2.      Das Erste Garderegiment zu Fuß 1806 - 1918

2.1.       Phoenix aus der Asche 1806 - 1815

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Regiment Garde zu Fuß 1812, Zeichnung von Prof. Richard Knötel

 

„Das Ende schien gekommen, und doch bedeutete das über unser Vaterland hereingebrochene Unglück den Anfang zu einem Aufschwung, wie er sich schneller und glänzender in der Weltgeschichte nie vollzogen hat.“

 

Paul Pietsch

 

Im Hintergrund hören Sie den Marsch Nr. 1 F-Dur für Militärmusik von Ludwig van Beethoven (später Marsch des Yorckschen Korps, AM II,37 und dem Regiment als offizieller Parademarsch bei Marsch in Zügen zugewiesen) in der damaligen Originalbesetzung. Mit freundlicher Genehmigung durch die DGfMM.

 

Ende 1806 war von der einstmals so prächtigen preußischen Armee fast nichts übrig geblieben, sodaß die Sollstärke Mitte 1808 nur noch etwa 50.000 betrug. Nur wenige Reste der geschlagenen Armee waren den Kapitulationen entkommen. Am 04.11.1806 traf das Königliche Hauptquartier und mit ihm der Zug der Leibkompagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 in Graudenz ein. "Seine Majestät der König mit der Königlichen Familie waren schon seit dem 2. November in Graudenz anwesend. Der König kam der anrückenden Colonne ½ Meile entgegen geritten. Tief bewegt dankten Se. Majestät dem Commando für die bewiesene Ausdauer auf dem Marsch, und es mochten gewiß tief schmerzliche Gefühle sein, welche das Königliche Herz beim Anblick dieses kleinen Restes seiner Garde bewegten." (aus der Regimentsgeschichte)

 

Trotz den chaotischen Verhältnissen nach dem Zusammenbruch haben sich sogar die Namen der einzelnen Männer dieses Kommandos erhalten:

 

Offizier: Secondelieutenant Julius Ludwig von Pogwisch

Unteroffiziere: Bennstein, Kegel

Tambour: Dietrich

Grenadiere: Arend, Dümmer, Dingelstädt, Lüpke, Kalbfleisch, Schmidt, Schüßler, Tietz, Buth, Neumeister, Mertin, Gobbert, Mertens, Richmann, Trader, Grabra, Lemke, Bodenstein, Schilfert, Berend, Sieckmann, Below, Wilu, Jahn

 

Unter diesen Männern befand sich auch jener Unteroffizier Bennstein, der die militärische Ausbildung des jungen Kronprinzen Friedrich Wilhelm vor dem Krieg durchgeführt hatte. "Der König war schon vollständig von den Ereignissen bei Prenzlau und Erfurt unterrichtet. Allerhöchstdieselben befahlen an demselben Tage, daß das Commando des Secondelieutenant von Pogwisch den Stamm und das Depot für die neu zu errichtende Fußgarde bilden sollte; daß ferner diesem Depot die kleine Anzahl »Unrangierter der Garde«, welche am 3. in Graudenz nebst einigen Reconvalescenten eingetroffen, einverleibt werden sollte, und daß alle noch ferner eintreffenden Selbstranzionirten der Garde zu demselben kommen sollten. Seine Majestät sahen also diesen Stamm als eine Fortsetzung der Alten Garde an, wie sich dies noch fernerhin bei den verschiedensten Gelegenheiten ausspricht, und wenn Sie fernerhin befahlen, daß die in West- und Ostpreußen garnisonirenden Regimenter geeignete Mannschaften an das Garde-Depot abgeben sollten, so war dies nur dieselbe Art der Rekrutirung, wie sie von jeher bei der Garde bestanden hatte." (aus der Regimentsgeschichte)

 

Das Garde Depot wurde also ein Auffanglager für die sog. „Ranzionierten“ (= aus der Kriegsgefangenschaft entlassene), "Selbstranzionierten" (= aus der Kriegsgefangenschaft entflohene) und alle weiteren geeigneten Männer, die den Stamm der neuen Garde zu Fuß bilden sollten. Demnach dachte der König schon im Zusammenbruch an eine Neuformierung seiner Fußgarden. "Schon auf dem Marsche nach Graudenz hatten sich der Königlichen Equipagen-Colonne vielfach Commandirte und Versprengte von verschiedenen Regimentern angeschlossen, welche, so weit sie zur Garde geeignet waren, beim Depot eingestellt wurden. Hierdurch bis auf einige fünfzig Mann angewachsen, marschirte das Garde-Depot am 15. November mit dem Königlichen Hauptquartier von Graudenz über Freistadt, Deutsch Eilau nach Osterode. Hier blieb es mit dem Hauptquartier bis zum 24. und trafen in dieser Stadt die ersten einbeorderten Ersatzmannschaften von den Ostpreußischen Regimentern, einige 30 Mann, beim Depot ein. Da man keine Uniformen für dieselben hatte, so erhielt die Abtheilung ein höchst buntartiges Aussehen, was während der nächsten zwei Monate noch immer zunahm." (aus der Regimentsgeschichte)

 

Am 16.11.1806 wurde zu Charlottenburg noch unter dem Eindruck der verheerenden Ereignisse der letzten Wochen ein für Preußen schmählicher Vertrag verhandelt, "...in welchem dem übermüthigen Sieger fast ganz Preußen als Unterpfand des später abzuschließenden Friedens eingeräumt wurde. Ferner hatte der Kaiser Napoleon jene jedes Maaß der Willkür überschreitende Erklärung gegeben, daß er die eroberten Länder so lange besetzt halten würde, bis Rußland dem Sultan die Oberhoheit über die Moldau und Wallachei zurückgegeben. Es hieß, die völlige Ausstreichung Preußens aus der Reihe der Staaten selbst proklamiren, hätte der König einem solchen Vertrage seine Zustimmung gegeben." (aus der Regimentsgeschichte)

Kein Zweifel, der Sieger beabsichtigte das aus seiner Sicht unzuverlässige und wankelmütige Preußen ein für allemal aus der Riege der Großmächte Europas zu tilgen. Immerhin verweigerte der schwache König Friedrich Wilhelm III. von Preußen diesem Machwerk seine Unterschrift und beschloß vielmehr im Hauptquartier in Ortelsburg, den Waffenstillstand aufzukündigen und die Kampfhandlungen wieder aufzunehmen. Offenbar hatte er erkannt, daß es nun galt, wenigstens die nackte Existenz Preußens zu sichern, indem man Standhaftigkeit bewies und zähen Widerstand leistete. Gab man nun nach, würde Preußen von der Landkarte gefegt. Friedrich Wilhelm erließ einen Aufruf an sein Volk, in dem er es zur Standhaftigkeit ermahnte. Preußen war nun ganz auf den militärischen Beistand Rußlands angewiesen.

Schon am 07.11.1806 hatte der König Major von Bronikowsky, seinen Flügeladjutanten, damit beauftragt, schnellstmöglich provisorische Bataillone zu bilden. Dieses sollte im Rücken der an der Weichsel stehenden Rest-Armee Preußens geschehen. Für die Linientruppen wurde dabei Königsberg, für die neu zu formierende Garde dagegen Wehlau als Sammelpunkt für die Selbstranzionierten bestimmt. Am 24.11.1806 marschierte das Garde-Depot zunächst nach Ortelsburg. Am 03.12.1806 wurde dort dem Depot das eine neue Zukunft begründende "Publicandum wegen Abstellung verschiedener Mißbräuche bei der Armee" beim Appell vorgelesen. "Gewiß jeder der Zuhörenden fühlte in diesen edlen, echt soldatischen Gesinnungen zum ersten Male wieder eine Hoffnung auf bessere Zeiten in seiner Brust aufsteigen." (aus der Regimentsgeschichte) Am 04.12.1806 marschierte das Garde-Depot über Gerdauen zum ihm bestimmten Sammelplatz nach Wehlau, wo es am 09.12. eintraf. Bei schlechter Witterung und auf völlig aufgeweichten Wegen konnte das Depot nur kurze Märsche zurücklegen. Dessen ungeachtet wurde meist nachts aufgebrochen und bis spät in den Abend hinein marschiert. "Unterwegs fanden sich täglich Selbstranzionirte von der Garde beim Depot ein, ebenso der Fähnrich von Lyncker vom Regiment Herzog von Braunschweig mit einer Abtheilung Leute verschiedener Regimenter; von Lyncker wurde beim Depot angestellt." (aus der Regimentsgeschichte)

Das Garde-Depot blieb bis zum 03.01.1807 in Wehlau und errichte dort die Stärke von 5 Offizieren, 40 Unteroffizieren und etwa 210 Mannschaften. Die Offiziere waren: die Secondelieutenants Julius Ludwig von Pogwisch und Heinrich Werner Friedrich von Below (bisher Fähnrich im Bataillon Grenadiergarde Nr. 6), die Fähnrichs Ferdinand von Lyncker und Franz Carl von Werder (bisher noch Kadett). Dazu noch "Prinz Friedrich Wilhelm Ludwig von Preußen, Königliche Hoheit, zweiter Sohn Seiner Majestät des Königs, bisher ohne militairischen Rang und seit dem 1. Januar 1807 Fähnrich beim Garde Stamm." (aus der Regimentsgeschichte) Bei allem Ungemach wurden also die alten Preußischen Traditionen nicht vernachlässigt. Der kleine Prinz Friedrich Wilhelm (22.03.1797 - 09.03.1888) wurde dementsprechend im Alter von 10 Jahren in die Garde eingestellt, so wie es vorher und auch später bei allen Prinzen des Preußischen Königshauses praktiziert wurde.

"Es wurde mit der Einkleidung nach Möglichkeit angefangen, man hatte aber mit großen Schwierigkeiten, namentlich mit Geld- und Materialmangel zu kämpfen. Die Provinz war im vollsten Sinne des Worts mit Truppen überschwemmt. Denn außer den Besatzungen in Graudenz, Danzig, Pillau und Königsberg und den in der Formation begriffenen Truppenkörpern, standen in Preußen 230,000 Mann Preußen, Russen und Franzosen." (aus der Regimentsgeschichte)

Da der König die Neuformation seiner Garde selbst leiten wollte, marschierte der Garde-Stamm am 03.01.1807 über Weidlaken, Laueniken, Jurgeitschen nach Tilsit. Dort stand das Depot vom 06. bis 11.01.1807, um dann weiter über Schwaradecken, Gargeiten, Prockuls zu marschieren und am 14.01.1807 endlich Memel zu erreichen, wohin der König mit seinem Gefolge geflohen war. Hier, im äußersten Zipfel Preußens hoffte er die Reorganisation seiner Truppen und seines geschundenen Staates bewerkstelligen zu können. In Berlin und Potsdam spotteten derweil die dem Franzosenmob ausgelieferten Untertanen Seiner Majestät: "Unser Dämel ist in Memel!"

"In der Stadt ließen der König, die Königin im Arm haltend, das Depot bei sich vorbeimarschiren. Die Uniformen so verschiedener Regimenter, das heruntergekommene Aussehen der Leute, von denen Viele noch in bürgerlicher Kleidung, in welcher sie sich durch die Französische Armee geschlichen hatten, mochte der erhabenen Frau das ganze Unglück der letzten Monate wieder vor die Seele führen. Dies war der Ueberrest der schönen 4 Bataillons Königlicher Garde! Die Königin konnte die Thränen nicht zurückdrängen, sie war ohnehin kaum von einer schweren Krankheit genesen." (aus der Regimentsgeschichte)

"Die Reste des Bataillons Garde bei ihrem Durchzuge durch Memel (14. Januar 1807)" Gemälde von Carl Röchling

Das Haus, in dem der König und die Königin wohnten, gehörte dem Kaufmann Consenius, der Kronprinz und sein Bruder wohnten im Haus des Kaufmanns Argelander. "Memel war zu dieser Zeit mit Menschen aller Nationen überschwemmt, und deshalb bei theilweis beschränkter Zufuhr aller Lebensbedürfnisse daselbst für den Soldaten ein höchst karges und kümmerliches Leben. Es war daher eine große Hülfe, daß während des Kriegszustandes ab und zu neben der höchst unauskömmlichen Löhnung dem Soldaten Naturalverpflegung geliefert wurde, doch geschah dies nicht regelmäßig. Das Pfund Fleisch kostete 6 - 7 Gr., und alles Uebrige in gleichem Verhältniß." (aus der Regimentsgeschichte)

Die Formierung des Garde-Depots nahm einen steten Fortgang. Unter den eintreffenden Selbstranzionierten waren unverhältnismäßig viele Unteroffiziere, generell waren die meisten Eintreffenden ehemalige Angehörige der Garde. Alle neu ankommenden Leuten, die sich zum Teil in größter Gefahr und auf abenteuerlichen Umwegen, manche sogar durch das westliche Rußland, durchgeschlichen hatten, wurden dem König persönlich vorgestellt. "Allerhöchstdieselben erkundigten sich stets auf das Genaueste nach den gehabten Erlebnissen, und belohnten ein braves Verhalten stets mit ehrenden Worten und reichen Geldgeschenken." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 24.01.1807 konnte auf allerhöchsten Befehl das Garde-Depot in 2 Kompagnien formiert werden. Lieutenant Julius Ludwig von Pogwisch führte das Kommando über das Depot weiter, hatte aber dazu noch die 1. Kompagnie (die spätere Leibkompagnie) bekommen. Die 2. Kompagnie erhielt Lieutenant Heinrich Werner Friedrich von Below.

"Starker Wachdienst, Schanzarbeiten und Munitionsanfertigung gewährten ausreichende Beschäftigung, jede freie Stunde wurde zum Exercieren benutzt, und auch für die Equipirung Alles nur Mögliche gethan, um die Königliche Leibwache einigermaßen ansehnlich erscheinen zu lassen. Bis zum Waffenstillstande mußte man daneben jede Stunde zum Ueberschreiten der Russischen Grenze bereit sein, denn das Depot sollte in diesem Falle das Königliche Hauptquartier begleiten. ... Alle Anordnungen zur Einkleidung, Armirung und zu den Uebungen gingen stets persönlich vom Könige aus; bei jedem Exerciren waren Allerhöchstdieselben dabei und änderten ab und verbesserten. Es sollte in der neuen Garde das Muster für die neue Armee gebildet werden." (aus der Regimentsgeschichte)

Der König kannte nahezu jeden Mann des Depots persönlich und erinnerte sich ganz genau, ob er ihn vor dem Kriege in Potsdam gesehen hatte oder nicht. Es kam nicht selten vor, daß wenn er einen Mann tadelte, er hinzusetzte: "Du warst ja sonst ein guter Exerzierer, oder ein properer Soldat, ..." und zwar stets unter Hinzufügung des Namens des Getadelten. Bei der Wachtparade wählte der König die Leute für die verschiedenen Posten häufig selbst aus. "Daneben sorgte er väterlich für jedes Einzelnen Wohl. Erst nach Monaten erfuhren dann die beglückten Soldaten, daß der Prediger oder Bürgermeister in ihrem Heimathsort ihren Familien Geldunterstützungen hatte zukommen lassen. Diese Wohlthaten wurden in der Regel durch die Königin vermittelt." (aus der Regimentsgeschichte)

Zur Bekleidung der neuen Garde spricht sich die Regimentsgeschichte wie folgt aus: "Die Bekleidung dieser Mannschaften war natürlich ganz dieselbe, wie die der 4 Garde-Bataillons vor der Schlacht von Auerstädt. Waren so in dem kleinen Corps schon 6 verschiedene Uniformen (durch die Flügelgrenadiere) vorhanden, so wurde der Anblick desselben noch bunter, als während des Marsches der Abtheilung im November und December von Graudenz bis Tilsit, Mannschaften der verschiedensten Feldregimenter dazu stießen. Es mußte deshalb mit einer vollständigen neuen Einkleidung des Ganzen schon während gedachten Marsches, soweit es die bedrängten Umstände irgend gestatteten, angefangen werden."

Als völlig neue Kopfbedeckung wurde der Tschako (Czakot) eingeführt. Dieser war für Mannschaften und Unteroffiziere aus schwarzem Filz gefertigt, etwa 7 Zoll hoch und etwa 22 Zoll im Umfang, das untere Ende mit einem schmalen Leder eingefaßt, um das obere Ende eine breite, silberne Tresse, welche bei den Unteroffizieren ausgezackt, den Gemeinen dagegen glatt war. Dazu ein schwarz-weißer Pompon, an der Vorderseite einen silbernen Gardestern. Dazu kam ein kleiner Lederschirm und ein ¾ Zoll breiter Leder-Kinnriemen. An Sonntagen und bei Paraden wurde auf den Tschako ein weißer Gänsefederbusch mit 13 Zoll Länge und ca. 7 - 9 Zoll Breite getragen. Der Federbusch der Unteroffiziere hatte am unteren Ende einzelne schwarze Federn. Im gewöhnlichen Dienst wurde ein schwarz leinener Überzug getragen.

Der Tschako der Offiziere war von feinerem Filz, oben etwa 1 Zoll breiter als am Kopfende, welches mit schwarz lackiertem Leder eingefaßt war. Um die obere Kante verlief eine 1 ¾ Zoll breite, schwarz durchwirkte Silbertresse. Das Pompon war von Silber, der Stern des schwarzen Adler Ordens zeigte die von der Mitte ausgehenden Spitzen versilbert und war im Gegensatz zu den Mannschaften und Unteroffizieren, mit einem emaillierten Mittelschild versehen. In diesem Mittelschild waren laut Regimentsgeschichte der Adler silberfarben[1] der Grund orange, bald Gold, Devisenband weiß, Ränder und „SUUM QUIQUE“-Motto vergoldet. Zweige grün mit goldenen Stielen und rotbraunen Früchten. Auf jeder Seite befanden sich je ein kleiner versilberter, heraldischer Preußenadler, an welchen eine versilberte Drahtkette, nach dem hinteren, oberen Ende des Tschakos in einem kleinen versilberten Haken eingehängt, zusammen lief. Diese Drahtkette diente den Offizieren als Kinnriemen. Der Paradebusch bestand aus langen, weißen Kapaunfedern und hatte am unteren Ende 5 - 6 schwarze Federn. Der Feldüberzug war von schwarzem Wachstaft. Die 1807 erhaltenen Tschakos blieben in der Form unverändert bis zum April 1814 vor Paris.

Als Halsbinden legten die Offiziere schwarze Samt- oder Seidentücher mit weißleinenem Überschlag von ¼ Zoll Breite an. Unteroffiziere und Gemeine dagegen Binden von schwarzem Boy, auch leichtem dergleichen Tuch über Pappe gezogen und ebenfalls mit weißleinenem Überschlag.

Als Montierung wurde ein Rock aus dunkelblauem Tuch mit niedrigem, offenem Kragen getragen. Die schwedischen Ärmelaufschläge waren ebenfalls offen. Das Futter unter dem Brustaufschlag, den Ärmelaufschlägen und den Schößen aus rotem Tuch. In diesen Tagen erhielt die neue Garde ihre charakteristischen Uniformierungsdetails[2], zu denen auch die silberfarbenen Knöpfe gehörten (im Gegensatz zum überwiegenden Teil der restlichen Armee, der Tombak- bzw. Goldknöpfe hatte), diese vorne in zwei Reihen zu je 8 Knöpfen. Dazu auf jedem Ärmelaufschlag je zwei und in der Taille nochmals zwei dergleichen Knöpfe. Rock und Schoß waren bis zum 04.04.1817 mit weißem bzw. rotem Tuch gefüttert, dann wie bei der Linie mit Boy. Um das untere Ende des Kragens verlief eine silberne, ¾ Zoll breite Bandtresse, die bei den Mannschaften glatt und bei den Unteroffizieren "durchschlagen" war. Auf der linken Schulter saß eine weiße Achselklappe, gehalten von einen silberfarbenem Knopf, für das Patronentaschen-Bandelier. Die weiße Schulterklappenfarbe war der neuen Nomenklatur der entstehenden preußischen Armee entsprechend gewählt worden.[3] Vorne herunter verlief eine rote Rabatte mit auf jeder Seite 2 silbernen Litzen ohne Spiegel. "Außerdem befanden sich noch auf jedem Aermelaufschlag 2, auf jeder Seite des Abschnitts 2 und auf dem Taschendeckel 2 silberne Bandschleifen oder Litzen, am ganzen Rock also 16 Litzen. Dieselben waren ungefähr 2 Zoll lang und ¾ Zoll breit, bei den Gemeinen glatt zugespitzt, die der Unterofficiere aber an dem äußeren Ende mit Silberpuscheln versehen. Der Rock war weit gemacht, die Schöße breit und bis 3 Zoll über die Kniekehle reichend, und der Leib wie Aermel mit weißem leichten Tuch gefüttert. Die Rabatte wurde nur bei besonderen Gelegenheiten, wenn das Haar gepudert, aufgeknöpft d. h. umgeschlagen, getragen, weshalb sich an den beiden Brustkanten Haken und Oesen befanden, um den Rock festschließen zu können.

Die Uniform der Officiere war von Tuch mit seidenem oder ähnlich gutem Futter, hatte breitere silberne gestickte Litzen, stark versilberte Knöpfe, keine Achselklappe auf der linken Schulter, bei Paraden wurde auf der rechten Schulter ein silbernes Achselband getragen." (aus der Regimentsgeschichte)

Die Hosen waren nun von hell meliertem, grauen Tuch, mit Stiefeletten über den Schuhen, an den Außenseiten der Hose am unteren Ende aufgeschlitzt, mit drei mit Tuch überzogenen Knöpfen versehen und mittelst Lederstrippen unter den Schuhen befestigt. Die Hose war vom Knie an aufwärts weit und sehr bequem angefertigt und mit grauer Leinwand gefüttert.

Dir Offiziere trugen schwarzgraue, tuchene, bis auf den Fuß reichende Beinkleider, die über den Stiefeln (Offiziere hatten hier keine Stiefeletten) getragen wurde. An der Außenseite war die Hose mit 18 platten, versilberten Knöpfen besetzt, die überzuknöpfende Kante mit einem roten Tuchvorstoß versehen und die Hose mittels Lederstrippen unter dem Fuß befestigt.

"Neben diesem Anzuge bestand bei den Officieren zur Zeit auch noch außer Dienst der Interimsrock, blau, mit einem übergeschlagenem rothen Kragen und Aermelaufschlägen, mit einer Reihe versilberter Knöpfe, die Schöße etwas länger und breiter wie an der Uniform. Achselklappe und Achselband ebenfalls wie bei jener. Zu diesem Rock wurden schwarze enge Hosen mit langen Stiefeln, dreieckiger Hut, worauf ein weißer Hahnenfederbusch, getragen. 1814 kam dieser Anzug ganz außer Gebrauch." (aus der Regimentsgeschichte)

Das Garde-Depot besaß zunächst noch keine Mäntel. Diese waren im Jahre 1713 oder 1714 von König Friedrich Wilhelm I. abgeschafft worden und seither nicht mehr etatmäßig für den Preußischen Soldaten. Im Feldzug des Herbst/Winters 1806 auf 1807 war jedoch der Mangel dieses Kleidungsstückes deutlich zu Tage getreten.

Das Lederzeug der Grenadiere war von Beginn an weiß und blieb es auch entgegen der Linie, die später schwarzes Lederzeug bekam, bis 1918.

Über das damals verwendete Schuhzeug schreibt die Regimentsgeschichte: "Vom Herbst 1806 bis dahin 1807 wurden an Unterofficiere und Mannschaften beim Stamm diesseitigen Regiments nur die gewöhnlichen Commisschuhe, jährlich 2 Paar Sohlen verabreicht."

Über die Bewaffnung beim Garde-Depot schreibt die Regimentsgeschichte: "Auch in Betreff der Bewaffnung waren bei Bildung der Stamm-Abtheilung im November 1806 in Graudenz nur die, aus dem October ejusd. a. aufgelösten 4 Bataillonen Fußgarden, hervorgegangenen Commandirten und Reconvalescenten und die dem Stamm einverleibten Unrangirten, übereinstimmend mit solchen Gewehren und Säbeln versehen, wie sie ihre Bataillone beim Ausmarsch im September genannten Jahres trugen, nämlich Gewehre: Schwarze gerade Schäfte, gewöhnliche Röhre mit kleinem Caliber, Feuerschloß, langes schwaches Bajonett und cylinderförmigen Ladestock. Das ganze Gewehr war mit Riemen zwischen 9 und 10 Pfund schwer. - Mit weiterem Zuwachs an Mannschaften wurde auch die Verschiedenheit der bei der Garde-Stamm-Abtheilung (Depot) befindlichen Waffen, deren Ersatz aus denen in der Festung Graudenz, später aus anderweitigen kleinen zerstreuten Vorräthen in den Orten Ostpreußens, in soweit diese vom Feinde zur Zeit noch nicht besetzt waren, möglich gemacht wurde, - immer noch vergrößert. - Große Aushülfen sowohl an Feuer- als Seitengewehren wurden der Stamm-Abtheilung, wie auch kurz nach Friedensschluß in Tilsit während des Juli, dem nun formirten neuen Garde-Bataillon, aus den auf den Schlachtfeldern bei Eilau und Friedland gesammelten Waffen, wie auch demnächst aus verschiedenen Feldlazarethen, in welche von Verwundeten und Kranken aller Armeen Waffen mitgebracht, deren Eigenthümer aber gestorben, oder auch bei ihrer Genesung unbewaffnet aus denselben entlassen waren. Unter diesen Ansammlungen befanden sich nun selbstredend nicht allein die mannigfaltigsten Caliber, sondern auch ebenso verschiedenen Garnituren und Construktionen, weil der größere Theil davon früher Truppen der französischen Armee oder Theilen ihrer Verbündeten, andere aber auch der russischen Armee angehört hatte. Durch Umtausch nach Caliber und anderer Beschaffenheit zu Gunsten der neuen Garde-Abtheilung wurde ermöglicht, daß bei derselben nach dem Frieden sehr bald im ganzen Bataillon nur allein Preußische Feuergewehre, wenn auch von verschiedener Farbe, langen und kurzen Bajonetten, kleinem und großem Caliber etc. existirten; damit mußte sich das Bataillon und selbst Ende 1808 noch das formirte neue Regiment begnügen, bis Endlich die Feinde Pommern, die Marken und Schlesien 1809 gänzlich geräumt hatten, zu welcher Zeit endlich das ganze Regiment gleichmäßige Schießwaffen, und zwar übereinstimmend mit den beim ursprünglichen Stamm befundenen, nämlich mit den langen schwachen Bajonetten, schwarz gebeizten geraden Schäften und kleinem Caliber, erhielt. Es war nichts Seltenes, daß im Jahre 1807 und 1808 beim Antreten der Compagnien ein Umtausch der Gewehre, um diese im 1. Gliede und auf den Flügeln beim Exerzieren gleichmäßig zu haben, vorgenommen wurde."

Die Gewehre der preußischen Armee vom Modell 1782 bis zum Modell 1869, Zeichnung von Paul Pietsch

Nach der Regimentsgeschichte wurde also die neue Garde durchgängig mit dem altpreußischen Gewehr M 1782 ausgerüstet. Bei der Aufstellung der neuen Preußischen Armee im Jahre 1807 waren wie berichtet alle Waffen, derer man Habhaft werden konnte, im Gebrauch. Da war zunächst das Gewehr, welches nun allgemein als "altpreußisches" bezeichnet wurde, aber offiziell als Modell 1782 eingeführt worden war. Dieses war nach den Ereignissen der Vorjahre nur noch in kleinen Resten vorhanden. Daher wurden auch allerlei Modelle der verbündeten Länder wie England, Österreich und Rußland oder gar erbeutete französische Gewehre oder die Waffen der Büttel der Franzosen verwendet. Unter den französischen Gewehren sollen sogar welche gewesen sein, die diese vorher von den Preußen erobert hatten. Neben diesen Modellen war auch das "neupreußische", offiziell Modell 1809 genannte Gewehr nach dessen Einführung im Gebrauch, jedoch noch nicht bei der neuen Garde. Diese Umstände führten dazu, daß oft in einer Kompagnie verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Kalibern im Einsatz waren und daher die Munition des einen Mannes von seinem Nebenmann nicht zu benutzen war. Dies galt für die Garde, wie für alle anderen Regimenter.

Zur Verschiedenheit der bei der Leibcompagnie verwendeten Gewehre findet sich ein sehr interessanter Brief des Lieutenants von Pogwisch. Leider ist das Datum und der Adressat dieses Briefes nicht überliefert, dennoch gibt er gute Auskunft über die Schwierigkeiten der Bewaffnung der neuen Garden zu Fuß:

"Ueber den Zustand der Gewehre der Leibcompagnie des Garde-Regiments zu Fuß.

        Der Hauptnachtheil unserer Gewehre bleibt stets der, daß sie mit den übrigen der Armee nicht gleiches Caliber haben, und die für sie gehörige Munition, die so vielen Unglücksfällen unterworfen, sehr leicht im Kriege fehlen kann, ohne im Stande zu sein, dieselbe in der nöthigen Geschwindigkeit ergänzen zu können. Bei dem mehrjährigen Scheibenschießen hat mir die Erfahrung gezeigt, daß im richtigen Schießen dieselben gewiß gegen die der neuen Art um nichts zurückstehen. Doch sind im Regiment viele Gewehre, und zwar bei der Leibcompagnie 170 Stück, ihres zu kleinen Calibers wegen in sich nachgebohrt worden, wobei diese in der Richtigkeit des Schießens im Ganzen wohl ganz und gar nichts gewonnen haben, was sich bei denselben auch deutlich gezeigt hat. Es sind einige Läufe sogar darunter, wo die Patrone von oben ganz hineinfällt, bis ohngefähr die Mitte des Laufs, und dann fest sitzen bleibt, wo sie vermöge der Gewalt des Ladestocks herunter gestoßen werden muß. Dieses ist also schon ein augenscheinlicher Beweis, der zum Nachtheil des richtigen Schießens dient. Auch sind viele der Batterien zu weich, die sehr oft verstählt werden müssen, und ist dieses häufiger bei dem diesjährigen Scheibenschießen der Fall gewesen, besonders bei den vom Major von Thiesenhausen vorgeschlagenen Gewehrsteinen, die härter als die französischen sind und daher die Batterie um vieles mehr angreifen. Die Schäfte der Gewehre haben durch die verschiedenen Transporte und dabeiigem Verpacken gelitten, so daß alle Augenblicke dieselben Reparaturen benöthigt sind oder gar neue gemacht werden müssen.

        Erhielte das Regiment nun die neuen Infanterie-Gewehre, so würden dadurch die Ausgaben des Staats um nichts vermehrt werden, indem unsere Gewehre noch sehr gute und brauchbare Dienste bei einer Festungsbesatzung leisten könnten, wo schon der Hauptnachtheil in Hinsicht der Munition eintreten kann, und nicht leicht ein Mangel oder gar eine Nicht-Herbeischaffung stattfinden, was bei einem Regimente im Felde doch eher möglich ist.

gez. von Pogwisch."

Unteroffiziere hatten meist garkein Gewehr, sondern nur ein Sponton. Die Regimentsgeschichte berichtet hierzu:

"Den Unterofficieren wurden sogenannte Sponton-Kurzgewehre in Memel verabreicht, in den folgenden Jahren, in welchen die Vorräthe der Gewehre wieder ausreichten, wurden ihnen neben den Spontons Karabiner unter der Benennung »Büchsen«, eine Waffe, der ganz gleich, welche bei der schweren Cavallerie bis 1806 üblich war, gegeben. Diese Carabiner, nach und nach zeitgemäß verbessert und umgeändert, verdrängten die Spontons in der Art, daß diese 1810 - 1813 nur noch von den Flügel- und Fahnen-Unterofficieren beibehalten wurden, um damit bei Paraden und Garnisondienst erscheinen zu können, bei allen übrigen Diensten, besonders Manövern und auf Märschen aber auch jene Büchsen trugen; beim Ausmarsch zu Felde 1813 aber die Spontons sämmtlich auf den Kammern in den Garnisonen zurückgelassen wurden. Unter diesen Unterofficier-Büchsen befanden sich aber welche, die vor und bis 1806 von den Unterofficieren der bis zu dieser Zeit bestandenen Füsilier-Brigaden in Gebrauch gewesen, ziemlich großes Caliber hatten und in der Hand eines guten Schützen auch eine sehr gute Schießwaffe waren. Sämmtliche Büchsen dieser Art wurden 1809 den Unterofficieren des neu errichteten Garde-Füsilier-Bataillons diesseitigen Regiments in Königsberg in Preußen, die noch übrigen aber an die Tirailleur-Unterofficiere der beiden Grenadier-Bataillone, per Compagnie 3 Stück, verabreicht."

Zur Bewaffnung der Mannschaften und Offiziere mit Seitengewehren (Säbel) spricht sich die Regimentsgeschichte folgendermaßen aus: "Auch in Bezug der Säbel herrschte beim Regiment bis 1815 eine große Verschiedenheit; man betrachtete den Säbel zwar als zur vollständigen Armirung eines Soldaten gehörend, da aber zur Zeit der Staat seine so beschränkten Mittel auf viel nothwendigere Sachen etc. zu verwenden Bedacht nehmen mußte, so wurde es in Memel und Königsberg, wie auch später beim Ausbruch des Krieges und während desselben, von den Vorgesetzten des Regiments gar nicht ungern gesehen, wenn sich in Beziehung hierauf jeder Einzelne selbst zu helfen suchte und die Gelegenheit wahrnahm, die entweder noch mangelnde Waffe zu beschaffen, oder die bereits von mittelmäßiger Beschaffenheit besitzende gegen eine bessere umzutauschen. - Der gegebenen Bestimmung gemäß sollten die Säbel beim Regiment nach der altpreußischen Form beschafft werden, nämlich wie selbige aus früheren, bis October 1806 bestandenen Fußgarden von den Stammmannschaften nach Graudenz im November ejusd. a. mitgebracht, aber wo hernehmen in damaliger Zeit? Es war ebenso bei den Säbeln der Fall, daß der größere Theil 1807 aus Lazarethen und von den Schlachtfeldern bei Eilau und Friedland etc., aus russischem Fabrikat mit dem Stempel auf den Klingen "Thula" bestehend, dem Bataillon zukam; der fernere Ersatz hingegen aus den Zeughäusern zu Königsberg, 1811 aus dem zu Berlin und 1813 aus den Artillerie-Depots zu Breslau und Neisse etc. geliefert wurden.

Die Seitengewehre der preußischen Armee vom altpreußischen Modell 1715 bis zum Modell 98/05, Zeichnung von Paul Pietsch

Die Officiere tragen, die der Grenadier-Bataillone während des Friedens Degen, die des Füsilier-Bataillons hingegen gekrümmte Säbel in schwarz lackirten ledernen Scheiden, mit gelben Ortbändern, wie dergleichen Beschlägen am Oberende. Bis 1826 im Februar hatten dieselben polirte Stahlscheiden, und der Säbel wurde lang getragen, wie bei der leichten Cavallerie, von genannter Zeit ab aber jene Stahlscheide durch die Lederscheide verdrängt, wie auch das Tragen des Säbels kurz an der Hüfte, ganz gleich dem Degen, dienstlich wurde. Während des Krieges können auch die Officiere bei den Grenadier-Bataillons Säbel tragen, was auch 1813 - 1815 geschehen ist. Das Gehäng zum Degen und Säbel tragen die Officiere unter dem Rock, bei weißen leinenen Hosen mit weiß und bei Tuchhosen mit schwarz ledernen Taschen."

Zum Lederzeug der neuen Garde zu Fuß steht in der Regimentsgeschichte: "Säbelkoppel und dessen Tragart war beim Regiment bis 1810 dauernd bei allen Dienstverrichtungen um den Leib, und zwar dergestalt über den Montirungsrock geschnallt, daß von diesem die untersten 2 Knöpfe unter dem unterem Rande des Koppels herauskamen und zwischen denselben saß eine zum Schieben eingerichtete gelbe Schnalle. Das Koppel selbst war 1¾ Zoll breit und wurde im Putz mit weißem Thon, in Wasser aufgelöst, angestrichen, wie dieses auch mit dem 2 Zoll breiten Patrontaschen-Bandelier und Mantel- und Tornisterriemen der Fall war. -

Patrontasche mit Bandelier (Tragriemen). Die Tasche von 1806 und 1807 an in ziemlicher Größe, bestehend aus schwarz ledernem Kasten, in welchem 60 scharfe Patronen geräumig verwahrt werden konnten, mit großem dergleichen Deckel, welcher mit Wachs, später mit Lack, in Putz erhalten wurde, auf demselben ein weißblechener, schwach übersilberter und achtspitzig ausstrahlender Stern, welcher innerhalb in einem runden Felde den Adler mit ausgespreizten Flügen, das umgebende Feld aber die Inschrift des schwarzen Adler-Ordens »Suum cuique« enthielt und vermittelst 3 Oesen angebracht ist. Dieser weiße Stern wurde mit dem von gleicher Masse, am Czakot befindlichen, im April 1814 in Paris durch einen gelb blechernen verdrängt.

Tornister, von behaartem Kalbfell und innerhalb mit Grauer Leinewand gefüttert, wurde 1806 - 1809 noch an einem 1 Zoll breiten weißledernen Riemen über die linke Schulter getragen."

Am 07./08.02.1807 wurde die blutige Schlacht bei Preußisch Eylau geschlagen. General Levin August von Bennigsen blieb am 07.02.1807 bei Preußisch Eylau mit seiner russischen Armee stehen, um Königsberg zu schützen. Er erwartete das letzte vorhandene preußische Korps unter Generalleutnant Anton Wilhelm von L'Estocq. Es standen sich die russische Armee mit 70.000 Soldaten und 400 Geschützen und die französische Armee mit genauso vielen Soldaten und 450 Geschützen gegenüber. Benningsen positionierte seine Streitkräfte an einer Höhenstellung nordöstlich der Stadt, die Kavallerie war größtenteils am linken Flügel, während die Geschütze im Zentrum standen. Die Stadt Eylau wurde von vorgeschobenen Einheiten unter General Bagration geschützt. Das Ziel Napoléons war es, den linken Flügel des Gegners zur Mitte abzudrängen und dort den Sieg zu erringen. Abends am 07.02.1807 begann der Kampf um die Stadt, die die Franzosen erobern, aber nicht halten konnten. Am 08.02. wurde der Kampf bei schlechtestem Wetter weitergeführt. Ein Schneesturm behinderte den französischen Angriff gegen den russischen linken Flügel, wobei ein Korps sich verirrte und auf das russische Zentrum traf. Erst als mittags der erneute französische Angriff gegen den linken Flügel begann, wendete sich das Kriegsgeschehen zugunsten Napoléons. Kurz darauf stieß jedoch das preußische Korps unter Oberst Gerhard von Scharnhorst mit 8.000 Mann, das in einem Eilmarsch nach Preußisch Eylau kam, in die rechte Flanke der französischen Einheiten. Dadurch konnte der russische linke Flügel standhalten, und die Franzosen mussten zurückweichen. In den weiteren Kämpfen errang keine Seite einen Sieg, so daß die Erschöpfung der Truppen und die einbrechende Dunkelheit der Schlacht ein Ende setzten. Diese Pattsituation kostete etwa 26.000 Soldaten auf russischer Seite das Leben. Napoléon hatte 19.000 erfahrene Soldaten und  - viel wichtiger noch - den Nimbus der Unbesiegbarkeit verloren.

Am 16.02.1807 traf in Memel General Bertrand als der Unterhändler Napoléons ein, um den König zu einem Separatfrieden zu bewegen. "Aber der Monarch hielt standhaft am Bündniß mit Rußland fest, trotzdem nun auch Schlesien schmachvoll fast ohne Widerstand in die Hände der Franzosen gefallen war. Während Graudenz und Danzig durch ihre heldenmüthige Vertheidigung erhebende Beispiele der Tapferkeit nach so viel trüben Ereignissen gaben, traf am 2. April der Kaiser Alexander von Petersburg in Memel ein, um in persönlicher Zusammenkunft das Bündniß auf Siegen oder völligen Untergang mit dem Könige zu befestigen." (aus der Regimentsgeschichte)

Der König hatte schon im Februar Major Gustav Adolph von Kessel, den ehemaligen Kommandeur der Leibkompagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15, zum Kommandeur des Garde-Depots bestimmt. Am 27.02.1807 erhielt dieser ein eigenhändiges Schreiben des Königs, worin der Monarch ihm mitteilte, daß er gegen den Französischen Obersten Gebudine ausgetauscht sei und sich daher zur Armee nach Preußen begeben möchte. Von Kessel befand sich zu diesem Zeitpunkt noch in Schönhausen bei Tangermünde und machte sich nun auf den Weg zu seinem neuen Kommando. In seiner Abwesenheit kommandierte weiterhin Secondelieutenant Julius Ludwig von Pogwisch das Garde-Depot.

Friedrich Wilhelm ritt Alexander bis zur Russischen Grenze bei Krottingen entgegen. Gegen Mittag des 02.04.1807 besichtigte der Zar zusammen mit dem König das Garde-Depot und erkannte mehrere Unteroffiziere, die er bei seinem Besuch im Jahre 1805 in Potsdam kennen gelernt hatte. Er ließ sich von ihnen die Vorgänge bei Auerstädt erzählen und verlieh Lieutenant von Pogwisch den St. Wladimir Orden 4. Klasse. An diesem Tage standen beim Garde-Depot in der Front: 6 Offiziere, 315 Unteroffiziere und Gemeine. Etwa 60 Leute konnten wegen mangelnder Uniformen zu diesem Zeitpunkt noch nicht eingestellt werden. "Diese Parade ist noch dadurch merkwürdig, daß sie Veranlassung gab, die letzten Zöpfe aus der Preußischen Garde verschwinden zu machen. Bereits während des Marsches von Graudenz nach Memel war bei dem Garde-Depot der Befehl gegeben, daß die Zöpfe nach und nach verschwinden sollten, und dieser Befehl nach dem Einrücken in Memel wiederholt worden. Da sich aber Leute sowohl als Unterofficiere nicht gern ganz von dem lieb gewordenen Schmuck trennen wollten, banden sie den Zopf beim Erscheinen im Dienst sehr geschickt unter den Montirungskragen, so daß er leicht dem Auge des Besichtigenden entgehen konnte. Spähende Blicke einzelner Vorgesetzten hatten aber doch den armen Versteckten entdeckt, und es wurde nun eine Strafe von 10 Fuchtel für jeden noch ferner wahrgenommenen Zopf festgesetzt." (aus der Regimentsgeschichte) So entledigte sich also nun auch die Garde der sprichwörtlichen alten Zöpfe.

Am 05.04.1807 reisten beide Monarchen zur Armee des Generals Benningsen nach Heilsberg.

Am 16.04.1807 traf Major Gustav Adolph von Kessel bei Seiner Majestät im Hauptquartier in Schippenbeil ein und trat nun seinen neuen Posten als Kommandeur des Garde-Depots an. Er löste damit den vorläufigen Kommandeur Secondelieutenant Julius Ludwig von Pogwisch in dieser Position ab, der im Folgenden die 1. Kompagnie behielt und als Adjutant von Kessels diente. "Hindernisse verschiedenster Art hatten es ihm unmöglich gemacht, vor dem 16. April in Schippenbeil einzutreffen. Der König ernannte ihn bei der Meldung zum Bataillons-Commandeur mit dem Gehalt dieser Charge, und seit Kessels Eintreffen an 26. in Memel wurde die Garde-Abtheilung, obwohl nur aus 2 Compagnien bestehend, in allen Dienstbefehlen Bataillon benannt." (aus der Regimentsgeschichte)

Aus dem Garde-Depot war also vom 26.04.1807 an das Bataillon Garde zu Fuß geworden. Zumindest auf dem Papier, denn es bestand nach wie vor nur aus zwei Kompagnien. Schon am 27.04. bat von Kessel bei dem täglichen Zuwachs der Mannschaften interimistisch um einen Regiments-Quartiermeister und um einen Stabswagen. Ferner um Rationen für die Lieutenants Julius Ludwig von Pogwisch und Heinrich Werner Friedrich von Below. Die Namensgebung der neuen Garde war damit aber keineswegs eindeutig. So finden sich in Briefen - auch welchen des Königs - die verschiedensten Bezeichnungen. Einmal war dabei vom "Leib-Grenadier-Garde-Bataillon" die Rede, ein anderes mal von der "Königlichen Leib-Garde".

Ebenfalls am 26.04.1807 beschlossen Russland und Preußen im Vertrag von Bartenstein, weiter gemeinsam gegen Napoléon Bonaparte zu kämpfen.

Am 06.05.1807 sandte Major von Kessel einen Rapport an den König, wonach das Bataillon Garde zu Fuß zu diesem Zeitpunkt folgende Stärke aufwies: 7 Offiziere, 57 Unteroffiziere, 2 Chirurgen, 26 Spielleute, 333 Gemeine, 13 Knechte. In diesem Rapport bat von Kessel auch, einige Leute wegen "schlechter Führung" an andere Regimenter abgeben zu dürfen.

Der 4. Koalitionskrieg ging unterdessen mit der Schlacht bei Heilsberg am 10./11.06.0807 unvermindert weiter. Das Russisch-Preußische Korps unter dem russischen General Graf Levin (Leontij Leontevič) August Theophil von Bennigsen (10.02.1745 - 03.12.1826) kämpfte dabei gegen die Franzosen unter Murat und Soult.

Am 21.05.1807 wurde Lieutenant von Lyncker mit 8 Unteroffizieren, 4 Spielleuten und 50 Grenadieren als Stabswache in das Russisch-Preußische Hauptquartier nach Tilsit entsandt. Das kleine Kommando war also während der nun folgenden Friedensverhandlungen zusammen mit Abteilungen Russischer und Französischer Garden in dem zum neutralen Gebiet erklärten Tilsit anwesend.

Ebenfalls am 21.06.1807 schlossen Rußland und Frankreich einen Waffenstillstand ab. Es wurden nun zu Tilsit Friedensverhandlungen zwischen Frankreich, Rußland und Preußen aufgenommen.

Am 23.06.1807 wurde der Kommandeur des Bataillons Garde zu Fuß Major von Kessel, zum Kommandanten von Memel ernannt und ihm Premierlieutenant Leopold Anton Adrich von Natzmer als Adjutant und Lieutenant von Weyrauch zur Dienstleistung beigegeben.

Am 24.06.1807 erreichen Zar Alexander I. und König Friedrich Wilhelm III. den Flecken Picktupönen, am rechten Ufer der Memel, kaum eine Meile von Napoléons Hauptquartier in Tilsit am linken Memelufer entfernt. Napoléon schickte seinen Haushofmeister Duroc in das alliierte Hauptquartier, um den Zar zu einer Zusammenkunft zu laden. Schon am Tag darauf trafen sich die beiden Kaiser zu bilateralen Gesprächen auf einem Floß, das Napoléon auf der Mitte des Memelflusses hatte verankern lassen. Friedrich Wilhelm stand derweil am Ufer in strömendem Regen und sah zu. Das ruhmreiche Preußen war zu einem kleinen unbedeutenden Zuschauer herabgesunken. Am 26.06.1807 wurde auch Friedrich Wilhelm zu der Zusammenkunft zugelassen. Er war anwesend, durfte jedoch nicht verhandeln. Napoléon hatte den Pavillon auf dem Floß in der Memel prachtvoll herrichten lassen. Man hatte die Initialen Napoléons und Alexanders angebracht. Friedrich Wilhelm war für den Kaiser der Franzosen Luft. Napoléon stellte ihm seine Umgebung nicht vor, von der Tafel wurde er ausgeschlossen. Wenn der Korse doch das Wort an ihn richtete, so waren es niemals politische Themen. Er verwies auf die Mängel im preußischen Staatswesen und im preußischen Heer. Er belehrte ihn, wie man regieren müsse. Er spottete über Friedrich Wilhelms Benehmen und über sein Äußeres, ein Affront übelster Art. - So nahmen die Friedensverhandlungen ihren Anfang.

Während die Friedensverhandlungen noch liefen, befahl der König am 27.06.1807 dem Major von Kessel, daß aus den beiden durch Selbstranzionierte inzwischen sehr verstärkten Kompagnien ein volles Bataillon mit 4 Kompagnien gebildet werden sollte. Die A.K.O. hierzu lautete:

"Da jetzt ein Waffenstillstand auch preußischer Seits abgeschlossen ist, so ist dieser Augenblick der günstigste, um aus den zwei Compagnien Garde 1 Bataillon von 4 Compagnien zu formiren, und haben Sie diese Veränderung sogleich vorzunehmen.

Piktupöhnen bei Tilsit am 27. Juni 1807.

Friedrich Wilhelm.

An den Major von Kessel in Memel."

Die Formation geschah derart, daß zur 1. Kompagnie die Leute vom I. Bataillon Leibgarde Nr. 15, zur 2. Kompagnie die Leute vom Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 und zur 3. und 4. Kompagnie die Leute vom Regiment Garde Nr. 15 kamen. Die Mannschaften von anderen Regimentern wurden "nach Bedürfniß" auf die Kompagnien verteilt.

Die Kompagniechefs wurden

 

1. Kompagnie: der Premierlieutenant Leopold Anton Adrich von Natzmer vom I. Bataillon Leibgarde Nr. 15

2. Kompagnie: der aggregierte Premierlieutenant Thomas Friedrich von Jagow I., bisher Premierlieutenant beim Regiment des Königs Nr. 18

3. Kompagnie: der Secondelieutenant Job Carl Ernst Wilhelm von Witzleben vom I. Bataillon Leibgarde Nr. 15

4. Kompagnie: der Stabscapitain und Inspektions-Adjutant des Generals von Hirschfeld, Friedrich Johann Carl Gebhard von Alvensleben

Major Friedrich Wilhelm Ludwig Christian von Jagow, bisher Stabscapitain beim Regiment des Königs Nr. 18 wurde dem Bataillon als zweiter etatmäßiger Stabsoffizier, neben Lieutenant Julius Ludwig von Pogwisch, zugeteilt. Die 3. Kompagnie wurde nicht sofort übergeben, sondern interimistisch noch einige Wochen von Secondelieutenant Heinrich Werner Friedrich von Below geführt.

Am 07. und am 09.07.1807 wurden durch die Friedensverträge von Tilsit zwischen Kaiser Napoléon I. Bonaparte von Frankreich, Zar Alexander I. von Russland und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen der 4. Koalitionskrieg beendet. Am 07.07. trafen sich Napoléon I. und Alexander I. auf einem in der Mitte der Memel schwimmenden Pontonboot, welches die Demarkationslinie zwischen der französischen und russischen Einflusszone markierte. Der Zar akzeptierte bei seinem Friedensschluß mit Frankreich vom 07.07.1807 den Rheinbund und das neu gegründete Herzogtum Warschau als napoléonische Vasallen und trat der Kontinentalsperre gegen England bei. Napoléon ermunterte Alexander zu einer konfrontativen Politik gegenüber England. Tatsächlich führte diese Politik nach dem englischen Flottenangriff auf Kopenhagen zum Englisch-Russischen Krieg von 1807 bis 1812. Russland erhielt weiterhin freie Hand für eine aggressive Expansionspolitik gegenüber Schweden und dem Osmanischen Reich. Darauf erzwang das Zarenreich im Russisch-Schwedischen Krieg von 1808 bis 1809 die Abtretung Finnlands und den Beitritt Schwedens zur Kontinentalsperre. Aus der Walachei und Moldavien zog sich Russland zunächst zurück, eroberte aber im Russisch-Türkischen Krieg von 1806 bis 1812 vom Osmanischen Reich bis 1810 große Teile des Kaukasus, (heute: Georgien) und sicherte sich 1812 Bessarabien. Die Ionischen Inseln und Cattaro, die von den russischen Admiralen Ushakov und Senyavin besetzt waren, gingen dagegen an Frankreich. Im Gegenzug garantierte Napoleon die Souveränität des Herzogtums Oldenburg und einiger anderer Kleinfürstentümer, die von deutschen Verwandten des Zaren regiert wurden.

Bataillon und Regiment Garde zu Fuß 1807 - 1813, Zeichnung aus dem Semper Talis Blatt Nr. 71 zum 250jährigen Regimentsjubiläum

War das franko-russische Abkommen vom 07.07.1807 noch ein Abkommen unter Gleichen, hatte der mit Preußen zwei Tage später geschlossene Vertrag den Charakter eines Diktatfriedens. Zwar verhinderte die Intervention des Zaren die von Napoléon angestrebte endgültige Liquidation Preußens, doch wurde der Gebietsbestand (und damit die Zahl der preußischen Untertanen) um nahezu die Hälfte reduziert. Danzig wurde Freie Stadt, an Sachsen fiel der preußische Kreis Cottbus. Die westelbischen Ländereien gingen sämtlich verlustig und wurden dem neu gegründeten Königreich Westphalen einverleibt. Ebenso mußte Preußen auf den Großteil seiner in den Polnischen Teilungen erworbenen Gebiete verzichten; aus diesen Territorien wurde das Herzogtum Warschau gebildet, das der König von Sachsen in Personalunion regierte. Die wichtigsten Festungen, darunter Magdeburg, erhielten französische Garnisonen. Das Heer wurde von vormals 200.000 Mann auf 42.000 Mann reduziert. Der 4,938 Millionen Einwohner zählende preußische Reststaat von nur noch 2.877 Quadratmeilen hatte eine Kriegskontribution von 120 Millionen Francs (über 32 Millionen Preußische Reichsthaler) zu leisten und musste der Kontinentalsperre gegen Großbritannien beitreten. Berühmt geworden ist in diesem Zusammenhang der Bittgang der Königin Luise zu Napoléon, in dem sie diesen am 06.07.1807 vergeblich um eine Milderung der Preußen auferlegten Gebietsverluste und Kontributionen anflehte. War dieser Friedensschluß von Tilsit am 09.07.1807 zwar schmählich für das verbliebene Rest-Preußen, so hatte doch der Zar wenigstens die nackte Existenz Preußens zunächst gesichert. Der russisch-französische Friedensschluss teilte Osteuropa in eine französische und eine russische Interessensphäre; das preußisch-französische Abkommen stufte Preußen auf den Status eines europäischen Kleinstaates vom Format z. B. Sachsens zurück. Preußen war damit keine Großmacht mehr und nur noch ein Schatten seines früheren Glanzes und seiner Stärke. Auch hier belohnte der Korse seine Vasallen, indem er ihnen Gebiete der Besiegten zusprach. So kam auch das frisch gewendete, neue Rheinbundmitglied Sachsen in den Genuß ehemals Preußischer Provinzen und der Sächsische Kurfürst Friedrich August III. (23.12.1750 - 05.05.1827) war für seine Vasallentreue sogar schon im Dezember 1806 mit der Ernennung zum König Friedrich August I. entlohnt worden.

Am 07.07.1807 erhielt das Bataillon Garde zu Fuß bedeutenden Zuwachs aus dem im Tilsiter Friedensschluß aufgelösten Freicorps von Krockow, welches sich bei der Belagerung von Danzig hervorragend geschlagen hatte. Der zuvor im Husaren-Regiment Blücher gestandene Rittmeister Graf Krockow hatte dieses über 1.000 Mann starke Freicorps Mitte Januar 1807 in Danzig aus Freiwilligen und Ranzionierten aller Waffen gebildet.

Am 10.07.1807 kehrte König Friedrich Wilhelm III. nach Memel zurück, wo seine Familie während der Verhandlungszeit geblieben war. Am 11.07. erhielt Generallieutenant Friedrich Wilhelm Philipp von Rüchel, vom 03.01.1798 bis 05.01.1805 Kommandeur und Chef des Regiments Garde Nr. 15, seinen Abschied. Seinen Posten als Generalgeouverneur von Preußen und Oberinspekteur der in der Formation begriffenen Bataillone übernahm Generalmajor Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg (26.09.1759 - 04.10.1830), zu dessen Ehren später Ludwig van Beethoven den berühmten Yorckschen Marsch komponierte, der der offizielle Parademarsch des Ersten Garderegiments zu Fuß wurde.

