1.3.       Die Zerreißprobe 1786 - 1806

Gala-Uniformen des Regiments Garde Nr. 15 im Jahre 1806, nach Thüme

"Wenn Friedrich lebte, stände ich nicht hier!"

Napoleon Bonaparte am 27.10.1806 am Grabe Friedrichs II. in der Königsgruft der Garnisonkirche

Im Hintergrund hören Sie die Vergatterung des Regiments Garde Nr. 15, mit freundlicher Genehmigung durch die DGfMM.

Friedrich II. (24.01.1712-17.08.1786) war kinderlos geblieben. Die Armee war unter seiner Regierung auf 190.000 Mann angewachsen, wovon allerdings die Hälfte geworbene Nichtpreußen waren. Ihm folgte am 17.08.1786 sein Neffe Friedrich Wilhelm II. (25.09.1744-16.11.1797). Das Verhältnis der Garden zum neuen König blieb ganz das alte. Der König erklärte sich sogleich zum Chef seines I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 und der Leibkompagnie. Friedrich Wilhelm II. war zwar kein ausgesprochener Militär, aber er machte sich sogleich nach Regierungsantritt an längst fällige Reformen der Truppe in Bekleidung, Ausrüstung und Führung. Die Truppe war buchstäblich im Alten verharrt in den letzten Jahren der Regierungszeit Friedrichs II.

Eine A.K.O. vom 02.10.1786 verlieh den Capitains vom I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 wieder den Rang als Major von der Armee, was in der letzten Regierungszeit Friedrichs II. nicht mehr stattgefunden hatte.

Am 07.11.1786 wurde Kronprinz Friedrich Wilhelm von seinem Vater zum Stabscapitain beim I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 ernannt. Im Januar ernannte der König den Grafen Brühl zum Erzieher des Kronprinzen.

Bis zum 25.01.1787 unterhielt die Potsdamer Bürgerschaft 250 Betten, die aber "von diesem Termine an den Regimentern mit 500 Thalern vergütigt wurden." (aus der Regimentsgeschichte)

Uniform der Tamboure des Bataillons Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 um 1787, Zeichnung von Bernd Schuster

Am 17.02.1787 erließ der neue König ein Circular an die General-Inspecteure: "Seine Königliche Majestät von Preußen etc. haben mit äußerstem Mißvergnügen wahrnehmen müssen, daß dero ruhmvolle und siegreiche Armee neben ihrer großen und selbst bei Vergleichung aller Zeiten seltenen Vortrefflichkeit dennoch manche Unregelmäßigkeiten, Mißbräuche und Mängel nach und nach in sich aufgenommen und bis hierher unterhalten habe, die den Glanz, den sie sich vor den Augen von ganz Europa so theuer und glorreich erkämpft, auf einige Weise verdunkelt, und die Beschaffenheit des Ganzen von der Annäherung zur möglichen Vollkommenheit mit eben der Gegenkraft zurück halten, welche sie bis jetzt angewendet hat, durch Zurücklegung der wenigen noch übrigen Schritte, jenes von allen Kriegsvölkern noch unberührte Ziel völlig zu erreichen."

Galauniform der Offiziere im I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 um 1787 (König Friedrich Wilhelm II)

Der König ließ 10 Schützen in jeder Compagnie einrichten und stiftete überdies die silberne und goldene Verdienst-Medaille. Damit hoffte er das Ehrgefühl der Soldaten zu heben. Er befahl außerdem eine humanere Behandlung der Soldaten und vermehrte die "cantonfreien" Klassen der Bevölkerung.  "Für das Officier-Corps strebte er dahin, die Schäden des Beurlaubtensystems auszurotten, das Privatleben der Officiere zu ordnen, und sie damit und sie darauf hinzuführen, sich die Liebe des gemeinen Mannes zu erwerben. Er erhöhte zu diesen Zwecken die Gehälter und gab sehr strenge Verordnungen über das Schuldenmachen." (aus der Regimentsgeschichte)

Des Königs Garden waren nun stark:

I. Bataillon Leibgarde Nr. 15: 31 Officiere, 72 Unterofficiere, 25 Spielleute, 6 Chirurgen, 1 Unterarzt, 60 Scharfschützen, 960 Grenadiere

Regiment Garde Nr. 15: 54 Officiere, 154 Unterofficiere, 50 Spielleute, 12 Chirurgen, 8 Unterärzte, 120 Scharfschützen, 1.920 Grenadiere

Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6: 28 Officiere, 72 Unterofficiere, 25 Spielleute, 6 Chirurgen, 3 Unterärzte, 60 Scharfschützen, 960 Grenadiere

Die Unrangierten. 256 Köpfe

Garde-Invaliden in Potsdam und Werder: 525 Köpfe

Die Zahl der Beurlaubten und Freiwächter stieg in der Folgezeit an. Desweiteren änderte sich jedoch wenig im Dienstalltag der Garden, denen sich auch der neue König verstärkt widmete. Die Dienstzeit wurde jedoch auf 20 Jahre herabgesetzt.

Am 10.06.1787 wechselte Generalleutnant Friedrich Wilhelm von Rohdich in das Kriegsministerium, sein Nachfolger als Leiter der Inspektion Potsdam wurde Oberst Friedrich Adrian Dietrich von Roeder. Rohdich wurde Leiter des neu geschaffenen "Ober-Kriegs-Collegiums" und damit der erste Preußische Kriegsminister.

Am 06.07.1787 erließ der König ein Dekret an das Ober-Kriegs-Kollegium, wonach in Zukunft es "...keinem Compagnie-Chef mehr gestattet sein sollte von den zum Exercieren einbeorderten Beurlaubten Geld für die kleinen Montirungsstücke einzuziehen, was bis dahin allgemein geschehen war; vielmehr sollte jeder Beurlaubte an kleinen Montirungsstücken alle Jahr zu fordern haben:

 

                1 Paar Schuhe...........1 Thlr. 2 Gr.

                1 Haarband..........................2 Gr.

                1 Halsbinde..........................1 Gr. 3 Pf.

welche Stücke der Bursche behielt und mitnehmen konnte.

 

Außerdem alle 4 Jahr

                1 Paar tuchne Stefeletten......16 Gr.

oder alle 3 Jahr 1 Paar zwillichne.........12 Gr.

auf 1 Jahr also.........................................4 Gr.

 

Ferner alle 2 Jahr

                1 Paar leinene Beinkleider....7 Gr.

                1 Colleret..............................7 Gr.

auf 1 Jahr also......................................7 Gr.            

In Summa für das Jahr..............1 Thlr. 16 Gr. 3 Pf.

Hierbei bleiben dem Compagnie-Chef immer noch 2 Thlr. 7 Gr. 9 Pf. pro Beurlaubten an kleinen Montirungsgeldern als erspart. Den Freiwächtern sollte an kleinen Montirungsstücken ihr Bedarf gegeben werden, ebenso sollten sie Quartier- und Servis-Entschädigung bekommen." (aus der Regimentsgeschichte). Bislang hatten die Freiwächter nichts erhalten. In Potsdam wurde das "Contrebandiren" (Schmuggeln) von den Beurlaubten und Freiwächtern, entgegen wiederholter Erlasse, aufgrund der nahen Grenze zu Sachsen stark betrieben. Weitere Erlasse richteten sich gegen das leichtsinnige Eingehen von Ehen durch Offiziere. "Wodurch aber Friedrich Wilhelm vor Allem für sein Heer gesorgt und sich demselben unsterblich gemacht hat, das ist die Einrichtung der Militair-Witwen -Kasse und seine unermüdliche Sorge für die Invaliden. Indem der König für die hinterlassene Witwe und Kinder des gebliebenen Officiers sorgte, nahm er dem Tode auf dem Schlachtfelde den einzigen Schrecken, den er für einen braven Soldaten haben kann, und indem er für die Invaliden sorgte, trug er die heilige Schuld des Landes gegen diejenigen seiner Söhne ab, welche ihm das höchste Gut des Lebens bewahren: Unabhängigkeit, Freiheit von fremder Unterdrückung. Bisher war die Versorgung der Invaliden Gnadensache gewesen, Die neue Cabinetsordre erhebt sie zum Recht." (aus der Regimentsgeschichte) Zwar hatten es die geworbenen Nichtpreußen etwas schwerer als die "Einländer" in den Genuß der Invaliden-Unterstützung zu gelangen, aber die humanistische Denkungsweise Friedrich Wilhelms manifestierte sich auch hier in dem Kernsatz: "Jeder Soldat, er sey Einländer oder Ausländer, ist für einen Invaliden zu achten, der auf Unterstützung machen kann, ..."

Uniformen der Offiziere und Gemeinen des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 um 1787 und 1805, Zeichnungen von Prof. Richard Knötel

Im Herbst 1787 erhielten alle Regimenter, also auch das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 und das Regiment Garde Nr. 15 (das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 war ja ausgenommen von jeglicher Änderung der Uniform), Aufklappen (eine Art Revers), stehende Kragen und weiße Unterkleider. Weiß wurde als Farbe für die Unterkleider gewählt, da sich paille (blaßgelb) nicht einheitlich färben ließ und so nahezu jeder Soldat anders aussah. Außerdem wurden die Dreispitze abgeschafft und stattdessen Zweispitze eingeführt. Diese sollten bei schlechtem Wetter heruntergeklappt werden. Die Hüte der Grenadiere waren mit einer brennenden Granate, mit dem Namenszug des Königs und mit einer langen weißen zwirnenen Puschel verziert. Die Hüte der Musketiere trugen den Namenszug des Königs und dazu eine wollene Puschel. Die dem Regiment zu jener Zeit beigegebenen Artilleristen dagegen lange schwarze Puschel. Die traditionellen Grenadiermützen wurden abgeschafft.

Interimsrock eines Offiziers im I. Bataillon Leibgarde Nr. 15, um 1787, DHM Berlin

Die Offiziere des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 hatten zum blauen Rock ponceaurote Schulterklappen, Aufschläge und Kragen mit einer gestickten, zwei Finger dicken Einfassung, auf jeder Aufklappe sieben Schleifen, drei unter derselben, drei auf jeder Taschen auch um dieselbe neben der Einfassung eine "Tour des Poches". Auf der Ärmelpatte, sowie jedem Hinterteil saßen drei massiv gegossene silberne platte Knöpfe, wovon die auf den Ärmeln und den Klappen klein, die übrigen aber groß waren. Der Hut war mit einer breiten gebogenen silbernen Lahntresse und einer weißen Plüme besetzt. Der Interimsrock bestand aus einem blauen Rock mit 7 einfachen matt gestickten Litzen mit Schleifen und drei Triangeln in der Taille. Der alte Interimsrock hatte bislang keinerlei Besatzstickereien gehabt.

Die Röcke der Unteroffiziere waren denen der Offiziere gleich, jedoch nur mit einer Lahntressen-Einfassung, 7 geschlungenen Schleifen mit Puscheln und Crepinen auf jeder Klappe, drei unter derselben, drei auf der Tasche, drei auf dem Aufschlag und je einer auf jedem Hinterteil. Der Hut war mit einer fein gekanteten Tresse besetzt. Die Gemeinen hatten 7 breite Lahntressen-Schleifen mit Puscheln, eine Lahntresse um den Kragen und eine zwei Zoll breite Achseltresse, um den Hut eine fein gekantete Tresse.

Beim II. und III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 trugen die Offiziere ponceaurote Klappen, Aufschläge und Kragen mit einer silbernen "Flitter"-Stickerei, 7 schmale Schleifen auf jeder Klappe, zwei unter derselben, zwei auf der Tasche. Der Aufschlag war rund mit Schleifen und hatte unten zum Zuknöpfen zwei kleine gestickte Löcher und Knöpfe. In der Taille und hinten befanden sich gestickte Triangeln, große und kleine silberne Knöpfe. Der Hut war mit einer Bogentresse ohne Lahn besetzt. Die Offiziere des Regiments Garde Nr. 15 hatten nach wie vor keine Interimsuniform.

Galauniform um 1787 und Gala- und Interimsuniformen der Offiziere des Regiments Garde Nr. 15 und 1805, Zeichnungen von Prof. Richard Knötel

Die Gemeinen trugen auf den Klappen sieben breite hinten zugespitzte Bandlitzen, zwei unter denselben, zwei auf den Taschen, zwei auf den Aufschlägen, eine auf jedem Hinterteil und Hüte mit einer geraden Tresse eingefaßt. Die Röcke der Unteroffiziere hatten eben so viele Litzen, jedoch mit Puscheln. Die Bleche aller drei Bataillone, wie auch die Hutschilder waren versilbert. Die Uniformen der Unrangierten blieben bis auf die nun weißen Unterkleider unverändert.

Das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 war ja seit 1740 von jeglicher Uniformveränderung ausgenommen. Auch der neue König hielt sich an diese Weisung Friedrichs II.

Am 18.11.1787 erließ der König neue Kriegsartikel, nach denen nun die Zahl der Spitzruten, die bislang allein durch das Kriegsgericht festgesetzt wurden, festlegten. Die Befugnis der Standgerichte wurde auf maximal 20maliges Gassenlaufen beschränkt.

Uniformen der Gemeinen des Regiments Garde Nr. 15 um 1787 und 1805, Zeichnungen von Prof. Richard Knötel

Erstmals erhielten hier auch die Offiziere eine geregelte Pension nach Art einer Rentenkasse, in die sie vorher einzuzahlen hatten und das 100 Jahre bevor Bismarck dies allgemein einführte. Der monatliche Abzug vom Sold, welcher zum "Pensionsfond" übertragen wurde, ist am 01.01.1788 wie folgt festegelegt worden:

Dienstgrad Thaler Goldgroschen
General der Infanterie 3 12
Generallieutenant 3 12
Generalmajor 2 12
Oberst und Regiments-Chef 2 12
Regiments-Commandeur 1 6
2. Stabsofficier 1 4
Compagniechef 1 -
Stabscapitain oder Premierlieutenant - 4
Secondelieutenant oder Fähnrich - 3

Am 20.04.1788 wurde durch A.K.O. eine "Immediat-Commission" zur Regulierung des Cantonwesens eingesetzt, deren Präsident Generallieutenant Wichard Joachim Heinrich von Möllendorff wurde.

Am 06.07.1788 wurde der Erlaß des Königs betreffs der Invaliden durch Oberst Friedrich Adrian Dietrich von Roeder (Leiter der Inspection Potsdam) bekannt gegeben. Die Erklärung mündete in dem Satz: "Damit aber auch ein jeder Aus- und Einländer gleich beym Eintritt in die Königlichen Dienste,, sich selbst überzeugen kann, was er sich nach treu geleisteter Erfüllung der übernommenen Pflichten, von der Königlichen Huld und Gnade zu versprechen habe, und er zum treuen und guten Dienst um so mehr aufgemuntert werde, so sollen jedem Recruten, nach Vorlesung der Kriegs-Artikel, diese Bestimmungen gleichfalls vorgelesen werden, welches auch jedesmal geschehen soll, so oft die Vorlesung der Kriegs-Artikel bey den versammelten Compagnien erneuert wird." Es war offenbar zur damaligen Zeit nicht die schlechteste Wahl in Preußische Dienste zu treten.

Im Zuge des Ausbaus der Zollmauer Berlins und seiner Tore ließ der König 1788 bis 1791 das Brandenburger Tor von Carl Gotthard Langhans (15.12.1732-01.10.1808) im frühklassizistischen Stil neu errichten. Es diente auch dem Andenken an den glorreichen Siebenjährigen Krieg und dem verstorbenen König Friedrich II, von dessen Verdiensten somit auch etwas Glanz auf den Neffen und Nachfolger fallen sollte. Im Jahr 1793 wurde dem Brandenburger Tor die von Johann Gottfried Schadow (20.05.1764-27.01.1850) gefertigte Quadriga mit der geflügelten Siegesgöttin Nike beziehungsweise Viktoria aufgesetzt.

Am 19.02.1789 wurde Major von Hanenfeld Chef des Regiments Nr. 42, welches fortan seinen Namen trug. Seinen Posten als Kommandeur des Bataillons Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 übernahm Oberst Prinz Ludwig von Baden.

Interimsuniform der Offiziere im Regiment Garde Nr. 15 um 1787 (König Friedrich Wilhelm II.)

Am 05.05.1789 wurden von König Ludwig XVI. von Frankreich (23.08.1754-21.01.1793) aufgrund der finanziellen Krise auf Druck des Adels die "Generalstände" einberufen. Doch im Kampf um die Abstimmungsmodalitäten kam es zur Auseinandersetzung zwischen Adel, König und den Vertretern des Dritten Standes. Es kam zum offenen Konflikt mit der Staatsmacht. Am 14.07.1789 stürmten die Bürger von Paris die Bastille, das verhaßte Staatsgefängnis mitten in Paris. Am 17.07.1789 erklärte sich daraufhin der Dritte Stand zur "Nationalversammlung" und beschleunigte damit die Französische Revolution, die mit einem Aufstand des Adels begonnen hatte. Am 26.08.1789 verkündete die Nationalversammlung auf Vorschlag des Abgeordneten Marquis de Lafayette (06.09.1757-20.05.1834) die aus 17 Artikeln bestehende Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte. Frankreich war von nun an eine konstitutionelle Monarchie. Auch wenn es in die Monarchen Europas noch nicht ahnten, aber damit waren auch für sie neue Zeiten angebrochen.

Am 26.03.1790 wurde der Stabscapitain vom I. Bataillon Leibgarde Nr. 15, Friedrich Wilhelm Kronprinz von Preußen, der neue Chef des Regiments vacant Prinz von Preußen Nr. 18 und gleichzeitig zum Oberst befördert. Er übernahm damit den Posten seines Vaters, welcher vormals Chef des Regiments Prinz von Preußen Nr. 18 war und ja nun Chef des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 war.

In Preußen hatte man die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Die spanischen Niederlande hatten sich nach der "Brabanter Revolution" vom 24.10.1789 am 11.01.1790 für unabhängig von Österreich erklärt. In Preußen aber betrachtete man die Schwächung Österreichs ganz wie zu alten Zeiten als Vorteil für sich selbst und sah "wohlwollend" von Maßnahmen gegen Belgien ab. Österreich führte gleichzeitig mit Rußland Krieg gegen das Osmanische Reich. Erst als sich dort Erfolge einstellten und die Österreicher Truppen an die Grenze zu Preußen verlegten, reagierte man in Potsdam. Am 01.06.1790 machte die Preußische Armee und mit ihr die 4 Bataillone Garde mobil. Die Armee wurde in 3 Corps in Schlesien gegen die Österreichische Grenze zusammengezogen. Die Gardebataillone marschierten an diesem Tag "...mit den Pommerschen und Märkischen Regimentern über Crossen und Glogau nach Schlesien, woselbst sie bis Ende September stehen blieben, ohne daß weitere kriegerische Ereignisse eingetreten wären. Anfangs October nach Potsdam zurückgekehrt, blieben die Bataillone noch eine Zeit lang auf den Feldetat. Die Jahre 1790 - 1792 vergingen ohne bemerkenswerthe Ereignisse." (aus der Regimentsgeschichte) Diese Mobilmachung war also eher ein Ränkespiel ganz nach dem Muster des 18. Jahrhunderts. Im Dezember 1790 zogen Österreichische Truppen in Brüssel ein und beendeten die Brabanter Revolution.

Polen gab sich als Reaktion auf die Ereignisse in Frankreich am 03.05.1791 als erstes Land Europas eine Verfassung. Damit hatte die französische Revolution bereits zum zweiten male um sich gegriffen.

Am 20.06.1791 mißglückte der Fluchtversuch des Königs von Frankreich, Ludwig XVI. nach Luxembourg. Er ließ in seinem Schloß einen an die Franzosen gerichteten Brief zurück, in dem er großmäulig seine baldige, militärisch geschützte Rückkehr und die gewaltsame Auflösung der Nationalversammlung ankündigte. Bei einer Poststation in Varennes wurde er jedoch erkannt und aufgehalten, um danach - von Angehörigen der Nationalgarde eskortiert - zur Rückkehr nach Paris gezwungen zu werden. Der so moralisch geschwächte König sah sich genötigt, einen Eid auf die neue, von der Nationalversammlung ausgearbeitete Verfassung von 1791 abzulegen, die die Herrschaft des Königs auf ein suspensives Vetorecht für von der Nationalversammlung ausgearbeitete Gesetze beschränkte.

1. Koalitionskrieg 1792-97

"Die das monarchische Princip in ganz Europa bedrohenden Lehren, welche die französische Revolution proklamirt hatte, die traurige Lage Ludwig XVI und die Kränkung der Rechte derjenigen Deutschen Fürsten, welche Besitzungen im Elsaß und in Lothringen hatten, durch die Beschlüsse der Französischen National-Versammlung, führten am 23. Juli 1791 zu einem Präliminar-Vertrag zwischen Oestreich und Preußen gegen Frankreich. Am 27. August, nach einer Zusammenkunft beider Souveräne zu Pillnitz, erließen dieselben eine Erklärung, durch welche sie die Sache Ludwig XVI zu ihrer eignen machten. Im Anfang des Jahres 1792 hatte darauf Frankreich Oestreich den Krieg erklärt, und somit war der Fall eingetreten, welcher die verheißene Theilnahme Preußens in Anspruch nahm." (aus der Regimentsgeschichte) Die Kriegserklärung Frankreichs an Österreich erging am 20.04.1792, damit begann der 1. Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich. Neben Österreich und Preußen waren Spanien und Piemont in dieser Koalition vereinigt. Im Februar 1793 trat auch noch Großbritannien dieser Koalition bei.

Die Garden hatten  am unglücklichen Feldzug von 1792 zunächst keinen Anteil, sie blieben in Potsdam. Der Feldzug begann planmäßig mit dem Einmarsch der Hauptarmee unter Karl Wilhelm Ferdinand, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg, Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel (09.10.1735-10.11.1806) von Luxembourg und Trier aus nach Frankreich. Diese Hauptarmee bestand aus den Preußischen, Hessischen Truppen, den Emigranten und dem Corps des Generals Clairstait. Zunächst sollte laut Plan Longwy und Verdun durch ein Bombardement erobert werden. "Der weitere Vormarsch nach Paris wurde von der Stimmung des Landes und der Kriegslage abhängig gemacht." (aus der Regimentsgeschichte) Am 05.08.1792 erreichte also die Preußische Armee, mit ihr der König, das Aufmarschgebiet in und um Trier. Mangelhafte Verpflegungseinrichtungen hemmten schon hier den Marsch. Am 10.08.1792 wurde der Französische König Ludwig XVI. und seine Frau Marie-Antoinette (02.11.1755-16.10.1793) bei der Erstürmung des Tuilerienschlosses verhaftet. Man fand beim König Dokumente, welche die Verbindung zu royalistischen Kräften und auch den Monarchien des feindliche Auslandes bestätigten. Am 20.08.1792 wurde Longwy von den Verbündeten eingeschlossen, am 23. folgte die Übergabe der Stadt. Am 30.08. standen die Truppen der Verbündeten vor Verdun, welches am 02.09.1792 kapitulierte. Danach wurde heftig im Hauptquartier debattiert über das weitere Vorgehen in das Innere Frankreichs, zu dem man sich schließlich trotz der ungünstigen Stimmung im Lande entschloß.

Am 11.09.1792 standen die Verbündeten bei Mallancourt. "Die Kanonade von Valmy am 20. September, zwar ohne militairische Entscheidung, wurde doch für den ganzen Feldzug bestimmend. Die Französische Armee hatte im offenen Felde der Armee Friedrichs des Großen gegenübergestanden - und war nicht zertrümmert worden." (aus der Regimentsgeschichte) Der Herzog von Braunschweig hielt einen Angriff am zweiten Tage nicht für ratsam. Die Revolutionsarmeen, die bislang eher glücklos agierten, hatten damit einem massiven Angriff der perfekt ausgebildeten und ausgerüsteten Armeen der Verbündeten standgehalten. In die Geschichte ging die Kanonade von Valmy ein, weil kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe (28.08.1749-22.03.1832) im Stab des Herzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach den Feldzug mitmachte und am Abend nach der Kanonade im Kreis einiger Offiziere den Ausspruch getan haben will: "Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen." Damit hatte er absolut recht, denn nun gingen die schlecht ausgerüsteten und bekleideten Revolutionsarmeen in die Offensive über. In Paris wurde derweil die Monarchie ganz abgeschafft, am 30.09.1792 schwor die ganze französische Armee auf die neue Verfassung. Regen, durch "schlechtes Wasser" hervorgerufene Krankheiten und die schlechte Verpflegung veranlaßten den Herzog von Braunschweig am 27.09.1792 den Rückzug anzutreten. Am 06.10.1792 erreichte die Armee im Dauerregen und auf völlig aufgeweichten Wegen die Gegend um Verdun, die man als Winterquartier zu nehmen hoffte. Der Gegner beunruhigte den Rückzug nicht weiter. Nun zog das Corps des Generals Clairstait nach den Niederlanden ab. Die Hessen zogen ebenfalls ab und so war die Armee des Herzogs um 20.000 Mann geschwächt. Daher wurde die Maaslinie aufgegeben und Verdun geräumt. Die durch Krankheiten zusehends geschwächten Truppen erreichten bald Luxembourg, jedoch nur noch halb so stark, wie sie im Sommer losgezogen waren. 40.000 Franzosen zogen unterdessen unter ihrem General de Custine (04.02.1740-28.08.1793) am 21.10.1792 in Mainz ein und besetzten nach und nach die Pfalz und das ganze linke Rheinufer. 20.000 Mann blieben in Mainz als Besatzung zurück. Das wichtige Magazin der Preußen bei Koblenz war nun bedroht, da die Franzosen auch auf das rechte Rheinufer vordrangen. Die Verbündeten bezogen Cantonnirungen hinter der Lahn. Die gute Verpflegung wirkte sich positiv auf die Moral der Truppen aus, zumal die Krankheiten, vor allem die Ruhr, nachließen. Am 02.12.1792 nahmen die Verbündeten das befestigte Frankfurt, damit waren auf dem rechten Rheinufer nur noch Castel und Hochheim in den Händen der Franzosen.

Uniformen der Garde 1787 - 1806, Gemälde von Prof. Richard Knötel

Die Preußen verstärkten während des Winters ihre auf knapp die Hälfte dezimierten Truppen um 11 Bataillone und 5 Eskadronen. Am 12.11.1792 erhielten dabei auch die 4 Bataillone Garde den Befehl, die Feldequipage in Stand zu setzen. Am 27.12.1792 um 06:00 Uhr fuhr die Bagage ab, um 13:00 Uhr folgten die Fouriere und die Fourierschützen. Am 28.12.1792 marschierten endlich - das erste mal seit 1763 - die 4 Bataillone Garde zum Kampf aus Potsdam ab. "Die Offiziere in Ueberröcken, die Grenadiere mit übergeknöpften Röcken, die Gehenke aber unter denselben. Die Leute waren mit Eisnägeln versehen. " (aus der Regimentsgeschichte) Beim Regiment Garde Nr. 15 befand sich auch der bekannte Dichter Heinrich von Kleist (1777-1811), welcher die gesamte Rheincampagne mit dem Regiment absolvierte[1]. Der Krankenstand war relativ hoch, vom I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 blieben 36 Mann in Potsdam zurück, davon 18 wegen "Brustkrankheiten". Jedem Bataillon wurden 1 Feuerwerker und 13 Artilleristen beigegeben.

Ab dem Jahre 1792 wurde auch die Löhnung der Unrangierten der Garde aus den "Bettgeldern" bestritten. Das genaue Datum dieser Änderung ist nicht mehr überliefert.

"So endigte der Feldzug des Jahres 1792. Ohne sonderlich blutige und entscheidende Vorfälle herbeigeführt zu haben, hatte derselbe nur die Streitkräfte des französischen Volkes zum Kampfe geweckt. Politische Conjunkturen und ungünstige Witterung hatten die Heere der Verbündeten zu einem Rückzug genöthigt, der ihren Feinden den Wahn des Uebergewichts gegeben." (aus der Regimentsgeschichte)

Der Marsch der 4 Bataillone Garde ging über Belitz, Treuenbritzen, Kroppstädt, dann wurde ein Tag Ruhe eingelegt. Am 01.01.1793 erreichte man Wittenberg, dann ging es weiter nach Berchwitz, Werben, dann wieder ein Ruhetag. Am 05.01. erreichten die 4 Bataillone Wettritz, dann weiter nach Alt-Ranstädt, Tauern, dann wieder ein Ruhetag. Hier in Tauern wurden die Obersten von Roeder und von Kunitzky zum General befördert. Am 09.01. erreichte man Reichardswerden, dann Kirschrode, Rüdersdorf, dann wieder ein Tag Ruhe. Am 12.01.1793 wurde General von Kunitzky zum Chef des Regiments Graf Dohna Nr. 44 in Münster ernannt, welches fortan seinen Namen trug. Seinen Posten als Kommandeur des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 übernahm Oberstlieutenant von Ingersleben. Am 13. ging es nach Weimar, wo die Leibgarde in Parade einmarschierte und anschließend die Offiziere zum Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach zur Tafel befohlen wurden. Am 14.01.1793 erreichte man Erfurt, wo Generallieutenant Graf Kalckreuth die Truppen in Empfang nahm. Am 15. erreichte man Gotha, wo bis zum 17.01. eine Pause eingelegt wurde. An beiden Tagen dinierten die Offiziere der Garde an der Tafel des Herzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach. Dann ging es weiter nach Groß Baringen, Eisenach, Cella an der Werra, wo wieder ein Ruhetag eingelegt wurde. Dann ging es weiter über Fulda und Rothenbergen. Am 29.01.1793 erreichten die Bataillone Frankfurt am Main. In Frankfurt befanden sich auch der König, der Herzog von Braunschweig, Generallieutenant von Kalckstein als Gouverneur, Generalmajor Friedrich Wilhelm Kronprinz von Preußen, Oberst Louis Prinz von Preußen. Die 4 Bataillone Garde wurden zu einer Brigade unter General von Roeder formiert. Hier blieben die Bataillone erst einmal stehen. Am Tage des Einrückens in Frankfurt am Main, erhielt das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 etwa 6 Zoll lange Büsche von Hahnenfedern, die auf den Hüten der Gemeinen weiß, oben schwarz und auf den Offizier-Hüten schwarz und oben etwa ¼ weiß getragen wurden.

Am 21.01.1793 wurde in Paris wurde Ludwig XVI. vor den Augen des Volkes auf der Place de la Revolution, der heutigen Place de la Concorde, hingerichtet. Der König war Mitte Januar des Hochverrats für schuldig befunden worden.

Die Armee befand sich noch in den Winterquartieren. Die Avantgarde stand in Biebrich und Wiesbaden. Das Detachement des Prinzen von Baden in Erbenheim, das des Generalmajors von Wolfrath in Telkenheim, das des Grafen von Hertzberg in Breitenheim, das des Grafen Schmettau in Ober-Hofheim. Das Corps d´Armee in Höchst, Rödelheim, Soden und Schwalbach. Das Corps des Grafen Kalckreuth in Flörsheim und Umgebung, die Brigade des Generalmajors von Pfau in Cronberg. Die Hessischen und Hessisch-Darmstädtischen Truppen standen in Weilbach, Ettersheim und Darmstadt.

Am 23.02.1793 wurde Oberst Prinz Ludwig von Baden Chef des Regiments Alt-Bornstedt Nr. 20. Seinen Posten als Kommandeur des Bataillons Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 übernahm Oberstlieutenant von Schlieben.

Am 06.03.1793 wurde eine Liste eingefordert, worin diejenigen Schützen der Bataillone Garde verzeichnet werden sollten ,die noch nie mit scharfen Patronen geschossen hatten. Diese Liste ist leider nicht erhalten, sie muß jedoch bedenklich lang gewesen sein, denn: "Uebrigens wurde aber doch nicht nach der Scheibe geschossen, und so war denn für beinah sämmtliche Leute (Da nur die Schützen überhaupt nach der Scheibe schossen.) die Brust des Feindes das Ziel für ihre erste Kugel, die sie je verfeuert." (aus der Regimentsgeschichte)

Jedes Bataillon hatte 108 Zelte dabei, zu deren Fortschaffung 16 Knechte und 28 Pferde nötig waren. Ferner hatte jedes Bataillon 4 vierspännige Brot- und 4 zweispännige Montierungswagen. Jeder Subalternoffizier hatte 2 Pferde und einen Burschen, der Capitain 4 Pferde und 3 Burschen. Ein Infanterieregiment besaß insgesamt 404 Pferde. Der Gemeine erhielt täglich 1 kg Brot, für das Fleisch meist nur Gelder, die er dem Quartierwirt bezahlen mußte, es durfte ja nichts requiriert werden. In Folge dieses Verpflegungssystems war die Armee immer noch abhängig von den Magazinen, wie es auch schon zur Zeit des alten Fritz gewesen war.

