verlierer des Deutschen Krieges von 1866, kam nicht mehr zustande, denn Kaiser Franz Joseph I. sah sich nach russischen Drohungen schließlich zur Neutralität gezwungen. Ebenso blieben Italien, mit dessen Parteinahme für Frankreich Napoléon III. gerechnet hatte, und auch England neutral.

 

Dies war für Napoléon besonders schmählich, da Frankreich im Sardinsichen Krieg von 1859 maßgeblich am Niederringen Österreichs und damit an der Einigung Italiens beteiligt war. Italien erwies sich hier, wie so oft im weiteren Verlauf der Geschichte, als ein undankbarer und schwankender Bündnispartner, den man besser schon zu Beginn des Krieges auf Seiten des Gegners beläßt.

 

Frankreich verfügte nur über etwa 200.000 Soldaten, während die deutschen Staaten rasch etwa 400.000 Mann unter dem Oberkommando Wilhelms und seines Generalstabschefs Helmuth Graf von Moltke mobilisieren konnten.

 

Als Mobilmachungstag des Preußischen Heeres und der Truppen der Staaten des Norddeutschen Bundes sowie den verbündeten süddeutschen Staaten befahl der König den 16.07.1870. Auch das Erste Garderegiment zu Fuß und dessen Offiziere wurden an diesem Tag in die aktiven und Ersatz-, Reserve- und  Landwehrtruppenteile eingeteilt.

 

Rangliste und Stellenbesetzung des Ersten Garderegiments zu Fuß bei Beginn der Mobilmachung 1870.

 

Quelle: Kessel, Gustav von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1857-1871, Berlin 1881, Ernst Siegfried Mittler und Sohn

 

Oberst Victor Friedrich Wilhelm Joseph Dietrich von Roeder, Regimentskommandeur.

Major Adolph Graf Finck von Finckenstein, Kommandeur des Füsilierbataillons.

Major August Julius Heinrich von Oppell, Kommandeur des I. Bataillons.

Major Albert Gustav Guido von Rauch I., Kommandeur des II. Bataillons.

 

Hauptmann Paul Graf von Waldersee III, im Regiment. Chef 4. Kompagnie.

Hauptmann Carl von Prittwitz und Gaffron, im Regiment. Chef 8. Kompagnie.

Hauptmann Friedrich Hermann Heinrich Ludwig von Roeder, im Regiment. Kommandeur Leibkompagnie.

Hauptmann Oskar Graf von Schlieffen II., im Garde-Landwehr-Bataillon Stettin. Im Regiment Chef 3. Kompagnie. Wird vertreten von Premierlieutenant Johann Rudolf Freiherr Hiller- von Gärtringen.

Hauptmann Heinrich Adalbert Graf zu Rantzau, im Garde-Landwehr-Bataillon Graudenz. Im Regiment Chef 12. Kompagnie. Wird vertreten von Premierlieutenant Anton Graf von Keller I.

Hauptmann Carl Alexander Friedrich August Graf Finck von Finckenstein, im Regiment. Chef 9. Kompagnie.

Hauptmann Hans Freiherr Geyr- von Schweppenburg, im Regiment. Chef 11. Kompagnie.

Hauptmann Heinrich Synold- von Schütz, im Regiment. Chef 5. Kompagnie.

Hauptmann Karl Heinrich Ludwig Vitelo von Griesheim, im Garde-Landwehr-Bataillon Graudenz. Im Regiment Chef 10. Kompagnie. Wird vertreten von Premierlieutenant Werner Graf von der Schulenburg.

Hauptmann Herrmann Friedrich Karl von Stülpnagel, 3. Generalstabsoffizier im Garde-Korps. Im Regiment Chef 2. Kompagnie. Wird vertreten von Premierlieutenant Hans Friedrich Karl von Tresckow.

Hauptmann Waldemar Wilhelm von Schack im Regiment. Chef 7. Kompagnie.

Hauptmann Otto Wilhelm Julius von Schleinitz, im Ersatz-Bataillon. Im Regiment Chef 6. Kompagnie. Wird vertreten von Premierlieutenant Hans Peter Demetrius von Arnim I.

 

Premierlieutenant Hans Peter Demetrius von Arnim I. Ad interim Führer 6. Kompagnie.

Premierlieutenant Eduard von Liebenau, Adjutant der 2. Garde-Infanterie-Division.

Premierlieutenant Alexander Friedrich Hermann Hugo von Strantz, Adjutant beim Gouvernement Mainz.

Premierlieutenant Hans Friedrich Karl von Tresckow, im Regiment. Ad interim Führer 2. Kompagnie.

Premierlieutenant Karl Gustav Ernst von Petersdorff, im Ersatz-Bataillon.

Premierlieutenant Anton Graf von Keller I. im Regiment. Ad interim Führer 12. Kompagnie.

Premierlieutenant August Georg Ferdinand von Bomsdorff, Adjutant der 37. Infanterie-Brigade.