Nach dem Parolebefehl vom 14.07.1807 sollte die neu formierte Garde nun nicht mehr, wie bisher häufig geschehen, "Königliche Leibgarde" o. ä. genannt und geschrieben werden, sondern nur noch "Garde zu Fuß". In diesen Tagen trafen viele Offiziere der ehemaligen 4 Bataillone Garde (Nr. 15 und Nr. 6) in Memel ein und fanden Anstellung im Neuen Bataillon Garde zu Fuß oder wurden diesem zumindest aggregiert.

Am 16.07.1807 kehrte das Kommando unter Lieutenant von Lyncker vom Hauptquartier in Tilsit zum Bataillon Garde zu Fuß nach Memel zurück.

Am 08.08.1807 ernannte König Friedrich Wilhelm III. den Secondelieutenant Julius Ludwig von Pogwisch zum Premierlieutenant, die Fähnriche Friedrich Prinz von Preußen, Wilhelm Erdmann Graf von Pückler, Friedrich Wilhelm Kronprinz von Preußen und Franz Carl von Werder zu Secondelieutenants.

Am 24.08.1807 befahl der König, daß aus den noch eintreffenden Mannschaften des alten Regiments des Königs Nr. 18 eine dem Bataillon Garde zu Fuß zu attachierende Reserve-Kompagnie errichtet werden sollte und da diese wohl nur schwach ausfallen würde, sollte sie einstweilen unter der Aufsicht der beiden überzähligen Feldwebel des Bataillons Ahlert und Michaelis gestellt werden.

Am 24.08.1807 erließ der König an die Bewohner der abgetretenen Provinzen - mit Ausnahme der abgefallenen Polen - eine Proklamation: "Ihr kennt, geliebte Bewohner treuer Provinzen, Gebiete und Städte, meine Gesinnungen und die Begebenheiten der letzten Jahre. Meine Waffen erlagen dem Unglück; die Anstrengungen des letzten Restes meiner Armee waren vergebens. ... Ich entlasse Euch aller Unterthanen-Pflicht gegen mich und mein Haus. Unsre heißesten Wünsche für Euer Wohl begleiten Euch zu Eurem neuen Landesherren; seid ihm, was Ihr mir waret. Euer Andenken kann kein Schicksal, keine Macht aus Meinem und der Meinigen Herzen vertilgen."

Mit der Abtretung der Provinzen war auch vielen Leuten der alten 4 Gardebataillonen die Rückkehr zu der neuen Garde verwehrt, da sie ja  nun Ausländer waren. "Die durch den Tilsiter Frieden zu Ausländern gewordenen Leute des Bataillons, welche es durch bestimmte Erklärung vorzogen in Preußischen Diensten zu bleiben, erhielten von Sr. Majestät dem Könige durch Befehl vom 25. Juli der Unterofficier 2, der Gemeine 1 Friedrichsd´or mit der Versicherung als Geschenk, wie Se. Majestät auch ferner stets für sie sorgen werde. Dies bezog sich zur Zeit auf die aus Süd- und Neu-Ostpreußen und Danzig gebürtigen Leute. Alle von jenseits der Elbe gebürtigen im dienst Verbliebenen erhielten später ebenfalls eine Zulage und zwar die, welche noch vor dem Tilsiter Frieden eingetroffen, 20 gGr., und die später Eingestellten 10 gGr. für jedes Dienstjahr steigend gezahlt."

Nach der ersten Rangliste vom 24.09.1807 standen an diesem Tage nachbenannte Offiziere beim Bataillon Garde zu Fuß:

Rangliste des Bataillons Garde zu Fuß vom 24.09.1807

Quelle: Reinhard, Carl von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1740-1857, Potsdam 1858, August Stein

1) Major Gustav Adolph von Kessel, Kommandeur

2) Major Friedrich Wilhelm Ludwig von Jagow

3) Stabscapitain Leopold Anton Adrich von Natzmer, Kommandeur der 1. Kompagnie

4) Stabscapitain Friedrich Johann Carl Gebhard von Alvensleben, Kommandeur der 4. Kompagnie

5) Premierlieutenant Job Carl Ernst Wilhelm von Witzleben, Kommandeur der 3. Kompagnie

6) Premierlieutenant Julius Ludwig von Pogwisch I (Bataillons-Adjutant), 1. Kompagnie

7) Secondelieutenant Adolph Friedrich von Barnekow, 1. Kompagnie

8) Secondelieutenant Hans Ernst Carl von Bornstedt, 4. Kompagnie

9) Secondelieutenant Heinrich Werner Friedrich von Below I, 3. Kompagnie

10) Secondelieutenant Friedrich Prinz von Preußen, 1. Kompagnie

11) Secondelieutenant Wilhelm Heinrich Adolph von Below II, 2. Kompagnie

12) Secondelieutenant Ferdinand von Lyncker, 1. Kompagnie

13) Secondelieutenant Adolph Alexander Friedrich von Knobelsdorff, 1. Kompagnie

14) Secondelieutenant Ludwig Eugen von Gayl, 2. Kompagnie

15) Secondelieutenant Wilhelm Erdmann Graf von Pückler, 4. Kompagnie

16) Secondelieutenant Friedrich Wilhelm Kronprinz von Preußen, 1. Kompagnie

17) Secondelieutenant Franz Carl von Werder, 1. Kompagnie

18) Fähnrich Wilhelm Friedrich Ludwig Prinz von Preußen, 1. Kompagnie

19) Fähnrich Friedrich Wilhelm von Rauch, 2. Kompagnie

   

Aggregiert:

1) Premierlieutenant Thomas Friedrich von Jagow I, Commandeur der 2. Kompagnie

2) Secondelieutenant Carl George Albert von Rohr, 2. Kompagnie

3) Secondelieutenant Otto Heinrich von Pogwisch II, 1. Kompagnie

4) Secondelieutenant Friedrich Christoph von Jagow II, 3. Kompagnie

5) Fähnrich Hans Wilhelm Ludwig von Schierstädt I, 4. Kompagnie

6) Fähnrich Franz Dietrich Friedrich Ferdinand von Schierstädt II, 3. Kompagnie

   

Unterstab:

1) Regiments-Quartiermeister und Auditeur Scheps

2) General-Chirurgus Wiebel

"Im Spätherbst 1807 waren für das ganze Bataillon die von Sr. Majestät bereits unterm 7. August ejusd. a. befohlenen langen Stiefeln fertig und kamen bereits vom 5. September des Jahres 1807 ab zur Tragung. Die Tuchhosen folgender Jahre bis 1813 wurden bleibend in gedachter Art zum Tragen in den langen Stiefeln, d. h. bis ans Knie weit, vom Knie bis an die Knöchel enge, von dunkelgrauem Tuch angefertigt." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 03.10.1807 hatte das Bataillon Garde zu Fuß mit der Reserve-Kompagnie die erste Spezial-Revue vor dem König, fast ganz nach der bis 1806 üblichen Weise. Bei dieser Revue tat Kronprinz Friedrich Wilhelm seinen ersten Dienst im Bataillon. Es war die letzte Spezial-Revue der gesamten Preußischen Armee. Der König bewilligte später jedem teilnehmenden Unteroffizier ½ Thaler, jedem Grenadier 8 gGr. "Da der König diese Revue schon einige Wochen vorher in Aussicht gestellt hatte, so war der Major von Kessel eifrig bemüht gewesen, den Zustand des Bataillons so gut wie irgend möglich zu machen. Zur Revue stand das Bataillon vor dem Liebauer Baum rechts in Colonnne aufgeschlossen. Darauf traten die Züge Gliederweise mit ganzer Distance an, nach dem Vorbeimarsch wurde auf dem Haken geschwenkt und dann Zugweise eingeschwenkt. Nacvhdem im Ganzen gerichtet, wurde commandirt: Ober- und Unterofficiere und Spielleute! Vorwärts, Marsch! Darauf: Rekruten! Vorwärts, Marsch! Nachdem die Rekruten nachgesehen, commandirten Se. Majestät: Rekruten links um! Marsch! Worauf Alles auf seine Stelle trat. Darauf ging der König die Glieder herunter, und zum Schluß wurde noch einmal mit geöffneten Gliedern vorbeimarschirt."

An diesem Tag (03.10.1807) war das Bataillon Garde zu Fuß stark: 25 Offiziere, 98 Unteroffiziere, 39 Spielleute, 486 Grenadiere, 1 Regiments-Quartiermeister, 3 Ärzte, 7 Knechte und 46 Dienstpferde. Dazu kam noch die Reserve-Kompagnie mit 13 Unteroffizieren und 35 Gemeinen.

"Bei dem Zusammenströmen so vieler Militairs aller Nationen herrschte zur Zeit in Memel unter den Soldaten ein großer Hang zur Spiel- und Trunksucht. Auch unter den Officieren riß ein hohes Spiel ein, dem der König durch eine Cabinetsordre vom 11. October zu steuern suchte. Die Soldaten hatten mehr Geld als gewöhnlich, da sich in dem wieder eröffneten Hafen für sie viele und lohnende Arbeit fand." (aus der Regimentsgeschichte)

Die überzähligen Knechte und Pferde des Bataillons Garde zu Fuß wurden am 25.10.1807 nach Königsberg abgegeben.

"In Memel war es, wo der König nach dem Friedensschluß, mit einem nicht genug zu bewundernden Scharfblick, die Männer um sich versammelte, mit denen er das große Werk der Reorganisation der Armee ausführen wollte. Wir erwähnten schon oben, daß, während der König mit seinen Paladinen der Zukunft die Verbesserungen, Aenderungen und Vereinfachungen jeder Art ausarbeitete, ihm seine neu gebildete Garde recht eigentlich dazu diente, bei ihr das theoretisch Festgestellte sogleich praktisch zu prüfen. Wir finden ihn daher auch fast täglich bei den Exercierübungen gegenwärtig, bald prüfend, beschauend, bald ändernd. Jedes umgeänderte Uniformstück wurde ihm wiederholt vorgestellt. Es ist also ein schönes Vorrecht des Regiments, daß es dazu beigetragen hat, die neuen Ideen zu verwirklichen und auszubilden, um so mehr, da Se. Majestät sehr viel auf das Urtheil des Majors von Kessel gaben." (aus der Regimentsgeschichte)

Über den Bezug neunen Schuhwerks schreibt die Regimentsgeschichte: "Vom October 1807 bis ulitimo 1813 in soweit, als das Regiment sich noch im Friedenszustande befand, alle 2 Jahre ein Paar lange neue Stiefeln, ein Paar Vorschuhe, ein Paar gewöhnliche Schuhe und ein Paar Sohlen."

Am 06.11.1807 erließ Se. Majestät in Memel einen Befehl, wonach seiner neuen Garde Mäntel angefertigt werden sollte. Diese Mäntel waren von dunkelgrauem Tuch und hatten einen roten, offenen Kragen und eine weiße Schulterklappe. Ärmel und Leib waren mit grauer Leinwand gefüttert und so weit, daß sie bequem über den Montierungsrock gezogen werden konnten. Die Länge reichte bis an die Fußknöchel.

"Das Material sowohl zum Mantel, als zu den früher erhaltenen neuen Montirungen und Tuchhosen, wenn auch nicht immer in der Farbe gleich und übereinstimmend, indem zur Zeit viel bedurft wurde, aber nur wenig zu liefern da war, und aus dem ausgeplünderten vom Feinde noch besetzten Lande nichts zu beziehen möglich, war ausgezeichnet gut, vieles davon war ausländisches, meist englisches Fabrikat." (aus der Regimentsgeschichte)

Am Ende des ereignisreichen Jahres 1807 wurde für das Königspaar die Hoffnungen größer, daß sie nach Königsberg  in gesicherte Verhältnisse gehen könnten. Im Dezember wurden daher schon die Vorbereitungen zum Marsch der Garde nach Königsberg getroffen. Am 01.01.1808 erging folgender Befehl: "Se. Majestät der König lassen der ganzen Garnison aufrichtig Glück wünschen zum neuen Jahre und sind überzeugt, daß jeder Einzelne derselben zu allen Zeiten treu und brav dienen, sowie auch das Ganze seine Schuldigkeit thun werde. Ferner haben Se. Majestät befohlen, daß die Garde zu Fuß sich zum Abmarsch von Memel nach Königsberg parat halten soll."

Uniformen des Bataillons Garde zu Fuß 1808, Skizze von Fritz Kersten

Am 05.01.1808 besah der König das Bataillon Garde zu Fuß unter den Linden in Memel noch einmal in Parade. Am 09., 10., 11. und 12.01.1808 sollte kompagnieweise abmarschiert werden. Der Marsch ging über die Kurische Nehrung. In einem Extra-Befehl vom 05.01.1808 zum Ausmarsch aus Memel, findet sich der Hinweis, daß auf den Stabswagen 4 Fahnenstangen mitbefördert werden sollten. Das Bataillon hatte somit zwar noch keine Fahnen, jedoch Fahnenstangen waren schon vorhanden. Nachdem die 1. Kompagnie abmarschiert war und die 2. am darauf folgenden Tag ebenfalls abmarschieren sollte, zog ein heftiger Sturm auf, der das Übersetzen 4 Tage lang verhinderte, während die 1. Kompagnie wie geplant ihren Marsch fortsetzte. Vor Königsberg wartete diese dann solange, bis die übrigen Kompagnien ebenfalls eingetroffen waren. Am 21.01.1808 um 11:00 Uhr stand das Bataillon im Parade-Anzug vor Königsberg und wurde von Se. Majestät in die Stadt geführt. Die Kompagnien rückten in der folgenden Stärke aus Memel ab:

Kompagnie Offiziere Unteroffiziere Spielleute Grenadiere Knechte Pferde
1. 7 23 29 119 4 15
2. 5 25 4 127 2 7
3. 5 26 5 134 1 7
4. 9 30 7 120 10 17
Bataillon (Summe) 26 104 45 500 17 46

Dazu kam noch die Reserve-Kompagnie mit 36 Mann und einem Chirurgus. Der Regiments-Chirurgus Wiebel blieb bei Se. Majestät dem König. Die große Zahl der Spielleute bei der 1. Kompagnie rührt daher, daß die Regimentsmusik der 1. (Leib-) Kompagnie beigeordnet war. Dies blieb so bis zur Auflösung des Ersten Garderegiments zu Fuß im Winter 1918/19.  Im Besitz des Offiziercorps befand sich bei der Aufstellung des Regimentes ein alter Schellenbaum, welcher in den Befreiungskriegen  und danach bis zur Neubeschaffung eines Schellenbaumes 1852 bei Regimentsmusik der weiter genutzt wurde. Von welchem Regiment dieser ursprünglich stammte, ist unbekannt.

Der Zustand und die Haltung des Bataillons Garde zu Fuß beim Einzug in Königsberg war offenbar für den König so zufrieden stellend, daß er ihm 300 Thaler zur Verteilung an die Leute schenkte. Kurz vor dem Abmarsch aus Memel hatte der König am 05.01.1808 eine A.K.O. über das Rangverhältnis der Garden erlassen, welche aber erst in Königsberg in Kraft trat. Sie lautete:

        "Seine Königliche Majestät von Preußen haben nöthig erachtet, die Prärogative (lat. Vorrechte, Privilegien) und Dienstverhältnisse der Königlichen Garde gegen die übrigen Feldtruppen zu bestimmen, und setzen zu dem Ende hierdurch Nachstehendes fest:

Ueber den Rang der Garden.

        1) Die Garden zu Pferde und zu Fuß haben den Rang vor den Feldtruppen.

        2) Die Garden zu Pferde und zu Fuß haben unter sich einerlei Rang und keinerlei Prärogative. Bei gleichen Ansprüchen behält jedoch das Regiment Garde du Corps den Vorrang.

 

Ueber den Wachtdienst der Garden.

        1) Die Königswache geht vor dem König und der Königin Majestäten, vor den Prinzen und Prinzessinnen des Hauses, vor den Feldmarschällen oder den als Befehlshaber kommandirenden Generalen der Armee in´s Gewehr und präsentirt vor selbigen, oder schlägt Marsch nach dem bisherigen Gebrauch. Den Fahnen und Standarten der Armee werden alle Honneurs gemacht, desgleichen den auf-  und abziehenden Wachen aller Truppen. Die Schildwachen der Garden machen die Honneurs, wie bei den übrigen Truppen.

        2) Die Königswache kann durch keine gewöhhnliche Ronde visitirt werden. Der Commandeur oder die Stabs-Officiere der Garden, welche de jour sind, haben nur allein dieses Recht. Von der Königswache geht kein Officier mehr in die Ronde. Von allen Thorwachen wird an die Königswache gemeldet, und bringt der Officier derselben Sr. Majestät dem Könige den Rapport. Der Commandant erhält, wenn eine zweite Hauptwache vorhanden ist, von der Königswache blos den Postenzettel, sollte aber keine zweite Hauptwache statthaben, den vollständigen Rapport. Die Stabs-Officiere erhalten jederzeit den ganzen Rapport.

        3) Wenn in einer Garnison hinlängliches Militair vorhanden ist, so giebt die Garde keine Thorwache, sondern sie besetzt nur die Königs- oder Hauptwache; hat sie aber außer der Königswache andere Wachen zu besetzen, so verhält sie sich auf diesen Wachen ganz nach den für die übrigen Truppen der Armee bestehenden Vorschriften und macht auch die nämlichen Honneurs.

        4) Der Commandeur des Regiments erhält jederzeit eine Schildwache; außerdem giebt die Garde für Niemand als für die Königlichen Prinzen und Prinzessinen Schildwachen; sollte sich aber die Garde allein an einem Orte befinden, so giebt sie für die im Dienst befindlichen Genarale die ihnen nach ihrem Range zukommenden Schildwachen. Sämmtliche Schildwachen machen, wie schon gesagt, die Honneurs, wie alle übrigen Truppen.

        5) Sind des Königs Majestät nicht bei der Armee, so giebt die Garde dem kommandirenden General die ihm zukommende Wache, wenn sie sich in dem Hauptquartier oder dessen Nähe befindet.

 

Ueber den Felddienst der Garden.

    Hier gilt Alles schon früher Gesagte und wenn die Garde in der Linie steht, so muß sie jeden Dienst, gleich den übrigen Truppen, verrichten. Ist bei der Armee ein Corps de Reserve befindlich, so wird die Garde allezeit bei diesem Corps eingetheilt.

 

Ueber den Rang der Garde-Officiere.

    Dieser ist ganz gleich mit den übrigen Feld-Regimentern, bei gleichen Patenten behalten jedoch die Officiere von der Garde den Vorrang.

 

Ueber Rapporte und Listen.

    In Friedenszeiten überreicht die Garde ihre Rapporte und Listen Se. Majestät dem Könige, dem Ober-Kriegs-Collegio und dem Commandanten. Im Felde giebt sie ihre Listen ebenso ein, wie es allen übrigen Truppen vorgeschrieben ist.

 

Ueber das Melden.

    Die Officiere der Garden melden sich, wenn sie auf Urlaub oder Commando gehen, zwar jedesmal direkt bei des Königs Majestät, außerdem aber haben sie sich so, wie alle übrigen Officiere der Armee zu melden.

 

Ueber die Commandos.

    Wenn in einem Orte noch außer den Garden hinlängliche Garnison steht, so giebt die Garde keine Commandos. Bei allen Vorfällen, welche in dieser Verordnung nicht besonders berührt sind, richtet sich der Dienst der Garden nach den für die ganze übrige Armee eingeführten Grundsätzen.

 

Königsberg den 5. Januar 1808.

Friedrich Wilhelm."

 

Mit dieser A.K.O. wurden die meisten der bisherigen Privilegien der Garde abgeschafft, die bisher z. B. nur dem König Honneurs geben brauchte und das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 keine Schanzarbeiten auszuführen brauchte. "Es ist diese Cabinetsordre die eigentlich neugestaltende für die Garde. Mit ihr erloschen die meisten der Prärogative, die sie bisher genossen, und sie sah sich nun allein darauf beschränkt, ihre Stellung in der Armee durch musterhafteste Hingebung und Pflichterfüllung sich zu erhalten. Daß dies dem Regiment gelungen, zeigen die Königlichen Worte unseres Mottos." (aus der Regimentsgeschichte)

Im März 1808 war in Potsdam das Untersuchungs-Tribunal für die Vorfälle des Jahres 1806/07 zusammengetreten. In diesem Tribunal mußten alle Offiziere, die den letzten, desaströsen Feldzug mitgemacht haben, eine Aussage machen, wie sie den Feldzug gemacht hätten. Jedes Bataillon der alten Armee wurde von mindestens einem leitenden Offizier nebst je einem besitzenden Offizier untersucht. Die Bataillone der Garde untersuchten:

I. Bataillon Leibgarde Nr. 15:         Generalmajor von Hirschfeld, Major von Schwichow

Regiment Garde Nr. 15:                 Major von Frankenberg, Capitain von Schönholz

                                                      Major von Puttkamer, Lieutenant von Brand

                                                     Capitain von Rekowski, Lieutenant von Grabow

Bataillon Grenadiergarde Nr. 6:      Major von der Lith, Capitain vom Luck

Bisher hatte das Bataillon Garde zu Fuß noch keine Truppenfahnen. Die alten Gardefahnen waren bei den Kapitulationen von Erfurt, Prenzlau und Magdeburg verloren gegangen. In Königsberg sollte nun das Bataillon Garde zu Fuß neue Fahnen erhalten. Am 17.03.1808 erging folgender Parolebefehl: "Den Tag vor der Einweihung der Fahnen wird eine namentliche Liste eingegeben von denen Leuten, so nicht beim Schwören zugegen sein, sowie auch die Stärke einer jeden Kompagnie bei der wirklichen Parade."

Am 23.04.1808 wurden die 4 neuen Fahnen angeschlagen. Vor der eigentlichen Zeremonie lud der König alle anwesenden Chargen zu seiner Tafel ein. Nach Aufhebung der Tafel fand dann die Nagelung im Schloßhof zu Königsberg statt. Anwesend waren bei der feierlichen Zeremonie: Der König, die Königin, Prinzeß Wilhelm von Preußen, Friedrich Wilhelm Kronprinz von Preußen, Wilhelm Friedrich Ludwig von Prinz Preußen, Karl von Prinz Preußen, Friedrich Louis Prinz von Preußen, Prinzeß Charlotta von Preußen, Prinzeß Friederica von Preußen, Prinzeß Alexandrine von Preußen, Heinrich Prinz von Preußen, August Ferdinand Prinz von Preußen, Feldmarschall von Kalckreuth, Gnerallieutenant von L´Estocq, die Generalmajore von Köckritz, von Knobelsdorff, von Scharnhorst und der Oberstlieutenant Graf von Lottum. Dazu kam natürlich das ganze Offizierskorps des Bataillon Garde zu Fuß (für die Namen, siehe die Rangliste vom 24.09.1807) nebst je einer Abordnung aus jeder Kompagnie, bestehend aus 1 Sergeant, 1 Unteroffizier, 1 Gefreitem und 10 Grenadieren. Den ersten silbernen Nagel in die Leibfahne schlug der junge Prinz Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen, 2. Sohn des Königs, der spätere Kaiser Wilhelm I. ein, der kurz zuvor, der Tradition entsprechend, als Fähnrich in das Garde-Depot eingetreten war. Die Regimentsgeschichte berichtet: "Nachdem jeder der anwesenden einen Nagel eingeschlagen, trat der König in den Kreis der Officiere und Soldaten und sprach herrliche und jedem der Anwesenden für das Leben unvergeßliche Worte über die traurige Vergangenheit, aber auch über seine Hoffnung auf eine bessere, ehrenvolle Zukunft. Möge dieser Königliche Weihespruch, gesprochen in einer ernsten Zeit über unsere edlen Fahnen, immer und immer unvergessen sein! Die damals Anwesenden haben das beneidenswerthe Glück gehabt, die Gelöbnisse jener Feierstunde mit ihrem Blute oder durch ihre siege lösen zu können, aber ihr Schwur ist auch bindend für uns und jedes kommende Geschlecht. Mögen es immer die alten Fahnen sein, die neuen Generationen zu neuen Siegen voranwehen!"

Am folgenden Tage, (Sonntag, dem 24.04.1808) fand der kirchliche Teil der Feier statt. Der Parolebefehl (Quelle: Geschichte der Königlich Preußischen Fahnen und Standarten seit dem Jahre 1807, siehe das Literaturverzeichnis) vom 23.04.1808 hierzu lautete:

"Den 23. April 1808 - Krossen.

        Da morgen die Fahnen der Garde geweihet werden, so ist keine große Parade; selbst die Regimenter, die gewöhnlich hier aufziehen, ziehen auf ihren Plätzen auf. Morgen wird Brod empfangen auf den 24., 25. und 26. Zur Wache: Lieutenant v. Zieten; Parade: Lieutenant v. Jagow und Lieutenant v. Pogwisch; Lazareth: Lieutenant v. Pogwisch.

        S.K.M. (haben) Allergnädigst zu befehlen geruhet, daß das Bataillon der Königlichen Garde neue Fahnen erhalten soll, welche heut angeschlagen und morgen eingeweihet werden sollen.

        Hierzu kömmt das sämmtliche Korps der Herren Offizier und Unterstab, ferner per Kompagnie 1 Sergeant, 1 Gefreiter Korporal, 1 Gefreiter und 10 gemeine; die Herren Offizier in beiden Tagen in gestickten Röcken, alles andere so propper als möglich, gut gepudert, und sind hierzu diejenigen bestimmt, die durch eine untadelhafte Aufführung diese Auszeichnung sich werth machen: auch können dabei ebenfalls die Dienstjahre in Betracht genommen werden. Alles dazu gehörige versammelt sich um ½ 2 Uhr auf den Schloßplatz. Der Lieutenant v. Schierstädt II. geht sogleich mit vier Junkers, acht Unteroffizier nach den Quartier des Major v. Kessel, nimmt daselbst die Fahnen in Empfang, welche bedeckt bleiben und bringt sie auf das Königliche Schloß, wo dann im Saal die Bedeckung abgenommen und die Fahnen liegen müssen. Der Grenadier Bartz von der 1. Kompagnie holt sogleich den Hammer ab und ist bei den Anschlagen.

        Heute Abend um ½ 7 Uhr wird die Königliche Wache durch das Kommando der Garde du Corps und die Reserve-Kompagnie abgelöst. Der Major v. Jagow wird die sie besetzen mit den Lieutenant v. Schöning verabreden, doch fertiget der Unteroffizier Kerp den Abend- und Morgenrapport an. Die Lastadien- und Steinthorwache wird durch die Garnison abgelöst.

    Der Major v. Kessel wird S.M. den König Allergnädigst bitten, daß die Reserve-Kompagie in der Folge im Bataillon Garde einverleibet werde, und sollen sie alsdann mit den zurückgebliebenen Kranken ebenfalls die Fahne schwören.

        Morgen um ½ 8 Uhr versammeln sich die Kompagnien im Königlichen Garten: der rechte Flügel ohnweit den Exerzierhause, mit dem Rücken dicht an der Alle beim Fließ, drei Schritt Distanz voneinander; die schließenden Unteroffizier drei Schritt vom Glied ab, und müssen sie vorher die Sektions und zum Strecken eingetheilt sein. Die Offizier sehen den Anzug nach und revidieren sogleich. Sobald dieses geschehen, werden die Medaillen und Ehrenzeichen ausgetheilt, wobei der dazu nöthige Parolebefehl öffentlich vorgelesen und die Empfänger namentlich vorgerufen werden.

        Um 8 Uhr muß dieses Alles berichtiget sein. Points vor und kompagnieweise eingerückt; Gerichtet. Der Major v. Kessel wird alsdann so wie es auf dem Schloßplatz geschehen soll, vorhero alles durchmachen, und wenn dieses geschehen, marschirt jede Kompagnie für sich auf den Schloßplatz. Gewehr ab und geruhet; Wenn es Zeit ist: Gewehre zusammengesetzt. Das 1. Glied gehet sogleich acht Schritt vor die anderen und den Flügel ihrer Kompagnie rum; dicht aufgeschlossen; Points vor, im Ganzen eingerückt und die hintersten Glieder Distanz genommen, hierauf die Glieder geschlossen und wie zur Kirchparade Kompagnie formirt, rechts abmarschirt - der 1. Zug gerade aus, dann noch einmal links geschwenkt und wenn der 1. Zug an den linken Flügel kommt, läßt er ihn auseinander gehen. Das 1. Glied geht vor der Front, die anderen hinten herum, und muß den Leuten angesagt werden, daß dieses Antreten nach der Art nach geendigter Kirche geschieht. Aufs Kommando: Tretet an, ergreift jeder ruhig sein Gewehr und tritt in sein Glied. Bataillon! Rückwärts richt euch, halt Points vor, eingerückt im Ganzen.

        Während der Zeit marschiert der Lieutenant v. Schierstädt II. mit 8 Unteroffizier mit Kurzgewehren ab - die vier Junkers sind bereits auf dem Schloß. Die Überzüge der Fahnen werden nun um die Schulter gemacht und die Fahnen fliegen. Er marschirt sogleich, Fahnen hoch im rechten Arm, ab, die Unteroffizier hinten in zwei Glieder geschlossen, und bringt sie für die Mitte des Bataillons. Dann Gewehr auf, Glieder geschlossen und und rechts und links um zum Kreise geschwenkt, Offizier und Spielleute im Kreis. Nach der vom Feldprobst gehaltenen Rede werden die Fahnen eingeweiht. Präsentirt, geschultert, wo auch selbst der Regiments-Quartiermeister die Kriegesartikel in Erinnerung bringt. Gewehr ab, faßt Gewehr an, Gewehr in linken Arm und wird der Schwur abgelegt, wobei den Leuten zu erinnern, daß sie drei Finger der rechten Hand in die Höhe (halten) und nach den Wort "Ich" ihren Vor- und Zunamen deutlich sagen, sowie des (den) übrigen Schwurs. Dann Achtung, Gewehr in rechten Arm, Gewehr auf und dreimal Vivat Friedrich Wilhelm rufen. Hierauf kehrt, Front, rückwärts richt euch, halt, Points vor, eingerückt, gerichtet, Gewehr ab. Hierauf gehen alle Offizier, die keine Züge haben, vor den 1. Zug des Bataillons. Auf Befehl S.K.M.: Gewehr auf, Achtung, präsentiert das Gewehr. Die Herren Offizier salutieren, die Tambour schlagen. Gewehr auf Schulter, Glieder geschlossen und mit Zügen rechts abmarschirt, der 1. Zug gerade aus.

        Wo I.M. die Königin sich befindet, wird im Marsch salutirt, das Bataillon marschirt nochmals im Schloßhofe herum. So wie der letzte Zug vor S.M. vorbei ist, werden die Kompagnien formirt. Ob die Wache vortritt, wird noch gesagt werden. Die Herren Offizier gehen wieder zu ihren Kompagnien, dann wird mit Fahnentrupp nochmals vor S.M. vorbei marschirt.

        Die 1. Kompagnie bringt die Fahnen weg, die andern drehen in der Junkerstraße. S.M. haben Allergnädigst die Grenadier Friedrich Sachs von der 2. Kompagnie und Karl Lehman und Mathias Pochentin von der 3. Kompagnie die Verdienstmedaille verliehen, ersten wegen sein Wohlverhaltens in Fahrwasser während der Belagerung von Danzig, dem Grenadier Karl Lehmann bei Arnswalde und Pochentin bei der Belagerung von Kolberg.

        Ferner haben S.M. zu befehlen geruhet, daß die Unteroffizier, Spielleute und Grenadiers der Königlichen Garde von S.M. Regiment, welche sich vor den 14. Juli 1807 bei den Bataillonen eingestellt haben, um aufs Neue unaufgefordert ihre Dienste dem König und dem Vaterlande zu weihen, folgende Ehrenzeichen auf Lebenszeit, und zwar die Unteroffizier silberne und die Spielleute und Grenadiers Unteroffizier-Säbeltroddeln erhalten sollen. S.K.M. lassen ihnen hiermit nochmals für diese ihre bewiesenen Treue und Anhänglichkeit danken und werden ihnen dafür jederzeit Ihre Allerhöchste Gnade zu erkennen geben.

        Bei den morgenden Antreten der Parade wird dieser Befehl nochmals vorgelesen, die Medaillen sowohl als übrige Ehrenzeichen ausgegeben und umgehangen; auch in den Parolbüchern und Nationals des Bataillons sollen diejenigen, so diese Auszeichnung empfangen, namentlich zum immerwährenden Andenken aufgeschrieben werden."

 

Fahnenweihe beim Bataillon Garde zu Fuß im Schloßhof zu Königsberg am 24.04.1808, Gemälde von Prof. Richard Knötel

 

Am 24.04.1808 wurden also auf dem Schloßhof in Königsberg wie beschrieben die 4 Fahnen für das Bataillon Garde zu Fuß geweiht. Das ganze Bataillon versammelte sich hierzu wiederum im Schloßhof und Feldprobst Röckner hielt die Einweihungsrede. Darauf verlas der Regiments-Quartiermeister die Kriegsartikel und nahm dem Bataillon den Treue-Eid ab. Nach einem dreimaligen Lebe-Hoch auf den König wurde nach dem Fahnentrupp abmarschiert. Der König verlieh mehreren Grenadieren, welche die Belagerung von Danzig mitgemacht hatten, die Medaille. Grenadier Sachs hatte bei Danzig einen französischen Obristen gefangen genommen und eine Kanone erbeutet, die aber stehen bleiben mußte. Grenadier Lehmann nahm zusammen mit 10 anderen Ranzionierten bei Arnswalde den französischen General Victor gefangen ohne ihn zu plündern. Grenadier Pochenthin befreite bei Kolberg während des Sturmes auf den Wolfsberg einen schon gefangenen preußischen Offizier.

Es waren (nach dem Parolebuch der Garde vom Januar 1808 bis 23.12.1808) zugegen von den Kompagnien:

1. Kompagnie 2. Kompagnie 3. Kompagnie 4. Kompagnie
Feldwebel Benstein Feldwebel Wagner Feldwebel Feist Feldwebel Hoffmann
Gefreiter Korporal von Grovestins Gefreiter Korporal von Gerhardt Grefreiter Korporal von Kröcher Unteroffizier Kohn
Unteroffizier Schultz Unteroffizier Günther Unteroffizier Drewes Unteroffizier Bölckner
Gefreiter Schüsler Gefreiter Elbe Gefreiter Krause Gefreiter Kayser
Grenadier Karl Schmidt Grenadier Kujath Grenadier Trosse Grenadier Christ. Müller
Grenadier Wehmeyer Grenadier Schs Grenadier Schumann Grenadier Marx
Grenadier Mokatis Grenadier Hahne Grenadier Wespe Grenadier Mielke
Grenadier Tomasig Grenadier Borghard Grenadier Neubert Grenadier Perplies
Grenadier Jakob Bittins Grenadier Thiele Grenadier Roth Grenadier Quast
Grenadier Meindel Grenadier Iven Grenadier Müll Grenadier Schimczek
Grenadier Neumann Grenadier Lorenz Grenadier Schramm Grenadier Sokolinski
Grenadier Riemer Grenadier Witte Grenadier Schmoheil Grenadier Waschkeit
Grenadier Fringel Grenadier Lux Grenadier Kick Grenadier Wallach
Grenadier Vogelmann Grenadier Schütz Grenadier Göschke Grenadier Drigalski

Nach dem Parolebuch vom 01.01.1808 bis 30.04.1809 der Garde nahmen an dem Anschlagen der Fahnen der Sergeant Bodenstein, sowie die Grenadiere Mebuß und Splitt, nicht aber Thiele und Witte teil. Welches der beiden Parolebücher die richtigen Namen enthält ist nicht mehr zu ermitteln, daher sind beide Angaben hier verzeichnet.

Die Zeitschrift für Heereskunde (Nr. 32, August 1931) berichtet: "Der Fahnenhammer des Ersten Garde-Regiments zu Fuß trägt die Inschrift: »F. W. III. Alex. 1807«. Es ist ein Erinnerungsstück von großem historischen Wert. Er wurde 1861 von Graf Konrad Fick von Finckenstein (geb. 1820, gest. 1884) dem Offizierkorps des Ersten Garde-Regiments zu Fuß geschenkt."

Die Leibfahne (1. Fahne), die später das I. Bataillon (Grenadiere) erhielt, hatte ein weißes Tuch, das Mittelfeld silbern. Das Mittelfeld mit goldenen und silbernen Lorbeerzweigen umrankt, darüber eine silberne, durchbrochene Königskrone mit blauen Steinen auf den Bügeln und blauem Reichsapfel. Die Krone hatte keine Mütze und der Innenring war rot. Im Mittelfeld war ein schwarzer Adler mit goldenem Schnabel, Fängen und Krone, die Zunge war rot. In den Fängen trug er zum einen ein Schwert mit goldenem Griff und silberner Klinge, zum anderen ein goldenes Blitzbündel. Das Devisenband war blau mit silberner Schrift „Pro Gloria Et Patria“. Über und unter dem Mittelfeld befand sich je eine, rechts und links ebenfalls je eine in Richtung des Mittelfeldes züngelnde silberne Flamme. Dazu Goldene Eckkränze mit gekröntem Namenszug FWR (Friedrich Wilhelm Rex), darüber kleine Kronen analog zur großen Krone. Das Nagelband war weiß, der Fahnenstab gelb, 2,75m lang mit versilberter Spitze mit Namenszug und silbernen Nägeln. Die drei anderen Fahnen (2. - 4. Fahne), die später das II. Bataillon (Grenadiere) und das Füsilierbataillon erhielten, waren identisch dazu, sie hatten nur ein orangefarbenes Mittelfeld. Die Fahnenstangen waren 2,8m lang. Diese Fahnen wurden bis zur Neustiftung durch Wilhelm II.(1859-1941) geführt.

Eine A.K.O. vom 25.04.1808 befahl, daß die vielen überzähligen Unteroffiziere bei der Preußischen Armee zwar sämtlich ihr Gehalt fort beziehen sollten, diese jedoch beim Exerzieren der Kompagnie im 3. Glied eingereiht werden sollten, wie auch als Posten auf Wache ziehen sollten, was Unteroffiziere normalerweise nicht taten. Offenbar waren die vielen Unteroffiziere noch das Verläßlichste der Preußischen Armee, während viele der zum Teil gepreßten Soldaten schlicht desertiert waren.

Ab dem 01.05.1808 erhielt das Bataillon Garde zu Fuß die Löhnung zu 36 Münzgroschen.

"Im Monat Mai 1808 erhielt das Bataillon die ersten leinenen Pantalonhosen, welche für gewöhnlich im Dienst über und bei Paraden in den langen Stiefeln getragen wurden; dasselbe galt auch für die Offiziere, welche gewöhnlich statt Leinen weißen Charnett trugen." (aus der Regimentsgeschichte)

"Am 15. Juni trafen Ihre Kaiserliche Hoheit die Erbprinzessin von Weimar aus Petersburg in Königsberg ein, und beschenkte die Wache am Gumbinner-Thor mit 60, die vor ihrer Wohnung aufgestellte Ehrenwache mit 100 Stück Friedrichsd´or. Auf Befehl des Königs wurde dies überreiche Geschenk an alle Leute des Bataillons vertheilt." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 03.06.1808 wurden vorläufige Bestimmungen für die Übungen der Truppe erlassen, die in der Folgezeit auch eifrig an der Verbesserung des Felddienstes und des Scheibenschießens arbeitete. Es wurden dabei für jeden Mann 20 scharfe Patronen ausgeteilt und auf 100 und 150 Schritt auf die Scheibe geschossen. Das 3. Glied wurde im modernen Tiraillieren geübt und allgemeine Felddienstübungen einberufen. Der wesentliche Unterschied zu den Felddienstübungen vor 1806 lag darin, daß nun stets zwei Abteilungen gegeneinander antraten.

Am 24.06.1808 trafen beim Bataillon Garde zu Fuß etwa 70 Mann Ranzionierte der Garde ein, welche sich im November 1806 aus Potsdam nach Schlesien begeben hatten, da der Weg nach Ostpreußen durch die Franzosen verbaut war. In Schlesien waren diese Männer in andere Regimenter eingetreten und hatten nun nach dem Frieden von Tilsit darum gebeten, wieder bei der Garde eingestellt zu werden. "Es waren Alles Leute, die sich während des Krieges in Schlesien ausgezeichnet, Vertheidiger von Cosel und Silberberg. Der König belobte sie für ihr braves Verhalten und ließ ihnen das Marschgeld für den Marsch von Potsdam nach Schlesien nachzahlen und zwar nach allen Umwegen, die sie hatten nehmen müssen, um durch die französische Armee hindurchzukommen." (aus der Regimentsgeschichte)

Der Sommer 1808 wurde nun zum eigentlichen Reorganisieren der Armee benutzt. Vorher war man noch zu sehr in die Kriegsgeschehnisse verstrickt, nun aber ging Preußen mit allem Elan an die längst fälligen Reformen des Staates und des Heerwesens. "In rascher Folge erschienen alle jene wichtigen Verordnungen, welche den Schäden des Alten abhelfend, dennoch so weit möglich die Eigenthümlichkeiten der Armee zu bewahren strebten." (aus der Regimentsgeschichte) Ein Punkt, der in der alten Armee vor 1806 oft zu Mißbräuchen durch die Kompagniechefs führte, waren die Montierungsgelder. Dazu erging am 16.07.1808 die folgende A.K.O. an den Major Gustav Adolph von Kessel:

"Auf die mir gemachten Vorschläge und Euer darüber erstattetes Gutachten will ich den Kleinen Montirungsetat der Garde zu Fuß hiermit festsetzen. Es soll nämlich der Mann an Kleinen Montirungsstücken erhalten:

Alle 2 Jahre:

1 Paar Stiefeln, 1 Paar Vorschuhe, 2 Paar Schuhe á 1 Thlr. 6 gGr., 1 Paar Sohlen á 12 gGr., 4 Hemden á 18 gGr., 2 Paar leinenen Hosen á 20 gGr., 4 Halsbinden á 2 gGr.

Dieser Etat wird auf die wirklich vorhandene Anzahl von Unterofficieren, Spielleuten und Gemeinen gezahlt. Ohngeachtet die Garde zu Fuß bisher auf Liquidation mit den Kleinen Montirungsstücken für Meine Rechnung versehen worden ist, so soll dennoch in Rücksicht auf die von Euch angeführten besondern Gründe keine Nachrechnung und Uebertragung aus der Zeit vor dem 1. Juli d. J. auf diesen Etat stattfinden, derselbe vielmehr von diesem Zeitpunkt an unverkürzt bezahlt werden."

Am 16.07.1808 wurde folgender Befehl die Gelder der Garden betreffend erlassen: "Auf Allerhöchsten Befehl wird hiermit bekannt gemacht, daß diejenigen Unterofficiere und Gemeinen von der Königlichen Garde, so sich während eines Jahres vom unterzeichneten Frieden zu Tilsit an, weder persönlich zum Dienst wieder gestellt, noch schriftlich ihren Aufenthalt bekannt gemacht und um Urlaub gebeten, und nun jetzt oder künftig eintreten, auf 2½ Thaler Gehalt monatlich gesetzt werden sollen, es sei den, daß sie während der Zeit in irgend einem Preußischen Corps Dienste geleistet, oder durch andere sehr gültige Beweise darthun können, daß es in ihrem Bestreben gelegen sich wieder beim Bataillon einzufinden. Ein gleiches Traktament erhalten von nun ab auch alle Rekruten, so von jetzt an bei der Königlichen Garde eingestellt werden." Vor dem Zusammenbruch erhielt jeder Unteroffizier und Gemeine 3 Thaler, pure Geldnot zwang das arme Preußen zu solchen Maßnahmen. In Preußen standen nach wie vor französische Truppen. Und überall wo diese Truppen standen, wurden die Staatseinkünfte für Frankreich in Beschlag genommen, ganz so, als ob der Krieg noch fortwährte. Die französische Militärverwaltung hauste im Frieden schlimmer als im Kriege. Der König erhielt von den Staatseinkünften nichts, so wurden auch die Offiziere auf halben Sold gesetzt. Aus den abgetretenen preußischen Provinzen strömten Unmengen von entwertetem Geld zurück, und die Franzosen ließen, um den Schaden noch zu vergrößern, in der Berliner Münze zusätzliches Kleingeld prägen. Sparzwang also allenthalben in Preußen. Auch die Pensionsbezüge der Invaliden wurden nun gekürzt. Am 18.07.1808 übersandte der König hierzu dem Ober-Kriegs-Collegio das

"Regulativ, nach welchem bei Pensionirung der ausrangirten Leute von der jetzigen Garde zu Fuß hinfüro verfahren werden sollte.

Se. Majestät der König finden für nöthig, diejenigen Grundsätze, welche sonst bei Pensionirung der von der Garde zu Fuß entlassenen Invaliden beobachtet worden sind, abzuändern, um einer Seits die beträchtlichen Ausgaben zu vermindern, welche die Ausrangirten der Garde verursacht haben, anderer Seits Jedem nach den Ansprüchen, die er sich durch seine geleisteten dienste erworben, die gebührende Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen.

Allerhöchstdieselben setzen daher zur Norm bei den Pensionirungen derjenigen Leute, welche hinfüro wegen Invalidität von der Garde zu Fuß ausrangirt werden, hiermit fest:

1) wer im Kriege durch Blessuren invalide wird, erhält ohne Rücksicht auf die Zahl seiner Dienstjahre das ganze gehabte Traktament.

2) Wer durch Krankheit oder im Frieden invalide wird, erhält:

    a) wenn er noch nicht volle 8 Jahre gedient hat, monatlich 1 Thaler, ein Unterofficier aber die Hälfte des gehabten Traktaments;

    b) wenn er über 8 Jahre, aber nicht volle 15 Jahre gedient hat, 2 Thaler monatlich, der Unterofficier 3 Thaler;

    c) wenn er über 15 Jahre gedient hat, das volle Traktament auf Lebenszeit.

3) Bei der Dienstzeit werden die Jahre mitgerechnet, welche ein Soldat der Garde bei einem anderen Regiment gedient hat.

4) Sämmtliche Pensionirte der Garde erhalten die Erlaubniß sich innerhalb des Landes aufzuhalten, wo sie wollen, ohne daß daraus ein Anlaß zur Verkürzung ihrer Pension hergeleitet werden kann.

Seine Majestät befehlen dem jedesmaligen Commandeur der Garde zu Fuß nach den Bestimmungen dieses Regulativs sich zu achten, und wollen nur noch zur Begünstigung derjenigen Leute, welche während des Krieges in Preußen bei der Garde gedient, oder vor dem Friedensschluß sich bei derselben eingefunden haben, insbesondere hiermit bestimmen, daß in Absicht ihrer Pensionirung bei ihrer Entlassung als Invaliden noch nach den vorigen Grundsätzen verfahren werden kann, insofern sie dadurch besser, als nach den Bestimmungen dieses Regulativs, gesetzt werden würden."

So wurde hier zwar eingespart, aber dennoch auch durch dieses Dokument erneut die Verbindung zwischen alter und neuer Garde zu Fuß geschlossen. Die neue Garde ist tatsächlich auch damit eine Fortsetzung der alten. Am 11.07.1808 erschien der neue Verpflegungsetat für die Infanterie, welcher am 01.08.1808 in Kraft treten sollte. Auch dieses Dokument enthielt viele Einsparungen und Vereinfachungen. Vor allem hörte damit endgültig das besondere Verhältnis der Chefs zu ihren Regimentern auf, diese wurden fortan konsequent nur noch mait Nummern benannt. Die alte Art der Regimentsbenennung nach ihrem jeweiligen Chefs wurde somit eingestellt. Die Gehälter (das "Traktament") sollte von nun an dekadenweise, statt wie bisher alle 5 Tage und bei versammelter Kompagnie gezahlt werden. Hierbei entstand also der "Löhnungsappell", der bis in das 20. Jahrhundert üblich war.

Am 31.07.1808 erfüllte König Jerome Bonaparte von Westphalen (15.11.1784 - 24.06.1860, jüngster Bruder des Kaisers)  den Wunsch des Königs von Preußen, den er ihm diesen Wunsch schriftlich angetragen hatte, daß die etwa 50 ehemaligen Angehörigen der Garde, die neuerdings aus dem frisch gebildeten Königreich Westphalen stammten, nach ihrer Dienstzeit das Heimatrecht im neuen Königreich erhalten mögen.

Am 03.08.1808 feierte Friedrich Wilhelm III. (03.08.1770-07.06.1840) seinen 38. Geburtstag. Zu diesem Anlaß machte er seiner Armee ein "Geschenk" in Form neuer Kriegsartikel, nach denen nun endlich die bis dahin in der Preußischen Armee üblichen Bestrafungen durch Spitzruten (Spießrutenlaufen), Fuchteln und Stockhiebe abgeschafft wurden. In Kraft traten die neuen Kriegsartikel jedoch erst am 01.09.1808. "Es ist doch interessant zu beobachten, welchen Eindruck diese Abschaffung in der Armee damals machte. Ein Artikel im Königsberger Volksfreund vom 9. Juli 1808 von Gneisenau, betitelt »Freiheit der Rücken«, hatte sie vorbereitet. Er wurde allgemein scharf getadelt. Und als nun die Kriegsartikel erschienen, da hielten es fast alle Vorgesetzte, Officiere wie Unterofficiere, für fast unmöglich, daß eine Truppe ferner noch in Disciplin und Ordnung bestehen könne. Besonders war die Idee vorherrschend, daß die in den neuen Grundsätzen bestimmten langen Arreststrafen noch gute Subjekte völlig verderben müßten. Es war abzuwarten, ob das Gesetz fähig sein würde, diese Vorurtheile zu besiegen und die Armee in seinem Sinne zu erziehen." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 24.08.1808 waren noch ernstere Maßnahmen nötig, die Regimentsgeschichte berichtet: "Da die Verhältnisse des Staats fortdauernd Ersparungen nöthig machen, so kann die etatsmäßige Besoldung jetzt nicht voll gezahlt werden. Seine Majestät bestimmen daher, daß die Commandeurs, Stabsofficiere und Compagnie-Chefs bis zur Aenderung der jetzigen Verhältnisse nur 2/3 des im Etat festgesetzten Gehalt´s empfangen. Für das Bataillon Garde wurden d. d. 10. August hierzu folgende Erläuterungen gegeben:

1) Die beiden gegenwärtig bei der Garde zu Fuß stehenden Majors erhalten in demselben Verhältniß, sowie dieß bei den sämmtlichen Infanterie-Regimentern der Fall ist, Compagnien.

2) Die unter dem Namen "Bedientengeld" den Gardeofficieren bisher gegebenen Zulagen fallen weg, und können sich dagegen die Officiere unter denselben Bedingungen wie es bei den übrigen Truppen nachgegeben ist, einen Gardisten zur Aufwartung wählen.

3) Die Compagnie-Chefs erleiden vorläufig 1/3 Abzug ihres Gehaltes.

4) Die in dem Etat berechnete Zulage von 12gGr. für die Dienstthuer wird noch nicht gezahlt.

5) Das Tischgeld der Officiere und die ihnen neu angewiesenen Kleidergelder werden nach dem Etat bezahlt.

Die Gesammtverpflegungskosten betrugen nach diesem Etat für das Bataillon jährlich 68,481 Thlr. 3 gGr."

Die Regimentsgeschichte berichtet über weitere Veränderungen in der Uniformierung der Garden: "1808 während der Sommermonate wurde die Montirung dahin umgeändert, daß alle Silberlitzen bei den Unterofficieren und Gemeinen auf dem Brustaufschlag und an den Seiten und Taschen ganz fortfielen, dagegen der Rock vorne ganz zum Ueberknöpfen gemacht wurde, vor der Brust herunter mit Werg stark wattirt, die Kragen hoch, mit den vorderen oberen Ecken bis an den Ohrzipfel reichend angefertigt wurden. Nur die Unterofficiere behielten am Unterende des Kragens und am Aermelaufschlag 2 silberne Bandlitzen, also im Ganzen 8 dergleichen auf dem Rock. Diese Litzen wichen aber von den früheren darin ab, daß sie bei den Unterofficieren und Gemeinen gleich, jede reichlich ¾ Zoll breit, am Kragen 2¾ und auf den Aermelaufschlägen 1¾ Zoll lang und sämmtlich am abstehenden Ende zugespitzt waren.  ... Die Uniform der Officiere erhielt 1808 im Sommer ebenfalls hohe offenen Kragen, an jeder Vorderseite 2 gestickte silberne Kapellenlitzen und ebenfalls 2 kürzere dergleichen auf jedem Aermelaufschlag; der Klappenaufschlag auf der Brust fiel fort."

Im September 1808 wurde das Bataillon Garde zu Fuß von Zar Alexander I. bei dessen Durchreise nach Erfurt besichtigt. Bei seinem Aufenthalt in Königsberg gab die Garde selbstverständlich die Ehrenwache. Auch auf seiner Rückreise im Oktober 1808 hatte das Bataillon die Ehre dem Zaren diese Ehrenwache zu geben, dieses mal exerzierte es auch vor den Königlichen Hoheiten. Die Regimentsgeschichte berichtet: "Diese Huld bewahrte der Monarch auch dem späteren Regiment, und wo er in den folgenden Feldzügen mit ihm zusammentraf, erinnerte er sich mit besonderer Vorliebe, wie er die Formation in Memel und Königsberg mit erlebt hätte."

Am 09.09.1808 wurde eine A.K.O. erlassen, wonach das neue, kleinere Preußen in 6 Militär-Kantone aufgeteilt wurde. Diese Kantone entsprachen den 6 verbliebenen Provinzen und in jedem sollte eine Brigade stehen. Genauere Regelungen sollten noch folgen, denn derzeit standen noch französische Truppen in den meisten Provinzen und es war daher an eine Reorganisation der Armee dort noch nicht zu denken.

Nach Beginn der Reorganisation der ganzen Preußischen Armee im Jahre 1808 wurde die Bekleidung, sowie die Form jedes einzelnen Stücks derselben, für die verschiedenen Truppenteile durch die A.K.O. vom 23.10. und 26.10.1808 genau festgelegt. Hiernach waren:

"1) Kopfbedeckung. Czakots von Filz 7 Zoll hoch, dazu ein Ueberzug von schwarzer Wachsleinewand zu allen gewöhnlichen Diensten und bei schlechtem Wetter. Bei Festlichkeiten und Paraden tragen die Officiere der Grenadiere auf den blanken Czakots weiße Kapaunfederbüsche, die der Musketiere und leichten Bataillone keine Federbüsche. Außer Dienst war es jedem Offizier erlaubt, einen dreispitzigen Hut, die der Grenadiere mit weißem, die übrigen mit schwarzem Federbusch zu tragen. Das Haar muß kurz geschnitten, anständig getragen, und im Frieden bei jeder festlichen wie außergewöhnlichen Gelegenheit stets gepudert werden.

2) Halsbinden. Es werden von Officieren durchgehends schwarz seidene Halstücher getragen, von den Leuten nach gegebener Probe gelieferte.

3) Rock-Montirung. Blau, in dem bei der Armee bereits eingeführten Schnitt vorn zum Ueberknöpfen mit 2 Reihen Knöpfen, jede von 8 Stück in gleicher Weite auseinander (1½ Zoll). Die Schöße reichen 2 Hände breit über die Kniekehle und müssen stets so breit sein, daß der Officier bequem einen Brief in die angebrachten Taschen stecken kann. Das Unterfutter ist durchgehend, ohne Rücksicht auf die Kragenfarbe, ponceaurothes Tuch; die Achselklappen von der Farbe, wie solche bereits festgesetzt ist: weiß, roth, gelb und blau. An Gradunterscheidungszeichen auf derselben hat der Stabsofficier, rings um die Achselklappe, also auf allen 4 Seiten, eine ½ Zoll breite schwarz und weiße, silberne Tresse, der Capitain auf jeder Seite der Länge eine dergl. Tresse und der Lieutenant eine solche auf der Mitte der Achselklappe entlang. Die Officiere haben nun keine Leibröcke mehr, die vorhandenen können aber aufgetragen werden.