Welcher Kontrast zu den hervorragend ausgerüsteten und uniformierten Garden bildete die französische Armee. "Der erste Anblick eines französischen Bataillons ist für dasselbe nicht vortheilhaft. Da ist kein gleicher Anzug, nichts Poliertes, Geputztes, kein Glanz und kein Schimmer. Der Eine hat einen zerrissenen Kittel, der Andere einen bunten Ueberrock, der Eine ein blaues, der Andere ein weißes Kamisol. Will man die Citoyens nach den Grundsätzen der militairischen Pedanterie beurtheilen, so fallen sie durch. Es giebt nur zwei wesentliche Dinge: Das Schloß seines Gewehrs muß im Stande, der Lauf gereinigt sein. Dieß ist Alles, wonach gesehen wird. Er muß zu laden und zu feuern verstehen, marschiren, sich richten, wenden und schwenken können, weiter exerciert er nicht. Nichts indeß verdient mehr Achtung, als das Ehrgefühl, welches den französischen Soldaten beherrscht. Es ersetzt ihm die Disciplin, Religion, Philosophie und Alles, was sonst den sinnlichen Menschen im Zaune hält." (nach einem Bericht eines Augenzeugen)

Die folgenden Beschreibungen entstammen dem Tagebuch des Kronprinzen. Die erste Aufgabe für die Rheincampagne des Jahres 1793 war die Wiedereroberung der Festung Mainz. Am 20.03.1793 erhielt der Kronprinz, der zu dieser Zeit Major im I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 war, das Kommando über die Brigade von Roeder. Diese Brigade bestand nach der am gleichen Tage ausgegebenen Ordre de bataille aus: den Brummer-Batterien Lieutenant Kirchfeldt und Lieutenant Heidenreich, dem I. Bataillon Leibgarde Nr. 15, dem Regiment Garde Nr. 15, dem Bataillon Grenadiergarde von Roeder Nr. 6. Jedoch wurden die Batterien sogleich mit anderen Aufgaben betraut und abgezogen. Am 21.03. gingen die Fouriere und Schützen voraus, um die Quartiere in und um Kelsterbach (3 Stunden entfernt von Frankfurt) vorzubereiten. Am 22.03. wurde um 06:30 Uhr Generalmarsch geschlagen, um 07:00 Uhr war Vergatterung. Der König marschierte mit seiner Garde durch Sachsenhausen zum Forsthaus, wo sich die Bataillone trennten um zu ihren jeweiligen Quartieren zu marschieren. Das Hauptquartier nebst 4 Kompagnien vom I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 befand sich in Kelsterbach, die zwei übrigen Kompagnien befanden sich mit dem II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 in Rauenheim, das III. Bataillon und die Grenadiergarde standen in Mörfelde, Walldorf und Grundhöfe. Am 23.03.1793 um 07:00 Uhr brachen die Bataillone auf. Der König marschierte mit dem I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 über Rauenheim nach Rüsselheim (3 Stunden entfernt von Kelsterbach), woselbst 4 Kompagnien der Leibgarde Quartier nahmen und das Hessische Grenadier-Bataillon von Eschwege ablösten, welches bislang in diesem Fort stand. In der Nacht mußte ein "Piquet" nach vorne Kommandiert werden und alle Quartiere durch große Lagerfeuer als "Wachtquartiere" getarnt werden. 2 Kompagnien der Leibgarde lagen in Hasselloch, das II. in Königstätten, das III. in Nauenheim, die Grenadiergarde in Bauschheim und Trebur. Der eigentliche Zweck dieser "Demonstration am linken Mainufer war, den Franzosen vorzugaukeln, daß bei Oppenheim der Rhein überschritten werden würde. Der eigentliche Übergang wurde jedoch bei Bacharach vorbereitet. Der König ging am 23.03.1793 in aller Frühe nach Langen-Schwalbach, dann nach Weisel in der Nähe von Bacharach, um den Übergang seiner Truppen zu verfolgen. Die Brigade Roeder hatte derweil einen Ruhetag, der nur um 09:00 Uhr unterbrochen wurde von dem Befehl, daß alle Bataillone mit ihren Kanonen auf die vor ihnen liegenden Anhöhen rücken sollten um für den von den Kaiserlichen Truppen bei Neerwinden am 19.03. erfochtenen Sieg Salut zu schießen. Am 25.03. brachen die vom Main am weitesten entfernten Truppen um 06:00 Uhr, die anderen erst um 07:00 Uhr auf, passierten bei Flörsheim die Schiffsbrücke und marschierten dann zu ihren Quartieren. Die drei Bataillone Nr. 15 quartierten in Wiesbaden (etwa 5 Stunden von Rüsselheim entfernt), das Bataillon Rohdich in Bierstädt. In der Nacht zum 26.03. bekam das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 den Befehl über Schantz bis Hausen zu marschieren, am 27. dann über Mappen nach Johannesberg. "Von der Batterie des Lieutenant Scholten bekam es die 2 Haubitzen, welche den 27. unter Bedeckung von 1 Capitain und 100 Mann über Mappen und Stephanhausen nach dem Schlosse Nieder-Wald marschirten, woselbst sie postirt wurden, und am 28. Bingen haubitzirten. Nachdem der Feind Bingen verlassen, ward das Bataillon bei Rüdesheim übergeschifft und auf dem Rochusberg postirt." (Kronprinz Friedrich Wilhelm) Die 3 Bataillone Garde Nr. 15 blieben derweil bis zum 29.03. in Wiesbaden als Reserve für die bei Mosbach stehenden Hessischen Truppen stehen.

Am 29.03. um 14:00 Uhr ".. kam der schleunige Befehl, augenblicklich das Gewehr in die Hand zu nehmen, und nach Rüdesheim zu marschiren. Der Oberst von Rüchel ward uns entgegen geschickt, um das Nöthige zu besorgen. Gleich nach dem Empfang der Ordre ward aufgebrochen. Die Fourier-Schützen gingen voraus, um in Rüdesheim für das 1. Bataillon und in Geisenheim für das Regiment Garde Quartier zu machen. Der Marsch ging über Schierstein längs dem Rhein über Nieder-Walluf, Eltville, Erbach, Hattenheim, Oestrich, Mittenheim, Langen-Winkel, Geisenheim mach Rüdesheim, ein Marsch von 6 Stunden. Das 1. Bataillon Garde langte nach 9 Uhr daselbst an." (der Kronprinz) Aus der ganzen Gegend waren Wagen requiriert und in Rüdesheim versammelt worden um den Marsch zu beschleunigen. Die Bataillone bekamen Ordre die Bagage und die Kanonen zurück zu lassen, um schneller marschieren zu können. Diese sollten erst am anderen Morgen folgen. Am 30.03.1793 wurde beim I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 um 01:30 Uhr Generalmarsch geschlagen, um 01:45 Uhr Vergatterung, die Soldaten eingeschifft und sogleich über den Rhein gesetzt. Das II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 bekam Befehl, um 02:00 und das III. um 03:00 Uhr aus Geisenheim aufzubrechen, Fouriere und Fourierschützen brachen bereits um 01:00 Uhr mit Oberst Rüchel auf. Die Leibgarde kam nach 3 Stunden Marsch nach Ober-Ingelheim, das II. Bataillon nach Nieder-Ingelheim, das III. nach Algesheim. Die Bagage empfing unterwegs Fourage in Bingen.

"Gleich nachdem das 1. Bataillon Garde eingerückt war, entstand ein von den Bauern verursachter Allarm, daß die Franzosen, ½ Stunde von hier, in Groß-Winterheim eingefallen wären, und viele Excesse begängen" (der Kronprinz) Die Eskadron des Oberstlieutenant von Pollnitz des Regiments von Tschirschky, die gerade durchmarschierte, ging sofort vor. Ihr folgten 50 Mann der Eskadron des Majors von Rebenstock aus Ober-Ingelheim. Eine Kompagnie des 1. Bataillons Leibgarde Nr. 15 war zum Soutien kommandiert auf Groß-Winterheim zu marschieren. Es fand sich aber dort und auch in der näheren Umgebung kein einziger Franzose.

In Ober- und Nieder-Ingelheim stand nun eine Eskadron des Regiments von Tschirschky, in Bubenheim weitere 2 unter Generalmajoir von Katt, welche dazu bestimmt waren, Feldwachen vorwärts zu geben und gegen Mainz zu patrouillieren. In Stadecken stand mit seiner Brigade Generalmajor von Manstein, der mit den Eskadronen Kontakt halten sollte und die Meldungen über die Bewegungen in Mainz an das Hauptquartier weitergeben sollte. Am 31.03.1793 entstand wieder ein falscher Alarm, die Franzosen würden in Flindtheim plündern. Am 02.04. abends bekam das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 den Befehl dorthin zu marschieren. Alle Gardebataillon erhielten die Ordre, am 03.04.1793 nach Guntersblum abzumarschieren, nachdem sie von der Brigade des Generalmajors von Kleist abgelöst worden wären. Am 03.04. vormittags löste die Brigade Kleist die Garden ab, die nun von Ober-Ingelheim abmarschierten, der Kronprinz beim III. Bataillon Regiments Garde Nr. 15 um 10:00 Uhr. Die Bagage folgte jedem Bataillon. Das Bataillon Rohdich marschierte etwas eher ab. "Der Major von Le Coq ward vom Könige entgegen geschickt, um den Bataillons, da der Marsch sehr stark war, noch unterwegs Nachtquartiere anzuweisen." (der Kronprinz) Das II. Bataillon Regiments Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 standen in Udenheim, das III. Bataillon Regiments Garde Nr. 15 in Saulheim. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 marschierte 8 Stunden lang von Ober-Ingelheim über Groß Wintersheim, Schwabenheim, Seltzer-Mühle, Nieder-Saulheim, Hannheim, Triefenheim und Dalheim nach Guntersblum. Dort erreichte es mit dem Hauptquartier des Königs um 18:00 Uhr. Am 04.04.1793 marschierte das Regiment Garde Nr. 15 nach Alsheim am alten Rhein, dazu noch das Grenadierbataillon von Wolframsdorff. Das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 marschierte nach Gernsheim nebst 2 Bataillonen des Regiments von Kleist. Dort stieß eine schwere 6-pfündige Batterie des Capitains Decker zum Bataillon. Der König ging nachmittags nach Worms um mit dem Wurmserschen Korps den vor Landau vermuteten Feind anzugreifen, der jedoch schon fort war, wie sich zeigte. So kehrte der König am 05.04. gegen 18:00 Uhr wieder zurück. "Den 6. Nachmittags stieß die Batterie schwerer 6 Pfünder des Lieutenant Herholdt, zum 1. Bataillon Garde, welche bisher bei dem Grenadier-Bataillon Wolframsdorff angewiesen war. Die Batterie ward bei Guntersblum angefahren, Pferde und Mannschaften aber anderswo untergebracht. Vom 7. bis incl. den 22. blieb alles so stehen und fiel bei der Brigade nichts Erhebliches vor." (der Kronprinz)

Der König erließ derweil bei dem sich formierenden Blokadecorps vor Mainz die Ordre: "Da auch 4 Personen aus der National-Versammlung sich in Mainz befinden, nämlich Merlin, Hausmann, Reubel und Simon und es bekannt ist, daß sie alles Mögliche versuchen zu entkommen, so bestimmt Sr. Majestät eine Prämie von 100 Louisdor für denjenigen, der einen von ihnen arretiren wird." Am 07.04.1793 schenkte der König seinem I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 98 Louisdor, wovon am gleichen Tage noch 59 Thlr. für 300 Maaß Wein ausgegeben wurden. "Die Deserteure aus der Festung erhielten täglich 2 gGr. Die Kriegsgefangenen erhielten alle 5 Tage: 1 Unterofficier 12 Gr. 1 Gemeiner 8 Gr. 1 Knecht 8 Gr. Ein Officier einen Monat seine etatsmäßige Gage. Brod erhalten »Alle gratis, - wenn es vorhanden ist.« Auffallend ist es doch, daß in den Cantonnirungsquartieren nie weder exerciert noch geschossen ward. Der Wachdienst und die unendlich vielfachen Commandos zum Brod-, Fourage- ec. Empfang waren die einzigen Beschäftigungen." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 23.04.1793 marschierte das Bataillon von Rohdich nach Frankenthal, am 24. weiter nach Speyer um zum Corps bei Landau zu stoßen. Bei Landau wurde es der Brigade des Generalmajors von Romberg zugeordnet. Mit dem Bataillon Rohdich waren auch die beiden schweren 6-pündigen Batterien des Capitain Decker und Lieutenant Herholdt marschiert. Am 28.04.1793 machten die Franzosen einen Ausfall aus Mainz auf die auf der Gustavsburg angelegte Batterie. Daher wurde das III. Bataillon Regiments Garde Nr. 15 von Generalmajor von Roeder als Sicherung in Quartiere in der Nähe der Brücken befohlken. Am 02.05.1793 brach es gegen Mittag von Oppenheim auf und marschierte nach Bischoffsheim und bezog vor dem Dorf zusammen mit 2 Kompagnien Kaiserlichen und 2 Kompagnien des Regiments Thadden Quartier. "Der Endzweck dieser Position ist hauptsächlich, um die neue Batterie bei der Gustavsburg besser, als wie bisher decken zu können, und sogleich à portée zu sein, im Fall der Feind etwas tendiren sollte." (der Kronprinz) Zur gleichen Zeit marschierte das II. Bataillon Regiments Garde Nr. 15 von Alsheim her nach Oppenheim und bezog dort sein neues Quartier. Die Grenadierkompagnie wurde nach Nierstein zur Deckung der dortigen Bäckerei gelegt. Bis zum 08.05.1793 gab das III. Bataillon Regiments Garde Nr. 15 täglich Arbeiter ab, um die Batterien und Schanzen, welche vom Oberst von Rüchel am Main angelegt wurden, zu erbauen. Am 08.05. um 04:00 Uhr wurden die Arbeiten beendet und die Batterie eröffnete das Feuer auf Kostheim. Das Bataillon blieb während der Beschießung Kostheims mit dem Gewehr in der Hand vor dem Lager ausgerückt stehen. Ein Verwundeter und ein Gefallener am 10.05.1793 waren die Folge. Am 15.05. gingen die Fourierschützen des Bataillons Leibgarde nach Bodenheim (2 Stunden von Mainz entfernt) um dort Quartier zu machen, am 16.05. wurde das Hauptquartier des Königs dorthin verlegt. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 marschierte am 15.05.1793 um 04:00 Uhr von Guntersblum aus entlang der Chaussee über Dienheim, Oppenheim, Nierstein und Nackenheim in drei Stunden nach Bodenheim. Am 18.05. erreichte den König die Nachricht, daß die Franzosen gegen den Carlsberg vordrängen. Sogleich ging der König dorthin. Aus dem Lager bei Marienborn ließ er 3 Bataillone nach Kaiserlautern zur Verstärkung der dortigen Positionen aufbrechen. Als Ersatz entsandte er das I. und II. Bataillon Garde Nr. 15, letzteres jedoch ohne die Grenadierkompagnie, in das Lager bei Marienborn. Die Garden trafen Nachmittags dort ein. Die Leibgarde stand auf der Höhe hinter Marienborn, die Grenadierkompagnie rechts, das restliche Bataillon links der Chaussee, die Zelte beider Bataillone wurden in einem Glied aufgeschlagen. Das II. Bataillon Regiments Garde Nr. 15 kampierte rechts von Marienborn. "Im Fall eines Allarms rückte dieses Bataillon in die vor ihm liegenden Redouten, das 1. Bataillon hingegen sollte alsdann herunterrücken, und sich rechts abmarschirt, zum Deployiren aufgeschlossen, rechter Hand des Chausseehauses setzen, und allda weitere Ordre abwarten." (der Kronprinz) Am 19.05.1793 rückten alle Bataillone um 09:30 Uhr auf ihre Lagerplätze um für den von den kombinierten Truppen in den Niederlanden erfochtenen Sieg Victoria zu schießen. Am 20.05. blieb alles ruhig im Lager stehen, lediglich ein Verwundeter wurde beim III. Bataillon Regiments Garde Nr. 15 gemeldet. Am 21.05.1793 erhielten alle Bataillone, die auf dem Weg nach Kaiserslautern waren, unterwegs den Befehl sofort wieder umzukehren. Die beiden Bataillone Garde (I. und II.) Nr. 15 sollten daher wieder, sobald sie abgelöst würden, in ihre alten Quartiere marschieren. Morgens gegen 07:00 Uhr kam die Nachricht, daß der Feind von Mainz aus mit vielen Kähnen den Rhein entlang führe. Generallieutenant Kalckreuth ließ daher sofort die Leibgarde nach Bodenheim zur Bedeckung des Hauptquartiers aufbrechen. Von hier aus ließ der König sofort die ersten drei Kompagnien wieder nach Laubenheim aufbrechen, dort sollten sie die weiteren Befehle abwarten. Da sie dort aber nicht benötigt wurden, bekamen sie nach einiger Zeit den Befehl wieder nach Bodenheim zurückzukehren. In diesen wirren Befehlen zeigte sich das völlige militärische Unvermögen des Königs. In der Nacht und am frühen Morgen war den Franzosen die Landung auf der Blei-Insel vor der Gustavsburg gelungen. Von 07:00 - 08:00 Uhr fuhren die Franzosen mit drei großen Kähnen zur Bürger-Au. Sie wollten von dort aus auf das feste Land und danach auf die Gustavsburg marschieren, die Reserve-Truppen auf der Bürger-Au konnten den Franzosen nicht standhalten, daher eilte Generalmajor von Roeder mit den Truppen aus dem Lager bei Bischofsheim zur Hilfe und konnte auch tatsächlich die Franzosen von der Bürger-Au vertreiben. Auf der Blei-Insel hatten sich die Franzosen derweil eingegraben und eine Kanone in Stellung gebracht. Diese und die Batterien auf dem anderen Mainufer deckten die Truppen des Generalmajors von Roeder, vornehmlich das III. Bataillon Regiments Garde Nr. 15, mit Kartätschen ein, sodaß große Verluste entstanden. Zur Verstärkung kamen noch ein Bataillon des Regiments Gemmingen und das Grenadierbataillon von Wolframsdorff hinzu. Am Abend ließ Oberst Rüchel eine Pontonbrücke zur Bürger-Au schlagen.

Der Ausfall der Franzosen aus Mainz vom 21.05.1793 kostete das III. Bataillon Regiments Garde Nr. 15 insgesamt 5 Grenadiere an Gefallenen und 4 Offiziere (Capitain von Heßberg, Lieutenant von Zawadsky und die Fähnrichs von Maltzahn und von Gleißenberg), 2 Unteroffiziere und 32 Gemeine an Verwundeten, wovon die Mehrzahl der Verwundeten aufgrund des Kartätschenfeuers so schwer verletzt waren, daß sie anschließend starben. Insgesamt hatte das III. Bataillon Regiments Garde Nr. 15 im Lager von Main-Bischofsheim 8 Gefallene Grenadiere und 4 Offiziere, 2 Unteroffiziere, 38 Gemeine an Verwundeten zu beklagen.

In der Nacht zum 22.05.1793 wagte der Feind erneut eine Landung auf der Bürger-Au. Er rückte mit 6 großen Kähnen an, auf denen sich Brustwehren befanden. Die Landung geschah gleichzeitig an vielen Stellen, sie wurde jedoch erfolgreich abgewehrt und der Feind in die Flucht geschlagen. In der Nacht zum 23.05. versuchten die Franzosen zum dritten mal die Landung, wurden jedoch erneut abgeschlagen. "Bei allen diesen Affairen war unser Verlust nicht unbeträchlich. Nach allen eingegangenen Nachrichten hat der Feind bei allen 3 Landungen auch sehr viel Menschen verloren. Den Orden pour le mérite erhielten vom 3. Bataillon Garde, wegen der Aktion vom 21., der Major von Frankenberg, Capitain voin Heßberg, Lieutenant von Stromberg und von Coswandt." (der Kronprinz) Am 30.05.1793 rückten die Pfalz-Bayrischen Truppen ins Lager, das Bataillon Jäger löste das III. Bataillon Regiments Garde Nr. 15 im Lager von Main-Bischofsheim ab. Dieses Bataillon bezog neue Quartiere bei Laubenheim und Nackenheim, in jedem Dorf je drei Kompagnien. Am 11.06. marschierten Nachmittags die drei Kompagnien, die in Nackenheim standen, nach Ginsheim, um die Rheinbrücke besser zu schützen. Am 16.06.1793 erhielten das I. und II. Bataillon Garde Nr. 15 Befehl um 16:00 Uhr in das Lager nach Marienborn zu rücken. Zur Bedeckung des Magazins blieben ein Offizier und 30 Mann in Oppenheim. Der neue Lagerplatz lag hinter Marienborn, die Zelte wurden in zwei Gliedern aufgeschlagen. Das Zelt des Königs war in der Mitte, auf der Intervalle beider Bataillone aufgestellt. "Das Lager Ihro Majestät des Königs war nur etwa 1000 Schritte über Marienborn bestimmt und angelegt, gerade an dem Abhange, wo der große Kessel, in welchem Mainz liegt, sich endigt, in aufsteigenden Lehmwänden und Hügeln: dieses gab zu den anmuthigsten Einrichtungen Gelegenheit. Das leicht zu behandelnde Erdreich bot sich den Händen geschickter Gärtner dar, welche die gefälligste Parkanlage mit wenig Bemühung bildeten. Die abhängige Seite ward geböscht und mit Rasen belegt, Lauben gebaut, auf- und absteigende Communikationsgänge gegraben, Flächen planirt, wo das Militair in seiner ganzen Pracht und Zierlichkeit sich zeigen konnte, anstoßende Wäldchen und Büsche mit in den Plan gezogen, so daß man bei der köstlichen Aussicht Nichts mehr wünschen konnte, als diese sämmtlichen Räume ebenso bearbeitet zu sehen, um des herrlichsten Parkes von der Welt zu genießen." (Johann Wolfgang von Goethe in "Die Campagne in Frankreich") Friedrich II. drehte sich sicher gleichzeitig in seinem Zinksarg herum, denn anstatt zu kämpfen und zu siegen, baute sein dicklicher und in militärischen Dingen offenbar vollkommen unbegabter Neffe "Belagerungsgärten". Die Vorposten feuerten auf die anrückenden Arbeiter-Kolonnen, die sie für Franzosen hielten. Die Arbeiter suchten schnell das Weite, daher konnte nicht noch am gleichen Tag die Tranchee-Eröffnung angegangen werden. Die beiden Garde-Bataillone bekamen daraufhin Befehl, wenn es dunkel wurde, in die Retrenchements zu rücken und die dortigen Truppen abzulösen, welche in die Trancheen vorrückten. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 rückte mit drei Kompagnien auf den Platz des I. Bataillons Regiments Thadden, die restlichen drei Kompagnien auf den Platz des Grenadierbataillons Wegner. Das II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 rückte mit drei Kompagnien auf den Posten des I. Bataillons Regiments von Manstein, die restliche drei Kompagnien auf den Platz des Grenadierbataillons Ferdinand. Oberstlieutenant von Schwerin übernahm für diese Nacht die Brigade Generalmajors von Manstein. Gegen Morgen kamen die Bataillone aus der Tranchee zurück und somit konnten auch die Garden wieder in das Lager rücken. Vom III. Bataillon blieb eine Kompagnie in Ginsheim, eine besetzte die neue Schanze und 4 Kompagnien nahmen gegen 10:00 Uhr den Platz hinter der doppelten Tenaille Wachenheim hinterm heiligen Kreuz ein. Bei Anbruch des Tages marschierte auch dieses Bataillon zurück in seine Quartiere. Am 18.06.1793 sollte nun endlich die Tranchee eröffnet werden, was ja zwei Tage zuvor mißlungen war. Die beiden Bataillone Garde marschierten um 09:30 Uhr zu den Positionen, welche zuvor von den zur Tranchee kommandierten Bataillonen besetzt gewesen waren. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 nahm den Platz der Grenadierbataillone Thadden und von Manstein, das II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 den der zwei Bataillone von Manstein und Wolframsdorff ein. "Die Commandeurs dieser selben Bataillone mußten sich noch vor Abmarsch der Bedeckungs-Bataillone die Schanzen und Linien anweisen lassen, welche sie zu besetzen und in der Nacht zu bordiren haben würden." (der Kronprinz) Mit Tagesanbruch marschierten die Gardebataillone wieder in ihr Lager. Ab diesem Tag bekamen die Garden ihre Alarmplätze angewiesen, außerdem sollten die Leute Nachts im Lager ständig angezogen bleiben. Am 19.06.1793 wurde das Kommando in Oppenheim durch das III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 abgelöst. Am 20.06. wurden einige Veränderungen am Lager vor Mainz vorgenommen, hauptsächlich um den anrückenden Feind besser sehen zu können. Am 27.06.1793 kam der Befehl vom Generallieutenant Grafen Kalckreuth, daß bei Alarm die Hälfte der Leibgarde hinter die Schanzen Nr. 2 und 3 des Regiments Pellegrini vorrücken sollte, die andere Hälfte des Bataillons auf den Platz des Bataillons Wegner. "Heute war die Attake der Kaiserlichen auf Weißenau und die dahinter gelegenen Schanzen. In der Nacht entstand auf dem linken Flügel der Parallele ein falscher Allarm, wodurch sich der Oberstlieutenant von Ingersleben bewogen fand, mit dem 1. Bataillon Garde die bestimmte Position einzunehmen." (der Kronprinz) Am 02.07.1793 mußte Oberst von Rüchel eine bestimmte Anzahl seiner Leute zum Bau der Demontir-Batterien vor der Albani-Schanze abgeben, da zu wenige Arbeiter vorhanden waren. Als Ersatz für die Abkommandierten rückte das III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 gegen Mittag in das Lager hinter Gustavsburg ein. Die Zelte und übrige Equipage sollten im Quartier zurückbleiben, damit alles schneller ging. Die Posten auf der Gustavsburg und den kurz zuvor vom Feind verlassenen Inseln wurden vom Bataillon besetzt. In diesen Stellungen blieb das Bataillon bis zum 04.07. um 03:00 Uhr, als es von den zurückkehrenden Arbeitern abgelöst wurde. Ein Mann wurde während dieser Zeit erschossen. Generalmajor von Roeder blieb in Laubenheim, das ganze Regiment Garde Nr. 15 und die Leibgarde Nr. 15 rückten am 04.07. wieder in die alten Quartiere ein. Der König schenkte seinem I. Bataillon 522 Thaler. Am 05.07. sollte nachts die (erfolglose) Attaque des Generalmajors von Manstein auf die französischen Redouten hinter Zahlbach geführt werden. Das I. und II. Bataillon Garde Nr. 15 rückten dazu um 21:00 Uhr auf die angewiesenen Alarmplätze und blieben dort bis zum Morgen. Dann machte der Feind einen starken Ausfall und Graf von Kalckreuth befahl den ersten drei Kompagnien der Leibgarde gegen Bretzenheim vorzurücken. Da aber der Feind sich wieder zurückzog, gingen auch die beiden Bataillone Garde wieder ins Lager zurück. In der Nacht zum 06.07.1793 gelang es Generalmajor von Kleist die Zahlbacher Schanzen zu nehmen. Wieder waren die beiden ersten Bataillone Garde Nr. 15 um 21:00 Uhr auf die befohlenen Alarmplätze gerückt. "Den 14. Um ½10 Uhr rückten sämmtliche Bataillone vor ihre Lagerplätze, um, wegen der Uebergabe von Condé, Victoria zu schießen." (der Kronprinz) Die Franzosen feierten derweil sehr laut das Freiheitsfest in der feste Mainz. Am 16.07.1793 machte Prinz Louis Ferdinand eine Attaque auf die französische Schanze vor der Welschen Schanze. Die ersten Bataillone Garde Nr. 15 rückten daher wieder in die Alarmstellungen. Am 23.07. marschierte um 03:00 Uhr das II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 aus dem Lager nach Alzey, das III. aus den Quartieren nach Bernheim. Geführt wurden sie von Generalmajor von Roeder. Sie sollten nach Kaiserlautern zum bedrängten Corps des Herzogs stoßen, das der Feind von Landau und Carlsberg her stark angriff. Näheres sollten sie unterwegs erfahren. "Gegen Mittag schickte der Commandant d´Oyré aus Mainz die vollzogene Capitulation, nach welcher die Garnison freien Abzug mit Gewehr, 2 Kanonen und Bagage erhält. Zugleich aber mußte sie sich reversiren, innerhalb Jahr und Tag weder gegen uns, noch sonst eine feindliche Armee zu dienen." (der Kronprinz) Die kombinierten Truppen zogen mit klingendem Spiel um 16:00 Uhr in die Stadt ein. Die Leibgarde zog um 17:00 Uhr aus dem Lager nach Bodenheim, wohin auch das Hauptquartier kam.

Am 26.07.1793 um 20:00 Uhr marschierte das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 von Bodenheim bis Alzey, das Hauptquartier nebst drei Kompagnien der Leibgarde nach Kirchheim-Boland wo sie gegen 08:00 Uhr ankamen, zwei Kompagnien nach Marnheim und eine nach Rüdesheim. Ein sehr starker Marsch von 9 - 10 Stunden. Am 28.07.1793 war Ruhetag. Am 29. marschierte das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 in einem 8-Stunden Marsch über Grünstadt nach Dürckheim. Dort kam das Hauptquartier und das ganze Bataillon unter. Am 06.08.1793 rückte das Bataillon um 08:30 Uhr aus dem Wachenheimer Tor aus, um wegen der Einnahme von Valenciennes Salut zu schießen. Am 09.08. wurde die neue Parole ausgegeben, nach der die Division des Kronprinzen nun die Brigade des Obersten von Götz und die des Generalmajors von Manstein umfaßte. Dazu kam noch das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15. Hier trennten sich die Wege der Gardebataillone, denn das Regiment Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 wurden dem Corpos des Herzogs von Braunschweig zugeteilt und marschierten am 11.08.1793 von Kaiserslautern bis Queitenbach. Am 13.08. marschierten sie nach Hohen-Einödt. "Den 14. 1 Stabsofficier und 1 Adjutant per Bataillon, nebst sämmtlichen Fourieren und Fourierschützen, mußten sich um 9 Uhr Morgens in Neustadt einfinden, wo sie den Major von Pfuel antrafen, welcher ihnen ihre Positionen und Cantonnirungen anweisen mußte. Diese Stabs-Officiere mußten den folgenden Tag ihren Bataillons entgegen reiten, um sie auf ihre bestimmten Plätze zu führen." (der Kronprinz) Am 15.08.1793 marschierte die Leibgarde um 02:00 Uhr von Dürkheim über Wachenheim, Diedersheim, Forst und Winzingen nach Edenkoben, wohin auch das Hauptquartier gelegt wurde. Alle Bataillone des Kronprinzen bezogen nun in und um Edenkoben Stellung, in Edenkoben wurde die Brummer-Batterie des Lieutenants Heidenreich postiert. Die Leibgarde lag am rechten Flügel der Division  in den Weinbergen vor Edenkoben. Am 20.08.1793 wurde die neue Parole ausgegeben, in welcher genau bestimmt wurde, welche Truppen wofür bestimmt waren. Die Division des Kronprinzen war zur Behauptung des Gebirges bestimmt. Am 21.08. wurde Befehl gegeben, wie sich die Equipagen zu verhalten hätten im Falle eines Angriffes. Nachmittags wurde die Brigade Götz nach Essingen befohlen um eine Verbindungslücke zu schließen. Die verbliebenen Truppen des Kronprinzen wurden daher etwas umdisponiert. Die Leibgarde hatte ihren Alarmplatz nun etwas weiter vorne bei Edesheim in den Weinbergen.