Premierlieutenant Werner Graf von der Schulenburg, im Regiment. Ad interim Führer 10. Kompagnie.

Premierlieutenant Johann Rudolf Freiherr Hiller- von Gärtringen, im Regiment. Ad interim Führer 3. Kompagnie.

Premierlieutenant Ernst Ludwig Albrecht von Winterfeld, im Garde-Landwehr-Bataillon Graudenz.

Premierlieutenant Adam Carl Guido Florenz Otto Freiherr von Diepenbroick-Grüter, im Garde-Landwehr-Bataillon Stettin.

Premierlieutenant Friedrich August Philipp Alexander Louis Feiherr von Falkenhausen, Regiments-Adjutant.

 

Secondelieutenant Wolf Maximilian Wilhelm Christian Johannes von Schlegell, Ordonnanz-Offizier der 1. Garde-Infanterie-Division.

Secondelieutenant Gotthard Heinrich Leopold Alexander Friedrich August Freiherr von Loën, im Regiment. 3. Kompagnie.

Secondelieutenant Friedrich Eduard Benno von Brauchitsch, im Ersatz-Bataillon.

Secondelieutenant Egmont von Block, im Regiment. 11. Kompagnie.

Secondelieutenant Arthur Heinrich Friedrich Maximilian Wedig Boguslav von Bonin, im Regiment. 9. Kompagnie.

Secondelieutenant Alfred Friedrich Wilhelm Sigismund von Lieres- und Wilkau, im Ersatz-Bataillon.

Secondelieutenant Kurt von Alvensleben I., im Regiment. 12. Kompagnie.

Secondelieutenant Friedrich Karl Paul Leo Freiherr von Tschammer-Osten, im Regiment. 8. Kompagnie.

Secondelieutenant Alexander Eberhard Eustach Oskar Freiherr von Medem I., im Garde-Landwehr-Bataillon Graudenz.

Secondelieutenant Hans Peter Demetrius von Arnim II., im Regiment. 10. Kompagnie.

Secondelieutenant Wilhelm Otto Ludwig Arthur Brunsig- (Brunsich) Edler von Brun, im Regiment. 4. Kompagnie.

Secondelieutenant Alfred Gneomar Cäsar Graf von Wartensleben, Adjutant des Füsilierbataillons.

Secondelieutenant Adolph Ulrich Heinrich Kuno von Rantzau, im Regiment. Leibkompagnie.

Secondelieutenant Julius Clemens Wilhelm von der Schulenburg, im Ersatz-Bataillon.

Secondelieutenant Johann Friedrich Wilhelm August Bernhard Rudolph Graf zu Dohna, im Ersatz-Bataillon.

Secondelieutenant Richard Friedrich Adalbert Graf von Pfeil, Adjutant des I. Bataillons.

Secondelieutenant Gustav Emil Bernhard Bodo von Kessel, Ordonnanz-Offizier der 1. Garde-Infanterie-Brigade.

Secondelieutenant Friedrich August Bernhard Max von Arnim III., Adjutant des Ersatz-Bataillons.

Secondelieutenant Wilhelm Karl Eduard von Raven, im Adjutant Garde-Landwehr-Bataillon Stettin.

Secondelieutenant Ernst Karl von Brause, im Regiment. 5. Kompagnie.

Secondelieutenant Hermann Albert Carl Ludwig von Werder, im Regiment. 10. Kompagnie.

Secondelieutenant Max Friedrich Adolph von Krosigk I., im Garde-Landwehr-Bataillon Stettin.

Secondelieutenant Wolf Werner Erdmann von Selchow, im Garde-Landwehr-Bataillon Stettin.

Secondelieutenant Arthur Graf von Schlieffen, im Regiment. 7. Kompagnie.

Secondelieutenant Remus von Woyrsch, im Regiment. 6. Kompagnie.

Secondelieutenant Friedrich Adolph Kurt von Krosigk II., im Regiment. 12. Kompagnie.

Secondelieutenant Karl Albert von Raven II. im Regiment. 8. Kompagnie.

Secondelieutenant Job Edwin Hans Carl Freiherr von Manteuffel, im Regiment. 5. Kompagnie.

Secondelieutenant Oskar Hermann von der Marwitz, Ordonnanz-Offizier im Regiment.

Secondelieutenant Johann Heinrich Ernst Graf zu Rantzau, im Regiment. 6. Kompagnie.

Secondelieutenant Hugo von Hackewitz, im Regiment. 9. Kompagnie.

Secondelieutenant Friedrich Graf von Pückler, Adjutant des 2. Bataillons.

Secondelieutenant Heinrich Emil Ferdinand von Helldorff, im Regiment. 11. Kompagnie.

Secondelieutenant Maximilian Friedrich Georg von Gordon, im Regiment. 6. Kompagnie.

Secondelieutenant Alexander Carl Richard Graf von Kanitz, im Regiment. 3. Kompagnie.

Secondelieutenant Kurt Eberhard Leopold Freiherr von Medem II., im Regiment. 8. Kompagnie.