4) Die blauen langen Ueberröcke können ebenfalls aufgetragen werden, dürfen aber nicht mehr neu beschafft werden, sondern treten an deren Stelle schwarzgraue, die in ihrer Länge bis eine Handbreit unter das Knie reichen, platte Knöpfe in der Farbe wie auf der Montirung. Kragen und Aufschläge auf den Aermeln von der Farbe und dem Tuch des Rocks, mit Vorstoß in der Farbe des Kragens sowohl an diesem, als hinten am Taschenlitz.

5) Westen können nach Belieben getragen werden, dürfen aber beim Montirungs-Anzug so wenig oben am Halse, als am Unterleibe zu sehen sein.

6) Die Beinkleider bleiben, wie sie bereits getragen werden, von dunkelgrau melirtem Tuch und an den Außenseiten mit platten Knöpfen, von oben bis auf den Fuß, welche 1 Zoll von einander stehen und von der Farbe, wie am Rock sind, besetzt. Sie haben auf der Knopfseite einen rothen Vorstoß, doch muß dies in jedem Regimente gleich sein. Diese Knöpfhosen werden im Frieden stets über den Stiefeln getragen, im Kriege können sie aber, wenn es als zweckmäßiger befunden wird, in den langen Stiefeln angezogen werden. Die Stiefel dürfen nie länger als bis an das Knie reichen. Im Sommer tragen die Officiere weiße Beinkleider, wie die Mannschaften. Den Officieren, deren Dienstverrichtungen zu Fuß bestehen, ist jedes Sporntragen untersagt.

7) Handschuhe. Die Stulpen an den Handschuhen fallen sowohl bei der Infanterie, als Cavallerie ganz fort und es brauchen auch keine wildlederne Handschuhe mehr getragen zu werden.

8) Schärpen werden wie bisher getragen und reichen zweimal um den Leib.

9) Die Ringkragen werden gänzlich abgeschafft.

10) Die Stöcke werden von den Officieren im Dienst nicht mehr getragen, außer dem Dienst bleibt es vorläufig noch Jedes Belieben anheimgestellt.

11) Die Officiere der Grenadiere und Musketiere, wie Fußartillerie und Mineurs, tragen im Frieden Degen, dagegen die der leichten Infanterie Säbel. Die Degen haben braune, die Säbel schwarzlederne Scheiden; alle großen Beschläge an den Scheiden sind untersagt. Im Kriege wird jedem Officier freigegeben, sich mit einem Seitengewehr zu bewaffnen, was er in allen Fällen gebrauchen kann.

12) Die Officiere, welche bei einem bequemen Ueberrock noch neue Mäntel zu bedürfen vermeinen, lassen sich solche von hellgrau melirtem Tuche mit langen Kragen von demselben Material und weiten Aermeln, und so, daß der Mantel nöthigenfalls über den Ueberrock gezogen werden kann, anfertigen.

13) die bisherige Einrichtung, daß das zur Bekleidung nöthige Geld vom Gehalt des Officiers abgezogen und in der Truppenkasse aufbewahrt und zu seiner Zeit nur zu dem bestimmten Zweck gezahlt wird, bleibt unabänderlich fortbestehen."

Von der Uniform der Mannschaften unterschied sich die Offiziersuniform nach der Allerhöchsten Kabinetts Ordre (A.K.O.) vom 23.10.1808 demnach also nur wenig. Sie bestand jedoch aus feinerem Tuch und hatte längere Schöße, die innen mit rotem Tuch gefüttert und mit zwei Taschen versehen waren. Außen markierten aufgenähte Klappen mit zwei Knöpfen ebenfalls Taschen. Auf Kragen und Ärmelaufschlägen saßen von Beginn an silberne, gestickte Kapellenlitzen. Dazu kam rechts ein silbernes Achselband und links ein Feldachselstück in der Farbe der Mannschaftsachselstücke (also hier weiß) mit einem roten Vorstoß und je nach Rang einer verschiedenartigen, umlaufenden Silbertresse.

Entwicklung der Uniform des Ersten Garderegiments zu Fuß 1704-1845

Im Herbst des Jahres 1808 hatte der Bestand an Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften des Bataillons Garde zu Fuß durch Ersatz, Ranzionierte und neu ausgehobene Rekruten derart zugenommen, daß Seine Majestät aus dem Bataillon Garde zu Fuß nun ein Regiment Garde zu Fuß zu zwei Bataillonen formieren wollte. Er schrieb hierzu den folgenden Brief:

    "Da ich diesen Nachmittag einige müßige Augenblicke gehabt, so habe ich die Leute namentlich ausgezogen, die aus der bisherigen 1. Compagnie des bisherigen Bataillons zur Leib-Compagnie des neu zu formirenden Regiments auszuziehen waren, und schicke Ihnen die Liste derselben hierbei. Bei Theilung der übrigen Compagnien muß darauf Rücksicht genommen werden, daß die Flügel-Compagnien sowohl des rechten wie des linken Flügels die größten Leute erhalten.

    Königsberg in Preußen den 5. November 1808.

Friedrich Wilhelm.

An den Major von Kessel hier."

Am nächsten Tag schrieb der König abermals einen Brief an Major von Kessel:

    "Hierbei schicke ich Ihnen die Eintheilung der vier Compagnien vom bisherigen Bataillon zu acht Compagnien in zwei Bataillons, so wie ich glaube, daß sie am leichtesten in Hinsicht der Unterofficiere und Mannschaften, die Reserve-Compagnie mit einbegriffen, anzuordnen sein wird.

    Königsberg in Preußen den 6. November 1808.

Friedrich Wilhelm.

An den Major von Kessel hier."

Am 09.11.1808 wurde dann die entsprechende Kabinettsordre erlassen:

"Mein lieber Major von Kessel!

    Ich gebe Euch hierdurch auf, die Garde zu Fuß nun in zwei Bataillons, jedes zu vier Compagnien, zu theilen. Die Officiere behalten ihre Besoldung, die Jeder bisher gehabt hat, so auch die Unterofficiere. Nur vier Feldwebel sollen das höhere Traktament erhalten, von 102/3 Thlr. monatlich, wonach Ihr also das Erforderliche besorgen werdet.

Ich bin Euer wohlgeneigter König.

Königsberg, den 9. November 1808.

gez. Friedrich Wilhelm."

Am 10. und 11.11.1808 wurde nun auf Geheiß des Königs das Bataillon Garde zu Fuß zu einem Regiment Garde zu Fuß umgruppiert und zu zwei Bataillonen eingeteilt. Dies geschah in der Art, daß aus der bisherigen 1. Kompagnie eine neue 1. und 2. Kompagnie, aus der bisherigen 2. Kompagnie die 3. und 4. Kompagnie gebildet wurde. Dies war das neue 1. Bataillon. Aus der bisherigen 3. Kompagnie wurden die 5. und 6. Kompagnie gebildet, aus der bisherigen 4. Kompagnie die 7. und 8. Kompagnie. Wenn man die Stamm-Mannschaften der einzelnen Kompagnien betrachtet, so bildeten von nun ab die Mannschaften des alten I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 die neue 1. und 2. Kompagnie. Die Mannschaften des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 die neue 3. und 4. Kompagnie, die des Regiments Garde Nr. 15 die neue 5., 6., 7. und 8. Kompagnie.

Garde Regiment zu Fuß,  historische Zeichnung um 1808

"Se. Majestät der König ernannten sich am 10. November zum Chef des Regiments und insbesondere auch zum Chef der nun Leibcompagnie genannten 1. Compagnie. Zum Commandeur des Regiments wurde der Major von Kessel ernannt; zum Commandeur des 1. Bataillons der Major Prinz Carl von Mecklenburg-Strelitz, des 2. der Major von Jagow. Bisher hatten die Compagnien im Garde-Bataillon noch keine Chefs gehabt. Der König ernannte am 10. November auch die Chefs der übrigen 7 Compagnien; dieselben wurden aber nicht mehr nach ihren Chefs benannt, sondern nach der laufenden Nummer. Eine ergänzende Cabinetsordre vom 9. December 1809 bestimmte dann, daß die Compagnien bei Veränderung ihrer Chefs unabänderlich stehen bleiben sollten, wie sie gegenwärtig rangirt sind." (aus der Regimentsgeschichte)

Die neue Rangliste aller Kompagnien der beiden Bataillone des Regiments Garde zu Fuß sah folgendermaßen aus:

Rangliste des Regiments Garde zu Fuß vom 10.11.1808

Quelle: Reinhard, Carl von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1740-1857, Potsdam 1858, August Stein

 

I. Bataillon

Leibkompagnie

Se. Majestät der König

1) Stabscapitain Leopold Anton Adrich von Natzmer

2) Premierlieutenant und Adjutant Julius Ludwig von Pogwisch I

3) Secondelieutenant Emil Ludolph von Dankelmann

4) Secondelieutenant Friedrich Prinz von Preußen

5) Secondelieutenant Carl von L´Estocq

6) Secondelieutenant Friedrich Wilhelm Kronprinz von Preußen

7) Secondelieutenant Franz Carl von Werder

8) Secondelieutenant Wilhelm Friedrich Ludwig Prinz von Preußen

9) manquirt

Feldwebel Bennstein, Feldwebel Wiesenthal, Junker August Albert von Grovestin oder Grovistins[4]

Aggregiert: Secondelieutenant Friedrich Wilhelm Graf von Brandenburg

 

2. Kompagnie

Major Carl Prinz von Mecklenburg-Strelitz

1) Stabscapitain Wilhelm Baron von Müffling

2) Secondelieutenant Carl Ludwig von Arnim

3) Secondelieutenant Adolph Heinrich Wilhelm Carl von Grabow

4) Secondelieutenant Ludwig Eugen von Gayl

Feldwebel Hauke, Feldwebel Roß

 

3. Kompagnie

Capitain Adolph Heinrich Ferdinand Christian von Rex

1) Premierlieutenant Job Carl Ernst Wilhelm von Witzleben

2) Secondelieutenant Friedrich August von Schäffer

3)  Secondelieutenant Wilhelm Heinrich Adolph von Below II

4) Secondelieutenant  Carl Alexander Theodor von Bismarck

Feldwebel Rinow, Feldwebel Allert

 

4. Kompagnie

Major und Commandeur Gustav Adolph von Kessel

1) Stabscapitain von Leopold Friedrich von Kleist

2) Secondelieutenant Friedrich Wilhelm von Brünneck

3) Secondelieutenant Hans Carl Friedrich von Zieten

4) und 5) manquiren

Feldwebel Köppen, Feldwebel Jankowski, Junker von Gerhardt

 

II. Bataillon

5. Kompagnie

Major Friedrich Wilhelm Ludwig von Jagow

1) Stabscapitain Friedrich Johann Carl Gebhard von Alvensleben

2) Secondelieutenant Adolph Heinrich von Barner

3) Secondelieutenant Heinrich Albert von Neumann

4) Secondelieutenant und Adjutant Franz Dietrich Friedrich Ferdinand von Schierstädt II

Feldwebel Straffeldt, Feldwebel Stiebitz, Junker Albrecht Caspar Gotthard von Kröcher

 

6. Kompagnie

Capitain und Major von der Armee Carl Ludwig Heinrich von Pritzelwitz

1) Premierlieutenant Carl George Albert von Rohr

2) Secondelieutenant Carl Alexander Adolph von Hirschfeld

3) Secondelieutenant Ferdinand von Lyncker

4) Secondelieutenant Friedrich Wilhelm von Rauch

Feldwebel Feist, Feldwebel Seefeld

 

7. Kompagnie

Capitain Ernst Ludwig Wilhelm von Bismarck

1) Premierlieutenant Carl Heinrich von Block

2) Secondelieutenant Hans Ernst Carl von Bornstedt

3)  Secondelieutenant Adolph Alexander Friedrich von Knobelsdorff

4)  Secondelieutenant August Alexander Adam von Arnstädt

Feldwebel Hoffmann, Feldwebel Wiese

 

8. Kompagnie

Capitain und Major von der Armee Carl Friedrich Ludwig von Lobenthal

1) Premierlieutenant Ludwig Dietrich Carl Wilhelm von Below III

2) Secondelieutenant Adolph Friedrich von Barnekow

3) Secondelieutenant Heinrich Werner Friedrich von Below I

4) Secondelieutenant Hans Wilhelm Ludwig von Schierstädt I

5) Secondelieutenant Wilhelm Erdmann Graf von Pückler

Feldwebel Michaelis, Feldwebel Riedhäuser, Junker von Hirschfeld

 

Von den zwei Feldwebeln je Kompagnie war nur der älteste etatsmäßig; der zweite überzählig und bezog nur das Gehalt eines Sergeanten und machte Unteroffiziers-Dienst. Die Feldwebel Kahlert und Wagner wurden ausrangiert.

Chef des Regimentes Garde zu Fuß und dessen Leibkompagnie war von nun an also, wie zu Zeiten der alten Garden zu Fuß, wieder stets der regierende Preußische König. Am 1. jedes Monats mußte daher der Kommandeur des Regimentes und der der Leibkompagnie einen Rapport bei ihrem allerhöchsten Kriegsherren abliefern, welcher Aufschluß über die Stärke des Truppenteiles gab. Auf der Besoldungsliste des I. Bataillons wurde außer dem Gehalt für die vier Hauptleute (Capitains) auch ein weiteres Hauptmannsgehalt für den Chef der Leibkompagnie geführt, welches in die Regimentskasse floß, über die der Kommandeur allein verfügte. Aus dieser Kasse wurden Unterstützungen an aktive und ehemalige Angehörige des Regiments aus dem Unteroffizier- und Mannschaftsstand, auch an Witwen und Waisen gegeben. Außerdem wurden mit dieser Regimentskasse Preise für Schießen, Sport usw., Reisekosten für Angehörige des Regimentes, für die dienstliche Reisekosten nicht zustanden und andere Ausgaben bestritten. Dies alles blieb in Friedenszeiten weitestgehends unverändert bestehen bis zum 1. Weltkriege.

Die Entstehung des Ersten Garderegiments zu Fuß, Schema vom Seitenautor

Es fand zur Entstehung des Regimentes Garde zu Fuß zu zwei Bataillonen in Königsberg eine ähnliche Zeremonie, wie zur Fahnenweihe statt. Der Parolebefehl vom 11.11.1808 in Königsberg ist erhalten (Quelle: Geschichte der Königlich Preußischen Fahnen und Standarten seit dem Jahre 1807, siehe das Literaturverzeichnis):

    "Morgen um 9 Uhr stellen (stehen?) die Kompagnien im Königsgarten, der rechte Flügel am Exerzierhause, eine jede Kompagnie auf einer Distanz von - Schritt voneinander. Nachdem revidirt, werden die Kompagnien nach der Allerhöchsten Bestimmung S.M. verlesen und eingetheilt, die Plätze für Beurlaubte und Kranke bleiben offen. Gewehr ab! Die Kompagniezeichen ausgegeben und angemacht. Ueberhaupt wird der Major von Kessel sämmtliche Kompagnien nachsehen und werden ihm die Feldwebels, Sergeanten, Flügel-Unteroffiziers, Kapitains d´Armes, Fouriers und Schützen-Unteroffiziers vorgestellt.

    Der Kapitain berechnet die Kompagnie, was beurlaubt und krank oder im dienst ist und zeigt die Flügelleute jedes Gliedes an. So wie eine Kompagnie durchgesehen, läßt der Kapitain Rotten voll machen, Ober- und Unteroffizier eintreten und schließt sich an die rechts stehende Kompagnie seines Bataillons an. Die 5. Kompagnie behält eine Intervalle von 16 Schritte. Die Leib-Kompagnie marschirt, wenn sie fertig ist, ab, und holt die Fahnen, welche, wenn die Kompagnie wieder zurück und eingeschwenkt hat, oben am rechten Flügel in Linksum stehen bleiben. Dann werden die Points vorgenommen, eingerückt, Gewehr auf, und präsentirt. Die Fahnen gehen vor den Bataillons herunter und bleiben, wenn es Zeit ist, vor der Mitte ihres Bataillons stehen. Dann Gewehr auf Schulter! und Gewehr ab! Hierauf treten die Herren Offizier, so keine Züge haben, oder bei den Fahnen sind, vor den 1. Zug jedes Bataillons. Bei der Ankunft S. M. wird Gewehr aufgenommen, präsentirt und salutirt, dann Schulter und mit Zügen rechts ab en parade vorbeimarschirt.

    Auf Befehl S. M. soll das Regiment durch den Schloßhof marschiren. Im Schloßhof selbst wird aufmarschirt und wenn S. (I.) M. die Königin zugegen, salutirt. Hoboisten bleiben im Schloßhof ohnweit des Portals stehen und blasen so lange, bis das Regiment durch ist. Bei dem Portal an der Schloßwache drehet die Leib-Kompagnie in die Junker-Straße und marschirt, wenn dieselbe auf den Münzplatz kommt, auf. Die Fahnen treten aus und zur Leib-Kompagnie. Die Wache wird ebenfalls dort formirt. Alles Uebrige bleibt im Marsch nach seinem Revier. Das 1. Bataillon giebt denselben Tag die Wache. Die Wachen werden morgen um ½6 Uhr abgelöst.

    Die Gewehre müssen sehr rein und äußerst propper sein. Das Bataillon kommt in neuer Mundierung und gepudert, die Herren Offizier in reicher Uniform und Federbüschen."

Die Säbeltroddeln der neuen Garde waren ab dem 14.11.1808 nicht mehr vom althergebrachten Muster, sondern entsprachen dem Muster der übrigen Regimenter, wie es durch die A.K.O. dieses Tages eingeführt wurde. Die Unteroffiziere hatten nach wie vor schwarz-weiße Säbeltroddeln, die Kompagnien jede eine andere Farbe. Die erste hatte, wie bisher auch, einen ganz weißen Troddel. Dieses neue Muster sah wie folgt aus:

Kompagnie Schieber Eichel (Stengel) Kranz
1. Musketier (Leib)      
2. Musketier      
3. Musketier      
4. Musketier      
5. Musketier      
6. Musketier      
7. Musketier      
8. Musketier      
1. Leichte (9. Füsilier)*      
2. Leichte (10. Füsilier)      
3. Leichte (11. Füsilier)      
4. Leichte (12. Füsilier)      
1. Grenadier**      
2. Grenadier schwarz-weiß   schwarz-weiß
Unteroffiziere*** schwarz-weiß schwarz-weiß schwarz-weiß

*Mit der A.K.O. vom 01.12.1809 erhielten die leichten Bataillone die Bezeichnung "Füsilierbataillone"

**Separate Flügelgrenadierkompagnien wurden beim Regiment Garde zu Fuß nicht mehr aufgestellt.

***Alle Bänder und Quasten weiß, das Band der Unteroffiziertroddel jedoch mit zwei schwarzen Streifen an jedem Rand, die Quasten außen weiß, innern schwarz-weiß gedreht.

Am 16.11.1808 erfolgte die genauere Verfügung, wie die Einteilung der Armee nach erfolgter Räumung der Provinzen von den französischen Truppen sein sollte. Danach gehörte das Regiment Garde zu Fuß zur Brandenburgischen Brigade unter Graf Tauentzien:

2 Bataillone Regiment Garde zu Fuß

3 Bataillone Leib-Infanterie-Regiment

1 Bataillon Leib-Grenadiere

1 Bataillon Garde-Jäger

4 Eskadrons Gardes du Corps

4 Eskadrons Brandenburger-Kürassiere

4 Eskadrons 1. Brandenburger-Husaren

2 Eskadrons 2. Brandenburger-Husaren

Artillerie hatte die Brandenburgische Brigade noch keine zugewiesen bekommen. Die Stärke des Regiments Garde zu Fuß betrug zu dieser Zeit etwa 800 Mann. Am 20.11.1808 hatte es in der neuen Formation die erste große Parade vor dem König.

In einem Bericht der Reoganisations-Kommission vom 02.12.1808 an den König über ein vorgelegtes Conscriptions-Regulativ heißt es über die bislang ungeklärte Ergänzung der Garde:

"Die Art und Weise, wie die Garden bei der Einführung der Consription ergänzt werden sollen, verdient noch eine besondere Bestimmung, und es bieten sich dazu zwei Wege dar: Der erste wäre: daß der Bedarf der Garden auf die 6 Cantons (der sechs Brigaden) repartirt und nach diesem Maaßstabe die größten und schönsten Leute aus der ganzen Conscription jährlich für sie ausgewählt würden. oder daß man zweitens aus den ausgedienten Leuten der ersten Conscription, welche sich freiwillig zum Weiterdienen meldeten, die Vorzüglichsten in Hinsicht der Führung und des Aeußeren aussuchte und mit diesen Leuten die Garde complettirte. Auf dem ersten Wege würde das Corps mehr an äußerer Schönheit gewinnen, auf dem letzteren ein Ehrenposten werden, den man sich durch eine gewisse Dienstzeit erwerben könnte."

Der zweite Vorschlag wurde spätestens bei Einführung der Wehrpflicht natürlich unmöglich. So wurde denn die neue Garde, wie bisher auch, aus allen Kantonen ergänzt, wobei wie schon zu früheren Zeiten die "schönsten und größten" Leute jedes Jahrgangs eingestellt wurden.

Am 30.11.1808 endeten für Potsdam, der alten Garnisonstadt der Garde, die Einquartierungen durch die französischen Besatzer. Die Regimentsgeschichte schreibt dazu: "Vom 24. October 1806 bis 30. November 1808 hatte die Stadt ununterbrochen feindliche Einquartierungen zu erdulden gehabt; namentlich hatte Napoleon die Cavallerie-Depots nach Potsdam gelegt. Daneben waren der Stadt fast unerschwingliche Requisitionen auferlegt. Bedenkt man nun, daß ein großer Theil der Bewohner, damals vielleicht noch mehr als jetzt, einzig und allein vom Militair lebte, so wird es begreiflich, daß die Stadt fast völlig ruiniert war. Ein starkes Viertel sämmtlicher Grundstücke stand unter Administration des Magistrats. Häuser von 2 Etagen, massiv mit 6 Fenster Front, wurden für 1000 Thlr. verkauft, so daß die Miethen unglaublich niedrig waren. Eine der größten Wohnungen der Stadt wurde für 56 Thlr. gemietet." Am 03.12.1808 rückten endlich die letzten französischen Besatzungsregimenter auch aus Berlin ab. Am 10.12. rückten dafür die ersten Preußischen Truppen nach, empfangen vom Jubel der geschundenen Bevölkerung. Die einrückenden Truppen waren größtenteils Regimenter, die an der  Verteidigung von Kolberg beteiligt gewesen waren.

Am 23.12.1808 erließ der König Bestimmungen über die Bekleidung der Chargen vom Feldwebel abwärts. Darin hieß es:

"1) Alle Truppentheile erhalten Czakots mit 2 Jahr Tragezeit; die ledernen Schirme an denselben 4 Jahr; der Wachsleinewand-Ueberzug 2 Jahr. Das schwarz und weiße Pompon ist das National-Abzeichen. Die Grenadiere der Linie erhalten einen Adler, die anderen Truppen, Musketiere etc. den Namenszug FWR Sr. Majestät. Die Garden einen Stern, in dessen Mitte einen Adler mit der Umschrift suum cuique in der Farbe der Knöpfe, weiß oder gelb.

2) Feldmützen. Die Garden von blauem, die übrigen von dunkelgrauem Tuch mit Leinwand gefüttert und einem Randbesatz, in der Farbe des Montirungskragens. Tragezeit 2 Jahr. Die Mütze hat einen Ueberschlag, um in den Bivouaks etc. selbigen über Genick und Hals herunter zu machen und diese Theile vor Kälte und Nässe zu schützen.

3) & 4) Unterkamisol (Jacke) von grauem Tuch mit bleiernen Knöpfen und die Aermel so eingerichtet, daß sie ab- und angeschnürt werden können. Es hat 2 Jahre Tragezeit. (Dieses wurde 1809 von graumelirtem Tuche, mit eingenähten Aermeln, 1½ Zoll breiten offenen Kragen von demselben Material und einer Reihe mit grauem Tuch überzogener kleiner Knöpfe vorne herunter besetzt, angefertigt.

5) Beinkleider von graumelirtem Tuche mit Leinwand gefüttert und werden so lang gefertigt, daß sie bis eine Hand breit über den Knöchel reichen, sie müssen über dem Knie, vorzüglich aber im Spann weit sein und im Bücken, Steigen, Laufen etc. nicht behindern. Tragezeit 1 Jahr. Zur Aushülfe der Tuchbeinkleider werden für den Sommer auch jährlich 1 Paar weißleinene Pantalons verabreicht.

6) Fausthandschuhe von grauem Tuch mit weißem Boy gefüttert. Sie werden jedesmal mit dem Rock geliefert. Unterofficiere und Hautboisten, Regiments- und Bataillons-Tambours erhalten neben den Tuchhandschuhen jährlich ein Paar weißlederne ohne Stulpen.

7) Strümpfe. Statt der bisherigen langen, werden von nun ab jährlich 1 Paar kurze wollenen Socken verabreicht, die bis an die Wade heranreichen müssen.

8) Mantel von graumelirtem Tuche bis unter die Wade reichend, Aermel und Leib bis über die Hüften mit Leinewand gefüttert. Vorn mit platten Knöpfen wie auf dem Rock, zum Uebereinanderknöpfen, und hinten mit einem 3 Finger breiten Tuchgurt versehen, der zum Zusammenziehen dient. Kragen und Achselklappen wie auf dem Rock, Aermel-Ueberschlag vom Mantel-Material. Dieses Montirungsstück wird so weit angefertigt, daß es ganz bequem über den Montirungsrock angezogen und getragen werden kann, besonders muß der offenen Kragen weit und hoch sein. - Tragezeit wird später erst bestimmt werden. Der Mantel befindet sich im Frieden auf den Kammern, bei Ausmärschen zu Revuen etc. wird derselbe lang über die Schultern gewickelt und nur bei Paraden, bei welchen Alles feldmäßig ausgerüstet erscheint, auf dem Tornister gerollt getragen. Zum Garnisondienst werden für den Winter zum Gebrauch jeder Compagnie noch 6 Wachmäntel verabreicht.

9) Brodbeutel von Zwillich zum Fortbringen der Lebensmittel für den täglichen Gebrauch auf dem Marsch, außer der im Quartier empfangenen Beköstigung, nächstdem Kleinigkeiten von Putzzeug etc."

Durch eine A.K.O. vom 24.12.1808 erhielt das Regiment Garde zu Fuß seinen ersten Verpflegungsetat, welcher mit 124.9000 Thlr. und 6gGr. abschloß. In dieser summe waren jedoch die Kosten für Brotverpflegung, große Montierungsstücke, Armatur, Fourage und Servis nicht enthalten. Die Quartiere in Königsberg waren sehr schlecht und die Lebensmittel teuer. Daher waren diejenigen Leute, die keine "Gemüsezulage" bekamen eher schlecht gestellt. Dennoch war der Geist der Garde wie stets vortrefflich.

Am 27.12.1808 besichtigte der König noch einmal das Regiment Garde zu Fuß und reiste dann mit der Königin nach Petersburg ab. "In den letzten Tagen des December bekam das Regiment den sehnlich erwarteten Befehl zum Ausmarsch von Königsberg. Als am 3. Januar 1809 abmarschirt wurde, war man in der festen Idee, nach Potsdam abzurücken." (aus der Regimentsgeschichte)

Beim Ausmarsch wurde der Kommandeur der Leibkompagnie, Stabscapitain Leopold Anton Adrich von Natzmer, zum Flügeladjutanten Seiner Majestät des Königs ernannt und blieb daher in Königsberg in Ostpreußen zurück. Der Marsch des Regiments ging über Heiligenbeil, Frauenburg, Elbing, Marienburg, Conitz, Hammerstein, Neu-Stettin, Dramburg, Stargard wo das Regiment Garde zu Fuß am 27.01.1809 in Parade einmarschierte und am General von Blücher vorbei defilierte. Da der 28.01. ein Ruhetag war, lud Se. Excellenz General von Blücher das gesamte Offizierscorps zu Tische ein und er gab abends auch einen Ball in der Stadt, zu dem die Gardeoffiziere selbstverständlich ebenfalls eingeladen waren. Die Regimentsgeschichte berichtet: "Sonst war der Marsch sehr anstrengend gewesen, Ungewöhnlich hoher Schnee und an einzelnen Tagen bis 27 Grad Kälte verursachten viel erfrorene Glieder. Auf dem Marsch wurden hier und da für die Garde sich eignende Rekruten angenommen, das Regiment auch nach und nach durch immer noch Eintreffende der ehemaligen Garde verstärkt." Von Stargard aus ging der Marsch weiter über Pyritz nach Königsberg in der Neumark, wo das Regiment am 31.01.1809 eintraf. Die Fourier-Offiziere waren  schon nach Berlin vorausgeschickt worden, als an diesem Tag eine Königliche Ordre eintraf, daß das Regiment bis auf Weiteres in Königsberg (Neumark) und Umgebung Kantonierungsquartiere beziehen solle. Der Hintergrund dieser Ordre waren die sich zunehmend verschlechternden Beziehungen zwischen Österreich und Frankreich, welche möglicherweise auch zu einem Bruch der Donaumonarchie mit dem kleinen Preußen führen könnte. Die neuen Quartiere der Garde waren durch wiederholte feindliche Einquartierungen völlig ausgezehrt und verarmt. Daher waren öfters Umquartierungen notwendig und die Kompagnien waren dann teilweise so weit voneinander einquartiert, daß sie häufig 3 - 4 Stunden zum gemeinschaftlichen Exerzierplatz marschieren mußten.

In Potsdam sammelte derweil Premierlieutenant Carl Heinrich von Block die sich in der Stadt aufhaltenden ehemaligen Gardisten, ließ sie einkleiden und dem Regiment zuführen. Auch wurden aus den Gefangenen-Transporten, die die Gegend um Königsberg in der Neumark passierten die qualifiziertesten Leute herausgesucht und der Garde zugeführt. Die aus der Kriegsgefangenschaft nach Potsdam zurückkehrenden Unteroffiziere und Mannschaften wurden zunächst ärztlich untersucht. Diejenigen, die als Halb- oder Ganzinvalide eingestuft wurden, wurden dem in Potsdam befindlichen Garde-Invaliden-Bataillon zugewiesen. Dieses Bataillon war neu formiert worden und stand nun unter dem Kommando von Major von Puttkammer vom alten Regiment Garde Nr. 15. Dieser wiederum suchte unter den ihm zugewiesenen die Halbinvaliden heraus und übergab sie der am 16.02.1809 ebenfalls in Potsdam neu formierten "Garde-Garnison-Kompagnie". Diese Kompagnie stand unter dem Befehl von Capitain von Rekowski vom Regiment Garde Nr. 15. "Nach der ursprünglichen Organisation war die Garnison-Compagnie einzig dazu bestimmt, »daß bei ihr gutgediente Soldaten, denen die nöthigen Kräfte zu mangeln anfangen, wenn sie nicht den Abschied verlangen, bis zur entschiedenen Invalidität eingestellt werden sollen.«" (aus der Regimentsgeschichte)

Am 11.03.1809 erhielt Major von Kessel das folgende Königliche Schreiben aus Königsberg in Ostpreußen:

    "Die mir unterm 25. Februar c. zugeschickten Listen und Rapporte habe ich gestern erhalten. Die Sterbefälle und große Anzahl der Kranken sind für mich keine angenehme Nachricht. Ich empfehle bei dieser Gelegenheit nochmals die bestmögliche Fürsorge für letztere.

    Da ich Nichts gegen die von Ihnen für die Garnison-Compagnie des Regiments gemachte Eintheilung der Mannschaften zu erinnern gefunden, so genehmige ich solche. Diese Compagnie steht bereits mit auf dem Etat, sie kann also gleich formirt werden. Den Capitain von Recowski vom ehemaligen Regiment Garde ernenne ich zum Commandeur.

    Meine Absicht ist, den größten Theil der aus der Gefangenschaft zurückkehrenden Mannschaften der Grenadier-Compagnie des 1. Bataillons Garde zur jetzigen Leib-Compagnie zu nehmen. Wenn die Zahl der für das Füsilier-Bataillon bestimmten Mannschaften zu groß werden sollte, so können sie diese hierher abschicken, sie brauchen keine Gewehre mitzubringen, müssen aber mit Füsiliergehängen und Patrontaschen versehen sein.,

    Der Amtmann Ruhel in Königsberg in d. R. bittet mich, seinen Stiefbruder Holtzheim, der 19 Jahr alt und 11 Zoll groß sein soll und jetzt, ich glaube, schon beim Kolberger Regiment steht, zur Garde nehmen. Sie haben dieses, wenn es sich so verhält, zu veranlassen, da ich es genehmigen will.[5]

   

    Königsberg in Preußen den 9. März 1809.

Friedrich Wilhelm"

In diesem Schreiben deutete der König bereits die Bildung eines leichten Gardebataillons an, dem späteren Füsilierbataillon. Am 17.03.1809 folgte das offizielle Schreiben hierzu vom König:

    "Ich habe beschlossen, in der Formation des Garde-Regiments zu Fuß eine Veränderung vorzunehmen und zu demselben noch ein leichtes Bataillon aus Füsilieren zu errichten, dagegen aber alle drei Bataillons auf gleiche Etatsstärke der übrigen Feld-Bataillons d. h. á 600 Mann zu setzen. Wie und wann das Bataillon errichtet werden soll, behalte ich mir vor zu bestimmen.

    Für jetzt werde ich hier ein Garde-Depot anlegen lassen, zu welchem die hiesigen Regimenter der Provinz die Mannschaft sowohl, wie die zur Complettirung der beiden schon bestehenden Grenadier-Bataillone stellen, und welche hier einstweilen montirt und exercirt werden sollen, bis daß sie zum Regiment selbst abrücken können.

    Die Direction dieses Depots soll hier dem Capitain von Natzmer übertragen werden, dem sie noch zwei Officiere, die Sie zu bestimmen haben, beigesellen können. Die Wahl des Commandeurs des Bataillons sowie der Officiere behalte ich mir vor.

    Wenn sich in den Compagnien des Regiments Leute finden, die zum Füsilierdienst vorzüglich geeignet sind, so müssen Sie selbige selbige notiren lassen, um sie, wenn erst die Compagnien complett sind, dem leichten Bataillon abzulassen. Der letzte Termin für die Stellung der Mannschaften hier in Königsberg in Preußen ist auf den 15. April a. c. festgesetzt.

    Zum leichten Garde-Bataillon werden Leute bis zu 4 Zoll inclusive angenommen. Es werden 226 Mann hier zusammenkommen. Das hier zu formirende Depot wird in der künftig für sämmtliche Gemeinen der Garde bestimmten Interims-Uniform eingekleidet werden, die von der jetzigen nur darin abweicht, daß sie kamelhaarne statt silberne Litzen zum Besatz erhält.

 

    Königsberg in Preußen den 17. März 1809.

Friedrich Wilhelm."

Im März ließ also Se. Majestät das Depot antreten. Jede Kompagnie des Regimentes, welches dazu bestimmt war, Mannschaften und Unteroffiziere zur Garde abzugeben, erfüllte dies, indem 9 - 11 Gemeine und Unteroffiziere abgegeben wurden. Gebildet wurde diese zunächst als „leichtes Gardebataillon“ bezeichnete Truppe aus den folgenden Teilen:

    Von der Garde:

100 Mann vom Regiment Garde zu Fuß

    Von der Linie:

    Brandenburgische Brigade:

55 Mann vom Leib-Infanterie-Regiment

20 Mann vom Brandenburgischen Kürassier-Regiment

    Niederschlesische Brigade:

55 Mann vom 1. Westpreußischen Infanterie-Regiment

20 Mann vom Neumärkisches Dragoner-Regiment

    Pommersche Brigade:

55 Mann vom 1. Pommerschen Infanterie-Regiment

20 Mann vom Königin Dragoner-Regiment

55 Mann vom Colbergsches Infanterie-Regiment

20 Mann vom Brandenburgisches Dragoner-Regiment

400 Mann in Summa

Dazu traten noch abgegebene Mannschaften der in Preußen stehenden leichten Bataillone. Abweichend zu den beiden Grenadierbataillonen erhielt das Füsilierbataillon von Anfang an schwarzes Lederzeug und behielt die Farbe des Lederzeuges auch unverändert bis zum I. Weltkrieg bei. "Das Lederzeug beim Füsilier-Bataillon des Regiments wurde von dessen Errichtung 1809 an, unverändert über die Schulter getragen, doch aber hatten die Unterofficiere ihre Kartusche (kleine Patrontasche) nicht über die Schulter, sondern vermittelst eines schwarzen, 1 Zoll breiten Schnallriemens, mitten vor den Leib, über den untersten 4 Knöpfen. Dieses Lederzeug genannten Bataillons wurde die ersten Jahre dauernd durch Wachsputz blank erhalten, später, von 1818 ab, durch schwarzen Lack. - Die Bewaffnung der Mannschaften dieses Bataillons war die der Grenadier-Bataillone, doch hatten die Unterofficiere niemals Spontons." (aus der Regimentsgeschichte)

Nach einer A.K.O. vom 17.04.1809 sollte die abzugebende Mannschaft die für die leichte Infanterie erforderlichen Eigenschaften besitzen und außerdem (die Größe ausgenommen, die für die Gardemannschaften erforderlichen Eigenschaften besitzen. Die Größe wurde hier mit maximal 6 Zoll und mindestens 3½ Zoll angegeben. Bei der Infanterie waren es gediente Mannschaften, bei der Kavallerie ungediente Kantonisten aus den ihr angewiesenen Komplettierungs-Kantons. Die Abgaben in den Provinzen jenseits der Oder besorgte Major von Kessel in Königsberg in Ostpreußen. Die Abgaben diesseits der Oder besorgte Generallieutenant Graf Tauentzien in Potsdam. Daß die Kommandeure der Regimenter und Brigaden nicht gerade glücklich mit diesen Abgaben waren, zeigt die Notiz, die der Kommandeur der Westpreußischen Brigade, Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg (26.09.1759-04.10.1830), eigenhändig unter die Abgabeliste schrieb: "Ich bedauere, daß die Abgabe nicht besser ausgefallen ist, wir sind hier aber sehr arm an sich zur Königlichen Garde qualifizirenden Subjekten."

Nach der Allerhöchsten Kabinetts Ordre (A.K.O.) vom 30.04.1809 durften die Gemeinen des Regiments Garde zu Fuß an den Tschakos, wie an den Rockkragen und Aufschlägen keine silbernen Borten und Litzen mehr tragen, sondern nur dergleichen aus Baumwolle. Bei den Offizieren änderte sich hingegen nichts. Die Mannschafts- und Unteroffiziersborte am Tschako war nun von der Form her gleich, also bei den Unteroffizieren nicht mehr gezackt, sondern auch glatt. Die Unteroffiziere behielten jedoch statt wollener, Borten aus Silberstoff. Die Litzen der Mannschaften durften nun nicht mehr mit Puscheln versehen sein, behielten aber ihre altpreußische, also am Ärmel nach unten, bzw. am Rockkragen nach hinten spitz zulaufende Form.

Am 20.05.1809 avancierte Major Gustav Adolph von Kessel zum Oberstlieutenant. Am 30.05.1809 wurde er zum Depot für das Füsilierbataillon nach Königsberg versetzt. In seiner Vertretung übernahm Major Carl Prinz von Mecklenburg-Strelitz, Chef der 2. Kompagnie, die Führung des Regiments. Nach Königsberg war bereits Lieutenant Julius Ludwig von Pogwisch zum Aufbau des Füsilierbataillons abkommandiert. Wann er dorthin gegangen ist, ist nicht überliefert.

Garde-Füsilier-Bataillon 1809, nach Thümen

Bereits bei seiner ersten Vorlage an die Reorganisationskommission im Jahre 1807, hatte der König die Bildung von leichten Bataillonen, oder Füsilierbataillonen, im Punkt 6 angeregt: "Daß wir zu wenig wirkliche leichte Infanterie haben, ist wohl keinem Zweifel unterworfen. Wie aber wäre diese zu schaffen? Man könnte, was mir sehr zweckmäßig erscheint, noch zu jedem Regimente Infanterie ein Bataillon von gleicher Stärke wie die übrigen als leichtes Bataillon hinzufügen, welches einerlei Uniform trüge und nur durch Kleinigkeiten zu unterscheiden wäre. Der Vortheil hierbei ist der, daß man die zum leichten Dienst qualifizirten Officiere aus dem Regiment hierzu wählen und mit denselben, so wie mit den Mannschaften wechseln könnte, wenn sie hierzu nicht tauglich befunden würden." Leider ist das genaue Datum dieses Schreibens nicht bekannt, die Anregung des Königs wurde jedoch von der Kommission festgehalten und in einer Königlichen Verordnung niedergelegt. Nach dieser Verordnung sollte also jedes Regiment Infanterie, zu 2 Bataillonen, mit einem leichten Bataillon verbunden werden. "Der Commandeur des leichten Bataillons hatte eine selbstständige Stellung in Bezug auf den Dienstbetrieb; in Bezug der Jurisdiction, Disciplin etc. aber stand das leichte Bataillon den beiden andern gleich. Der Regiments-Commandeur bestimmte auch den Ersatz des leichten Bataillons, das Bataillon konnte aber Leute, die später nicht einschlugen, zurückgeben. Ferner hatte er das Rechte, alle Leute, welche über 10 Jahre dienen, dem Regiment zu überweisen. In Rücksicht der Officiere sollte die Anstellung beim leichten Bataillon nach Rücksprache mit dem Commandeur desselben und mit Genehmigung des Brigade-Commandeurs geschehen, und Versetzungen soviel als möglich vermieden werden. Die Officiere der beiden andern Bataillons sollten abwechselnd zur Erlernung des Dienstes zum zum leichten Bataillon commandirt werden." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 31.05.1809 wurde in Stralsund der Preußische Major Ferdinand Baptista von Schill (06.01.1776-31.05.1809) von den Franzosen erschossen. Er fiel an der Spitze seines "Schillschen Freikorps" beim Kampf um Stralsund. Der Kopf wurde von der Leiche abgetrennt und Napoléons Bruder, König  Jérôme Bonaparte von Westphalen als Trophäe geschickt - ganz wie zu den grausamen Zeiten des alten Roms. Der Körper wurde dagegen auf dem Friedhof von St. Jürgen verscharrt. Erst 1837 wurde Schills Kopf, der sich lange in einem Naturalienkabinett im niederländischen Leiden befand, in einer Urne nach Braunschweig gebracht. Sein Korps kämpfte nach seinem Tod weiter, wurde jedoch geschlagen und nahezu alle Überlebenden nach Frankreich auf die Kriegsschiffe als Sklaven verbracht - wieder eine Parallele zum alten Rom. Elf Offizieren des Schillschen Korps wurde in Wesel der Prozeß durch die Franzosen gemacht und diese Offiziere am 16.09.1809  als Abschreckung für andere Aufständler in aller Öffentlichkeit erschossen. Etwa 200 Reiter und einige Jäger Schills entkamen der Vernichtung und erzwangen die Bewilligung freien Abzugs nach Preußen, wo die Soldaten in ihre Heimat entlassen, die Offiziere aber vor ein Kriegsgericht gestellt und mit Festungsstrafe und bedingungsloser Entlassung aus dem Militärdienst (Kassation) bestraft wurden. Denn der König mißbilligte aufs Schärfste die Eigenmächtigkeit Schills. Er erließ als Reaktion auf die Affäre um das Schillsche Freikorps eine A.K.O., die auch dem Regiment Garde zu Fuß beim Appell vorgelesen wurde:

"Als einen ersten Beweis pünktlicher Befolgung der Allerhöchsten Befehle, legen Seine Majestät allen Militairpersonen Ihrer Armee die unbedingte Verpflichtung auf, daß sie bei allen Verbreitungen politischer und kriegerischer Nachrichten und Gerüchte sich ruhig verhalten, und daran auf keine Weise Theil nehmen, vielmehr erwarten Sie von dem Gehorsam der Armee, daß sie diese Befehle auch in allen nicht berührten Beziehungen vollziehen werde."

Der erste Verpflegungs-Etat, den der König am 29.05.1809 für das leichte Bataillon Garde bestimmte, sah die folgenden Stärken vor:

22 Offiziere

48 Unteroffiziere

1 Bataillons-Tambour

12 Spielleute (8 Hornisten, 4 Tambours)

1 Bataillons-Chirurgus

3 Chirurgen

1 Büchsenmacher (zugleich Schäfter)

80 Gefreite

460 Gemeine

628 Köpfe in Summa

Erster Kommandeur des leichten Bataillons Garde wurde am 12.06.1809 der bisherige Major der Ostpreußischen Artilleriebrigade, Wilhelm Krauseneck (ab 1842 von Krauseneck). Er übernahm gleichzeitig die 1. leichte Kompagnie als Chef. Die 2. leichte Kompagnie übernahm als Chef der Stabscapitain Leopold Friedrich von Kleist vom Regiment. Chef der 3. leichten Kompagnie wurde Stabscapitain Friedrich Johann Carl Gebhard von Alvensleben vom Regiment. Chef der 4. leichten Kompagnie wurde Capitain Johann August Wilhelm von Bismarck III (wobei III bedeutet, daß es der 3. von Bismarck im Regiment ist, die anderen beiden sind vor ihm eingetreten und haben daher die Nummern I und II) vom ehemaligen Regiment von Kleist. Ebenfalls am 12.06.1809 erhielt das leichte Bataillon Garde den Namen „Füsilier-Garde-Bataillon“. Die erste Rangliste des Füsilierbataillons sah folgendermaßen aus:

Rangliste des Füsilier-Garde-Bataillons vom 12.06.1809

Quelle: Reinhard, Carl von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1740-1857, Potsdam 1858, August Stein

 

1. leichte Kompagnie

1) Major Wilhelm Krauseneck

2) Stabscapitain Ernst Carl Samuel von Schachtmeier

3) Premierlieutenant Adolph Friedrich von Barnekow

4) Secondelieutenant Hans Carl August Graf zu  Solms-Tecklenburg

5) Secondelieutenant Franz Carl von Werder, Adjutant

6) Secondelieutenant Eduard Otto von Buddenbrock

 

2. leichte Kompagnie

1) Stabscapitain Leopold Friedrich von Kleist

2) Premierlieutenant Carl Heinrich von Schütz

3) Secondelieutenant Wilhelm Heinrich Adolph von Below II

4) Secondelieutenant Otto von Zieten II

5) Secondelieutenant Hans Carl August von der Marwitz

 

3. leichte Kompagnie

1) Stabscapitain Friedrich Johann Carl Gebhard von Alvensleben

2) Premierlieutenant Adolph Heinrich Wilhelm Carl von Grabow

3) Secondelieutenant Eberhard Carl von Esebeck

4) Secondelieutenant August Dedo von Hagen

5) Secondelieutenant Carl Friedrich von Wichert

 

4. Kompagnie

1) Capitain Johann August Wilhelm von Bismarck III

2) Secondelieutenant Carl Ludwig von Schenckendorff

3) Secondelieutenant Carl Friedrich von Lindheim

4) Secondelieutenant Johann Leo Carl von Schlieffen (ab 04.1812 Graf von Schlieffen)

Aggrgiert: Stabscapitain Carl Freiherr von Kerkering

Damit war das Regiment Garde zu Fuß zu drei Bataillonen komplett. Die beiden Grenadierbataillone standen also in Königsberg in der Neumark und Umgegend und das Füsilierbataillon in Königsberg in Ostpreußen. Daneben stand die Garnisonkompagnie in Potsdam. Am 10.06.1809 vollzog der König eine neue Rangliste für das nun 3 Bataillone starke Regiment.

Rangliste des Regiments Garde zu Fuß nebst dessen leichtem Bataillon vom 10.06.1809

Quelle: Reinhard, Carl von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1740-1857, Potsdam 1858, August Stein

Chef: Se. Majestät der König

1) Kommandeur Oberstlieutenant von Gustav Adolph von Kessel

2) Major Carl Prinz von Mecklenburg-Strelitz

3) Major Friedrich Wilhelm Ludwig von Jagow

4) Major Carl Friedrich Ludwig von Lobenthal

5) Major Carl Ludwig Heinrich von Pritzelwitz

6) Major Wilhelm Krauseneck, Kommandeur des leichten Bataillons

7) Capitain Ernst Ludwig Wilhelm von Bismarck II

8) Capitain Adolph Heinrich Ferdinand Christian von Rex

9) Capitain Johann August Wilhelm von Bismarck III, leichtes Bataillon

10) Capitain Leopold Friedrich von Kleist II, leichtes Bataillon (zwei Tage später als Stabscapitain geführt)

11) Capitain Leopold Anton Adrich von Natzmer

12) Capitain Friedrich Johann Carl Gebhard von Alvensleben, leichtes Bataillon (zwei Tage später als Stabscapitain geführt)

13) Stabscapitain Wilhelm Baron von Müffling

14) Stabscapitain Ludwig Dietrich Carl Wilhelm von Below

15) Stabscapitain Julius Ludwig von Pogwisch I, Adjutant I. Bataillon

16) Stabscapitain Carl George Albert von Rohr

17) Stabscapitain Carl Heinrich von Block

18) Stabscapitain Carl Friedrich Wilhelm von Carlowitz

19) Stabscapitain Johann Friedrich von Hohendorff

20) Stabscapitain Ernst Carl Samuel von Schachtmeier, leichtes Bataillon

21) Premierlieutenant Wilhelm Carl Baron von Ditfurth

22) Premierlieutenant Carl Heinrich von Schütz, leichtes Bataillon

23) Premierlieutenant Friedrich August von Schäffer

24) Premierlieutenant Adolph Heinrich Wilhelm Carl von Grabow, leichtes Bataillon

25) Premierlieutenant Adolph Friedrich von Barnekow, leichtes Bataillon

26) Secondelieutenant Adolph Heinrich von Barner

27) Secondelieutenant Friedrich Wilhelm von Brünneck

28) Secondelieutenant Carl Ludwig von Schenckendorff, leichtes Bataillon

29) Secondelieutenant Hans Ernst Carl von Bornstedt

30) Secondelieutenant Heinrich Werner Friedrich von Below I

      Secondelieutenant Friedrich Louis Prinz von Preußen, Königliche Hoheit

31) Secondelieutenant Gustav Adolph von Strantz

32) Secondelieutenant Eseb Constantin von Witzleben

33) Secondelieutenant Ludwig Carl von Wallbrunn

34) Secondelieutenant Wilhelm Heinrich Adolph von Below II, leichtes Bataillon

35) Secondelieutenant Eberhard Carl von Esebeck, leichtes Bataillon

36) Secondelieutenant Hans Carl Friedrich von Zieten I

37) Secondelieutenant Otto von Zieten II, leichtes Bataillon

38) Secondelieutenant August Dedo von Hagen, leichtes Bataillon

39) Secondelieutenant Heinrich Albert von Neumann

40) Secondelieutenant Ferdinand von Lyncker

41) Secondelieutenant Carl von L´Estocq

42) Secondelieutenant Adolph Alexander Friedrich von Knobelsdorff

43) Secondelieutenant Ludwig Eugen von Gayl I

44) Secondelieutenant Carl Friedrich von Lindheim, leichtes Bataillon

45) Secondelieutenant Wilhelm Erdmann Graf von Pückler

      Secondelieutenant Friedrich Wilhelm Kronprinz von Preußen, Königliche Hoheit

46) Secondelieutenant Franz Dietrich Friedrich Ferdinand von Schierstädt II, Adjutant II. Bataillon

47) Secondelieutenant Franz Carl von Werder, Adjutant leichtes Bataillon

      Secondelieutenant Wilhelm Friedrich Ludwig Prinz von Preußen, Königliche Hoheit

48) Secondelieutenant Carl Friedrich von Wichert, leichtes Bataillon

49) Secondelieutenant Philipp August von Maltitz, leichtes Bataillon

50) Secondelieutenant Hans Carl August Graf zu  Solms-Tecklenburg, leichtes Bataillon

51) Secondelieutenant Hans Carl Dietrich von Rochow

52) Secondelieutenant Carl Alexander Theodor von Bismarck I

53) Secondelieutenant Hans Carl August von der Marwitz

54) Secondelieutenant Friedrich Wilhelm von Rauch

55) Secondelieutenant Wilhelm Ludwig von Meyerinck

56) Secondelieutenant Eduard Otto von Buddenbrock

57) Secondelieutenant Carl Albert von Griesheim

58) Secondelieutenant Carl Friedrich Ferdinand von Hirschfeld, leichtes Bataillon

59) Secondelieutenant August Albert von Grovistins oder Grovestin

60) Secondelieutenant Albrecht Caspar Gotthard von Kröcher

61) Secondelieutenant August Alexander Adam von Arnstädt

62) Secondelieutenant August Carl von Jagow III

63) Secondelieutenant Ludwig Wilhelm von Rheinbaben

64) Secondelieutenant George Leopold Carl von Gayl II, leichtes Bataillon

65) Secondelieutenant Johann Leo Carl von Schlieffen (ab 04.1812 Graf von Schlieffen), leichtes Bataillon

 

Aggregiert:

1) Stabscapitain Carl Freiherr von Kerkering, leichtes Bataillon

2) Premierlieutenant Carl Wilhelm von Bülow

3) Secondelieutenant Friedrich Wilhelm Graf von Brandenburg

4) Secondelieutenant Philipp Heinrich Joseph Siegmund von Steinäcker

5) Secondelieutenant Carl Wilhelm von Kleist III

 

Königsberg den 10. Juni 1809.

gez. Friedrich Wilhelm.

 

Am 13.04.1809 hatten die beiden Grenadierbataillone die erste Revue vor dem Brigade-Chef General Graf Tauentzien beim Dorf Schönflies. Dieses Dorf lag in der Mitte des Cantonnements der beiden Bataillone. Vom 01.05.1809 an bewilligte der König den Mannschaften der beiden Grenadierbataillone, vom Feldwebel abwärts, auf Wunsch des Regimentskommandeurs, vorläufig bis zum Ende der Ernte eine "Victualienzulage". Grund waren die sehr hohen Lebensmittelpreise und gezahlt wurde ½ Thlr. pro Mann und Monat. "Da die Aerndte aber schlecht ausfiel, so blieb die Zulage fortbestehen und wurde dann am 26. November dahin ausgedehnt, daß die Zulage vorläufig  bleiben und es von den Preisen der Lebensmittel in den verschiedenen Garnisonsorten, und den Berichten der Civil- und Militair-Behörden abhängig sein sollte, wann dieselbe aufhören würde. Mit Ausnahme der Zeit, wo das Regiment mobil war, ist dann die Victualienzulage bis heute stets gezahlt worden." (aus der Regimentsgeschichte 1740-1857)

In einem nicht datierten Brief an der Regimentskommandeur Oberstlieutenant von Kessel schrieb der König, wie er die neue Garde ausgebildet wissen wollte:

    "Was das Exercieren anbetrifft, so habe ich Nichts abgeändert, und will ich, daß Alles so bleiben soll, wie ich es hier gutgeheißen. Nur der individuelle anstand und das Intellektuelle der Leute wünsche ich immer mehr vervollkommnet zu sehen, als wie dieses bisher ist, was ich dem Major von Pritzelwitz aufgetragen habe. Das Pedantische beim Chargiren und den Evolutionen, will ich aber keineswegs wieder eingeführt wissen.

    Meinen Gruß dem ganzen Regiment.

Friedrich Wilhelm."