Derweil bezog das Corps des Herzogs von Braunschweig und mit ihm das Regiment Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 ein Lager auf der Hufter Höhe hinter Pirmasens. In der Nacht zum 17.08.1793 warf der Herzog die Franzosen aus Ketterich und bezog danach wieder das Lager hinter der Hufter Höhe. Die Franzosen versuchten am 20.08. und am 12.09.1793 erfolglos die wichtige Position von Ketterich zurück zu erobern. Der Herzog ließ daraufhin die Stellungen befestigen und die Truppen des Generals von Kleist nach Ketterich vorziehen. Deren Position wurde nun von den drei Gardebataillonen eingenommen. Das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 stand beim Felsenheimer Hof gegen den von Trulven aufsteigenden Grund, das II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 stand auf der Höhe vor Ketterich zwischen dem Ramskopf und dem Hochfett. Das III. Bataillon stand hinter dem Kettericher Hof, um das von der Glashütte heraufkommende Tal zu beobachten. Am Abend rückten sie jedoch wieder zurück in das Lager bei Erlenhof, ohne angegriffen worden zu sein. Am 13.09.1793 nahm das Bataillon Rohdich morgens die Position an der Kettericher Höhe ein. Die Franzosen beschlossen nun, die vor Pirmasens gelegenen Posten abzuschneiden und marschierten daher am 13.09. um 22:00 Uhr in Richtung Zweibrücker Straße ab. Ziel war es, die Posten hinter den Preußischen Linien bei den Hufter Höhen zu erobern. Am 14.09. morgens meldeten die Vorposten den Abmarsch der Franzosen, als diese sich schon der Beerner Ziegelhütte näherten. Der Herzog schickte sofort 6 Bataillone, 2 Batterien und 2 Cavallerie-Regimenter auf die große Zweibrücker Straße. Die Truppen auf der Hufter Höhe wurden alarmiert und dort zwei Batterien postiert. Das Regiment Garde Nr. 15 nebst der Batterie Wille erhielt den Befehl sich sogleich in Marsch zu setzen und durch Thal-Simten zum Danberg zu marschieren und dort die Verbindung zwischen der Hufter Höhe und dem Simterberg zu sichern. Die Bagage des Regiments wurde auf Münchweiler dirigiert. Der Feind war inzwischen bis Staffelbach und Fährbach gelangt und der Herzog ließ das Regiment Prinz Heinrich nebst 2 Geschützen nach Rothalben marschieren um den Gegner in der linken Flanke zu packen. Da es sich immer offensichtlicher herausstellte, daß der Hauptschlag der Franzosen die Hufter Höhen treffen würde, wurden die eben auf dem Danberg eingetroffenen Gardebataillone gleichfalls in höchster Eile dorthin beordert. Das II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 marschierte links, das III. rechts um Pirmasens herum. An den Hufter Höhen angekommen stellte sich das Regiment Garde Nr. 15 als 2. Treffen der Brigade des Prinzen von Baden auf. Nach heftiger Kanonade beschloß der Herzog nun Fährbach anzugreifen. Der Feind entwickelte sich derweil und marschierte gegen die Hufter Höhen an. "Nach einem vergeblichen Vordringen des Feindes bis in den Bereich des Kartätschenfeuers wandten sich seine Colonnen nebst Artillerie nach dem von Pirmasens aus tief eingeschnittenen Blümels Grund. Der Herzog folgte mit 3 Bataillonen seines Regiments im ersten, den beiden Bataillons Garde im 2. Treffen dem Feinde bis an den Abhang des Grundes, und als die Franzosen in demselben sich in zerstreuten Haufen gegen Pirmasens heraufziehen wollten, gaben die 5 Bataillons rasch aufeinander folgende Salven. Durch diese erschüttert warf nun die dazueilende Cavallerie den Feind in völliger Auflösung zurück. Gleichzeitig hatte die Brigade des Prinzen von Baden eine auf Pirmasens vordringende Colonne gleichfalls völlig geworfen, so daß hiermit der Sieg für die Preußischen Waffen entschieden war." (aus der Regimentsgeschichte)

Die Franzosen verloren in der Schlacht von Pirmasens 4.000 Mann und 20 Geschütze, die Preußen 6 Offiziere und 148 Mann an Toten und Verwundeten. "Da der Verlust der Garden nirgends angegeben, so ist es wahrscheinlich, daß sie einen solchen überhaupt nicht gehabt haben." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 18.09.1793 wurde das Königliche Korps und mit ihm die Division des Kronprinzen mit dem I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 nach Landau gezogen. Die Fouriere und Fourierschützen des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 und der Brigaden von Manstein und von Götz versammelten sich um 07:00 Uhr bei Böchingen, wo ihnen Major von Pfuhl vom Generalstab das Lager anwies. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 stand nun neben der großen Straße von Böchingen nach Landau. Die Grenadierkompagnie kam zur Bedeckung des Königlichen Hauptquartiers nach Burweiler. Beim I. Bataillon stand die Brummer-Batterie des Lieutenant Heidenreich. Am 21.09.1793 wurde das I. Bataillon ca. 500 Schritt weiter rechts auf die Höhen vor Landau gezogen. Am 22.09. verließ der König in aller Stille das Lager um den Attacken bei Bliscastel und Hornbach beizuwohnen. Von dort setzte er seine Reise über Frankfurt nach Preußen fort. "Se. Majestät lassen der Armee bekannt machen, daß die Nothwendigkeit der Sicherstellung der eigenen Grenzen Allerhöchst den Entschluß erzeugt hat, für jetzt die hiesige Armee zu verlassen und zu der an der Polnischen Grenze von Süd-Preußen versammelten Armee zu eilen." (aus dem Tagesbefehl) Das Kommando über die bei Landau versammelten Truppen erhielt der Kronprinz. Am 23.09.1793 rückte die Grenadierkompagnie etwa 150 Schritt links vom übrigen I. Bataillon in die Stellungen um die große Heidenreichsche Redoute im Fall einer Attacke zu besetzen. Am 29.09.1793 reiste der König von Eschweiler ab und übergab das Kommando der Armee dem Herzog von Braunschweig.

Mit der Begründung, daß dort nun eine "Jakobinerherrschaft" im Entstehen sei, wurden von Rußland und Preußen abermals Gebietsansprüche auf Kosten Polens durchgesetzt. Preußen verbuchte somit in den ersten Regierungsjahren des neuen Königs Friedrich Wilhelm II. einen bedeutenden Flächen- und Menschenzuwachs. Vor allem die zweite Polnische Teilung am 23.09.1793 brachte Preußen die Provinz Posen und die Stadt Danzig. Österreich war dieses mal leer ausgegangen, Rußland erhielt dafür Polesien, Weißrußland und den Rest der Ukraine. Entgegen der Gepflogenheiten der bisherigen Könige in und von Preußen, ließ Friedrich Wilhelm II. bei einem Zuwachs von 5 Millionen Einwohnern, das Heer nur unverhältnismäßig gering, nämlich nur um 40.000 Mann verstärken. Polen war nach der zweiten Teilung nur ein Restgebiet von rund 230.000 km² und etwa 4,4 Millionen Einwohnern verblieben und es war damit faktisch kein lebensfähiges Staatsgebilde mehr.

"Da die Preußische Armee Verstärkungen aus den Niederlanden erwartete, blieb der Sieg von Pirmasens unbenutzt. Endlich war ein vom Wiener Hofe vorgeschlagener Operationsplan angekommen; er beliebte, so viel man weiß, eine Expedition gegen das Elsaß." (aus der Regimentsgeschichte) Für diese Expedition war jedoch die Einnahme der Weißenburger Linien die notwendige Vorbedingung. Am 13.10.1793 sollte die Attacke des Generals Graf von Wurmser auf die feindlichen Linien von Weißenburg bis Lauterburg erfolgen. Zur Vorbereitung des Angriffes auf die Weißenburger Linien marschierte der Herzog von Braunschweig am 11.10.1793 von Pirmasens über Steinbach nach Lembach. Am 13.10.1793 griff General Wurmser die Französischen Linien bei Weißenburg an und warf den Gegner. Der Kronprinz mußte seine Division am 13.10.1793, dem Tag des Angriffes auf die Weißenburger Linien, ab 04:00 Uhr alarmbereit halten. Während des Tages wurde Landau mit den Geschützen der Division bombardiert, was aus der Festung mit Gegenfeuer beantwortet wurde. Gegen 13:00 Uhr wurde gemeldet, daß ca. 3.000 Franzosen aus der porte de france marschierten und sich auf den Höhen jenseits Landau postierten um den Truppen des Generalmajors von Rüchel entgegenzutreten. Es folgte ein Artillerieduell. "Gegen Abend marschierte alles wieder nach Hause, und die Nacht blieb alles ruhig." (Generalmajor von Rüchel) Gegen Abend wurde durch den Preußischen Verbindungsoffizier bei Wurmser, Major von Köckeritz die Nachricht überbracht, daß die Attacke auf die Französischen Linien erfolgreich war und diese sich nun hinter Hagenau zurückgezogen hätten.

Am 15.10.1793 erreichte der Herzog von Braunschweig Mattstall. An diesem Tag griff Oberstlieutenant von Schlieffen, bei dem der General-Adjutant des Herzogs, Major von Kleist war, die Franzosen bei Fischbach an. Schlieffen standen hierfür das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6, 1 Detaschement Dragoner, zwei Kanonen und zwei Haubitzen zur Verfügung. Der Französische Vorposten war ca. 800 Mann stark und wurde mit Kartätschen eingedeckt, bis die Franzosen unter Zurücklassung von einem Offizier und 36 Gemeinen das Weite suchte. Das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 bezog am Abend Position beim Fauner Hof und blieb dort zunächst stehen, während der Herzog weiter in das Elsaß vorrückte. "Das Wetter war in dem hohen Gebirgsland schon sehr rauh geworden, die Truppen hatten von starkem Herbstregen viel zu leiden." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 16.10.1793 wurde in Paris wurde Marie Antoinette, die Gemahlin Ludwig XVI. vor den Augen des Volkes auf der Place de la Revolution, der heutigen Place de la Concorde, hingerichtet. Sie war des Hochverrats für schuldig befunden worden und folgte somit ihrem Manne auf die Guillotine.

Am 17.10.1793 wurde  um 08:00 Uhr von allen Bataillonen des Kronprinzen Victoria zum Sieg bei den Weißenburger Linien geschossen. Am 22.10.1793 wurden auf Befehl des Herzogs von Braunschweig die schweren Belagerungsgeschütze von Mainz nach Landau in Marsch gesetzt,  mit denen nun die Stadt bombardiert werden sollte, da "...mir durch zuverlässige Spions die Nachricht gekommen war, daß solches jetzt von vielem Eindruck sein würde, und ich ihm solches gemeldet hatte, ..." (der Kronprinz) Die Belagerungsartillerie stand unter dem Kommando von Generalmajor von Moller und bestand aus sechs 50pfündigen und vierzehn 10pfündigen Mortiers, dazu noch sechs 24pfündige und sechs 12pfündige Brummer-Kanonen. Dazu kam noch eine beträchtliche Anzahl Munition und Schanzzeug wie Faschinen und Schanzkörbe. Das alles wurde bis zum 25.10. herangeschafft, der Artillerie-Park kam auf die Plaine hinter Nußdorf.

Auf die Meldung des Fürsten Hohenlohe, daß der Feind ihm gegenüber bedeutende Verstärkungen erhallten hätte, entsandte der Herzog von Braunschweig am 24.10.1793 das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 und die übrigen Truppen des Lagers bei Pirmasens, verstärkt durch 5 Bataillone und 5 Eskadronen. Am 25.10. wurde Kroppen erreicht, am 26. Eschweiler, damit war die Verbindung zum Corps Hohenlohe hergestellt.

Am 27.10.1793 wurde das Lager vor Landau umdisponiert, das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 rückte dabei auf den Platz der Grenadierkompagnien von Thadden, das II. Bataillon Garde Nr. 15 rückte vor Knöringen. Auch fast die gesamte Artillerie der Division des Kronprinzen wurde zum Artillerie-Park beordert. Desweiteren sollten gegen Abend alle Bataillone - mit Ausnahme der Füsiliere von Renouard und des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15, welches ja nach wie vor von jeglichen Schanzarbeiten ausgenommen war - 40 Leute je Kompagnie an Arbeitern zu Schanzarbeiten abgeben. Bedeckt wurden die Arbeiter von je einem Bataillon pro Brigade. "Außerdem werden zur Reserve gegeben 3 Compagnien des 1. Bataillons Garde; diese treffen ½6 Uhr auf der anderen Seite von Nußdorf im Grunde ein und werden mit der Brummer-Batterie so postirt, daß sie bei einem Ausfall den Grund bestreichen und vertheidigen, der neben Nußdorf herläuft. Von den 3 Compagnien des 1. Bataillons rückt eine vorn an den Weinberg und setzt sich rechts von der Batterie, die anderen 2 bleiben bei der bereits postirten Brummer-Batterie (des Lieutenants Heidenreich) und defendiren die Lücke zwischen dem Nußdorfer und Dammheimer Weinberge." (aus der Disposition des Kronprinzen) Die Arbeiter empfingen im Material-Depot rechts von Nußdorf Faschinen und Schanzzeug. Als es finster genug war marschierten die Arbeiter unter Anführung der Ingenieurs in die Trancheen ab. Dort wurden die Batterien für die Belagerung angelegt. "Da uns der Feind die ganze Nacht hindurch nicht im geringsten störte, so ging die Arbeit sehr gut von statten, so daß gegen 3 Uhr Morgens, als den 28. die Tranchee fertig war. Um 6 Uhr ließ mir der Generalmajor von Moller melden, daß alles Geschütz angefahren und parat stände." (der Kronprinz) Gegen 07:30 Uhr wurde die Bombardierung eröffnet. Während der Beschießung mußte im Lager alles alarmbereit sein, die Pferde gesattelt, um im Falle eines Ausfalles der Franzosen sofort ausrücken zu können. Die 3 Kompagnien der Leibgarde kamen wieder als Bedeckung zur Brummer-Batterie des Lieutenants  Heidenreich, der Belagerungsbatterie Nr. 6. Schnell fing die Stadt an mehreren Stellen Feuer, um 20:00 Uhr wurde das Bombardement eingestellt. Dann wurde jedoch am 29.10. nach Mitternacht das Feuer wieder aufgenommen und mit noch größerer Intensität bis 10:00 Uhr fortgesetzt. Der Kronprinz ließ einen berittenen Trompeter zu den Franzosen herüber reiten um sie zur Übergabe der Stadt aufzufordern, was diese jedoch ablehnten. Sobald General Rüchel davon informiert war, ließ dieser das Bombardement wieder aufnehmen von allen Batterien. Als es dunkel wurde, wurde in den Trancheen abgelöst, das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 wurde durch das I. Bataillon des Regiments Wolframsdorff und das II. Bataillon Regiment Kleist abgelöst und stellte fortan nur noch 2 Kompagnien zum Piquet. Die Bombardierung wurde die ganze Nacht pausenweise mit großer Heftigkeit fortgesetzt. Am 30. und 31.10.1793 blieb alles wie gehabt. Um 09:00 Uhr des 31. ließ Generalmajor von Rüchel per Brief nochmals anfragen, ob die Stadt übergeben werde, was jedoch erneut abgelehnt wurde. Das Feuer wurde bis 20:00 Uhr abends fortgesetzt. Nach Einstellung des Feuers wurde die Belagerungsartillerie abgefahren. Gegen 22:00 Uhr war die Batterie Heidenreich fortgeschafft, die Bedeckungsbataillone gingen in die Lager zurück. Die Verluste des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 während der Bombardierung von Landau sind nicht explizit vermerkt, der Gesamtverlust beim Belagerungskorps war jedoch gering. Am 04.11.1793 ging die aus Mainz herangeschaffte Belagerungsartillerie dorthin zurück. Am 05.11. glaubte sich der Herzog von Braunschweig bei Pirmasens angegriffen und so wurde das Regiment Kleist und die halbe reitende Artillerie der Division des Kronprinzen von Landau zur Verstärkung des Herzogs abgezogen. Das Wetter verschlechterte sich zusehends und so bezogen die Belagerer auf Befehl des Herzogs Kantonierungsquartiere, von denen man die Stadt zu "blockieren" suchte. Den Bauern wurde befohlen alle Lebensmittel-Vorräte weiter rückwärts zu bringen. Die leichten Truppen sollten sämtlich über den Queich gelegt werden. Weiterhin wurden einige neue Trancheen angelegt, die vorhandenen befestigt, Baracken angelegt um den Winter über die Belagerung aufrecht erhalten zu können. Das Regiment Garde Nr. 15 (Regiment Garde = II./III. Bataillon Garde) marschierte mit dem Rest der Armee des Herzogs am 06.11.1793 von Mattstall ab und bezog Kantonierungen in Eppelborn und Trulven. "Das schlechte Wetter, grundlose Wege und dadurch verursachte Schwierigkeit der Verpflegung, ferner die bedeutenden Verstärkungen des Feindes bestimmten den Herzog, sich seinen Magazinen am Rhein mehr zu nähern, und der ertheilte daher dem rechten Flügel an der Saar den Befehl zum Rückzug." (aus der Regimentsgeschichte) Am 13.11.1793 um 09:00 Uhr marschierten die Bataillone der Division des Kronprinzen in die neuen Cantonnierungen. Vier Kompagnien des I. Bataillons Garde Nr. 15 kamen mit dem II. Bataillon Thadden und der Mannschaft der Batterie Heidenreich nach Böchingen, wo auch der Kronprinz sein Quartier nahm. Zwei Kompagnien der Leibgarde Nr. 15 kamen nach Flemlingen. Zur Besetzung der Schanzen gab jedes Bataillon täglich bei Tage 1 Offizier, 2 Unteroffiziere, 30 Gemeine und bei Nacht 2 Offiziere, 4 Unteroffiziere und 80 Mann nebst 8 Schützen zum Patrouillieren.

"Nach gleichlautenden Nachrichten von Einwohnern der Stadt und einverstandenen Officieren des Bergschlosses Bitsch hielt man es für leicht, letzteres durch einen Ueberfall zu nehmen." (aus der Regimentsgeschichte) Daher wurden unter Oberst Graf Wartensleben 1.800 Mann der Armee des Herzogs und des Corps Hohenlohe vereinigt um die Stadt und die Festung zu erobern. Darunter befanden sich 3 Offiziere, 5 Unteroffiziere und 104 Gemeine des Bataillons Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6. Der Herzog von Braunschweig hatte dem strategisch völlig unsinnigen Unternehmen nur widerwillig zugestimmt. Da man jedoch keinen Widerstand erwartete, ließ er sich überstimmen. "Beim Sturm auf Bitsch war man in der Idee, daß, sobald man sich sehen ließe, die Thore geöffnet würden, und die Garnison keinen Sturm abwarten würde. Daher waren von den Regimentern die Lieblinge der Generale und Commandeure sowohl an Officieren als Gemeinen dazu genommen, um daß sie nach der Einnahme mit Ordens stolziren könnten, allein die Franzosen dachten Anders." (aus dem Tagebuch eines Offiziers der Leibgarde) Am 17.11.1793 um 00:30 Uhr griff Major von Kalckreuth vom Regiment von Hohenlohe die Stadt an. Er durchbrach die Tore, machte einen Teil der Besatzung nieder und nahm 60 Gefangene. Der Widerstand in der Stadt war nur gering. Danach unterstützte er den Angriff auf die Festung. "Mit gleicher Tapferkeit griffen unterdessen auch die anderen Colonnen die ihnen angewiesenen Punkte an, überstiegen Palisaden, erbrachen die festen Thüren, drangen in die Gewölbe ein und gelangten größtentheils in den Graben. Ungeachtet der Feind diesen letzteren durch ein heftiges Musketenfeuer, durch Granaten und Steine vertheidigte, und viele der Stürmenden verwundet wurden, so konnte er doch den Muth der Heldenschaar nicht mindern, welche mit gleicher Heftigkeit und Todesverachtung immer von Neuem gegen die Poternen des Hauptwalles und das Thor stürmten. Da aber die mitgebrachten Werkzeuge durch das Erbrechen der vielen stark mit Eisen beschlagenen Thüren völlig abgenutzt waren und es sich als unmöglich erwies, das Thor trotz aller Anstrengungen zu sprengen, auch viele Officiere getödtet waren, so wurde vom Obersten Wartensleben der Befehl zum Rückzug gegeben und derselbe mit vieler Ordnung um 6 Uhr Morgens angetreten, nachdem der Sturm 6 Stunden gedauert. Die bedeutenden Verluste sind der traurige aber glänzende Beweis der über alles Lob erhabenen, ausdauernden Tapferkeit dieser auserlesenen Heldenschaar. 25 Officiere, 554 Unterofficiere und Gemeine hatte das Vaterland zu beweinen; vom Bataillon Rohdich blieb der Hauptmann von Goltz und 34 Grenadiere." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 18.11.1793 trat der Herzog von Braunschweig mit seiner Armee den Rückzug an und bezog am 19.11. ein Lager auf dem Kreuzberg bei Zweibrücken. Gegen 11:00 Uhr erschien der Feind auf der Bubenhäuser Höhe und es kam zu einer heftigen Kanonade. Abends um 23:00 Uhr zog der Herzog weiter in die befestigten Lager von Landshut und Ramberg in der Gegend von Kaiserslautern. "Am 19. November wurde vom Bataillon (dem I. Bataillon Garde) 1 Officier und 1 Unterofficier nach Potsdam geschickt zur Besorgung der Anfertigung der neuen Montirungen." (aus der Regimentsgeschichte) Offenbar bekam die Leibgarde neue Montirungen, ob diese ein anderes Aussehen hatten als die alten, ist nicht bekannt. Am 23.11.1793 bezog die Armee des Herzogs die Cantonnirungen in der Gegend von Kaiserslautern mit dem Schwerpunkt auf dem Kaiserberg vor der Stadt. Das Regiment Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 standen direkt in Kaiserslautern. Ihm auf den Fersen war General Hoche mit seiner Mosel-Armee, der nun seinerseits versuchte, Landau von Westen her zu entsetzen. Am 26.11.1793 kam Generallieutenant von Knobelsdorff  in das Lager vor Landau, um den Kronprinzen als Kommandeur des Belagerungscorps abzulösen. Am gleichen Tag wurde den Truppen in Kaiserslautern gemeldet, daß der Feind in drei Kolonnen im Anmarsch sei, daher wichen am 27.11. die Vortruppen zurück. Die Garden rückten um 18:00 Uhr aus der Stadt und bezogen ihre Stellungen in der Front vor Kaiserslautern. Am 28.11.1793 morgens wurden die Zelte abgebrochen und die Bagage nach Frankenstein zurück geschickt. Der Herzog ging nach Moorlautern und übergab den Befehl über die Truppen auf dem Kaiserberg an Generallieutenant von Kalkstein. Die Schlacht von Kaiserlautern begann mit dem französischen Angriff auf den Verhau bei Vogelwehe der von Oberst Czekely und seinen 4 Bataillonen vergeblich verteidigt wurde. Dieser zog sich zur stark ausgebauten Redoute auf dem unbewachsenen Galgenberg zurück. Generallieutenant von Kalkstein schickte daraufhin zwei Kompagnien des Bataillons Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 zur Besetzung der Galgen-Redoute bis das Füsilierbataillon Legat herangerückt sein würde. Als dieses mit einer reitenden Batterie herangerückt war, gingen die zwei Kompagnien Rohdich wieder auf den Kaiserberg zurück. Damit war der Kampf für diesen Tag beendet, da die Franzosen die starken Stellungen des Herzogs nicht weiter angreifen wollten. Am gleichen Tage reiste der Kronprinz nach Potsdam ab, natürlich nicht ohne vorher den Kommandanten von Landau noch einmal - vergeblich - zur Übergabe aufzufordern. Die Franzosen planten den Angriff auf Rücken und Flanke des Herzogs für den folgenden Morgen. Am 29.11.1793 befahl daher der Herzog, daß 2 volle Regimenter Infanterie, das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 und die Batterie von Scholten um 05:00 Uhr aus ihrer Stellung auf dem Kaiserberg aufbrechen und sich links der Galgen-Redoute auf der Straße nach Trippstadt im Weyher Tal postieren sollten. Sie sollten im Falle eines Angriffes auf die Galgen-Redoute dem Gegner in die Flanke fallen. Der Herzog ging persönlich mit vor. Das Regiment Garde Nr. 15 blieb auf dem Kaiserberg stehen. Als der Herzog die Umgehungs-Absicht Hoches erkannte, beorderte er das Bataillon Rohdich, sein eigenes Regiment und die Batterie Scholten zum Soutien nach Moorlautern. Dem Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 wurde die am meisten bedrohte rechte Flanke zugewiesen. Der Feind griff zunächst den rechten, dann den linken, dann ab 12:30 Uhr die ganze Linie an "...und rannte mit gefälltem Bayonett gegen die felsenfest und unbeweglich stehenden Preußischen Reihen an. Dieser Angriff dauerte 17 Minuten. Danach wandten sich die Franzosen zur Flucht. Die Preußische Linie trat nun zwar mit klingendem Spiel an, allein der vorliegende Wald und die anbrechende Nacht geboten nach damaligen Ansichten: Halt!" (aus der Regimentsgeschichte) Am 30.11. früh hatte der Feind das Erlebacher Holz und den Buchberg erobert und griff nun erneut den rechten Flügel der Preußen an. Dieser Flügel ging jedoch seinerseits zum Angriff über, das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 ging mit seinen Kanonen durch den Grund von Erlebach um den Angriff auf die Höhe zu unterstützen. Sein Vormarsch war unaufhaltsam. Von der Kavallerie verfolgt, flohen die Franzosen über die Lauter zurück. Damit war die Schlacht von Kaiserslautern entschieden, auch wenn noch ein erfolgloser Angriff auf die Galgen-Redoute folgte. Die Franzosen zogen sich nun nach Landshut zurück.

Die Verluste in der Schlacht von Kaiserslautern am 28., 29. und 30.11.1793 betrug für die Garden: ein gefallener Grenadier beim Regiment Garde Nr. 15 und 1 Unteroffizier und 3 Grenadiere Gefallene und 1 Offizier nebst 5 Grenadieren an Verwundeten für das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6.

Einen Monat später, am 28.12.1793 wurde die Blockade Landaus aufgehoben und die Truppen hinter der Queich konzentriert. "In Folge der rückgängigen Bewegungen der Oestreicher und dadurch nothwendig gebotenen der Preußischen Armee befahl der Herzog von Braunschweig auch die Aufhebung der Blokade von Landau." (aus der Regimentsgeschichte) Der Herzog teilte die hinter der Queich versammelten Truppen in 4 Abteilungen auf. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 kam zum Gros unter General von Knobelsdorff und marschierte am 29.12. nach Dürkheim, am 30.12. nach Worms, am 01.01.1794 nach Oppenheim und am 02.01.1794 nach Mainz. Aus der Stellung bei Kaiserlautern marschierte das Regiment Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 am 30.12.1793 ab und vereinigte sich bei Oppenheim mit der Armee. Am 04.01.1794 wurde auch das Regiment Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 nach Mainz verlegt. Am 05.01.1794 war großes Armee-Avancement, dabei wurde Generallieutenant von Rohdich zum General der Infanterie befördert, Ingersleben und Wobeser zu Obersten. Am 08.01. schien ein Angriff bevor zu stehen, die Armee rückte aus und blieb bis 19:00 Uhr in Position, es geschah jedoch nichts. Die Cantonnierungen der Armee wurden von einer Linie Vorposten in Kreuznach, Alzey, Osthofen gedeckt. Der Feind bezog ihnen gegenüber ebenfalls eine Vorpostenlinie. Damit endete der Feldzug des Jahres 1793. Immerhin konnten in dessen Verlauf einige bedeutende Städte, wie Mainz, befreit werden. Somit war der Feldzug erfolgreicher als der des Vorjahres, wenn auch der Vorstoß in den Elsaß gescheitert war. Auch die 4 Bataillone Garde bezog nun Winterquartier und standen geschlossen als II. Treffen unter Generallieutenant von Kalckstein.

Am 18.01.1794 verlegte der Herzog von Braunschweig sein Quartier nach Mainz und übergab am 31.01. den Oberbefehl über die Armee an Feldmarschall von Möllendorf, jenem Offizier der unter Friedrich II. am 05.12.1757 den Kirchhof von Leuthen eroberte. "Der Herzog von Braunschweig - unzufrieden sowohl mit den Alliirten, dem Gange der Preußischen Kriegsführung, als auch auf manchen Widerstand im eigenen Heere stoßend - zog sich in seine Staaten zurück." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 04.02.1794 wurden die Truppen umgruppiert und dabei kamen die 3 Bataillone Garde Nr. 15 nach Frankfurt und das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 nach Wiesbaden und Höchst. "Beim Einmarsch nach Frankfurt schenkte die Bürgerschaft der Stadt jedem Bataillon 308 Maaß Bier, 578 Pfd. Rindfleisch, 232 Pfd. Reis, 92 Pfd. Speck, 387 Pfd. Linsen und 490 Pfd. geschälte Gerste." (aus der Regimentsgeschichte) Am gleichen Tage starb Lieutenant von Below vom I. Bataillon Leibgarde Nr. 15. Am 26.02.1794 gingen die Ausrangierten der Garde nach Potsdam ab. Einzig die Zahl der Ausrangierten der Leibgarde ist mit 23 Mann überliefert.

Am 04.03.1794 wurde Generalmajor von Roeder zum Kommandanten und Major von Alvensleben vom Regiment Garde Nr. 15 zum Unterkommandanten von Frankfurt ernannt. Ansonsten passierte in Frankfurt eher wenig. "Häufige Befehle wegen Hazardspielen, Verlassen der Cantonnements, Tabackrauchen auf der Straße wurden gegeben, als die gewöhnlichen Begleiter längerer Unthätigkeit." (aus der Regimentsgeschichte) Nach einem Befehl Möllendorffs sollten die Truppen "..dann und wann ein Wenig ausrücken und herummarschiren, damit die Burschen frische Luft schöpfen und wieder in Uebung kommen." Die Gardebataillone exerzierten denn auch zuweilen, jedoch offenbar sehr selten. Am 25.03.1794 erhielt Secondelieutenant von Rauher vom III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 den erbetenen Abschied, Fähnrich von Ellroth wurde zum Lieutenant befördert

Die Regierung Rest-Polens war von den Nachbarmächten gezwungen worden, eine Reduktion der Truppe auf 15.000 Mann durchzuführen, was in der Armee zu großer Unzufriedenheit führte. Als sich die Brigade des Generals Madalinski am 12.03.1794 in Ostroleka der Auflösung widersetzte und nach Krakau marschierte, war dies das Signal zum Aufstand. Ein Gruppe von polnischen Patrioten hatte ihn von Sachsen aus vorbereitet. Die Hoffnung, Hilfe vom revolutionären Frankreich zu bekommen, ging jedoch nicht in Erfüllung. Am 24.03.1794 verkündete der rasch nach Krakau geeilte Tadeusz Kościuszko auf dem Marktplatz den Aufstand. Den Krieg gegen Rußland und Preußen verloren jedoch die Polen und so kam es zur endgültigen Zerschlagung des Staates durch die dritte Polnische Teilung, die am 03.01.1795 im Traktat zwischen Rußland, Österreich und Preußen besiegelt wurde. Als Ergebnis der Teilung erhielt Preußen Nordmasowien mit Warschau, Ciechanów und Pultusk, Podlasien und ein Teil von Litauen südlich der Memel. Darüber hinaus wurde das Königreich der Hohenzollern um die Gebiete Südpreußen und Neuschlesien mit Tschenstochau erweitert. Schließlich umfasste das durch Preußen in Besitz genommene Land 148.000 km² (ca. 1/6 des damaligen polnischen Gebietes) mit 2,7 Mio. Polen und Deutschen. Diesmal war auch Österreich wieder beteiligt: Es erhielt bei der Dritten Teilung Polens das Gebiet bis kurz vor Warschau (Westgalizien). Russland erhielt Litauen, sowie die Gebiete östlich der späteren Curzon-Linie.

Da Preußen gleichzeitig Krieg mit Polen und am Rhein mit Frankreich führte, entschloß sich der König Ende März 1794 am Rhein nur noch ein "traktatmäßiges Hülfscorps" zurückzulassen und alle anderen Truppen nach Preußen zurückzuziehen. Die 4 Bataillone Garde marschierten also am 08.04.1794 nach Mosbach, Biebrich und Schierstein, am 09.04. nach Langenschwalbach und Landscheid. Ein mit England geschlossener Subsidienvertrag ließ jedoch den König umschwenken und so kam für die Garden am 09.04. die Contreordre. Die Garden gingen wieder in  ihre alten Cantonnements zurück und erhielten am 20.04.und am 11.05.1794 neue Rekruten aus Potsdam.

Im Laufe des Jahres 1794 wurde Feldwebel Bursch Capitain der Garde-Invaliden.