Secondelieutenant Paul Ludwig Gerhard Johannes von Hoepfner, im Ersatz-Bataillon.

Secondelieutenant Friedrich Bernhard Louis von Blankensee, im Garde-Landwehr-Bataillon Stettin.

Secondelieutenant Clemens Otto August von Bernuth, im Ersatz-Bataillon.

Secondelieutenant Georg Leopold von Kalckstein, Adjutant im Garde-Landwehr-Bataillon Graudenz.

Secondelieutenant Bernhard August Louis Friedrich von Brandis, im Regiment. . Kompagnie.

Secondelieutenant Ernst August Louis Friedrich von Luck, im Regiment. . Kompagnie.

Secondelieutenant Georg Ludwig Matthias von Köller, im Regiment. 4. Kompagnie.

Secondelieutenant Eberhard Carl Otto Heinrich Ferdinand von der Lancken, im Regiment. 2. Kompagnie.

Secondelieutenant Kurt Gustav August Freiherr von Maltzahn, im Regiment. 9. Kompagnie.

Secondelieutenant Werner Constantin von Alvensleben II., im Regiment, 12. Kompagnie.

Secondelieutenant Ferdinand Wilhelm Kurt von Lauer, im Regiment. Leibkompagnie.

Secondelieutenant Constantin Nikolaus August von Grimm, im Regiment. 3. Kompagnie.

 

Portepeefähnrich Hans Dietrich Georg Freiherr von Zedlitz-Neukirch, im Regiment. 5. Kompagnie.

Portepeefähnrich von Natzmer, im Regiment. 7. Kompagnie. Dieser von Natzmer ist nicht im Offiziersverzeichnis genannt, er scheint hierher versetzt worden zu sein.

Portepeefähnrich Franz Julius Leonhard Alfred von Löwenfeld, im Regiment. 9. Kompagnie.

 

Feldwebel Zierke, im Regiment. Leibkompagnie.

Feldwebel Ludwig, im Regiment. 2. Kompagnie.

Unteroffizier von Zitzewitz, Erkrankte am 15.08.1870 an Typhus, lag im Lazarett zu Saargemünd und wurde erst Ende Januar 1871 dem Regiment nachgeschickt. 3. Kompagnie.

Feldwebel Hänichen, im Regiment. 3. Kompagnie.

Feldwebel Beseler, im Regiment. 4. Kompagnie.

Feldwebel Marczal, im Regiment. 5. Kompagnie.

Feldwebel Wittenberg, im Regiment. 6. Kompagnie.

Feldwebel Fricke, im Regiment. 7. Kompagnie.

Feldwebel Hamann, im Regiment. 8. Kompagnie.

Feldwebel Hesse, im Regiment. 9. Kompagnie.

Feldwebel Schulzendorf, im Regiment. 10. Kompagnie.

Feldwebel Münchert, im Regiment. 11. Kompagnie.

Feldwebel Wachholz, im Regiment. 12. Kompagnie.

 

Aggregirt.

Oberst-Lieutenant Oktavio Philipp von Böhn, Kommandeur des Lehr-Infanterie-Bataillons, demnächst Kaiser Franz Garde-Grenadier-Rgts. Nr. 2.

 

á la suite.

Generalfeldzeugmeister Carl Alexander, Prinz von Preußen, Königl. Hoheit, im Großen Hauptquartier.

General der Kavallerie Albrecht, Prinz von Preußen, Königl. Hoheit, Kommandeur der 4. Kavallerie-Division.

General der Infanterie Kronprinz von Preußen, Königl. Hoheit, Oberbefehlshaber der II. Armee

Oberst Karl Adolph von Randow, Direktor des Großen Militär-Waisenhauses.

Oberst Leopold Stephan Carl Anton Erbprinz von Hohenzollern-Sigmaringen, Hoheit, im Hauptquartier der III. Armee.

Major Ludwig Jakob Herwarth von Bittenfeld I., Kommandeur des Garde-Landwehr-Bataillons Stettin.

Hauptmann Arthur von Leipziger, Kommandeur der Unteroffizierschule Potsdam.

 

Regimentsarzt Dr. Gielen, Feldlazareth-Direktor des III. Armeekorps.

Stabsarzt Dr. Vogelgesang, stellvertretender Regimentsarzt beim 4. Garde-Grenadier-Regiment Königin.

Stabsarzt Dr. Rüsse, im Regiment. I. Bataillon. Zugleich stellvertretender Regimentsarzt.

Assistenzarzt Dr. Schneider, stellvertretender Stabsarzt im 4. Garde-Regiment zu Fuß, später Chefarzt und Stabsarzt des 1. stehenden Kriegslazarethes des Gardekorps.

Assistenzarzt Dr. Schweder, Assistenzarzt beim 3. Sanitätsdetachement des Gardekorps.

Feldassistenzarzt Dr. Reichert, im Regiment. II. Bataillon.