Da seine neue Garde als Vorbild für die ganze im Entstehen begriffene neue Preußische Armee angesehen werden kann, ist davon auszugehen, daß der König dies nicht nur auf die Garde, sondern auf alle Regimenter und Bataillone bezogen hat. Er zog damit die Lehren aus dem Desaster des Feldzuges von 1806/1807, bei dem sich eindeutig gezeigt hatte, daß in Preußen viel zu sehr Wert gelegt worden war auf pedantisches Einhalten der äußeren Formen beim Chargieren und im Gefecht. Der Putz war wichtiger gewesen als der Kampf. Dies sollte sich nun ändern.

Nach und nach kamen immer weitere Unteroffiziere und Mannschaften aus der französischen Kriegsgefangenschaft zurück. Sie wurden beim Regiment angestellt. Jedoch, wenn sie sich nicht als "schuldlos" ausweisen konnten, wurden sie dadurch bestraft, daß die Unteroffiziere ein ganzes Jahr mit den Unteroffizier-Abzeichen (Troddel, Tressen) in Reih und Glied mit den Mannschaften exerzieren mußten. Bei Mannschaften geschah die Bestrafung dadurch, daß sie ebenfalls ein Jahr lang keinen Seitengewehrtroddel anlegen durften und somit für Jedermann ersichtlich als Soldaten 2. Klasse beim Regiment einrangiert waren.

"Im Juli 1809 erhielten die Gemeinen statt des bisherigen Silbernbandes 8 Litzen in Baumwolle. Die der Unterofficiere blieben noch von Silber bis 1813, wo auch diese nur wollene erhielten." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 20.08.1809 legte eine A.K.O. genau das Tragen des Mantels, der gerade erst beschafften blechernen Kochgeschirre, der einzelnen Feldgeräte wie Picken, Schaufeln, Äxte, Beile, etc. fest. Ebenso das Tragen der Tornister für Subalterne Offiziere auf Märschen und anderen Gelegenheiten.

"Brodbeutel wurden 1809 geliefert, auf Märschen von den Mannschaften getragen und zur Fortschaffung kleiner Bedürfnisse an Lebensmitteln und dergl. benutzt, mußten aber bei dergleichen Märschen, bei jedem Vorbeimarsch eines Vorgesetzten, wie auch Ein- und Durchmarsch eines, wenn auch noch so unbedeutenden Orts vorher fortgesteckt werden, damit sie nicht zu sehen waren, wurden also hierdurch mehr eine Belästigung als Bequemlichkeit; angedeutetes Verfahren ist beim Regiment während der Jahre 1810 bis 1829 hin, dauernd üblich geblieben." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 26.07.1809 wurde das Regiment von Generallieutenant von L´Estocq besichtigt, der gerade zum neuen Gouverneur von Berlin ernannt worden war und nun auf der Durchreise von Ostpreußen nach Berlin war. In diesen Tagen erhielt das Regiment auch den Befehl, nach Frankfurt an der Oder zu marschieren. Am 31.07.1809 rückten die beiden Grenadierbataillone zusammen aus Königsberg in der Neumark ab und marschierten über Soldin und Landsberg nach Frankfurt, welches am 05.08.1809 erreicht wurde. Das Regiment nahm hier an größeren Truppenübungen teil. Im Gegensatz zum Füsilierbataillon, welches direkt das neue "Reglement für die gesammte Infanterie" erhielt, wurde den beiden Grenadierbataillonen bislang jede Übung, Veränderungen in der taktischen Ausbildung, etc. durch Allerhöchste mündliche Bestimmungen angeordnet worden. Hier nun sollte das Regiment zum ersten mal im größeren Truppenverband agieren. die Übungen wurden geleitet von August Prinz von Preußen und umfaßten neben den I./II. Regiment Garde zu Fuß auch noch ein Westpreußisches Grenadierbataillon, das Neumärkische Dragoner-Regiment, das Westpreußische Dragoner-Regiment und eine reitende Batterie Garde-Artillerie. Diese Übungen dauerten den ganzen August und September 1809 über an. Es wurde dabei ein Hüttenlager auf dem alten Schlachtfeld von Kunersdorf, auf dem am 12.08.1759 Friedrich der Große eine verheerende Niederlage gegen die verbündeten Russen und Österreicher erlitten hatte (die Garden Friedrichs hatten an der Schlacht keinen Anteil), errichtet, welches die Truppen abwechselnd bezogen.

In Königsberg in der Neumark war für das Regiment Garde zu Fuß bestimmt worden, daß Leute, die wegen Verbrechen von der Garde abgegeben wurden, erst bei dieser bestraft werden sollten. Der Grund der Abgabe sollte dem neuen Kommandeur nur geheim mitgeteilt werden. Am 13.08.1809 erließen Se. Majestät eine Ordre, wonach in Zukunft jeder in die Armee eintretende von unten auf dienen müsse.

"Am 27. August erhielten auch diejenigen Leute des Regiments, welche früher nicht bei der Garde gestanden, aber schon vor dem Tilsiter-Frieden bei derselben eingetreten waren und tadellos gedient, eine Ehrentroddel, die sich von der Ehrentroddel der in der Garde gedienten Leute durch ein ganz weißes Band unterschied, während diese ein grau-melirtes hatte." (aus der Regimentsgeschichte)

Mit der A.K.O. vom 30.08.1809 wurden die Tornister nun an zwei Trageriemen über beide Schultern getragen. Daher wurden nun an den Röcken zwei, statt bisher nur einer Schulterklappe angebracht. Diese waren beim Bataillon Garde zu Fuß weiß und wurden von einem silberfarbenem Knopf gehalten. Ob die eine Schulterklappe dieses auch schon aufwies, ist nicht belegt, bei Einführung der zweiten Schulterklappe zeigten beide Schulterklappenknöpfe nun stets die arabische Kompagnienummer. Die Regimentsgeschichte berichtet: "Nach obiger Allerhöchsten Cabinets-Ordre vom 30. August 1809  mußten nun auch auf Rock und Mantel, statt der bisherigen einen Achselklappe auf der linken Schulter, eine zweite auf die rechte aufgesetzt werden. Auch erhielten nach gedachter Ordre die Czakotsüberzüge am Hintertheil einen 5 Zoll langen und 9 Zoll breiten wachleinwandenen schwarzen Überschlag, um durch ihn bei schlechtem Wetter daß Genick vor Regen und Nässe zu schützen." Mit der gleichen A.K.O. erhielt das Garde-Füsilier-Bataillon schwarzes Lederzeug zum Tragen des Säbels über der Schulter. Die Füsilier-Unteroffiziere hatten keine Spontons, sie trugen dagegen an einem 1 Zoll breitem Schnallriemen um den Leib eine kleine Patronentasche.

Bataillon Garde zu Fuß 1809, nach Thümen

Im Jahre 1809 schlossen sich Österreich und Großbritannien zur 5. Koalition zusammen. Dieser 5. Koalitionskrieg wurde vornehmlich in den Kolonien geführt, jedoch fand am 02.09.1809 auch eine Seeschlacht vor Kopenhagen statt, die die Briten siegreich beendeten. Die Übungen der Preußen in der Nähe der Grenze zu Österreich, veranlaßten viele Bürger zu glauben, Preußen würde sich an die Seite Österreichs stellen im Kampf gegen den Tyrannen. Doch das darniederliegende Preußen hatte einstweilen noch andere Sorgen.

Während dieser Übungen erhielt Oberstlieutenant von Kessel einen überaus gnädigen Brief Seiner Majestät:

    "Der General-Lieutenant von Lestocq meldet mir, daß er das Regiment Garde zu Fuß in guter Verfassung gefunden hat. Ich hoffe, daß ich das Nämliche finden werde, und daß beim Manöver die gute Haltung nicht außer Acht gelassen worden. Das Füsilier-Bataillon unter Major Krauseneck hier ist in recht guter Verfassung; es verbessert sich auch noch täglich im Felddienst, wo hin und wieder Anfangs noch gefehlt wurde. Es wird hier fleißig manövriret, theils in einem, theils in zwei Corps; manchmal des Nachmittags angefangen, die Nacht bivouakirt und den andern Morgen das Manöver vollendet. Die Truppen, besonders die auswärtigen, sind in einer besseren Verfassung als ich erwartet habe, vorzüglich das 1. Leib-Husaren-Regiment und das Grenadier-Bataillon (Anmerkung der Regimentsgeschichte: das 1. Ostpreußische Grenadierbataillon), welches letztere sich ganz vorzüglich seit einem Jahre aufgenommen hat. Capitain von Natzmer nimmt sich sehr gut. Ich habe alle Ursache mit ihm zufrieden zu sein. Er zeigt Kopf und Beurtheilung bei Ausführung der ihm gegebenen Aufträge.

 

    Königsberg den 16. September 1809.

Friedrich Wilhelm.

    An den Oberstlieutenant von Kessel

                in Frankfurt a. a. O."

Die Übungen des Füsilierbataillons im August und September 1809 standen unter der Leitung von Generalmajor von Stutterheim. Zum Dienst bei den Füsilier- oder leichten Bataillonen verfaßte Major Krauseneck eine Denkschrift, die er dem König übergab. Darin hieß es unter anderem: "Die Erfahrung hat gelehrt, daß Leute, welche lange nach den Principien der Linien-Infanterie geübt wurden, immer nur mit großen Schwierigkeiten dahin gebracht werden konnten, ihre Aufmerksamkeit auf den Feind und das sie umgebende Terrain zu richten. Sie fühlen sich verlassen, sobald sie armlos stehen, warten auf Commandos, sehen auf die Nebenleute. Daher erst Einübung des eigentlichen Dienstes der leichten Infanterie. Zu viele Signale sind wegen der unvermeidlichen Aehnlichkeit zu vermeiden." Daran erkennt man, daß es den Preußen offenbar noch sehr schwer viel, vom starren Drill-System auf die neue und so erfolgreiche französische, aufgelockerte Kampfweise umzustellen. Krauseneck merkt weiterhin an, daß die Kleidung die gewöhnliche der Infanterie sein könnte, jedoch hinlänglich weit geschnitten, der Tornister max. 6 Pfund schwer, die Hose nicht mit Strippe an der Sohle befestigt sein sollte, um die Bewegungsfreiheit der Füsiliere nicht einzuschnüren. Als Bewaffnung schlägt er das bisher auch schon verwendete Füsiliergewehr vor, 30 Schützen je Kompagnie sollten dagegen mit Büchsen ausgerüstet sein.

Bis 1806 wurden die Kinder der Angehörigen des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 aus den Mieteinkünften des Hauses am Pariser Platz Nr. 3, welches dem Bataillon von seinem Besitzer, Friedrich Wilhelm von Rohdich, nach seinem Tode überlassen worden war, unterstützt. "Nach der Auflösung des Grenadiergarde-Bataillons als solches, durch die Ereignisse des Jahres 1806, blieben die Kinder der Leute vom Grenadiergarde-Bataillon in dem Genuß der Unterstützungsgelder. Als diese Leute nach und nach aus dem neu formierten Garde-Regiment ausschieden, erließ der König eine Allerhöchste Cabinetsordre, wonach: »auch die Kinder des Regimentes Garde zu Fuß, welchem die Reste des Grenadiergarde-Bataillons einverleibt worden, an den Wohlthaten des von Rohdichschen Vermächtnisses Antheil haben sollten!« Der höchste Satz der monatlichen Unterstützung wurde für jedes Kind auf 8 gGr. festgelegt. Dieser Allerhöchsten Cabinetsordre lag die Erwägung zu Grunde, daß das alte Grenadiergarde-Bataillon seinem Wesen nach in dem neu formirten Regiment fortdauerte." (aus der Regimentsgeschichte) Das genaue Datum der A.K.O. ist leider nicht überliefert.

Am 12.10.0809 besichtigte der Brigade-Chef, Graf Tauentzien die beiden Grenadierbataillone der Garde vor dem Gubener Tor und sprach ihnen seinen Dank für den bewiesenen Eifer aus. Am 12.11.1809 legte der König fest, daß das Regiment abwechselnd in Berlin und Potsdam garnisonieren sollte, jedoch mit dem ausdrücklichen Befehl, daß sämtliche Frauen und Kinder der Regimentsangehörigen beständig in Potsdam bleiben sollten und dort sogenannte "Kasernenwohnungen" erhalten sollten. Dies sollte dergestalt geschehen, daß immer je ein Bataillon des Regiments in Berlin, die andere beiden derweil in Potsdam stehen sollte. Nur in den Monaten April bis Mai und September bis Oktober sollten alle drei Bataillone gemeinsam in Potsdam stehen. Dies waren die Zeiten der Frühjahrs- und Herbstmanöver.

Am 29.11.1809 erhielt Oberstlieutenant von Kessel ein Allerhöchstes Schreiben Sr. Majestät:

    "Wegen dem nächst bevorstehenden Aufbruch des Regiments von Frankfurt a. d. O. nach Berlin ist bereits von hier aus das Nöthigste besorgt, und ist der Einmarsch auf den 23. December festgesetzt. Ich erwarte das Regiment in einem vollkommen guten Zustande dort zu finden. Den Gefahren einer solchen Garnison wie Berlin auch zu rechter Zeit mit Güte und Strenge zuvorzukommen, brauche ich Ihnen, als einen erfahrenen Officier, nicht erst anzuempfehlen.

    Ich erwarte aber auch mit Bestimmtheit, daß sich das ganze Regiment und insonderheit das Officier-Corps einer tadellosen musterhaften Führung befleißigen wird, sowie ich denn auch Brutalitäten und Sittenlosigkeiten unzeitiges Bramarbasiren und Scheelsehen auf andere Corps und Stände strenge zu ahnden wissen werde, da man die Eintracht aller Stände nie genug im Auge halten kann.

    Noch ist eine Sache mehr als zu empfehlen, und dieses ist die bei den öffentliche Aeußerungen über politische Meinungen zu betrachtende Vorsicht. Diese muß dem Officier-Corps schon vor dem Einrücken in Berlin ganz besonders eingeschärft werden, und müssen die Officiere dergleichen Gesellschaften oder Umgang durchaus vermeiden, die zu unbedachtsamen und unbesonnenen Aeußerungen oder Schritten führen könnten, wie es denn im Gegentheil die Schuldigkeit eines Jeden ist, wenn er strafbare Versammlungen oder Projekte in Erfahrung bringen sollte, diese ohne die mindeste Rücksicht bei Ihnen sogleich anzuzeigen, um mir davon den gehörigen Rapport machen zu können. Sie haben alle diese Gegenstände  dem Officiercorps in meinem Namen bekannt zu machen. Große Reden helfen nicht viel, aber angemessene Erinnerungen an die Berufspflichten sind nützlich und nothwendig, und da, wo diese wider Verhoffen nicht mehr anschlagen sollten, muß Strenge folgen.

    Was das Aeußre betrifft, so erinnere ich die gute Haltung; Oberleib vor und Fußspitzen auswärts beim Marschiren, wie hierbei die Fußspitzen herunter und Kniee auswärts.

    Ich erwarte mit Recht von Ihrem mir bekannten redlichen Eifer, daß sie Nichts unterlassen werden, um meiner Absicht zu entsprechen.

    Ich lasse das ganze Regiment Grüßen vom Ersten bis zum Letzten! Es wird und muß seinem Namen Ehre machen!

  

    Königsberg den 29. November 1809.

Friedrich Wilhelm."

Am 17.12.1809 erhielten die beiden Grenadierbataillone den lange ersehnten Befehl nach Berlin zu marschieren. Der Marsch ging an diesem Tage über Fürstenwalde und Friedrichswalde. Die Regimentsgeschichte berichtet:

    "Am 23. früh 9 Uhr standen die Bataillons behufs des Einmarsches auf der Chaussee bei Weißensee, die weiteren Befehle Sr. Majestät des Königs abwartend. Das Regiment Garde du Corps traf gleichfalls auf dem Rendez-vous aus seinen Cantonnirungen bei Stargard in Pommern ein. ... Und wie abweichend nun auch immer die Meinungen, wie zerrissen die Parteien, wie gedrückt die Stimmungen sein mochten, es war doch ein großer und schöner Lichtblick in eine trübe, schwere Zeit, dieser Einzug des Königs in seine Hauptstadt, nach über dreijähriger Abwesenheit. Lag doch in den Truppen selbst die Garantie einer besseren Zukunft. Prächtiger, stolzer, gemessener mochten die Bataillone im Jahre 1806 aus Potsdam gezogen sein, aber der freiere Schritt, die ungezwungenere Haltung, zweckmäßig wärmende Bekleidung, bessere Bewaffnung dieser neuen Bataillone, ihr verjüngtes Ansehen, ihre jugendlichen Führer - das Alles mußte dem verständig Urtheilenden die Ueberzeugung aufdrängen: es ist viel, unendlich viel Gutes und Treffliches in Königsberg geschaffen worden. Und an diesem Tage schwand aller Parteihaß; die Begeisterung, welche das hohe Herrscherpaar an diesem Tage, dem 16jährigen Erinnerungsfest des Einzugs der Königin als Braut, empfing, diese Begeisterung war rein, tief, aufrichtig. Vom Bernauer- - von diesem Tage an Königs-Thor genannt - bis zum Schloß standen die Truppen der Garnison und die Nationalgarde aufgestellt, und außerhalb des Thores bis Weißensee; ebenso die Gewerke mit Fahnen und Emblemen. Um 12 Uhr setzte sich der König in Weißensee zu Pferde, die Königin und der jüngere Theil der Königlichen Familie bestiegen einen Staatswagen, von der Residenz als Geschenk dargebracht.

    32 Geschütze feuerten, während alle Glocken läuteten. An der Schloßfreiheit ließ der König die Truppen und die Nationalgarde bei sich vorbeimarschiren. Es waren 10 Bataillons, 15 Eskadrons und 4 Batterien. Graf Tauentzien kommandirte das Ganze, General von Kleist die Infanterie, Prinz Wilhelm, Königliche Hoheit, die Cavallerie, Prinz August, Königliche Hoheit, die Artillerie. Das Regiment marschirte an der Tete. Der Kronprinz, Prinz Friedrich und Prinz Wilhelm, Königliche Hoheiten, waren bei der Leib-Compagnie eingetreten.

    Am Abend war die Stadt glänzend beleuchtet. Seine Majestät waren mit dem Zustande wie der Haltung der beiden Bataillons sehr zufrieden, und bewilligte jedem Unterofficier 16 gGr., jedem Grenadier 8 gGr. Bei dem Einzug trugen die Officiere des Regiments zum ersten Male Tornister nach der über die Einschränkung der Bagage gegebenen Königlichen Verordnung vom Jahre 1806. Beide Bataillons wurden in Berlin in Naturalquartiere verlegt und besetzten vom 25. December ab die Schloß-, Palais- und Schweizersaal-Wache allein."

Vor dem Einzug in Berlin wurde den Bataillonen Garde zu Fuß noch schnell ein schmückender Ziegenhaarbusch verliehen, den sie vermutlich beim Einzug auch trugen. "Zu den 1807 erhaltenen Gänsefederbüschen bei Unterofficieren und Mannschaften erhielten diese am 23. December 1809 vor dem Einmarsch in Berlin noch eine neue 2. Garnitur von weißen Ziegenhaaren, in der Höhe der Gänsefederbüsche, aber weit größerem Umfange, am unteren Ende wohl ¾ oben ½ Elle. Beim Ausmarsch zu Felde 1813 blieben die Feder- wie Haarbüsche auf den Garnison-Montirungskammern zurück. Die Füsiliere hatten große schwarze Haarbüsche." (aus der Regimentsgeschichte)

Durch Parolebefehl vom 29.12.1809 wurde Major und Kommandeur des II. Bataillons, Friedrich Wilhelm Ludwig von Jagow, zum Kommandeur des Garde-Jäger-Bataillons ernannt. Sein Nachfolger wurde Major Carl Friedrich Ludwig von Lobenthal, der bislang im Regimentsstab gedient hatte. Capitain Leopold Anton Adrich von Natzmer schied als Flügeladjutant aus dem Regiment aus.

Seit Anfang 1810 wurde das Brot nicht mehr dreitägig, sondern fünftägig ausgegeben. Für die Offiziere trat mit dem 19.01.1810 der Friedensrationssatz ein.

In der alten Garnison der Garde, Potsdam, wurde nun auch der Wachtdienst durch die neue Garde wieder aufgenommen. Er war jedoch nicht mehr der selbe, wie vor 1806, welcher schon seit 1749 nahezu unverändert bestand. "Dieser beruhte auf dem Princip, daß die Leute, welche Posten standen, nicht so leicht fortlaufen, und die übrige Garnison vom Desertiren abhalten würden. Daher war er so ausgedehnt als möglich, aber alle diese Posten hatten einen Sinn: ein völliger Sicherheitscordon umgab die Garnison. Im Jahre 1810 aber, bei dem Wiedereinmarsch in Potsdam, hatten sich die Verhältnisse wesentlich geändert, es dienten nur noch wenige Ausländer und diese freiwillig, der Begriff der allgemeinen Dienstpflicht fing an, als Ehrenrecht aufgefaßt zu werden, und es war daher auch möglich, den Wachtdienst bedeutend zu verringern. Es gingen ganz ein: die Neustädter Thor-, die Kellerthor-, die Königs-Haupt-, die Paddenbrücken- und die Schloßwache des 1. Bataillons Garde. Ferner wurden die Posten auf den Wällen um die Stadt und an sämmtlichen Canalbrücken in der Stadt nicht mehr gegeben. Bei der bedeutend schwächeren Garnison, welche Potsdam im Vergleich zu vor 1806 hatte, blieb das Verhältniß der wachtfreien Nächte für den einzelnen Mann ziemlich dasselbe, nämlich wie 8:1." (aus der Regimentsgeschichte)

Drei Tage vor seiner Abreise nach Berlin hatte der König noch einmal das Füsilierbataillon besichtigt und auch ihm ein Geldgeschenk bewilligt. Das Füsilier-Garde-Bataillon marschierte am 01.02.1810 von Königsberg in Ostpreußen ab und zog über Marienburg am 07.03.1810 in Berlin ein. Der König und die Königin empfingen die Füsiliere am Königstor und äußerte sich sehr zufrieden über die "90 Meilen rasch heranmarschirenden Füsiliere". Auch die Königin äußerte sich zufrieden und fuhr an der Spitze des Bataillons in ihrem Wagen durch die Stadt, während ihr Gatte es seitwärts zu Pferde begleitete. Major Krauseneck war auf dem Marsch erkrankt und hatte in Marienburg zurückbleiben müssen. Er stieß daher erst in der Nacht vor dem Einzug zum Bataillon zurück. Er berichtete über den Einzug: "Der König war, als er mich am Thor vor dem Bataillon erblickte, überrascht mich zu sehen, und erkundigte sich, wie auch die Königin, angelegentlich nach meinem Befinden. Die Leute blühten vor Gesundheit und waren außerordentlich propre. Der Vorbeimarsch ging vortrefflich, der König wiederholte häufig: »Ein herrliches Bataillon!« und sagte mir eine Menge schöner Sachen. Am Palais des Königs marschirte es nochmals vorbei. In demselben, wohin ich gerufen ward, fand ich König und Königin allein. Er bezeugte mir hier seine Freude über den Zustand des Bataillons, erklärte es für ein Muster für die hiesige Garnison und schloß mit der Ermahnung, mich jetzt zu pflegen, was ich auch thun will, wenn ich in Potsdam bin, wohin wir in drei Tagen marschiren."

Am 15.02.1810 kam der zur Kommandantur von Berlin  kommandierte Premier-Lieutenant Eugen Max von Roeder (der spätere Regiments-Kommandeur) zum Regiment. Er diente fortan als Adjutant des Regiments-Kommandeurs.

So war denn ab dem 07.03.1810 das ganze Regiment zu drei Bataillonen erstmals vereinigt. Durch Parolebefehl vom 08.03.1810 erhielten daher auch die Füsilierkompagnien, welche bisher 1. - 4. leichte Kompagnie benannt waren, die Nummern 9. - 12. Kompagnie. Am 09.03.1810 exerzierte zum ersten male das gesamte Regiment zu drei Bataillonen auf dem Exerzierplatz im Tiergarten vor dem König. Am 10.03. hatte es die erste große Parade, ebenfalls zu 3 Bataillonen.

Ab dem Jahre 1810 unterlief Russland das systematisch und in voller Absicht Vertragswerk von Tilsit vom 07.07.1807, indem es neutralen Schiffen erlaubte, britische Waren in seinen Häfen zu löschen (womit gleichzeitig der Weg für den russisch-englischen Frieden von 1812 vorbereitet wurde). Die daraus entstehenden Spannungen mit Frankreich, lösten schließlich 1812 Napoléons verhängnisvollen Russlandfeldzug aus.

Am 13.03.1810 rückte das Füsilierbataillon von Berlin nach Potsdam, am 10.04.1810 folgten die beiden Grenadierbataillone. Damit war die neue Garde zu Fuß wieder an ihrem angestammten Platze angelangt: Potsdam. "So kehrte endlich das Regiment in so ganz veränderter Gestalt in die alte Garnison zurück. Auch in ihr hatte sich Manches verändert." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 17.03.1810 erschien ein neues "Servis-Reglement", welches im Wesentlichen noch bis zum ende des Regiments seine Gültigkeit haben sollte. Hierin waren die Einquartierungen geregelt. Viele der verarmten Bürger bemühten sich nun, Soldaten in ihre Häuser zu bekommen. Im Allgemeinen waren es die selben Quartiere, wie vor 1806. Ebenso bekam das neue Regiment Garde zu Fuß die Kammern und Lazarette der alten 4 Bataillone Garde zugewiesen. Der Regimentskommandeur bezog das Haus des Kommandeurs vom alten I. Bataillon Leibgarde Nr.15. Die Potsdamer Garnison umfaßte damals das Regiment Garde zu Fuß, dessen Garnison-Kompagnie, die Gardes du Corps und das Garde-Invaliden-Bataillon, welches etwa 500 Mann stark war. So wurde nun in der alten Garnison der Dienst aufgenommen. Der König weilte den größten Teil des Sommers beim Regiment und gab persönlich Befehle zu größeren und kleineren Übungen. Daß die neue Garde als das Vorbild für die Armee zu sehen war, zeigte sich daran, daß von jedem Regiment Infanterie je ein Lieutenant und 3 Unteroffiziere von April bis Juli zur Garde abkommandiert wurden. Die Berichte dieser Offiziere sind mit den Akten des Generalstabes am Ende des 2. Weltkrieges untergegangen. In der Regimentsgeschichte wird jedoch ein Bericht (leider nicht namentlich) zitiert: "Bei dem ordinairen Marsch muß durchaus nicht gestampft werden, aber der Tritt doch fest und ein Wenig zu hören sein, bei dem geschwinden Schritt aber so lose als möglich. Se. Majestät der König lassen sehr häufig die Bewegungen mit geschlossener Colonne machen, als Drehung, Bataillons-Attacke, bei welcher letzterer die beiden vorderen Glieder der 4. und 5. Züge das Gewehr fällen. Auf das gute Gewehrtragen und einen freien leichten Anstand haben Se. Majestät ein besonderes Augenmerk. Der Backenbart je größer je besser, nur muß solcher nicht unterm Kinn zusammenstoßen; Schnurrbärte ebenfalls so groß als möglich."

Am 16.02.1810 war für Generallieutenant Graf Tauentzien der Generalmajor Prinz von Hessen-Homburg zum Chef der Brandenburgischen Brigade, zu welcher auch das Regiment Garde zu Fuß gehörte, ernannt worden.

Für das Füsilierbataillon ist ein sehr interessantes Dokument erhalten, welches die gesamte Ausstattung des Bataillons im April 1810 umfaßt.

"Armatur-Liste

des Königlichen Garde-Füsilier-Bataillons pro April 1810

 

Soll haben Es manquiren Ist übercomplett
kurze Gewehre Büchsen mit Zubehör Gewehre mit Zubehör Säbel Gehänk Patrontaschen kurze Gewehre Büchsen mit Zubehör Gewehre mit Zubehör Säbel Gehänk Patrontaschen kurze Gewehre Büchsen mit Zubehör Gewehre mit Zubehör Säbel Gehänk Patrontaschen
- 48 540 601 601 540 - - - - - - - 12 111 246 246 187

 

Anmerkung.    Kurze Gewehre hat das Bataillon nicht.

                          Büchsen, sind Schützenbüchsen von Füsilier-Bataillons abgegeben.

                          Gewehre sind sämmtlich französische mit cylinderischen Ladestöcken, und Zündlöchern von egalem Caliber.

                          Säbel sind russische bis auf 13 Stück Faschinenmesser.

                          Gehänke über die Schulter, von schwarzem Leder, noch alle in brauchbarem Stande.

                          Taschen sind englische aus dem Colberger Depot mit Sternen statt der gewöhnlichen Bleche, sind alle neu.

                           

        Außerdem hat das Bataillon seine etatsmäßigen Signalhörner und Trommeln, nämlich 8 Signalhörner und 5 Trommeln. Ueber den Etat hat das Bataillon für die sämmtlich übercompletten Hornisten und Tambours erst ein Signalhorn und 4 trommeln. Sämmtliche Trommeln sind von verschiedener Größe aber durchgängig von Messing.

        Die zur Kriegs-Augmentation gehörigen Waffen befinden sich unter den angeführten übercompletten Armaturstücken. Durch Desertion von 4 Füsilieren sind dem Bataillon von den übercompletten Armaturstücken 4 Säbel und 4 Gehänke abgegangen.

 

gez. Krauseneck."

Ab 08.05.1810 kam die erste "Instruktion über das Scheibenschießen" in Anwendung, die erste Schießvorschrift der Preußischen Armee. Ab 1810 begann man also erstmals, die Soldaten im "Schulschießen" auszubilden. Die Grenadiere des Regiments Garde zu Fuß hielten dieses auf Schießständen vor der langen Brücke ab, die Füsiliere auf den Schießständen im Katharinenholz.

Am 10.05.1810 wurde eine A.K.O. erlassen, wonach in Zukunft den verheirateten Unteroffizieren und Gemeinen weder Servis für ihre Familie, noch Kindergelder gezahlt werden sollten. Auch hier war also der Sparzwang zu merken. Diejenigen jedoch, die zu diesem Zeitpunkt schon verheiratet waren, bekamen ihre Gelder fortgezahlt.

Am 01.06.1810 ging das Füsilierbataillon gemäß der Weisung vom 12.11.1809 nach Berlin. Dort nahm es an den Übungen der leichten Brandenburgischen Infanterie-Brigade unter Oberst von Corsward teil. Die Füsiliere der Garde waren ihm für diese Zeit nach der A.K.O. vom 17.02.1810 "über die Bildung leichter Infanterie-Brigaden" zugeteilt. Hier wurde es vom inzwischen zum Generalinspekteur der leichten Truppen ernannten General Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg (26.09.1759 - 04.10.1830) besichtigt.

"Am 19. Juli hatte der Tod in Hohenzieritz bei Strelitz dem Könige und dem Vaterlande jene erhabene Frau geraubt, von der es mehr als eine poetische Form erscheint, wenn dichter, Geschichtsschreiber, wie Jeder, der sie gekannt, keine andere Bezeichnung für sie haben, als den Schutzengel Preußens. Auch das Regiment besonders hatte ihre Liebeshuld erfahren. Es ist oben erwähnt, wie mütterlich die Hohe Frau schon in Memel und Königsberg für die Angehörigen der Soldaten gesorgt hatte. Später wohnte die Königin oft an der Seite des hohen Gemahls den Manövern des Regiments bei, und immer hatte sie dann den Erschöpften eine Erfrischung bereitet, welche unerwartet unter die Soldaten vertheilt wurde." (Aus der Regimentsgeschichte) Königin Luise Auguste Wilhelmine Amalie, Herzogin zu Mecklenburg-Strelitz (10.03.1776-19.07.1810) hatte sich offenbar von den Strapazen der Flucht nie ganz erholt und war nach längerer Krankheit gestorben. Am 29.07.1810 rückten auch die beiden Grenadierbataillone nach Berlin aus um am 30.10. an der Beisetzung der Königin im Dom teilzunehmen. "Vielgebrauchte Phrasen erscheinen oft kalt und nichtssagend, und doch wissen wir nicht mehr zu sagen, als: Alle diese Männer weinten!" (aus der Regimentsgeschichte) Am 01.08.1810 kehrten die Grenadierbataillone nach Potsdam zurück.

Eine A.K.O. vom 20.08.1810 bestimmte die Eigenschaften die die jährlich von den Feldregimentern zur Garde abzugebenden Ersatzmannschaften besitzen sollten. "Es durften hiernach:

  1. nur Inländer abgegeben werden,

  2. mußte der Abgegebene von tadelloser Conduite sein und noch keine Strafe erlitten haben,

  3. völlig gesund, kräftig und brauchbar sein,

  4. keine abschreckend häßliche Gesichtsbildung haben und nicht unter 7 Zoll messen,

  5. nicht über 25 Jahr alt sein,

  6. unverheirathet, und überhaupt auch nicht andere Ursachen vorliegen, die seine Verabschiedung etwa kurz nachher begründet machen.

Von vorstehenden Bedingungen sollte nur dann theilweise abgegangen werden, wenn sich ein Mensch durch besondere Größe vorzugsweise zur Garde qualificirte. Auch wurden vom Könige besonders wohlgefällig aufgenommen, wenn sich unter den Abgegebenen recht viele mit Ehrentroddeln, also schon vor dem Tilsiter Frieden Gedienten befanden, namentlich wenn sie zu den Garnisonen Kolberg, Graudenz, Kosel, Glatz und Silberberg gehört hatten. Wie es aber mit solchen Categorieen von Ehrenzeichen wohl geht, die sich nicht auf ein ganz bestimmtes persönliches Verdienst begründen, auch diese unterschiedlichen Ehrentroddel im Regiment gaben Anlaß zu vielen Zänkereien und bösem Blut, da, wie erwähnt, auch eine Verschiedenheit der Löhnung mit ihnen verbunden war. Die in Memel gewesenen Mannschaften, mit ihren ganz schwarzmelirten Troddeln, erklärten sich für die unbedingt treusten Anhänger des Königs, da sie Alles daran gesetzt, um wieder auf´s Neue als seine Leibwache ihn zu schützen, und so trotz vielfacher Gefahren bis ans äußere Ende der Monarchie durchgedrungen seien, und nannten die Anderen mit Rücksicht auf ihre halbschwarzen Troddeln »die Grauen«; diese aber entgegneten: »wenn wir 1807 nicht gegen den Feind gestanden hätten, hättet Ihr doch den König nicht schützen können. Wir haben Hunger, Schlachten, Belagerungen ausgestanden, während Ihr Euch in Memel pflegtet.« Bei so ehrenvollen Gründen beider Parteien, konnten die Vorgesetzten nur auf den Königlichen Willen verweisen." (aus der Regimentsgeschichte)

In dieser Zeit wurden die täglichen Quartiervisitieren abgeschafft und dafür der tägliche Appell eingeführt, bei dem auch oft die Kriegs-Artikel verlesen wurden.

Am 18.09.1810 kehrte das Füsilierbataillon von Berlin nach Potsdam zurück.

Die Ausrüstung der Soldaten wurde stetig verbessert und geändert. "1810 im October erhielt das Koppel an der Säbeltasche in der Art eine Veränderung, daß diese Tasche, welche bislang an dem Koppel festgenäht war, vermittelst zweier kleiner messingner Ringe ihre Befestigung und zugleich dadurch die Möglichkeit erhielt, daß das Koppel in diesen Ringen sich zu drehen vermochte, um, wenn es verlangt wurde, auch über die Schulter, die bisherige Tragweise unbeeinträchtigt, mit Säbel getragen werden konnte, und welches nun auch, nachdem diese Veränderung durch genannte Vervollständigung beendigt, in der Art bei den Grenadier-Bataillons des Regiments in Anwendung kam, daß bei Paraden, dem Garnisondienst, wie Exercieren ohne Gepäck, das Koppel noch wie bisher um den Leib, bei Manövern, Märschen und dergleichen aber über die Schulter getragen wurde. Schon 1812 wurde erstere Trageweise um den Leib, selbst bei Paraden, seltener und 1813 kam es nur noch vor dem Ausmarsch zu Felde in einzelnen Fällen, Ehrenwachen und Posten etc. vor." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 18.11.1810 ordnete der König das sogenannte "Medaillenfest" für das Regiment an. An diesem Tage wurden in der Garnisonkirche Gedenktafeln aufgehängt, die die Namen der Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften trugen, welche im Feldzug 1806/07 ausgezeichnet worden waren. Nach dem Gottesdienst in der Kirche wurde das Regiment Garde zu Fuß in Parade im Lustgarten aufgestellt und unter präsentiertem Gewehr gingen Se. Majestät mit den Dekorierten die Front herunter. Mittags wurden dieselben zur Königlichen Tafel gezogen und brachten Se. Majestät ihre Gesundheit aus. Die Dekorierten der Garde waren im Einzelnen (Punkte 4 und 5 sind nur der Vollständigkeit halber mit aufgenommen worden, da die dort Aufgeführten ihre Orden schon früher erhielten. Damit jedoch stellt diese Liste das vollständige Verzeichnis aller beim Regiment zum Stichtag getragenen Auszeichnungen dar.):

1. Orden Pour le mérite

Major Carl Friedrich Ludwig von Lobenthal

Major Wilhelm Krauseneck

Stabs-Capitain Carl Heinrich von Schütz

Capitain Carl Friedrich Wilhelm von Carlowitz

Capitain Johann Friedrich von Hohendorff

Lieutenant Carl Ludwig von Schenckendorff

 

2. Goldene Medaille

 

Unteroffizier Hickmann

Unteroffizier Heydrich

Unteroffizier Steubern

 

3. Silberne Medaille 1806/1807

 

Secondelieutenant Carl Friedrich von Wichert

Unteroffizier Froncke

Unteroffizier Kramer

Unteroffizier Hisera

Unteroffizier Mitzkeit

Unteroffizier Kroschke

Unteroffizier Lorisch

Unteroffizier Herrmann

Unteroffizier Lehmann

Vize-Unteroffizier Pitpohmann

Vize-Unteroffizier Neumann

Grenadier oder Füsilier Eichmann

Grenadier oder Füsilier Fuchs

Grenadier oder Füsilier Fischer

Grenadier oder Füsilier Lonig

Grenadier oder Füsilier Lachs

Grenadier oder Füsilier Splitt

Grenadier oder Füsilier Schlägel

Grenadier Pochenthin

Grenadier oder Füsilier Herzberg

Grenadier oder Füsilier Schirche

Grenadier oder Füsilier Schneider

Grenadier oder Füsilier Lojewski

Grenadier oder Füsilier Jurski

Grenadier oder Füsilier Meiwald

Grenadier oder Füsilier Klix

Grenadier oder Füsilier Kögler

Grenadier oder Füsilier Tomaschewski

Grenadier oder Füsilier Mix

Grenadier oder Füsilier Milke

Grenadier oder Füsilier Lüpke

Grenadier oder Füsilier Schmidt

Grenadier oder Füsilier Freihoff

Grenadier oder Füsilier Scharff

Grenadier oder Füsilier Nickel

 

4. Silberne Medaille Rheincampagnie 1793

 

Sergeant Knöchel

Sergeant Gogisch

 

5. Sonstige Orden

 

Johanniterorden Major Ernst Ludwig Wilhelm von Bismarck II

Russischer Wladimir-Orden Capitain Julius Ludwig von Pogwisch I

Nach der A.K.O. vom 30.09.1806 waren die Namen der in der Campagne von 1806/07 Dekorierten auch in den Kirchen ihres Heimatortes aufgehängt worden - soweit diese Kirche noch innerhalb Rest-Preußens gelegen war.

Anfang Oktober 1810 kamen zum Regiment etwa 50 Mann "vorzüglich schöner Ersatz" aus Schlesien, bei dem viele Kombattanten von 1806/07 waren. Kurz vor dem Eintreffen des Ersatzes hatte man mit dem Ausrangieren vieler älterer Unteroffiziere und Gemeine als Halb- oder Ganzinvaliden begonnen. Der älteste dieser Leute diente schon vom Jahre 1781 an, viele waren wie er schon unter Friedrich II. bei  in den Dienst der Preußischen Armee getreten. In dieser Zeit wurde in der Armee das Krümpersystem eingeführt. Für die an die Garde abgetretenen Leute wurden dabei in den Feldregimentern Kantonisten eingestellt. Wurden die Leute nicht an die Garde abgegeben, so wurden sie Reservisten. Die normale Dienstzeit währte damals nach wie vor noch 20 Jahre. Somit wurden zwar mehr Leute ausgebildet, jedoch blieb die Präsenzstärke des Heeres, wie im Tilsiter Frieden auferlegt, auf 42.000 Mann beschränkt. Mit diesem Stamm ausgebildeter Leute war es im Kriegsfall möglich, schnell Regimenter aufzustellen und das Heer binnen Kurzem zu Vervielfältigen.

Neben dem Normalkoppel erfuhr auch der Tornister nun eine Verbesserung, nachdem er schon 1809 einen zweiten Trageriemen erhalten hatte. Die Regimentsgeschichte berichtet: "1810 im December kam auch, um die beiden Tragriemen vorne mehr zusammenzuhalten und das Einschneiden unter den Schultern möglichst zu vermindern, ein schmaler Brustriemen, an beiden Enden mit Oesen, um ihn hoch und niedrig schieben und in der Mitte mit einer Schnalle versehen, um ihn eng und weit schnallen zu können, dazu. Mit diesen Vorrichtungen ist der Tornister beim Regiment die Campagne 1813 und 1814 bis Paris getragen."

Mit A.K.O. vom 18.12.1810 hatten nur noch die Flügel- und Fahnenunteroffiziere das Sponton, die übrigen Unteroffiziere hatten eine kurze "Bajonettbüchse".

Figurine zur Weltausstellung Paris 1900 eines Grenadiers des Regiments Garde zu Fuß um 1810

Am 21.12.1810 rückte das I. Bataillon nach einem nunmehr festgelegten Modus nach Berlin.

Am 20.01.1811 wurde die zweite Feier des "Ordensfestes" begangen. Das I. Bataillon bildete das Spalier vom Schloß bis zum Dom. Trotz der Kälte von -14°C trug das Regiment weißleinene Hosen und erschien, was damals noch üblich war, gepudert zum Antreten. "Mit gleicher Rücksichtslosigkeit gegen die Witterung wurden die Uebungen der Truppen in diesem Winter betrieben. Fortwährend fanden Manöver, Allarmirungen, Brigade-Exercieren statt. Der König war stets gegenwärtig und tadelte oft sehr heftig. So wurde es namentlich bei den Leuten des Regiments als ein böses Vorzeichen angesehen, wenn der König einen gewissen kleinen Schimmel ritt, da hieß es denn in den Gliedern: »Nehmt Euch zusammen, Papa kommt auf dem Tollen!«" (aus der Regimentsgeschichte)

Während des Januars bekam das Regiment wieder etwa 40 Mann Ersatz der Brandenburgischen und Westpreußischen Brigade.

Am 25.01.1811 wurde Major Krauseneck, unter Beibehaltung seines Postens als Kommandeur des Füsilierbataillons, zum Mitglied der Kommission ernannt, die unter dem Vorsitz von Gerhard Johann David von Scharnhorst (12.11.1755-28.06.1813) ein Reglement für die drei Waffen erarbeiten sollte. Ihm wurde nebst zwei anderen Stabsoffizieren dabei die Ausarbeitung des Exerzierreglements für die Infanterie übertragen.

Am Abend des 21.03.1811 fand im Dom zu Berlin die feierliche Beisetzung von Louis Ferdinand Prinz von Preußen (18.11.1772-10.10.1806) statt, der in der Schlacht von Saalfeld gefallen war. Sechs Offiziere des I. Bataillons waren zum Tragen des Sargs kommandiert, 18 Unteroffiziere begleiteten den Zug mit Fackeln.

"Im Frühjahr 1811 erhielten Unterofficiere und Gemeine kurze schwarzzwillichne Kamaschen mit 4 dergleichen überzogenen Knöpfen, welche während des Sommers beim gewöhnlichen Wacht- und Exercirdienst, Manöver etc. mit Schuhen zu den weißleinenen Pantalonhosen getragen wurden. Bei den Paraden wurden die leinenen Hosen in den langen Stiefeln getragen, letztere reichten bis ans Knie." (aus der Regimentsgeschichte)

Über die Neubewaffnung des Regiments der Jahre 1810 und 1811 schreibt die Regimentsgeschichte: "Da bei der Reorganisation der Armee 1808 und 1809 aber auch die Nothwendigkeit verbesserter Waffen, also auch Erweiterung wie Verbesserung der Waffenfabriken sich herausstellte, so wurde durch bedeutende, vom Staate bewilligte Geldmittel und unter specieller Anordnung des General von Scharnhorst nicht allein die Fabrik in Potsdam vervollkommnet, sondern auch noch eine zweite derartige in Neisse errichtet. Aus diesen Werkstätten konnten die Infanterie-Regimenter während der Jahre 1810 und 1811 nach und nach mit ganz neuen, bedeutend verbesserten sogenannten Neupreußischen Feuergewehren versehen werden. Diese Gewehre unterschieden sich in ihrer Verbesserung hauptsächlich von den alten durch gekrümmte Kolben, zweckmäßigeren Bau im Schloß, besonders aber eine haltbare Garnirung durch drei messingne Verbandringe um Schaft und Lauf, geeignetere Visirung, wie endlich als Stoßwaffe starke, spitze und dreischneidige Bajonette, welche vermittelst Stahlfedernverband um den Lauf sehr fest angebracht waren. - Von diesen neupreußischen Gewehren hatten Se. Majestät der König die Gnade, dem diesseitigen Regiment durch Allerhöchste Ordre vom 14. November 1811 eine ganze Garnitur verabreichen zu lassen, welche während der ersten Tage des December ejusd. a. aus der Potsdamer Fabrik empfangen, dagegen die bisher beim Regiment in Gebrauch gewesenen kurz darauf an das Artillerie-Depot nach Berlin abgeliefert wurden. Bei den Unterofficieren trat zur Zeit ihrer Bewaffnung keine Veränderung ein, vielmehr behielten diese nach wie vor ihre Bajonett-Büchsen, unter Weisung höheren Orts, diese Waffen, soweit eine Vervollkommnung als nothwendig erscheine, aus dem, dem Regiment bewilligten Gewehrgelder-Fonds zu verbessern." Das Regiment Garde zu Fuß konnte zwar bereits 1810-11 nach und nach mit neupreußischen Gewehren ausgestattet werden. Doch die Umrüstung der restlichen Armee war noch im vollen Gange beim erneuten Ausbruch der Kämpfe 1813.

Im März 1811 erhielt Major Krauseneck für die Zeit der Übungen auch den Befehl über sämtliche leichte Truppen der Brandenburgischen Brigade. Dies waren:

1 Füsilierbataillon des Regiments Garde zu Fuß

1 Füsilierbataillon des Leibinfanterieregiments

1 Gardejägerbataillon

1 Brandenburgisches Husarenregiment

Am 09. oder 11.04.1811 kehrte das I. Bataillon turnusmäßig von Berlin nach Potsdam zurück.

Am 27.04.1811 ernannte der König den Stabscapitain und Chef der 11. Kompagnie, Friedrich Johann Carl Gebhard von Alvensleben, zum Major und Königlichen Flügeladjutanten. Er schied damit aus dem Regiment Garde zu Fuß aus.

Am 11.05.1811 wurde Carl Prinz von Preußen (29.06.1801-21.01.1883, 3. Sohn des Königs) traditionsgemäß als Secondelieutenant in das Regiment Garde zu Fuß ein und wurde in der Leibkompagnie eingestellt.

Am 14.05.1811 befahl der König die Formation eines Normal-Infanterie-Bataillons, einer Normal-Dragoner-Eskadron und einer Normal-Husaren-Eskadron. Diese Einheiten sollten zur Beförderung der Übereinstimmung des Detaildienstes in der gesamten Armee dienen. Das Normal-Infanterie-Bataillon war also die neue Mustereinheit der Infanterie und trat zum 01.06.1811 in Potsdam zusammen. Die oberste Leitung des Bataillons wurde dem jeweiligen Kommandeur des Regiments Garde zu Fuß übertragen. Jedes Infanterieregiment gab dazu 2 Unteroffiziere, 1 Spielmann und 36 Gemeine, die in 4 Kompagnien formiert wurden. Als ersten Kommandeur des Normal-Infanterie-Bataillons ernannte der König den erst vor Kurzem zum Flügeladjutanten ernannten Major Friedrich Johann Carl Gebhard von Alvensleben. Das weitere Offizierscorps wurde von Se. Majestät aus der ganzen Infanterie gewählt. Aus dem Regiment Garde zu Fuß waren weiterhin am 27.07.1811 zum Normal-Infanterie-Bataillon versetzt worden: Capitain Ernst Carl Samuel von Schachtmeyer, Stabscapitain Gustav Adolph von Strantz, am 12.02.1811 die Secondelieutenants Ferdinand Carl August Wilhelm Adolph von Salisch, Wilhelm Christian Joachim von Dannenberg (dieser kehrte später zum Regiment zurück), Heinrich Ferdinand von Broscowinus. Das Regiment Garde zu Fuß gab außerdem 1 Bataillons-Tambour, 5 Unteroffiziere und 36 Gemeine. Eine Premierlieutenants- und 5 Secondelieutenants-Stellen blieben zunächst vacant. Die Bekleidung im Normal-Infanterie-Bataillon war: blaue Montierungen, rote schwedische Ärmelaufschläge und rote Kragen, darauf weißwollene Litzen, gelbe Knöpfe, die Offiziere goldene Litzen, Tschakos mit goldenem Gardestern, schwarzer Haarbusch, weißes Lederzeug und lange Stiefel. Als Garnison erhielt das neue Bataillon Potsdam. Die Mannschaften bekamen die höhere Löhnung des Regiments Garde zu Fuß, wurden aber bei ihren Regimentern als abkommandiert geführt. Aus diesem Normal-Infanterie-Bataillon sollte am 19.06.1813 das 2. Garderegiment zu Fuß entstehen.

Die Übungen im Exerzieren gingen derweil für das Regiment weiter. Öfters manövrierte die Potsdamer Garnison gegen die Berliner in einem Terrain zwischen den beiden Städten. "Zu diesen Übungen, welche zuweilen 3 - 5 Tage hintereinander dauerten, wurde auf Generalmarsch, ohne vorheriges Avertissement, ausmarschirt, die Dispositionen den Führern erst auf dem befohlenen Rendez-vous gegeben. Brod mußten die Leute mitnehmen, ihre sonstige Verpflegung aber sich selbst beschaffen, ohne daß eine Manöverzulage gegeben wurde." berichtet die Regimentsgeschichte. Daneben fanden die Schießübungen und im September und Oktober Schanz- und Faschinenarbeiten auf dem Babelsberg bei Klein-Glienicke und Heineberge bei Bornim statt. Zu diesen Übungen wurde eine Schießliste erstellt.

Am 01.06.1811 rückte nach dem feststehenden Plan das I. Bataillon nach Berlin und wurde hier in Naturalquartiere, dann am 03.08. in die ehemalige "von Kunheimsche Kaserne" in der Friedrichsstraße verlegt. Die am 03.08.1811, also dem Geburtstag des Königs, stattfindende Verlegung wurde mit großen Festlichkeiten, Parade und Speisung der Truppen begangen. Abends folgten noch "Tanz, Spiel und andere Belustigungen. Es wich die neue Einrichtung dieser Kaserne wesentlich von allen bis dahin bestehenden Kasernen-Einrichtungen dadurch ab, daß hier die Menage-Bereitung für das Ganze in einer Küche, die Speisung ebenso im Ganzen in einem Saale stattfand und die Verwaltung durch eine gemischte Speise-Commission geführt wurde, auch in den Wohnstuben nur allein Mannschaften und keine Verheiratheten mit jenen zusammen eingelegt waren, während bisher in den übrigen Kasernen beweibte und unbeweibte Unterofficiere und Mannschaften zusammen in einer Stube wohnten, die Frauen für sämmtliche Leute der Stube, mitunter auch noch für eine 2. und 3. Stube gegen Entrichtung eines geringen Menage-Geldbeitrages kochten, die Wäsche besorgten und die Heizung und Erleuchtung von dem gelieferten Material übernahmen." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 11.10.1811 kehrte turnusgemäß das II. Bataillon aus Berlin zurück, wogegen das Normal-Bataillon am selben Tage von Potsdam nach Berlin aufbrach und ebenfalls die oben beschriebene Kaserne belegte. Es war also demnach nun das ganze Regiment zu drei Bataillonen in Potsdam vereint und das Normal-Bataillon in Berlin. Ebenso rückten auch die beiden Eskadronen Normal-Dragoner und -Husaren von Potsdam nach Berlin ab.

Am 20.10.1811 übernahm laut Regimentsgeschichte Major Ernst Ludwig von Tippelskirch vom Generalstab das Kommando des Regiments Garde zu Fuß. Sein Vorgänger Oberstlieutenant von Gustav Adolph von Kessel blieb jedoch zunächst noch in seiner alten Position als Kommandeur des Regiments Garde zu Fuß, da Tippelskirch schon am 08.12.1811 das Kommando über das Leib-Infanterieregiments "ad interim" erhielt und schwerlich zwei Regimenter gleichzeitig kommandieren konnte.

Ab dem 21.12.1811 wurde der Löhnungs-Betrag des Regiments Garde zu Fuß von 36 auf 42 Münzgroschen erhöht. Erst ab 1821 erhielt das Regiment Silbergroschen als Löhnung.

Am 28.12.1811 war das Füsilierbataillon an der Reihe nach Berlin zu gehen, es belegte dort jedoch nicht die Kaserne, sondern Naturalquartiere. Wahrscheinlich, weil das Normal-Bataillon in der Kaserne verblieb, die später die Kaserne des 2. Garderegiments zu Fuß werden sollte.

"So stand man am Ende des Jahres 1811. Es war eine traurige Zeit für das Vaterland, auf dem schwer und eisern das beugende Joch der Fremdherrschaft lastete. Diese begann ihren demoralisirenden Einfluß immer entschiedener zu üben. Aus den Menschen wich das Vertrauen! Einer fürchtete den Andern. Den patriotisch und gut Gesinnten, aber Schwachen, schwebten, durch die Furcht ins Ungeheure vergrößert, die blutigen und thyrannischen Gewaltakte Napoleons vor. Wie ausgedehnt auch immer sein auf allen schlechten Leidenschaften beruhendes Spioniersystem sein mochte, die Angst übertrieb noch die Wirklichkeit, und so verkroch sich die ungeheure Mehrzahl der Gesinnungsschwächlinge in die Verborgenheit engster Kreise, Niemandem trauend, zu Allem »Ja« sagend. Von den Starken und Unbeugsamen, besonders der Militairs, ging ein großer Theil nach Spanien, Oestreich, England, endlich auch nach Rußland, um, zwar unter fremden Fahnen, deutschem Haß gegen den Unterdrücker den Ausdruck der That zu geben, den einzigen, der dem Soldaten geziemt. So beging man das Neujahrsfest 1812. Auch die Eingeweihtesten mochten in der ernsten Stunde des Jahreswechsels weder hoffen noch ahnen, daß mit ihr das große Jahr der Befreiung anbräche. Schien es doch so ganz Anders sich anzulassen." berichtet die Regimentsgeschichte.

Am 24.01.1812 wurde eine Bestimmung des Allgemeinen  Kriegsdepartements erlassen, wonach in Preußen neue Kriegsschulen eingerichtet wurden. Auch wurden danach zweck- und gleichmäßigere Lehranstalten für Unteroffiziere und Gemeine eingerichtet. Beim Regiment Garde zu Fuß wurde im Lokal der Garnisonschule von drei Zivil-Lehrern der Unterricht im Schreiben, Rechnen etc. erteilt. Auch wurde erstmal theoretischer Unterricht über das Gewehr eingeführt, welches bislang nur als Instrument gesehen wurde, mit dem der Soldat möglichst exakt die Griffe auszuüben hätte und das er fleißig zu putzen hätte. Diesen Unterricht leitete Capitain Carl Wilhelm von Bülow. Sämtliche Subalternoffiziere und Unteroffiziere erhielten durch ihn Unterricht über das Schießen und die zweckmäßige Behandlung der Waffe. Daneben erteilten die Capitains den Unteroffizieren und Gemeinen theoretischen Unterricht im Felddienst, Geländekenntnis, Patrouillenführung und Schanzenbau.