Erstes Ziel der Kampagne des Jahres 1794 war die Wiedereroberung der Festung Kaiserslautern mit seinen reichen Magazinen. Hierfür zog Feldmarschall von Möllendorff im April die Truppen zusammen. Die 4 Bataillone Garde gingen am 15.05.1794 nach Mosheim, Wolfsheim, Saulheim und Schornheim, am 16.05. marschierten sie durch Mainz und gelangten am 19.05. nach Wendelsheim. Hier wurde die Ordre de bataille in sofern geändert, daß die Garden nebst 2 Grenadierbataillonen, 5 Kompagnien Jäger und 10 Eskadrons Husaren die Reserve unter dem General von Roeder bildeten. Die Armee marschierte nun nach Moorlautern, die Reserve unter Roeder dabei am 21.05. nach Gollheim, am 22. nach Alsenborn, am 23.05. nach Steinbach, Börstädt und Heinsbach der Chaussee nach Kaiserslautern folgend. Die Reserve war zur Unterstützung der Kolonne des Generals Rüchel bestimmt, welche Kaiserlautern angreifen sollte. Eine bei Hochspeyer stehende französische Abteilung wurde durch ein unbedeutendes Gefecht von General Roeder auf Trippstadt zurückgeworfen. Die ganze französische Armee ging auf Pirmasens zurück. Am 24.05.1794 wurde das Corps von Roeder in die Gegend um Alsenborn zurückgenommen, die Leibgarde direkt in diesen Ort. Am 31.05.1794 marschierten die beiden Flügelgrenadierkompagnien des Regiments Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde von Roeder Nr. 6 nach Kirchheim-Boland, zur Sicherung dieses wichtigen Rückzugpunktes. Am 15.06.1794 kam die Nachricht von der Einnahme Krakaus zur Armee. Am 20.06.1794 kamen die drei Bataillone Garde Nr. 15 nach Otterberg, Ober-Mehlingen, Neukirchen. Das Bataillon Rohdich Nr. 6 kam nach Hochspeyer. Die Batterie Wille wurde dem Regiment Garde Nr. 15 zugeteilt. Am 22.06.1794 wurden aus den beiden Grenadierkompagnien des Regiments Garde Nr. 15 und der des Bataillons Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 das Grenadierbataillon von Dresky gebildet. Ferner sollten die 4 Bataillone Garde sich künftig in 2 Gliedern formieren und 8 Mann je Kompagnie für den Schützendienst aussuchen. Die Franzosen verstärkten derweil ihre Truppen bei Pirmasens, sodaß der Posten bei Trippstadt nun von der Hauptarmee besetzt wurde und das Reservecorps Rüchel nach der Martinshöhe abrückte. Die drei Bataillone Garde Nr. 15 rückten am 29.06.1794 zu den Truppen unter General Courbiére bei Trippstadt, das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 blieb dagegen in Hochspeyer. Am 02.07.1794 morgens um 08:00 Uhr bemerkten die Vorposten, daß die Franzosen (die Division Taponnier) in drei starken Kolonnen vorrückten. General Courbiére ließ daraufhin die Bagage um 10:30 Uhr über den Stüterhof nach Alsenborn abfahren. Derweil rückte das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 und das II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 in ihre Positionen auf den Höhen von Trippstadt, das III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 auf eine Höhe bei Wilstein. Die Geschütze, 10 6-Pfünder und 2 Haubitzen, wurden auf den Trippstädter Höhen aufgefahren. "Die Schützen der beiden Bataillons besetzten eine Mühle und eine Schmelzhütte, welche beide an dem vor der Front der Stellung fließenden Carlsbach liegen. Um 12 Uhr kamen die Jäger und leichte Cavallerie vom Feinde getragen zurück, und zogen sich über den Bach; die Cavallerie hinter die Höhen, die Jäger besetzten das diesseitige Ufer. Der Feind zeigte ansehnliche Kräfte auf der Höhe bei Schmalenberg, und der ganze Wald vor der Front erfüllte sich nach und nach mit französischen Tirailleurs. Diese schossen sich mehrere Stunden lang mit den Garde-Schützen in der Mühle und Schmelze, so wie den Jägern herum, zuweilen gaben auch die Geschütze von der Höhe einige Kartätschenlagen. Den Eisenhammer hatte der Lieutenant von Kessel besetzt. Um 4 Uhr war es dem Feinde gelungen, auf der gegenüberliegenden, bewachsenen Höhe 6 Kanonen zu etabliren, welche nun das Feuer der Tirailleurs mit Kartätschen und 4pfündigen Kugeln unterstützten; doch ward die Batterie nach 6 - 8 Minuten von den Preußischen Geschützen wieder zum Schweigen gebracht. Mehrere Versuche, die Batterie wieder thätig zu machen, mißglückten. Mit dem Dunkelwerden schwieg dann auch das Kleingewehrfeuer. Die Bataillonsstücke hatten 26 Schuß gethan, die Schützen ihre sämmtlichen Patronen verfeuert. Des Nachts fielen nur wenige Schuß. Es bivouakirte Alles in der Position. Es waren Preußischer Seits im Gefecht gewesen das 1. und 2. Bataillon Garde, jedoch stand Letzteres etwas zurückgenommen als Reserve, 1 Compagnie Jäger und 200 Husaren von Eben." (aus der Regimentsgeschichte)

Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 hatte beim ersten Gefecht bei Trippstadt am 02.07.1794 1 Unteroffizier als Gefallenen und 5 Grenadiere als Verwundete zu beklagen. Beim II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 waren es nur einige Leichtverwundete, das III. Bataillon hatte überhaupt keine Verluste. Der Rapport des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 wies am Abend des 02.07.1794 folgende Stärke nach: 25 Offiziere, 43 Unteroffiziere, 25 Spielleute, 577 Grenadiere, sodaß 176 Unteroffiziere und Gemeine fehlten. An Offizieren fehlten: Lieutenant von Held - im Hauptquartier, Lieutenant von Lehndorf - bei der Bagage, Fähnrich von Bismarck - krank.

Am Abend trafen bei Trippstadt weitere Verstärkungen ein, sodaß am Morgen 11 Bataillone und 10 Eskadronen hier versammelt waren. Außerden näherte sich bereits das Corps des Generallieutenants Graf von Kalckreuth von Kaiserslautern her. Die Aufstellung wurde daher bis Schopp ausgedehnt. sobald es hell war, ging das Kleingewehrfeuer auf der ganzen Frontlinie wieder los und dauerte bis mittags an. "Um diese Zeit zog sich der Feind mit den Colonnen rechts, und bald hörte man ein sehr heftiges Gewehrfeuer in der Gegend des Trippstädter Eisenhammers. Lieutenant von Paschwitz vom Regiment Garde hatte diesen Posten mit 40 Schützen besetzt. Als er von der Uebermacht des Feindes zurückgeworfen, folgte ihm der Feind über den Bach, bemächtigte sich der diesseitigen Lisiere und drang im Holz weiter vor und kam so dem bei Wilstein stehenden 3. Bataillon Garde in die rechte Flanke. Rasch entschlossen zog sich jedoch der Major von Alvensleben mit dem Bataillon mehr rechts und besetzte den rechten Rand eines kleinen hier befindlichen Thales. Dies glücklich ausgeführte Manöver brachte den Feind zum Stehen, es entstand ein sehr heftiges Feuergefecht. Das 1. und 2. Bataillon Kalkstein wurde vom General Courbiére dem 3. Bataillon Garde zum Soutien beordert. Es war den Franzosen nicht möglich gewesen, Geschütze über den Carlsbach zu bringen, daher konnten sie gegen die Geschütze der 3 Bataillons nicht vorkommen. Als am Nachmittag der General Kleist von Johanniskreuz den Franzosen in die rechte Flanke fiel, das von ihnen besetzte Dorf Hetterberg eroberte und dabei 2 Kanonen nahm, wichen sie gegen 5½ Uhr Abends auf allen Punkten und traten den Rückzug auf Pirmasens an, ohne sonderlich verfolgt zu werden. Nachdem die Vorposten ihre vor der Affaire gehabte Stellung wieder eingenommen, rückte das 1. und 2. Bataillon Garde um 10 Uhr Abends wieder in Trippstadt ein; das 3. Bataillon bivouakirte in der Stellung." (aus der Regimentsgeschichte)

Beim zweiten Gefecht bei Trippstadt am 03.07.1794 hatten die 3 Bataillone Garde Nr. 15 an Toten zusammen 2 Grenadiere. Das I. Bataillon hatte 1 Grenadier an Verwundeten, das II. ebenfalls einen, das III. Bataillon je einen Offizier (Lieutenant von Winks) und Unteroffizier und dazu 22 Grenadiere.

Am 07.07.1794 wurde vom Feldmarschall eine sehr ausführliche Disposition für alle Truppen gegeben. Die Bagage der 3 Bataillone Garde Nr. 15 sollten bei einem feindlichen Angriff auf der Königstraße zurückgehen. Die Bagage des Bataillons Rohdich Nr. 6 sollte über Kaiserslautern nach Alsenborn zurückgehen. Das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 sollte seinen Posten bei Schopp so lange wie möglich halten, damit die Hauptstraße von Pirmasens und der enge Paß (die "Klemme") gesperrt bliebe. Wenn die Position bei der Klemme unhaltbar würde, sollte es sich auf den Schönauer Moog zurückziehen und dort mit 3 anderen Bataillonen die Reserve bilden. Die 1. Jäger-Compagnie sollte sich von Steinalben zur Klemme zurückziehen und dort die linke Flanke des Bataillons Rohdich decken und mit diesem solange als möglich dort verweilen. Dann sollte sie zur vor der Schopp gelegenen freien Höhe gehen und diese so lange als möglich halten. Sollte auch diese Position nicht zu halten sein, dann sollten sich die Jäger bei den beiden Eisenhämmern im Tal vor dem Schönauer Moog postieren. Das Tal sollte von den 3 Bataillonen Garde Nr. 15 gedeckt werden, welche hierzu in günstige Position in das Tal marschieren sollten. Das I. und II. Bataillon Garde Nr. 15 sollte den Posten bei Trippstadt einnehmen, das III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 den Alarmplatz bei Steltzenberg. Die 4 Bataillone Garde sollten die bestmögliche Verbindung untereinander halten.

Am 08.07.1794 marschierte das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 von Hochspeyer in das Lager bei Kaiserslautern. Am 09.07. erhielten von jedem der 4 Bataillone Garde 3 Unteroffiziere die goldene und 10 Grenadiere die silberne Medaille.

Am 12.07.1794 um 06:30 Uhr marschierte die Division Taponnier wieder gegen Trippstadt auf. Die Bataillone nahmen ihre vorgewiesenen Plätze auf den Höhen, die Schützen an der Schmelze und der Masalber Mühle ein. Der Feind kam über Fischbach, Geiselberg und Schmalenberg. Der erste Ansturm wurde abgewiesen und die Franzosen wichen zurück. Am Nachmittag besetzten die Schützen und die Jäger den Wald jenseits des Baches. Der 1. Zug der Grenadierkompagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 besetzte den Posten an der Schmelze und der Masalber Mühle. "Am 13. gegen Mittag drangen die Republikaner wieder vor, warfen die Jäger, Schützen und die Cavallerie-Feldwachen zurück und suchten zuerst beim 1. Bataillon Garde durchzudringen. Sie versuchten eine Batterie zu etabliren, konnten aber unter dem wirksamen Feuer der Preußischen Geschütze nicht mehr als 9 Schuß thun. Der Feind zog sich nun nach dem Trippstadter Eisenhammer, wo er am 3. durchgebrochen war, kam aber hier in so wohlgezieltes Feuer der Bataillonsgeschütze des 3. Bataillons Garde, daß es ihm nicht gelang, aus dem Walde vorzukommen, und er sich in Folge dessen wieder zurückzog. Während dessen waren dem 1. Bataillon Garde starke Tirailleurschwärme gegenüber stehen geblieben, so daß dasselbe genöthigt war, einige Pelotons des rechten Flügels vorzuschicken, um sie mit Pelotonfeuer zurückzutreiben, was auch gelang. Das Bataillon hatte dabei 5 Blessirte. Während hier der Feind zurückgeworfen wurde, hatte er die Besatzung des östlich von Trippstadt belegenen Postens beim Johanneskreuz unter General von Kleist nach tapferster Gegenwehr geworfen, 6 Compagnien fast ganz aufgerieben, General Kleist selbst verwundet, die ersten Preußischen Geschütze in diesem Kriege (Batterie von Buch) erobert und bedrohte dadurch die linke Flanke des Postens bei Trippstadt in höchst gefährlicher Weise. Die Garde-Bataillons erhielten daher die Ordre, sich in der Nacht auf Kaiserslautern zurückzuziehen, was in bester Ordnung nach 10 Uhr ausgeführt wurde. Um 4 Uhr Morgens passirten sie Kaiserslautern und lagerten hinter der Stadt auf den sogenannten Langenalben. So war durch diese Niederlage einiger Bataillone die ganze künstliche Postenkette durchbrochen und unhaltbar gemacht worden, und die 70,000 Mann starke Armee genöthigt, den Rückzug anzutreten." (aus der Regimentsgeschichte)

In der Nacht zum 16.07.1794 ordnete daher Feldmarschall von Möllendorff den Rückzug in 4 Kolonnen hinter die Pfrim an. Die 4 Bataillone Garde nebst 3 Batterien bildeten die 2. Abteilung unter Generallieutenant von Courbiére, Bataillon Rohdich an der Spitze. Sie folgten der Kavallerie unter dem Prinzen von Württemberg. Man marschierte über Sembach nach Münchweiler, wo am 16.07.1794 morgens ein Lager bezogen wurde. In der Nacht zum 17.07. marschierte die Armee in das Lager bei Göllheim. Dort gab der Feldmarschall die Ordre aus, daß nun die Truppen wieder nach der alten Ordre de bataille vom 21.05.1794 zu formieren seien. Hierbei sollten die 4 Bataillone Garde nebst Batterie Wille die Reserve unter Generalmajor von Roeder bilden und hinter dem 2. Treffen des Generals von Courbiére erscheinen. Am 18.07.1794 marschierte die Armee in das Lager bei Harxheim, die Pfrim vor der Front. "Der Feind folgte garnicht. Große Unordnungen bei der Bagage riefen den Befehl hervor, daß ein Stabsofficier mit 60 Pferden stets dazu commandirt werden sollte." (aus der Regimentsgeschichte) Um die Armee mehr zu konzentrieren und notfalls zur Deckung von Mainz eine Schlacht annehmen zu können, ging die Armee am 21.07. nach Nieder-Flörsheim. Dort war ein Tag Ruhepause. Am 23.07. ging es in das Lager bei Westhofen, wo die Armee bis zum 01.08.1794 stehen blieb. In den ersten Tagen des August marschierte die Armee an die Mosel zur Deckung des rechten Ufers. Die 4 Gardebataillone blieben in einem am 07.08. bezogenen Lager bei Flonheim, um mit dem Corps Hohenlohe, welches bei Pfeddersheim stand, Verbindung zu halten. Am 16.08.1794 gingen die Garden in Kantonierungsquartiere in der Nähe von Flonsheim. Dort wurde wieder das Grenadierbataillon Dresky aus den Grenadierkompagnien der Gardebataillone formiert. Am 23.08.1794 erhielten in dem Lager bei Flonsheim Major von Möllendorff und Capitain von Brösigke den Orden pour le mérite.

Am 20.09.1794 marschierten die 4 Gardebataillone in ein Lager bei Fürfelde, wo sich die ganze Armee des Feldmarschalls wieder konzentrierte. "Durch die glücklichen Erfolge der Französischen Armee in den Niederlanden in den ersten Tagen des Octobers bewogen, ging nun auch die Rheinarmee auf allen Punkten vor. Der Feldmarschall zog sich langsam zurück über Daudenheim, Wornsheim, Bornheim am 16. October nach Nieder-Ulm. Während dessen hatte der Feind das ganze linke Rheinufer von Kreuznach an besetzt und nur die Punkte Rheinfels, Mainz und Mannheim waren noch im Besitz der Alliierten." (aus der Regimentsgeschichte) Am 22.10.1794 bezog die Armee ein Lager bei Mombach, die Kavallerie ging an diesem Tage über den Rhein. Die Infanterie folgte am 23.10. und marschierte nach Hofheim, wo Kantonierungen bezogen wurden. Als Sammelpunkt der Armee sollten die Höhen bei Hochheim dienen. Die Brücke bei Kostheim wurde abgebrochen und zwei neue Brücken bei Höchst und Rysselheim geschlagen. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 kam nach Soden, das II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 nach Sulzbach, das III. nach Alt-Hayn und schließlich das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 nach Neu-Hayn. Das Grenadierbataillon Dresky ward aufgelöst. Mainz, in dem die Österreicher saßen, wurde derweil von den Franzosen in einer Linie von Mombach bis Laubenheim eingeschlossen. Am 10.11.1794 traf der Befehl ein, 21 Bataillone, 25 Escadronen und 4 Batterien zur Armee nach Polen abzutreten. Die Armee des Feldmarschalls von Möllendorff wurde daher umgruppiert. Die Garden bildeten nun mit den schweren Batterien von Heydenreich und von Thiemann das Corps de reserve unter Generalmajor von Roeder. Am 24.11.1794 marschierte das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 nach Frankfurt, die 3 anderen Gardebataillone in die Umgebung dieser Stadt. Am 06.12.1794 starb in Frankfurt Major von Knebel. Seinen Posten als Kompagniechef einer Kompagnie der Leibgarde erhielt Stabscapitain von Zieten. Stabscapitain von Sydow erhielt die Leibkompagnie,  Secondelieutenant von Schwichow wurde Premierlieutenant, Fähnrich von Solmar wurde Secondelieutenant.

"Hiermit endigte der Feldzug des Jahres 1794, welcher ebenso reich wie der vorhergehende an glänzenden Gefechten, nicht glücklicher in seinen Resultaten war." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 01.01.1795 war großes "Armee-Avancement". Oberstlieutenant von Schwerin vom Regiment Garde Nr. 15 und Oberstlieutenant von Schlieben vom Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 wurden beide zum Oberst befördert. Die Majors von der Armee von Kalckstein und von der Marwitz vom I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 wurden Oberstlieutenants. Stabscapitain von Rimptsch erhielt die vacante Kompagnie. Premierlieutenant von Niesemeuschel wurde Stabscapitain, Secondelieutenant von Kessel wurde Premierlieutenant, Fähnrich von Bredow Secondelieutenant. Insgesamt wurden an diesem Tage 18 vacante Regimenter vergeben.

Im Hauptquartier hatte man unterdessen die Sorge, der Feind könne durch Holland vorrücken. Es wurde daher beschlossen, den Schwerpunkt dorthin zu verlegen und die dortigen 5 Festungen an der Yssel Doesburg, Zutphen, Deventer, Zwolle und Kampen zu besetzen. Man wollte den Landstrich zwischen Rhein, Maas und Mosel dem Feinde entreißen und Holland endgültig "befreien" vom Franzosenjoch. Die Garde wurden hierzu zu einem Corps bestimmt, welches diem Franzosen, sollten sie nicht über Holland, sondern das Bergische Land vorrücken beim Hellweg und dem Haardtstrang aufhalten sollte und ihnen somit den Weg zur Ruhr verlegen. Die Garden sollten den äußersten rechten Flügel dieser Position besetzen und marschierten am 03.03.1795 über Ober-Rosbach, Altendorf, Gießen, Marburg, Cassel, Paderborn, Wiedenbrück, Rothenfeld, Osnabrück, wo sie am 26.03.1795 eintrafen. Der Marsch ging in schönster Friedens-Formation von mehreren getrennten Kolonnen vor sich, da inzwischen in Basel Friedensverhandlungen liefen und der Feldmarschall eine Art geheime Convention mit den Franzosen abgeschlossen hatte, wonach die Feindseligkeiten aufhören sollten. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 ging nach Osnabrück, das Regiment Garde Nr. 15 nach Hellinghausen und Overhagen, das Bataillon Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 nach Weslarn und Mellinghausen. Hier blieben sie stehen.

Dies war der letzte Marsch gegen den Feind in diesem Kriege, denn am 05.04.1795 wurde mit dem Frieden zu Basel der 1. Koalitionskrieg für Preußen und Spanien beendet. Die Große Koalition bestand nun nur noch aus Österreich, Großbritannien, Piemont-Sardinien und die Niederlande. Laut dem Vertrag überließ Preußen den Franzosen die linksrheinischen Besitzungen um Cleve und erhielt in einem Geheimartikel das Versprechen, dass es rechtsrheinisch entschädigt würde, falls das linke Rheinufer in einem allgemeinen Frieden endgültig an Frankreich fallen sollte. Preußen hatte damit einen Separatfrieden geschlossen und sich klammheimlich aus der Koalition davongemacht. Schlimmer noch, es wollte sich auf Kosten der anderen Koalitionäre bereichern. "In dem Separatfrieden zu Basel am 5. April 1795 verstand sich Preußen zu einer vorläufigen Abtretung des linken Rheinufers, um die Besitimmung der französischen Republik zu den Artikeln VII und XI zu gewinnen; ersterer besagte nämlich, daß die contrahirenden Mächte noch nähere Maaßregeln verabreden wollten, um den Schauplatz des Krieges vom nördlichen Deutschland zu entfernen, der andere, daß die französische Republik nicht nur die Vermittelung Preußens zu Gunsten anderer Stände des Deutschen Reichs annehmen, sondern auch sofort aufhören würde, diejenigen unter ihnen als Feinde zu behandeln, für welche sich der König interessiren würde. Schon am 17. Mai wurde zur näheren Erklärung des Artikels VII ein neuer Vertrag zu Basel geschlossen, nach welcher quer durch Deutschland eine Linie gezogen wurde, wodurch die neutralen Länder ausgesondert und durch Aufstellung von Truppen an geeigneten Punkten geschützt werden sollten. Dieser Vertrag wurde die Grundlage zur neuen Preußischen Politik; er war das Werk des Grafen Haugwitz, Preußischen Cabinets-Ministers. Keinen Krieg - aber die Folgen eines glücklichen Krieges mit denen theilen, die sich geschlagen hatten. Was Friedrich der Große mit seinem Schwert für Preußen gewesen, das hoffte Graf Haugwitz auf dem Wege der Unterhandlung zu werden." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 06.05.1795 wurde bei den Truppen bei einem feierlichen Gottesdienst der geschlossene Friede proklamiert und ein Te Deum angestimmt. Am 17.05.1795 starb Major von Zieten. "Am 17. Mai traten die 4 Garde-Bataillons den Marsch nach Potsdam an, nachdem zwei Schlachten, zwei Belagerungen und viele Gefechte in den beiden Feldzügen sich als frische Lorbeeren in ihren alten Ruhmeskranz geschlungen hatten." (aus der Regimentsgeschichte) Der Marsch ging über Oldendorff, Bremen, Stadthagen, Hannover, Braunschweig, Helmstedt, Magdeburg. Am 11.06.1795 rückten die Garden wieder in Potsdam ein.

Generalmajor Friedrich Wilhelm von Rohdich (22.01.1719-23.01.1796), Kommandant von Potsdam und Chef des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6, diktierte kurz vor seinem Tode seinen letzten Willen. In diesem bestimmte der kinderlos gebliebene General: "Die Einkünfte meines Hauses mit den Mobiliarstücken, welches und welche ich meinem unterhabenen Grenadiergarde-Bataillon unter den vorstehenden Bedingungen vermacht habe, sollen, wie ich hierdurch festsetze und bestimme, zu »ewigen Zeiten« zur Erziehung der Kinder des genannten Bataillons einzig und allein Verwendung finden." Folglich wurde nach seinem Tode die Stiftung des „von Rohdich´schen Legatenhauses“ gegründet, welche sein Haus am Pariser Platz 3 in Berlin vermietete und den Erlös zur Ausbildung der Kinder von Bataillonsangehörigen benutzte. Während der Lebenszeit seiner Ehegattin sollte diese indessen ungestört im im Besitz und Nießbrauch des Hauses bleiben und dasselbe erst nach deren Tode an das Bataillon übergehen.

Nach dem Tod des bisherigen Chefs des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6, Generalmajor Friedrich Wilhelm von Rohdich, wurde am 29.01.1796 Friedrich Adrian Dietrich von Roeder Chef dieses Bataillons, welches fortan seinen Namen trug. Der Nachfolger von Roeders als Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15 wurde Oberst von Schwerin.

Mit dem Frieden von Campo Formio am 17.10.1797 wurde der 1. Koalitionskrieg beendet. Österreich mußte dabei  weite Teile Oberitaliens abtreten. Diese wurden zur Cisalpinischen Republik. Weiter wurde Österreich das Versprechen abgenommen, beim Rastatter Kongress für die Abtretung sämtlicher linksrheinischer Gebiete des Deutschen Reichs an Frankreich zu stimmen. Der Rastatter Kongress tagte von 1797 - 1799 und sollte die im Frieden von Campo Formio niedergeschriebenen Punkte umsetzten, besonders, was die Abtretung der linksrheinischen Gebiete an Frankreich und die Entschädigung der einzelnen deutschen Fürsten anging. In einem Geheimartikel dieses Friedensschlusses trat Österreich darüber hinaus sämtliche vorderösterreichischen Besitzungen südlich des Rheins im heutigen Kanton Aargau, darunter das Fricktal, an Frankreich ab. Der Krieg mit Großbritannien wurde jedoch nicht beendet und so erwuchs Frankreich nun ein neuer, starker Gegner jenseits des Ärmelkanals.

Uniformen  des Bataillons Grenadiergarde von Roeder Nr. 6 1797, nach Thüme

Nach dem Polnischen Feldzug war die Gesundheit des Königs stark angeschlagen. Am 16.11.1797 starb Friedrich Wilhelm II. (25.09.1744-16.11.1797), der eigentlich mehr ein Schöngeist als ein Feldherr war. Er hinterließ die Armee mit einer Sollstärke von 230.000 Mann. "Die Armee, der er ein humaner und vorsorgender Kriegsherr gewesen, und welche ihn in den letzten Kriegen stets an ihrer Spitze gesehen hatte, betrauerte ihn tief und aufrichtig. Die großen und schönen Institutionen, welche sein menschenfreundlicher Sinn geschaffen, seine Sorge für die Invaliden, die Einrichtung der Militair-Wittwen-Kasse, verewigen das Andenken dieses Königs." (aus der Regimentsgeschichte) Ihm wiederum folgte sein Sohn Friedrich Wilhelm III. (03.08.1770-07.06.1840) auf den Thron. "Am Tage der Thronbesteigung, den 16. November 1797, ernannte sich Seine Majestät der König Friedrich Wilhelm III zum Chef des Ersten Bataillons Garde und der Leib-Compagnie dieses Bataillons und bestätigte die Garden in allen ihren Rechten und Privilegien. Der Eid wurde dem neuen Herrscher in herkömmlicher Weise im Lustgarten geleistet." (aus der Regimentsgeschichte)

Galauniformen  des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 1797, nach Thüme

"Zu den Baseler Traktaten wurden im Jahre 1796 noch Zusatzartikel gemacht, von denen der erste eine reichliche Entschädigung Preußens für den Verlust seiner Besitzungen auf dem linken Rheinufer in Westphalen festsetzt. Ferner wurde dem, dem Hohenzollernhause verwandten Hause Oranien, das 1795 aus Holland vertrieben, ein Fürstenthum in Deutschland zugesichert. Die Thronbesteigung Friedrich Wilhelms III. änderte in dieser Politik Nichts. Oestreich und Preußen bemühten sich zu Rastatt gleichmäßig den übrigen Ständen des Deutschen Reichs die Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich als unabweisbar darzustellen. Der Krieg der zweiten Coalition löste den Congreß zu Rastatt auf. Preußen wurde von beiden Seiten vergebens um eine thätige Mitwirkung angegangen." (aus der Regimentsgeschichte)

Galauniform der Offiziere des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 1797, Zeichnungen von Prof. Richard Knötel

Bald nach dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms III. wurde die Uniformierung der Armee geändert. Die Kragen und Rabatten der Offiziers-Röcke des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 waren nun mit einer Silberstickerei eingefaßt und mit 30 breiten gestickten mit losen Quasten verzierten Litzen, wovon 8 auf jeder Rabatte, zwei unter derselben, zwei auf jedem Aufschlag, zwei auf den Taschen und zwei hinten saßen. Die silbernen Knöpfe waren etwas gewölbt und alle gleich groß. Die Hüte waren mit einer breiten silbernen gebogenen Massivtresse eingefaßt, hatten eine weiße Plüme und einen weißen, unten schwarzen Federbusch. Die Hutagraffe bestand aus einer silbernen Kettelschnur, auf der rechten Schulter wurde ein silbernes Achselband getragen. Die Unteroffiziere trugen ponceaurote Aufschläge, Klappen und Kragen. Jede Klappe war mit 8 geschlungenen Schleifen mit Puscheln besetzt und mit einer silbernen Musterbandtresse garniert. Unter jeder Klappe befanden sich zwei dergleichen Schleifen, zwei auf jeder Taschenpatte, zwei auf jedem Aufschlag und zwei hinten in der Taille. Der Kragen war ebenfalls mit einer "façonierten" Bandtresse eingefaßt. Der dreieckige Hut hatte einen weiß-schwarzen Federbusch, eine gebogene silberne Bandtresse eine Agraffe von silberner Häkelschnur, eine schwarze pferdehaarne Kokarde und Cordonbüschel von schwarz-weißer Seide. Die Röcke der Gemeinen, deren Kragen und Rabatten eine silberne Bandtresse umgab, waren mit 30 silbernen Bandschleifen ohne Puschel besetzt, die wie bei den Unteroffizieren verteilt waren. Auf dem Hut, den eine silberne glatte Tresse einfaßte, befand sich ein weißer Federbusch und weiß-schwarz gesprenkelte Cordonpuschel.

Die Offiziere des I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 hatten daneben noch eine Interims-Uniform, die wesentlich einfacher gehalten war. Sie bestand aus einem einfachen blauen Rock mit roten Aufschlägen und rotem Kragen. Kragen und Aufschläge war nicht eingefaßt mit Stickereien und besaß zwar die gleiche Anzahl Stickereien, wie der Gala-Rock, diese jedoch als einfache, silberne Kolben-Litzen ausgeführt.

Beim II. und III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 war die Offizier-Uniform mit 30 reich gestickten silbernen Schleifen besetzt. Und zwar saßen auf den Rabatten 8, unter denselben, auf den Taschen und auf den Aufschlägen je zwei. Dazu kamen silberne Achselbänder und auf den Hüten eine breite gebogene silberne Tresse. Die Unteroffiziere hatten 26 silberne Bandschleifen mit Puscheln, davon 8 auf jeder Rabatte, zwei unter denselben, zwei auf jedem Aufschlag und zwei hinten. Die Gemeinen ebenso viele vorne zugespitzte silberne Bandschleifen ohne Puscheln und um den Hut eine silberne glatte Tresse.

Die Flügel-Grenadiere der drei Bataillone des Regiments Garde Nr. 15 trugen zur Felduniform Filzmützen (zur Gala-Uniform sind nur Bilder mit Hut überliefert), vorne mit hohen lackierten schwarzledernen Schildern auf welchen sich ein versilbertes Blech mit einem schwarzen Adler und über demselben eine weiße Granate befand. Um das lederne Schild lief ein Kranz von gekräuselter schwarzer Wolle und hinter demselben ragte links seitwärts ein weißer Federbusch hervor. Der Schirm war mit einer silbernen Bandtresse eingefaßt, ebenso der hintere rote Umschlag. Der Vorderschild war in der Farbe des Abzeichentuchs, also hier rot wie auch um den Kopfteil, gefüttert. Die Grenadier-Offiziere trugen Stiefel und auf dem Hut einen Federbusch. Obgleich die Offiziere der übrigen Regimenter und auch die Flügelgrenadier-Offiziere nun Stiefel trugen, behielten die Offiziere der Garde ihre weißen Stiefeletten.

Grenadiermützen der Garde 1797 - 1918, Zeichnung von Paul Pietsch

Im Jahre 1797 wurde in Preußen das Allgemeine Landrecht eingeführt. Dieses fortschrittliche neue Recht machte die Erneuerung der Kriegsartikel notwendig, welche nun nach dem Landrecht abgeändert, meist abgemildert wurden. Am 23.10.1798 erließ König Friedrich Wilhelm III. ein neues Patent, wonach erstmal ein "Militair-Justiz-Departement" als Aufsichtsbehörde über das General-Auditoriat wachte. Die Arbeiten der "Immediat-Militair-Commission wurden unter der neuen Regentschaft eifrigst fortgesetzt. Sie hatten zum Ziel, die Armee zu reformieren. Der Präsident dieser Kommission war Generalfeldmarschall von Möllendorff, ein weiteres Mitglied aus den Reihen der Garde war der Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15 von  Generalmajor Friedrich Wilhelm Philipp von Rüchel.

"Die Commission beschäftigte sich mit der Herabsetzung der Dienstzeit, Aufhebung der Cantonfreiheiten und Errichtung der Landreserve, Alles Ideen, welche nach 1806 in Wirklichkeit traten. Es war ein eigenthümlicher Geist in der Armee, der auch namentlich in Berlin und Potsdam stark empfunden wurde. Unter den jüngeren Officieren, vor Allen denen des Generalstabes, waren eine Menge geistreicher und kluger Männer, die die Unhaltbarkeit des Systems klar erkannte, an dem die höchsten Vorstände des Heeres mit Zähigkeit festhielten. Meinungsverschiedenheiten kamen hinzu, die Sehnsucht nach Krieg bei den jüngeren, die Furcht davor bei vielen älteren Officieren, welche sich einer Campagne nicht mehr gewachsen fühlten.