Lieutenant der Landwehr, Kreisphysikus Feldassistenzarzt Dr. Adelung, im Regiment. Füsilierbataillon (starb an den Folgen einer durch die Strapazen des Feldzuges entstandenen Gehirnkrankheit). Im beigegeben war der am 13. August beim Regiment eingetroffenen Feld-Unterarzt Dr. Köhler.

 

Drei deutsche Armeen marschierten ab dem 03.08.1870 von der Pfalz aus in Frankreich ein. Das Erste Garderegiment zu Fuß  unter Oberst von Röder war dabei Teil der 2. Armee unter Prinz Friedrich Karl Nikolaus von Preußen (1828-1885), des Garde-Korps unter Prinz August von Württemberg, der 1. Garde-Infanterie-Division unter General-Major Alexander August Wilhelm von Pape (1813-1895) und der 1. Garde-Infanterie-Brigade unter Gen.-Major von Kessel.

 

No 5: Marschkarte für den Feldzug 1870/71. Regimentsgeschichte.

Die erste Begegnung des Krieges, ein kleineres Gefecht, gewannen am 02.08.1870 die Franzosen, die ein preußisches Kommando aus Saarbrücken vertrieben. In den folgenden Schlachten bei Weißenburg (04.08.1870), Wörth und Spichern (06.08.1870) wurden die Franzosen unter Patrice Maurice Marquis de MacMahon (1808-1893) allerdings geschlagen. Die 3. deutsche Armee stieß dabei bei Weißenburg auf die Vorhut der Armee Mac Mahon und schlug sie zurück. Um des Prestiges willen wollten die Franzosen Revanche und griffen überstürzt, mit zahlenmäßig unterlegenen und ungenügend konzentrierten Kräften bei Wörth an. Besonders im dichten Gehölz des Fröschweiler Waldes lieferten sich die Preußen mit französischen Zouaven und Turkos (beides Eliteschützen-Einheiten) erbitterte Kämpfe. In der mörderischen Schlacht verlor jede Seite ca. 10.000 Mann an Toten und Verwundeten. Die großen Verluste der Deutschen waren auf die Überlegenheit des französischen Chassepotgewehrs zurückzuführen, das dreimal so weit schoß als das deutsche Gewehr und dem das deutsche Vorgehen in Kompaniekolonnen noch nicht angepaßt war. Die deutsche Artillerie schoß dafür dank der gezogenen Stahl-Rohre weiter und schneller und war der französischen überlegen. Das Ergebnis der Schlacht bei Weissenburg zwang Mac Mahon, das Elsaß zu räumen. Am gleichen Tage eroberte die 2. deutsche Armee, die vom Corps des Marschall Achille François Bazaine (1811-1888) gehaltenen und gut zu verteidigenden Stellungen der Höhen von Spichern. Die Franzosen verloren 2.900 Mann an Gefallenen, Verwundeten und Gefangenen. Auf deutscher Seite waren trotz des Sieges 4.200 Tote und Verwundete zu beklagen. MacMahon erhielt danach den Befehl, sich nach Châlons zurückzuziehen. Bazaines wurde angewiesen, seine Stellungen und vor allem Metz selbst um jeden Preis zu halten. Nach den verheerenden Niederlagen mußte Napoleon den Oberbefehl über die französischen Truppen abgeben. Am 12. August übergab der Kaiser das Oberkommando an Bazaine, welcher die Absicht hatte sein angeschlagenes Corps im Schutze der Festung Metz zu reorganisieren, um sich später mit Mac Mahon zu vereinigen. Auf dem Weg nach Metz kam es zum Gefecht bei Colombey am 14.08.1870 welches zwar wieder große Opfer auf beiden Seiten forderte, den Rückzug Bazaines nach Metz jedoch nicht weiter behinderte. Dann allerdings verharrte er zu lange in Metz und wurde von den deutschen Truppen eingeschlossen. Der Ausbruchsversuch bei Vionville/Mars-la-Tour am 16.08.1870 wurden unter großen Verlusten der deutschen Truppen abgeschlagen. Beide Seiten verloren an diesem Tage rund 16.000 Mann. Bekannt geworden ist der „Todes-Ritt“ von Mars-la-Tour, bei dem ca. 800 deutsche Reiter auf offenem Feld französische Infanterie und Artillerie angriffen und ca. 400 Mann tot oder verwundet auf dem Schlachtfeld blieben.

Angriff des Ersten Garde-Regiments z. F. auf  St. Privat, Gemälde von Carl Röchling nach einer Handskizze Wilhelms II. Archiv Seitenautor, Röchling: Unser Heer, Archiv Wachbataillon BMVg / Semper Talis Bund.

Am 18.08.1870 wurde schließlich die blutigste Frontalschlacht des ganzen Krieges geschlagen. Bei Gravelotte und St. Privat war die französische Armee gesichtet worden und das bislang noch nicht in Erscheinung getretene Gardecorps, bei dem sich auch das Erste Garderegiment zu Fuß befand, griff frontal bei St. Privat an.