Neben diesen positiven Dingen war aber auch ein dauerndes Laster im Regiment zu verzeichnen, welches auch mit harten Strafen nicht ausgerottet werden konnte: Die Trunksucht. "Das Leben in Tilsit, sowie die Kriegsgefangenschaft, aus welcher viele Grenadiere erst 1809 von Frankreich und Spanien zurückkehrten, hatten dieses Laster sich einschleichen lassen. Häufige Excesse und aus Furcht vor Strafe begangene Selbstmorde, waren seine traurigen Folgen. Als eine eigenthümliche Erscheinung aber wird es bemerkt, daß das delirium tremens damals nie vorkam." berichtet die Regimentsgeschichte.

6. Koalitionskrieg 1812-15

Am 24.02.1812 wurde zwischen König Friedrich Wilhelm III. und dem Korsen eine Allianz geschlossen, wonach Beide Staaten ein Bündnis gegen Rußland schlossen und Preußen verpflichtet wurde, zu der auf drei Heerstraßen durch das Land ziehenden Französischen Armee 20.000 Mann kriegsfertig ausgerüstet als Hilfskorps stellen sollte. Diese Truppen sollten bis Ende Mai 1812 in Ostpreußen stehen. Zu diesem Hilfskorps gab die neue Garde keine Leute. Es wurden ohnedies mit Ausnahme des Leibinfanterieregiments stets Bataillone aus verschiedenen Regimentern dazu bestimmt. Es meldeten sich jedoch vom Regiment Garde zu Fuß einzelne Offiziere mit der Bitte, den Feldzug bei den mobilen Truppen mitmachen zu dürfen. die Gesuche wurden vom König auch bewilligt. Im Einzelnen waren dies:

Am 11.03.1812 wurde Major Wilhelm Krauseneck auf Empfehlung des Generals Yorck für den bevorstehenden Krieg zum Kommandeur der Festung Graudenz ernannt. Seinen Posten als Kommandeur des Füsilierbataillons des Regiments Garde zu Fuß übernahm der dafür zum Major beförderte Chef der 11. Kompagnie Carl Heinrich von Block. Den Chefposten der 11. Kompagnie behielt von Block zunächst auch noch.

Krauseneck verabschiedete sich in einem Brief vom Offizierscorps des Regiments.

    "Meine Herren! Se. Majestät der König haben mich zum Commandanten der Festung Graudenz ernannt. Ich trete hierdurch aus Ihrer Mitte und aus einem Dienstverhältniß, welches den schönsten Abschnitt meines bisherigen Lebens ausmachte. Die schönsten Genüsse, die der Anblick eines glücklichen Erfolges zusammenwirkender Anstrengungen gewähren kann, liegen hinter mir. Ich darf ein ähnliches Glück nicht mehr hoffen, denn selten sind die Fälle, wo ein Corps der Geist belebt, den ich unter Ihnen, meine Herren, so oft mit wahrer Freude zu bemerken Gelegenheit hatte. Ihrer Anstrengung im dienst, Ihrem durchdachten, durch die richtigsten Ansichten geleiteten Benehmen gegen Ihre Untergebenen, danke ich, daß ich das Bataillon in einer kurzen Zeit zu einem hohen Grade von Ausbildung für seinen Beruf emporsteigen sah, Ihre richtige Beurtheilung der Eigenthümlichkeiten jeder Menschenklasse gründete und erhielt den guten Geist, der die Soldaten des Garde-Füsilier-Bataillons so sichtbar auszeichnete. In der Gnade unsers Königs ärndte ich die Früchte Ihrer Anstrengung.

    Nehmen Sie, meine Herren, für dies Alles, nehmen Sie für die mir erwiesene Güte, für Ihre mir über Alles theure Freundschaft, meinen herzlichsten innigsten Dank. Mit tiefer Rührung sage ich Ihnen Lebewohl. Als Dienstmann trete ich aus Ihrer Mitte, meine Achtung, meine Theilnahme an den Schicksal eines Jeden von Ihnen bleibt Ihnen auf immer. Möchten bald Verhältnisse eintreten, die uns wieder in nähere Berührung bringen, möchten wir uns bald unter Umständen wiedersehen, die uns Alle, die besonders das Herz unsers theuern Monarchen erfreuen können. Danken Sie den mir so werthen Soldaten des Bataillons, für die Freude, die Sie mir durch Folgsamkeit, Eifer im Dienst und Ehrgefühl, wie es dem Kriegsmanne gebührt, machten; versichern Sie ihnen, daß ich in einem Füsilier der Garde immer einen Bekannten mit Freuden erkennen werde.

    Ich bitte Sie, meine Herren, um Ihre fernere Freundschaft. Der Gedanke, Ihnen fremder werden zu können, würde mich betrüben, ich gebe ihm keinen Raum. Wie auch das Schicksal über uns gebieten möge, wir bleiben uns nahe. Diese Ueberzeugung mildert den Schmerz, mit dem ich Ihnen hier nochmal ein herzliches »Lebewohl« sage.

    Festung Graudenz den 22. März 1812.

Krauseneck."

Als Dank übersandte das Offizierkorps des Regiments Garde zu Fuß dem scheidenden Kommandeur des Füsilierbataillons folgenden Brief:

    "Ohnerachtet wir schon längere Zeit dem Gedanken Raum geben mußten, daß die Gerechtigkeit Sr. Majestät des Königs Euer Hochwohlgeboren bald einen ausgedehnteren Wirkungskreis anweisen würde, so erfüllte der Befehl, der diesem Gedanken Wirklichkeit gab, dennoch uns Alle mit dem tiefsten Schmerz. Erlauben Eure Hochwohlgeboren, daß wir in einem Augenblick, wo das engere Band des dienstlichen Vereins sich lösen soll, Ihnen die tiefe Verehrung und den innigen Dank aussprechen, der uns durchdringt. Ist es uns gelungen, in unserer militairischen Ausbildung einige Fortschritte zu Ihrer Zufriedenheit zu machen, haben wir vielleicht vermocht, selbst auf unsere Untergebenen vortheilhaft zu wirken, so gelang es uns nur, weil wir in Euer Hochwohlgeboren ein in jeder Rücksicht von uns hochverehrtes Vorbild fanden, und weil der schöne Verein des Menschen und des Soldaten, den wir in Euer Hochwohlgeboren nie einen Augenblick vermißten, uns unsern Weg leicht und freudig gehen ließ. Wie unterstehen uns Euer Hochwohlgeboren beikommenden Säbel als einen kleinen Beweis tiefer Verehrung und lebenslänglicher Anhänglichkeit zu überreichen. Es sei Ihnen ein Zeichen, daß es die Kraft und die Treue ist, die uns auf immer an Sie kettet. Und wenn wir die Waffen als den schönsten Schmuck des Mannes erkennen und ehren, so wählten wir sie auch deshalb zum Andenken an unsere treue Ergebenheit, weil uns die feste Ueberzeugung belebt, daß nie eine würdigere Hand das Schwert für das Vaterland geführt hat. Diese uns belebenden Empfindungen herrschen in demselben Umfang im ganzen Corps der Unterofficiere und Füsiliere des Bataillons. Die größte Verehrung sprach sich laut aus, als Euer Hochwohlgeboren Brief den Compagnien mitgetheilt wurde.

    Potsdam den 15. April 1812."

Der erwähnte Ehrensäbel hatte eine damaszierte Klinge mit der Inschrift auf der einen Seite: "Dem würdigen Führer - das Corps Officiere des Garde »Füsilier-Bataillons«" Die andere Seite war mit der Inschrift "Vertraue ihm - wie wir Dir!" geschmückt. Über den Verbleib des Säbels ist weiter nichts bekannt, vermutlich ist er inzwischen, wie fast alles andere zum Regiment auch, verloren gegangen.

Nach dem Bündnis vom 24.02.1812 lag auf einer der drei Heerstraßen der Franzosen durch Preußen auch Berlin. Daher mußte die Residenzstadt am 26. und 27.03.1812 gänzlich von Preußischen Truppen geräumt werden. Von der Berliner Garnison waren schon das Leibinfanterieregiment und einige Eskadrons Kavallerie zum Hilfskorps abmarschiert. Nun wurden das Gardejägerbataillon und diverse Linientruppen nach Breslau und Umgegend verlegt. Die Normal-Bataillone und -Eskadronen, die Gardeulanen und die Gardeartillerie und schlußendlich auch das Füsilierbataillon des Regiments Garde zu Fuß wurden nach Potsdam verlegt, welches nicht von den Durchmärschen und Belegungen der Franzosen betroffen war. Verschiedene Offiziere des Regiments Garde zu Fuß wurden in die Umgegend entsendet, um Nachrichten über die Französischen Kolonnen einzusammeln. Am 28.03.1812 zwischen 16:00 Uhr und 17:00 Uhr rückte die erste Französische Armee-Abteilung auf ihrem Marsch nach Rußland durch das Brandenburger Tor in Berlin ein. Sie stand unter dem Kommando des Marschalls Oudinot, dem Herzog von Reggio. Dieses Corps war vorher, über Spandau kommend, auf den Windmühlenbergen nördlich Charlottenburg in Parade aufgestellt und von König Friedrich Wilhelm besichtigt worden. Nach den schlechten Erfahrungen der letzten Besatzungszeit, hatte man dieses mal aus den königlichen Schlössern zu Charlottenburg, Potsdam und Berlin mehrere mit wertvollen Gegenständen beladene Königliche Wagen nach Breslau abgeschickt. Gleichzeitig gingen vom Regiment Garde zu Fuß, dem Normal-Bataillon und dem Regiment Gardes du Corps Detaschements nach Breslau ab. Vom Regiment Garde zu Fuß bestand das Detaschement aus dem Secondelieutenant Ferdinand von Lyncker als Führer, ferner den Secondelieutenants Wilhelm Erdmann Graf von Pückler, Louis von Knoblauch und Ludwig Friedrich Valentin von Massow. Dazu kamen 13 Unteroffiziere, 4 Spielleute und 115 Grenadiere und Füsiliere. Es wurden hierzu nach Möglichkeit nur Schlesier ausgesucht. Das Kommando marschierte am 27. und 28.03.1812 aus Berlin und Potsdam ab und traf am 13.04.1812 in Breslau ein, verrichte dort den Wachtdienst und besetzte das Königliche Palais. Das kleine Detaschement des Regiments Garde zu Fuß erhielt die Benennung "Garde-Depot".

Am 30.03.1812 wurde die Garnison-Kompagnie von Potsdam zur Besetzung einzelner Hauptposten vor dem Königlichen Schloß und dem Königlichen Palais zu Berlin dorthin entsandt. Zur Besetzung der Posten in Charlottenburg rückte aus Potsdam eine Abteilung des Garde-Invaliden-Bataillons in der Stärke von 1 Lieutenant, 3 Unteroffizieren und 30 Gemeinen dorthin ab. Das Regiment Garde zu Fuß zog unterdessen für die nach Breslau und zum Schloß abkommandierten Leute je Kompagnie 2 Unteroffiziere, 1 Spielmann und 22 Gemeine als Reserve ein. Es war damit zum Stichtag 23.03.1812 stark: 68 Offiziere, 120 Unteroffiziere, 51 Spielleute (dabei 24 Hautboisten), 1.536 Gemeine. In Summa: 1.775 Köpfe, dazu kamen noch 300 Überzählige.

Nun fanden in Potsdam und Umgegend nahezu ohne Unterbrechung Manöver mit der bedeutend verstärkten Garnison statt. Verbunden war dies mit Felddienst, Schanzenbau, Übungsmärschen, Scheibenschießen usw. Danbeben fanden aber auch wie gewohnt die großen Paraden statt. Der König, der ab Mitte März 1812 dauernd in Potsdam weilte, wohnte nicht nur den Übungen bei, sondern gab fast immer die Dispositionen zu ihnen höchstselbst aus. Die Regimentsgeschichte berichtet: "Es war nichts Seltenes für die Truppen in Potsdam, daß sie nach einem 2- oder 3tägigen anstrengenden Manöver gegen Abend nach der Garnison zurückkehrten, 3 - 4 Stunden nach dem Einmarsch wieder durch General-Marsch auf das Rendez-vouz berufen wurden, und von diesem aus das Ganze in 2 Abtheilungen getheilt, unter Führern, die der König zur Stelle erst bestimmte, 2 - 4 Stunden des Nachts manövrirte. Die Führer waren gewöhnlich Flügel-Adjutanten, oft auch Truppen-Commandeure. Schriftliche Dispositionen wurden hierbei nicht ertheilt. Traf eine solche Nachtübung zufällig auf einen Sonnabend, so wurde deswegen durchaus nicht die am Sonntag übliche Kirchen- und Große Parade abbestellt, trotzdem für die Truppen ein Wechsel im Anzuge höchstens nur bei leinenen Hosen möglich war; alle übrigen Bekleidungs- und Armaturstücke waren nur einfach vorhanden und bei allen Dienstverrichtungen stets im Gebrauch. Kam also in solchem Falle ein Bataillon Nachts um 1 oder 2 Uhr vom Manöver, so stand es nach 6 - 7 Stunden im Parade-Anzuge im Lustgarten zur Kirchenparade. Inzwischen hatte es die Sachen sämmtlich gereinigt, Litzen und Lederzeug angestrichen, die Armatur geputzt, oft auch noch leinene Hosen gewaschen und getrocknet, ,und so war denn der Haarbusch das einzige Stück in der Parade, welches Nachts vorher nicht mit manövrirt hatte. Alle Uebungen geschahen zur Zeit stets mit feldmäßigem Gepäck, einschließlich des Schanzzeuges, indem dieses oft zum Ausbessern von Wegen, Aufwerfen kleiner Brustwehren, selbst auch in Königlichen Forsten zur Herrichtung von kleinen Verhauen und Wegräumen derselben in Gebrauch kam. Es waren bei diesen Uebungen häufig höhere Officiere von den in Berlin oder auf dem Durchmarsch befindlichen französischen Truppen zugegen. Das erste Erscheinen solcher Herren fand bei der am 30. März im Lustgarten abgehaltenen großen Parade statt, welcher der Marschall Oudinot beiwohnte. Es war diese Parade dadurch bemerkenswerth, daß zu ihr die Truppen zum ersten Male ungepudert, die Grenadiere aber mit dem Säbelkoppel über der Schulter statt um den Leib erschienen. Wer aber von Allen anwesenden mochte ahnen, daß nach zwei Jahren diese selben Truppen an demselben Tage, fast um die nämliche Stunde, als Sieger an den Barrieren von Paris anlangen würden!"

Garde-Regiment zu Fuß 1812, nach Thümen

Die häufigen Übungen wurden auch deshalb durchgeführt, weil im Jahre 1812 ein neues Exerzierreglement erlassen worden war, welches es nun einzuüben galt. In ihm wurden die bitteren Erfahrungen aus dem letzten Feldzug verarbeitet. So war ein Reglement entstanden, welches endlich auf der Höhe der Zeit war.

Am 21.05.1813 waren die letzten drei Feldwebel des Regiments, welche noch Offizierspatente von vor 1806 besaßen, ausrangiert und nach ihren Patenten zwei als Seconde- und einer als Premierlieutenant dem Garde-Invaliden-Bataillon eingereiht worden.

Im Sommer 1812 wurde das Garde-Depot in Breslau derart aufgestockt, daß es nun eine Stärke von 18 Offizieren, 40 Unteroffizieren, 12 Spielleuten und 500 Gemeinen erreichte. Es wurde nun "Combinirtes Garde-Bataillon" genannt. Die Verstärkungen kamen auf allerhöchsten Befehl abermals vom Regiment Garde zu Fuß und vom Normal-Bataillon. Das Offizierscorps des Kombinierten Gardebataillons bestand aus:

  1. Capitain Ernst Carl Samuel von Schachtmeyer vom Normal-Bataillon, dieser wurde am 16.08.1812 in dieser Stellung zum Major ernannt.

  2. Premierlieutenant Heinrich Albert von Neumann, I. Bataillon, Regiment Garde zu Fuß

  3. Secondelieutenant Wilhelm Erdmann Graf von Pückler, dito

  4. Secondelieutenant Ludwig Friedrich Valentin von Massow, dito

  5. Secondelieutenant Eduard Graf von Waldersee, dito

  6. Premierlieutenant Ferdinand von Lyncker, II. Bataillon, Regiment Garde zu Fuß

  7. Secondelieutenant Johann Carl von Möllendorff, dito

  8. Secondelieutenant Wilhelm Christian von Dannenberg, dito

  9. Secondelieutenant Johann Leo Carl Graf von Schlieffen, dito

  10. Premierlieutenant von Schachtmeyer, Normal-Bataillon

  11. Secondelieutenant von Jacoby, dito

  12. Secondelieutenant von Irenius, dito

  13. Secondelieutenant von Below, dito

  14. Secondelieutenant Carl Friedrich von Lindheim, Füsilierbataillon, Regiment Garde zu Fuß

  15. Secondelieutenant Franz Carl von Werder, Bataillons-Adjutant, dito

  16. Secondelieutenant Louis von Knoblauch, dito

  17. Secondelieutenant George Leopold Carl von Gayl II, dito

  18. Secondelieutenant Gustav von Oppen, dito

Am 17.06.1812 wurde der Kommandeur des II. Bataillons im Regiment Garde zu Fuß, Major Carl Friedrich Ludwig von Lobenthal, zum Kommandeur des 1. Ostpreußischen Infanterieregiments ernannt. Sein Nachfolger als Kommandeur des II. Bataillons wurde am 23.06.1812, zusätzlich zu seinem Posten als Chef der 5. Kompagnie, Major Wilhelm Baron von Müffling.

Am 22.06.1812 begann der Rußlandfeldzug der "Grande Armee". Fast genau 130 Jahre später überfiel übrigens auch ein böhmischer Gefreiter Rußland. So überschritt also Napoléon mit seinen rund 412.000 Soldaten, der Grande Armee, die Memel und damit die russische Grenze. Weitere 150.000 Mann Verstärkung rückten in den folgenden Monaten nach, damit insgesamt über 560.000 Soldaten (teilweise wird auch von insgesamt 700.000 Mann ausgegangen).  Laut der Regimentsgeschichte waren es die folgenden Stärken, die von Napoléon nach Rußland geführt wurden: 491.953 Mann Infanterie, 96.579 Mann Kavallerie, 164.446 Offizier-, Truppen- und Zugpferde, 1.372 Geschütze, 21.526 Mann Artillerie, 187.111 Pferde. Der für diese Massen während des Durchmarsches durch Preußen erforderliche Vorspann betrug 77.920 Pferde und 13.394 Wagen. Beeindruckende Zahlen für die damalige Zeit. Das Armee-Korps des Marschall Davoust, welches 14 Tage in Ostpreußen lagerte, kostete täglich 27.000 Thaler und es waren insgesamt 12 solcher Korps in den Preußischen Landen. Fast das gesamte Rindvieh in Preußen wurde beschlagnahmt und geschlachtet.

Napoléon erwartete einen schnellen Sieg, doch die russischen Truppen unter der Führung von Michail Bogdanowitsch Barclay de Tolly (24.12.1761-26.05.1818) wichen zunächst in die Weiten des Landes aus.

Am 06.08.1812 traf der König in Breslau ein, die Stadt wurde "illuminiert" und das kombinierte Gardebataillon paradierte vor seinem Souverän. Am 09.08. reiste dieser weiter nach Neiße zu einer anderen Truppenbesichtigung, am 12.08. nach Glatz, am 13. über Kolin und Prag nach Teplitz um dort die Kur bis zum 17.09.1812 anzutreten. An diesem Tage kehrte der König nach Potsdam zurück.

Am 07.09.1812 löste Fürst Michail Illarionowitsch Kutusow (19.09.1745-28.04.1813) Barclay de Tolly als Oberbefehlshaber der russischen Truppen im Kampf gegen Napoléon ab und stellte sich am gleichen Tage bei Borodino zur Schlacht, in der 50.000 Mann auf beiden Seiten ihr Leben ließen. Nach diesem militärischen Patt zogen sich die russischen Truppen noch weiter ins Landesinnere zurück.

Am 14.09.1812 erreichen die Franzosen das leere Moskau. Die meisten Einwohner hatten Moskau verlassen, alles Essbare mitgenommen und die Stadt in Brand gesetzt. Die Soldaten der Grande Armee litten unter Hunger und Krankheiten. Der Zar verweigerte Verhandlungen. Napoléon zögerte, er wußte nicht recht wie er mit dieser Situation umgehen sollte, denn er hatte zwar die Hauptstadt des Gegners erobert, aber den Krieg damit nicht gewonnen! So verstrich wertvolle Zeit ungenutzt im leeren und ausgebrannten Moskau.

"Während des Septembers wurden beim Regiment starke Geldansammlungen aus freiwilligen Gaben, zur Unterstützung der vom Preußischen Hülfs-Corps in Kurland vor dem Feinde verwundeten Kameraden veranstaltet, und das Geld an den General von York übersandt. Auch trafen im October einzelne Abtheilungen der von Preußischen Truppen in verschiedenen Gefechten in Kurland kriegsgefangenen Russen in Potsdam ein, aus welchen ein russisches Sängerchor ausgewählt, und dessen specielle Leitung dem Major von Pogwisch vom Regiment übertragen wurde. Dieses Sängerchor blieb auch in späterer Zeit, wenn auch einzelne Individuen zurücktraten, oder später gegen andere umgetauscht wurden, dem Regiment attachirt, und zwar auf die vom Kaiser Alexander im Jahre 1813 dazu gegebene Genehmigung." (aus der Regimentsgeschichte) Dies war also die Geburtsstunde des bekannten "Russischen Sängerchores", für den später eigens die Siedlung "Alexandrowka" in Potsdam erbaut wurde, welche auch heute noch steht.

Der Kronprinz und Prinz Friedrich waren während der Monate April und Mai 1812 als Stabscapitains beim Regiment und verrichteten ab und an Dienst bei der Leibcompagnie. Am 18.10.1812 führte bei einer großen Parade Prinz Friedrich des 1. Zug des I. Bataillons, der Kronprinz den 1. Zug des II. Bataillons, Prinz Wilhelm den 2. Zug des Füsilierbataillons, wie auch Prinz Carl beim Regiment eingetreten war. Letztere beiden als Secondelieutenants. In Potsdam wurde weiter fleißig manövriert und auch für den Fall Vorbereitungen und Einteilungen getroffen, daß der Korse nun den Preußen befehlen würde, ein Bataillon der Garde zu seiner Unterstützung zu formieren. Dazu kam es jedoch nie.

Am 01.10.1812 traf für das kombinierte Gardebataillon in Breslau der lange ersehnte Befehl zum Rückmarsch nach Potsdam ein, der jedoch schon kurz darauf wieder widerrufen wurde, wahrscheinlich aufgrund der Ereignisse in Rußland. Lediglich ein kleines Kommando Verheirateter unter den Lieutenants Johann Carl von Möllendorff und Ludwig Friedrich Valentin von Massow erhielt am 01.11.1812 die Erlaubnis nach Potsdam zurückzukehren.

Im Spätherbst 1812 zogen immer noch kleinere Französische und Deutsche Abteilungen durch das geschundene Preußen als Verstärkung gen Rußland. Die Grande Armee verweilte jedoch immer noch regungslos in Moskau. Endlich erteilte Napoléon am 19.10.1812 den Befehl zum Rückzug, der sich im einbrechenden russischen Winter zusehends zu einer Katastrophe für die Grande Armee entwickelte. Die Kälte, der Hunger (man zog über die ausgebrannte Gegend, aus der man im Sommer gekommen war), Kosakenangriffe, Krankheiten ließen die einst so mächtige Armee immer weiter zusammenschmelzen.

Am 13.11.1812 durchquerten die Franzosen Smolensk, am 26.11.1812 erreichten die erschöpften Franzosen, Bayern, Württemberger und die vielen weiteren Vasallenkontingente die Beresina und begannen sogleich, eine Pontonbrücke zu errichten. Eine zweite Brücke für das Geschütz und die Wagen kam wenig später zustande. Von den Russen wurde der Übergang zunächst nicht gestört. Dagegen wurde die zweite Brücke durch Brechen der Böcke mehrmals unbrauchbar; auch musste die Bretterdecke aus der ersten öfters erneuert werden. Der Übergang erfolgte im Ganzen schnell, solange die Truppen geordnet marschierten. Napoléon selbst ging mit der Garde am 27.11.1812 mittags über den Fluss. Nun aber begann die Unordnung, und als gegen Abend die Artilleriebrücke zum dritten mal brach, entstand das fürchterlichste Gedränge. Als jetzt am 28.11.1812 früh auch noch die Russen vom linken Ufer aus die Brücken mit Kanonen und Haubitzen bestrichen, erreichte die Verwirrung den höchsten Grad. Von 70.000 Franzosen kamen kaum 40.000 an das jenseitige Ufer und von diesen starb ein großer Teil in den nächsten Tagen. Zehn Jahre später sah man noch die Trümmer von Waffen und Heergeräte aller Art auf beiden Seiten der Beresina aus dem Schlamm hervorragen. Mit Mühe konnte Marschall Ney in Wilna 3.000 Mann streitfähiger Leute sammeln, um die weitere Flucht zu decken. Nur die Fehler der russischen Heerführer verhinderten eine totale Katastrophe der Franzosen. Dennoch sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache: Lediglich 40.000 von 560.000 Mann waren bis hierher übrig geblieben, und das war noch nicht das Ende des Feldzuges!

Am 16.12.1812 erreichen ganze 5.000 Mann (nicht einmal 1% der Ausgangsstärke!) von Napoléons einstmals so mächtigen Grande Armee das Preußische Memel. Ganz Europa erfuhr nun vom Debakel des Korsen. "Und hatte dieser Heeresschwarm groß, glänzend, ungeheuer, bei seinem Marsche nach Rußland unser Land verheert und ausgesogen, so warfen sich nach sechs Monaten seine jammervollen Ueberreste gleich einer anderen schrecklichen Plage in dasselbe. War vorher dem stolzen übermüthigen Siegeszuge der Hunger gefolgt, so hatte dieser furchtbare Rachegeist nun sein würgendes Schwert über das geschlagene Heer selbst geschwungen und trieb seine Ueberreste siech, bettelnd über unsere Grenzen, ihnen nachsendend Krankheit und Tod. Die Kunde dieser Ereignisse, das Gefühl der eigenen hohen Kriegstüchtigkeit, das im Regiment lebte, ließen die Wünsche nach einer endlichen Entscheidung durch das Schwert immer heißer und feuriger werden. Auch der gemeine Mann sehnte sich nach Krieg. Berichte von Zeitgenossen haben uns die Stimmung dieses augenblicks als unendlich peinlich und erwartungsvoll geschildert. Sie fand Nahrung in jedem neuen Bericht, der aus Rußland ankam. Im December kamen denn auch die ersten Franzosen auf dem Rückzuge, nach Potsdam. Man sah die stolzen Marschälle, die an der Spitze von 40 und 50,000 Mann durchgezogen waren, elend und allein zurückkommen, so am 24. December den Herzog von Castiglione, Narbonne, Defaix, den Herzog von Bassano." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 30.12.1812 wurde bei Tauroggen (Tauragė in Litauen) die Konvention von Tauroggen unterzeichnet. Ausgehandelt und unterzeichnet wurde der Waffenstillstand des gemäß dem Frieden von Tilsit auf französischer Seite kämpfenden Preußischen Hilfskorps mit den russischen Truppen, vom preußischen Generalleutnant Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg (26.09.1759 - 04.10.1830, Kommandeur des Hilfskorps) und von Hans Karl von Diebitsch (13.05.1785 - 10.06.1831), General der russischen Armee. Yorck handelte dabei aus eigener Initiative ohne Befehl und Wissen seines Königs. Maßgeblichen Anteil am Zustandekommen dieses Vertrages hatte der in Diensten der russischen Armee stehende spätere preußische General Carl von Clausewitz (01.07.1780 - 16.11.1831). Die Konvention besagte, dass Yorck von Wartenburg seine Truppen aus der Allianz mit der französischen Armee herauslösen solle.

"Schon während des Monats December 1812, mehr noch im Januar 1813, nahmen die Verhältnisse zu den Französischen Truppen einen höchst drohenden Charakter an. Am 2. Januar war die Capitulation Yorks in Potsdam bekannt geworden. Es sollte am Abend dieses Tages bei dem damaligen Chef-Präsidenten der Regierung, von Bassewitz, welcher später eine so bedeutende und segensvolle Wirksamkeit in den Freiheiskriegen ausübte, ein Ball zu Ehren der Prinzeß Charlotte, nachmaligen Kaiserin von Rußland, stattfinden. Der König hatte sein Erscheinen zugesagt, ebenso die Königlichen Prinzen. Am Mittag aber war der Major Graf Henckel mit Yorks Schreiben vom 30. December beim Könige eingetroffen, und der König ließ sagen, daß er den Ball nicht beehren würde; die Prinzen erschienen zwar, durften aber nicht tanzen. Der König glaubte, daß die Capitulation noch Jedem außer ihm selbst ein Geheimniß wäre; nun hatte aber der Major Henckel neben seiner Depesche noch verschiedene Privatbriefe vom Yorkschen Corps an Officiere der Garnison mitgebracht, welche sämmtlich das entscheidende Ereigniß mittheilten. Es ist daher wohl zu glauben, daß die Stimmung auf dem Feste am Abend eine stürmisch gehobene und erregte gewesen sein mag. Tage banger Erwartung, überschwenglichster Hoffnung folgten." (aus der Regimentsgeschichte)

In Berlin kursierten die wildesten Gerüchte. Auch um die immer noch vorhandene Französische Partei am Hofe endlich umzustimmen, wurden diese von denjenigen gestreut, die für den Bruch mit Frankreich waren. So wurde zum Beispiel das Gerücht gestreut, die Franzosen würden auf den Plätzen Berlins biwakieren wollen. Dann das Gerücht, sie wollten den König in Potsdam gefangen nehmen. Weitere Gerüchte folgten. Mit der Verlegung der Residenz des Königs von Potsdam nach Breslau hatten diese Gerüchte jedoch nichts zu tun.

Bis zum 16.01.1813 waren alle Vorbereitungen getroffen worden zur Verlegung der Residenz. Der Entwurf dazu wurde vom Oberstallmeister von Jagow und dem Präsidenten von Bassewitz gemacht. Er lag komplett bereit, nur das Datum mußte noch eingetragen werden und beinhaltete die Ordres zur Abreise des Königs und zum Marsch der Truppen. Verschoben wurde die abreise nur noch um einige Tage wegen der "Einsegnung" des Kronprinzen, welche am 21.01.1813 im Königlichen Schloß stattfand. Schon am 18.01-1813 erhielt das Regiment Garde zu Fuß den Befehl sich zum Abmarsch bereit zu halten. Am 22.01.1813 reiste der König - ohne nochmal Berlin zu betreten - nach Schlesien ab. Am Samstag, den 23.01.1813 um 07:30Uhr rückte das Regiment Garde zu Fuß zusammen mit allen in und um Potsdam stehenden Truppen aus Potsdam ab. Einzige Ausnahme bildete das Garde-Invaliden-Bataillon, welches zur Sicherung der Königlichen Schlösser in Potsdam verblieb. Der Marsch ging südlich an Berlin vorbei über Köpenick, Frankfurt a. der Oder, Krossen, Grüneberg und Neumark nach Breslau, in welches das Regiment am 09.02.1813 im Paradeanzug einmarschierte, nachdem es vor dem Nikolai-Tor vom König besichtigt worden war. Das Regiment bezog wie auch das Normal-Bataillon Naturalquartiere in der Stadt.

Am 20.01.1813 hatte der Kommandeur des Regiments Garde zu Fuß, Oberst Gustav Adolph von Kessel vom König den folgenden Brief erhalten:

    "Ich nehme die jetzigen Begebenheiten wahr, den von Ihnen früher geäußerten Wunsch, in ein anderes Dienst-Verhältniß versetzt zu werden, in Erfüllung zu bringen, entbinde sie also des Postens als Commandeur des Regiments Garde zu Fuß und ernenne Sie demnächst zum Commandeur von Potsdam. Das Commando des Regiments Garde habe ich dem Major von Tippelskirch übertragen. Da derselbe abwesend ist, so wünsche ich, daß Sie die Garde noch nach Breslau führen und sodann anhero zurückreisen. Sie werden in Ihrer neuen Bestimmung einen sprechenden Beweis Meines besonderen Vertrauens finden, indem Ich mit derselben während Meiner Abwesenheit das Wohl meiner hiesigen Residenzstadt und die Sicherheit Meiner Schlösser ganz in Ihre Hand lege.

    Ihre Anhänglichkeit an Mein Interesse läßt mich mit Zuversicht erwarten, daß Sie unter allen Umständen das Beste der hiesigen Einwohner nach allen Kräften zu befördern, für die Aufrechterhaltung der Ordnung und öffentlichen Ruhe gehörig sorgen und allen Nachtheil vom Königlichen Eigenthum abzuwenden suchen werden. Sie werden sich dadurch neue Ansprüche auf das Wohlwollen erwerben, mit dem ich Ihnen immer zugethan gewesen bin als Ihr wohl affektionirter König.

 

    Potsdam den 20. Januar 1813.

Friedrich Wilhelm

An den Oberst von Kessel hier."

Oberst von Kessel ging nach der Übergabe des Regiments nicht nach Potsdam zurück, sondern erhielt das Kommando als Inspekteur über sämtliche bereits vorhandenen und noch in der Formation begriffene Reserve- und Ersatz-Bataillone in Schlesien. Der neue Kommandeur des Regiments Garde zu Fuß, Major Ernst Ludwig von Tippelskirch war zuvor Kommandeur des Leib-Infanterieregiments beim Yorckschen Korps gewesen. Er übernahm das neue Kommando am 09.02.1813, unmittelbar nach dem Einmarsch des Regiments in Breslau.

"Im Februar und März 1813 verloren auch die Unterofficiere die kleinen Litzen am Rockkragen und Aufschlägen und bekamen an deren Stelle wollene, sogenannte Kapellen-Litzen, wie die Gemeinen, wie auch zu dieser Zeit die hohen Kragen durch niedrigere 2 - 2¼ Zoll hohe, verdrängt wurden, ferner wurde die Tresse um den Rockkragen vom unteren Ende nach dem obern Rande des Kragens (russische Manier) versetzt. Die von 1813 an gefertigten Montirungen wurden nun auch über die Brust nicht mehr, wie bisher seit 1808 geschehen, so stark wattirt." (aus der Regimentsgeschichte)

Die Bewaffnung wurde ebenfalls Anfang 1813 vervollständigt. Die Regimentsgeschichte vermerkt hierzu: "Bei der 1813 im Februar und März eintretenden Verstärkung auf den Feldetat und Errichtung des Reserve-Bataillons, erhielt das Regiment die nothwendige Ergänzung an Gewehren aus der Königl. Fabrik zu Neisse von derselben Art neupreußischer, wie das Regiment bereits seit November 1811 besaß und hat damit nicht allein die Feldzüge 1813 - 1814 und 1815 mitgemacht, sondern sie auch noch während des Friedens bis 1818 in Gebrauch behalten."

Kapellenlitzen (schematisch) am Kragen und schwedischen Aufschlag des Regiments Garde zu Fuß ab Februar / März 1813

Als der König im Frühjahr 1813 in Breslau weilte und den Wunsch nach einem "tüchtigen" Stabshoboisten für das Regiment Garde zu Fuß äußerte, empfahl ihm der musikliebende Kommandeur der Oberschlesischen Infanterie-Brigade, General von Pirch, Carl Josef Krause. Dieser, auch Sohn eines Musikers, spielte Waldhorn, Fagott und Klarinette und galt durch seine Tätigkeit in der Kapelle des Ministers Graf Hoym zu Breslau als ausgezeichneter Virtuose. Er erhielt die Anstellung, machte den Feldzug 1813/15 mit und ging 1828 in Pension.

"War die Zeit der Vorbereitung seit 1807 nur den eingeweihten ganz verständlich gewesen, hatten die Gesetze, Verordnungen und Neugestaltungen Widerstand in manchem alt Begründeten gefunden, und hatte die lastende Fremdherrschaft die Gemüther gebeugt - mit den Königlichen Verordnungen, die jetzt in rascher Folge erscheinen, war es Anders. Der Krieg, der heilige Krieg! nicht mehr die Reorganisation war nunmehr das ausgesprochene Ziel! Und die Königlichen Erlasse und aufrufe waren die geweihten Fackeln, welche die Lohe der Volksbegeisterung zur lichten Flamme anfachten. So regte sich denn auch beim Regiment vom Tage des Einmarsches in Breslau, der schön bezeichnet war, durch das Gesetz über die Errichtung der freiwilligen Jäger - eine gewaltige Thätigkeit zur Beschaffung der Ausrüstung und Erreichung der Kriegsstärke. Die kurzen Stunden der Februartage reichten nicht aus, es mußten die Nächte zur Hülfe genommen werden. Bei dem Mangel an Privatquartieren in der überfüllten Stadt, wurden Kirchen, Klöster, die öffentlichen Plätze zu Werkstätten umgeschaffen. Der vortreffliche Sinn der Einwohnerschaft kam bereitwillig allen Bedürfnissen der Truppen entgegen, wie denn die freudige Opferwilligkeit recht eigentlich diese Zeit charakterisirt. Ersatzmannschaften ans den Feldregimentern und Krümper aus den Provinzen trafen fast täglich beim Regiment ein, es wurden die Bestimmungen über die zur Garde erforderlichen Eigenschaften nicht mehr aufrecht erhalten, ebenso fiel die ärztliche Untersuchung ganz fort." berichtet die Regimentsgeschichte.

Jedes Bataillon des Regiments Garde zu Fuß erhielt nach der A.K.O. vom 03. und 09.02.1813 wie alle anderen Bataillone der preußischen Armee auch ein Detaschement freiwilliger Jäger in der Stärke eine Kompagnie zugewiesen, also 200 Mann. Die Bekleidung dieser Truppen war die selbe, wie beim Gardejägerbataillon, mit der Ausnahme, daß die Litzen, Knöpfe und Achselklappen weiß waren. Die Freiwilligen mußten ihre Bekleidung und Ausrüstung selbst besorgen, wurden jedoch mit Brot und Löhnung nach dem Regiments-Etat bedacht. Die Armen unter den Freiwilligen erhielten Zuschüsse zu ihrer Equipage aus der Regimentskasse. Von den drei Bataillonen des Regiments wurden für die Zeit der Formierung der freiwilligen Jäger die Offiziere, Unteroffiziere und Spielleute gestellt, bis die Jäger ausbildungs- und stärkemäßig in der Lage waren, dies selbst zu leisten. Die Detaschements-Führer bleiben jedoch stets Premierlieutenants oder Stabscapitaines des Regiments. Bis Mitte März 1813 hatten die Jäger des Regiments Garde zu Fuß ihre volle Stärke erreicht. Es meldeten sich jedoch immer noch so viele Freiwillige, daß Se. Majestät durch A.K.O. vom 10.03.1813 befahlen, daß eine 5. oder Reservekompagnie freiwilliger Jäger zu 200 Mann errichtet werden sollte (5. Kompagnie, weil das Normal-Bataillon mit seiner Jägerkompagnie mitgezählt wurde). Die A.K.O. vom 26.03.1813 befahl überdies, daß sowohl das Leib- wie auch 1. Ostpreußische Infanterie-Regiment ausnahmsweise ihren Jäger-Detaschements den Titel "Garde" beilegen könnten, um die Überzähligen der Garde einzustellen. Die Detaschements beider Regimenter erhielten denn auch die Gardelitzen an den Montierungen. Beim Regiment Garde zu Fuß bestanden also 4 Kompagnien Jäger zu je 200 Mann, insgesamt also 800 Mann. Dazu kam noch die Jägerkompagnie des Normal-Infanterie-Bataillons mit noch einmal 200 Mann.

Am 20.02.1813 erhielt das Kombinierte Gardebataillon, welches nach wie vor in Breslau stand, die Benennung "Reserve-Bataillon des Garde-Regiments und Normal-Bataillons". Es stand wie bisher auch unter dem Kommando von Major Ernst Carl Samuel von Schachtmeyer vom Normal-Bataillon. Es behielt seine 4 Kompagnien, wurde jedoch auf einen Etat von 800 Mann aufgestockt und erhielt die vollständige Feldausrüstung. Über die Abgaben des Regiments Garde zu Fuß und des Normal-Infanterie-Bataillons zu diesem Bataillon wurde bestimmt:

  1. unter den Mannschaften sollten möglichst viele Schneider, Schuhmacher und Sattler sein

  2. die Unteroffiziere sollten sämtlich schon Feldzüge mitgemacht haben und besonders gute Exerziermeister sein

  3. die Herren Offiziere sollten aus dem ganzen Regiment und dem Normal-Bataillon durch das Los bestimmt werden.

Die Offiziersstellenbesetzung beim Reserve-Bataillon des Garde-Regiments und Normal-Bataillons sah danach wie folgt aus:

Kommandeur Major Ernst Carl Samuel von Schachtmeyer vom Normal-Bataillon

Adjutant Secondelieutenant Johann Leo Carl Graf von Schlieffen, II. Bataillon, Regiment Garde zu Fuß

 

1. Kompagnie

Secondelieutenant Johann Carl von Möllendorff, dito

Secondelieutenant Ludwig Friedrich Valentin von Massow,  I. Bataillon, Regiment Garde zu Fuß

Secondelieutenant Carl Leopold von Heister, dito

 

2. Kompagnie

Secondelieutenant Wilhelm Erdmann Graf von Pückler,  I. Bataillon, Regiment Garde zu Fuß

Secondelieutenant Carl Albert von Griesheim,  Regiment Garde zu Fuß

Secondelieutenant Friedrich Adam von Gerhardt,  I. Bataillon, Regiment Garde zu Fuß

 

3. Kompagnie

Stabscapitain von Schachtmeyer, Normal-Bataillon

Secondelieutenant von Knobelsdorff, dito

Secondelieutenant von Herwarth, dito

 

4. Kompagnie

Secondelieutenant Heinrich Ferdinand von Broscowinus, dito

Secondelieutenant Ernst von Brederlow, Regiment Garde zu Fuß

Secondelieutenant Albert Louis von Rauch II, Füsilierbataillon, Regiment Garde zu Fuß

Als der König am 28.02.1813 das Bataillon besah, bemerkte er, "daß es viel zu viel mit alten Mannschaften bedacht worden sei" und befahl sofort einen Rücktausch gegen jüngere und ansehnlichere Leute aus dem Regiment.

Das Regiment Garde zu Fuß hatte nach und nach wieder seinen durch die Abgaben verloren gegangenen Feldetat erreicht, sowie die zur Mobilmachung notwendigen Pferde, Wagen und Trainsoldaten erhalten. am 03.03.1813 ging endlich der Befehl zur Mobilmachung ein - lange vor der offiziellen Kriegserklärung Preußens an Frankreich! Ab dem 01.03.1813 wurde die Feldzulage gezahlt und vom 11.03.1813 an trat die Verpflegung durch Naturallieferungen ein. Über diese Verpflegungsart, nach welcher der Mann nur 1/3 des gewöhnlichen Traktatements empfing und ihm dafür die anderen 2/3 als Lebensmittel in natura gegeben wurden, äußerte sich ein Bericht der damaligen Zeit eines Angehörigen des Füsilierbataillons, dessen Name leider nicht überliefert ist: "Wären diese Portions stärker, so möchte eine solche Verpflegungsart dem Staate sowohl als dem Soldaten von Nutzen sein. Bei der geringen vorgeschriebenen Quantität kann sich indeß, besonders wenn, wie hier, öftere Erinnerungen der Bonität gemacht werden müssen, kein gesunder Mann daran kräftigen und die Leute würden schon jetzt Noth gelitten haben, wenn die Gutmüthigkeit der Breslauer Wirthe dieselben nicht unterstützte."

Am 03.03.1813 wurde im Zuge der Mobilmachung das Regiment Garde zu Fuß in Breslau den Schlesischen Truppen des General Gebhard Leberecht von Blücher (16.12.1742 - 12.09.1819) zugeteilt. Blücher kommandierte nun alle in Schlesien stehenden Truppen als ein gemeinsames Korps. Er erinnerte sich gegenüber dem Offizierscorps der ersten Begegnung in Stargard 1809 mit den Worten: "Nun, meine Herren, wir stehen an dem schon längst gehegten Ziel unserer Wünsche und ich freue mich sehr, Sie zu meinen Truppen zählen zu dürfen. Vor vier Jahren, wo ich das Vergnügen hatte, Sie freundlich in Stargard zu empfangen, war unser aller Brust beengt und sorgenschwer, Heute ist es, Gott sei Dank, schon anders, und es wird und muß noch besser werden, wozu sie, meine Herren, das weiß ich, mit Ihrem schönen Garde-Regiment jeder Einzelne bis zum letzten Athemzuge gewiß tüchtig helfen werden."

Das Regiment Garde zu Fuß bildete im Korps Blücher zusammen mit dem Normalinfanterie-Bataillon, Gardejäger-Bataillon, Leibgrenadier-Bataillon, 1. Ostpreußischen Grenadier-Bataillon. 3. Bataillon Leibinfanterieregiments und der Garde-Fußartillerie-Batterie die Infanterie der Brandenburgischen Brigade unter dem General von Roeder. Jedes der genannten Bataillone hatte ein freiwilliges Jägerdetaschement und war einschließlich derselben 1.000 Köpfe stark. Die Brigade Roeder, vereint mit 8 Eskadronen Kavallerie und einer Batterie reitenden Artillerie, bildete im Korps Blücher die Reserve-Brigade. Brigadier der Infanterie ad interim war der am 15.03.1813 zum Major avancierte Ernst Ludwig von Tippelskirch (Kommandeur des Regiments Garde zu Fuß), Brigadier der Kavallerie der Oberstlieutenant von Katzeler.

Im März 1813 war die allgemeine Lage wie folgt: Berlin und Breslau waren die Sammelpunkte der Preußischen Armeen, auf beide Städte war je eine Russische Armee im Anmarsch. Die Armee unter General Wittgenstein, die nördlich auf Berlin marschierte, erreichte die Stadt am 11.03.1813. Am gleichen Tage erreichte von der zweiten Armee unter General Winzingerode ein Corps von 12.000 Mann die Oder bei Glogau, passierte diese und marschierte auf Dresden. Die Russische Haupt-Armee stand derweil noch bei Kalisch. Die Franzosen waren überall hinter die Elbe zurückgegangen, 50.000 Mann konzentrierten sich Ende März bei Magdeburg, in Franken und Thüringen sammelten sich neue Streitkräfte. Der Kaiser war fest entschlossen, die Elblinie von Böhmen bis zur Nordsee zu halten. Die Truppen Winzingerodes wurden dem Corps Blücher unterstellt, welches insgesamt rund 26.000 Mann umfaßte. Der Oberbefehl über die Preußisch-Russischen Truppen wurde Fürst Michail Illarionowitsch Kutusow (19.09.1745 - 28.04.1813) übertragen.

Am 15.03.1813 kam Zar Alexander nach Breslau. Die gesamte Garnison bildete bei seinem Einzug in die Stadt das Spalier, das Regiment Garde zu Fuß dabei den rechten Flügel. Es war ein feuchtkalter Frühjahrstag und zu allem Übel verzögerte sich die Ankunft des Zaren von 09:00 Uhr bis schließlich 18:00 Uhr während die Truppen in der Stadt ausharren mußten. Als schließlich der Zar einzog, empfing ihn überschwenglicher Jubel der hunderttausenden Menschen, die seine Ankunft erwarteten. Die Regimentsgeschichte berichtet: "Der König ritt neben dem Kaiser, die beiden Suiten waren bunt gemischt, in innigster Waffengemeinschaft: ein schönes Vorzeichen für die Zukunft. Als Alexander vor die Front des Regiments kam, rief er laut: »Willkommen meine alten lieben Bekannten!« und fügte dann noch viel Lobendes hinzu."

Politisch vollzog Preußen Anfang 1813 endlich auch offiziell die vom Volk lange herbeigesehnte volle Kehrtwendung. Nach dem Separatfrieden des Yorckschen Korps im Dezember, schlossen schließlich Preußen und Rußland im Februar 1813 ein Bündnis gegen Napoleon. Preußen war damit nun Teil der 6. Koalition gegen Frankreich geworden. Am 16.03.1813 (laut Regimentsgeschichte am 17.03.1913) erklärte schließlich Preußen dem Kaiserreich Frankreich den Krieg. Am nächsten Tag erließ der König den berühmten „Aufruf an mein Volk“ und den ähnliche Aufruf "An das Heer!". Am gleichen Tag zog General Yorck mit seinen Truppen in das befreite Berlin ein. Überdies wurde die Verordnung über die Organisation der Landwehr im ganzen Staate verfaßt. Der 17.03.1813 kann demnach als der eigentliche Beginn des 6. Koalitionskrieges für Preußen bezeichnet werden.

Am 17.03.1813 exerzierte das Füsilierbataillon vor dem Zaren auf den Viehweiden vor dem Nikolai-Tor zur allerhöchsten Zufriedenheit. am gleichen Tage rückte die Kavallerie des Korps Blücher mit selbigem nach vorhergehendem Gottesdienst ins Feld. Am 23.03.1913 folgte die Infanterie der Brigade Roeder. Für die neu aufgestellte Preußische Armee war es der erste Feldzug seit dem unglücklichen Kampagne vom Herbst/Winter 1806 und natürlich auch der erste Einsatz des neuen Regiments Garde zu Fuß überhaupt! Um 08:00 Uhr standen die Bataillone auf dem Schweidnitzer Anger im Feldparadeanzug, d. h. ohne Haarbüsche, in Kolonne aufmarschiert. Es wurde ein feierlicher Gottesdienst abgehalten, danach erfolgte die Einsegnung der Truppen zu dem bevorstehenden "heiligen Krieg". Nach der Einsegnung wurde den Truppen der Königliche Aufruf "An das Heer!" verlesen, in dem es am Schluß heißt "Wir kämpfen den großen Kampf für des Vaterlandes Unabhängigkeit! Vertrauen auf Gott, Muth und Ausdauer sei unsere Losung!" Die Königliche Familie wohnte der Feier auf dem Schweidnitzer Anger bei, nur der König selbst hatte mit dem Kronprinzen schon am 19.03.1813 Breslau verlassen. Nach Beendigung der Feierlichkeiten marschierten die Truppen sofort in die angewiesenen Marschquartiere. Einige Tage vor dem Abmarsch waren im Regiment 5 Feldwebel und 2 Unteroffiziere zu Secondelieutenants befördert worden und dem Reserve-Bataillon zugewiesen worden. "Es sei noch erwähnt, daß um diese Zeit auch die bis dahin noch von den Unterofficieren geführten Rohrstöcke verboten wurden, eine Maaßregel, die von den Betroffenen nur unter großen Klagen befolgt wurde." schreibt die Regimentsgeschichte.

Das Garde-Reserve-Bataillon des Regiments Garde zu Fuß und des Normal-Bataillons blieb bis auf Weiteres in Breslau als Schutz der Königlichen Familie stehen. Die Regimentsgeschichte berichtet: "Während der ersten Tage nach Umgestaltung des früheren »combinirten Garde-Bataillons« zum »Garde-Reserve-Bataillon« glaubte das Regiment im Sinne dieser Benennung alle diejenigen Mannschaften dem Bataillon überweisen zu müssen, welche entweder ihrer langen Dienstzeit wegen, oder aus anderen Ursachen, nicht völlig felddienstfähig wären. Da aber, nachdem dies geschehen, bei einer Besichtigung der König sich darüber höchst mißfällig äußerte, so traten die ausgetauschten Mannschaften zum Regiment zurück, und statt dessen wurden ausgesuchte Leute zum Reserve-Bataillon gegeben. Für die Unterofficiere wurde noch speciell bestimmt, daß es solche sein sollten, die die Feldzüge 1806 - 1807 mitgemacht, und die Eigenschaft besäßen, junge Leute gut und in Masse auszubilden. Durch Krümper und sonstigen Ersatz wurde es allmählich auf die Kriegsstärke gebracht und auch sonst vollkommen ausgebildet. Es that den Wachtdienst im Königlichen Palais und kommandirte am 7. April 3 Officiere, 8 Unterofficiere, 100 Gemeine nach Steinau zur Ehrenwache für den Kaiser Alexander, der hier mit der Armee über die Oder ging."

Der Plan des Generals Scharnhorst sah vor, daß Blücher mit seinen Truppen auf Leipzig und Altenburg vorgehen solle, die Russische Hauptarmee ihm folgen solle. Feldmarschall Ludwig Adolph Peter (Pjotr Christianowitsch) Graf zu Sayn-Wittgenstein (17.01.1769 - 11.06.1843) sollte dagegen mit seinen Truppen oberhalb Wittenberg die Elbe passieren und sich an Blücher heranziehen. Mit den Truppen Blüchers zog somit auch die Garde in Richtung Leipzig. Am 23.03.1813 lag das Regiment Garde zu Fuß in Neumark und Umgebung. Am 26.03. hatte es einen Ruhetag in Liegnitz, am 31.03. rückte es bei Görlitz über die Grenze in Sachsen ein und marschierte weiter nach Bautzen. Am 04.03.1813 rückte die Garde in Dresden ein, wo sie am 05. und 06.04. Ruhetag hatte. Auf dem Marsch nahm das Füsilierbataillon die ersten versprengten Franzosen gefangen. "Schon während dieser Märsche hatte sich bei den Volontair-Jäger-Compagnien, trotz des vortrefflichen Geistes, von dem jeder einzelne in ihnen belebt war, dennoch ein Mangel in der Marschordnung herausgestellt. Ihr durch vielen unnützen Ballast erschwertes Gepäck schrumpfte erst nach und nach, als Viele zurückgeblieben, auf das gehörige Maaß zusammen. Von Seiten der Bataillons-Commandeure geschah Alles, die jungen Leute im Dienst zu unterrichten. Die Compagnien wurden zuweilen allarmirt, auf den Anzug und die Waffen ein besonderes Augenmerk gerichtet und auf Posten immer ein Jäger mit einem erfahrenen Füsilier zusammengestellt." berichtet die Regimentsgeschichte. Erst Anfang April 1813 brach endlich auch die Russische Haupt-Armee aus ihrem Lager bei Kalisch auf.