Ein großes wissenschaftliches Streben trat hervor. Es ist in dieser Beziehung eine Gesellschaft bedeutend, die damals unter dem Namen «Militairische-Gesellschaft» in Berlin entstand, und in der sich alle guten Köpfe der Berliner und Potsdamer Garnison zusammenfanden und einen lebhaften Ideenaustausch über alle militairischen Fragen führten. Es wurden Vorträge gehalten, Aufgaben gestellt, und über jeden Vortrag Debatten gehalten. In den Listen dieser Gesellschaft finden sich fast alle Namen derer, die in der folgenden Periode berufen wurden, eine hervorragende Rolle zu spielen. Eines der thatkräftigsten Mitglieder war der Oberst Lecoq, Quartiermeister der Armee." (aus der Regimentsgeschichte)

Interims-Uniformen der Unteroffiziere des Bataillons Grenadiergarde von Roeder, bzw. von Ingersleben Nr. 6 1798 und 1801, Zeichnungen von Bernd Schuster

Am 03.01.1798 erhielt Generallieutenant Friedrich Dietrich von Roeder seinen Abschied. Der Nachfolger als Leiter der Inspektion Potsdam, der auch das Regiment Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde Nr. 6, nicht aber das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 unterstanden, wurde Generalmajor Friedrich Wilhelm Philipp von Rüchel. Generalmajor von Rüchel wurde auch neuer Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15. Dies ist insofern bemerkenswert, daß er gleichzeitig noch Chef seines Regimentes Nr. 30 in Stettin war und auch blieb, was bisher noch nie geschehen war. Bislang hatte ein Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15 keinen weitern Kommandeurs- oder Chef-Posten in der Armee. Rüchel wurde damit Nachfolger von Generalmajor von Schwerin, der nach nur 2 Jahren als Chef des Regiments Garde Nr. 15 dimittiert worden war. Am 01.01.1798 wurde in diesem Zusammenhang der bisherige Kommandeur des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 Gebhard Friedrich Gottlob von Ingersleben zum neuen Chef des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 ernannt, dessen bisheriger Chef ebenfalls von Roeder war. Der Nachfolger von Ingerslebens als Kommandeur des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 wurde Oberst von Hirschfeld vom Regiment Herzog von Braunschweig.

Uniformen der Unteroffiziere des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 und des Regiments Garde Nr. 15 1787 - 1801, Zeichnungen von Bernd Schuster

Am 02.07.1798 landete der französische General Napoleon Bonaparte (15.08.1769 - 02.05.1821) mit seiner Armee in Ägypten. Er hoffte damit den Handel Großbritanniens, das seit dem 1. Koalitionskrieg immer noch im Kriegszustand mit dem revolutionären Frankreich stand, mit Indien zu schwächen. Nach der glänzenden Schlacht an den Pyramiden am 21.07.1798 wurde jedoch am 01.08.1798 bei Abu Kir die französische Flotte von der englischen unter Admiral Sir Horatio Nelson (29.09.1758 - 21.10.1805) vernichtet. Der französische Außenminister Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord (02.02.1754 - 17.05.1838) hatte unterdessen nicht, wie versprochen, Konstantinopel bereist. Die Türkei erklärte schließlich unter englischem Druck Frankreich den Krieg.

Uniformen der Gemeinen des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 und des Regiments Garde Nr. 15 1787 - 1801, Zeichnungen von Bernd Schuster

Der neue Preußische König erkannte vollkommen die herrschenden Mängel in der Armee und war eifrig bemüht, diese abzustellen. So sah er einen großen Nachteil in der mangelhaften Löhnung der Soldaten, der er in einer A.K.O. vom 28.02.1799 abzuhelfen gedachte. Danach erhielten Unteroffiziere und Soldaten eine monatliche Zulage von 12gGr. und alle 5 Tage 6 Pfund Brot. erst seit diesem Tage erhielten die Soldaten auch in Friedenszeiten Brot geliefert und mußten sich dieses nicht selber kaufen von ihrem schmalen Sold. Am 27.04.1799 wurde für die Garden eine spezielle A.K.O. erlassen, die ebenfalls dieses Thema zum Inhalt hatte:

"Seine Königliche Majestät von Preußen haben geruht den Feldwebeln des Regiments Garde und des Grenadier-Garde-Bataillons von Ingersleben annoch Jedem eine monatliche Zulage von 2 Thaler zu bewilligen und den Betrag derselben auf die Hof-Staats-Kasse anzuweisen. Ferner wollen Allerhöchstsie die Einrichtung treffen lassen, daß auch die Officiere des Bataillons von Ingersleben, gleich den übrigen Garde-Officieren, den Mittagstisch erhalten. Um dieses Bataillons im Traktament auf den Etat der Officiere des Regiments Garde herabgesetzt und die überschießenden 1034 Thlr. zu ihrer Speisung mit verwendet werden, 1820 Thlr. aber aus der Hofstaatskasse zugeschossen werden."

Die Hofstaatskasse bezahlte damals schon für das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15: 3.311 Thlr. Offizier-Tagegelder, 606 Thlr. Medizin und 300 Thlr. Zulage für 6 Feldwebel. Für das Regiment Garde Nr. 15 zahlte sie: 5.249 Thlr. Offizier-Tagegelder und 400 Thlr. Medizin.

Im Jahre 1799 wurde erneut eine Koalition gegen das revolutionäre Frankreich gebildet, damit begann der 2. Koalitionskrieg. Preußen blieb dieses mal neutral. Die 2. Koalition bestand aus: Großbritannien, Österreich, Russland, dem Osmanischen Reich, Portugal, Neapel und dem Kirchenstaat.

Ein Feldzug Napoleons nach Syrien mit 14.000 Mann zur Verteidigung der Eroberung Ägyptens gegen ein sich formierendes türkisches Heer scheiterte mit der Belagerung von Akkon (März bis Mai 1799). Trotz einiger Siege über osmanische Truppen, musste sich Napoleon nach Ägypten zurückziehen, wo er am 25.07.1799 die Osmanen bei Abukir vernichtend schlug. Da sich die Lage in Europa dramatisch gegen ihn wandte, kehrte Napoleon am 22.08.1799 heimlich nach Frankreich zurück und überließ das Kommando in Ägypten General Jean Babtiste Kléber (09.03.1753 - 14.06.1800). Dieser handelte zwar mit den Osmanen den freien Abzug aus Ägypten aus, doch als Großbritannien die bedingungslose Kapitulation forderte, wurde der Krieg wieder aufgenommen. Am 09.11.1799 marschierte Napoléon Bonaparte mit seiner Armee in Paris ein und wurde durch diesen Staatsstreich des 18. Brumaire VIII (nach dem revolutionären Kalender) zum Ersten Konsul der Republik und Alleinherrscher.

Endlich, nach fast 60 Jahren erhielt auch das Bataillon Grenadiergarde von Ingersleben Nr. 6  neue Uniformen. Zu Paraden wurde zwar noch immer noch die Alte Montierung verwendet, zum Garnison- und Felddienst aber wurde nun ein moderner Interimsrock für Offiziere und Mannschaften eingeführt. Nach der A.K.O. vom 17.12.1799 bestimmte der neue König hierzu:

"Das Grenadier-Garde-Bataillon von Ingersleben hat bekanntlich seinem Ursprung aus der so berühmt gewesenen Garde des Königs Friedrich Wilhelm I. welche den Namen »Königs-Regiment« führte, das Bataillon trägt noch bis auf den heutigen Tag unverändert die Montirung dieses Regiments, wie selbige beim absterben des Königs, ihres Stifters beschaffen gewesen. So auffallend auch diese Tracht mit der jetzigen contrastirt, so sehr trägt sie jedoch das Gepräge der Eigenthümlichkeit, und des simpeln und militairischen Geschmacks ihres Stifters, welcher, da er unstreitig auch als Stifter des Preußischen Heeres anzusehen, die Achtung und Verehrung desselben fortwährend noch in der Asche verdient. Dies sind auch zuverlässig die Beweggründe gewesen, warum seitdem an der Uniform dieses Bataillons niemals etwas geändert worden. Auch hinführo hoffe ich daher, daß man bis in die spätesten Zeiten das Andenken dieses Herrn in selbiger ehren wird.

So viel ist jedoch gewiß, daß die jetzige Bekleidung und Adjustirung der Infanterie zweckmäßiger und bequemer eingerichtet ist als sie es dazumal war, indem statt der lästigen Grenadier-Mützen, bequeme Hüte, statt der künstlichen Backenfrisur, die Haare glatt verschnitten getragen werden, daß jetzt Röcke ganz zum Zuknöpfen eingerichtet sind, daß daher besser für den Unterleib gesorgt worden, und daß endlich noch die sogenannten Winterjacken und Hosen zur Feldbekleidung hinzugekommen.

Geht die Armee aber zu Felde, so zeichnet sich künftig das einzige Grenadier-Garde-Bataillon darin aus, daß es keine von diesen wesentlichen Bequemlichkeiten zu theilen imstande ist. Dieserhalb geht meine Absicht darin, diesem Bataillon hinführo noch eine Interims-Uniform zu bewilligen, welche es künftig beständig im Felde tragen soll, und welche auch dazu dienen kann, den ordinairen Garnisondienst darin zu verrichten. Dahingehend behält es seine jetzige, ihm eigenthümliche Uniform, unabgeändert bei, welche es alle Sonn- und Fest-Revue und Manövertage anzulegen verbunden bleibt. Die Oeconomie wird so einzurichten sein, daß es künftig alle fünf Jahre eine Montirung alter Art und vier Jahre hinter einander die Montirung neuer Art erhält.

Die Offiziere erhalten auf ihrer Interims-Uniform (da sie bis jetzt das einzige Corps in der Armee gewesen, so keine gehabt) rothe Kragen, Klappen und Aufschläge, wie die übrigen Garde-Bataillone, mit goldenen, gezackten Litzen, paille Unterkleider. Die Gemeinen ebenfalls rothe Kragen und Klappen u. s. w. mit goldenen Litzen besetzt, die Hüte mit einer goldenen Tresse eingefaßt. die Unteroffiziere erhalten ähnliche Litzen wie die Gemeinen, aber mit Puscheln. Die Flügelgrenadier-Compagnie erhält die neue Art Grenadier-Mützen."

Interims-Uniform der Gemeinen des Bataillons Grenadiergarde von Ingersleben Nr. 6 um 1800, Zeichnung von Prof. Richard Knötel und Bernd Schuster

Die Osmanen wurden am 20.03.1800 bei Heliopolis von den Truppen des französischen General Kléber vernichtend geschlagen und Kairo wieder besetzt. Allerdings wurde Kléber am 14.06.1800 in Kairo von einem Muslim ermordet. Sein Nachfolger wurde Jacques-François Menou (1750 - 13.08.1810). Napoléon griff unterdessen Österreich an und besiegte es erneut, vor allem in der Schlacht bei Marengo am 14.06.1800.

Am 03.04.1800 wurde den Unteroffizieren und Tambouren des Bataillons Grenadiergarde von Ingersleben Nr. 6 befohlen, das Koppel über der Weste zu tragen.

Interims-Uniform der Offiziere des I. Bataillons Leibgarde Nr.  15 um 1800, Original aus dem DHM Berlin

Am 09.02.1801 unterschrieben zu Luneville Österreich und Frankreich einen Friedensvertrag. Frankreich erhielt hierbei endgültig die linksrheinischen Gebiete, auf die es schon früher Anspruch erhoben hatte und erreichte die Anerkennung dreier Satellitenstaaten: der Batavischen, der Helvetischen und der Ligurischen Republik. Die deutschen Fürsten sollten  für ihre Verluste links des Rheins durch den Reichsdeputationshauptschluss entschädigt werden. Da Rußland sich schon vorher aus der 2. Koalition zurückgezogen hatte, stand nun nur noch Großbritannien den Franzosen als einziger größerer Gegner gegenüber.

Interims-Uniform der Offiziere des Bataillons Grenadiergarde von Ingersleben Nr. 6 um 1800, Zeichnung von Prof. Richard Knötel

"Am 25. Februar 1801 kam endlich ein Reichsdeputations-Hauptschluß zu Stande, in dem Preußen eine Vergrößerung von nahezu 200 Quadrat-Meilen erhielt, wozu noch kam, daß die älteren Preußischen Besitzungen im Westen - Cleve, Mark etc. - durch diese Erweiterungen mehr consolidirt wurden." (aus der Regimentsgeschichte) Es bekam Preußen offenbar recht gut, sich neutral gegenüber Napoléon zu verhalten. Die französischen Truppen in Ägypten wurden unterdessen von den 17.000 Mann starken britischen Truppen bei Abukir am 21.03.1801 und Ramanja am 09.04. geschlagen.

Im April 1801 starb Generalmajor Gebhard Friedrich Gottlob von Ingersleben. Das Bataillon blieb zunächst vacant und erhielt daher den Namen "vacant von Ingersleben".

Interims-Uniform der Gemeinen des Bataillons Grenadiergarde vacant von Ingersleben Nr. 6 um 1801, Zeichnung von Bernd Schuster

"1801 nöthigte eine Streitigkeit zwischen England und den Continentalmächten, Hannover im April zu besetzen. Ein Anerbieten Bonapartes, dieses Land als Entschädigung für den Machtzuwachs Oestreichs zu behalten, wurde abgelehnt." (aus der Regimentsgeschichte)

Im Mai 1801 avancierte der Kommandeur des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 (Chef dieses Bataillons war ja nach wie vor stets der König), Oberst von Hirschfeld, zum Generalmajor.

Am 31.08.1801 kapitulierte Alexandria, und die französischen Truppen mussten gegen freien Abzug Ägypten verlassen. Damit war das ägyptische Abenteuer der Franzosen beendet.

Am 20.12.1801 wurde Karl Ludwig Jakob Edler von Le Cocq neuer Chef des Bataillons Grenadiergarde vacant von Ingersleben Nr. 6. Das Bataillon erhielt jedoch entgegen der bisherigen Tradition nicht den Namen des neuen Chefs, sondern hieß fortan nur noch Bataillon Grenadiergarde Nr. 6. Dies wurde wohl bestimmt, um den Gardecharakter hervorzuheben, denn die übrigen Bataillone Garde führten ja ebenfalls nicht den Namen ihres Chefs. Von Le Cocq wurde der letzte Chef des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6.

"Schon im Jahre 1802 hatte Bonaparte den General Mortier in Hannover einrücken lassen, um die Mündungen der Elbe und Weser den englischen Schiffen zu sperren. Ende Mai ließ Bonaparte nach Berlin melden, daß es schiene, Rußland wolle Truppen nach Hannover marschiren lassen, daß ,er sich daher genöthigt sehe, das Corps in Hannover zu verstärken, wenn Preußen nicht garantire, in keinem Fall den Russen den Durchweg durch Preußen zu gestatten. Diese Forderung wurde in einer Convention vom 1. Juni zugestanden." (aus der Regimentsgeschichte)

Interims-Uniformen  des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 um 1802

Nachdem sie nun alleine gegen die Franzosen die 2. Koalition weiterführen mußten, unterschrieben letztlich auch die Briten zu Amiens am 27.03.1802 einen Friedensvertrag mit dem revolutionären Frankreich. Langfristig konnte dieser Frieden jedoch nicht halten, denn Napoleon Bonaparte unterließ es, einen Handelsvertrag mit Großbritannien abzuschließen. Das bedeutete, daß alle Einschränkungen, die während des Krieges gegolten hatten, auch weiterhin bestanden. Doch zunächst einmal war mit diesem Friedensschluß der 2 . Koalitionskrieg beendet. Preußen hatte sich völlig entgegen seiner früheren Politik in diesem Krieg für "neutral" erklärt.

Durch eine A.K.O. vom November 1802 erhielten die Feldwebel des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 den Rang von Feldwebeln der Armee.

Durch die A.K.O. vom 25.01.1803 erhielt auch das Bataillon Grenadiergarde Nr. 6, statt der traditionellen paillefarbenen, nun weiße Unterkleider. Dieses Bataillon war das letzte mit paillefarbenen Unterkleidern gewesen, alle anderen Truppen hatten schon 1787 weißes Unterzeug bekommen.

Am 18.05.1803 entflammten wieder die Kämpfe zwischen Frankreich und seinem ewigen Widersacher Großbritannien. Der Friede von Amiens war damit hinfällig.

Nachdem ihm in einer Volksabstimmung die Kaiserwürde angetragen wurde, krönte sich der erste Konsul Frankreichs, Napoléon Bonaparte am 02.12.1804 in einer prunkvollen Zeremonie selbst zum Kaiser. Dabei nahm er die Krone Papst Pius VII. aus den Händen und setzte sie sich eigenhändig aufs Haupt. Frankreich war nun keine revolutionäre Republik mehr, sondern ein Kaiserreich.

Am 05.01.1805 wurde Generalmajor von Rüchel neuer Gouverneur von Königsberg. Major von Frankenberg wurde daher neuer Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15 (Regiment Garde = II./III. Bataillon Garde). Er wurde der letzte Kommandeur des Regiments und kommandierte es bis zum Untergang in Auerstädt.

Im Laufe des Jahres 1805 wurde Feldwebel Röhring Capitain der Garde-Invaliden. Im gleichen Jahr nahm Generalmajor Friedrich Wilhelm Philipp von Rüchel als Leiter der Inspektion Potsdam seinen Abschied. Die Stelle blieb nun unbesetzt.

Am 07.02.1805 bestimmte eine A.K.O. die Änderung der Uniformröcke. Die Uniform wurde nun vorne ganz zugehakt und die Schöße aufgeschlagen. Nur die Garde-Offiziere behalten die weißen Stiefeletten, nur bei den Gelegenheiten, bei denen die Mannschaften in schwarzen Stiefeletten kommen, haben auch die Offiziere in schwarzen Stiefeln zu erscheinen. Offenbar wurde mit der gleichen A.K.O. auch den Offizieren des Regiments Garde Nr. 15 ein Rock mit vereinfachten Stickereien und ohne Randeinfassung der Aufschläge und des Kragens befohlen. Dies ist auf verschiedenen Abbildungen zu erkennen, ein genauere Vermerk hierzu findet sich nicht mehr. Diese einfachere Uniform wird auch als Interims-Uniform bezeichnet, es ist nicht bekannt, ob die alte zur Parade weiter bestand, oder gänzlich vom Interims-Rock abgelöst wurde.

Im Jahre 1805 befanden sich beim I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 und dem Regiment Garde Nr. 15 insgesamt 5 Offiziere, 2 Unteroffiziere und 12 Grenadiere, die schon mehr als 26 Jahre bei der Fahne dienten! An Leuten, die immerhin schon 20 Jahre beim Regiment waren, dienten 1805 insgesamt 19 Offiziere, 70 Unteroffiziere, 10 Spielleute, 160 Grenadiere. Es dienten also viele 40 und 50 jährige in den Kompagnien. Dies kommt daher, da im Schnitt nur 11 Rekruten je Jahr und Kompagnie ausgebildet wurden. Diese Zahl ist für die Leibkompagnie über 66 Jahre (1740-1796) ermittelt, die in diesem Zeitraum insgesamt 676 Rekruten erhielt. Diese Zahl dürfte bei den anderen Kompagnien jedoch nicht wesentlich größer gewesen sein. Die Leute mußten also länger dienen, als es später üblich wurde. Im Jahre 1806 dienten in der Leibkompagnie 16 Grenadiere bereits über 20 Jahre, 50 Grenadiere immerhin schon 10 Jahre, es waren 43 Beurlaubte und 40 Verheiratete Grenadiere in der Kompagnie. Welcher Kontrast zu den französischen Truppen. Das napoleonische Heer war kriegserfahren und durch die vorangegangenen Siege hoch motiviert. Es bestand aus jährlich ausgehobenen Rekruten, also Wehrpflichtigen. Taktisch waren diese Truppen auf dem Stand ihrer Zeit, indem sie flexibel Schützentaktik, Kolonnentaktik und Linientaktik kombinierten. In Preußen jedoch war alles im Alten erstarrt, man hing immer noch der Lineartaktik und der "schiefen Ordnung'" Friedrichs II. nach. Waren die Preußischen Truppen am Beginn der Koalitionskriege noch dem französischen Revolutionsheer in allen Belangen überlegen, so hatte sich dieses Verhältnis nun um 180° gekehrt.

Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 und das Regiment Garde Nr. 15 zählten im Jahre 1805 zusammen: 271 Offiziere, 983 Unteroffiziere, 349 Spielleute und 9.888 Gemeine.

Am 11.04.1805 wurde ein neues Bündnis zwischen Großbritannien und Rußland gegen Frankreich geschlossen. 26.05.1805 entstand daraus mit Österreich, Großbritannien, Russland, dem stark dezimierten Königreich Piemont-Sardinien und Schweden die 3. Koalition gegen Frankreich. Ziel war nun nicht mehr die Weidereinführung der Monarchie in Frankreich, sondern dem Eroberer Napoléon Bonaparte Einhalt zu gebieten. "Am 26. Mai 1805 trat auch Oestreich zur Coalition und die 3 verbündeten Mächte erkannten nun wohl, daß zu einem sicheren Erfolg ihrer Anstrengungen der Beitritt Preußens nöthig sei. Rußland zog eine Armee an der Preußisch-Polnischen Grenze zusammen, zugleich wurde die Landung eines Russischen Corps in Schwedisch-Pommern verabredet, während Napoleon seine Anerbietungen in Betreffs Hannovers wiederholte. Dagegen verlangte ein eigenhändiger Brief des Kaisers Alexander den Durchmarsch Russischer Truppen nach Oestreich durch Preußisches Gebiet. Während die Franzosen noch diese Zumuthung in Berlin als eine schreiende Beleidigung Preußens ausposaunten, marschirte Marschall Bernadotte mit 30,000 Mann durch das Ansbachsche Gebiet am 3. October. In ganz Preußen wurde das auf das tiefste als Beleidigung empfunden. Am 9. October wurden ernste Maaßregeln festgesetzt in einer Conferenz, an der der König, Herzog von Braunschweig, Feldmarschall Möllendorff, Hardenberg und Schulenburg Theil nahmen. Am 14. October, da Napoleon der Verletzung noch den Hohn hinzufügte, erfolgte der Befehl, 3 Armeen aufzustellen:

 

50,000 Mann in Nieder-Sachsen unter dem Herzog von Braunschweig.

60,000 Mann in Franken unter dem Fürsten von Hohenlohe.

20,000 Mann in Westphalen unter dem Churfürsten von Hessen, und 3 Reserve-Corps.

 

Den Russen wurde der Durchmarsch gestattet und Preußen rückte in Hannover ein. Trotz dieser Maaßregeln, der Anwesenheit des Russischen Kaisers am 25. October und des Erzherzogs Anton, Bruder des Deutschen Kaisers - entschieden war man doch nicht, um so weniger nach der am 14. October stattgehabten Capitulation Macks." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 21.09.1805 kam in Potsdam die Ordre aus Berlin an, daß vom 01.10.1805 an die Armee auf dem Feldetat sei. Die Beurlaubten wurden daraufhin schleunigst einbeordert. "Die Pferde konnten in natura oder Geld empfangen werden. Es wurde wiederholt anbefohlen, daß sich jeder Officier, Unterofficier und Gemeine auf das Allerleichteste einrichten solle." (aus der Regimentsgeschichte) Am 26.09.1805 wurden die Mobilmachungsgelder gezahlt. Jede Kompagnie bekam 175 Thlr., die Subalternen 30 Thlr. und 9 Frd´or für ein Pferd. Die Bataillonsartillerie war in Berlin und mußte von dort geholt werden. Ebenfalls am 26.09.1805 wurde das Gehalt der Offiziere vom Capitain abwärts um 4 Thlr. monatlich erhöht. "Am 3. October wurde befohlen, daß wenn in 3 Gliedern gegen Cavallerie chargirt wird, das 1. Glied niederfällt und das Bajonett senkt; ist keine Cavallerie da, chargirt das 3. Glied nicht mit. Zu Schützen wurden per Compagnie 10 - 12 Mann aus dem 2. und 3. Gliede bestimmt. Es wurde damals auch das sogenannte Bataillons-, spätere Gliederfeuer eingeführt. Den 14. October wurde zum ersten Mal nach der Scheibe geschossen; die Scheiben waren 6 Fuß hoch und 12 Fuß breit auf 200 Schritt. Es trafen durchschnittlich 40% Kugeln die Scheibe." (aus der Regimentsgeschichte)

Am Morgen des 15.10.1805 wurde Kronprinz Friedrich Wilhelm (15.10.1795 - 02.01.1861) anläßlich seines 10. Geburtstages in das Kabinett des Königs gerufen. Er erhielt dort aus der Hand seines Vaters die Fähnrichs-Uniform des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15. Friedrich Wilhelm war damit der Preußischen Tradition entsprechend im Alter von 10 Jahren in die Königliche Garde aufgenommen worden. Am gleichen Tage waren alle Stabsoffiziere der Garde in Paretz zur Geburtstagsfeier des Kronprinzen geladen, der hier zum ersten male die Uniform der Garde trug. Am Tage darauf erschien der junge Kronprinz in der neuen Uniform auf der Wachtparade in Potsdam. Seine erste militärische Ausbildung im Exerzieren führten Feldwebel Clery von Möllendorff und Unteroffizier Bennstein von der Leibkompagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 durch. Richtigen dienst tat der junge Kronprinz jedoch noch nicht, trug aber von da an stets die Uniform des Bataillons.

Am 25.10.1805 besuchte Zar Alexander I. von Rußland (23.12.1777 - 01.12.1825 nach westlicher Zeitrechnung) Potsdam und wurde feierlich empfangen. Er blieb bis zum 04.11.1805, wo in der Nacht um 00:45 Uhr mit der Königin und dem König und einem großen Gefolge in die Gruft Friedrichs des Großen in der Garnisonkirche gegangen war. Im Fackelschein nahmen der Zar und das Preußische Königspaar Abschied voneinander. "Wer konnte damals wissen, wenn Manche es auch dunkel ahnen mochten, daß nicht allein der Leib des großen Königs begraben, daß auch sein Geist entflohen sei aus seiner herrlichen Schöpfung, der Armee!" (aus der Regimentsgeschichte) Um 01:00 Uhr reiste der Zar ab. Genau ein Jahr später sollte ein anderer Kaiser an den Gräbern der Könige in der Gruft der Garnisonkriche stehen.

"Am 3. November wurde mit den beiden verbündeten Kaisern ein Vertrag abgeschlossen, aber ganz im Sinne der bisherigen Preußischen Politik. Unmittelbar nach Unterzeichnung des Potsdamer Traktats sollte ein Preußischer Unterhändler nach dem Französischen Hauptquartier abgesandt werden, die Preußischen Armeen aber während der Unterhandlung im Vorrücken bleiben. Würde Frankreich die Friedensbedingungen verwerfen, so sollten 180,000 Preußen in Thätigkeit treten. Als Bedingungen der Theilnahme aber forderte Preußen Subsidienzahlungen, freie Getreideausfuhr aus Rußland und eine bessere, gesicherte Grenze durch Tausch oder Erwerbung. Mitte November räumten die Preußischen Truppen Hannover, am 13. November trat Graf Haugwitz jene verhängnisvolle Mission an, deren Resultat eine ohne Zustimmung seines Souverains abgeschlossene Convention war. Preußen sollte gegen einige Abtretungen in den Besitz Hannovers gelangen." (aus der Regimentsgeschichte)

Bis zum 19.11.1805 wurden von jeder Kompagnie noch 10 Reserveschützen bestimmt. Am 20.11. befahl der König, daß von den neuen Gewehren weder Schaft noch Lauf poliert werden sollte. "Genug, wenn letzterer rostfrei." Weiterhin sollten keine zu festen Griffe gemacht werden und das Bajonett auf dem Marsch entweder aufgepflanzt oder am Riemen getragen werden. "Höchst eigenthümlich ist es doch, daß Königliche Leibjäger befehligt wurden, die neuen (Nothardt´schen) Gewehre zu versuchen, um die besten für die Schützen auszusuchen. Der Ausmarsch wurde für den 4. December befohlen. Seine Königliche Hoheit der Prinz Heinrich wurde zum 1. Bataillon Garde versetzt. Der König schenkte dem Bataillon eine 8tägige Löhnung." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 02.12.1805 schlug Napoléon die vereinigten österreichischen und russischen Truppen der 3. Koalition vernichtend bei Austerlitz ("Dreikaiserschlacht").

Am 08.12.1805 erging folgender Parolebefehl: "Seine Majestät der König wünschen dem Corps zum Marsch Glück, und lassen ihm sagen, daß Sie sich zur rechten Zeit wieder bei demselben einfinden werden. Zu dem Corps Officiere haben Se. Majestät vorzüglicherweise das beste Vertrauen, daß ein Jeder sich bestreben werde, sich auf eine vortheilhafte Weise auszuzeichnen, wie es von einem so vorzüglichen Corps nicht anders zu erwarten. Se. Königliche Hoheit der Prinz Heinrich commandiren auf dem Marsch unter dem Generalmajor von Hirschfeld die 3 Garde-Bataillons, und da besagter General nicht gleich mitgehen kann, so werden Se. Königliche Hoheit die Brigade allein führen."

"Die Truppen marschirten im Parade-Anzuge aus und beim König vorbei, und machten erst vor dem Thore die feldmäßige Toilette." (aus der Regimentsgeschichte) Der Marsch ging über Petzow, Zeuden, Coswig, Dessau, Radegast, Brahna, Schlettau, Merseburg, Weißenfels, wo das Korps am 16.12.1805 eintraf. Die 4 Bataillone Garde gehörten zum insgesamt 16 Bataillone Infanterie, 25 Eskadronen Kavallerie und 4 Batterien Artillerie starken 1. Reserve-Korps des Feldmarschalls von Möllendorff. Das Korps sollte in den Saalkreis marschieren und entweder in Richtung Erfurt oder Hannover verwendet werden. Die Kompagnien marschierten meist jede für sich vom Quartier zu Quartier, die Tornister wurden dabei meist gefahren. Es wurde stets mit mit Avant- und Arrieregarde marschiert. In Weißenfels erhielt Carl, Prinz von Mecklenburg die Kompagnie des Major von Rimptsch, der sich kurz vor dem Ausmarsch das Leben genommen hatte. Das Hauptquartier des Königs befand sich ebenfalls in Weißenfels. Die Garden standen in der Stadt und der näheren Umgebung.

Am 26.12.1805 unterzeichneten die Unterhändler Frankreichs und Österreichs den Frieden zu Preßburg. Einen Tag später ratifizierte Napoléon, der inzwischen in dem kaiserlichem Schloß Schönbrunn residierte, den Vertrag. Dabei musste Österreich die Grafschaft Tirol und Vorarlberg an das Kurfürstentum Bayern abtreten. Der Rest von Vorderösterreich wurde unter Baden und Württemberg aufgeteilt. Die Gebiete Venetien, Istrien, Dalmatien und Cattaro, die erst 1797 beim Frieden von Campo Formio zu Österreich gekommen waren, fielen an das napoleonische Königreich Italien. Die Freie Reichsstadt Augsburg fiel an Bayern. Das (vormalige Erzbistum) Salzburg, welches erst 1803 säkularisiert und zu einem Kurfürstentum aufgestiegen war, sowie Berchtesgaden kamen im Ausgleich an Österreich. Kaiser Franz I. von Österreich (12.02.1768 - 02.03.1835) musste dafür Napoléon Bonaparte als Kaiser der Franzosen anerkennen. Damit war der 3. Koalitionskrieg beendet.

Uniformen  des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 im Jahre 1806, nach Thüme

Zwischenzeitlich ging Graf Haugwitz mit einer Abänderung des Wiener Vertrages nach Paris. In dieser Abänderung wurde von Preußen zwar die Abtretung Hannovers angenommen, aber diese Abtretung an den Friedensschluß zwischen Frankreich und England geknüpft. Im Frieden sollte zudem England den Preußen den Besitz  Hannovers garantieren. "Man schmeichelte sich, daß Napoleon hierzu seine Zustimmung geben würde, und glaubte in Folge eines freundlichen Antwortschreibens auf die Mittheilung von der Ankunft des Grafen Haugwitz die Sache so sicher, daß man nicht allein am 24. Januar die russischen Generale Tolstoy und Benningsen ersuchte, mit ihren Truppen nach Rußland zurückzukehren, sondern daß man auch um der Ersparnisse willen die Demobilmachung der Armee bis auf einen geringen Theil in Westphalen und Hannover anordnete. Aber Napoleon nahm den Grafen Haugwitz sehr schlecht auf; dieser schreibt unter dem 8. Februar, auf das Aeußerste gefaßt zu sein, als er die Nachricht von der Demobilmachung erhält und nun glaubte, sich willenlos in die Macht Napoleons geben zu müssen." (aus der Regimentsgeschichte)

Der König dankte am 31.01.1806 seinen Truppen für ihr gutes Benehmen und führte aus: "Da es Seine Majestät gelungen ist, den Frieden auf eine genugthuende Art zu erhalten und hierdurch das Vaterland vor den Gefahren des Krieges zu schützen, als womit der Zweck erreicht ist, so wird die Armee in ihre Friedensgarnisonen zurückkehren."

Am 03.02.1806 erfolgte der Rückmarsch in die Garnison über den gleichen Weg, den man hermarschiert war. Am 14.02.1806 rückten die Garden in Potsdam ein.