No 6a: Karte des Anmarsches zur Schlacht bei St. Privat am 18.08.1870. Regimentsgeschichte.

Trotz der bisherigen Erfahrungen des Feldzuges, die gezeigt hatten, daß Frontalangriffe über freies Feld im mörderischen Chassepot-Feuer zu hohen Verlusten führten, hielt man es bei der Garde - sei es aus Ignoranz oder übersteigertem Selbstbewußtsein - nicht für notwendig auf diese Erfahrungen angemessen zu reagieren. Der Angriff sollte laut Befehl des Prinzen Friedrich Karl umfassend wirken, wurde jedoch zu einem verfrühten Zeitpunkt auf das französische Zentrum gelenkt. Diese eigenmächtige Änderung der Taktik hätte fast den Untergang des Gardecorps bewirkt, denn es kam, wie es kommen mußte: Alle Infanteriestürme bei Gravelotte (rechter Flügel) und St. Privat (Zentrum) wurden im rasenden Chassepotfeuer zerschlagen, die Gegenstöße der Franzosen wurden allerdings im Granathagel der überlegenen preußischen Artillerie abgewiesen. In den Abendstunden gelang es den Sachsen des XII. Corps den rechten Flügel Bazaines einzudrücken und dadurch das stark angeschlagene Gardecorps vor dem Untergang zu retten.

No 6b: Karte des Sturms auf  St. Privat am 18.08.1870. Regimentsgeschichte.

Bei der Erstürmung von St. Privat verloren die fünf am meisten beteiligten Regimenter innerhalb von zwei Stunden fast alle Offiziere und ein Drittel der Mannschaften. Dieser blutigste Tag des ganzen Krieges forderte auf deutscher Seite insgesamt 20.000 Tote und 16.000 Verwundete, auf französischer Seite 15.000 Tote und 14.000 Verwundete. Die Verluste des Ersten Garderegiments zu Fuß waren enorm: 16 Offiziere und 348 Mannschaften gefallen, 20 Offiziere und 694 Mannschaften verwundet, 14 Mannschaften vermißt. Unter den Toten war auch der Regimentschef Oberst von Roeder, seinen Posten übernahm Oberstleutnant August Julius Heinrich von Oppell (1827-1909). Den ganzen 19.08.1870 verblieb das Gardecorps auf dem Schlachtfeld „..um seine Todten zu bestatten und für seine zahlreichen Verwundeten Sorge zu tragen“ (aus der offiziellen Kriegsgeschichte des großen Generalstabes), erst am 20.08.1870 marschierte es weiter nach Sponville, am 21. dann nach Hannonville.

St. Privat 18. 08.1870, Gemälde von Carl Röchling, Archiv Seitenautor.

 

Das Erste Garderegiment zu Fuß zählte nach dem verheerenden Angriff auf St. Privat nur noch 23 Offiziere (inkl. Diensttuender), 130 Unteroffiziere und 1.551 Gemeine, es hatte also die Hälfte seines Bestandes eingebüßt. Die Reste wurden zu 6 Kompagnien (2 je Bataillon) zusammengefaßt.

 

Stellenbesetzung des Ersten Garderegiments zu Fuß nach der Schlacht von St. Privat am 18.08.1870

 

Quelle: Kessel, Gustav von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1857-1871, Berlin 1881, Ernst Siegfried Mittler und Sohn

 

Major von August Julius Heinrich von Oppell, Regimentsführer.

Premierlieutenant Friedrich August Philipp Alexander Louis Feiherr von Falkenhausen, Regiments-Adjutant.

 

I. Bataillon.

Hauptmann Paul Graf von Waldersee III Führer des I. Bataillons.

Secondelieutenant Richard Friedrich Adalbert Graf von Pfeil, Adjutant des I. Bataillons.

 

1. Kompagnie (zusammengefaßte Reste Leib- und 3. Kompagnie)

Premierlieutenant Johann Rudolf Freiherr Hiller- von Gärtringen.

Secondelieutenant Alexander Carl Richard Graf von Kanitz.

Vicefeldwebel von Rohrscheidt.

 

2. Kompagnie (zusammengefaßte Reste 2. und 4. Kompagnie)

Secondelieutenant Wilhelm Otto Ludwig Arthur Brunsig- Edler von Brun.

Secondelieutenant Horn, vom Reserve-Landwehr-Bataillon (Berlin) Nr. 35.

 

II. Bataillon.

Hauptmann Carl von Prittwitz und Gaffron, Führer des II. Bataillons.

Secondelieutenant Friedrich Graf von Pückler, Adjutant des 2. Bataillons.

 

3. Kompagnie (zusammengefaßte Reste 5. und 6. Kompagnie)

Secondelieutenant Senglier, vom 1. Garde-Landwehr-Regiment.

Secondelieutenant Ernst Karl von Brause.

Portepeefähnrich Hans Dietrich Georg Freiherr von Zedlitz-Neukirch.

 

4. Kompagnie (zusammengefaßte Reste 7. und 8. Kompagnie)

Secondelieutenant Friedrich Karl Paul Leo Freiherr von Tschammer-Osten.