Rangliste des Regiments Garde zu Fuß vom April 1813

Quelle: Reinhard, Carl von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1740-1857, Potsdam 1858, August Stein

Chef: Se. Majestät der König,

Major und Commandeur Ernst Ludwig von Tippelskirch,

Major Friedrich Vollrath Graf zu Löwensten-Wertheim,

Major Julius Ludwig von Pogwisch,

Major Carl Georg Albert von Rohr,

Major Carl Heinrich von Block,

Capitain Arthur Wilhelm Carl Heinrich Ludwig von Dithfurth,

Capitain Eugen Max von Roeder,

Capitain Adolph Friedrich von Grabow,

Capitain Adolph Friedrich von Barnekow,

Capitain Franz Ludwig von Barner,

Capitain Carl Ludwig von Schenkendorff,

Stabscapitain Wilhelm Hans Heinrich Adolph von Below I,

Stabscapitain Prinz Friedrich Ludwig von Preußen, Königliche Hoheit,

Stabscapitain Constantin Friedrich August von Witzleben I,

Stabscapitain Ludwig Carl Wolfgang von Wallbrunn,

Stabscapitain der Kronprinz von Preußen, Königliche Hoheit,

Stabscapitain Friedrich Werner von Below II,

Stabscapitain Eberhardt von Esebeck,

Stabscapitain Hans Carl Friedrich von Zieten I (Rechnungsführer),

Stabscapitain Otto von Zieten II,

Premierlieutenant August von Hagen,

Premierlieutenant Heinrich Albert Friedrich von Neumann,

Premierlieutenant Ferdinand Günther von Lyncker,

Premierlieutenant Alexander Friedrich Adolph von Knobelsdorff,

Premierlieutenant Carl Friedrich von Lindheim,

Premierlieutenant Wilhelm Erdmann August Carl Graf von Pückler,

Secondelieutenant und Adjutant Franz Carl von Werder,

Secondelieutenant Prinz Wilhelm von Preußen, Königliche Hoheit,

Secondelieutenant Carl Friedrich von Wichert

Secondelieutenant und Brigade-Adjutant Friedrich Auigust von Maltitz,

Secondelieutenant Carl Wilhelm Graf zu Solms-Tecklenburg,

Secondelieutenant August Hans Friedrich Ferdinand von Voß,

Secondelieutenant Theodor Carl Alexander Friedrich Philipp von Bismark,

Secondelieutenant Hans Carl August von der Marwitz,

Secondelieutenant und Adjutant Friedrich Wilhelm von Rauch,

Secondelieutenant Johann Carl Wolf Dietrich von Möllendorff,

Secondelieutenant Wilhelm Christian Joachim von Dannenberg,

Secondelieutenant Eduard von Buddenbrock,

Secondelieutenant Carl Albert von Griesheim,

Secondelieutenant Carl Friedrich Wilhelm Ferdinand von Hirschfeld,

Secondelieutenant August Albert von Grovestin,

Secondelieutenant Louis von Knobloch,

Secondelieutenant Ludwig Wilhelm von Rheinbaben,

Secondelieutenant August Carl von Jagow,

Secondelieutenant Georg Leopold Carl von Gayl,

Secondelieutenant Carl Johann Leo Graf von Schlieffen,

Secondelieutenant Louis de Marées,

Secondelieutenant  und Adjutant Wichard Heinrich Wilhelm von Puttkammer,

Secondelieutenant Friedrich Wilhelm Ludwig August Graf von Lusy,

Secondelieutenant Eduard Wilhelm Ludwig von Bonin,

Secondelieutenant Ernst Friedrich Wilhelm von Studnitz,

Secondelieutenant Carl Rudolph Baron Kirchberger von Monts,

Secondelieutenant Friedrich Wilhelm Louis von Forstner,

Secondelieutenant August Wilhelm von Britzke,

Secondelieutenant Ludwig Friedrich Joachim Valentin von Massow,

Secondelieutenant Prinz Carl von Preußen, Königliche Hoheit,

Secondelieutenant Philipp Adam von Gerhardt,

Secondelieutenant Gustav von Oppen,

Secondelieutenant Carl August von Brandenstein,

Secondelieutenant Eduard Graf von Waldersee,

Secondelieutenant Georg Carl Heinrich Wilhelm von Schlabrendorff,

Secondelieutenant Friedrich Ernst Emanuel von Crety,

Secondelieutenant Alexander Levin Joachim von Zenge,

Secondelieutenant George Ehrenreich Ernst von Guretzky und Cornitz,

Secondelieutenant Carl Adolph von Massenbach,

Secondelieutenant Ludwig August Leopold Graf von Schwerin,

Secondelieutenant Adolph von Rhade,

Secondelieutenant Eduard von Byern,

Secondelieutenant Gustav Albert Louis von Rauch,

Secondelieutenant Carl Leopold Wilhelm August von Heister,

Secondelieutenant Ernst von Brederlow,

Secondelieutenant Carl Ludwig Friedrich Ferdinand von Kropf,

Secondelieutenant Johann Ludwig Wilhelm Stach von Goltzheim,

Secondelieutenant Herrmann Otto von Witzleben,

Secondelieutenant Carl Heinrich Friedrich Ernst Joachim von Pritzelwitz,

Secondelieutenant Ernst Heinrich von Ledebur,

Portepeefähnrich Franz Carl Graf von Schlippenbach,

Junker Carl Ernst von Waldow,

Junker Leonhardt von Valentini,

Unterofficier Friedrich Gustav Graf von Waldersee,

Portepeefähnrich Eugen von Schierstädt,

Portepeefähnrich Ferdinand Joseph von Schachtmeyer,

Portepeefähnrich Friedrich August Ferdinand von Hagen,

Portepeefähnrich Gustav von Kessel,

Portepeefähnrich Wilhelm Herrmann Heinrich von Thümen,

Portepeefähnrich Carl von Witzleben,

Portepeefähnrich Friedrich Heinrich Wilhelm von Caprivi,

        zur Anstellung notirt:

Junker Theodor von Knobloch,

       

        Aggregirt:

Capitain von Rembow,

Capitain Carl Wilhelm von Bülow,

Stabscapitain Ferdinand Wilhelm von Werder,

Premierlieutenant Franz Dietrich Friedrich Ferdinand von Schierstädt,

Secondelieutenant Friedrich Wilhelm von Strantz,

Secondelieutenant Otto Friedrich Emich Graf zu Solms-Wildenfels,

Secondelieutenant Friedrich Wilhelm von Grävenitz,

Secondelieutenant Johann Carl Franz von Hagen,

Secondelieutenant August Wilhelm von Rappold,

Secondelieutenant Friedrich Wilhelm von Knobelsdorff.

 

        A la suite des Regiments:

Oberst und Brigadier Prinz Carl von Mecklenburg-Strelitz,

Major Wilhelm Krauseneck.

 

        Garde-Garnison-Compagnie:

Major Ludwig von Rekowski,

Stabscapitain Heinrich Wilhelm Adrian von Wienskowsky,

Stabscapitain von Felten,

Stabscapitain Carl von Fock,

Stabscapitain Catrl von Dehrmann.

 

        Unterstab:

Generalchirurg Johann Wilhelm Dr. Wiebel.

Kriegsrath und Auditeur Georg Carl Walther von Waltershausen.

Regimentschirurg Johann Carl Horlacher.

In Dresden wurden die Capitains von Carlowitz und von Hohendorff, welche in Schlesien Reserve-Bataillone aufgestellt hatten, zu Majors und Kommandeuren der genannten Bataillone ernannt und schieden somit aus dem Regiment aus. Major Wilhelm Baron von Müffling, bisheriger Kommandeur des II. Bataillons und Chef der 5. Kompagnie wurde am 05.04.1813 zum Kommandeur des Normal-Infanteriebataillons ernannt. Major Friedrich Vollrath Graf zu Löwensten-Wertheim wurde vom Normal-Infanteriebataillon zum Regiment Garde zu Fuß versetzt und der Nachfolger in beiden Positionen. Am 07. und 08.04.1813 marschierte das Regiment Garde zu Fuß weiter und rückte am 09.04. in seine Kantonierungen in Nossen. Dort übernahm am 09.04.1813 Major Friedrich Johann Carl Gebhard von Alvensleben interimistisch das Kommando des Regiments Garde zu Fuß, da Oberstlieutenant Ernst Ludwig von Tippelskirch schon am 26.03.1813 zum Brigadier ad interim der Infanteriebrigade ernannt worden war. Die Bataillone exerzierten nun die nächsten Tage und es wurden auch Scheibenschießen durchgeführt.

Während des Stillstandes in Nossen und Umgebung standen die 9. und 10. Kompagnie auf Vorposten in Ober- und Nieder-Marbach. Die 9. hatte dabei eine Feldwache auf der Chaussee nach Waldheim ausgesetzt, die 10. eine solche vor Ober-Marbach. Die Posten standen längs des Stritz-Baches. Am 08.04.1813 besetzten die 9. und 11. Kompagnie Etsdorf und gaben ein Piket von 1 Unteroffizier und 50 Mann nach Beeringen. Es wurde eine Disposition für den Fall einer Alarmierung der Brigade ausgegeben, wonach bei einem Angriff das rechte Mulde-Ufer verteidigt werden sollte. Ferner erließ General von Blücher zwei Armeebefehle über den Sicherheitsdienst in den Kantonements und einen anderen über die Gefechtsbereitschaft.

Währenddessen rückte auch das Garde-Ersatz-Bataillon aus Breslau ab. Die Regimentsgeschichte berichtet: "Das Bataillon rückte dann unter Zurücklassung eines Depots von 5 Officieren, 16 Unterofficieren, 12 Hautboisten und den am unvollkommensten ausgebildeten Mannschaften am 11. April über Görlitz und Lauban ab und marschirte am 24. mit den Russischen Garden und den beiden Monarchen in Dresden ein. Hier erhielt das Bataillon nun den Namen »Königswache«. Zur Schlacht von Groß-Görschen rückte es nicht mit aus, sondern blieb in Dresden."

Es gingen die folgenden Offiziere vom Garde-Reserve-Bataillon (Königswache) mit nach Sachsen:

Kommandeur Major Ernst Carl Samuel von Schachtmeyer vom Normal-Bataillon

Adjutant Secondelieutenant Johann Leo Carl Graf von Schlieffen, II. Bataillon, Regiment Garde zu Fuß

 

1. Kompagnie

Secondelieutenant Johann Carl von Möllendorff, dito

Secondelieutenant Ludwig Friedrich Valentin von Massow, I. Bataillon, Regiment Garde zu Fuß

 

2. Kompagnie

Secondelieutenant Wilhelm Erdmann Graf von Pückler, I. Bataillon, Regiment Garde zu Fuß

Secondelieutenant Friedrich Adam von Gerhardt, dito

 

3. Kompagnie

Secondelieutenant Heinrich Ferdinand von Broscowinus, Normal-Bataillon

Secondelieutenant von Knobelsdorff, dito

 

4. Kompagnie

Secondelieutenant Carl Albert von Griesheim, Regiment Garde zu Fuß

Secondelieutenant Ernst von Brederlow, Regiment Garde zu Fuß

 

Im Depot in Breslau blieben:

Stabscapitain von Schachtmeyer, Normal-Bataillon

Secondelieutenant Carl Leopold von Heister, I. Bataillon, Regiment Garde zu Fuß

Secondelieutenant Albert Louis von Rauch II, Füsilierbataillon, Regiment Garde zu Fuß

Secondelieutenant von Herwarth, Normal-Bataillon

 

Beim ebenfalls in Breslau stehenden freiwilligen Reserve-Jäger-Detaschement des Regiments Garde zu Fuß befanden sich Stabscapitain Ferdinand Wilhelm von Werder und Secondelieutenant Carl August von Brandenstein.

Am 21.04.1813 marschierte die Brigade weiter nach Rochlitz in die ehemaligen Quartiere der Brigade Zieten. Dort stand die Brigade bis zum 24.04.1813. Am 25.04. wurde das Füsilierbataillon des Regiments Garde zu Fuß von der Reserve-Brigade abkommandiert und stattdessen zum Hauptquartier des Generals von Blücher nach Altenburg kommandiert. Das Normal-Infanteriebataillon ersetzte die Füsiliere bei der Avantgarde der Reserve-Brigade. Bei Altenburg stand das Füsilierbataillon von allen Infanterieverbänden am nächsten zum Feinde, nur die Kavallerie patrouillierte jenseits der Saale und somit noch näher am Gegner. Es wurde allgemein befohlen, daß die Volontär-Jäger-Kompagnien niemals ganz von ihren Bataillonen getrennt werden dürften und höchstens ¼ von ihnen detaschiert werden sollte. Die ganze Armee wurde in engere Kantonements gezogen. am 26.04.1813 erfuhr man, daß die Franzosen von Jena her im Anmarsch seien. Drei Kanonenschüsse waren das Signal, daß die Reserve-Brigade in der Nähe von Altenburg konzentriert werden solle.

Fürst Michail Illarionowitsch Kutusow wurde bei den Kämpfen um Tillendorf (heute: Bolesławice) schwer verwundet und verstarb am 28.04.1813 im benachbarten Bunzlau (heute: Bolesławiec). Sein Nachfolger als Oberkommandierender der Preußisch-Russischen Truppen wurde Ludwig Adolph Peter (Pjotr Christianowitsch) Graf zu Sayn-Wittgenstein.

Kaiser Napoléon rückte Ende April 1813 mit seiner neu aufgestellten Armee über Weissenfels nach Leipzig. Am 29.04.1813 erreichte er Naumburg, am 30.04. Weißenfels und am 01.05.1813 Lützen, wo er die Nacht am Denkmal für den 1.632 gefallenen Schwedenkönig Gustav Adolf verbrachte. Die verbündeten Armeen erkannten die Vormarschbewegungen der Franzosen, die beiden zwischen Pleiße und Elster im Ruhelager befindlichen preußischen Korps unter dem Befehl der Generale Gebhardt Leberecht von Blücher und von Yorck gerieten in Gefahr, von den napoleonischen Truppen überrannt zu werden. Am 29.04.1813 erhielt das Füsilierbataillon Marschordre. Es wurden aus diesem und dem Gardejägerbataillon zwei Bataillone formiert. Das erste stand unter dem Befehl von Major von Seidlitz und bestand aus: 10./12. Kompagnie Füsilierbataillon Regiment Garde zu Fuß, 2 Kompagnien des Gardejägerbataillons, 1 Kompagnie Volontär-Jäger des Gardejägerbataillons. Das zweite Bataillon stand unter Major von Block und bestand aus: 9./10. Kompagnie Füsilierbataillon Regiment Garde zu Fuß, 2 Kompagnien Gardejägerbataillon, 1 Kompagnie Volontär-Jäger des Füsilierbataillons des Regiments Garde zu Fuß. Das Bataillon Seidlitz marschierte nach Zeitz, das Bataillon Block nach Gera wo es dem Befehl des Oberstlieutenants von Werder unterstellt wurde, der dort die leichte Kavallerie kommandierte und Detaschements bis zu Saale vorgeschoben hatte. Das Bataillon Block gelangte am 30.04.1813 um 03:00 Uhr in Gera an und biwakierte auf dem Marktplatz. Um 11:30 Uhr wurde es alarmiert und Major von Block erhielt von General von Gneisenau den Befehl, sogleich nach Borna zurückzugehen mit der Weisung, daß wenn man beim Marsch auf den Gegner stieße, Block möglichst in dessen rechter flanke operieren solle. Die Tornister wurden auf die Wagen geladen und um 13:00 Uhr trat das Bataillon an. Es vereinigte sich 2 Stunden von Gera entfernt mit dem Ostpreußischen Kürassierregiment und erreichte um 05:00 Uhr, nach fast ununterbrochenem 36-Stunden-Gewaltmarsch, Borna. Kein Mann war auf dem Marsch zurückgeblieben. Der König erreichte am gleichen Morgen Borna. Am Nachmittag marschierte das Bataillon Block weiter durch Rötha nach Böhlen, wo es sich mit dem Seidlitzschen Bataillon wieder vereinigte.

Am 30.04.1813 standen die Hauptkräfte der verbündeten Armeen zwischen Zwenkau und Penig, also in der Mitte der drei großen von der oberen Saale nach der oberen Elbe führenden Straßen. Leipzig war nach wie vor von den Franzosen besetzt. An diesem Tage faßte man im Hauptquartier Sayn-Wittgensteins den Entschluß, den Feind auf dem Marsch nach Leipzig in der rechten Flanke seiner Marschkolonnen anzugreifen und wollte daher die eigenen Kräfte entlang der Straße von Leipzig nach Weißenfels konzentrieren. Am 01.05.1813 rückten die Alliierten noch enger zusammen. Blücher ging in ein Biwak bei Rötha, Miloradowitsch nach Altenburg, die Reserve nach Lobstedt an der Pleiße.

Die Reserve-Brigade von Roeder und mit ihr die Grenadierbataillone des Regiments Garde zu Fuß, war derweil in Nossen stehen geblieben. Am Morgen des 01.05.1813 erhielt sie den Befehl, unverzüglich nach der Gegend von Rötha zu marschieren und dort zu biwakieren. Um 16:00 Uhr erreichte sie Espenhain, ca. 1 Stunde vor Borna, und bezog nun ein Biwak in einem kleinen Busch.

Um Zeit zur Konzentrierung zu gewinnen und noch näheren Aufschluß über die Bewegungen des Feindes zu erhalten, sollte Winzingerode mit seiner Kavallerie am 01.05.1813 auf der Straße von Lützen nach Weißenfels aufklären, während sich seine Infanterie bei Meuchen am Floßgraben aufstellen sollte.

Napoléon befahl derweil dem Vizekönig mit seinen Truppen an diesem Tage, dem 01.05.1813, von Merseburg nach Leipzig vorzugehen. Dem Marschall Michel Ney (10.01.1769 - 07.12.1815) befahl er sich mit seinen Truppen des III. Korps auf Lützen zu dirigieren. Marschall Auguste-Frédéric-Louis Viesse de Marmont, Herzog von Ragusa (Dubrovnik) (20.07.1774 - 02.03.1852) sollte mit 2 Divisionen seines VI. Korps so nahe als möglich an Weißenfels herankommen, die dritte Division und den Artilleriepark als Reserve bei Naumburg versammeln. Ney sollte aus jeder Division 5 bis 6 Gefechtskolonnen bilden und diese in weiten Intervallen marschieren lassen um bei einem Mangel an Kavallerie eine breite Front bilden zu können. Als Ney den Rippach-Bach überschreiten wollte, stieß er auf Winzingerodes Kavallerie, welche jedoch der französischen Artillerie, die Ney vorgezogen hatte, nicht gewachsen war. Die Kavallerie zog sich daraufhin auf Lützen zurück, wurde hier jedoch in der linken Flanke durch die Truppen den Vizekönigs bedroht und so mußten sich die Reiter nach rechts hinter die bei Meuchen stehende Infanterie Winzingerodes zurückziehen. Geschlossen marschierten die Truppen Winzingerodes in der Nacht auf Zwenkau zurück. In dem kleinen Gefecht beim Rippach-Bach war Marschall Bessiére gefallen. Vom III. Korps des Marschalls Ney, das teils auf Lützen, teils rechts abbiegend in Verfolgung Winzingerodes auf Kaja gegangen war, besetzte die Division Kellermann Groß-Görschen, Souham die Dörfer Rahna und Kaja, Girard besetzte Starfiedel, die Truppen Brenniers und Riccards standen weiter rückwärts gegen Lützen, Marcaud nahe bei diesem Ort. In Lützen selber stand der Kaiser mit seiner alten Garde. Das VI. Korps unter Marschall Marmont stand mit der 1. Division am Rippach-Defilee, mit der 2. bei Löxern, die Reserveartillerie in Weißenfels. Die 3. Division stand in Naumburg mit dem Befehl, am 02.05.1813 morgens sich den beiden anderen Divisionen des Korps Marmont anzuschließen. Die junge Garde stand in Weißenfels. Das IV. Korps des Marschalls Henri-Gratien, comte Bertrand (28.03.1773 - 31.01.1844) stand mit der Tete in Kösen, erhielt jedoch Befehl, am nächsten Morgen nach Kaja zu marschieren. Eine Division dieses Korps stand noch bei Dornburg. Das XII. Korps des Marschalls Charles-Nicolas Oudinot, Herzog von Reggio (25.04.1767 - 13.09.1847) stand 11,5 Meilen entfernt bei Kahla, "...auf seine Mitwirkung war also in den nächsten Tagen nicht zu rechnen." schlußfolgert die Regimentsgeschichte. Das V. Korps des Generals Alexandre-Jacques-Bernard Law, Marquis de Lauriston (01.02.1768 - 10.06.1828) stand bei Schladebach, auf der Straße von Weißenfels nach Lützen. Das I. Kavallerie-Korps noch weiter rückwärts. Das XI. Korps des Marschalls Étienne Jacques Joseph Alexandre Macdonald (17.11.1765 - 24.09.1840) stand bei Markranstädt, wohin sich Macdonald gezogen hatte, als er die Kanonade gegen die Truppen Winzigerodes gehört hatte. Die Truppen der Franzosen und deren Vasallen zählten etwa 150.000 Mann, wogegen die Alliierten nur etwa 74.000 Mann zählten. Geschickt angestellt, hätte Napoléon also diese Truppen mit seiner erdrückenden Übermacht leicht zerschlagen können.

"Die Recognoszierung Winzingerodes hatte den General Wittgenstein nur über den Anmarsch des Neyschen Corps aufgeklärt, außerdem hatte er erfahren, daß das IV. Corps nach Kösen gegangen sei. Wittgenstein erwartete daher, daß die Hauptkräfte der Franzosen noch von Weißenfels im Anmarsch über Lützen nach Leipzig seien, und daß dieser Marsch am folgenden Tage fortgesetzt werden würde. Er beschloß daher, die Teten der feindlichen Colonnen bei Leipzig durch den General Kleist beschäftigen zu lassen, mit seinem Gros aber über die Elster zu gehen, möglichst rasch die Straße Lützen-Weißenfels zu erreichen, und den Feind am frühen Morgen des 2. Mai in der rechten Flanke seiner Marschcolonne überraschend anzugreifen. General Miloradowitsch bestimmte er dazu, die Elster-Defileen, und somit die linke Flanke der Verbündeten und die große Straße auf Dresden zu sichern. Nachdem die Einwilligung der Monarchen zu der für den nächsten Tag bevorstehenden Schlacht eingeholt war, gab Wittgenstein aus dem Hauptquartier Zwenkau um Mitternacht vom 1. zum 2. Mai die folgende Disposition:

    »Das Blüchersche Corps marschirt in 2 Colonnen rechts ab, überschreitet bei Wiederau und Pegau die Elster und steht früh um 6 Uhr jenseits des Floßgrabens bei Werben, mit der Richtung auf Sitteln. Das Yorksche Corps folgt der linken Colonne des Blücherschen Corps über Pegau unmittelbar und ebenso das Bergsche Corps der rechten Colonne des Blücherschen Corps über Wilderau. (Da York bei Zwenkau an der Elster, Blücher aber weiter zurück bei Rötha stand, mußte hierdurch natürlich ein zeitraubendes Kreuzen der Colonnen stattfinden. Anm. der Regimentsgeschichte) Von Winzingerodes Infanterie bleiben 12 Geschütze zur Besetzung der Defileen von Zwenkau stehen, 2 Kosacken-Regimenter bleiben auf dem linken Elster-Ufer, ziehen sich, wenn es nothwendig wird, über dieselbe zurück, und demolieren alle Uebergänge über den Fluß bis Leipzig abwärts. Der Rest von Winzigerodes Infanterie sammelt sich bei Werben, und deckt den Marsch des Blücherschen Corps. General Winzingerode giebt an Blücher seine schweren Batterien ab. (Die Preußen hatten fast gar keine 12Pfünder. Anm. der Regimentsgeschichte) Die Reserve-Armee steht um 7 Uhr bei Pegau und Wilderau, bildet die Reserve und besetzt durch Detaschements die genannten Defileen, wie die von Stönzsch und Werben über den Floßgraben. General Blücher rückt in erster Linie links vor und sucht frühzeitig mit dem linken Flügel den Gruhna-Bach zu gewinnen; ihm folgen York und Berg in 2. Linie. Die Reserve folgt in 3. Linie in solcher Entfernung, daß sie die in die erste Linie einschlagenden Kanonenkugeln nicht erreichen. Blüchers Cavallerie und reitende Artillerie geht sogleich über den Bach, um die jenseitigen Uferhöhen zu gewinnen, der rechte Flügel seines Corps bleibt fortwährend refüsiret und an den Floßgraben gelehnt, so daß das Ganze zwischen dem Floßgraben und dem Gruhna-Bach vorrückt. Will der Feind, längs des letzteren vorgehend, den rechten Flügel gewinnen, so wirkt die Artillerie gegen ihn; die Infanterie folgt in Bataillons-Colonnen nach der Mitte und wird von der Cavallerie unterstützt. Setzt sich der Feind mit bedeutenden Kräften, so geht die Cavallerie-Reserve und reitende Artillerie sogleich vor, letztere bringt ihn durch Kartätschenfeuer in Unordnung, und erstere haut ein. General Kleist fängt an zu wirken, sobald er Feuer hört, oder der Feind von ihm abläßt. Wird er stark gedrängt, zieht er sich auf Wurzen, zerstört die Passagen auf der Dresdener und Eilenburger Straße und unterhält durch Kosacken die Verbindung mit der Armee. Miloradowitsch geht gegen Zeitz vor, und rückt der Feind mit Macht von Weißenfels vor, so rückt die Reserve-Armee von Stönzsch aus in seine linke Flanke. Der Zweck aller dieser Bewegungen ist: »Gewinnung der rechten Flanke des Feindes, daher die Truppen immer links halten müssen.«" (aus der Regimentsgeschichte)

Diese erst sehr spät ausgegebene Disposition kam bei den meisten Truppen gar nicht mehr an, doch waren sie meist schon vorher in den entsprechenden Richtungen in Marsch gesetzt worden. Den preußischen Truppen gelang es, trotz anstrengenden Nachtmarsches, der vorübergehend zu Stockungen der ineinander verkeilten Verbände führte, am Morgen des 02.05.1813 die Gegend zwischen Groitzsch und Pegau zu erreichen. Hier hatten sich inzwischen Zar Alexander I. von Rußland und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen eingefunden, die den Vorbeimarsch der preußischen Regimenter abnahmen. Eine als Spähtrupp vorausgeschickte Eskadron der Gardes du Corps klärte bis Groß-Görschen auf und stellte anmarschierende französische Truppen fest. Nach Gefangennahme eines feindlichen Soldaten wusste man, daß es sich um die Armee des Marschalls Ney  handelte, daraufhin nahmen die preußischen Korps sofort Aufstellung zur Schlacht, diese Vorbereitungen dauerten ziemlich lange und führten dazu, daß sie von den Franzosen erkannt wurden. Die Reservebrigade des Generals Roeder, welche noch im Biwak hinter Borna lag, erhielt erst gegen 00:00 Uhr den Befehl zum Marsch auf Pegau.

Napoléon hatte am 01.05.1813 nur feindliche Kavallerie gesehen, er rechnete daher wahrscheinlich nicht mit stärkerem Widerstand der Verbündeten vor Leipzig. Jedoch seine rechte Flanke ließ er in einem Befehl vom 02.05.1813 um 04:00 Uhr stärken, der in der Regimentsgeschichte wörtlich zitiert wird: "Der Vice-König sollte das V. Corps auf Leipzig vorgehen lassen, das XI. bei Markranstädt concentriren und der Marschall Macdonald von dort aus eine Recognoscirung auf Zwenkau und Leipzig vorsenden, um mit dem V. Corps in Verbindung zu bleiben. Ney sollte seine 5 Divisionen sammeln und zwei starke Recognoscirungen auf Zwenkau und Pegau vorsenden. General Bertrand (IV. Corps) sollte Nachmittag 3 Uhr in Kaja sein, Marschall Marmont (VI. Corps) sollte aus der Aufstellung am Rippach-Bach nach Pegau marschiren, und die Streitkräfte der Alliirten daselbst aufklären, und Alles über den Haufen werfen, was er an schwächeren Kräften daselbst finden würde, sich aber nicht durch den Schein täuschen lassen."

Marmont marschierte daher über Starsiedel nach Pegau, Bertrand über Aupitz und Starsiedel auf Kaja. So kam es, daß das VI. und IV. Korps ohne eindeutigen Befehl mitten auf das kommende Schlachtfeld marschierten ohne es zu ahnen. Der Korse wollte offenbar in 2 Kolonnen über die Elster gehen, die Garde und das III., Korps je nach den Umständen über eines der beiden Defileen folgen zu lassen.

Das Gelände zwischen dem Floßgraben und dem Gruhna-Bach war sanft gewellt und wurde nach Norden hin immer flacher. Der flache "Monarchen-Hügel" ließ einen das ganze Gelände von dort aus überblicken. Der Raum zwischen den nahe beieinander gelegenen Dörfern Groß-, Kleingörschen, Kaja und Rahna bildete einen Komplex von Ortschaften, Wiesen, Gruben Gebüsch und kleinen Wäldchen, er war also für verteidigende Infanterie gut geeignet. Die Häuser bestanden meist aus Fachwerk und Lehm, die Grundstücke waren mit hohen Hecken oder Korbgeflechten umgeben. Eindringende Kanonenkugeln würden also Löcher reißen, die Gebilde aber nicht einreißen und Steinsplitter komplett entfallen. Die Senke zwischen Rahna und Starsiedel war für alle Waffen gut zu überschreiten, mit Ausnahme des Hohlweges. Nördlich wurde sie von einem Höhenrücken begrenzt. Von Süden nach Norden, wie auch von Osten nach Westen durchzogen überall lange und tiefe Hohlwege das Gelände, die der Kavallerie das Terrain erschwerten und überdies erst zu sehen waren, wenn man unmittelbar vor ihnen war. Die Wege selbst waren eben, da sie die Wellen des Geländes durchschnitten. Der Floßgraben hatte 6 - 10 Fuß hohe, steile, mit Obstbäumen besetzte Ufer. Er war also trotz seines geringen Tiefganges für Artillerie und Kavallerie ein bedeutendes Hindernis. Diese Waffen waren also auf die vorhandenen Übergänge angewiesen.

Skizze der Schlacht von Groß-Görschen am 02. Mai 1813

Die in der Frühe des 02.05.1813 von Napoléon befohlenen Steifen blieben erfolglos, da sie überall, wo sie sich zeigten, von Winzigerodes Kosaken zurückgeworfen wurden. Die befohlene Zusammenziehung des Korps Ney unterblieb, sodaß die Verbündeten auf die einzelnen Divisionen bei den Dörfern stießen, wo diese die Nacht verbracht hatten. Am 02.05.1813 rückte um 09:00 Uhr das V. Corps von Schladebach auf Leipzig. Auf der Höhe von Günthersdorf stieß man auf alliierte Kavallerie. Die an der Tete marschierende Division Maison entwickelte sich sogleich mit dem vorgeschobenen linken Flügel zum Angriff. Das 1. Kavallerie-Korps setzte sich in Markranstädt an die Tete des XI. Korps und marschierte in Richtung Leipzig. Bei der Kavallerie befand sich auch der Kaiser der Franzosen. So rückte also der Vizekönig auf beiden Straßen gegen Leipzig vor, während Marmont auf Starsiedel und Bertrand von Kösen aus ebenfalls auf Starsiedel marschierte. Das III. Korps und die Garde blieben in der Stellung, die sie in der Nacht eingenommen hatten. Auf alliierter Seite stand um 06:00 Uhr die Infanterie Winzingerodes unter dem Prinzen Eugen von Württemberg in Werben bereit. "Blücher, um Mitternacht aufgebrochen, war, mit Ausnahme der Brigade von Roeder, ebenfalls ziemlich rechtzeitig an Ort und Stelle. Indeß bei der Verspätung der übrigen Corps, namentlich der Reserven, konnte sich die Armee erst um 10 Uhr jenseits des Floßgrabens zwischen Werben und dem Gruhna-Bach formiren, wo sie durch das sanft steigende vorliegende Terrain gegen Einsicht von Norden her gedeckt war." berichtet die Regimentsgeschichte. Die heranmarschierende Reservebrigade von Roeder vereinigte sich kurz vor Pegau mit dem aus Böhlen nahenden Füsilierbataillon des Regiments Garde zu Fuß und dem Gardejägerbataillon. Vor Pegau hielten König Friedrich Wilhelm und Zar Alexander an und ließen die Brigade Roeder vor sich defilieren. Danach ging der weitere Marsch auf Kondorf. Hinter diesem Dorf wurde die Brigade formiert.

Die Ordre de bataille der Reservebrigade von Roeder am 02.05.1813 war:

1. Treffen: Leibgrenadierbataillon, 3 Musketierbataillone des Leibinfanterieregiments, Ostpreußisches Grenadierbataillon

2. Treffen: Füsilierbataillon Regiment Garde zu Fuß, I. Bataillon Regiment Garde zu Fuß, II., Bataillon Regiment Garde zu Fuß, Normal-Infanteriebataillon

Reserve: Gardejägerbataillon

Die Brigade war nahezu 24 Stunden in ununterbrochener Bewegung gewesen und stand nun nach der Mitte in Kolonne formiert. Endlich waren alle  alliierten Truppen um 10:00 Uhr so geordnet, daß man mit dem Angriff beginnen konnte. Das Korps Blücher stand mit den Brigaden Hans Ernst Karl Graf von Ziethen (1770-1848) und Franz Friedrich Karl Ernst von Klüx (1776-1858) im vordersten (1.) Treffen, dann als 2. Treffen die Reservebrigade von Roeder. Dahinter, als 2. Linie, hatte das Korps des Generals von Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg (26.09.1759 - 04.10.1830) links und das russische des Generals Berg rechts Aufstellung genommen, ein zweites russisches Korps war zum Schutz des Hauptquartiers der beiden Monarchen und des Oberbefehlshabers der alliierten Truppen bereitgestellt worden. Die Korps Yorck und Berg wurden beide vom General Yorck kommandiert. Hinter diesen beiden Treffen stand die Kavallerie und Infanterie Winzingerodes. Auf dem linken Flügel Blüchers stand seine Reservekavallerie, die Reserveartillerie befand sich jedoch zu diesem Zeitpunkt noch beim Übersetzen über die Elster. Die Batterien der Brigaden befanden sich vor der Front, die Brigadekavallerien jeweils im dritten Treffen. Die Regimentsgeschichte berichtet nun:

"Unbegreiflicher Weise, da man so viele Kosacken bei sich hatte, wußte man bei der Armee Nichts von der Aufstellung des III. französischen Corps in den vorliegenden Dörfern. Nach der Entwickelung der Armee ruhte dieselbe ½ Stunde, und 1 Schwadron Garde du Corps, unter Rittmeister von Zollikoffer, ging in der Ebene gegen Lützen vor, ebenso Patrouillen längs und über den Gruhna-Bach. Bald gewahrte man auf der Lützen-Leipziger Straße den Staub marschirender Colonnen und ein Bivouak bei Groß-Görschen. ein Gefangener sagte aus, daß hinter Kaja das Ney´sche Corps stände. Wittgenstein überzeugte sich durch Vorreiten auf den Monarchenhügel von der Richtigkeit dieser Angabe. Bald sah man auch den Dampf einer Kanonade in der Richtung auf Leipzig. Wittgenstein hielt die Truppen bei Groß-Görschen nur für eine seitwärts vorgeschobene Abtheilung und glaubte ihr Gros bei Lützen aufgestellt. In dieser Idee befahl er die vorliegenden Dörfer durch eine Brigade anzugreifen, zu nehmen, gegen den feindlichen rechten Flügel vorzugehen, und ihn im Verein mit der Cavallerie Winzigerodes von Weißenfels abzuschneiden. Die Armee trat an."

General Graf Wittgenstein erteilte genau 12 Uhr mittags dem General Blücher den Angriffsbefehl mit den Worten: „Mit Gottes Hilfe vorwärts!“. 30 Geschütze der preußischen Artillerie eröffneten die Schlacht mit einem Feuerüberfall auf das Biwak der Franzosen in Groß-Görschen, nach dem Feuerschlag traten die beiden preußischen Korps in breiter Front zum Sturm an. So begann denn nun endlich die lang ersehnte Schlacht und damit endlich die Chance, den Franzosen die Niederlage von Jena und Auerstedt von 1806 zurückzuzahlen. Die Regimentsgeschichte berichtet weiter:

"Vom Blücherschen Corps die Brigade Klüx links und Zieten rechts - dahinter die Brigade Roeder, wie Wittgenstein sich ausdrückte, als bewegliche Reserve. Hinter Blücher folgte York, rechts von ihm das Berg´sche Corps. Die Preußische Reserve-Cavallerie trabte links auf Starsiedel zu, um den Feind bei seinem Rückzug aus den Dörfern zu überfallen. Ihr Generalstabs-Officier, Major von Grolmann , bemerkte eine feindliche Colonne vom Rippachbach im Anmarsch auf Starsiedel. Es waren die beiden ersten Divisionen des Marmont´schen Corps. Die Cavallerie Winzingerodes war der Preußischen Reserve-Cavallerie gefolgt. Seine Infanterie unter dem Prinzen Eugen von Württemberg nahm dahinter ihre Aufstellung. Der Prinz, gleichfalls den Anmarsch der feindlichen Colonnen bemerkend, bat dringend, Starsiedel vor dem Feinde besetzen zu dürfen. Wittgenstein verweigerte es, er wollte erst die vier Dörfer nehmen. Die Brigade Klüx ging nun etwa um 12 Uhr gegen das von Kellermann besetzte Groß-Görschen vor. Eine russische 12pfünder-Batterie begleitete die Brigade. Die Brigade nahm das lebhaft vertheidigte Dorf und verfolgte den fliehenden Feind, der sich erst hinter einem von Rahna nach Klein-Görschen fließenden, mit Weidenbäumen besetzten Bach setzte, hier aber durch das Gros der Division Souham so verstärkt wurde, daß ein weiteres Vorgehen der Brigade Klüx unmöglich wurde. Die Brigade Zieten rückte zu ihrer Verstärkung nach. Ein Versuch des Feindes, mit Infanterie aus Starsiedel zu debouchiren, unterstützt von einer jenseits der erwähnten Senkung etablirten Batterie, war durch den Prinzen Wilhelm an der Spitze der Brandenburgischen Kürassiere zurückgeworfen. Es wurde nun eine Batterie von 16 reitenden Geschützen aufgestellt, um ein wiederholtes Debouchiren zu verhindern."

Schlesische Schützenbataillone und das freiwillige Jägerdetaschement des preußischen Adels nahmen also im ersten Schwung den strategisch wichtigen Hohlweg südlich von Groß-Görschen, die französischen Verteidiger wurden geworfen, die nachfolgenden westpreußischen Infanterieregimenter Nr. 6 und 7 stießen durch die entstandene Lücke, drangen bis zum Dorfrand vor und konnten hier zwei Geschütze erbeuten, dann begann der Kampf Mann gegen Mann, die Franzosen verteidigten sich sehr tapfer und wehrten jedes weitere Eindringen der Preußen in das Dorf erbittert ab, bald stand Groß-Görschen in einer Feuerlohe; jedes Gehöft brannte.  Die Brigade des Generals Klüx kam nicht mehr weiter, nun befahl Blücher den Entlastungsstoß durch die Truppen des Generals von Zieten, da nun auch weitere französische Verbände des Generals Marmont im Anmarsch auf Groß-Görschen, Klein-Görschen, Rahna und Kaja gemeldet waren. Nun wurde, wie oben berichtet, die bisher als Reserve zurückgehaltene preußische Kavallerie des Prinzen Wilhelm von Preußen (1783-1851) zum Gegenangriff angesetzt. Es gelang zwar den Franzosen noch schnell in Stellung zu gehen und ein Karree zu bilden, doch dann waren auch schon die Reiterregimenter heran und diese stürzten sich sofort in die französischen Scharen, entrissen ihnen im ersten Anlauf zwei Geschütze und sprengten das Karree auf. Damit wurde die dringend notwendige Entlastung für die Brigade des Generals Klüx geschaffen, die nun wieder Luft schöpfen konnte. Gleichzeitig gelang es den Regimentern des Generals von Zieten Boden zu gewinnen und so griffen diese Truppen nun die auseinandergesprengten französischen Regimenter an.

Kaiser Napoléon, der die Masse der preußischen und russischen Truppen bei Leipzig erwartete und durch seine Vorhuten Verbindung mit dem Detaschement Kleist bei Lindenau aufgenommen hatte, wurde durch die ersten Meldungen von der Schlacht bei Groß-Görschen vollkommen überrascht. Er fasste sich aber schnell, drehte seine Armee um und befahl: „La garde au feu!“ („Die Garde ins Feuer!“). Marschall Ney hatte inzwischen einen genauen Überblick über die Lage erhalten und alle erreichbaren französischen Regimenter zusammengefasst, um einen Widerstandsriegel aufzubauen, an dem sich die preußischen und russischen Angriffe totlaufen sollten. Die Regimentsgeschichte berichtet:

"Napoleon war indeß, das XI. Armee-Corps begleitend, bis in die Gegend von Schönau gekommen. Das V. Corps stand bereits gegen Kleist bei Lindenau im Feuer. Als er gegen Mittag die Kanonade bei Pegau hörte, und südlich von Lützen tiefe Colonnen nordwärts marschiren sah, erkannte er sofort, wo ihm Gefahr drohte. Er ertheilte daher Ney den Befehl, die Höhen von Kaja und Starsiedel unter allen Umständen zu halten, während die anderen Corps sich ihm rechts und links anschließen würden. Der Vicekönig sollte mit seiner Division Kleist auf Leipzig folgen, diesen Ort besetzen, die übrigen 3 Divisionen aber auf der Straße nach Markranstädt echellonniren. Das XI. Corps sollte mit dem 1. Cavallerie-Corps über Räpitz und Meyhen vorgehen. Das VI. und IV. Corps wußte er im Marsch auf das Schlachtfeld. Er selbst eilte über Lützen, wo seine Garden waren, mit diesen nach dem Ort der Entscheidung."

Die Brigaden Klüx und Zieten setzten während dieser Zeit den Angriff fort, Klüx erstürmte Klein-Görschen, Zieten Rahna. Das Dorf Klein-Görschen wurde von den Schlesischen Infanterieregimentern Nr. 10 und 11 genommen, die dann noch auf Rahna vorstießen und auch dieses Dorf in ihren Besitz brachten. Marschall Ney befahl nun aus der Bewegung heraus den Gegenangriff aller französischen Truppen, diese griffen unter dem Signal der Clairons und mit wehenden Fahnen an und konnten die Preußen aus Klein-Görschen und Rahna vertreiben. In der Regimentsgeschichte heißt es weiter:

"Die von Starsiedel, wo Marmont eingetroffen, herbeieilende Division Girard eroberte die beiden Dörfer zurück. Als dies bemerkt wurde, hielt man das auf Starsiedel in Bewegung gesetzte Corps Bergs zurück. Es war der entscheidende Moment der Schlacht, wenn man ihn benutzte, und mit großen Massen die Dörfer nahm. Dies geschah aber nicht. Zur Deckung der durch Marmont bedrohten linken Flanke, setzte sich die Cavallerie Winzingerodes auf den linken Flügel der Preußischen Reserve-Cavallerie bis gegen Kölzen hin. Die ganze Marmontsche Artillerie beschoß diese beiden Cavallerien."

General Blücher musste nun also seine letzte Reserve, die Gardebrigade des Generals von Roeder (1776-1834) einsetzen, wenn er nicht eine Niederlage erleiden wollte.  Es war 14:00 Uhr, als die Brigade von Roeder den Befehl bekam, gegen Rahna und Klein-Görschen vorzugehen. Es war exakt der Moment, als die Französischen Divisionen Marchand und Rochambeau gegen Groß- und Klein-Görschen vorgerückt waren und die Brigaden Klüx und Zieten zum Rückzug gezwungen hatten. Klein-Görschen war dabei gefallen, in Groß-Görschen hielten sich die Preußen noch. In der Regimentsgeschichte heißt es nun:

"Das Garde-Füsilier-Bataillon, nach der Ordre de bataille auf dem rechten Flügel des 2. Treffens, erhielt zuerst den Befehl, die in Groß-Görschen befindlichen Truppen zu unterstützen. Major von Block überzeugte sich, daß dies nicht mehr nöthig sei, wohl aber dem Feinde, welcher zwischen Rahna und Groß-Görschen vordrang, entgegen gegangen werden mußte. Die Tirailleurs des Bataillons wurden daher vorgenommen; sie erstreckten sich mit ihrem linken Flügel bis Rahna, der rechte war mit den Tirailleurs der Brigade Klüx in Verbindung. Der Feind hatte seine Massen zwischen Rahna und Kaja concentrirt. Die Meldung hiervon wurde an den Brigadier Oberstlieutenant von Tippelskirch geschickt. Dennoch avancirte die Tirailleurlinie, welche nach und nach durch die ganze 11. Compagnie, einen Theil der Jäger-Compagnie und das ganze 3. Glied des Bataillons verstärkt war, und warf die feindlichen Tirailleurs hintereinander aus verschiedenen Gräben. Der Rest des Bataillons blieb in Colonne und warf sich platt auf die Erde, um vom Feuer weniger zu leiden. Um, diese Zeit marschirte das Leib-Grenadier-Bataillon hinter dem Füsilier-Bataillon weg, und löste eine Tirailleurlinie auf dem linken Flügel der Füsilierlinie auf. Der Major von Block übernahm den Befehl der ganzen Linie und wurde hierbei am Arm blessirt, blieb aber ruhig im Gefecht. Er übergab dem Hauptmann von Roeder den Befehl, mit dem Bataillon in Sektionen rechts abzumarschiren und im Graben entlang sich, hinter einer kleinen Erhebung, auf den rechten Flügel der Tirailleurs zu setzen. Der General von Blücher kam, als diese Bewegung eben ausgeführt war, an das Bataillon herangeritten und ertheilte persönlich dem Major von Block den Befehl: »Das Dorf Kaja dem Feinde zu nehmen.« Dies Dorf lag beinah im Rücken der zwischen Kaja und Rahna befindlichen feindlichen Massen; vor dem Dorfe stand ein Französisches Bataillon en ligne aufmarschirt, seine Tirailleurs vor sich in einem Graben. Das Füsilier-Bataillon marschirte im Geschwindschritt in Sektionen rechts ab; gegenüber dem Dorfe wurde Colonne nach der Mitte formirt, und mit dem Bajonett darauf losgegangen. Die feindlichen Massen standen nun in der linken Flanke des Bataillons, welches allein über die Preußische Schlachtlinie hinaus, vorging. Das französische Bataillon vor Kaja ließ die Füsiliere ruhig bis auf 10 oder 20 Schritt herankommen und gab mehrere Salven, dann aber machte es Kehrt! und stürzte auf den schmalen Eingang des Dorfes zurück. Hohe Lehmwände verhinderten jeden andern Rückzug. Das Füsilier-Bataillon folgte ihm dicht auf. Es kam hier zum Handgemenge und Gebrauch des Bajonetts. Die Füsiliere drangen zugleich mit dem Feinde ein.

"Das Füsilier-Bataillon bei Groß-Görschen-Kaja. 2.5.1813", Gemälde von Carl Röchling

Der rechte Flügel der Colonne folgte den fliehenden Franzosen bis zum jenseitigen Ausgang des Dorfes und besetzte die nördliche Lisiere, ein Theil folgte sogar über dieselbe hinaus, kehrte aber bald wieder um, da er vor sich auf französische Bataillonsmassen stieß; es war dies die junge Garde. Der linke Flügel warf sich in eine Seitenstraße und richtete von der westlichen Lisiere einhöchst wirksames Feuer auf die Massen der Division Brennier, die nur etwa 100 Schritt davon abstand. Das Bataillon befand sich in einer eigenthümlichen Lage. Zwar im Besitz des Dorfes, mußte es nothwendig verloren sein, wenn der Feind avancirte. Bald traten auch die französischen Colonnen auf allen Seiten an. Sie gingen nicht unmittelbar auf Kaja vor, sondern begnügten sich das Dorf mit Artillerie und Tirailleurs sehr heftig zu beschießen, während ein  Theil der jungen Garde zwischen dem Floßgraben und Kaja, ein anderer Theil zwischen Kaja und der Division Brennier vorging. Diese letztere machte eine Linksschwenkung, so daß sie die Front ziemlich parallel zu dem Wege von Rahna nach Kaja bekam. So lag Kaja mitten zwischen den feindlichen Colonnen; ein längeres Verweilen darin war nicht mehr möglich, da keine Unterstützung vorkam. Major von Block sammelte daher das Bataillon am südlichen Ende des Dorfes. Aber als er aus dem Hauptausgange, der auf die Straße nach Klein-Görschen führt, herausmarschiren wollte, fand er diesen schon von französischen Tirailleurs besetzt und es mußte ein schmaler Durchgang benutzt werden, welcher nur ein Passiren zu Einem gestattete. Dicht vor dem Dorfe formirte sich das Bataillon von Neuem. Die feindlichen Tirailleurs wurden über den Haufen gerannt, und im geschwinden Schritt etwa 400 Schritt zurückgegangen. Hier traf das Bataillon auf einige Bataillone der Brigade Zieten, welche der Prinz August vorführte. Major von Block ließ daher sogleich Front machen, nahm seinen rechten Flügel an den Floßgraben und bildete so den rechten Flügel der Preußischen Linie. Der Feind machte in der ganzen Front bedeutende Fortschritte und drängte die Preußische Linie bis Klein-Görschen zurück, sie zugleich mit Kartätschen überschüttend. Das Bataillon erhielt  jetzt Befehl, sich nach seinen bedeutenden Verlusten jenseits Klein-Görschen zu sammeln und sie noch zerstreuten Tirailleurs an sich zu ziehen. Es war 6 Uhr Abends, und so hatte das Bataillon 4 Stunden, im heftigsten Feuer, einer ungeheuren Uebermacht gegenüber gestanden. Beim Rückzug aus Klein-Görschen wurde der Major von Block durch eine Kanonenkugel verwundet. Trotz der furchtbaren Schmerzen blieb er noch eine ½ Stunde zu Pferde, war aber unfähig zu sprechen. Auf die dringenden Vorstellungen Sr. Königl. Hoheit des Prinzen August begab er sich endlich zurück und übergab das Bataillon dem Befehl des ältesten Hauptmanns von Roeder. Hinter Hohenlohe sammelte Hauptmann von Roeder das Bataillon und formirte es in 4 Zügen zu 2 Gliedern, bei welchen sich der Capitain von Grabow, die Lieutenants von Hagen, von Lindheim, von Wichert, von Grovestin, der Capitain a. D. von Westphal und der Lieutenant von Oppen mit einem Detaschement der freiwilligen Jäger des Bataillons waren."

General von Zieten erkannte von sich aus die Gefahr, in der die Truppen Blüchers schwebten und organisierte auf dem Schlachtfeld seine Regimenter um. Er setzte sie nun gleichfalls gegen Groß-Görschen an. Außer dem Blücherschen Korps wurde so nun nach und nach auch das Yorcksche und Bergsche Korps in das Gefecht gezogen. Die Preußen kamen zwar zum zweiten mal bis in das Dorf, doch die Franzosen verteidigten sich genau wie am Mittag mit derselben Verbissenheit und Tapferkeit. Der Dorfkampf Mann gegen Mann währte noch Stunden da keine der beiden Seiten Pardon gab. Die Schlacht schien sich gegen Abend zugunsten der Preußen zu entwickeln, als General Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg (26.09.1759 - 04.10.1830) seine letzten Reserven an Groß-Görschen heranbrachte.

Auch das I. Bataillon des Regiments Garde zu Fuß war von seiner Reserve-Stellung hinter Groß-Görschen als Unterstützung zur Brigade Klüx kommandiert worden. Das Dorf wurde daher links gelassen und vom Kommandeur Major Julius Ludwig von Pogwisch das Bataillon auf Klein-Görschen angesetzt. Kurz vor dem Dorfrand entsendeter er die Tirailleurs seines Bataillons unter Capitain von Witzleben zur Bedeckung einer Batterie. "Als das Bataillon an Klein-Görschen herankam, fand es das Dorf schon fast ganz von den Preußischen Truppen genommen, und litt daher auch nur wenig von einzelnen Schüssen feindlicher Tirailleurs. Major von Pogwisch ließ es jetzt links schwenken, und Klein-Görschen hart rechts lassend, nahm er die Direktion auf Kaja. Auf dem von hier an freien, ebenen Terrain sah man in einer Entfernung von 500 - 600 Schritt feindliche Massen aufgestellt. Man unterschied drei große Quarrees, die zwischen Kaja und Rahna aufgestellt, den Preußischen Angriff zu erwarten schienen. Major von Pogwisch ließ das Gewehr zur Attake rechts nehmen, und rückte im Trabe vor, einzelne feindliche Tirailleurs vor sich hertreibend. Indeß schon auf dieser kurzen Strecke, und bevor das Bataillon an den Feind herankam, erlitt es einen sehr bedeutenden Verlust an Mannschaften, da es einem mörderischen Kartätsch- und Klein-Gewehrfeuer ausgesetzt war. Unter den Toten zählte man schon jetzt den Major von Pogwisch und Hauptmann von Zieten. Auf 60 Schritt an den Feind herangekommen, befand sich das Bataillon nach einem ungeheuren Verluste so zusammengeschmolzen und durch frühzeitiges Traben in einem Zustande, daß die Bajonettattake nicht mehr ausführbar war. In kurzer Zeit waren, bis auf die Lieutenants von Buddenbrock und von Zenge, welcher ersterer das Commando übernahm, alle Officiere todt oder verwundet. Sechs Fahnenträger wurden hintereinander erschossen, die Fahnenstange zersplittert. Lieutenant von Buddenbrock, um den Rest des Bataillons wenigstens durch sein Feuer wirksam werden zu lassen, ließ deployiren, was aber wegen der stets durch die Kugeln wieder geöffneten Reihen schwer zu bewerkstelligen war. Ueber eine Stunde blieb dann die kleine immer mehr zusammenschmelzende Heldenschaar ohne Unterstützung im feindlichen Feuer. Zwei Drittel des Bataillons bedeckten das Schlachtfeld mit ihren Leichen oder tränkten es mit ihrem Blut. Nach dieser Zeit kam ein Preußisches Bataillon vor, löste sich aber sogleich in Tirailleurs auf. Dennoch prallte der Feind zurück, und der Rest des 1. Bataillons ging nun mit gegen Kaja vor. Allein nach kurzem Vorgehen verstärkte sich der Feind und nun wich die Preußische Linie zurück. Auf diese Weise entstand zwischen den beiderseitigen Feuerlinien ein Hin- und Herwogen, erzeugt durch jede neue Verstärkung auf der einen oder anderen Seite. Eine Attake des Westpreußischen Ulanen-Regiments blieb ohne Resultate. Um diese Zeit war es, wo das Füsilier-Bataillon von Kaja zurückgedrängt wurde. Beide Bataillone vereinigten sich hier und gingen, als die Nacht hereinbrach, und Klein-Görschen und Rahna verloren gegangen, allmählich gegen Groß-Görschen zurück." schreibt die Regimentsgeschichte. Bei diesen Kämpfen wurde Lieutenant Eduard Otto von Buddenbrock verwundet. Für ihn übernahm Capitain Adolph Heinrich Wilhelm Carl von Grabow (Chef der 10. Kompagnie) die Führung des I. Bataillons, ebenfalls ad interim.