Am 03.03.1806 wurde die Ratifizierungsurkunde eines Vertrages nach Paris gesandt, wonach die Stammlande der Hohenzollern, Ansbach, an Bayern abgetreten wurde und Preußen sich darüber hinaus verpflichtete, die Mündungen der Elbe, Weser und Ems gegen Großbritannien abzusperren. Am 18.03. wurde Wesel an die Franzosen und Hameln an die Preußen übergeben. "Neufchatel und Valegin huldigten dem französischen Kaiser. Es folgte Demüthigung auf Demüthigung für Preußen" (aus der Regimentsgeschichte)

Am 23.03.1806 verkündete eine Proklamation des Preußischen Ministers Grafen Schulenburg die definitive Besitznahme Hannovers: "Durch eine mit Sr. Majestät dem Kaiser der Franzosen abgeschlossene Convention hat Sr. Majestät der König von Preußen in Folge der Abtretung dreier seiner Provinzen in Kraft der gegenseitigen und feierlichen Garantien den legitimen Besitz der Staaten des Hauses Braunschweig-Lüneburg in Deutschland, welche Se. Kaiserliche Majestät durch das Recht der Eroberung gehörten, erlangt." Am 28.03.1806 schlossen die Preußen vertragsgetreu die Häfen und Flußmündungen der Nordsee. Preußen war damit ganz Teil der Kontinentalsperre Frankreichs gegen Großbritannien geworden. Nichts deutete auf einen Bruch Frankreichs mit seinem Verbündeten Preußen hin. "Napoleon sandte den General Rapp nach Hannover, um die Anstalten dazu zu inspiciren, ja der General verlangte die Truppen zu sehen, welche die Hannöverschen Häfen besetzen sollten. Ein anderer Französischer General nahm seinen Sitz in Hannover. Englischer Seits verließ der Hannöversche Gesandte Omheda am 7. April Berlin, nachdem er gegen die Besitznahme feierlich protestirt hatte." (aus der Regimentsgeschichte)

Uniformen  des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 im Jahre 1806

"Unterdeß fing für die Garden, die in die Garnison zurückgekehrt, sogleich der gewöhnliche Dienstbetrieb wieder an. Am 7. April wurde eine neue Probemontirung vorgestellt, zum Ueberknöpfen eingerichtet, das Gehänk über den Rock und die neue Art Zöpfe, wo das 1. Glied 4 Zoll, das 3. Glied 3½ Zoll, das 2. 3 Zoll bewickelt sein sollte und 1 Zoll unten bewickelt. Daneben wurde aber fleißig in den Bataillons und der Garnison exerciert. Der König war stets dabei zugegen und commandirte häufig selbst die Manöver. Der Feldetat dauerte fort. Im Mai stand die Potsdamer Garnison einige Tage in einem Lager bei Redlitz. Nach Beendigung der Exercierzeit verlief der Sommer 1806 in gewohnter Weise. Scheibenschießen thaten nur die Schützen der Garnison." (aus der Regimentsgeschichte)

In London wollte man den Handel zwischen Frankreich und seinem Verbündeten Preußen - mit dem man Jahrzehnte stets und meist gegen Frankreich verbündet war - nicht hinnehmen. Am 20.04.1806 erließ das britische Kabinett "...ein Manifest, in welchem es das Benehmen Preußens unumwunden kennzeichnete und an den Deutschen Kaiser, an Schweden und Rußland, als Garanten des Westphälischen Friedens, appellirte." (aus der Regimentsgeschichte) Die Mündungen der Deutschen Flüsse wurden für Preußische Schiffe gesperrt und alle Preußischen Schiffe in Britischen Häfen beschlagnahmt. Mitte Mai 1806 wurden Kaperbriefe gegen Preußische Schiffe ausgegeben. In London sah man zurecht das wankelmütige Preußen als Feind an. Schweden schloß sich bald diesen Maßnahmen an und sperrte seinerseits die Ostseehäfen. Es wollte das Herzogtum Lauenburg für Hannover behaupten und es kam sogar zu Kämpfen zwischen preußischen und schwedischen Truppen, ehe diese ihr Vorhaben aufgaben.

"Dahin war Preußen mit seiner Neutralität gekommen: völlig isolirt, von den verbündeten Mächten theils feindlich, theils mißtrauisch, von Frankreich ohne Achtung behandelt." (aus der Regimentsgeschichte)

Mitte Mai 1806 übernahm Graf Haugwitz wieder die Geschäfte des auswärtigen Amtes. "Es folgten nun rasch die verletzendsten Akte Frankreichs gegen Preußen. Mürat, seit dem 15. März Großherzog von Berg und in Besitz des von Preußen abgetretenen Cleve, reklamirte, als zu seinem Herzogthum gehörig, die Abteien Essen, Elten und Verden, welche als säkularisirte Länder seit dem Reichs-Deputations-Hauptbeschluß in dem Besitz Preußens waren." (aus der Regimentsgeschichte)

Die im Mai 1806 begonnenen Verhandlungen zwischen England und Frankreich scheiterten letztlich am Widerstand Preußens gegen die von Napoleon vorgeschlagene Aufteilung Deutschlands und an dem französischen Vorschlag, Hannover doch an England zurückzugeben.

Schütze und Flügelgrenadier des I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 um 1806, Zeichnung von Herbert Knötel

Am 12.07.1806 gründeten Kurmainz, Bayern, Württemberg, Baden, Hessen-Darmstadt, Nassau, Kleve-Berg und weitere Fürstentümer mit Unterzeichnung der Rheinbundakte in Paris den Rheinbund, als dessen Protektor Napoleon fungierte, und erklärten am 01.08.1806 den Austritt aus dem Reich. Die treuen Vasallen Napoléons, Bayern und Württemberg, wurden dafür zu Königreichen (von Napoléons Gnaden) erhöht. "16 Deutsche Fürsten sagten sich förmlich und auf immer von dem Deutschen Reichsverbande los, erklärten sich für Souveraine und den Kaiser der Franzosen zu ihrem Protektor! Preußen ward hiervon nicht einmal vorher in Kenntnis gesetzt." (aus der Regimentsgeschichte) Damit war das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, das über 1.000 Jahre bestand, am Ende. Kaiser Franz I. legte folglich bereits am 30.07.1806 die Reichskrone - auch auf Druck Frankreichs, das gedroht hatte, erneut in Österreich einzumarschieren, sollte Franz nicht als Deutscher Kaiser abdanken - nieder, verkündet wurde dieses am 06.08.1806.

Am 29.07.1806 wurde die Festung Wesel dem Französischen Reich einverleibt, obgleich sie nach dem Vertrag vom 15.02.1806 an einen von Napoléon zu bezeichnenden Fürsten und nicht an Frankreich abgetreten worden war. Auch hier handelte der Korse, ohne das schwache Preußen auch nur zu beachten.

"Unter dem 1. August befahl der König, daß die Feldwebel des Bataillons Garde künftig wie die Officiere gekleidet seien, auch beim Marschieren den Degen ziehen und in der Mitte des 1. Zuges schließen sollten. Die Pulverladung der Patronen wurde von 5/8 auf 6/8 Loth erhöht." (aus der Regimentsgeschichte)

4. Koalitionskrieg 1806-07

Zurecht völlig isoliert von seinen ehemaligen Bundesgenossen, begann nun Preußen den Krieg gegen das übermächtige Frankreich. Wer sollte Preußen schon beistehen, nachdem es in seiner gewählten "Neutralität" mehrfach direkt Frankreich in die Hände gespielt hatte und sich sogar aktiv an den Ländern der anderen Deutschen Fürsten und auch Großbritanniens bereichert hatte? Überstürzt und im Grunde nur aus gekränkter Eitelkeit rannte Preußen in seinen Untergang. Zwar wurde mit Rußland und Kursachsen die 4. Koalition gebildet, doch der eine Partner wollte nicht recht dem wankelmütigen Preußen helfen, der andere konnte es aufgrund seiner bescheidenen Möglichkeiten nicht. Die 4. Koalition bestand also nur auf dem Papier, de facto kämpfte Preußen nun allein.

"Nach abgehaltenem Kriegsrath zu Charlottenburg am 9. August, ertheilte der König den Befehl zur Mobilmachung der Mehrzahl der noch demobilen Truppen. Die Bataillone der Garde waren noch mobil." (aus der Regimentsgeschichte)

Galauniform eines Offiziers des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 1806, Original aus dem DHM Berlin

Im Jahre 1806 starb die Ehefrau Friedrich Wilhelms von Rohdich und am 18.08.1806 fiel so die Erbschaft dem Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 zu. "Der damalige Commandeur en chef des Grenadier-Garde-Bataillons, Generalmajor von Lecoq, bestimmte, daß die Einkünfte des Hauses den Eltern der Kinder zu deren Unterhaltung ausgezahlt werden sollten. Alle Kinder der in Reihe und Glied stehenden Soldaten des Bataillons sollten gleiche Ansprüche haben, die Kinder der Ausrangierten aber nur, insofern ihre Eltern nicht vermögend wären, aus eigenen Mitteln für ihre Erziehung zu sorgen und insofern sich die Eltern in Potsdam oder Werder aufhalten. Die Kinder der Beurlaubten wurden gänzlich von dem Genuß des Vermächtnisses ausgeschlossen. Die Unterstützung sollte bis zum vollendeten 13. Jahre gezahlt werden, und nur Krüppel und Blödsinnige sie länger empfangen. Einer Commission von Stabs- und anderen Officieren des Bataillons, unter specieller Leitung des Commandeur en chef, wurde die Verwaltung der Gelder übertragen. In dieser Weise wurde das Vermächtnis bis 1806 verwandt und verwaltet." (aus der Regimentsgeschichte)

Die letzten Ranglisten vor dem Ausmarsch nach Jena und Auerstädt der alten und ruhmreichen Garden aus Potsdam haben sich erhalten. Sie sind im Folgenden ungekürzt wiedergegeben.

Rangliste des 1. Bataillons Leibgarde Nr. 15 von 1806

 

der Officiers vom Ersten Bataillon Leib Garde vom Monat Juny 1806.

 

Quellen:

Schneider, Louis: Illustrierte Stamm-, Rang- und Quartier-Liste der Königlich Preuſsischen Armee. Das Erste Garde-Regiment zu Fuß bearbeitet von Graf Waldersee I., Seconde-Lieutenant im I. Garde-Regiment zu Fuss, Berlin 1854, Alexander Duncker

Reinhard, Carl von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1740-1857, Potsdam 1858, August Stein

Die mit einem * bezeichneten sind beim Garde-Regiment wieder angestellt worden.

Chef Sr. Majestät der König

General-Major und Commandeur Carl Friedrich von Hirschfeld. (Der Sieger von Hagelsberg.)

Oberst Seine Königliche Hoheit Heinrich, Prinz von Preuſsen.

Major Carl Wilhelm von Niesemeuschel.

Major Michael Ernst von Schwichow, Grenadier. Commandeur Grenadierbataillon. (Der Vertheidiger von Vitry 1814.)

Major *Gustav Friedrich von Kessel

Major George Casper Aegidius von Wienskowski.

Major *Carl Friedrich August, Prinz von Mecklenburg-Strelitz.

Stabs-Capitain Ludwig Heinrich Gottfried von Colmar, Grenadier.

Stabs-Capitain *Ernst Ludwig Wilhelm von Bismarck II.

Stabs-Capitain *Ludwig Heinrich Christian von Rex.

Premier-Lieutenant Otto Wilhelm Henrich Sigismund von Puttlitz.

Premier-Lieutenant *Leopold Anton Oldwig von Natzmer, Adjutant.

Premier-Lieutenant Joachim Leopold von Dittmar.

Seconde-Lieutenant *Job Carl Ernst Wilhelm von Witzleben.

Seconde-Lieutenant Ernst Wilhelm Carl August von Zieten.

Seconde-Lieutenant Carl Ludwig von Arnim.

Seconde-Lieutenant Heinrich Friedrich August von Röder, genannt Bomsdorf, Grenadier.

Seconde-Lieutenant August Ernst Bernhardt von Kröcher.

Seconde-Lieutenant Herman Ludwig Wilhelm von Voſs.

Seconde-Lieutenant Emil Ludolph von Dankelmann.

Seconde-Lieutenant *Heinrich Franz Ludwig von Barner, Grenadier.

Seconde-Lieutenant *Julius Ludwig von Pogwisch.

Seconde-Lieutenant Carl Alexander Adolph von Hirschfeld. (Jetzt Commandierender General des 8. Armee-Corps.)

Seconde-Lieutenant *Seine Königliche Hoheit Wilhelm Friedrich Ludwig Prinz von Preuſsen.

Seconde-Lieutenant Carl Ludwig Ferdinand von Ingersleben.

Fähnrich *Alexander Friedrich Adolph von Knobelsdorff.

Fähnrich Albrecht Baron von Wattenwyl.

Fähnrich *Seine Königliche Hoheit, Kronprinz von Preuſsen.

Fähnrich *Theodor Carl Alexander Friedrich Philipp von Bismarck.

Fähnrich *Carl Ulrich Friedrich Wilhelm Moritz von Hirschfeld.

 

        Abgang.

Avancement Premier Lieutenant von Puttlitz zum übercompl. Stabs Capitain.

 

        Corps-Unrangirte.

Capitain Luthner.

Seconde-Lieutenant Casper Dietrich Brinckmann.

 

Potsdam den 28. Juny 1806

(L.S.) gez. von Niesemeuschel.

Rangliste des Regiments Garde Nr. 15 pro Juny 1806

derer Herrn Officiers vom Regiment Garde. Pro Juny 1806.

 

Quellen:

Schneider, Louis: Illustrierte Stamm-, Rang- und Quartier-Liste der Königlich Preuſsischen Armee. Das Erste Garde-Regiment zu Fuß bearbeitet von Graf Waldersee I., Seconde-Lieutenant im I. Garde-Regiment zu Fuss, Berlin 1854, Alexander Duncker

Reinhard, Carl von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1740-1857, Potsdam 1858, August Stein

Die mit einem * bezeichneten sind beim Garde-Regiment wieder angestellt worden.

Major und Commandeur Johann Ferdinand von Frankenberg.

Major Ludwig von der Gröben.

Major Friedrich Moritz von Ozorowski.

Major Johann Bolislaus von Puttkammer. (Der spätere Commandant des Invalidenhauses zu Berlin.) 2. Grenadierkompagnie.

Major Johann Heinrich von Pritzelwitz.

Major Carl Friedrich von Puttlitz.

Major Friedrich Gottlob von Stutterheim.

Major Johann Carl Augst Fürst zu Neu-Wied. Chef 3. Flügelgrenadierkompagnie.

Capitain Ernst Johann von Koschkull.

Capitain Carl Gottlob von Zabeltitz.

Capitain *Carl Ludwig von Rekowski.

Capitain Christoph Franz Philipp von Glasenapp.

Capitain Johann Wichmann von Schönholz.

Capitain Friedrich Otto Ernst Johann von Bornstädt oder Bornstedt, 2. Grenadierkompagnie.

Capitain Wilhelm Friedrich von Löwenfeld.

CapitainVictor Friedrich Ludwig von Oertzen.

Capitain Eduard von Barneckow.

Capitain Friedrich Mathias von Chamier, 3. Grenadierkompagnie.

Capitain Leon von Tucholka.

Premier-Lieutenant *Leopold Friedrich von Kleist. Übercompl. Stabs Capitain.

Premier-Lieutenant Ludwig August Otto von Wangenheim.

Premier-Lieutenant Carl Adolph Wolff von Müller.

Premier-Lieutenant Michael Andreas von Chamier.

Premier-Lieutenant Otto Carl Leopold von Bölzig.

Seconde-Lieutenant Ernst Heinrich Ludwig von Paulsdorff.

Seconde-Lieutenant George Friedrich Leopold Zollner von Brandt.

Seconde-Lieutenant Ernst von Pirch, 2. Bataillon Adjutant.

Seconde-Lieutenant Joseph Anton von Bothmer, 2. Grenadierkompagnie.

Seconde-Lieutenant Amor Wilhelm von dem Busche, 3. Bataillon Adjutant.

Seconde-Lieutenant Friedrich Gotthardt von Mirbach.

Seconde-Lieutenant Johann Jacob Otto August von Rühle oder Richle. Adjutant beim General Stab.

Seconde-Lieutenant Carl von Hagen.

Seconde-Lieutenant Ludwig George Heinrich von Häusler.

Seconde-Lieutenant Adalbert August von Schwander.

Seconde-Lieutenant Paul Ludwig von Schmudde oder Schmude.

Seconde-Lieutenant Andreas Felician Joseph von Szymborski oder Szimborsky, 3. Grenadierkompagnie.

Seconde-Lieutenant Friedrich Wilhelm Ernst von Lange II.

Seconde-Lieutenant Carl Wilhelm Ehrenfried von Le Coq.

Seconde-Lieutenant Johann Siegmund George Wilhelm von Furtenbach.

Seconde-Lieutenant *Carl Friedrich Wilhelm  von Grabow, 2. Grenadierkompagnie.

Seconde-Lieutenant Heinrich von Calbow, 3. Grenadierkompagnie.

Seconde-Lieutenant *Adolph Friedrich von Barnekow.

Seconde-Lieutenant *Friedrich Wilhelm von Brünneck, Adjutant oder 2. Grenadierkompagnie.

Seconde-Lieutenant Hans Ernst Carl von Bornstädt oder Bornstedt.

Seconde-Lieutenant Friedrich Xaber von Einsiedel.

Fähnrich Joseph Franz Anton Ludwig von Humbracht.

Fähnrich Richard Heinrich Leopold von Lützow.

Fähnrich Ernst Wilhelm Ferdinand von Puttkammer.

Fähnrich *Hans Carl Friedrich Balthasar von Zieten I.

Fähnrich Hans Friedrich Peter von Podewils.

Fähnrich Adolph Friedrich August von Rochow.

Fähnrich *Carl von L´Estocq oder Carl George von Mislocq.

Fähnrich Heinrich Ludwig von Zollikoffer oder Zollicoffer.

Fähnrich *August Hans Friedrich Ferdinand von Voſs.

Fähnrich Ludwig Wilhelm von Eschwege.

Fähnrich Franz Ignaz von Wilczeck oder Wilczen.

Portepée Fähnrich Alexander August Ferdinand von Rhöden.

Portepée Fähnrich Heinrich Franz von Bousmard.

Portepée Fähnrich Otto Ludwig Wilhelm von Schmeling.

Portepée Fähnrich Moritz Friedrich Wilhelm von Proeck.

Portepée Fähnrich Carl Friedrich Wilhelm von Kessel.

Gefreyt Corporal Johann Ludwig von Specht.

Gefreyt Corporal Eduard Heinrich August von Stülpnagel.

Gefreyt Corporal Carl Friedrich Wilhelm Ferdinand von Hirschfeld.

Gefreyt Corporal Johann Leopold Carl von Schliefen.

Gefreyt Corporal August Theodor Sigmund Heinrich von Lenz.

 

        Avanciert.

Nichts.

 

        Abgang.

Gefreyt Corporal Graf von Wedell als Junker bei das Dragonder Regiment von Brüsewitz versetzt.

 

        Zuwachs.

Nichts.

 

        Manquirt.

Nichts.

 

Das Regiment zählt einen übercompl. Fähnrich, der übercompl. Gefreyt Corporal von Lentz ist eingestellt.

 

        Unterstab aller 3 Bataillons.

Kriegsrath und Regiments-Quartiermacher Heinrich August Duden.

Auditeur und Kriegsrath George Carl von Waltershausen.

Feldprobst Johann Gottfried Kletschke.

Regiments-Chirurgus des 1. Bataillons Leibgarde Dr. *Wiebel.

Regiments-Chirurgus des 2. und 3. Bataillons Garde Andreas Gottfried Rosenmeier.

(L. S.) gez. F. von Franckenberg.

Rangliste des Grenadier-Garde-Bataillons Nr. 6 pro 28. July 1806

von denen Herren Officiers der Königlichen Grenadier Garde. (Nr. 6) Potsdam den 28. July 1806.

Quellen:

Schneider, Louis: Illustrierte Stamm-, Rang- und Quartier-Liste der Königlich Preuſsischen Armee. Das Erste Garde-Regiment zu Fuß bearbeitet von Graf Waldersee I., Seconde-Lieutenant im I. Garde-Regiment zu Fuss, Berlin 1854, Alexander Duncker

Reinhard, Carl von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1740-1857, Potsdam 1858, August Stein

Die mit einem * bezeichneten sind beim Garde-Regiment wieder angestellt worden.

General-Major und Commandeur en chef Carl Ludwig Jakob Edler von Le Cocq.

Major und Commandeur Carl Friedrich von der Lith.

Major George Wentzel von Haugwitz.

Major Johann Carl von Wranke.

Capitain Johann Heinrich von Luck.

Capitain Daniel Emanuel von Lemke, Grenadier.

Stabs-Capitain Hans Heinrich Julius von Jeetze.

Stabs-Capitain Carl Friedrich Dettel von Bibow I.

Stabs-Capitain Friedrich von Bibow II.

Premier-Lieutenant Curdt Christoph Casper von Schwerin.

Premier-Lieutenant und General-Adjutant *Ludewig Dittrich Carl Wilhelm von Below, Grenadier.

Premier-Lieutenant und Adjutant Dettel Otto Ernst von Massow.

Seconde-Lieutenant Martin Wilhelm von Boriskowski. (oder Beriskowsky)

Seconde-Lieutenant Johann Thomas von Piechowski.

Seconde-Lieutenant August Christoph von Rexin.

Seconde-Lieutenant Carl Wilhelm du Buy.

Seconde-Lieutenant Carl Christian von Pressentin (oder Pressenthin), Grenadier.

Seconde-Lieutenant Friederich Ludewig Malte von der Lancken.

Seconde-Lieutenant Friedrich August von Schäffer.

Seconde-Lieutenant Hans Wolf von Kampts I, Grenadier.

Seconde-Lieutenant Friedrich August von Kampts II.

Seconde-Lieutenant *Wilhelm Adolph Hans Heinrich von Below.

Fähnrich Baron *Ludwig Carl Wolf von Wallbrunn.

Fähnrich *Heinrich Werner von Below.

Fähnrich August Wilhelm von Rappold.

Fähnrich Wilhelm Sebastian von Wedell.

Fähnrich Friedrich August Heinrich von Koseritz.

Junker Friedrich Wilhelm von Below.

Junker Eduard Ernst Heinrich von Gillern.

Junker August Wilhelm von Britzke.

Junker Richard Heinrich Wilhelm von Puttkammer.

Junker Carl Friedrich Ferdinand von Grevenitz

 

        Unterstab.

Regiments-Quartiermeister und Auditeur Wilhelm Saint Paul.

Regiments-Feldprediger Carl Friedrich Janisch.

Regiments-Chirurgus Johann Carl Ernst Hünchen.

(L. S.) gez. von LeCoq.

Preußen stellte Frankreich am 26.08.1806 ein Ultimatum, in dem es forderte, Napoléon solle seine Truppen bis zum 08.10.1806 über den Rhein zurückführen. Dieser dachte aber garnicht daran, sich den Forderungen des isolierten Preußens zu beugen und so kam es zum Krieg zwischen den beiden vormals Verbündeten. Die Vasallen Frankreichs, Württemberg und Bayern, stellten sich sofort an die Seite des Korsen, der übrige Rheinbund und die Hansestädte blieben neutral. "Das Kriegstheater, in welchem die Preußische Armee gegen Frankreich und seine Bundesgenossen antreten sollte, hatte eine Ausdehnung von 50 Meilen, von Bremen bis Bayreuth. Der Feind konnte über Hannover, über Cassel und über Eisenach auf Magdeburg; über Eisenach, Schmalkalden und Bayreuth auf Wittenberg und Dresden vordringen. Keine Festungen, keine Ströme, keine Gebirge setzten ihm bis zur Elbe bedeutende Hindernisse entgegen. Die vorläufigen Anordnungen mußten mithin noch vor Augen haben, daß die Armee nach allen Richtungen Front machen konnte." (aus der Regimentsgeschichte)

Es wurden vorläufig 7 Korps gebildet:

  1. Das Westphälische unter General Gebhard Leberecht von Blücher (16.12.1742 - 12.09.1819) bei Paderborn und Osnabrück,

  2. das Hannoversche unter dem einstweiligen Kommando des Generals Larisch zwischen Zelle, Hildesheim und Braunschweig.

  3. Die zur Magdeburger Inspektion gehörenden Truppen sollten sich bei Magdeburg versammeln

  4. Die Potsdamer und Berliner Garnisonen mit dem Überrest der Märkischen Regimenter, sollten sich so marschfertig machen, daß sie jeden Augenblick mit den bei Magdeburg stehenden Truppen gemeinschaftlich aufbrechen konnten um entweder mit dem Hannoverschen Korps vereinigt oder zu anderen Operationen verwandt werden zu können. Hierbei befanden sich auch die 4 Bataillone Garde, daneben 4 Grenadier- und 8 Musketier-Bataillone, 8 Kompagnien Jäger, 10 Schwadronen Gardes du Corps und Gens d´armes, 5 Schwadronen Husaren, eine 12pfünder und eine reitende mobile und 3 12pfünder und 3 reitende noch mobil zu machende Batterien.

  5. Das Korps des General Grafen Kalckreuth sollte sich bei Prenzlau aufstellen, eine detachierte Avantgarde an der Grenze zu Schwedisch-Pommern.

  6. Von den schlesischen und südpreußischen Regimentern wurde ein Teil mobil gemacht unter dem einstweiligen Befehl des Generallieutenant Grawert zwischen Bunzlau und Sagen, um erforderlichenfalls durch Sachsen vorzudringen.

  7. Die westpreußischen Regimenter als Reserve-Korps unter Generalmajor von Natzmer sollten in die Gegend von Küstrin rücken.

"In Ansehung des Proviant-Fuhrwesens und des Bäckereitrains wurde Nichts geändert. 34,000 Mann blieben immobil; es ist nicht ermittelt warum. Dem Herzog von Braunschweig wurde der Oberbefehl angetragen." (aus der Regimentsgeschichte)

Das Regiment Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 marschierten am 31.08.1806 aus Potsdam ab. Ihr Weg führte sie über Groß-Kreuz, Brandenburg, Ziesar, Möckern, Atzendorf, Alsleben, Mansfeld, Eisleben, Querfurth nach Merseburg, wo sie am 21.09.1806 einrückten und von nun an zur 1. Reserve-Division des Generallieutenant Graf Kunheim als Teil der Hauptarmee gehörten. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 rückte erst am 16.09.1806 aus Potsdam zur 1. Reserve-Division ab. Am gleichen Tag begab sich auch der König zur Armee.

Interimsuniform eines Offiziers des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 1806

Die Russen überschritten bereits am 07.09.1806 die Preußische Grenze. Von den Franzosen wußte man, daß General Soult am Inn und der Isar, Marschall Ney in Schwaben, Marschall Davoust am Neckar und General Bernadotte im Ansbachschen und der Oberpfalz, General Augerau im Darmstädtischen und bis Aschaffenburg, General Mortier am Tauber standen. Das Kaiserreich Frankreich und seine Vasallen Bayern und Württemberg hatten zusammen über 200.000 Mann in´s Feld geführt. ihnen gegenüber standen 141.911 Preußen (ohne die Artillerie- und Pontontrains) und noch einmal 20.000 Sachsen. Der am 08.09.1806 zu Schloß Charlottenburg entworfene Operationsplan gründete sich darauf, daß der Korse die kürzeste Operationslinie aus Franken heraus durch Sachsen auf Berlin nehmen und sich dabei zunächst auf Dresden richten würde. "Man wollte dem Feinde so früh als möglich eine Hauptschlacht liefern, ehe der Enthusiasmus, welcher die Armee beseelte, abnähme und ihre Kraft durch Fatiguen erschöpft würde. Es sollte daher die Hauptarmee in der Gegend von Naumburg am Zusammenfluß der Saale, Unstrut und Ilm aufgestellt werden." (aus der Regimentsgeschichte)

Am 10.09.1806 brach die Hauptarmee aus ihren Quartieren auf und marschierte in die Gegend von Sömmerda, Buttelstädt, Apolda.  Die Franzosen konzentrierten sich seit dem 13.09.1806 bei Bamberg. Die 1. Reserve-Division, bei der sich auch das Regiment Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 befanden, marschierte über Naumburg, Freiburg, Laucha. Die 2. Reserve-Divison marschierte nach Weißenfels, wo sie am 03. und 04.10.1806 verweilte. Der König und die Königin kamen am 04.10.1806 nach Erfurt, wo sich inzwischen die Hauptarmee versammelte. 60 - 70.000 Franzosen und deren Büttel standen an diesem Tage zwischen Königshofen und Neustadt, der Kaiser der Franzosen traf am gleichen Tag in Würzburg ein. Am 05.10.1806 rückte das Gros der Preußischen Hauptarmee in die Linie von Langensalza, Erfurt, Rissa, die Reserve-Divisionen in die Linie von Sömmerda, Vippach, Neumark, Buttelstädt bis Osmannstädt an der Ilm.

"Unter wie andern Verhältnissen war vor 50 Jahren das Regiment Garde in Buttelstädt eingezogen, als es zur Avantgarde des Königs in der Zeit vor der Schlacht von Roßbach gehörte! Damals lag das Unglück hinter ihm und sollte sich bald zum herrlichsten siege verklären. - Heute sollte der damals erworbene Ruhm, dessen Siegesglanz noch jetzt die Waffen dieser Armee hell strahlen ließ, in wenigen Tagen erlöschen!" (aus der Regimentsgeschichte)

Am 06.10.1806 war Ruhetag, einen Tag später stand das Gros der Avantgarde von Reinhardtsbrunn bis Ohrdruf. Das Gros der Hauptarmee stand bei Neukirchen-Gotha, die Reserve zwischen Gräfen-Tonna und Erfurt. Am 08.10.1806 war wieder ein Ruhetag, im Hauptquartier bei Erfurt ging die Meldung ein, daß die Franzosen ihre Hauptkräfte bei Bamberg konzentrierten. Am 09.10. rückte die Hauptarmee in sehr enge Kantonierungen um Erfurt, die 3 Bataillone Garde Nr. 15 in der Stadt selber, Grenadiergarde Nr. 6 in Ermstädt. Am 10.10.1806 schlug die Abteilung des Prinzen Loius Ferdinand von Preußen (18.11.1772 - 10.10.1806) eine Schlacht bei Saalfeld, um den Vormarsch der Franzosen auf Dresden aufzuhalten. Der Prinz viel bei dieser Schlacht, seine Truppen wurden aufgerieben und die Franzosen setzten ihren Vormarsch ungehindert entlang der Saale fort. Ebenfalls am 10.10.1806 marschierten die Garden nach Weimar, nach dem sie vorher noch ein allerletztes mal bei Linderbach am Königspaar vorbei defiliert waren.

"Und so sah denn hier, in der Gegend von Linderbach, zum letzten Mal der Erbe Friedrichs jene stolze Garde, die, gleichsam die Inkarnation des Preußischen Soldatenthums, vor 4 Dezennien die Welt mit Staunen und Bewunderung erfüllt hatte, sah sie in dem vortrefflichsten Zustande, Officiere und Gemeine beseelt von jener Freudigkeit, die den Sieg an ihre Fahnen fesseln zu müssen schien, stolz auf die Vergangenheit - sicher einer stolzen Zukunft, während das finstere Verhängnis schon über ihren edlen Fahnen schwebte! Fürwahr, ein Moment tragischer Größe." (aus der Regimentsgeschichte)

Offizier des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 in Interims-Uniform um 1806, Zeichnung von Prof. Richard Knötel

Mit dem Tagesanbruch des 11.10.1806 rückte das Gros der Hauptarmee in ein Lager auf dem Plateau von Umpferstädt bei Weimar. Die Reserve stand dabei mit dem Rücken zum Webicht und der Chaussee von Weimar nach Jena. "In der Stellung bei Weimar und Jena hatte man eine offene Gegend vor sich, was man bei der Ueberlegenheit der Preußischen Cavallerie für die erste Bedingung einer guten Stellung hielt. Von den Bewegungen des Feindes hatte man keiner bestimmten Nachrichten; daß er die Front nur beschäftigte und die linke Flanke umgehen werde, schien das Wahrscheinlichste." (aus der Regimentsgeschichte) Am 12.10.1806 standen die Vorposten unter General Blücher längs der Ilm von Mellingen bis Vorwerk Holtzdorf. Zunächst war es nur ein Gerücht, aber die Meldungen verdichteten sich am Tage zur Gewißheit, daß der Find in Naumburg stehe. Um 23:00 Uhr entwarf der Herzog die Disposition zum Marsch über die Unstrut bei Freiburg und Laucha, von dort die Saale abwärts, um dem Feind zwischen Saale und Elbe entgegen zu gehen. "Eine allgemeine Niedergeschlagenheit bemächtigte sich der Armee; der Gedanke an eine Schlacht war aufgegeben. Der Linksabmarsch, um sich eine senkrechte Rückzugslinie zur Front der Armee zu verschaffen, war unter diesen Umständen das Angemessenste. Aber dann war Eile nöthig, während man zögerte." (aus der Regimentsgeschichte) Napoléon dirigierte am 13.10. Marschall Ney auf Roda, Marschall Lannes auf Jena, der Rest seiner Armee sollte ruhen. Bei den Preußen erließ der Herzog ebenfalls am 13.10.1806 folgende Disposition:

"Die Armee wird eine retrograde Bewegung machen, theils um sich mit dem Herzog Eugen von Würtemberg zu vereinigen, theils um den Rücken wieder frei zu gewinnen. Zu diesem Zweck bricht die Division Schmettau sogleich auf und marschirt nach Koesen. Ist dieser Platz nicht hart besetzt, so soll der General Graf Schmettau denselbigen erobern. Sollte er aber so stark besetzt sein, daß dieser Zweck nicht zu erreichen ist, so soll die 3. Division bloß jenen Platz maskiren, damit die übrige Armee hinter selbigen weg, nach der Unstrut marschiren kann. Die übrigen Divisionen und die Reserve-Armee brechen 1 Stunde später auf. Der Fürst von Hohenlohe bleibt vor der Hand noch stehen, damit der Feind von unserer Bewegung nichts erfährt."