Secondelieutenant Kurt Eberhard Leopold Freiherr von Medem II.

Vicefeldwebel Loyke.

 

Füsilierbataillon.

Premierlieutenant Hans Peter Demetrius von Arnim I., Führer des Füsilierbataillons.

Secondelieutenant Maximilian Friedrich Georg von Gordon, Adjutant des Füsilierbataillons.

 

5. Kompagnie (zusammengefaßte Reste 9. und 10. Kompagnie)

Secondelieutenant Gotthard Heinrich Leopold Alexander Friedrich August Freiherr von Loën.

Secondelieutenant Constantin Nikolaus August von Grimm.

 

6. Kompagnie (zusammengefaßte Reste 11. und 12. Kompagnie)

Secondelieutenant Adolph Ulrich Heinrich Kuno von Rantzau.

Secondelieutenant Michaelis vom Reserve-Landwehr-Bataillon (Berlin) Nr. 35. (Derselbe war am 17.08.1870 zur Bewachung der Tornister, welche bei Flirey abgelegt wurden, zurückgelassen worden und traf am 20.08. beim Regiment ein.)

 

Zur Beaufsichtigung der zurückgebliebenen Kranken in Dieuluoard: Secondelieutenant Wilhelm Karl Eduard von Raven.

1. Garde Regmt. z. F. b. Sturm auf St. Privat am 18. August 1870, Postkarte aus der Serie "Historische Gedenktage", Archiv Seitenautor.

 

Nach der Schlacht von Gravelotte / St. Privat mußte sich Bazaine nach Metz zurückziehen. Dort wurde er von den Deutschen belagert, die ihre Truppen rasch umgruppierten. Das Gardecorps wurde dabei der neuen „Maasarmee“ unter dem bei St. Privat erfolgreichen Kronprinzen Albert von Sachsen (1828-1902) zugeteilt, die aus Teilen der 2. Armee gebildet wurde. Der Rest der 2. Armee blieb mit der gesamten 1. Armee bei Metz und nahm die Belagerung auf. MacMahon wurde daraufhin von der französischen Regierung zum Entsatz von Metz beordert. Am 30.08.1870 überraschten und besiegten die Deutschen MacMahons Vorhut bei Beaumont; MacMahons Hauptarmee („Armee von Châlons“ genannt) wurde nach Sedan zurückgedrängt.

Die Entscheidungsschlacht des Krieges wurde am Morgen des 01.09.1870 bei Sedan eröffnet. Gegen 07:00Uhr  wurde MacMahon schwer verwundet, und eineinhalb Stunden später übernahm General Emanuel Félix de Wimpffen (1827-1882) das Oberkommando. Die Deutschen begingen nicht noch einmal die Fehler der Frontalangriffe der letzten Schlachten, sondern zogen 540 Geschütze bis in die eigenen Schützenlinien vor. So entstand ein fester Ring um die im Tal versammelte französische Armee auf die nun das Vernichtungsfeuer einschlug. Die Schlacht dauerte bis 16:15Uhr nachmittags, als Napoleon, der mittlerweile in Sedan eingetroffen war, das Kommando übernahm und befahl, die weiße Fahne über der Stadt zu  hissen, da er die Aussichtslosigkeit der Lage erkannt hatte.

 

No 7: Karte der Schlacht bei Sedan am 01.09.1870. Regimentsgeschichte.

 

In der Nacht wurden die Kapitulationsbedingungen ausgehandelt; am nächsten Tag[5] kapitulierte Napoleon mit 83 000 Mann vor den Deutschen und wurde mit seiner gesamten Armee gefangen genommen. Die Verluste auf französischer Seite betrugen 17.000 Tote und Verwundete. Das Erste Garderegiment zu Fuß war nur als Reserve in Sedan, ein Kampfeinsatz erfolgte für das schwer angeschlagene Regiment nicht.

 

Als die Nachricht von der Gefangennahme des französischen Kaisers in Paris eintraf, kam es zu einem Aufstand, die gesetzgebende Versammlung wurde aufgelöst und am 04.09.1870 wurde die französische Republik ausgerufen.

 

Stellenbesetzung des Ersten Garderegiments zu Fuß am 17.09.1870

 

Quelle: Kessel, Gustav von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1857-1871, Berlin 1881, Ernst Siegfried Mittler und Sohn

 

Major von August Julius Heinrich von Oppell, Regimentsführer.

Premierlieutenant Friedrich August Philipp Alexander Louis Feiherr von Falkenhausen, Regiments-Adjutant.

 

I. Bataillon.

Hauptmann Paul Graf von Waldersee III Führer des I. Bataillons.

Secondelieutenant Richard Friedrich Adalbert Graf von Pfeil, Adjutant des I. Bataillons.

 

Leibkompagnie.

Secondelieutenant Adolph Ulrich Heinrich Kuno von Rantzau.

Vicefeldwebel von Rohrscheidt.