Als das I. Bataillon durch Groß-Görschen in das Gefecht zog, rückte dafür das II. Bataillon des Regiments Garde zu Fuß auf dessen Stelle in den Hohlweg, den die Straße von Pegau nach Lützen, unweit Groß-Görschen bildete. Es stand an der Kreuzung zum Weg nach Eisdorf. "Nach einiger Zeit erhielt der Commandeur, Graf Löwenstein-Wertheim, den Befehl, mit dem Bataillon in das Dorf Groß-Görschen zu rücken. Die näheren, ihm zugegangenen Befehle sind nicht bekannt geworden, da er schon am Eingange des Dorfes durch eine kleine Gewehrkugel tödtlich verwundet und zurückgebracht wurde. Der Major von Rohr übernahm das Commando, ohne etwas Näheres über den Auftrag des Grafen Löwenstein erfahren zu haben. Wahrscheinlich hatten die Franzosen, während die Preußischen Truppen, welche Groß-Görschen früher genommen, anderweitig gebraucht wurden, versucht, sich wieder in den Besitz dieses Dorfes zu setzen, wie dies die Verwundung des Grafen Löwenstein, sowie mehrerer Soldaten durch kleine Gewehrkugeln gleich beim Eingange des Dorfes zu bestätigen scheint, und das 2. Bataillon war daher wohl bestimmt, sich wieder in den Besitz des Dorfes zu setzen. In dieser Ungewißheit führte der Major von Rohr das Bataillon, nach der Mitte in Colonne formirt, im Sturmschritt durch Groß-Görschen, über den dahinter liegenden Damm, quer über das Feld gegen Kaja vor. Die Ulanen-Eskadron des Rittmeisters von Schmeling vom 1. Ulanen-Regiment folgte dieser Bewegung zur Rechten des Bataillons, und dieses unaufhaltsame Vorgehen war für einen Augenblick von frappanter Wirkung. Man sah von beiden Seiten, aus Rahna und Klein-Görschen, feindliche Bataillone sich in der größten Geschwindigkeit gegen Kaja zurückbewegen. Eine feindliche Tirailleurlinie zwischen diesen Dörfern blieb liegen; das Bataillon marschirte über sie hinweg und machte viele Gefangene. Viele wurden auch von den Ulanen niedergemacht. Bei Kaja stopften sich die feindlichen Massen. Es war dies der Moment, wo der Prinz August, wie oben erzählt, mit einer gemischten Colonne von Preußen und Russen von Klein-Görschen aus, gegen Kaja vorging, aber sich auch bald wieder zurückzog. Hierdurch sah sich das 2. Bataillon ganz isolirt, und in die Unmöglichkeit versetzt, weiter vorzudringen. Major von Rohr ließ daher halten, deployirte und gab eine Reihe von Salven, bis er den Befehl erhielt, zurückzugehen. (Dieses Manöver, gegenüber einem stark besetzten Dorf, das mit Mauern umgeben ist, zu deployiren, wenn man rechts und links umgangen wird, um Salven zu geben, ist ein charakteristisches Zeichen, wie die Taktik Friedrichs des Großen noch tief in der Armee wurzelte. ) Der Befehl hatte nicht ausgesprochen, wohin sich das 2. Bataillon wenden sollte. Nach einigem Hin- und Hermarschiren erhielt Major von Rohr den Befehl, nach Klein-Görschen zu gehen, um die am Floßgraben stehenden Truppen zu unterstützen, allein es war hierzu zu spät. Die Colonne der aus Klein-Görschen sich zurückziehenden und in der Dorfstraße zusammengedrängten Truppen, verbot jedes weitere Vorgehen. Das Bataillon, fortwährend dem Geschütz- und kleinem Gewehrfeuer auf einer Ebene ausgesetzt, die durchaus keine Deckung bot, hatte einen sehr bedeutenden Verlust an Officieren und Gemeinen. Beim Rückzug nach Groß-Görschen, den es jetzt, dem erhaltenen Befehl gemäß, antrat, erhielt auch der Major von Rohr einen tödlichen Schuß in den Schenkel. Der Capitain von Below übernahm das Commando und stellte das Bataillon, da ihm kein Befehl über dessen weitere Bestimmung bekannt war, an den Damm zwischen Klein-Görschen und Rahna auf, um es hier zu sammeln, neue Befehle zu erwarten und den erschöpften Leuten einige Ruhe zu gönnen. Man stand hier noch immer dem heftigsten feindlichen Feuer ausgesetzt, so daß der Regiments-Commandeur, Major von Albvensleben, welcher um diese Zeit zum Bataillon geritten kam, befahl, dasselbe nach den bereits erlittenen Verlusten, aus dem Feuer zu führen. Capitain von Below ging daher nach Rahna, besetzte mit den Tirailleurs die äußeren Gartenmauern dieses Dorfes und blieb daselbst, bis er erneuten Befehl erhielt, das Bataillon dahin zurückzuführen, wo es vor Beginn der Schlacht gestanden hätte, und die anderen beiden Bataillons bereits stehen sollten." (aus der Regimentsgeschichte)

Gegen 17:30 Uhr schlug Prinz Eugen von Württemberg im Großen Hauptquartier vor, bei Eisdorf über den Floßgraben zu gehen, die Höhen von Meuchen zu nehmen und einen entscheidenden Angriff gegen die linke Flanke der Franzosen zu führen. Zar Alexander genehmigte diesen Plan und versprach dem Prinzen, ihn mit der gesamten Reserve-Armee zu unterstützen. Napoléon war inzwischen auf dem Schlachtfeld angekommen und wartete derweil ganz gelassen hinter Kaja ab, ob das Dorf von den Verbündeten genommen würde oder nicht. Mit dem Verlust dieses Dorfes wären seine Truppen in zwei Hälften getrennt worden. Just in dem Moment, als man sich bei den Verbündeten anschickte zum entscheidenden Schlag auszuholen, setze sich der Korse an der Spitze seiner alten und jungen Garde unter dem Grafen Lobau in großen Karrees auf Kaja in Bewegung und nahm im ersten Schwung dieses so wichtige Dorf. Gleichzeitig etablierte Graf Drouvot auf den Höhen zwischen Starsiedel und Rahna eine Batterie von 60 Geschützen. Es waren diese Karres und die Artillerie, die das I. Bataillon des Regiments Garde zu Fuß wie oben berichtet so zusammengeschossen haben. Das IV. Korps der Franzosen überschritt derweil den Gruhna-Bach und ging nun auf Kölzen vor.

"Füsilier-Bataillon des 1sten Garde-Regiments  zu Fuß 1813", nach Thümen

Derweil kämpften auch die Füsiliere weiter. Die Regimentsgeschichte führt hierzu aus: "Klein-Görschen war während dieser Zeit von den Russen mit Preußen untermischt wieder genommen worden. Se. Königl. Hoheit der Prinz August forderte das Bataillon auf, diese beim weiteren vorgehen auf Kaja zu unterstützen. Der Major von Pfuhl, Commandeur des 1. Westpreußischen Füsilier-Bataillons, der sich gerade beim Bataillon befand, erhielt vom Prinzen den Befehl, dasselbe zu führen. Das Bataillon marschirte in Sektionen rechts ab, und durch Klein-Görschen durch. Beim Defilieren wurde der Major von Pfuhl am Kopfe blessirt, und der Capitain von Roeder übernahm wieder das Commando. Es wurde eine Tirailleurlinie vorgenommen, welche sich längs des Floßgrabens postirte, da feindliche Colonnen (die Division Marchand) jenseits desselben vorrückten. Tirailleurs verschiedener Russischer und Preußischer Regimenter verstärkten diese Linie, so daß sie beinahe von Klein-Görschen bis Kaja reichte. Der Feind rückte jenseits des Floßgrabens vor, entwickelte eine Tirailleurlinie und schoß sehr heftig mit Kartätschen. die feindlichen Colonnen ließen Kaja ganz rechts liegen, und marschirten mit dem Floßgraben parallel, um nicht in der Front, sondern in der rechten Flanke anzugreifen. Da Klein-Görschen nicht besetzt war, so blieb, um ein völliges Umgangenwerden zu verhindern, Nichts übrig, als den Feind durch einen Angriff aufzuhalten. Die ganze Tirailleurlinie passirte daher den Floßgraben, und stürzte sich en débandade mit dem Bajonett den feindlichen Colonnen in die rechte Flanke. Dieser kühne Angriff war so heftig und unerwartet, daß der Feind stutzte, hielt, Kehrt machte und zurückging, während der Zeit aber ein starkes Kartätsch- und Tirailleurfeuer unterhielt. Natürlich war diese Vorwärtsbewegung, welche jeder Cavallerie der Welt zur Ehre gereicht hätte, nicht fortzusetzen, da die gesammten Tirailleure nur etwa 500 Mann, der abgeschlagene Feind aber eine Division (Hessen und Badenser) stark war. Die Linie repassirte also den Floßgraben, und die Division Marchand blieb in gemessener Entfernung. Es ist unzweifelhaft, daß ohne dieses kühne Vorgehen die Dörfer in kurzer Zeit verloren gegangen wären, und damit vielleicht die Schlacht in entscheidender Weise. Der Floßgraben wurde nun wieder besetzt und der Feind begnügte sich mit einer lebhaften Kanonade. Der Prinz August war unterdeß mit einem Theil der hier fechtenden Truppen gegen Kaja vorgegangen, mußte aber wieder zurückgehen. Als er in die Höhe des Füsilier-Bataillons kam, befahl er diesem mit zurückzugehen. Dasselbe zog sich nun wieder durch Klein-Görschen hindurch, als der Feind schon im Besitz eines Theils dieses Dorfes war. Das Bataillon marschirte mitten durch die französischen Tirailleurs, wobei bemerkt werden muß, daß es schon anfing, ziemlich dunkel zu werden. Die Queue der Colonne aber, 120 Mann mit den Lieutenants von der Marwitz, von Rhade und Graf Solms, wurden durch eine aus einer Seitenstraße hervorbrechende feindliche Colonne vom übrigen Bataillon abgetrennt. Das Füsilier-Bataillon setzte nun den Rückmarsch auf Groß-Görschen fort, hinter welchem Dorfe es den Oberstlieutenant von Tippelskirch antraf, nachdem zuvor der Rest des 1. Bataillons des Regiments von Groß-Görschen zu ihm gestoßen war, sowie viele Füsiliere, die sämmtlich als Tiraillleurs gefochten und sich hier gesammelt hatten."

In der einbrechenden Dunkelheit sammelten sich also die Reste des I. Bataillons und des Füsilierbataillons des Regiments Garde zu Fuß hinter dem Dorf Groß-Görschen. "Beide Bataillone blieben hier vereinigt mehrere Stunden stehen, und erhielten dann den Befehl: näher an Pegau heranzurücken. Hier verblieben sie die Nacht, bivouakirten also auf dem Schlachtfelde, und rückten erst am anderen Morgen früh nach Pegau ab, hinter welcher Stadt man das 2. Bataillon und das Yorksche Corps traf." schreibt die Regimentsgeschichte.

Auch das II. Bataillon des Regiments Garde zu Fuß sollte derweil hinter Groß-Görschen zurückgehen und dort auf die anderen beiden Bataillone des Regiments treffen. "Capitain von Below fand nur den Rest des Füsilier-Bataillons, nämlich jene 120 Mann unter dem Lieutenant von der Marwitz, welche in Klein-Görschen von ihrem Bataillon abgedrängt waren, auf der Straße nach Pegau hinter Groß-Görschen, und ritt daher, nachdem man einige Zeit gewartet, mit einigen anderen Officieren vor, um den Rest des 1. Bataillons aufzusuchen. er fand verschiedene Tirailleurtrupps, welche er sammelte und unter den Befehl des Lieutenant von Schlabrendorf stellte. Beim Zurückgehen fand er das Bataillon abmarschirt; da es mittlerweile völlig dunkel geworden war, so blieb Capitain von Below mit Allem, was er gesammelt hatte, an dem Hohlwege hinter Groß-Görschen liegen, und marschirte mit Tagesanbruch nach Pegau, hinter welcher Stadt er in einem Garten das 2. und bald darauf auch das 1. und Füsilier-Bataillon antraf." berichtet die Regimentsgeschichte.

Die Volontärjägerkompagnie des II. Bataillons, unter Lieutenant von Drigalsky hatte sich beim Rückzug des Bataillons von Kaja nach Groß-Görschen von selbigem getrennt und auf eigene Hand am weiteren Gefecht teilgenommen. Mit anderen Versprengten machte sie noch mehrere Angriffe auf Klein-Görschen mit, ehe auch sie sich hinter Groß-Görschen zurückzogen. Im Gefechtsbericht Drigalskys erwähnte dieser später den Lieutenant von Rappold und die Oberjäger Paalzow, Mohrenberg und Stöwe, die sich in diesen Kämpfen besonders tapfer hervorgetan hätten.

Die Division Marchand, die ja wie oben erwähnt zunächst zurückgeschlagen worden war, stand danach in der rechten Flanke des Floßgrabens und formierte eine Batterie gegen Klein-Görschen. Man begann nun den Gegner wie beschrieben mit der Artillerie einzudecken. Nun erschien der Vizekönig mit dem XI. Korps und dem 1. Kavallerie-Korps auf den Höhen von Meyhen. Der Kaiser der Franzosen hatte nun also seine Kräfte auf dem Schlachtfeld vereint und schickte sich an, die Verbündeten das Fürchten zu lehren. Der Plan, über den Floßgraben zu gehen und den Franzosen in die linke Flanke zu fallen, wurde angesichts der steigenden Überzahl der kampferprobten französischen Truppen aufgegeben. Der Prinz von Württemberg mußte sich damit begnügen, seine Artillerie rückwärts Eisdorf auf den Gegner wirken zu lassen. Um 19:00 Uhr ging Macdonald zum Angriff vor und eroberte Eisdorf und Kitzen. Dem Prinzen von Württemberg gelang es nur mit Mühe und der Hilfe von 20 Preußischen Schwadronen bis zur Dunkelheit Eisdorf zu halten und erst dann von dort abzuziehen. Napoléon sah nun, daß beide Flanken des Gegners durch seine Kräfte bedroht war und befahl daher den allgemeinen Angriff. Groß-Görschen, welches inzwischen vom Normal-Infanteriebataillon unter Major von Müffling verteidigt wurde, ging nun endgültig verloren. Zuletzt verteidigten nur noch zwei Kompagnien Gardejäger das Dorf und hielten so den Rückzugsweg der Alliierten frei. Auf Seiten der Alliierten war nun nur noch die Russische Garde als Reserve vorhanden. Diese wurde geteilt, der rechte Flügel zwischen Thesau und Groß-Görschen, der linke bei Söhesten aufgestellt. Unter dem Schutz der Russischen Garde zogen sich nun die Alliierten zwischen diesen beiden Abteilungen hindurch und dann auf der Pegauer Straße ab. Alle Dörfer, um die so heftig gerungen worden war, standen in Flammen und erhellten so das Schlachtfeld. Winzingerode soll anfangs die Absicht gehabt haben, die Schlacht am folgenden Morgen wieder aufzunehmen, diesen Gedanken jedoch aufgrund Munitionsmangel wieder aufgegeben haben. Als er nun auch noch die Meldung vom Rückzug des Generals Kleist von Leipzig hinter die Mulde erhielt, befahl er um 22:00 Uhr den Rückzug über den Floßgraben. Die Kavallerieregimenter des Prinzen Wilhelm von Preußen verschleierten in der beginnenden Nacht das Absetzen der eigenen Verbände in Richtung Bautzen.

Die Schlacht von Groß-Görschen hatte keinen Sieger, sie endete unentschieden, da die Alliierten das Schlachtfeld in völliger Ordnung verließen und nicht ein einziges Geschütz stehen blieb. Preußen und Russen wussten jedoch nun, daß die früheren Niederlagen von Jena und Auerstedt sich nicht mehr wiederholen würden und daß sie in der Lage waren, Kaiser Napoléon endlich Halt zu gebieten. Der Tag von Groß-Görschen (02.05.) bildet nach dem Tag von Kolin (18.06.)  und dem Tag von Leuthen (05.12.), den dritten Gedenktag des Ersten Garderegiments zu Fuß. Während der Schlacht von Groß-Görschen wurden nacheinander 6 Männer mit der Fahne des I. Bataillons in der Hand erschossen oder tödlich verwundet, darunter auch der Lieutenant Franz Dietrich Friedrich Ferdinand von Schierstädt II. Der Fahnenstock wurde bei der Schlacht zerschmettert, über der Bruchstelle wurde genau zwei Jahre später, am 02.05.1815, ein silberner Ring mit der Aufschrift "Grosz Görschen 2. Mai 1813" angebracht. Beim II. Bataillon sah es nicht besser aus, da wurden während der Kämpfe 1813 fast sämtliche Fahnen-Unteroffiziere getötet oder verwundet.

Der Totalverlust der Alliierten in der Schlacht von Groß-Görschen am 02.05.1813 betrug 303 Offiziere, 8.173 Mann, tot oder verwundet, ca. 1.400 Pferde Verlust. General Gerhard Johann David von Scharnhorst (12.11.1755 - 28.06.1813) war so schwer verwundet, daß er wenig später verstarb, Prinz Leopold von Hessen-Homburg war gefallen. Leicht verwundet waren die Generale Blücher und Hühnerbein. Die Verlustliste des Regiments Garde zu Fuß ist lang. Gefallen waren Major von Pogwisch, Major von Löwenstein-Wertheim (verstarb noch im Mai 1813 an seinen schweren Verwundungen in Teplitz in Böhmen), die Capitains von Esebeck und von Zieten I, die Lieutenants von Rheinbaben, von Oppen, von Britzke, von Schierstädt II (verstarb noch im Mai 1813 an seinen Verwundungen in Dresden). Verwundet waren die Majors von Rohr, von Block, die Capitains von Ditfuth, von Witzleben, von Barner, von Wallbrunn, von Zieten II, von Barnekow, von Hagen, die Lieutenants von Buddenbrock, de Marrés, von Strantz, von Puttkammer, von Lyncker, von Bismarck, von Knobelsdorf, von Dannenberg, von Werder, von Ledebur, von Knoblauch, von Grävenitz, von Hirschfeld, von Studnitz, von Gayl. Von den zum Normal-Infanteriebataillon abkommandierten Offizieren des Regiments Garde zu Fuß waren gefallen der Lieutenant von Schön und verwundet Capitain von Strantz und die Lieutenants von Jacobi, von Möller und von Wedell. Leider sind die Verluste nicht aufgeschlüsselt, es wird in der Regimentsgeschichte nur ein Gesamtverlust von 37 Offizieren (incl. der Abkommandierten, 8 davon gefallen) und 874 Unteroffizieren und Gemeinen genannt.

Am Morgen des 03.05.1813 sammelten sich die Reste der Reserve-Brigade von Roeder in Pegau. Die Bataillone des Regiments Garde zu Fuß wurden wieder formiert. Sie waren noch stark:

 

I. .Bataillon: 7 Offiziere, 23 Unteroffiziere, 9 Spielleute, 311 Grenadiere

II. Bataillon: konnte nicht genau ermittelt werden

Füsilierbataillon: 9 Offiziere, 33 Unteroffiziere, 10 Spielleute, 394 Füsiliere

 

Beim I. Bataillon wurden die Kompagnien wegen ihrer großen Schwäche und dem Mangel an älteren Offizieren, zwei und zwei unter einem Kompagniekommandeur vereinigt. Der 4. und 5. Zug des Bataillons hatte besonders gelitten.

In Dankbarkeit für die erste nicht verlorene Schlacht seit dem verhängnisvollen Ereignissen des Jahres 1806 setzte der König folgendes Schreiben an seine neue Armee, die sich durchaus bewährt hatte, auf:

    "In der Schlacht am 2. Mai cr., deren Zeuge ich war, habt Ihr durch Muth, Ausdauer und freudige Hingebung Euch des alten Preußischen Namens würdig gemacht. Nehmt dafür das Zeugniß meiner ungetheilten Zufriedenheit. Kein ausgezeichnetes Verdienst, welches mir bekannt wird, soll unbelohnt bleiben. Nach der Schlacht ist Vertrauen, Ordnung und Gehorsam des Soldaten erste Tugend. Ich darf meine braven Krieger nicht erst daran erinnern, Gott ist mit Uns gewesen und wird ferner mit Uns sein. Ich kann Euch auch mit Gewißheit verkünden, daß in wenigen Tagen eine neue mächtige Hülfe uns zur Seite stehen wird. Kämpft ferner für Euern König, für Euern Ruhm und Eure Freiheit unter meinen Augen, und wir können eines baldigen glorreichen Sieges gewiß sein.

  

     Dresden den 4. Mai 1813.

Friedrich Wilhelm."

 

Nach der Schlacht von Groß-Görschen zogen sich die Alliierten unter Umgehung von Dresden mit Richtung auf Bautzen zurück. Der Hauptweg führte über Lommatsch, Meißen, Großenhain, Königsbrück und Kamenz nach Bautzen. Ziel war vorläufig, hinter die obere Elbe hinter Dresden und Meißen, später wollte man sich aber mit der linken Flanke an das noch neutrale Österreich wenden. Vielleicht würde dieses sich ja zum Handeln entschließen? Derweil kam es jedoch darauf an, den Feind so lange als möglich an der Saale aufzuhalten. Das Blüchersche Korps bekam den Befehl, bei Droschwitz, oberhalb Ostrau, über die Elster nach Borna zu gehen. Die Infanterie der Reserve-Brigade von Roeder, unter dem Kommando des Brigadiers Oberstlieutenant von Tippelskirch, blieb mit Ausnahme des Leibgrenadierbataillons für die nächsten Tage dem Yorckschen Korps zugeteilt. Dieses ging bei Predel und Ostrau über die Elster und marschierte auf Frohburg wo man sehr spät eintraf und ein Biwak bezog.

Der Rückzug der Preußischen Armee, die sich von der Russischen trennte, um bei Meißen die Elbe zu passieren, ging zunächst auf Kolditz. Bei Frohburg wurde die Munition ergänzt und am 04.05.1813 nach Kolditz weitermarschiert. Am 05.05. erreichte man Döbeln, am 06. Meißen. An diesem Tage waren das Normalinfanteriebataillon und das Füsilierbataillon des Regiments Garde zu Fuß bei der Arrieregarde, ohne jedoch vom Gegner behelligt zu werden. Am Abend passierte man die Elbe und die Truppen wurden in der Neustadt von Meißen einquartiert. Am 07.05.1813 nachmittags wurde weitermarschiert nach Scheile und Bonitz. Der König hatte in Meißen die Offiziere der Brigade versammelt und ihnen noch einmal mündlich für ihr Benehmen bei Groß-Görschen gedankt. Die Russische Armee passierte am selben Tag die Elbe bei Dresden. Eine A.K.O. vom 07.05.1813 befahl, daß von den Korps Blücher und Yorck 400 freiwillige Jäger der Infanterie und 100 der Kavallerie zu Offizieren vorgeschlagen werden sollten. Am 08.05.1813 war Ruhetag, Waffen und Montierungsstücke wurden einigermaßen in Stand gesetzt. Der König verlieh vorläufig allen Generalen, die in der Schlacht tätig gewesen waren, das Eiserne Kreuz II. Klasse und befahl ferner, von jedem Bataillon 2 Offiziere, 2 Unteroffiziere und 6 Gemeine zur Auszeichnung vorzuschlagen. Das Eiserne Kreuz war also erstmals eine Auszeichnung, die sich unabhängig vom Stand, jeder tüchtige und mutige Soldat in der Preußischen Armee verdienen konnte. Dieser Umstand, wie auch das schlichte Material der Auszeichnung, zeugten vom Neubeginn der Preußischen Armee. Eine wahre Tapferkeitsauszeichnung, ganz bewußt ohne großen materiellen Wert. Mehr Sein als Schein, so wie es schon unter dem Großen Friedrich Maxime war.

Das Garde-Reserve-Bataillon, welches inzwischen "Königswache" hieß, stand während der Schlacht bei Groß-Görschen in Dresden. Die Regimentsgeschichte schreibt: "Vom 05. Mai an bivouakirte es in der Neustadt vor dem Japanischen Palais und unterhielt durch Patrouillen bis zum 7. Abends die Verbindung mit der Altstadt. Am 08. Morgens ging die Königswache mit dem Hauptquartier nach Weißig, am 10. nach Bautzen. In einer Kirche von Bautzen, nahe dem Görlitzer Thor, war ein Lazareth eingerichtet, das mit Verwundeten von Groß-Görschen angefüllt; auch viele Grenadiere vom Regiment warten darunter. Als der König am 12. das Lazareth besuchte, und mild tröstend sich mit den Leidenden unterhielt, hob ein am Knie schwer verwundeter Grenadier des Regiments seine Krücke und sagte zum Könige: »Euer Majestät, wollte Gott geben, den ich hier auf meinem Lager unaufhörlich bitte, daß ich nur noch einmal gegen den Feind fechten, und dabei im Gefecht für meinen König sterben könnte!« Gerührt über solche Gesinnungen dankte ihm der König, und fügte hinzu, »wie seine Garde in der Schlacht vom 2. Mai durch ihre heldenmüthige Tapferkeit der Armee ein so schönes Vorbild gegeben hätte.« Der König war hierbei sehr bewegt und sein Auge mit Thränen gefüllt. Zu seinem Gefolge gewandt, setzte er hinzu: »Jener brave Grenadier gehört auch zu Meinen alten Getreuen, die mich 1807 schon im Januar als Selbstranzionirte in Memel aufsuchten.«

Am 08.05.1813 übernahm Capitain Wilhelm Carl Baron von Ditfurth das Kommando des II. Bataillons des Regiments. In der Nacht zum 09.05. biwakierte der Kronprinz beim Regiment. Am 09.05.1813 mittags marschierte die Brigade weiter und bezog ein Biwak hinter Großenhain. Hier wurde eine neue Ordre de bataille für die Brigade ausgegeben:

I. Treffen: Ostpreuß. Grenadierbataillon, III. Musketierbataillon Leibinfanterieregiment, Leibgrenadierbataillon (abkommandiert).

II. Treffen: Normalinfanteriebataillon, II. Bataillon Regiment Garde zu Fuß, I. Bataillon Regiment Garde zu Fuß, Füsilierbataillon Regiment Garde zu Fuß.

Dem II. Treffen war noch die Batterie Nr. 9 zugeteilt. Der ganzen Brigade die folgende Kavallerie: 1. Husarenregiment, Westpreußische Ulanen. dazu noch das Gardejägerbataillon und eine halbe 12 Pfünder Batterie.

Am 10.05.1813 wurde ein Biwak bei Königsbrück bezogen, am 11. eines bei Prettitz. Am 12.05.1813 marschierte die ganze Armee in die Positionen bei Bautzen. "Nach öfterem Schwanken hatte nämlich endlich der Plan im Hauptquartier Geltung gefunden: auf der großen Straße über Bautzen und Görlitz nach Breslau zurückzugehen, vorher aber noch eine Schlacht diesseits der Oder anzunehmen. Die Position von Bautzen bot sich hierzu als geeignet, da die linke Flanke der Armee hier durch das neutrale Böhmen vor Umgehungen gesichert. So vereinigte sich denn die Preußische und Russische Armee in einem Lager bei Bautzen hinter der Spree." (aus der Regimentsgeschichte)

Das kommende Schlachtfeld lag zwischen dem Spreetal im Westen und Norden, dem Löbauer Wasser im Osten und den letzten Ausläufern des Lausitzer Gebirges im Süden, dessen sanfte Wellen sich über das Schlachtfeld hinweg bis gegen die Flußtäler hinzogen. Die Regimentsgeschichte berichtet: "Die Spree, hier 25 - 40 Fuß breit, fließt unterhalb Bautzen in einem meist tief eingeschnittenen engen Thale, welches sich dann bis Nieder-Gurkau, sumpfige Wiesen einschließend, verbreitert, sich wieder verengt, und endlich bis zum Einfluß des Löbauer Wassers zu einem breiten, von sumpfigen Ufern eingefaßten Wiesengrunde sich erweitert, der durch die Abzweigung der kleinen Spree bei Gurkau eine noch größere Ausdehnung erhält. Von oberhalb Bautzen bis Oehna und bei Gurkau wird das Terrain in den, dem Feinde zugewandten Krümmungen von dessen Artillerie vollkommen beherrscht, so daß ein Uebergang hier nicht zu verwehren ist, zumal sich im Sommer viele Fuhrten finden. Steinerne Brücken führen in und oberhalb Bautzen, hölzerne bei Malsitz und Nieder-Gurkau über die Spree. Bautzen liegt an dem steilen rechten Ufer auf einem 60 Fuß hohen Felsen; es hat sturmfreie Mauern und diese flankirende Thürme. Die das Schlachtfeld durchziehenden Thäler gleichen dem der Spree in Bezug der tief eingeschnittenen und sumpfigen Ufer. Besonders wichtig wurde das Blösauer Wasser, welches die Stellung der Verbündeten bei Jenkwitz und Litten zweimal durchschnitt. Die Kreckwitzer Höhen sind meist abgerissene einzelne Felsstürze, sie liegen im Centrum der Stellung. Die ganze Ausdehnung dieser Stellung betrug 2½ Meile; und hierfür waren nur höchstens 85,000 Mann vorhanden. Dazu kam noch, daß die Teichlinie von Preititz bis Plieskowitz das Schlachtfeld in einen obern und untern Theil zerschneidet und einzig schmale Durchgänge zwischen den Teichen die Communikation vermitteln. Die Vertheidigung des Spreebogens wurde auf der Sehne versucht, und zwar auf der Linie Rischen, Kenkwitz, Litten, Kreckwitzer Höhen bis Plieskowitz. An der Spree selbst wurde nur eine Avantgarden-Stellung genommen. Zur Vertheidigung des Terrains östlich der Teiche bis zum Blösauer Wasser und des für den Rückzug nach Schlesien besonders wichtigen Defilees von Preititz, blieben nur wenig Kräfte übrig. General von Kleist und General Miloradowitsch hatten mit ihren Truppen die Positionen an der Spree inne. In zweiter Linie oder im Haupttreffen stand das Russische Gros und das Yorksche Corps bei Litten. Das Blüchersche Corps jenseits des Blösauer Wassers, auf den Kreckwitzer Höhen. Jenseits der Teich-Reihe Barclay de Tolly. In dritter Linie standen die Russischen Garden und die Reserve-Cavallerie bei Purschwitz. Die Brigade von Roeder rückte wieder ganz zum Blücherschen Corps und wurde vor Klein-Bautzen in der Reserve aufgestellt. Die Stellung wurde an den geeigneten Orten durch Schanzen verstärkt, wozu auch das Regiment Arbeiter gab."

In den folgenden Tagen stand man in der Position still und wartete auf die Franzosen. Das Regiment Garde zu Fuß erhielt 100 Mann Ersatz vom Reserve-Bataillon Othegraven, die gleichmäßig auf die drei angeschlagenen Bataillone verteilt wurden. Capitain von Roeder wurde zum Major ernannt. Ferner wurde befohlen, daß wegen des großen Verlusts an Stabsoffizieren in der Schlacht von Groß-Görschen, diese künftig zu Fuß im Gefecht sein sollten; auf der ebene sollten unter keinen Umständen mehr Tirailleurs vorgenommen werden "und müssen die feindlichen Tirailleurs auf der Ebene mit Cavallerie, im coupirten Terrain mit dem Bajonett zurückgeworfen werden." wie es in der Anordnung heißt, deren Datum leider nicht vermerkt ist. Man hatte also aus dem ersten größeren Gefecht für die junge Armee und den dabei entstandenen horrenden Verlusten gelernt.

Die Königswache (Garde-Reserve-Bataillon) lag derweil vom 12. bis zum 21.05.1813 in einem Biwak bei Wurschen an der großen Straße von Bautzen nach Görlitz. "Der König wohnte hier in einem Kruge. Während der Gefechtstage vom 19. bis 21.war das Bivouak eine eine wahre Ambulance, indem fast alle Verwundeten dorthin gebracht wurden, um amputirt zu werden." berichtet die Regimentsgeschichte.

Das russische Korps unter Prinz Eugen von Württemberg (1788-1857) riegelte den Rückzug aus Groß-Görschen als hinterster Truppenteil ab. Dabei war er bei Göda und Buscheritz am 14. und 15.05.1813 in heftige Kämpfe verwickelt worden.

Am 16.05.1813 wurde Capitain Wilhelm Carl Baron von Ditfurth zum Major befördert und übernahm nun auch wirklich das II. Bataillon des Regiments Garde zu Fuß, welches er bislang nur ad interim geführt hatte.

Am 20.05.1813 erhielt die Brigade von Roeder mittags den Befehl, in die Gegend von Kreckwitz und zwar nach Litten selbst zu rücken. Das Füsilierbataillon wurde nach Plieskowitz detaschiert und alle Volontair-Jäger-Kompagnien, außer der des Gardejägerbataillons, unter dem Kommando des Major von Wedell (vom Generalstab) zusammengezogen und zur Besetzung des Dorfes Purschwitz detaschiert.

Napoléon hatte gegen Mittag des 20.05.1813 den Angriff auf die Stellungen der Alliierten begonnen. Das XII. Koprs auf dem äußersten rechten Flügel in der Richtung auf Linkwitz an der Spree. Das VI. Korps auf Dehna und Teichwitz. Das IV. Korps auf Nieder-Gurkau und die Garden im Zentrum  als Reserve. Napoléon muß sich sicher gewesen sein, daß der Rückzug für die Verbündeten abgeschnitten war, wenn er Preititz erobern könnte. Der mögliche Rückzug der Alliierten konnte, auch nach deren Plan, nur über Preititz geschehen.

Die Regimentsgeschichte berichtet über die Kämpfe beim Füsilierbataillon vor Plieskowitz: 

    "Das IV. Corps hatte sich vorwärts Quadlitz formirt und war auf Nieder-Gurkau vorgerückt. Nach heftigen Gefechten gelang es erst am Abend der Brigade Siccari, der Division Morand dieses Corps, die Kleistschen Truppen vereint mit russischer Cavallerie zurückzuwerfen und den Kieferberg, den Gottlobsberg, und Nieder-Gurkau auf dem linken Spreeufer zu besetzen. Bertrand schob Abtheilungen zwischen beiden Spree-Armen vor, welche sich durch die Teiche hindurchzogen und so gegen Doberschütz und Plieskowitz vorkamen. Major von Roeder hatte bei seiner Ankunft in Plieskowitz, ungefähr um 1 Uhr Mittags, dieses Dorf vom 1. Schlesischen Regiment schwach besetzt und vom Feinde noch nicht angegriffen gefunden. Längs der dem Feine zugekehrten Lisiere des Dorfes, etwa 500 Schritt davon abbleibend, fließt ein nasser Graben, der auf Doberschütz geht und endlich in die kleine Spree fällt. Jenseits dieses Grabens beginnt das Wiesen-Terrain, und hinter diesem bis zur kleinen Spree eine Reihe Teiche, welche aber wohl zum großen Theil abgelassen und besäet waren. Der nasse Graben vor dem Dorf ist schwierig zu passiren, das Dorf selbst ist der Vertheidigung nicht besonders günstig, da es nur einen abschnitt hat, der durch die Bautzener Straße gebildet wird; Malschwitz in der rechten Flanke war von den Russen besetzt. In Doberschütz standen 2 Compagnien Schlesische Schützen.

    Major von Roeder fand den nassen Graben schon von den Schlesischen Tirailleurs besetzt. Ein Zug zwischen Malschwitz und Plieskowitz aufgestellt, hielt die Verbindung zwischen den Dörfern und somit zwischen den Corps Blüchers und Barclay de Tollys, welche hier mit ihren rechten und linken Flügeln aneinanderstießen. Major von Roeder löste sogleich die 9. Compagnie zur Unterstützung der Schlesischen Tirailleure auf, und stellte die 10. Compagnie als Soutien dahinter, gedeckt durch einen Damm, der etwa 300 Schritt vom Dorfe abliegt. In der linken Flanke dieser Compagnie zieht sich ein zweiter mit Bäumen besetzter Damm senkrecht bis an den nassen Graben. In der rechten Flanke läuft ein vom Dorfe nach Malschwitz führender Weg, gleichfalls als Damm, im ausgehenden Bogen bis beinahe an den Graben. Ein über den Graben führender Steg wurde durch 1 Zug unter dem Lieutenant Graf Solms besetzt. Am Eingange des Dorfes stand die 11. und 12. Compagnie an einer Brücke, die über einen kleinen nassen Graben führt. Ein Zug unter dem Lieutenant von Rhade besetzte ein mit einer Mauer umgebenes Gehöft an der Bautzener Straße, um das seitwärts liegende Terrain zu beobachten. Vorgeschickte Patrouillen stießen bald auf den Feind und kamen von demselben getragen zurück. Der Feind kam mit Tirailleurs gegen die Front vor und suchte den linken Flügel zu umgehen. Die Abtheilung des Graf Solms an dem Brückenstege wurde nach lebhaften Widerstande zurückgedrängt. Major von Roeder schickte die 11. und 12. Compagnie hinter dem Malschwitzer Damm vor, ließ sie en ligne aufmarschiren, und dann plötzlich über den Damm weg, den rechten Flügel am nassen Graben, dem vordringenden Feind in der linken Flanke vorgehen. Die Franzosen gingen eilig zurück, worauf die 12. Compagnie aufgelöst, die 9. aber gesammelt wurde, links abschwenkte und sich gegen den Feind wandte, der wieder auf dem perpendikulairen Damm in der linken Flanke vordrang. Auch hier genügte das entschlossene Vorgehen der Compagnie dazu, daß die Franzosen hastig Kehrt machten, in demselben Moment, wo sie sahen, daß die 10. Compagnie eine rasche Bewegung machte, ihnen den Rückzug über den Steg abzuschneiden. Die 10. Compagnie wurde nunmehr als Feuerlinie aufgelöst und die 9. und 11. Compagnie als Soutien da aufgestellt, wo vorher die 10. gestanden. Das Tirailleurgefecht wurde jetzt sehr lebhaft, so daß sich viele Leute der 10. Compagnie verschossen. Sie wurden nach und nach von der 11. Compagnie in der Feuerlinie abgelöst. Kurz vor einbrechender Dunkelheit brach der Feind noch einmal mit einer Colonne durch den Graben gegen den linken Flügel vor. Da sich die Füsiliere jetzt fast alle verschossen hatten, so ging die ganze Linie zurück und der Feind bemächtigte sich des Dammes. Der Lieutenant von Wichert mit der 12. Compagnie ließ sich durch diese Bewegung nicht fortreißen, sondern machte Kehrt, schwenkte links, ging hinter den Malschwitzer Weg-Damm und beschoß von hier aus den vordringenden Feind in der linken Flanke. Als die Officiere der hinter dem Damm sich sammelnden übrigen Compagnien dies sahen, ließen sie Sturmschritt schlagen und wollten über den Damm weg wieder vorbrechen. Die Länge des Gefechts, der Mangel an Patronen und die Dunkelheit waren aber wohl Ursache, daß nur einzelne Leute vorzubekommen waren. Die Bewegung mußte unterbleiben. Major von Roeder befahl daher, rasch nach dem Dorf zurückzugehen und sich daselbst zu formiren. Kurz nachdem dies gelungen war, trafen 3 Compagnien des Schlesischen Grenadier-Bataillons, unter dem Capitain von Wnuck, ein. Mit diesem verabredete der Major von Roeder einen neuen Angriff. Die Grenadiere wurden als Tirailleurs aufgelöst, das Bataillon folgte in Colonne. Mit lautem Hurrah ward der Feind aus allen seinen Stellungen getrieben, und die Vorposten wieder da ausgesetzt, wo sie am Morgen gestanden hatten. In der Nacht meldeten die Patrouillen, daß der Feind noch weiter zurückgegangen wäre."

Die restliche Brigade des Generals von Roeder erhielt mittags des 20.05.1813 nach einigen Hin- und Hermärschen den Befehl, vor Klein-Bautzen sich hinter dem Korps des Generalleutnants Friedrich Heinrich Kleist Graf von Nollendorf (09.04.1762 - 17.02.1823) und der Brigade Klüx aufzustellen. Hier biwakierte die Brigade die Nacht zum 21.05.1813 hindurch. In der Nacht beschloß man im Alliierten Oberkommando, die Schlacht am anderen Morgen fortzusetzen. Es wurde jedoch keine Disposition ausgegeben, sondern, es sollte nach den jeweiligen Umständen gehandelt werden. Die Regimentsgeschichte führt aus: "Beim Tagesanbruch des 21. stand der General Miloradowitsch auf dem linken Flügel der Alliirten von Lulowitz bis Klein-Jenkwitz. Dieser Flügel, obgleich am wenigsten bedroht, zählte 40,000 Mann. Das Centrum, unter dem General von Blücher, stand zwischen dem Blösauer Wasser bei Jenkwitz und den Teichreihen von Plieskowitz. Das Blüchersche Corps jenseits des Blösauer Wassers auf den Kreckwitzer Höhen, links Klüx, rechts Zieten, gegen Klein-Bautzen Roeder, die Reserve-Cavallerie dazwischen. In Purschwitz die freiwilligen Jäger der Garde, die Ostpreußischen Jäger auf dem Kirchhofe. General Kleist hinter diesem Dorfe. Den rechten Flügel des General Barclay de Tolly sahen wir jenseits der Malschwitzer Teiche. Dieser Aufstellung gegenüber war die der Franzosen folgende: Oudinot auf dem rechten Flügel, Pinnewitz und Grublitz besetzt. Macdonald vorwärts Strehla, Marmont auf den Höhen von Burka. Die Garden bei Bautzen; Bertrand bei Nieder-Gurka. Das Neysche Corps mit der Tete in Särchen."

Auch der Kaiser der Franzosen gab keine konkrete Disposition zur Schlacht, was für den großen Strategen eher ungewöhnlich war. Er wollte vielmehr durch eine kraftvolle Offensive seines rechten Flügels die Verbündeten ernsthaft beschäftigen und sie so von dem durch Ney auszuführenden Hauptstoß gegen ihren rechten Flügel ablenken, idealer weise würden sie sogar Truppen von diesem Flügel abziehen um den vermeintlichen Hauptangriff abwehren zu können. Mit dem Zentrum wollte er erst vorgehen, wenn Ney die Höhe bei Preititz eingenommen hätte und so den Rückzugsweg der Alliierten blockiert hätte. Damit wäre die Falle um die Alliierten zugeschnappt und Napoléon hätte wieder einmal einen großen Sieg davongetragen. Am Morgen des 21.05.1813 entwickelte sich also zunächst die Schlacht an den beiden Flügeln der Verbündeten, während das Zentrum unter Blücher vor Klein-Bautzen untätig stand, da auch die Franzosen gegenüber keinerlei Anstalten machten, den Kampf an dieser Stelle zu beginnen.

Beim Füsilierbataillon vor Plieskowitz wurde mit Tageseinbruch des 21.05.1813 die Munition ergänzt. Es trafen 2 Kompagnien vom III. Bataillon des Leibinfanterieregiments zur Unterstützung ein, welche zum Soutien der Tirailleurs vorgeschickt wurden. "Der Feind erneuerte seinen Angriff. Als derselbe lebhafter wurde, bekam der Lieutenant von Lindheim den Auftrag, mit der 12. Compagnie des Füsilier-Bataillons und 1 Compagnie des Leib-Regiments vorzugehen, wodurch die Franzosen zwar nicht geworfen, aber am weiteren Vordringen verhindert wurden. Die 10. und 11. Compagnie des Bataillons lösten die Grenadiere ab. die sich hinter ihnen als Soutien aufstellten. Die Division Maison des Neyschen Corps war während dieser Zeit auf Malschwitz vorgegangen und hatte Barclay de Tolly daraus vertrieben. Ein Theil der Russischen Truppen dieses Corps (3 Jäger-Regimenter) zog sich auf Plieskowitz, und besetzte hier die nach Malschwitz zugekehrte Lisiere. Eine Compagnie des Leib-Regiments wurde ihnen zur Unterstützung beigegeben. Als die Division Marchand aber gegen Pliskowitz vordrang, zogen sich die Russen wieder an ihr gegen Preitoitz zurückgehendes Corps und war in Folge dessen die Besatzung von Plieskowitz in Gefahr, abgeschnitten zu werden. Major von Roeder entschloß sich daher, das Dorf ebenfalls zu räumen. Ein Adjutant des General von Zieten, welcher eintraf, als sich die Truppen eben hinauszogen, wurde von Major von Roeder an den Commandeur der Russischen Bataillone (3 Jäger-Regimenter) gesandt und bewog diesen, Halt zu machen, und die rechte Preußische Flanke bei einem versuchten Angriff auf Plieskowitz zu decken. Die beiden Grenadier-Compagnien kehrten zu ihrer Brigade zurück. Major von Roeder ging darauf zum Angriff vor. Die 9. Compagnie drang in die Hauptstraße ein, ein Zug der 12. ging links und nahm ein Mühlengehöft, welches das eigentliche Reduit des Dorfes ist. Die Russen folgten, das Dorf links lassend. Der Feind verließ es, steckte dasselbe aber in Brand. Gleich darauf zogen sich die Russen förmlich ab. Sobald die Division Maison dies bemerkte, ging sie wieder vor, so daß die Füsiliere das Dorf verlassen mußten, die letzten Häuser aber besetzt behielten. In dieser Zeit kam der Befehl, daß das Bataillon sich auf den rechten Flügel des 2. Treffens der Zietenschen Brigade setzen sollte. Es marschirte also auf die Kreckwitzer Höhen, und kam hier in das feindliche Kanonenfeuer. Bald darauf ward es beordert, sich hinter den Kreckwitzer Höhen als Soutien aufzustellen. Man fand hier das Bataillon Stutterheim; die Russische 12 Pfünder-Batterie, welche ebenfalls dort sein sollte, war bereits abgefahren. Es war die Zeit, wo die Franzosen Kreckwitz angegriffen und die alliirte Armee den Rückzug antrat. Das Füsilier-Bataillon, Bataillon Stutterheim und 2 Compagnien des Leib-Regiments erhielten den Befehl, den Rückzug zu decken, den sie, ohne vom Feinde beunruhigt zu werden, über Neu-Purchwitz und Wurschen fortsetzten." (aus der Regimentsgeschichte)

Als Marschall Ney mit seiner Divison Souham gegen Preititz vorging und das Korps Barclay de Tollys überall zurückwich, erteilte General Blücher dem General von Roeder den Befehl, das 2. Treffen seiner Brigade, bestehend aus dem I. und II. Bataillon der Regiments Garde zu Fuß, dem Normalinfanteriebataillon, 2 Eskadrons Westpreußischer Ulanen, einer ½ reitenden Batterie, sogleich gegen die Westseite von Preititz zu schicken und dort die Truppen Barclay de Tollys zu unterstützen. Den Befehl über diese Abteilung erhielt Major von Alvensleben, welcher auch sogleich antreten ließ. Das Normalinfanteriebataillon dirigierte er an die Tete, eine Tirailleurline wurde vorausgeschickt. Der Marsch wurde über Klein-Bautzen befohlen.

Die Regimentsgeschichte berichtet über die Kämpfe um Preititz:

    "Bevor die Colonne Preititz erreichte, hatte sich die Division Souham dieses Dorfes bemächtigt und man sah zugleich das Gros des Neyschen Corps auf dem Gleinaer Windmühlenberg eintreffen. Von Russischen Truppen war nur ein Dragoner-Regiment und ein sehr zusammengeschmolzenes Bataillon noch jenseits des Blösauer Wassers. Major von Alvensleben hielt es daher für angemessen, die bisher eingeschlagene Richtung aufzugeben, zwischen Preititz und Klein-Bautzen über das Blösauer Wasser zu gehen, und südlich eine Aufstellung zu nehmen. Dem General Blücher ließ er auf einen wiederholten Befehl, Preititz anzugreifen, melden: daß dies unmöglich sei, und er ohne Nutzen seine Truppen opfern würde, daß er jedoch dafür bürge, das Debouchiren der Franzosen aus Preititz zu verhindern. Hierzu ergriff er folgende Maaßregeln: 2 Compagnienm des Normal-Bataillons unter dem Major von Müffling hatte er auf dem rechten Ufer des Blösauer Wassers gelassen, mit dem Befehl, die zurückgebliebene Cavallerie und Artillerie der Colonne abzuwarten. Mit den übrigen 2½ Bataillonen (1. und 2. des Regiments, 2 Compagnien Normal-Bataillon) nahm er eine Aufstellung hinter einer, etwa 800 Schritt von Preititz entfernten Höhe, deren nördlicher Abfall sich sanft geböscht bis an das Dorf erstreckte. Aus dem Dorfe zurückgeworfene Russische Jäger bildeten mit den Tirailleurs der Bataillone eine Schützenlinie vor der Front dieser Aufstellung, während 6 - 8 Russische Dragoner-Schwadronen rechts hinter der Höhe zu seiner Unterstützung hielten. Es war ungefähr 1 Uhr, als die Bataillone die Höhe erreicht hatten. Das Terrain vor ihnen war vollkommen frei, bis zu den Uferbüschen des Blösauer Wassers, das Wasser selbst bot vor dem Dorfe kein Hinderniß, und konnte mit Colonnen passirt werden. Sobald die 2 Schwadronen Westpreußischer Ulanen und die ½ reitende Batterie heran waren, zog sich auch der Major Müffling über das Blösauer Wasser, während die Cavallerie und Artillerie, geführt von Hauptmann von Schütz, durch Klein-Bautzen zurückging, um hier das Wasser zu passiren. Major Alvensleben schob nun das Normal-Bataillon mehr links, in der Richtung auf Klein-Bautzen, um das Tirailleurfeuer concentrischer zu machen. Sobald die ½ reitende Batterie No. 8 unter Lieutenant Reich eingetroffen, befahl der Major von Alvensleben, Preititz in Brand zu schießen, was auch nach wenigen Schüssen gelang. Jetzt drangen die Französischen Tirailleurs vor, und es entspann sich ein sehr lebhaftes Feuer, so daß sich die Schützen des Regiments verschossen und mit frischer Munition versehen werden mußten. Der Lieutenant von Stach ward hier, mit vielen Grenadieren, erschossen. Die Franzosen gewannen allmählich Terrain, besonders als ein geschlossenes Bataillon aus Preititz in der linken Flanke vordrang. Major von Alvensleben setzte sich an die Spitze der beiden Ulanen-Schwadronen und machte eine Attake auf das Bataillon, die indessen mißlang. Es zog sich indeß zurück, als das Normal-Bataillon in seiner rechten Flanke in Colonne vorging. Die Ulanen gingen nun noch einmal vor und warfen sich auf die Tirailleurlinie, welche theils niedergestochen wurde, theils die Flucht ergriff. Sofort avancirte die halbe reitende Batterie, überschüttete 2 feindliche Quarrees und eine Batterie vor Preititz mit Kartätschen, während das 1. und 2. Bataillon mit dem Bajonett vorgingen. Das Normal-Bataillon, welches kurz zuvor vom Major Alvensleben den Befehl erhalten hatte, zu seiner Verbindung mit Klein-Bautzen dahin abzumarschiren, kehrte sogleich um, als es diesen Angriff sah, und ging mit dem Bajonett auf die südliche linke Ecke von Preititz vor. Einen Zug detaschirte Major Müffling links über das Blösauer Wasser, um die Verbindung mit dem Colbergschen Regiment, vom Corps des General von Kleist, aufzunehmen. Die Tirailleurs stürzten sich von allen Seiten mit den feindlichen zugleich in die Eingänge des Dorfes. Es begann ein höchst blutige Handgemenge. die Tirailleurs drangen in die Häuser ein, und fanden die meisten vollgestopft mit Franzosen, die nach heftiger Gegenwehr sämmtlich niedergemacht wurden. Es war ein furchtbares Gedränge in den engen Dorfstraßen, und es wird berichtet, daß viele Leute hierdurch ohnmächtig wurden. (Während des Waffenstillstandes hatte ein Officier des Regiments Gelegenheit, den Chef des Generalstabes der Division Souham in Dresden zu sprechen. Derselbe äußerte über das Gefecht: »Man würde nicht glauben, welche Truppenmassen Preititz besetzt hielten. Es waren 8000 Mann.«) Zuletzt setzte sich der Feind auf dem Kirchhof, der mit einer Mauer umgeben. Der Grenadier Losch 8. Compagnie überstieg die Mauer und öffnete das Thor von Innen. Es blieb hier der Hauptmann von Schenkendorff und der Lieutenant Graf Lusi wurde verwundet. Der Feind räumte Preititz gänzlich und zog sich rechts gegen Gleina ab. Major Alvensleben besetzte die nördliche und östliche Lisiere, sammelte seine Colonnen im Dorfe und ließ den fliehenden Feind durch die ½ reitende Batterie mit Kartätschen beschießen. In demselben Moment trafen von Westen her auf dem andern Ufer des Blösauer Wassers das Regiment Colberg, die Ostpreußische und der Rest der Infanterie der Brigade Roeder ein.

    General Blücher nämlich hatte, etwa ½ Stunde nach dem Abmarsch des Major Alvensleben, als er Preititz in den Händen des Feindes sah, dem General Roeder befohlen, mit dem Rest seiner Truppen der Colonne Alvensleben zu folgen. Etwas später erhielt auch Kleist bei Purchwitz denselben Befehl. Als nun Roeder eben über Klein-Bautzen folgen wollte, stieß seine Tete in dem Dorf selbst auf das Regiment Colberg, welches Befehl hatte, Preititz von Westen her anzugreifen. Dieses Kreuzen der Colonnen verursachte natürlich Aufenthalt. Nachdem dieser beseitigt war, wollte General Roeder seine frühere Marschrichtung wieder einschlagen, da ihm die Aufstellung des Major von Alvensleben zu unterstützen, gewiß mit Recht als besonders wichtig erschien. Major von Wedell vom Generalstabe aber ertheilte ihm den bestimmten Befehl, dem General Kleist auf dem rechten Ufer des Blösauer Wassers zu folgen. Nur ein Mißverständniß kann diesen Befehl erklären, der ohne die Erfolge Alvenslebens der Armee leicht hätte verderblich werden können. So war gegen 2 Uhr Mittags Preititz zurückerobert, die Division Souham mit Verlust vertrieben. Ein  weiteres Vordringen der Verbündeten gegen die Gleinaer Höhe schien aber bei der bedeutenden Ueberlegenheit Ney´s nicht möglich. Ebensowenig gelang es diesem aber, Preititz zurückzuerobern, welches jetzt vom Corps des General Kleist besetzt wurde, da die Brigade Roeder den Befehl erhielt, nach dem vom Feinde gleichfalls bedrohten Kreckwitzer Höhen aufzubrechen. Auf dem Marsch dahin kam aber die Contreodre und der Befehl, die Brigade hinter Klein-Bautzen und Purchwitz aufzustellen, zur Unterstützung der Truppen, welche diese Dörfer besetzt hielten.

    Napoleon, als er um 1 Uhr Mittag annahm, das Ney im Besitz von Preititz sei, befahl in demselben Moment den Angriff des Centrums, als die Division Souham sich nach Gleina zurückzog. Eine zahlreiche Artillerie vor der Front, gingen das VI. Corps, die Garden und das 1. Cavallerie-Corps auf Baschütz, den Kiefer-Berg und den Gottlobs-Berg vor. Das IV. Corps auf dem linken Flügel verhielt sich mehr defensiv. Nachdem der Kopatsch-Berg genommen, auch die Division Siccard den weißen Sten erreicht hatte, etablirte Napoleon eine große Batterie auf den Höhen von Basankowitz. Es war dies der Moment, wo, wie oben erzählt, die Division Maison, durch das IV. Corps unterstützt, das Garde-Fürsilier-Bataillon aus Plieskowitz vertrieb. Maison placirte nun seine Artillerie zwischen Malschwitz und Preititz und beschoß so die Brigade Zieten im Rücken. In diesem Augenblick wurde auch Preititz gegenüberdem übermächtigen und umfassenden Angriff Ney´s, der 5 Divisionen dagegen vorführte, vom General Kleist geräumt. Kleist zog sich südlich des Dorfes ab. Das Yorksche Corps wurde nun nach Kreckwitz beordert, Blücher zu unterstützen. Aber schon heh die Brigade Steinmetz Kreckwitz erreichte, hatte Blücher den Rückzug angetreten.

    Die Brigade Zieten und das Yorksche Corps zogen sich auf Purschwitz zurück. Gleich zu Anfang der Schlacht waren das Garde-Jäger Bataillon und die combinirten Volontair-Jäger-Compagnien der Garde zur Besetzung dieses Dorfes, wie erwähnt, bestimmt. Das Garde-Jäger-Bataillon war aber nicht stehen geblieben, sondern in Klein-Bautzen verwandt worden, kam aber jetzt mit der Brigade Roeder zurück. Diese war kaum hinter Purchwitz aufgestellt, als der Feind das Dorf von Preititz her angriff. Das Garde-Jäger-Bataillon und das Garde-Volontair-Jäger-Bataillon gingen daher vor, vereint mit 2 anderen Bataillonen, mit dem Auftrag, sich so lange zu halten, bis die Artillerie zurückgegangen sein würde. Der Abzug der Brigade geschah in voller Ordnung über Wurschen. Das Füsilier-Bataillon traf hinter Purschwitz wieder beim Regiment ein. Ney, statt auf Wurschen vorzugehen, wandte sich auf Kreckwitz und so wurde der Rückzug des Blücherschen Corps wenig gestört. Am Abend bivouakirte die Brigade Roeder mit dem Gros der Armee bei Weißenberg."