Nach dieser Disposition marschierte also die Armee aus dem Lager von Weimar links ab längs der Chaussee nach Naumburg. Die beiden Reserve-Divisionen konnten erst zwischen 16 und 17:00 Uhr aufbrechen. Die 1. Reserve-Division unter Generallieutenant von Kuhnheim bestand aus folgenden Truppen:

Brigade des Generalmajor von Hirschfeld

    I. Bataillon Leibgarde Nr. 15

    Regiment Garde Nr. 15

    Bataillon Grenadiergarde Nr. 6

    1 Batterie 12Pfünder

Brigade des Generalmajor von Zastrow (später Oberst von Plötz)

    2 Bataillone vom Regiment des Königs Nr. 18

    Grenadier-Bataillon von Rabiel

    Grenadier-Bataillon Prinz August

    1 Batterie 12Pfünder

Cavallerie-Brigade des Generalmajor von Beeren

    5 Eskadronen Gardes du Corps

    5 Eskadronen Gens d´Arms

    1 Reitende Batterie

 

Bemerkenswert ist, daß nicht wie bislang die 4 Kompagnien Flügelgrenadiere der 4 Gardebataillone zu separaten Grenadierbataillonen zusammengefaßt wurden, wie es bei den anderen Regimentern auch 1806 noch geschah. Die Flügelgrenadiere blieben mit Ausnahme derer des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 bei ihren Bataillonen. Auch die Flügelgrenadiere der Leibgarde hätten beim ihrer Truppe bleiben sollen, es kam jedoch anders, wie Lieutenant von Witzleben von der Grenadierkompagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 berichtet: "Am 13. October Nachmittags marschirte das Bataillon bekanntlich auf Weimar., Die Grenadier-Compagnie unter dem Capitain von Colmar, bei der ich stand, hatte die Queue des Bataillons, weil links abmarschirt war. Wir hatten kaum das Thor passirt, als der Capitain von Colmar Befehl erhielt, mit der Compagnie die Arrieregarde hinter der Bagage der Division zu machen, welche dem Bataillon, als dem letzten in der Colonne folgen sollte. So lange es Tag, sahen wir das Bataillon auf eine kurze Distance voraus. Die einbrechende Nacht raubte uns aber die Aussicht, und da während derselben sehr oft Halt gemacht werden mußte, weil Munitions-Colonnen und sogar Regimenter sich zwischen die Bagage drängten, so rückten wir nur in sehr kurzen Absätzen vorwärts und waren beim Tagesanbruch so weit abgekommen, daß wir das Bataillon durchaus nicht mehr sehen konnten."

"Daß die Divisionen erst so spät aufbrachen, daran war Schuld, daß jeder Division ihre sämmtliche Bagage folgte. Uebrigens hatten die Truppen abgekocht und bis den 15. inclkusive Brod empfangen. Der Marsch ging sehr langsam vor sich; während dessen verbreitete sich das Gerücht, daß der Marschall Davoust mit seinem Armee-Corps die Saale passirt habe und auf dem Eckardtsberge stehe und daß der König ihn heute mit der Cavallerie angreifen wolle." (aus der Regimentsgeschichte) Etwa gegen 22:00 Uhr kam die Tete des Reserve-Korps bei Auerstädt an, Graf Kalckreuth gab den Befehl zum Biwakieren. Die Leibkompagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 unter dem Kommandeur derselben, Major von Kessel und Lieutenant von Arnim und Fähnrich von Bismark wurde derweil vom König nach Auerstädt beordert, wohin sie am Nachmittag des 13.10.1806 aufbrach. Durch das ständige Stocken der Kolonne wurde der Marsch der Leibkompagnie derart aufgehalten, daß sich Major von Kessel schließlich vom Fürsten von Oranien die Erlaubnis holte, seine Soldaten an der Kolonne vorbeiziehen zu lassen. Dennoch erreichte sie nicht vor 22:00 Uhr Auerstädt, da zusätzlich dazu noch ein Bote die Kompagnie irre führte. "Wegen der in Auerstädt herrschenden Unordnung, da von den in  der Nähe bivouakirenden Regimentern ganze Trupps daselbst Holz und Lebensmittel zu erlangen suchten, mußte die Compagnie die ganze Nacht patroulliren, und als den Morgen darauf die Armee aufbrach, befahl Se. Majestät der König, daß sie sich der Division Wartensleben anschließen sollte. General von Wartensleben wollte sie aber bei seinem Durchmarsch durchaus nicht annehmen, weil sie 10 Königliche und Fürstliche Bagagewagen mitführte und nur auf inständiges Bitten von Kessel gestattete er zuletzt, daß die Kompagnie seinem letzten Bataillon folgen dürfe, jedoch ohne Wagen. Major von Kessel benutzte diesen Befehl, die Wagen, zu denen sich noch mehrere andere gefunden, los zu werden und übergab sie dem Königl. Kammerdiener Heinrich." (aus der Regimentsgeschichte) Ein Zug der Leibkompagnie unter Secondelieutenant von Pogwisch, bestehend aus 2 Unteroffizieren, 1 Spielmann (Tambour) und 24 Mann wurde am 13.10.1806 abends im Biwak bei Auerstädt von Major von Kessel (Kommandeur der Leibkompagnie) zur Bedeckung der Königlichen Bagage in das Hauptquartier abkommandiert. "Bei denselben hatte sich bis dahin nur 1 Cornet von Podbielsky mit 24 Towarczycz befunden. Dieses Commando machte also am folgenden Tage die Schlacht nicht mit, stand vielmehr vereint mit dem erwähnten Cavallerie-Commando unter dem Befehl des Hauptquartier-Commandanten, Major von Mandelslohe, in Auerstädt." (aus der Regimentsgeschichte)

Lieutenant von Paulsdorf vom Regiment Garde Nr. 15 berichtet über die Brotausgabe: "Den 13. October bei der Parole wurde ich aus Weimar commandirt mit 6 Brodwagen des Regiments in dem Flecken Buttelstädt Brod zu empfangen, mit dem Befehl, so lange zu warten, bis wir Brod geladen hätten. Nach dem ich mit den Wagen des Abends in Buttelstädt, wo die Bäckerei sein sollte, angekommen, meldete ich mich bei dem die Bäckerei commandirenden Officier, dem Train-Lieutenant von Below, und da ich nebst dem Lieutenant von Kröcher vom 1. Bataillon Garde die ersten waren, so versprach uns der Herr von Below auch sobald als nur möglich Brod zu geben. Den Abend besahen einige Officiere so commandirt die ¼ Stunde von dem Flecken etablirte Bäckerei und bemerkten, daß nur die Oefen den Abend erst gesetzt wurden und mit vieler und angestrengter Mühe bis zum 14. October Mittags nur so viel Brod gebacken werden konnte, um das 1. Bataillon Garde, das Regiment Garde und die Wagen des Königs-Regiments zu beladen, allein es ergab sich, daß man am 14. October früh noch sehr wenig Brod fertig hatte und dasjenige, welches fertig war, konnte man nicht laden, weil es ganz untauglich und man auch sagte, der Train-Officier hätte die Oefen gleich einreißen und die Wagen bespannen lassen, um zurückzugehen. Gleich darauf am Morgen fing auch schon die Bataille bei Jena-Auerstädt an."

Am 14.10.1806 in der Frühe wurde in Auerstädt im Beisein des Königs vom Herzog von Braunschweig die Disposition ausgegeben. Beide Treffen sollten links ab nach der Unstrut marschieren, das 1. Treffen bei Freiburg, das 2. bei Laucha, um die Bagage mitzunehmen. Das Lager sollte zwischen Unstrut und Saale genommen werden, von einem Angriff war nirgendwo die Rede. Am Morgen herrschte so starker Nebel, daß die Truppen wie in der Nacht zunächst gesucht und gesammelt werden mußten. "Die Brücke in Auerstädt war durch die Artillerie, welche zu den vordersten Divisionen gehörte, so verfahren, daß wenig Hoffnung war, die beiden Reserve-Divisionen sobald herüber zu bringen. Es ist dies der Grund, warum die Infanterie der Reserve so spät in ihre Stellung kam. Als um 6 Uhr der Befehl zum Antreten des Generals Schmettau gegeben wurde, ging das Gerücht, es hätten sich feindliche Reiter vor dem linken Flügel der Division gezeigt." (aus der Regimentsgeschichte) Das Gros der Division folgte entsprechend dem Befehl des Feldmarschalls von Möllendorff unmittelbar der Avantgarde. Nach etwa einer ¼ Stunde Marsch stieß die Spitze bei Poppel auf feindliche Reiterei, die zurückgeworfen wurde. Jenseits Hassenhausen erhielt man aber plötzlich Kartätschenfeuer und unterschied im Nebel feindliche Infanterie-Kolonnen. Das Gros der Division Schmettau ging weiter über den Lisbach vor und entwickelte sich jenseits Poppel, links der Chaussee. Die Division Wartensleben war aus dem Biwak hinter Auerstädt aufgebrochen, als sie das Feuern bei der Avantgarde gehört hatte. "Nach großen Verzögerungen und Unordnungen beim Passiren des Emsbaches im Dorfe Auerstädt, erreichte sie ziemlich in Unordnung die Höhe von Gernstädt, und wandte sich zum Angriff auf Hassenhausen. Die Division Oranien, ebenfalls aufgehalten, ging gleichfalls gegen Hassenhausen vor." (aus der Regimentsgeschichte)

Karte zur Schlacht von Auerstädt am 14.10.1806

Inzwischen war auch die Leibkompagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 hinter der Division Wartensleben vorgerückt. "Indeß war die Division weit vorgekommen, und als die Compagnie auf die Höhe vor Auerstädt kam, war Major von Kessel unschlüssig, wohin er sich wenden solle, da der starke Nebel jede Aussicht verhinderte. Der Generallieutenant Graf Kalckreuth, den er dort traf, und ihn zu verwenden bat, befahl, mit der Compagnie bis auf weitere Ordre halten zu bleiben, eben dasselbe wiederholte der König, dessen Befehle der Major von Kessel gleichfalls einholte. Da nun aber keine Ordre kam und die folgende Division, namentlich das Bataillon Prinz August, neben der Compagnie rechter Hand aufmarschierte, um eine Attake auf das vorliegende Poppel zu machen, so bat Major von Kessel den Prinzen August, mit der Compagnie sich dem Bataillon anschließen zu dürfen und den Angriff mitzumachen. Der Prinz bewilligte es. Mit klingendem Spiel wurde avancirt, an der Chaussee gegen das Dorf in Sektions gefallen, wobei die Compagnie ein lebhaftes Feuer erhielt. Kurz vor dem Dorfe, welches die Colonne im Trabe zu erreichen suchte, erhielt Major von Kessel durch den vom König nachgesandten Flügeladjutanten Major von Bronikowsky den Befehl, die Attake mit der Compagnie nicht zu machen, sondern sich an das rückwärts auf der Höhe stehende Bataillon Rabiel anzuschließen. Bei diesem blieb die Compagnie während der übrigen Bataille und zog sich dann rechts seitwärts von Auerstädt, wo sie sich mit mehreren Bataillons vereinigte. Der König befahlt ihr dort, abermals in das Hauptquartier nach Weimar zu marschiren, da aber Alles auf der Chaussee zurückging und der Major von Kessel zufällig erfuhr, daß das 1. Bataillon Garde auf der nebenliegenden Höhe stehe, so schloß er sich diesem an." (aus der Regimentsgeschichte)

Kurz nach dem Beginn der Kampfhandlungen (ca. gegen 09:00 Uhr) wurde der Herzog von Braunschweig am Kopf getroffen, woraufhin er sein Augenlicht verlor. Da zunächst kein neuer Oberbefehlshaber ernannt wurde, um den Herzog zu ersetzen, gab es auf preußischer Seite keine einheitliche Kampfführung mehr. Jeder Offizier blieb sich in taktischen Fragen selbst überlassen, was man im preußischen Heer nie geübt hatte.

Die leichten Truppen der Blücherschen Avantgarde unter General Oswald rückten nach dem Übergang der Ilm bei Sulza zur Deckung der durch Auerstädt defilierenden Truppen. Diese Truppen bestanden aus: Füsilier-Bataillone Oswald, Greiffenberg und Kloch, dem Weimarschen Scharfschützen-Bataillon, 2 Schwadronen Württemberg-Husaren, ½ reitende Batterie Schorlemmer. Sie wurden am Emsbach und der Ilm postiert und zu ihrer Unterstützung bald darauf aus der Reserve den General von Hirschfeld mit den 4 Bataillonen Garde, 3 Schwadronen Württemberg-Husaren und der 12Pfünder Batterie Faber hinzugezogen. Diese Reserve-Truppen wurden auf die Höhe nordöstlich der Stadt Sulza postiert, sodaß die Straße nach Buttelstädt hinter ihrer Front blieb. "Hier blieben sie während des übrigen Theils der Schlacht stehen, während die beiden Reserve-Divisionen der Division Oranien bis Gernstädt vorgingen. In dieser Zeit wurde die Cavallerie des General Blücher und die Division Schmettau bei Hassenhausen geschlagen. Endlich rückte die Division Wartensleben an, und ging gegen Hassenhausen vor. Die Division Schmettau schloß sich mit ihrem 1. Treffen dem Angriff wieder an, der Feind wich auf Hassenhausen. Es war dies der entscheidende Moment der ganzen Schlacht, denn einmal aus Hassenhausen geworfen, konnte der Feind, der nur sehr wenig Cavallerie hatte, sich auf der Ebene nicht halten. Aber das Glück hatte den Preußischen Fahnen den Rücken gekehrt. Die vielen einzelnen, theilweis mit Bravour geführten Angriffe hatten keinen Erfolg. Der rechte Flügel der Division Wartensleben wich zuerst, und die in diesem Moment eintreffende Division Oranien konnte keine Entscheidung mehr bewirken, da auch das Dorf Poppel auf dem linken Flügel verloren ging. Die Reserve unter General Kalckreuth stand bei Eckartsberga, wie die Truppen bei Sulza, noch intakt, als nun der Befehl zum allgemeinen Rückzug gegeben wurde. Der Feind defilirte aus Poppel und formirte sich bei Gernstädt gegen Eckartsberga und warf die Reserve in Unordnung. Es blieb nur noch die Aufstellung bei Sulza, wo die 4 Garde-Bataillons, die 12Pfünder-Batterie Faber und einige Schwadronen Husaren standen; das Füsilier-Bataillon Kloch deckte die rechte Flanke gegen die Ilm, die Ilmbrücke besetzt haltend; das Füsilier-Bataillon Oswald und die Weimarschen Scharfschützen besetzten die Emsenmühle und den Grund des Baches; das Füsilier-Bataillon Greiffenberg besetzte den Sonnenberg und das Holz auf demselben. Der Marschall Davoust hatte wohl die Aufstellung der Garden über Sulza wahrgenommen, und befürchtet, daß er von dort her in der linken Flanke umgangen werden könnte; er hatte ein Bataillon des 17. Regiments längs der Saale und Ilm vorgehen lassen, und in der Zeit, wo die Preußischen Divisionen von Hassenhausen den Rückzug antraten, dem General Morand befohlen, mit dem 30. Regiment und der Artillerie der Division, Rehausen rechts lassend, auf Sonnendorf und den Sonnenberg vorzugehen, während der Rest der Division und die Division Gudin gegen Rehausen und Tauchwitz, die größeren Theile der Division Friand aber in der linken Flanke der Preußen vorrücken würden. Das Füsilier-Bataillon Greiffenberg wurde vom General Morand, sobald er jenseits Sonnendorf angekommen, unerwartet in der Flanke angegriffen und von der Höhe hinuntergeworfen. Alsbald erblickte der General Morand auf dem Sonnenberge eine Batterie. Es war die 12Pfünder-Baterie Faber, an welche sich die ½ reitende Batterie Schorlemmer herangezogen hatte. Zu ihr war der Hauptmann Glasenapp vom 2. Bataillon Garde mit seiner Compagnie commandirt. Die Compagnie verlor hier durch das feindliche Feuer 22 Mann Todte und Verwundete und Glasenapp selbst wurde verwundet. Zu der Batterie Schorlemmer war die Compagnie des Capitain von Bornstädt vom 3. Bataillon Garde commandirt. Nach einem lebhaften Tirailleurgefecht am Grunde, in welchem die Füsiliere und Scharfschützen die Oberhand behielten, dehnte der Feind seine Linie links aus, um näher nach der Ilm einen Uebergang zu gewinnen, wurde aber von den Füsilieren und Scharfschützen am Grunde begleitet. Zur Unterstützung dieser letzteren schickten die 4 Garde-Bataillons ihre Schützen vor. Die Schützen des 2. Bataillons, unter dem Lieutenant von Schmude, bildeten den rechten Flügel. Als sie vorgingen, hielt sie das Füsilier-Bataillon Greiffenberg für Feinde und richtete ein lebhaftes Feuer darauf, welcher Irrthum nur mit Mühe aufgeklärt wurde. Nachdem das Schützenfeuer einige Zeit gedauert, avancierten die 4 Bataillons Garde in Linie, gingen die Höhe herunter, kehrten jedoch, als sie in das Feuer des Sonnenberges geriethen, wieder in ihre Stellung zurück." (aus der Regimentsgeschichte)

Nun wurde der Befehl zum allgemeinen Rückzug gegeben. General von Hirschfeld befahl, daß die Schützen und die Reserve-Schützen in den vor der Front gelegenen Busch gehen und diesen mit den schon darin postierten, hart bedrängten, Weimarer Jägern besetzen und halten sollten. "Da der Major von Osorowsky für diese Bewegung die höchste Eile befahl, so bleib ein Theil der Reserve-Schützen, welche sich nicht so schnell vor der Front formiren konnten, zurück. Die Weimarschen Jäger waren ungefähr 2 Compagnien stark und auf einem sehr ausgedehnten Terrain vertheilt, behaupteten aber noch die jenseitige Lisiere. Der Feind hatte die gegenüberliegende Lisiere stark mit Tirailleuren besetzt. Die Schützen setzten sich auf den rechten Flügel der Jäger. Der Feind fing bald an zurückzugehen; die Schützen folgten, durchwateten den Bach, um dem Feinde auf die Höhen des Sonnenberges zu folgen. Von diesem kam aber bald 1 Bataillon leichter Infanterie en ligne herab, welches sie vom weiteren Vordringen abhielt. Während dessen waren sie auch auf dem rechten Flügel von starken Tirailleurmassen völlig umgangen, so daß der Major von Seebach, Commandeur des Weimarschen Jäger-Bataillons, befahl, sich auf die auf den Höhen stehen gebliebene Linie zurückzuziehen. Der Verlust hierbei war bedeutend, doch war zum Glück der Busch von den Reserve-Schützen des 3. Bataillons, unter dem Lieutenant von Furtenbach, gegen eine große Uebermacht des Feindes mit vorzüglicher Bravour gehalten worden, und dadurch die Verbindung erhalten. Die Schützen hielten den Busch nun noch so lange, bis sie erfuhren, daß die Bataillons abmarschirt seien, bei welchen sie wieder eintrafen, als sie in der Position mit der Front nach Auerstädt standen. Die Garden setzten in Ordnung und mit voller Musik wie auf dem Exercierplatz den Rückzug auf Auerstädt fort, nachdem sie auf der Höhe ein Quarree formirt hatten. Durch das Tirailleurgefecht wurden einige Knechte und Pferde einer Kanone des Grenadier-Garde-Bataillons verwundet und die übrigen Knechte ritten davon; sogleich warfen sich die Tirailleurs auf das Geschütz. Auf Befehl des Capitain von Bornstädt machte der 1. Zug des 3. Bataillons Garde wieder Front, avancirte und brachte die schon von den leichten feindlichen Truppen umgebene Kanone wieder zurück. Damit endete die Verfolgung des Feindes." (aus der Regimentsgeschichte)

Beim Dorf Ronstädt wurde die Formation des offenen Karrees aufgelöst und die Garden marschierten nun links ab in Kolonne nach Buttelstädt. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 nahm die Tete, die Batterie Faber fuhr zwischen dem II. und III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15. Es war nun gegen 18:00 Uhr. Die hinter Auerstädt gesammelten Abteilungen der Reserve formierten sich ohne irgendeine Ordre de bataille rechts und links der Straße nach Weimar. Dort ruhten sie eine Zeit lang. Auch der Gegner brauchte eine Verschnaufpause, daher hatte er die Verfolgung der Preußen eingestellt.

Die Verluste der Franzosen bei der Schlacht von Auerstädt am 14.10.1806 betrugen 7.420 Mann. Die Preußen hatten dagegen etwa 10.000 Mann an Toten und Verwundeten, dazu nochmals ca. 3.000 Mann Gefangene zu beklagen. Viele der gepreßten Nichtpreußen waren schlicht desertiert. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 hatte insgesamt 2 Grenadiere an Gefallenen und 7 Grenadiere an Verwundeten. Die Flügelgrenadierkompagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 hatte 2 Unteroffiziere an Gefallenen und 1 Grenadier an Verwundeten. Der Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15, Major von Frankenberg, war ebenfalls verwundet worden. Beim II. Bataillon des Regiments Garde Nr. 15 waren es 1 gefallener Offizier (Capitain von Glasenapp, der kurz nach der Schlacht seinen Verwundungen erlag) und 3 Spielleute, nebst 70 Unteroffizieren und Grenadieren an Toten und Verwundeten. Das III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 hatte keine Gefallenen, dafür jedoch 1 Unteroffizier und 33 Grenadiere an Verwundeten. Das Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 hatte 2 tote Offiziere (Capitain von Bibow I und Secondelieutenant von Boriskowsky), dazu 3 verwundete Offiziere (die Lieutenants von Lanken, von Wienskowsky und von Below). Weiterhin verlor das Bataillon 36 Grenadiere an Gefallenen, Verwundeten und Vermißten.

Der Zug der Leibkompagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15, welcher die Stabswache des Königlichen Hauptquartiers bildete "...rückte am 14. nach bekannt gewordenem unglücklichen Ausgange der Schlacht von Auerstädt mit dem Königlichen Hauptquartier, d. i. dem Sekretariat, Cabinet, gesammten Equipagen - im Ganzen eine Colonne von nahe an 100 schwer beladenen Wagen bildend, mit mehr denn 30 verschiedenen Beamten, gegen 100 Bedienten und doppelt so vielen Knechten - am Nachmittag von Weimar ab, kam die Nacht nach Querfurt, und ging von hier nach kurzem Verweilen in Eilmärschen weiter über Eisleben, Straßfurth, Magdeburg, Tangermünde." (aus der Regimentsgeschichte)

Galauniform eines Offiziers und eines Gemeinen des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 1806

Parallel zur Schlacht bei Auerstädt tobte ebenfalls am 14.10.1806 etwa 15km weiter südlich bei Jena eine weitere Schlacht. Bei dieser standen sich rund 53.000 Preußen – 38.000 davon unter dem Befehl von General Hohenlohe und 15.000 unter dem Befehl von General Ernst von Rüchel (21.07.1754 - 14.01.1823) – und an die 95.900 französische Soldaten gegenüber. Napoléon befahl gegen 06:00 Uhr, die vorgeschobenen preußisch-sächsischen Stellungen erst bei den Dörfern Lützeroda und Closewitz und danach bei Rödingen und Lehesten anzugreifen. Es gelang den französischen Truppen, diese Einheiten von dem nebeligen Schlachtfeld abzudrängen. Die Truppen Hohenlohes formierten sich gegen 09:00 Uhr mit Front in Richtung des Dorfes Vierzehnheiligen und marschierten gegen 09:30 Uhr nach Vierzehnheiligen, das sie etwas später einnahmen, allerdings bald darauf wieder an die französische Infanterie verloren. Auf Befehl Hohenlohes rückten die preußisch-sächsischen Truppen nahe an Vierzehnheiligen heran und beschossen es. Diese Stellung wurde eineinhalb Stunden, in denen die französische Infanterie und Artillerie auf die Truppen Hohenlohes feuerte, beibehalten. Diese Linie wurde ausgedehnt, um die Franzosen, die andauernd Nachschub erhielten, im Dorf einzukreisen. Die Frontlinie der Alliierten riss beim Angriff der französischen Infanterie auseinander, woraufhin Hohenlohe den Rückzug befehlen mußte, der aber, als die Kavallerie unter Joachim Murat angriff, zu einer panischen Flucht führte. Das Korps Rüchel, das gegen 13:00 Uhr auf dem Schlachtfeld eintraf, konnte noch einmal Schlimmeres abwenden. Insgesamt wurden ca. 10.000 preußische und sächsische Soldaten getötet oder verwundet und weitere 10.000 gefangen genommen. Die Franzosen hingegen hatten nur etwa 7.500 Tote oder Verwundete zu verzeichnen.

Die Preußen, die in der Schlacht von Jena gekämpft hatten, zogen sich arg durcheinander gewürfelt auf Erfurt zurück. Lieutenant von Witzleben von der von ihrem Bataillon abgekommenen Flügelgrenadierkompagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 berichtet: "Der starke Nebel dieses Morgens hatte sich noch nicht getheilt, als wir vor uns, nach der Gegend von Jena, eine Kanonade hörten. Während der Zeit waren wir bis in die Gegend von Wickerstädt vorgerückt, da, wo sich die Brücke über diem Ilm befindet, als plötzlich uns ein Mensch entgegengesprengt kam, der dem Anschein nach ein Fourage-Commissarius zu sein schien und durch den Ausruf: »Rette sich wer kann! Die Franzosen sind 500 Schritt hinter mir!« Schrecken und Verwirrung in die bis dahin in größter Ordnung marschirende Bagage brachte. Viele, ja der größte Theil der Wagen kehrte auf der Stelle um. Ich ritt nach unserm letzten Wagen, der durch das Umwenden der erste geworden war, um durch das Festhalten der Tete die Colonne zum Stillstand zu bewegen. Als ich zur Compagnie zurückkam, hatte der Capitain von Colmarein Quarree von 2 Gliedern formirt, mit dem er nördlich von der Chaussee neben derselben nach Weimar zu marschirte. Mit Tagesanbruch erreichten wir den Galgenberg bei Erfurt, nachdem wir die Nacht oft gezwungen gewesen waren, anzuhalten, weil umgestürzte Wagen und dergleichen die Wege versperrten. Als wir vor Erfurt ankamen, hatte man das Thor schon geschlossen und wollte nur die Compagnie, aber keinen Wagen hereinlassen. Die Compagnie marschirte daher in Erfurt ein, die Bagage setzte unter dem Lieutenant von Dankelmann ihren Marsch fort. (Sie stieß den 22. bei Genthin wieder zum Regiment. Anmerkung in der Regimentsgeschichte) Wir postirten uns sogleich auf dem vom Johannes-Thore links liegenden Theil des Stadtwalls, wo wir 1 Compagnie des Regiments Churfürst von Hessen standen. Nicht lange darauf kam der Feldmarschall von Möllendorff zum Thor hereingeritten. Capitain von Colmar ging ihm entgegen und brachte uns die Nachricht, daß die Leute auf 1 oder 2 Stunden zur Erholung in die Stadt beurlaubt werden könnten, wir übrigen aber abwarten möchten, bis das Corps des Königs, welches seinen Rückzug über Erfurt nähme, kommen würde, um uns demselben anzuschließen."

Uniform eines Offiziers und eines Gemeinen des Regiments Garde Nr. 15 1806

Die Preußen hatten sich in der Schlachten von Auerstädt und Jena am 14.10.1806 nicht schlecht geschlagen und dem Feind hohe Verluste abgerungen. Nichts schien auf eine große Katastrophe und das Ende der bisherigen Armee, geschweige denn auf das Ende des alten Preußens, hinzudeuten. Doch der nun folgende Rückzug hatte fatale Auswirkungen. Der Herzog von Braunschweig war in der Schlacht bei Auerstädt wie oben berichtet verwundet worden[2], den Oberbefehl über die Preußischen Truppen erhielt daher nun Graf Kalckreuth. Anders als die panikartige Flucht bei Jena vollzog sich der Rückzug von Auerstädt zunächst geordnet. Etwa um 18:30 Uhr wurde Weimar als allgemeiner Rückzugspunkt angegeben. Es war zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt, daß Weimar bereits in Händen der Franzosen war. "Der König befahl dem Grafen Kalckreuth die Arrieregarde hinter der Colonne zu bilden, bei welcher der König selbst blieb; die Garden sollten mit dem Könige marschiren. In diesem Augenblick aber war die Colonne schon in Bewegung, und als der Befehl zum Grafen Kalckreuth kam, waren die 3 Bataillons bei der Arrieregarde geblieben. In der allgemeinen Verwirrung war an ein Wiedervorkommen nicht zu denken." (aus der Regimentsgeschichte) Die Arrieregarde unter General Hirschfeld bestand demnach aus: 3 Bataillonen Garde Nr. 15, den Grenadier-Bataillonen Prinz August und Gaudy und einem Bataillon von Kloch. Dazu noch den Resten von Greiffenberg, Oswald und der Kavallerie: Bünting, Königin, Württemberg-Husaren. Das Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 blieb dagegen bei der Kolonne des Königs mit dem Generallieutenant Grafen Kuhnheim. Lediglich eine kleine Abteilung des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6, bestehend aus 4 Offizieren, 22 Unteroffizieren und 155 Gemeinen, marschierte in der Kolonne, in der sich auch die übrigen Garden befanden. Diese kleine Abteilung wurde angeführt vom dienstältesten der 4 Offiziere, Lieutenant von Schwerin. Zu der Abspaltung der kleinen Gruppe um Lieutenant Schwerin war es gekommen, als eine andere Kolonne jene des Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 durchkreuzte. In der Dunkelheit konnte Schwerin seine Leute nicht wieder an das Bataillon heranführen und so blieb er mit ihnen fortan bei den anderen 3 Garde-Bataillonen.

Von der Lage der Preußen unmittelbar nach der Schlacht von Auerstädt gibt der Bericht Lieutenants von Zollikoffer vom II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 Aufschluß: "Ich war im Treffen von Auerstädt Ordonnanz-Officier beim General von Kalckreuth gewesen, öfters verschickt, als mir mein Pferd erschossen wurde. Ich suchte mir ein Beute-Pferd; als ich es von einem Husaren erhalten, ritt ich Vorwärts, aber Alles war schon im Retiriren. Ich fand meinen General nicht wieder, und schloß mich seinem Brigade-Major von Arnim an. Es war befohlen, daß sich die Armee bei Nordhausen sammeln, auch alle Regimenter dahin marschiren sollten. Wir waren abgeschnitten, in dem die Franzosen schon Weimar erreicht, ritten aber noch die Nacht mitten durch das Lager und kamen nach Nordhausen, wo es wieder hieß, unser Regiment sei auf Magdeburg. Ich sammelte einen Trupp vom Regiment Königin-Dragoner, der auch versprengt war, und ritt dem Harze zu. Ich hatte kaum eine ¼ Stunde zurückgelegt, als der König und Prinz Coburg in einem Bauernwagen gefahren kamen. Ich ritt sogleich heran und er befahl mir, einige Dragoner voraus zu schicken, um seinem Wagen Platz zu machen, weil schon eine Menge Bagage den Harz passirte. Mit den übrigen Dragonern blieb ich beim Wagen und brachte den König bis in das letzte Dorf vor Wernigerode, weil es die Pferde vor Mattigkeit durchaus nicht mehr aushalten konnten und die Sachsen ihn weiter transportirten."