 

2. Kompagnie.

Hauptmann Friedrich von Berg.

Secondelieutenant Ernst Karl von Brause.

Portepeefähnrich Adolph Prinz Wrede.

 

3. Kompagnie.

Premierlieutenant Johann Rudolf Freiherr Hiller- von Gärtringen.

Secondelieutenant Alexander Carl Richard Graf von Kanitz.

 

4. Kompagnie.

Secondelieutenant Wilhelm Otto Ludwig Arthur Brunsig- Edler von Brun.

Secondelieutenant Horn, vom Reserve-Landwehr-Bataillon (Berlin) Nr. 35.

 

II. Bataillon.

Hauptmann Carl von Prittwitz und Gaffron, Führer des II. Bataillons.

Secondelieutenant Friedrich Graf von Pückler, Adjutant des 2. Bataillons.

 

5. Kompagnie.

Hauptmann Alexander Friedrich Hermann von Strantz.

Secondelieutenant Carl Albert von Raven II.

Unteroffizier Roderich von Barby.

 

6. Kompagnie.

Hauptmann Otto Wilhelm Julius Freiherr von Schleinitz.

Secondelieutenant Senglier, vom 1. Garde-Landwehr-Regiment.

 

7. Kompagnie

Hauptmann Hans Peter Demetrius von Arnim I.

Portepeefähnrich Georg Conrad Heinrich Albert Eduard Kuno Freiherr von der Goltz.

 

8. Kompagnie.

Secondelieutenant Friedrich Karl Paul Leo Freiherr von Tschammer-Osten.

Secondelieutenant Kurt Eberhard Leopold Freiherr von Medem II.

Portepeefähnrich Hans Dietrich Georg Freiherr von Zedlitz-Neukirch.

 

Füsilierbataillon.

Major Arthur von Leipziger, Führer des Füsilierbataillons.

Secondelieutenant Maximilian Friedrich Georg von Gordon, Adjutant des Füsilierbataillons.

 

9. Kompagnie.

Secondelieutenant Gotthard Heinrich Leopold Alexander Friedrich August Freiherr von Loën.

Secondelieutenant Constantin Nikolaus August von Grimm.

Unteroffizier Carl Leopold Freiherr Spiegel von und zu Peckelsheim.

 

10. Kompagnie.

Premierlieutenant Schering vom Reserve-Landwehr-Bataillon (Berlin) Nr. 35.

Secondelieutenant Paul Ludwig Eberhard Johannes von Hoepfner.

Vicefeldwebel Loyke.

 

11. Kompagnie.

Secondelieutenant Johann Friedrich Wilhelm August Bernhard Rudolph Graf zu Dohna.

Secondelieutenant Clemens Otto August von Bermuth.

 

12. Kompagnie.

Hauptmann Eduard von Liebenau (Chef 4. Kompagnie).

Secondelieutenant Michaelis vom Reserve-Landwehr-Bataillon (Berlin) Nr. 35.

 

Am 28.09.1870 kapitulierte auch Strassburg, und damit verloren die Franzosen ihre letzte Hoffnung, den deutschen Vormarsch doch noch aufhalten zu können. Die deutschen Truppen rückten auf Paris vor und schlossen die Stadt mit ca. 190.000 Mann Besatzung ab Mitte September ein. Am 07.10.1870 gelang Léon Gambetta (1838-1882), dem Innen- und Kriegsminister der neuen französischen Regierung, mit einem Freiballon die dramatische Flucht aus Paris. Er erklärte die Stadt Tours zur provisorischen Hauptstadt und leitete von dort aus die Aufstellung und Ausrüstung von 36 Divisionen, die zum Entsatz von Paris vorgesehen waren, darunter auch die „Franctireurs“ (= Partisanen) die zum so genannten Volkskrieg vorgesehen waren.

 

Im für beide Seiten sehr entbehrungsreichen Winterfeldzug 1870/71 wurden die neu aufgestellten Truppen jedoch in mehreren Schlachten geschlagen, der Regierungssitz mußte nach Bordeaux verlegt werden. Das Erste Garderegiment zu Fuß blieb währenddessen vor Paris, welches auf Drängen Bismarcks, der ein rasches Ende des Krieges herbeiführen wollte bevor eventuell die neutralen Staaten eingreifen konnten, belagert und beschossen wurde. Die Bürger der Stadt versuchten, den Feind mit primitiven und improvisierten Waffen abzuwehren und versuchten mehrere Ausfälle gegen die deutschen Belagerer.

 

No 8: Übersichtsskizze Paris 1870. Regimentsgeschichte.

 

Am 29.10.1870 kam es bei Pierrefitte und Villetaneufe zu einem kurzen Vorpostengefecht, bei dem die Leib- und 2. Kompagnie, sowie das II. Bataillon teilnahm, jedoch sämtlich ohne Verluste zu erleiden. Das Gardekorps beschoß und stürmte daraufhin am 30.10.1870 Le Bourget, das Erste Garderegiment zu Fuß blieb bei diesem Gefecht nur in Reserve. Am 21.12.1871 kam es bei Le Bourget zu einem weiteren Gefecht, an welchem das I. Bataillon des Ersten Garderegiments zu Fuß teilnahm. Das II. Bataillon und Füsilierbataillon kämpfte derweil bei Stains und Spinai. Dieses waren die letzten Kampfhandlungen für das ausgeblutete Regiment in diesem Kriege.