Nach der Schlacht war Napoléon enttäuscht. Er hatte formal zwar gesiegt (der Gegner war zum Rückzug gezwungen worden), im Ergebnis war er trotzdem der Unterlegene. Die Franzosen hatten bei Bautzen bis zu 25.000 Männer verloren, die Verbündeten hatten nach verschiedenen Quellen zwischen 10.850 und 11.200 Tote zu beklagen, also deutlich weniger. Es gibt allerdings auch Quellen, die davon sprechen, dass die französischen Verluste nur leicht höher waren und auch die Verbündeten 20.000 Mann verloren. Das Regiment Garde zu Fuß erlitt bei der Schlacht von Bautzen einen Verlust an sofort Gefallenen von 1 Offizier (Secondelieutenant Johann Ludwig Wilhelm Stach von Goltzheim) und 34 Gemeinen. Dazu verstarben später an ihren Wunden Hauptmann Carl Ludwig von Schenkendorff (Chef der 6. Kompagnie) im Juni 1813 in Hirschberg in Schlesien und 67 Gemeine. Dazu kam noch der Verlust an Verwundeten von 2  Offizieren und 87 Gemeinen. Das Füsilierbataillon hatte dabei die Lieutenants Graf zu Solms-Tecklenburg und von der Marwitz als verwundet und 61 Gemeine als verwundet oder gefallen zu beklagen. Der Gesamtverlust des Regiments Garde zu Fuß bei der Schlacht von Bautzen am 20./21.05.1813 betrug also 4 Offiziere und 188 Unteroffiziere und Gemeine. Das Normalinfanteriebataillon hatte 2 tote und 5 verwundete Offizier und 14 tote und 81 verwundete Gemeine, in Summa also 7 Offiziere und 95 Interoffiziere und Gemeine zu beklagen.

Nach der Schlacht beschloß man im Hauptquartier der Monarchen, weiter längs der Grenze zu Österreich auf Schweidnitz zurück zu marschieren. Zum einen hatte man erkannt, daß Napoléon an Kräften weit überlegen war, zum anderen hoffte man weiterhin auf den baldigen Kriegseintritt Österreichs um das Ungleichgewicht aufheben zu können. Würde der Eintritt Österreichs in die 6. Koalition erfolgen, konnte man sich sehr schnell mit den Österreichischen Truppen vereinigen, wenn man in der Nähe der Grenze blieb. In 3 Kolonnen wurde daher am Morgen des 22.05.1813 der Rückzug auf Görlitz begonnen. Das Blüchersche Korps trat unter den Befehl des Generals Barclay de Tolly. Auf dem Weg nach Görlitz und damit an Napoléon blieben die Russen unter Eugen von Württemberg, der die französische Armee den ganzen 22.05.1813 über in Reichenbach und Markersdorf aufhielt. Ihm ist das Entkommen der Verbündeten wesentlich zuzuschreiben. So endete die Schlacht von Bautzen abermals mit dem geordneten Rückzug der Alliierten. Die Reserve-Brigade von Roeder brach ebenfalls am Morgen des 22.05.1813 auf, passierte die Neisse bei Ludwigsdorf, das etwa 1 Fußstunde vor Görlitz liegt. Dort bezog sie ein Biwak. Marschall Ney wurde am 23.05.1813 zum preußischen Übergang der Neiße bei Ludwigsdorf geschickt, in der Hoffnung, doch noch soviel Fühlung zu behalten, daß ein wesentlicher Angriff möglich wurde. Dort standen jedoch schon die preußischen Garden des General Roeder. Ob Ney wirklich am 23.05.1813 bei Ludwigsburg anlangte ist unklar, ein entsprechender Eintrag findet sich nicht in der Regimentsgeschichte der Garde, der zweifellos erwährt worden wäre, hätte es ein Gefecht gegeben. Am 23.05. ging die Brigade von Roeder weiter zurück auf Waldau. An diesem Tage durchschritt man wieder die Grenze zu Preußen und es wurde ein Tagesbefehl erlassen, wonach auf das Strengste jede "Ausschweifung und Erpressung" zu unterlassen sei. Der König dankte am 23.05.1813 der Armee mit einem anderen Tagesbefehl, in dem unter anderem heißt:

    "Ich drücke der Armee Meine Zufriedenheit aus über den Muth, mit welchem sie am 19. 20. und 21. d. Mts. von Neuem gefochten hat. Das Corps des General York hat am 19. und die Truppen unter dem General von Kleist am 20. dem Feinde gezeigt, was ihre Soldaten vermögen und haben diese sich hierdurch wiederum die höchste Achtung bei den Russischen Truppen erworben, welche einer verbündeten Armee nur immer zu Theil werden kann.            

    Überwiegende Gründe haben es erfordert an oben bezeichneten Tagen keine weiteren Kräfte mehr zu opfern, die späterhin noch siege erringen sollen. Ausdauer ist die Losung in diesem Kriege."

Die Königswache (Garde-Reserve-Bataillon) ging am 22.05.1813 nach Lauban, am 24. nach Goldberg, am 25. nach Alt-Jauer und stand dann vom 28. bis 31.05.1813 in Schweidnitz. Am 31. marschierte sie nach Faulbrück, der König wohnte in Gräditz.

Am Morgen des 24.05.1813 um 03:00 Uhr brach die Reserve-Brigade von Roeder wieder auf. Das Normalinfanteriebataillon marschierte etwa eine ¾ Stunde früher ab zur Besetzung der Brücke bei Naumburg über den Queis. Nachdem die restliche Brigade Naumburg passiert hatte, zog sie wieder vereint weiter und bezog ein Biwak hinter Bunzlau. "Es wurde so gut als möglich Fourage aus dem Magazin in Bunzlau empfangen, da die ordnungsmäßige Verpflegung durch Plünderung und Erbrechung des Magazins von Russen und Preußen vereint, unmöglich gemacht war." berichtet die Regimentsgeschichte. Major Carl Heinrich von Block war inzwischen von seiner bei Groß-Görschen erhaltenen Verwundung genesen und übernahm wieder das Kommando über das Füsilierbataillon. Der interimistische Kommandeur, Major Eugen Max von Roeder, übernahm dafür das Kommando über das I. Bataillon. Der bisherige interimistische Bataillonsführer, Capitain Adolph Heinrich Wilhelm Carl von Grabow, trat zu seiner 10. Kompagnie zurück.

Am 25.05.1813 marschierte die Brigade in das Biwak bei Haynau. Das Regiment erhielt hier 100 Mann Ersatz von verschiedenen Regimentern. Am 26.05. wurde ein Biwak hinter Liegnitz bezogen. Am gleichen Tage wurde ein für die Verbündeten erfolgreiches Gefecht bei Haynau geschlagen. Am 27.05. ging die Brigade nach Mertschütz. Nachdem man in der Nacht vom 28. zum 29.05.1813 bei Preilsdorf biwakierte, passierte man am Morgen des 29. das Striegauer Wasser und marschierte nach Tschechen. "In der hinter dem Striegauer Wasser eingenommenen Stellung sollte die Armee vorläufig stehen bleiben, im Fall sie aber genöthigt würde, weiter zurückzugehen, eine Stellung bei Pilzen hinter der Peile unter dem Schutz von Schweidnitz einnehmen. Die Unterhandlungen über einen Waffenstillstand hatten in den letzten Tagen lebhaft begonnen." berichtet die Regimentsgeschichte.

Für die Schlacht bei Bautzen wurden am 29.05.1813 den in dieser Liste (aus der Regimentsgeschichte) verzeichneten Angehörigen des Regimentes Garde zu Fuß das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen und auch tatsächlich allesamt an diesem Tage ausgegeben.

Eine A.K.O. vom 30.05.1813 befahl, daß sich alle Bataillone wieder auf eine Stärke von 700 bis 800 Mann setzen sollten und bestimmte hierzu 9 Reserve-Bataillone als Ersatz. Das Regiment Garde zu Fuß und das Normalinfanteriebataillon durfte sich aus diesen Bataillonen selbst die Ersatzmannschaften auswählen. Nach der neuen Armee-Einteilung übernahm General Kleist den Teil des Blücherschen Korps, zu dem die Brigade Roeder gehörte, der andre Teil kam unter den Befehl des Generals Yorck. Es wurden am 31.05.1813 auch einige Veränderungen in der Brigade Roeder vorgenommen, welche jedoch das Regiment Garde zu Fuß nicht betrafen. Die ganze Brigade marschierte an diesem Tag in die Gegend von Pilzen und kam zwischen Weiß-Kirschwitz und Pilzen zu stehen. Zur Linken der Brigade standen die Russischen Garden, hinter ihr eine Russische Kürassier-Division. Der König war beim Einrücken des Regiments in das Biwak zugegen und lobte es wegen seines guten Aussehens. Den 01. und 02.06.1813 blieb die Armee stehen. Es wurden hier der Brigade von Roeder 76 Georgen-Kreuze 5. Klasse für Unteroffiziere und Gemeine verteilt "... und bei der Vertheilung vorzüglich auf solche gerücksichtigt, welche zum eisernen Kreuz vorgeschlagen waren, es aber nicht erhalten hatten." (aus der Regimentsgeschichte)

Durch die neue Einteilung der Armee wurde Generalmajor von Roeder Brigade-Chef der Reserve-Kavallerie, Oberstlieutenant von Tippelskirch interimistischer Brigade-Chef der Reserve-Brigade. "Am 2. Juni tauschte das Regiment und Normal-Bataillon ihre nicht völlig eingekleideten Ersatzmannschaften aus den aufgelösten Reserve-Bataillonen in das Garde-Reserve-Bataillon gegen völlig equipirte Leute zurück. Den Nachmittag dieses Tages wurden die Commandeure benachrichtigt, daß ein 36stündiger Waffenstillstand mit dem Feinde abgeschlossen sei." berichtet die Regimentsgeschichte.

Am 03.06.1813 brach die Brigade auf und marschierte bis Langenseifersdorff. Ein Befehl des Generals Miloradowitsch der Russischen Kavallerie unverzüglich zu folgen und nach Proß-Wilkau zu marschieren, wurde abgelehnt, da bereits am 01.06.1813 der Befehl ergangen war, daß die Garden nur durch unmittelbaren Befehl des Königs vom Blücherschen Korps abgezogen werden könnten. Am Abend des 04.06.1813 marschierte die Brigade in ein Biwak bei Strehlen und zwar beim Dorf Kuschel. Das II. Bataillon bezog Quartier im Dorf.

Am 04.06.1813  bezog die Königswache (Garde-Reserve-Bataillon) Quartiere in Ober-Faulbrück und das Königliche Hauptquartier kam nach Neundorf bei Reichenbach.

Daß Napoléon die vorangegangenen Schlachten nicht recht ausnutzen konnte lag daran, daß auch seine Truppen hart mitgenommen waren und er am 04.06.1813 deshalb sogar einen Waffenstillstand abschließen mußte. Diesen nutzten die Alliierten zur Verstärkung.

Am 07.06.1813 wurde den Preußischen Truppen der sechswöchige Waffenstillstand mit einem Tagesbefehl vom 05.06.1813 bekannt gemacht:

    "Der Feind hat einen Waffenstillstand angeboten. Ich habe ihn mit meinen Alliirten bis zum 20. Juli a. cr. angenommen. Das ist geschehen, damit die National-Kraft, die mein Volk bis jetzt so ruhmvoll gezeigt hat, sich völlig entwickeln könne. Rastlose Thätigkeit und ununterbrochene Anstrengungen werden uns dazu führen. Bis jetzt war uns der Feind an Zahl überlegen, und wir konnten bei unsrer Schwäche nur den alten Waffenruhm wiedergewinnen; wir müssen jetzt die kurze Zeit benutzen, um so stark zu werden, daß wir auch unsere Unabhängigkeit erkämpfen. Beharret in Eurem festen Willen, vertrauet Eurem Könige, wirkt rastlos fort und wir werden auch diesen heiligen Zweck erreichen.

    d. d. Neundorf bei Reichenbach den 5. Juni 1813.

Friedrich Wilhelm."

Am 08.06.1813 wurden also die Kantonierungsquartiere für die Zeit des Waffenstillstandes bezogen. Das I. Bataillon bei Ernsdorf, das II. Bataillon bei Dreißighuben, das Füsilierbataillon bei Faulbrück und das Normalinfanteriebataillon bei Gräditz. Das Brigade-Hauptquartier lag in Ersdorf beim I. Bataillon. Der Alarmplatz der Brigade war Leutmannsdorf. Am 10.06.1813 wurde auf Befehl des Königs die vom Garde-Reserve-Bataillon und Normalinfanteriebataillon seit dem 11.04.1813 abkommandierte, 400 Mann starke Königswache im Hauptquartier Se. Majestät, dem Regiment Garde zu Fuß und dem Normalinfanteriebataillon ganz überwiesen. Dafür gaben das Regiment und das Normalbataillon alle seit dem 19.05.1813 von Linientruppen eingestellten und bis dato noch nicht eingekleideten, jedoch vollkommen ausgebildeten Ersatzmannschaften an den Stamm der Königswache ab. Mit diesen 400 Mann sollte sofort von Reichenbach nach Neiße, wo der Rest des Reserve-Bataillons stand, aufgebrochen werden. Der Austausch der Mannschaften fand dann in Ober-Faulbrück statt. Dann marschierte die Königswache nach Neiße, wo auch das inzwischen sehr verstärkte Garde-Reserve-Depot unter Capitain von Schachtmeyer eintraf. Dieses hatte einige Tage zum Korps des Generals von Schuler gehört, welches den von Liegnitz gegen Breslau vordringenden Feind so lange als möglich aufhalten sollte. Es hatte den Gefechten an der Lohe beigewohnt, war jedoch nicht eingesetzt worden.

Am 20.06.1813 war aus dem Normalinfanteriebataillon ein neues Garderegiment zu Fuß gebildet worden. Das Regiment Garde zu Fuß hieß folglich ab diesem Tage nur noch Erstes Garderegiment zu Fuß, das neu gebildete Regiment war demnach das 2. Garderegiment zu Fuß. Dieses erhielt am 22.05.1813 die 2. Fahne des Ersten Garderegiments zu Fuß. Das II. Bataillon (Grenadiere) die 3. Fahne und das Füsilierbataillon die 4. Fahne. Die Fahnen 2 - 4 waren identisch. Die Regimentsgeschichte berichtet: "Am 20. Juni befahl der König die Formation eines zweiten Garde-Regiments, unter dem Commando des Major von Müffling. Das bisherige Normal-Bataillon wurde das 1. Bataillon dieses Regiments. In Folge dessen schied auch die 3. Compagnie des Garde-Reserve-Bataillons, welche vom Normal-Bataillon gebildet war, aus jenem aus, und das Garde-Reserve-Bataillon bestand von jetzt ab nur aus 3 Compagnien, von denen die 3. Compagnie Füsiliere waren. Nach abgelaufenem Waffenstillstand blieb das Bataillon in Breslau bis zum 4. März 1814, fortwährend beschäftigt mit der Ausbildung von Ersatzmannschaften und Anfertigung von Bekleidungsgegenständen. ... Durch Cabinetsordre vom 20. Juni wurde, wie erwähnt, aus dem Normal-Bataillon, dem 1. Bataillon Colberg und dem Füsilier-Bataillon des Leib-Infanterie-Regiments ein neues Regiment formirt, das den Namen 2. Garde-Regiment und den Major von Müffling als Commandeur erhielt. Die bisher als zum Normal-Bataillon commandirt geführten Mannschaften schieden vom 29. ab aus dem diesseitigen Regiment aus. Das Regiment wurde mit dem neuen 2. Garde-Regiment und dem Garde-Jäger-Bataillon zu einer Brigade vereienigt, die den Namen Garde-Infanteri-Brigade erhielt. Es war das erste Mal in der Geschichte des Preußischen Heeres, daß eine größere Truppeneinheit als ein Regiment, den exclusiven Charakter als Garde erhielt. Wir sahen während der ganzen Zeit, seit 1740, die Garde stets mit Linientruppen zu Brigaden vereinigt; die spätere Errichtung des Garde-Corps war eine Erweiterung dieser Maaßregel, der wohl Russische und Französische Vorbilder zu Grunde lagen."

 

Am 20.06.1813 wurde Oberstlieutenant Ernst Ludwig von Tippelskirch zum Oberst befördert und zum wirklichen Kommandeur der neuen Garde-Infanterie-Brigade ernannt, nachdem er schon seit März interimistischer Brigadier der Infanterie gewesen war. Sein Nachfolger als Kommandeur des Ersten Garderegiments zu Fuß wurde Major Friedrich Johann Carl Gebhard von Alvensleben, der hierfür zum Oberstlieutenant befördert wurde. Er hatte das Regiment schon seit dem 09.04.1813 ad interim geführt.

 

Die Regimentsgeschichte berichtet über die Zeit des Waffenstillstandes beim Ersten Garderegiment zu Fuß: "In den Cantonnirungsquartieren bei Reichenbach herrschte beim Regiment die eifrigste Thätigkeit, um sich wieder vollkommen kriegsbereit zu machen. Bekleidung, Armirung, die Feldequipage und Munition wurden gebessert, ergänzt und neubeschafft; die volle Kriegsstärke suchte man zu erreichen. ... Während der ganzen Dauer des Waffenstillstandes wurde die Verpflegung durch das Kriegs-Commissariat geliefert, die größtentheils wohlhabenden Quartiergeber steuerten nach Kräften dazu bei. Die Geldverpflegung fing schon jetzt an, nicht mehr regelmäßig zu erfolgen. Felddienstübungen, Scheibenschießen und Detail-Exercieren füllten die freie Zeit aus. Regster Eifer bei den Leuten, welche mit ungeduldiger Sehnsucht die Wiedereröffnung der Feindseligkeiten erharrten, erleichterten den Dienstbetrieb außerordentlich. Es war eine gewaltige Begeisterung lebendig."

 

Ab dem 19.07.1813 gehörte die Garde-Infanterie-Brigade zum 1. Armee-Korps des Generalleutnants von Yorck.

König Friedrich Wilhelm III. schaute sich gerne Dinge und Details bei seinen Verbündeten ab, namentlich besonders den Russen. Ein weiterer Beweis hierfür ist die folgende Ordre:

    "Da bei allen Armeen der mit uns verbündeten Mächte der Gebracuh stattfindet, des Morgens nach geendeter Reveille und Abends nach geendigtem Zapfenstreich ein Gebet zu verrichten, und es auch Mein Wille ist, daß in Hinsicht der Gottesverehrung Meine Truppen keinen andern nachstehen sollen, und daß überhaupt bei denselben dem so nothwendigen religiösen Sinn immer mehr Raum gegeben werde, wie jedes Mittel zur Belebung desselben angewendet werden möge, so befehle Ich hiermit, daß die Wachen, wenn Reveille oder Zapfenstreich geschlagen wird, ins Gewehr treten, sodann präsentiren, wieder schultern, das Gewehr abnehmen, hierauf Czakot mit der linken Hand abnehmen und hierauf ein stilles Gebet, ein Vater Unser lang, verrichten. In den Feldlägern sollen die vor den Fahnen versammelten Trompeter oder Hautboisten gleich nach beendigtem Zapfenstreich ein kurzes Abendlied blasen.

    d. d. Neundorf bei Reichenbach den 2. August 1813.

Friedrich Wilhelm."

Am 04.08.1813 trat eine Ablösung der beim Garde-Reserve-Bataillon kommandierten Offiziere ein, so daß die Rangliste die folgende wurde:

 

Rangliste des Garde-Ersatz-Bataillons des Regiments Garde zu Fuß vom 04.08.1813

 

Quelle: Reinhard, Carl von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1740-1857, Potsdam 1858, August Stein

 

1) Capitain Ludwig Carl von Wallbrunn, Kommandeur,

2) Stabscapitain Heinrich Albert von Neumann, 1. Kompagnie

3) Stabscapitain Carl Friedrich von Lindheim, 3. Kompagnie,

4) Stabscapitain August Dedo von Hagen, 2. Kompagnie

5) Secondelieutenant Adolph von Rhaden,

6) Secondelieutenant Eduard Graf Waldersee, Adjutant,

7) Secondelieutenant Gustav von Kessel,

8) Secondelieutenant Carl Christian von Waldow,

9) Secondelieutenant von Hagen, Secondelieutenant von der Armee,

10) Secondelieutenant Johann Leo Carl Graf Schlieffen, dito

11) Secondelieutenant Ferdinand von Kleist, dito

12) Secondelieutenant Friedrich Louis Wilhelm Freiherr von Forstner, Führer des freiw. Reserve-Jäger-Detasch.

13) Secondelieutenant Berend.

 

Am 10.08.1813 wurde Oberst von Tippelskirch der neue Chef des 2. Armee-Korps, Oberstlieutenant von Alvensleben wurde sein Nachfolger als Kommandeur der Garde-Infanterie-Brigade.

 

Österreich trat am 12.08.1813 der 6. Koalition bei, Schweden tat das Gleiche. Damit wendete sich das Zahlenverhältnis gegen Napoléon und für die Alliierten.

"Mächtig und gewaltig waren die Heere, welche jetzt von Seiten der Alliirten in das Feld rücken konnten. Oestreich war der guten Sache beigetreten, Schweden hatte sich ihr angeschlossen. die Preußische Armee hatte während des Waffenstillstandes unendlich gewonnen, es war gelungen, die Landwehr zu Soldaten zu bilden, die Begeisterung in die Bahnen der Disciplin zu lenken, ohne sie darum erkalten zu machen. In größtem, Sinne war denn auch der zu Trachtenberg verabredete Operationsplan gedacht. In Böhmen sollte eine vereinigte Preußisch-Russisch-Oestreichische-Armee von über 200,000 Mann aufgestellt werden, 50,000 Mann in Schlesien operiren, 70,000 Mann unter dem Kronprinzen von Schweden die Elbe oberhalb Torgau passiren und auf Leipzig vorgehen. Alle verbündeten Kriegsheere ergreifen diem Offensive und das feindliche Lager wird der Sammelplatz, auf dem sie sich vereinigen." jubelt die Regimentsgeschichte über die Wiederaufnahme der Kämpfe, nun im Verbunde mit Schweden und Österreich!

Die Garde-Infanterie-Brigade gehörte seit dem 01.06.1813 zum Armee-Korps des Generallieutenants von Kleist. Am 09.08.1813 schied sie aus diesem Verband aus und wurde der Russischen Reserve-Armee unter Großfürst Constantin und dem 5. oder Garde-Infanterie-Koprs unter Generallieutenant Jermolow unterstellt. In diesem Verband blieb die Brigade nun bis zum Friedensschluß am 31.05.1814.

Die Bataillone des Ersten Garderegiments zu Fuß waren am 10.08.1813 wieder voll aufgefüllt. Jedes von ihnen war einschließlich der Jäger-Detaschements 1.000 Mann stark. Am 12.08.1813 marschierte das Regiment aus seinen Kantonements bis in die Gegend von Neurode, blieb dort den 13.08. stehen und überschritt am 14.08.1813 mit der Brigade vereint die Böhmische Grenze durch Braunau nach der Gegend von Politz. Die Marschordnung der Garde-Infanterie-Brigade war:

Avantgarde: Füsilierbataillon des Ersten Garderegiments zu Fuß, Pionier-Detaschement (bestehend aus 1 Unteroffizier, 3 Zimmerleuten und 5 Erdarbeitern von jedem Bataillon der Brigade).

Gros: ½ Gardejägerbataillon (2 Kompagnien waren abkommandiert), I. und II. Bataillon des Ersten Garderegiments zu Fuß, I. und II. Bataillon des 2. Garderegiments zu Fuß, Garde-Fußbatterie.

Arrieregarde: Füsilierbataillon des 2. Garderegiments zu Fuß.

Am 15.08.1813 marschierte die Garde-Infanterie-Brigade nach Groß-Strehlitz, die Verpflegung wurde nun sehr knapp, da ausgeschriebene Lieferungen nur unvollständig eintrafen. Am 16.08. marschierte die Brigade nach Chlum, jenen Ort, wo sie 53 Jahre später wieder zu Ruhm und Ehren gelangen sollte, doch davon an anderer Stelle mehr. Dort wurde ein Biwak bezogen. Am 17.08.1813 war Ruhetag. "Es regnete ununterbrochen und die Wege waren sehr schlecht. Es wurde scharf gerügt, daß der eiserne Bestand an Lebensmitteln von vielen Leuten, namentlich von den Jäger-Detaschements, angegriffen worden war, welchen letzteren es auch jetzt noch schwer wurde, sich ganz in die Disciplin zu finden." berichtet die Regimentsgeschichte. Am 18.08.1813 marschierte die Brigade in die Gegend von Skrzenerz, am 19. nach Lautschin und passierte am 20.08.1813 die Elbe bei Kostelitz. In dieser Gegend vereinten sich die Alliierten mit den Österreichern, der Oberbefehl über die vereinten Streitkräfte ging auf Feldmarschall Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg (15.04.1771 - 15.10.1820) über. Die drei Monarchen befanden sich beim Hauptquartier der vereinten Streitkräfte. "Es sei bemerkt, daß in der ganzen nächsten Zeit, wo so ungeheure Massen auf einem kleinen Kriegstheater beinahe 6 Wochen operirten, die Verpflegung stets schlecht und mangelhaft war; das kalte und regnerische Wetter kam hinzu, so daß die Truppen sehr viele Kranken hatten." berichtet die Regimentsgeschichte. Am 21.08.1813 Biwak bei Klumezau mit den Russischen Garden, am 22. war dort ein Ruhetag. Am 23.08. wurden sehr enge Quartiere in Jonsdorf und Umgebung bezogen, an der Straße nach Freiberg. Die Russischen Garden marschierten nach Teplitz. Die Garde-Infanterie-Brigade sollte am 24.08.1813 weiter marschieren, da aber alle Wege und Straßen durch Fuhrwerk und Truppenmassen so verstopft waren, daß ein Vorwärtskommen nicht möglich erschien, so blieb sie diesen Tag über stehen. Am 25.08. brach sie dann endlich auf und hatte ihren Rendez-vous-Platz bei Teplitz. Der anhaltende Regen auf dem lehmigen Boden griff das Schuhzeug sehr an. Auf der Dresdener Straße rückte die Brigade bis Culm, wo sie biwakierte und am 26.08.1813 weiter auf die Höhen von Kotta und Ottendorf, wo auch die Russischen Garden schon standen. Die leichten Truppen der Brigade stellten in der rechten Flanke gegen den Königstein eine Postenkette.

Am Nachmittag des 26.08.1813 konnte man von den Höhen aus die Schlacht bei Dresden (25.-27.08.1813) beobachten. Der Prinz von Württemberg stand mit einer Abteilung des Wittgensteinschen Korps gegen den Königstein vorgeschoben und war den Tag über in ein lebhaftes Gefecht verwickelt. Um den Fortgang dieses Gefechtes zu beobachten, wurde die 9. Kompagnie des Füsilierbataillons vorgeschickt. "Ehe diese auf die Straße nach Königstein kam, mußte sie Klein-Kotta und Nauendorf passiren. Kaum aus diesem letzteren Dorfe debouchirend, stieß sie auf Französische Tirailleurs, welche Russische gegen Rothweinsdorf zurücktrieben. Ein Füsilier wurde verwundet. Das Bataillon erhielt in diesem Augenblick den Befehl, wieder zur Brigade zu stoßen, und die 9. Compagnie wurde daher auch herangezogen. Das Füsilier-Bataillon bildete nun die Avantgarde auf dem Vormarsch gegen Dresden über Zehista. Die Nacht war sehr finster, Sturm und Regen wechselten ab, der Weg morastig und mit Russischer Bagage übersäet, weshalb 6 Stunden nach dem Abmarsch noch nicht 2 Wegstunden zurückgelegt waren. Mit Anbruch des Tages ging es etwas schneller, aber da die große Straße nach Dresden, um nach Loschwitz zu kommen, verlassen werden mußte, so wurde der Weg immer grundloser und die Artillerie konnte nicht mehr folgen. Gegen Mittag wurde auf ein paar Stunden Halt gemacht bei Leubnitz. Das Gefecht war auf dem Oestreichischen linken Flügel sehr lebhaft. Der Brigade gegenüber, welche zur Reserve des Centrums gehörte, war es unbedeutend. Alles erwartete zum 28. eine entscheidende Schlacht, da kam plötzlich in der Nacht der Befehl zum Rückzug nach Dippoldiswalde."

Fürst Schwarzenberg sah sich auf seinen beiden Flügeln bedroht und hatte daher den Rückzug befohlen. Unter dem Oberbefehl Barclay de Tollys sollten sich das Wittgensteinsche, 2. Preußische Armee-Korps und die gesamten Russisch-Preußischen Reserven über Gieshübel nach Peterswalde zurückziehen. Barclay, besorgt über seinen Rückzug, ging jedoch nicht nach Peterswalde, sondern über Dippoldiswalde nach Maxen. Napoléon hatte es also wieder nicht geschafft, die Verbündeten entscheidend zu schlagen, die sich abermals geschickt zurückzogen. Dresden, dessen Vorstadt teilweise stark zerstört war, glich nach der Schlacht - wie Bautzen zuvor - einem riesigen Feldlazarett. Es war vollgestopft mit Verwundeten und Sterbenden.

Über den Rückzug nach Maxen am 28.08.1813 schreibt die Regimentsgeschichte:

    "Das schlechte Wetter, die Defileen im Rücken, die Ermattung der Truppen bei fast völligem Mangel an Nahrungsmitteln, ließen die Resultate einer solchen Bewegung voraussehen. Wittgenstein und Kleist zogen sich nach Maxen; General Klüx bildete die Arrieregarde gegen Dippoldiswalde. Gegen 9 Uhr hörte man bei der Arrieregarde, welche durch einen Theil des Wittgensteinschen Corps und die Brigade Klüx gebildet wurde, ein heftiges Feuer. Eine halbe Stunde später fand man bei Possendorf auf einer Anhöhe den Oestreichischen General Hardeck mit einigen Jäger-Bataillonen und leichter Cavallerie aufgestellt. Derselbe bildete die Arrieregarde der linken Flügel-Colonne. Die linke Flanke war daher bedroht, da diese Colonne schon so weit zurück war. Den General Hardeck bis zur Ankunft der Brigade Klüx zu unterstützen, ließ Oberstlieutenant von Alvensleben das Füsilier-Bataillon 2. Garde-Regiments und ½ Garde-Batterie zurück. Hinter der Höhe, wo sich das Thal zum Dammweg verengt, wurde noch das 2. Bataillon 2. Garde-Regiments aufgestellt. Ohne ins Gefecht gekommen zu sein, zogen sich die Bataillone bei Ankunft der Brigade Klüx nach Dippoldiswalde zurück und trafen hier die Brigade beim Abkochen. Es mochte 4 Uhr sein, als der weitere Rückzug nach Altenberg angetreten wurde. Das Füsilier-Bataillon des Regiments bildete die Avantgarde. Der Weg führte bis Falkenhain in einem unausweichlichen Defilee, das so verfahren war, daß die Infanterie nur zu Einem passiren konnte. Die Lage fing an mißlich zu werden, da der Fein Dippoldiswalde um diese Zeit schon genommen hatte. Um nicht im Defilee überfallen zu werden, bog die Brigade in einen Seitenweg über Behrenfeld aus, und nur die beiden Füsilier-Bataillone und die Batterie blieben auf der Straße. Sie mußten fast alle Viertel-Stunde eine Stunde halten, um die Leute zu sammeln, indem die zerbrochenen Brücken, die ausgetretenen Wasserläufe, einen aufgeschlossenen Marsch völlig unmöglich machten. Mit Aufopferung aller Kräfte gelang es nur, die stecken gebliebenen Wagen aus dem Wege zu schaffen, damit die Artillerie folgen konnte. Sehr viele Leute gingen baarfuß. ein vorausgeschickter Officier meldete, daß Falkenhain von unserer Armee stark besetzt sei, und jedenfalls bis zum anderen Mittag gehalten werden würde. Unter diesen Umständen konnte den völlig erschöpften Leuten bis Tagesanbruch Ruhe gegönnt werden. Nahrungsmittel waren nicht zu beschaffen. Bei Altenberg vereinigte sich die Brigade wieder und blieb den Tag über stehen. Man zog die Möglichkeit eines Gefechts der Gewißheit völliger Auflösung bei einem unter solchen Umständen fortgesetzten Rückzuge vor. Viele Compagnien hatten 8, 10-12 Zurückgebliebene, welche fast sämmtlich den Franzosen in die Hände fielen. Bei Altenberg wurde endlich geschlachtet und abgekocht.

    Mit Tagesanbruch des 30. wurde der Marsch fortgesetzt. Da die große St5raße nach Teplitz ganz verfahren war, bog Oberstlieutenant von Alvensleben in einen Seitenweg rechts über Ichberge ein. Bei Teplitz angekommen, erfuhr man den Sieg bei Culm. Lauter Jubel begrüßte am Abend den König, als er beim Bivouak der Brigade vorbeiritt. an demselben Abend lief auch die Nachricht vom Siege an der Katzbach ein, am anderen Morgen die von Groß-Beeren und so vereinigte sich Alles, den Muth und die Spannkraft der Truppen wieder auf das Höchste zu steigern. Gegen Mittag des 32. wurde das Bivouak auf den Fasanenberg hinter Teplitz verlegt. Am 1. September rückten die Truppen zu feierlichem Siegesdankgebet aus. Bis zum 6. September blieb Alles ruhig stehen, und wurde während dieser Tage alle4s Mögliche angewandt, um die Bekleidung, namentlich das Schuhwerk in Stand zu setzen."

Die oben erwähnte A.K.O. vom 02.08.1813 bzgl. der Gebete wurde hier im Biwak von Teplitz zum ersten mal angewendet. In der Stellung hinter Teplitz standen die Preußischen Garden als Soutien der übrigen Russischen und Preußischen Truppen bei Teplitz. Die drei Avantgarden standen mit ihrem Gros auf den drei Straßen von Gießhübel nach Peterswalde, von Altenberg nach Teplitz und auf der Straße nach Neustadt. Die Armee stand also hinter dem schützenden Erzgebirge, ,mit den Vorposten die Ausgänge dieses Gebirges haltend. Hier sollte sie so lange stehen bleiben, bis die Armee des Generals Benningsen herangerückt sein würde und die Schlesische und Nord-Armee auf dem linken Ufer der Elbe sein würden. Dann sollte sie jedoch zum Angriff übergehen und zur Entscheidungsschlacht in die sächsische Ebenen herabsteigen! Am 06.09.1813 wußte man im Hauptquartier der Verbündeten, daß sich die Franzosen auf das rechte Elbufer gezogen hatten um der Schlesischen Armee entgegenzutreten. 60.000 Österreicher unter dem Fürsten Schwarzenberg gingen daher ebenfalls über die Elbe, um in der Flanke des Gegners zu operieren. Das Korps des Generals Kleist marschierte an diesem Tag auf Altenberg, die Reserven nach Nollendorf, die Gardeinfanteriebrigade lag in einem Biwak bei Culm.

 

 

Bei der Schlacht von Leipzig (16.-19.10.1813 „Völkerschlacht“) bildete die Garde die Reserve. Dennoch trat für das Erste Garderegiment zu Fuß ein Verlust von 2 toten und 1 verwundeten Offiziere und 40 gefallenen und 25 verwundeten Unteroffizieren und Mannschaften ein. Außerdem verlor das Regiment vom 12.08.1813 bis zum 14.11.1813 insgesamt 18 Infanterie- und 2 Jäger-Offiziere, 38 Unteroffiziere und 6 Oberjäger, 23 Spielleute, 792 Grenadiere und 111 Jäger durch Krankheit.

 

 

 

 

Beim Anrücken der Alliierten auf Paris im März 1814 ließ ein Marschall Serrurier ca. 1.500 - 1.600 in den vergangenen Feldzügen eroberte Feldzeichen im Hof des Invaliden-Domes in Paris verbrennen und die Asche in die Seine werfen, darunter wohl auch die Fahnen der alten Regimenter Garde Nr. 6 und Nr. 15. Im Juni 1815 wurden einige Fahnenspitzen, die ja unbrennbar waren, aus dem Fluß geborgen. Sie wurden am 30.03.1829 im Invaliden-Hotel ausgestellt. Es befanden sich insgesamt 39 preußische Fahnenspitzen darunter.

Während der Belagerung von Paris wurde am 30.03.1814 ein Angriff der Fußgarden auf die Höhen von Romainville durchgeführt, welcher wiederum sehr verlustreich verlief. Das Erste Garderegiment zu Fuß verlor dabei 12 Offiziere tot und 26 Offiziere an Verwundeten., Weiterhin waren 13 Unteroffiziere, 2 Hornisten, 3 Jäger und 142 Grenadiere gefallen und etwa 500 Unteroffiziere, Jäger und Grenadiere verwundet worden. Das entsprach etwa 50% der Offiziere und 33% der Mannschaften. Am anderen Morgen sollten die zerschlagenen Kompagnien antreten. Keine war mehr im Stande zwei Züge zu formieren. Gegen Abend traf der Befehl ein, daß die Garden am anderen Tag en Parade in Paris einrücken sollten. Die Bekleidung des Regiments war inzwischen so schlecht, so abgetragen und unansehnlich geworden, daß alle Mühe, auch nur einigen Glanz zu erzielen vergeblich waren. Die Preußischen Garden stachen dann auch am folgenden Tag gewaltig ab gegen die schönen Russischen Garden, die im Gegensatz zu den Preußen, die froh waren, ihre Soldaten überhaupt einkleiden zu können, eine zweite Garnitur dabei hatten und nun im feinsten Paradeaufzug einmarschierten. Beim Einmarsch konnte man bei den Gardejägern die "...schrecklichsten Gestalten erblicken, die schönsten seidenen gestickten Decken in Ermangelung von Mänteln umgehangen, oder ganz kurze Mäntel, die kaum das Gesäß bedeckten. Die Füße in Schaffelle eingebunden, da die Schuhe und Stiefel fehlten, große Brandlöcher von den Biwaksfeuern in den Kleidungsstücken..." wie es in der Regimentsgeschichte der Gardejäger später zu lesen war. Und das bei der Garde! Wie es bei der Linie oder gar der Landwehr aussah kann man sich leicht vorstellen. Zum Ersten Garderegiment zu Fuß hieß es in der Regimentsgeschichte: "Der abgerissene, fast zerlumpte Zustand in welchem die Truppen eingerückt waren, gab der gaffenden und leichtsinnigen Menge Stoff zu Witz und Hohn." Der König kritisierte beim Einzug die Haltung, das Marschieren  und den Anzug seiner Garden. Graf Schwerin, der neben ihm stand, bemerkte, daß die Truppen, die eben noch so tapfer gefochten haben über diesen Punkt wohl Nachsicht fordern könnten. König Friedrich Wilhelm III. jedoch erwiderte darauf, daß "Eines dem anderen nicht schadet", er es wenigstens nicht einsehen könne.

Offizier vom 1ten Regiment Garde zu Fuß, Füsilier, Zeichnung aus: 30 kolorierte Bleistiftzeichungen von Prinz Wilhelm von Preußen ca. 1812, GStA, BPH Rep. 51 A Nr. 8/3, Berlin-Dahlem

Nach dem Einzug in Paris versuchten sich die Truppen deshalb so gut wie möglich von den Strapazen der Kampagne zu erholen und wieder in einen feldverwendungsfähigen Zustand zu kommen. Dies betraf auch und vor allem die Bekleidung. Nach dem Russischen Vorbild, an dem der König Gefallen gefunden hatte, sollte nun die Preußische Ausrüstung und Uniformierung abgeändert werden. Am 26.05.1814 wurde daher auf allerhöchsten Befehl der Kragen dahingehend geändert, daß er nun durch drei Haken geschlossen wurde und nur noch so hoch sein dürfe, daß der Hals umschlossen sei. Die Unteroffizierstresse verlief dann und im folgenden oben herum. Mit diesem Tage wurden nun auch für die Mannschaften (incl. Unteroffiziere) Kapellenlitzen eingeführt, die die bisherigen altpreußischen ersetzten. Die weißen Parade- oder Sommerhosen sollten nun vom "Gamaschenschnitt" sein.

"Während des Monats April 1814 in Paris erhielt das ganze Regiment neue Czakots, gegen 6½ Zoll hoch, oben gegen 22½ Zoll im Umfange, der Boden ganz von Leder, ebenso waren auch die Seiten und das Kopfende mit Leder besetzt; statt der bisher von Unterofficieren und Gemeinen gehabten weißen Blechsterne wurden dergleichen gelbe geliefert, statt des ledernen Kinnriemens wurden gelbe messingne Schuppen, wie auch schwarze dünne Pferdehaar-Büsche. 14 Zoll lang und am Unterende 3, oben aber gegen 5½ Zoll im Umfange, für Officiere und Mannschaften verabreicht. Die Officiere hatten vergoldete Schuppenketten, behielten den früher gehabten silbernen Stern und zur äußern Verzierung erhielten sie einen Cordon von starker schwarz und weiß melirter Silberschnur, welcher in einer 1½ Zoll breit geflochtenen Kette an der Vorderseite unter dem Stern auf dem lakirten Schirm herunterlag, an beiden Seiten nach der oberen Kante hinlief, von hier um die Hinterseite lief eine einfache Schnur mit beiden Oberenden verbunden und von der rechten Oberseite fiel der Rest der Cordonschnur mit 3 starken silbernen Troddeln über die rechte Schulter herab, und wurden die beiden Endtroddeln etwas tiefer mit ihren beiden Schnurspiegeln an den 2. Knopf der Montirung gehangen. Die Cordons der Unterofficiere und Mannschaften wie Spielleute waren von weißer Baumwolle, bei den Unterofficieren und Hautboisten waren die Quästen schwarz melirt, bei den Gemeinen ganz weiß. Die Schuppenketten hatten am Czakot ihre Befestigung vermittelst gelber Granaten und Rosetten, welche bei den Officieren vergoldet waren. Die Pompons wurden etwas kleiner und in mehr länglicher Form als früher geliefert, die der Officiere und Feldwebel von Silber, Unterofficiere und Gemeine von gewöhnlicher Wolle, später von schwarz und weißem Tuch, über Holz gezogen.

Der Montirungsrock erlitt im April 1814 am Kragen darin eine Veränderung, daß derselbe statt offen, unter dem Kinn mit 3 Haken und Oesen versehen und zugehakt getragen werden mußte, und zwar außergewöhnlich enge, dergestalt, daß es nichts Seltenes war, daß der Mann es nicht vermochte, den Kragen allein zu schließen. Bei den Officieren kamen die silbernen Achselbänder und mit diesen auch die bisherigen Schulterklappen außer Tragung und in deren Stelle nach der Königl. Bestimmung vom December 1813 Epaulette mit stark versilberten Halbmonden (von Blech etc.) mit gesteifter Patte und Knopfloch zum Anknöpfen an einen am Unterende des Kragens angebrachten Knopf; die Patte war von weißem Tuch; bei den Lieutenants auf beiden Seiten mit silberner schmaler Tresse besetzt, bei den Capitains mit einer dergleichen Tresse auch um das Knopfloch, also die Patte geschlossen; wogegen die Stabsofficiere an den Halbmonden 2 auch 3 Reihen silberner Cantillen von 1¾ Zoll ringsherum angesetzt erhielten.

Die Ueberröcke erlitten 1814 in der Art eine Veränderung, daß selbige mit geschlossenem Kragen, enger und kürzer wie die früheren, angefertigt wurden. Sie durften nur bis an die Kniescheibe reichen und nur die Weite auf dem Leibe, ohne die Montirung darunter tragen zu können, haben.

Die Beinkleider (der Offiziere) blieben zwar von graumelirtem Tuch, aber hellerer Farbe wie bisher, verloren im April 1814 auch die Knöpfe an der Außenseite und erhielten an deren Stelle einen Besatz von zwei rothen Tuchstreifen, jeder von 1 Zoll Breite neben der äußeren Nath an jedem Bein entlang, wie auch selbst die Nath mit einer rothen Biese eingelegt, ganz in der Art, wie solche von Generalen und Adjutanten noch getragen werden. Als Parade- und Sommerdiensthose wurde vom April 1814 für Officiere und Mannschaften eine weißleinene Stiefelettenhose über den Schuhen mit Strippen und 4 Leinwand überzogenen Knöpfen, über Schuh und Knöchel herauf angefertigt und getragen. Die weißleinene Pantalonhose wurde abgeschafft.

Die Feldmütze erhielt im April 1814 in der Art eine Veränderung, daß die zur Zeit neu angefertigten keine Ueberklappe über Ohr und Genick mehr erhielten, sondern mit einem etwas breiteren Boden und das Ganze mit Werg wattirt angefertigt wurden, wodurch selbige einen steifen Sitz bekamen, für Erhaltung der Gesundheit, besonders im Winter und bei Bivouaks weniger geeignet, wie auch unbequemer zum Verpacken und Fortbringen, besonders wenn sie durchnäßt waren, wurden.

Mantel. So vollkommen und gut an Weite, wie an Material dieses Bekleidungsstück 1807 und 1808 angefertigt, so nahm beides nach und nach in der Art ab, daß dasselbe schon von 1815 nicht mehr recht als bequemer Mantel, vielmehr nur als ein mißgestalteter Ueberrock angesehen werden konnte. - Denn schon 1814 hielt man wegen der Enge des Kragens und des ganzen Mantels, welcher sich nur mühsam über die Montirung anziehen ließ, den Mantel auf diese Weise überzuziehen, gar nicht mehr für zweckmäßig und nothwendig, in Folge dessen er nun auch kürzer, nur bis an die obere Wade reichend, angefertigt wurde. Auch wurde dieses kostspielige, aber auch wohlthuende Montirungsstück, Behufs zierlicher Darstellung beim Erscheinen mit Gepäck zur Parade, Exercieren und selbst bei gewöhnlichen Märschen durch mannigfaltiges Wickeln und Rollen viel mehr zu seinem Nachtheil beschädigt, als bei dem wirklich für ihn bestimmten Zweck.

1814 traten in Stelle der langen Stiefeln kurze Halbstiefeln mit derselben Tragezeit (2 Jahre) ein; Schuhe und Sohlen blieben wie vor 1814.

Im April 1814 wurden die Ringe aus dem Koppel ganz herausgenommen, die Säbeltasche wieder an derselben Stelle in schiefem Schnitt festgenäht und damit nur allein zum Tragen über die Schulter eingerichtet wurde. Viele Koppel mußten, da sie wegen erfahrenen Veränderungen schadhaft, auch im Kriege 1813 und 1814 viel in Bivouaks und auf Märschen gelitten, durch neue ersetzt werden. Die Unterofficiere der Grenadier-Bataillone trugen ihre Kartuschen dauernd über die Schulter, wie die Leute ihre Patrontaschen,, zu welcher Tragart 1814 auch die Unterofficiere des Füsilier-Bataillons übergegangen waren.

In Paris aber im April 1814 ist der Tornister mit 1¾ Zoll  breiten, unter den Armen gekrümmten Tragriemen, wie auch mit einem an denselben befestigten Brustriemen mit Schnalle versehen worden (übereinstimmend mit denen der Russischen Fußgarden). Vorbezeichnete Gepäckart ist auch später mit unerheblichen Veränderungen in Kleinigkeiten bis 1848 beibehalten worden" (aus der Regimentsgeschichte)

Schon am 13.12.1812  wurde laut Allerhöchster Kabinetts-Ordre (A.K.O.) ein neues Tschakomodell, welches nach russischem Vorbild nach oben hin geschweifte Form besaß eingeführt. Laut Pietsch (siehe die Literaturhinweise) bekam das Garderegiment zu Fuß diesen Tschako "neuer Art" schon im Dezember 1813. Das gesamte Regiment bekam diesen Tschako dann im Verlaufe des Krieges, während die Linienregimenter diesen erst nach dem Ende der Auseinandersetzungen 1815 erhielt. Beim neuen Modell war der Mannschaftsgardestern einfacher gearbeitet, nicht mehr emailliert und aus Messingblech geprägt. Demzufolge wurde auch der Stern auf der Patronentasche gegen diesen neuen Stern ausgetauscht. Offiziere behielten weiterhin auf dem Tschako den silbernen Gardestern bisheriger Probe. Die Einführung des neuen Modells wurde jedoch per A.K.O. vom 06.04.1813 wieder ausgesetzt, da es offenbar Schwierigkeiten in der Beschaffung gab. Ob es überhaupt real getragen wurde, ist eher fraglich, da die Preußen froh sein konnten, wenn sie überhaupt eine Kopfbedeckung stellen konnten. Nach dieser Ordre wurden dann Feldmützen in großem Umfang gefertigt, da diese wesentlich billiger zu produzieren waren.

Tschako eines Unteroffiziers des Ersten Garderegiments zu Fuß Modell 1814, vermutlich französischen Ursprunges

Die Garde sollte als königliche Haus- und Hoftruppe das Vorbild für die ganze Armee darstellen. Daher wurde besonders hier dem Parade- und Besichtigungsdrill erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt. Dennoch mußte die Preußische Armee - und damit auch die Garde - mit wenig Mitteln alle befohlenen Änderungen umsetzen. Ob man sich damit nur behalf oder ob die Vorschriften absichtlich sehr ähnlich der französischen Bekleidungsvorschriften verfaßt wurden ist nicht bekannt. Fakt ist jedoch, daß z. B. der "Neupreußische Säbel" nichts anderes war als der französische "Sabre Briquet". Und auch der Tschako war dem französischen Modell sehr ähnlich in Form und aussehen. In einem Lagebericht des 08.08.1814 heißt es, daß die Garden zu Fuß in Paris französische Tschakos erhalten hätten. Diese seien aus Filz mit Lederbesatz und mit Schuppenketten anstelle der bisherigen Kinnriemen aus Leder versehen. Weiterhin fiel der Gänsefederparadebusch fort und dafür wurde nun ein 14 Zoll langer Roßhaarbusch eingeführt, welcher von den Mannschaften "eifrigst" angefertigt wurde. In Form und Aussehen glich man sich somit den französischen Tschakos an, die offenbar in größeren Mengen erbeutet worden waren. Das ging sogar soweit, daß die ursprünglich glatten Schuppenkettenrosetten, nun plötzlich für Grenadiere die Granate und für alle übrigen einen fünfzackigen Stern zeigen sollten. Ganz so wie die französischen Tschakos. Weiterhin behalfen sich die Truppen dadurch, daß sie selber die Dinge anfertigten, die nun vorgeschrieben waren. Überall wurde nun mit Eifer daran gearbeitet, die Ausrüstung wieder auf Stand zu bringen. Es wurde Lederzeug angestrichen, neues beschafft, Tschakos neu beschafft, Feldmützen ausgetauscht, um wenigstens gliederweise wieder Gleichmäßigkeit herzustellen. Den Ersatzformationen für das Erste Garderegiment zu Fuß wurde sogar befohlen, möglichst viele Schneider, Sattler und Schuhmacher einzustellen um neben der Ausbildung von Rekruten auch das Anfertigen von Bekleidungsgegenständen zu betreiben (aus der Regimentsgeschichte).

"Beinkleider der Unterofficiere und Gemeinen vom October 1814 ab, die grautuchenen wieder lang bis auf den Fuß, unter demselben mit Lederstrippen, mittelst welcher sie unter dem Hohlfuß stramm angezogen werden konnten, versehen. Das Unterende hatte auswärts einen kurzen Schlitz, welcher vermittelst 3 platten zinnernen Knöpfen nach dem Anzug geschlossen wurde. Diese Knöpfe wurden 1815 durch Haken und Oesen an jedem Fuß verdrängt, wie endlich auch diese 1819 ganz fortblieben und die Beinlinge ganz bis auf den Fuß geschlossen getragen wurden, die Fußstrippe aber die Vorrichtung zum Anknöpfen auf der inneren Seite erhielt. Bei Paraden und für den Sommer wurden weißleinene lange Stiefelettenhosen getragen, Pantalons kamen 1814 vom April ab ganz außer Tragung. 1815 wurde Unterofficieren und Mannschaften ein Paar grauleinene Pantalonhosen zum Marschanzug verabreicht.

Jene 1811 zur Tragung gekommenen kurzen Stiefeletten sind mit Verabreichung der Halbstiefeln 1814 wieder beseitigt und in deren Stelle 1815 längere bis über die Wade reichende grauzwillichne Stiefeletten (Marschstiefeletten genannt) verabreicht, welche aber nur auf Märschen über den Hosen getragen wurden, im Stande oder Ruhe und während des Friedens sollten sie, als zur Kriegsbekleidung gehörend, auf den Kammern aufbewahrt werden. Diese Marschstiefeletten sind mit 8 ledernen Knöpfen, wie dergleichen Strippen unten versehen und werden beim Marsch über den Hosen getragen; sie sind indessen besonders bei Nässe, wenn auch scheinbar den untern Teil der Hose schonennd, ein sehr unbequemes Montirungsstück, durch welches der untere Theil des Beines erlahmt und so den Mann früher ermüdet als ohne Stiefeletten; es ist daher zweckmäßiger, wenn die Hosen umgeschlagen, oder auch in die Halbstiefel eingezogen werden." (aus der Regimentsgeschichte)

Erstes Garderegiment zu Fuß 1814 - 1843, Zeichnung aus dem Semper Talis Blatt Nr. 71 zum 250jährigen Regimentsjubiläum

Als 1815 Kaiser Napoléon Bonaparte I. zurückkehrte und Preußen erneut mobil machen mußte, befand sich die Armee mitten in der Restrukturierungsphase und zog daher erneut im buntesten Zeug ins Feld.

 

Der Blutzoll des Ersten Garderegimentes zu Fuß war in den Gefechts-Tagen des Jahres 1813 und 1814 immens. Zwar nahm es noch am Frühjahrsfeldzug 1814 teil und zog dabei bis Paris, doch derart geschwächt konnte das Regiment nicht an der entscheidenden und heute noch bekannten Schlacht von Waterloo (18. Juni 1815 „Belle Alliance“) teilnehmen, welche das Ende Napoléons besiegelte.

 

 

Die Fahne des I. Bataillons, deren Fahnenstock ja bei der Schlacht von Groß-Görschen zerschmettert worden war, erhielt am 02.05.1815 über der Bruchstelle einen silbernen Ring mit der Aufschrift "Grosz Görschen 2. Mai 1813"

 

 

Das I. und II. Bataillon erhielten am 15.06.1815  auf ihren Bataillonsfahnen goldene Fahnenspitzen mit dem Eisernen Kreuz von 1813. Alle drei Fahnen erhielten am gleichen Tag das Band zur Denkmünze zum Feldzug 1813/15.

 

 

 

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[1] Laut Pietsch war der Adler schwarz mit goldenen Fängen, siehe das Literaturverzeichnis.

 

[2] Beschrieben sind hier überwiegend nur die Abweichungen oder Besonderheiten zur allgemeinen Uniformierung der preußischen Armee. Alle weiteren Uniformteile würden an dieser Stelle den Rahmen sprengen und sind der einschlägigen Fachliteratur zu entnehmen.

 

[3] Allgemein galt weiß = 1, rot = 2, gelb = 3, blau = 4. Beim Ersten Garderegiment zu Fuß waren demnach alle Abzeichen in weiß bzw. in Silber gehalten, so z. B. die Schulterstücke.

 

[4] Die Feldwebel der Garde hatten damals noch Offiziersrang und werden folglich in der Rangliste aufgeführt, in welchen sonst nur Offiziere eingetragen werden. Grovestin oder Grovistins war holländischer Herkunft, hier ist sich die Regimentsgeschichte nicht einig, wie der Name geschrieben wurde.

 

[5] Holtzheim wurde tatsächlich bei der Leibkompagnie eingestellt, 1813 Portepee-Fähnrich und im Dezember des selben Jahres Secondelieutenant von der Armee und in das 3. Ulanen-Regiment versetzt. Er starb als Major außer Dienst am 30.06.1846.