 

Weitere Ausfallversuche bei Villiers, Champigny und Bry wurden zwischen dem 30.11. und 02.12.1870 blutig abgewiesen. 12.000 Mann Verlust für die Franzosen waren die Folge. Als aber die Versorgungslage in Paris immer katastrophaler wurde und der letzte Ausfallversuch am 19.01.1871 blutig gescheitert war, sah sich die Stadt gezwungen noch am gleichen Tage Kapitulationsverhandlungen aufzunehmen.

 

Einen Tag vor, am 18.01.1871, war Wilhelm I., der preußische König, im Spiegelsaal von Schloss Versailles zum deutschen Kaiser gekrönt worden - der Höhepunkt in Bismarcks unablässigen Bemühungen um die Einigung Deutschlands, der „Reichsgründung“. Die formelle Kapitulation der Stadt Paris, verbunden mit einem Waffenstillstandsabkommen, erfolgte am 28.01.1871. Eine französische Nationalversammlung, die in Hinblick auf die Friedensverhandlungen gewählt worden war, trat am 13.02.1871 in Bordeaux zusammen und wählte Adolphe Thiers (1796-1877) zum ersten Präsidenten der Dritten Republik. Am 26. Februar kam der Vorfriede von Versailles zustande, den Thiers und Bismarck ausgehandelt hatten. Im März erhoben sich die Pariser gegen die neue Nationalversammlung und errichteten die Pariser Kommune. Die Kommune war gegen die preußischen Friedensbedingungen und kämpfte erbittert gegen die Regierungstruppen, die Thiers zur Unterdrückung der Kommune entsandt hatte. Im Mai ergaben sich schließlich auch die Revolutionäre. Der Friede von Frankfurt am Main, der am 10.05.1871 unterzeichnet wurde, beendete den Krieg zwischen Frankreich und Deutschland formell. Frankreich trat das Elsass (mit Ausnahme von Belfort) und einen Teil Lothringens einschließlich Metz an das Deutsche Reich ab und wurde zu einer Kriegsentschädigung in Höhe von fünf Milliarden Goldfranc verpflichtet; bis zur vollständigen Begleichung des Betrages sollten deutsche Besatzungstruppen in Frankreich verbleiben. Diese Auflage wurde im September 1873 zurückgenommen, und noch im selben Monat zogen die letzten deutschen Besatzungstruppen aus Frankreich ab.

 

Denkmal des Gardecorps bei St. Privat, Archiv Seitenautor.

 

Einen Tag nach der Kaiserproklamation in Versailles am 18.01.1871 wurde von der Regimentsmusik unter Friedrich Wilhelm Voigt der von ihm eigens zu diesem Ereignis komponierte Marsch "Salus Caesari nostro Guilemo" mit der Hymne im Trio aus Händels Oper "Judas Maccabäus", "Seht, da kommt er preisgekrönt...", der später mit der Nummer 205 in die Preußische Armeemarschsammlung einging, aufgeführt.

 

Kaiser Wilhelm I. und die kaiserlichen Prinzen zogen an der Spitze ihres Ersten Garderegiments zu Fuß am 13.06.1871 in Berlin ein, umjubelt von der Bevölkerung. Der Tag der Schlacht von St. Privat wurde natürlich zum vierten Gedenktag des Regimentes. Die hohen Verluste dieses 18.08.1870 waren auch 44 Jahre später noch nicht vergessen, als das Regiment wieder gegen Frankreich ins Feld zog.

 

 

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[1] Es entstand auch das 4. Garderegiment zu Fuß, dieses jedoch ohne Abgaben des Ersten Garderegiments zu Fuß. Am 31.03.1897 entstand auch noch ein 5. Garderegiment zu Fuß.

[2] Wilhelm Friedrich Freiherr Hiller von Gärtringen war lange Angehöriger des Ersten Garderegiments zu Fuß und war anschließend im Gardecorps aufgestiegen bis zum Brigade- und schließlich Divisionsführer.

[3] Hier wurde der „Nebel von Chlum“ bekannt, aus dem das Erste Garderegiment zu Fuß hervorstieß und die völlig überraschten slowakischen Besatzer von Chlum überranten. Der Kommandeur Slawecki hatte kurz vorher noch gesagt „Ihr seht Gespenster!“ als Meldungen eintrafen, die preußische Garde sei im Anmarsch.

[4] Ebenso die Leibschwadron der Gardes du Corps und die Leibbatterie des 1. Gardefeldartillerieregimentes

[5] Der 2. September wurde fortan als „Sedanstag“ in Deutschland gefeiert.