Interimsuniform eines Offiziers und eines Musketiers des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 1806

Größte Probleme bereitete den Preußen bei ihrem Rückzug offenbar ihre eigene Bagage. "Die Truppen auf das Entschiedenste abhängig von der Bagage; diese selbst auf ein, jede vernünftige Grenze überschreitendes Maximum gesteigert, dabei schlecht organisirt, weil das Fuhrwesen durchaus nicht militairisch eingerichtet, mußte im Glück ein schwer zu überwindender Hemmschuh, im Unglück aber fast so gefährlich als der Feind selbst werden. Und während so auf dem Schlachtfelde von den braven Truppen so muthig gekämpft wurde, riß Rathlosigkeit, Unordnung und Feigheit schon in diese schwer beweglichen Massen ein und ballte sie zum unentwirrbaren Knäuel, das alle Straßen bedeckte, alle Defileen verstopfte." (aus der Regimentsgeschichte) Über die Zustände bei der Bagage bei dem Rückzug berichtet wieder der am 13.10. zum Brotempfang nach Buttelstädt abkommandierte Lieutenant von Paulsdorf vom Regiment Garde Nr. 15, der am Morgen des 14.10.1806 immer noch auf das versprochene Brot wartete: "Gegen 8 bis 9 Uhr kamen schon eine Menge Flüchtlinge von unserer Armee wie von der sächsischen, sowohl Cavallerie wie auch Infanterie durch den Flecken Buttelstädt, mit den nachtheiligsten Reden von der Armee; man sah bald in der Entfernung die retirirende Bagage. Nicht lange nachher kam durch Buttelstädt die Bagage ganzer Regimenter, Chaisen, Trupps Cavallerie und eine unzählige Menge Militair zu Fuß und zu Pferde. Alles retirirend und rufend, doch nur zu retiriren, es hätte Alles den Befehl sich zurückzuziehen. Meine bei mir habende Mannschaft wünschte auch anzuspannen, allein, ich wollte es noch nicht und glaubte, die Truppen würden doch einmal zu retiriren aufhören. Allein es dauerte immer fort und man sagte mir, die Regimenter hätten einen andern Weg genommen. Die meisten Officiere, so zum Brodempfang commandirt, waren schon im Retiriren; ich sah mich auch genöthigt anspannen zu lassen, retirirte einige Stunden, ließ dann Halt machen, die Pferde satteln, allein, da alle Vorbeipassirenden retirirten, sah ich mich genöthigt, meinen Marsch fortzusetzen. Ich kam mit sämmtlichen Wagen in stockfinstrer Nacht vor Erfurt an und lagerte vor der Stadt in der Hoffnung, Nachrichten vom Regiment zu bekommen. Umsonst, ich fuhr weiter und wurde in der Nacht bei dem ferneren Rückzug von meinen Wagen abgedrängt."[3]

Traditionelle Paradeuniform eines Offiziers und eines Grenadiers des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 1806

Das Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 war wie erwähnt nach der Schlacht von Auerstädt bei der Kolonne des Königs geblieben. Lediglich die Kleine Gruppe, bestehend aus 4 Offizieren, 22 Unteroffizieren und 155 Gemeinen, marschierte in der Kolonne, in der sich auch die übrigen Garden befanden. Als der König, der mit einer Bedeckung vom Regiment Irwing-Dragonern und drei Schwadronenen Heising-Kürassieren vorausgegangen war, links gegen Apolda den Marsch eines starken feindlichen Korps bemerkte, befahl er, daß die Tete der Colonne sofort umkehren sollte. Die Tete hatte bereits die Ilm passiert. Das gesichtete feindliche Korps, war das des Marschalls Bernadotte. "Der Feldmarschall Möllendorff wurde mit der Führung des Ganzen beauftragt und erhielt den Befehl, von der Chaussee nach Weimar rechts abbiegen zu lassen und sich auf dem linken Ufer der Ilm über den Ettersberg auf Weimar zu dirigiren. Als man jedoch auf feindliche Husaren in einem Dorfe vor Weimar stieß, wurde Abends zwischen 9 und 10 Uhr die Direktion auf Erfurt befohlen. In der Nacht wollte man die Richtung auf Sömmerda und Nordhausen verlegen." (aus der Regimentsgeschichte) Das Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 befand sich zu diesem Zeitpunkt zwar beim königlichen Gefolge, kam aber in der Dunkelheit wieder davon ab und marschierte nun nach Erfurt, wo es auf dem Galgenberg vor der Stadt biwakierte. Der König sandte aus Sömmerda den Befehl, daß alle Truppen, die in Erfurt ankämen, sofort nach Sömmerda marschieren sollten, wo der König sie sammeln würde. Auf der Seite der Franzosen, ließ Napoléon derweil den Grosherzog von Berg und das 6. Korps des Marschalls Ney von Weimar auf Erfurt marschieren. Am 15.10.1806 waren diese Truppen auf dem Weg.

"Wir geben die Erzählung des unglücklichsten aller Rückzüge nach den Berichten von Augenzeugen, welche lebhaft und herzzerreißend die ganze Noth dieser furchtbaren Katastrophe schildern, und erwähnen nur hier schon, daß der Major von Frankenberg, Commandeur des Regiments Garde, das Regiment am 18. in Stiege wegen einer bei Auerstädt erhaltenen Wunde verließ und das Commando dem Major von Stutterheim übergab." (aus der Regimentsgeschichte) Zunächst folgt der Bericht des Capitains von Bornstädt vom III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15, welchen dieser auch auf Ehre und Pflicht dem vom König 1808 eingesetzten Untersuchungs-Tribunal einreichte.

"Als sich vor Auerstädt das 1. Bataillon vor das 2. setzte, erhielt ich den Befehl, mit meiner Compagnie die Arrieregarde zu bilden. Ich ermahnte daher meine Officiere und Unterofficiere ja mit der größten Genauigkeit stets die Rotten voll zu halten. Der Rückzug ging dicht bei dem brennenden Auerstädt vorbei, und da der Abend immer mehr und mehr einbrach, so verfolgte uns zwar der Feind, begnügte sich aber blos zu recognosciren. Unser Rückzug ging rasch fort und bald ging eine Sage in den Gliedern der Compagnie, der Feind habe uns umgangen. Als es noch mehr Nacht wurde, ging, bei oftmaligem Stutzen, der Marsch in der Colonne ruhig fort; mit einem Male befand ich mich, ungefähr in der Mitternachtsstunde, in einem Dorfe, wo sich wenigstens 3 Colonnen kreuzten. Es wurde mir vom 2. Zuge der Compagnie gemeldet, das Bataillon sei abmarschirt und ich mit der Compagnie von der Colonne abgeschnitten. Ich befahl meinen Officieren auf dem Fleck unbedingt zu halten, und ritt nun die verschiedenen Wege vor, bis ich endlich eine Colonne fand, ritt darauf zur Compagnie zurück und führte sie nun den rechten Weg zur Garde-Colonne. Als der Tag zu grauen anfing, hielt die Tete gegen Buttelstädt in Zügen links aufmarschirt und die Colonne rückte in Zügen zum Deployiren geschlossen auf; als die Compagnie aufmarschirt, herangerückt und die Gewehre abgenommen hatte, ließ ich die Gewehre vom 1. Gliede der Compagnie an das 2. Glied geben und ging mit dem 1. Gliede vor, um die Taschenmunition für die Compagnie vom Pulverwagen zu ergänzen. Man hielt zwar von Commandeurs Seite die Zeit dazu in diesem Augenblick für zu kurz, und sollte der Schlüssel vom Munitionswagen verloren gegangen sein, daher ich denn ohne Weiteres zum Wagen des 3. Bataillons überging.

Es hieß bald »Gewehr auf« und ich mußte mich nun mit der Compagnie mit rechts um vorziehen, um von nun an die Tete vor dem Regiment zu nehmen, weil man den Feind von Weimar und Erfurt vermuthete. Gegen Abend spät hieß es, das Regiment solle Nachtquartier in Sömmerda erhalten. Hunger und Müdigkeit schien nun die Leute ernstlich zu plagen, indem sie seit einigen 50 Stunden schon marschirt, bataillirt und Nichts zu leben gehabt hatten. Der Wind war rauh und kalt, und da das Regiment noch einige morastige Dörfer passirte, so schien es mir in diesen völlig auseinanderkommen zu wollen, indem sich die Leute bei dem halben Frost Fußsteige suchten, selbst wohl Einige Lust bekommen konnten zu marodiren und sich in die Häuser zu verlieren. In dieser Lage war ich allein an der Regiments-Tete, indem Major von Frankenberg sich wegen einer Blessur von einigen Leuten der Compagnie vorausbringen ließ. Ich entschloß mich daher die Tete halten zu lassen, weil es gerade an einer Brücke mit gutem Erfolg sein konnte, um das Regiment auflaufen zu lassen. Ich stieg vom Pferde, zog meinen Degen, ließ meine 1. Sektion auf der Brücke Fuß fassen, mit dem Befehl, ohne Unterschied Keinen durchzulassen, bevor nicht von einem Stabsofficier Marsch! commandirt würde. Man rief unablässig aus der Colonne Marsch! Vorwärts! man drängte vor, indeß ich erklärte laut den für einen Hundsfott, der früher fort wollte, als bis Marsch commandirt würde. Endlich kam Major von Puttkammer vor, war mit meinem Benehmen sehr zufrieden, und als noch einige Zeit gehalten worden, ging auf seinen Befehl der Marsch wieder über Greisel, nach Sondershausen über die Unstrut. Auf den Höhen bei Weißensee, wo das Corps aufmarschirt war, wurden die Compagnien mit vollzähliger Munition versehen.

 Am 17. früh 2 Uhr traf das Regiment in Sondershausen ein. Um ½ 6 Uhr wurde wiederholt aufgebrochen. Der Marsch  ging nach Nordhausen, die Compagnie hatte wieder die Tete des Regiments. Die Batterie Artillerie, mit deren Bespannung es sehr schlecht aussah, ,befand sich an der Tete, und wäre nicht der Unterofficier Rippach von der Artillerie des 2. Bataillons ein so ganz vorzüglich thätiger Mann gewesen, so hätte sie stehen bleiben müssen. In der Mittagsstunde traf das Regiment in Nordhausen ein. Ich stieg vom Pferde und da ich keinen sichern Mann hatte, als einen Grenadier von der Compagnie, so übergab ich einem solchen mein Pferd zu Führung. Major von Osorowsky wollte mir zwar dieses durchaus nicht erlauben, und gab erst nach als ich ihm vorstellte, daß es nur im Interesse des Dienstes geschehe (Die Officierburschen wurden bekanntlich erst bei der Reorganisation der Armee eingeführt. Anm. in der Regimentsgeschichte). Wir wurden durch Billette einquartiert, indeß da auf denselben nur die Nummer des Hauses bemerkt war, ohne Straße und Wirth, so irrten viele Leute bis in die 4. Stunde, wo Lärm geschlagen wurde, auf der Straße umher. Der Feind war vor der Stadt; das Bataillon marschirte auf, retirirte bis an das Defilee der Wiede und dann wurde mit Sektions vom rechten Flügel abgefallen. Man marschirte unter beständigem Plänkern von beiden Seiten bis in der Dunkelheit im Thal fort. Es hatte sich wieder Artillerie und Cavallerie zwischen das 1. und 2. Bataillon hereingeschoben, was natürlich den Marsch sehr verzögerte, und unter solchen Umständen traf die Colonne in Isfeld ein. Am jenseitigen Ausgang des Orts, wo die Berge des Harzes beginnen, stockte der Marsch. An der Queue der Kolonne fielen viele Gewehrschüsse, weswegen man von Hinten vordrängte, um vorwärts zu kommen, und als es endlich nach einigen Stunden Halten vorwärts ging, folgten wir natürlich mit der Tete der Cavallerie nach, wurden auch zugleich dicht vor dem Eingang in das Thal gewahr, wie die Schützen, welche der Lieutenant von Einsiedel rechts vom Regiment führte, mir zur Seite mit einer Laterne herauskamen und sich rechts und links des Weges in den Fußsteigen theilten. Um nun keinen falschen Weg zu nehmen und weil der Bote von den Schützen mir sagte, die Straße sei mit Fußvolk nicht zu passiren, so ließ ich die Tete halten, suchte den Major von Osorowsky auf und traf ihn auch bald, da er vorausgeritten. Ich stellte ihm vor, daß ich nicht wisse, welcher Weg zu nehmen; er war zwar sehr unwillig und meinte, ich wisse mich wohl ohne seinen Befehl nicht zu benehmen, indeß ließ er die Tete rechts und links des Weges folgen, das 1. und 2. Glied links, das 3. rechts, an dessen Spitze ich den Feldwebel Köhler von der Compagnie setzte; die Cavallerie blieb im Fahrweg, der meist durch Wasser ging. Die Artillerie des Bataillons folgte der Eskadron des Major von Zieten vom Leib-Carabiner-Regiment und so ging der Marsch unter stetem Stutzen fort. Es wurde bei diesem Nachtmarsch sehr viel geschossen, so daß Einem diem Kugeln um die Ohren flogen; wir hatten viele Blessirte. Dies Alles geschah von unsern eignen Leuten, welche rechts und links der Straße zogen.

Am Morgen des 18. in der Position von Stiege fand sich meine Compagnie wieder ziemlich zusammen. Der Generallieutenant Kunheim war gestürzt und wurde nach Blankenburg gebracht. Die Position von Stiege wurde vom Generalmajor von Hirschfeld bis in die vierte Nachmittagsstunde behauptet, so daß sich sehr viele vermißte Leute wieder einfanden; nur die Artillerie des 2. Bataillons, die stecken geblieben, kam nicht wieder. General von Hirschfeld sorgte sehr verdienstlich für die Verpflegung. Beim Wasserholen wurden wir jedoch gestört, da der Feind in einzelnen Cavallerietrupps sich zeigte. Das Signal zum Aufbruch wurde gegeben, und die Colonne marschirte sogleich ab. Sämmtliches noch vorhandene Geschütz gab eine Ladung, um dem Feinde zu zeigen, daß wir noch welches hätten. Seine Eliten und Plänkler setzten uns stark zu."

In Erfurt versuchte unterdessen Feldmarschall von Möllendorff am Morgen des 15.10.1806 mit den hier gesammelten Truppen, nachdem diese abgekocht hätten, nach Langensalza durchzubrechen. "Von Erfurt waren nur der Petersberg und die Cyriaksburg in Vertheidigungszustand gesetzt, letztere jedoch wenig haltbar. Der Petersberg war mit 65 Geschützen armirt und es befanden sich daselbst 4000 Centner Pulver. Die Stadtbefestigung war in schlechtem Zustande, die Gräben zum Theil ohne Wasser und zu durchwaten. Als bald nach Mittag der Feind sich der Stadt näherte, zog sich die Infanterie unter dem General Larisch und mit ihr das Grenadier-Garde-Bataillon, in Unordnung nach der Stadt zurück. Die Wälle wurden besetzt und hierzu auch das Grenadier-Garde-Bataillon verwandt. Der Feind beschoß das Johannesthor mit Artillerie. Um ½3 Uhr erschien der Französische Oberst Preval als Parlamentair; das Feuer wurde eingestellt und die Unterhandlungen begannen. In der Nacht zum 16. wurde die Capitulation abgeschlossen, durch welche 10,000 Mann dem Feinde in die Hände fielen. Die Infanterie des Neyschen Corps traf erst um 10 Uhr abends vor Erfurt ein." (aus der Regimentsgeschichte)

Wie berichtet, war auch die Flügelgrenadierkompagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 in  in Erfurt zurückgeblieben. Lieutenant von Witzleben berichtet über den 15.10.1806, kurz nach dem Einmarsch in die Stadt: "Bald jedoch hörten wir Kanonenschüsse, und so stand die Compagnie in kurzer Zeit wieder ziemlich complett auf dem Wall. Einzelne feindliche Plänkler rückten gegen die Stadt vor und feuerten mit Carabiner auf uns, während der Feind vom Galgenberg Granaten herüberwarf, die aber alle auf die Contreeskarpe fielen und daher gar keinen Schaden thaten. So postirt hatten wir einige Zeit gestanden, als der Adjutant des Prinzen von Oranien, Capitain Constant de Rebecque, uns folgenden Befehl brachte: »Der Feldmarschall von Möllendorff sei blessirt und habe das Commando dem Prinzen von Oranien übertragen. Wir sollten so lange auf unsern Plätzen bleiben und uns vertheidigen, bis wir Ordre zum Abmarsch erhielten.« Nicht lange darauf kam der Capitain von Colmar und befahl uns, vom Wall herunter zu gehen. Ich machte ihn mit der erhaltenen Ordre bekannt, er wiederholte aber seinen Befehl und wir formirten uns hinter dem Wall, marschirten nach dem Petersberg und machten hinunter dem Grenadier-Bataillon Schlieffen Halt, welches bereits in Sektions abmarschirt, dort stand. Hier blieben wir bis gegen Abend ohne eine Ordre zu erhalten. Als es finster war, kam endlich der Befehl, daß, die Leute in die Quartiere der Stadt gelegt werden könnten und den folgenden Morgen auf einen willkührlichen Platz zusammen kommen sollten. Man hatte früher schon von einer Capitulation geredet, jetzt blieb dies leider keinem Zweifel mehr unterworfen. Von den Bedingungen erfuhren wir nicht ein Wort. Am folgenden Morgen trat die Compagnie, ich weiß nicht an welchem Thor zusammen; es wurde noch Löhnung ausgegeben. Capitain Colmar schickte mich zum Prinzen Murat, um für die Compagnie freien Abzug zu erhalten. Zwei Chasseurs brachten mich zum Prinzen, dem ich meine Bitte vortrug. Er bedauerte sie nicht sogleich erfüllen zu können, versicherte aber einen Courier an den Kaiser geschickt zu haben, der unfehlbar die antwort zurückbrächte, daß dem Könige die Garde zurückgegeben würde, wie dieß schon bei Austerlitz mit der Russischen geschehen sei."

Eine Antwort des Korsen ist nicht überliefert, ob Murat wirklich wegen einer Kompagnie sich überhaupt die Mühe machte, den Kaiser zu fragen, darf bezweifelt werden. So kapitulierte also bei der Kapitulation von Erfurt am 16.10.1806 die Flügelgrenadierkompagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15. Dort kapitulierte ebenso die Masse des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 (ohne die kleine Abteilung von 4 Offizieren, 22 Unteroffizieren und 155 Gemeinen, die bei der Kolonne des Generals Hirschfeld  marschierte). In Erfurt wurden auch 2 Fahnen des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 den Franzosen übergeben.

In der Nacht vom 17./18.10.1806 waren das II. und III. Bataillon des Regiments Garde Nr. 15 arg durcheinander gewürfelt und sogar teilweise zersprengt worden. Leutnant von Hagen sammelte daraufhin 150 Versprengte und fünf Fahnen des Regiments. Mit diesen schloß er sich in Wernigerode an das Bataillon von Sack an und brachte die geretteten Fahnen bis Magdeburg. Zu dieser wohl schlimmsten Nacht des Rückzuges gibt auch noch ein weiterer Bericht, dieses mal von Lieutenant von Einsiedel vom II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 Aufschluß. Für die Nacht vom 17./18.10.1806 berichtet er: "Als wir nach Nordhausen kamen und uns die Franzosen daselbst attakirten, mußten sogleich die Schützen vor, die ich nun mit dem Lieutenant von Schmude gemeinschaftlich, ein Jeder die von 3 Compagnien commandirte. Wir waren immer vor oder neben dem Regiment und nahmen an der Affaire Theil, hatten auch bedeutende Verluste. Als es dunkel wurde und wir uns mit dem Bataillon wieder raillirten, schickte mich der Major von Osorowsky mit den bei mir habenden 30 Schützen zum Grenadier-Bataillon von Gaudy, welches die Arrieregarde machte, und Schützen brauchen würde. Ich meldete mich beim Major von Gaudy, welcher dies aber nicht gut aufnahm und mir ziemlich ungestüm erwiderte, er hätte selbst Schützen, die den Feind schon abhalten würden und brauche uns daher gar nicht, er wäre so lange allein mit seinem Bataillon fertig geworden. Hierauf ging ich wieder vor und stieß in Ilfeld wieder zum Bataillon. Da hier die Rede ging, das Gebirge vor uns sei mit Franzosen besetzt, so befahl mir der Major von Osorowsky mit den Schützen eine Seitenpatrouille rechts zu machen. Ein Bote mit einer Laterne führte uns gleich von der Stadt einen Fußsteig rechts weg in das Gebirge, der immer enger wurde und sich zuletzt ganz verlor. Wir wurden in der Idee, daß im Gebirge Alles voll Franzosen wäre, bestärkt, da fast aus allen Büschen, denen wir uns nahten, Feuer auf uns gegeben wurde. Wir feuerten natürlich wieder und als es immer ärger wurde, gingen wir mit dem Bajonett darauf los und hier erst wurden wir, als wir ganz nahe kamen und Einige erreichten, inne, daß es Preußen, größtentheils von unsern Füsilieren wären. Während wir uns verständigten, hatte mein Bote sein Tempo wahrgenommen, das Licht ausgelöscht und war davon gesprungen. Ich ging oder tappte vielmehr mit meinem aus Leuten von allen Regimentern sehr vermehrten Trupp ohne Weg immer weiter. Da ich aber gar nicht wußte, wohin die Marschdirektion eigentlich ging, so wollte ich mich wieder an das Regiment heranziehen; ich ging daher links und stieß endlich in einem schmalen Hohlweg auf eine Abtheilung unserer Cavallerie, neben der ich fortging, bis ich zu mehreren Officiers und Leuten unsers Regiments kam, von denen ich mich auf den Major von Puttlitz besinne. Wir kamen endlich in einem Thal bei verschiedenen von unsern Leuten angemachten Feuern an, wo wir zu bleiben und den Tag zu erwarten beschlossen. Am Morgen endlich stießen wir in einer Masse aus allen 3 Bataillonen Garde und Leuten von vielen andern Regimentern bestehend, bei Stiege zu der Colonne des General Hirschfeld."

Capitain von Bornstädt vom III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 fährt nun fort: "Aus der Position von Stiege ging der Marsch auf Blankenburg über die Bode. der Lieutenant von Grabow wurde vorausgeschickt um Quartier daselbst zu machen. In der Mitternachtsstunde mochte die Colonne dort eingetroffen sein; jede Compagnie erhielt einen Polizei-Boten und war auf solche Art bald untergebracht, in geschlossenen Quartieren. Den 19. 6 Uhr früh wurde wieder abmarschirt in der Ebne auf Halberstadt zu. Der Marsch war bequemer, da die Artillerie und Cavallerie eine andre Direktion bekam und das Bataillon selbst einige Malade-Wagen erhalten hatte, die sich hinter Halberstadt vermehrten. Nach einer Rast bei Halberstadt (Es wurde den einzelnen Leuten erlaubt nach der Stadt zu gehen, um Lebensmittel zu holen. Eine Französische Chasseur-Patrouille jagte sie heraus. Hierauf wurde der Lieutenant von Heußler mit den Schützen des Regiments commandirt, diese herauszutreiben, was auch geschah, und die Patrouille bis vor das Thor herausgejagt wurde. Da sich aber bedeutende feindliche Abtheilungen zeigten, wurde die Verfolgung aufgegeben, und Lieutenant von Heußler zog sich wieder an das Regiment heran. Anm. in der Regimentsgeschichte) setzte sich die Colonne auf Oschersleben in Marsch und passirte die Holzemme und Bode.

Den 20. früh über Dreileben nach Neuhaldensleben von 6 Uhr Morgens bis 5 Uhr Abends; um Mitternacht weiter nach Rogatz an der Elbe um auf Fähren und Kähnen diese zu passiren. Den 21. früh 9 Uhr kamen wir an den Ort des Uebersetzens an und in der Mittagsstunde war das Corps ziemlich herüber, und marschirte auf Giesen; den 22. auf Genthin, wo man um 12 Uhr eintraf.

Seid Magdeburg hatte, wie erwähnt, der Fürst Hohenlohe den Oberbefehl übernommen. Er hatte am 22. sein Hauptquartier in Genthin und theilte das sich dort zusammen gefunden habende Corps von Neuem in Divisions und Brigaden ein und benannte ihre Befehlshaber. Viele Vermißte aus dem Harz, Reconvaleszenten und Rekruten aus Potsdam nebst dem größten Theil der Regimentsbagage, trafen über Magdeburg beim Regiment ein, und man hoffte nun auf einen glücklicheren und besseren Rückzug, ja auf Positionsbeziehung."

Mit dem neuen Befehlshaber Hohenlohe schien so etwas wie Hoffnung aufzukommen in der durcheinander gewürfelten und demoralisierten Preußischen Armee. Er versuchte die Truppen zu ordnen und Verstärkungen trafen ein. Zunächst wollte er die Truppen in einem verschanzten Lager bei Magdeburg sammeln, dies erwies sich jedoch aufgrund der scharfen Verfolgung durch die Franzosen als unmöglich. Daher versuchte er nun die Truppen über die Oder und Elbe zu ziehen und dort zu ordnen. In Magdeburg blieb nur eine kleine Besatzung zurück. Die Franzosen unter Marschall Soult griffen am 19.10.1806 die Kolonne des Generals Hirschfeld an, Marschall Ney erreichte am gleichen Tage Hasselfelde, der Großherzog von Berg (Marschall Murat, der Schwager des Korsen) erschien am 20.10. vor Magdeburg und passierte am 22.10.1806 die Elbe. Zur Verfolgung der Preußen jenseits der Elbe, sollte Davoust über Wittenberg auf Berlin marschieren, Lannes auf Treuenbrietzen, der Großherzog ebenfalls auf Potsdam. Am 24.10.1806 erreichten so die Spitzen der Franzosen Potsdam. Hohenlohe erreichte am gleichen Tag Wusterwitz, eine unmittelbare Verfolgung durch die Franzosen fand zu diesem Zeitpunkt nicht statt. Capitain von Bornstädt vom III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 fährt nun fort:

"Den 23. früh 6 Uhr ging der Marsch des Regiments in der Colonne auf Rathenow und die dortige Gegend. Den 24. auf Wusterwitz, welchen Ort man um 5 Uhr erreichte. Den 25. auf Ruppin, wo das Schuhzeug so gut als möglich reparirt wurde. Ich hielt Nachmittag Revision über Gewehr, Stein und Munition, und bestrafte, obgleich im Ganzen die beste Ordnung, 5 Leute mit 5 Fuchtel wegen Kleinigkeiten, weil ich diese Strenge für heilsam hielt. Die Compagnie zählte effektiv:

                                            5 Offiziere,    9 Unteroffiziere,     3 Spielleute,    101 Grenadiere

Krank in Halle und Erfurt.    - "               - "                            - "                    11 "

Todte und Blessirte.               - "               - "                            - "                    9 "

Commandirt in Halle.           - "               1 "                            - "                    - "

Vermißte im Harz.                - "               - "                            2 "                    1 "

Ich war zur Parole im fürstlichen Quartier gewesen und hörte vom Fürsten selbst den lebhaft geäußerten Unwillen über Insubordination des Corps und die nothwendigen Maaßregeln die er dagegen ergreifen müsse. Den 26. ging der Marsch auf Gransee. Man erzählte sich, daß keine Post von Berlin mehr angekommen sei, der Feind im Anmarsch und mehr dergleichen, und doch war man für einen Verrath unserer Marschdirektion und sonstiger Befehle so unbesorgt, als gäbe es keinen Feind. Es war dies der alte Fehler aus der Rheincampagne, wo nur der General-Feldmarschall Graf Kalkstein eine Ausnahme machte, indessen sein Benehmen wurde von Vielen lächerlich gehalten. Vor Gransee auf den Feldern von Schönermark sollte nach des Fürsten Befehl das Rendez-vous sein. Die Garden trafen auch in der 10. Stunde daselbst ein. Der Fürst hielt noch besonders eine Anrede an sie über ihre Ausdauer. Darauf wandte sich die Colonne ganz links nach Fürstenberg im Mecklenburgischen, weil es hieß, der Feind sei schon zu Zehndenick. Um 7 Uhr Abends kamen die Garden in das Bivouak bei Fürstenberg. Die Bagage war über Alt-Strelitz detaschirt. Man hatte nur nothdürftig Kartoffeln.

Den 27. um 6 Uhr über Lychen nach Boizenburg. Es war ein beschwerlicher Marsch und wurde durchaus Nichts an Verpflegung geliefert; es hieß, in Boizenburg würde man zu Essen finden. Es schien ganz als wollte man die Leute schlechterdings mißmuthig und entkräftet machen, denn die Colonne passirte verschiedene Dörfer, und wollte man auf den Fall sich vorbereiten, daß zu Boizenburg ebenfalls nicht gehörig für eine Mahlzeit gesorgt worden wäre, oder wohl gar glauben, daß man durch den Feind gestört werden könnte, wie es geschah, so konnte man sehr leicht so viele Lebensmittel aus den passirten Ortschaften zusammenbringen lassen, als zu einer Mahlzeit nöthig waren. Der Marsch währte von Morgens 6 bis Abends 6 Uhr. Die Gendarmen wurden jenseits Lychen rechts in den Wald detaschirt und noch denselben Abend gefangen. Als die Colonne Abends um 5 Uhr das vorletzte Dorf vor Boizenburg passirt hatte, hörte man einzelne Schüsse fallen und bald darauf auch von unserer Seite Kanonen- und Schützenfeuer."

Am 26.10.1806 hatte Fürst Hohenlohe erfahren, daß ein größeres Korps französischer Kavallerie über Oranienburg im Anmarsch sei und ließ daher seine Truppen links über Fürstenberg schwenken. Am 27.10.1806 kam Napoléon nach Potsdam und ritt danach an der Spitze seiner Truppen durch das Brandenburger Tor. Sein Ritt durch das Brandenburger Tor und der Besuch des Korsen in der Gruft der Könige Friedrich II. und Friedrich Wilhelm I. in der Garnisonkirche sind in die Geschichte eingegangen. Kurz nach dem Einmarsch der Franzosen in die Stadt begannen diese, die Stadt systematisch auszurauben. Es wurden dabei Kunstobjekte aller Art, Akten, Dokumente und vieles mehr entwendet und als Beute nach Paris verschleppt. Sogar die Quadriga wurde noch im Jahre 1806 vom Brandenburger Tor abgenommen, sauber in Einzelteilen in Kisten verpackt und diese Kisten nach Paris geschafft, um die Quadriga dort wieder aufzustellen, was jedoch zunächst nicht geschah. In Preußen schürte diese zusätzliche Demütigung nur noch mehr den Haß auf den Erbfeind von der anderen Rheinseite.

Über den Einmarsch der Franzosen und den Besuch des Kaisers in Potsdam berichtet der Verein für die Geschichte Potsdams in seinen Mitteilungen im Jahre 1866.

Ebenfalls am 27.10. ging der Großherzog von Berg mit seiner Kavallerie auf Templin vor und detachierte General Lassalle auf Prenzlau, General Milhaud auf Boizenburg. "Es war die Colonne dieses Generals, welche sich am 27. der Vorräthe in Boizenburg bemächtigte, und unter den Augen der hungernden Preußischen Truppen sie zerstörte, bis man sie endlich mit ein paar Bataillonen verjagte." (aus der Regimentsgeschichte) Hohenlohe war nun unschlüssig, ob er den Marsch auf Prenzlau fortsetzen sollte oder die Straße nach Pasewalk einschlagen sollte, um sich im Mecklenburgischen mit den Truppen Blüchers zu vereinen. Nachdem drei Stunden durch seine Unschlüssigkeit verloren gingen, ging endlich die Avantgarde gegen Prenzlau vor. Der Fürst ließ die Kolonne bei Haidenbeck aufmarschieren, den rechten Flügel am Boizenburger See. In der Nacht zum 28.10.1806 wurde der Marsch auf Prenzlau fortgesetzt. Capitain von Bornstädt vom III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 fährt hier fort:

"Das 3. Bataillon marschirte auf dem rechten Flügel, von ihm links das Regiment von Möllendorff. Es fielen einige Schüsse, indeß es wurde bald Alles still und der Abend brach vollends an. In der achten Stunde kam der Herr Oberst von Lützow und sagte, daß sich das Corps bei völliger Dunkelheit wieder abziehen solle, und ließ bald darauf das 3. Bataillon sich hinter das 2. ziehen. Ich kam wieder in die Avantgarde und wenn das Corps nicht wirklich hielt, so war doch der Marsch so überaus langsam, daß man wohl auf 100 Schritt vorwärts über zwei Stunden brauchte. Ich stellte daher auf 80 - 100 Schritt vorwärts 4 doppelte Posten aus, weil noch immer von der feindlichen Seite einzelne Schüsse kamen. Auf diesem Nachtmarsch blieben aus gänzlicher Entkräftung viele Leute zurück. Gegen Morgen des 28. wurde eine starke Stunde vor Prenzlau Rendez-vous gehalten und den Leuten gewisse Vertröstung gegeben, daß sie in Prenzlau zu Essen bekämen. Nachdem man eine gute Stunde auf dem Rendez-vous gehalten und durch Patrouillen erfahren hatte, daß kein Feind in Prenzlau, ging der Marsch sogleich rasch vorwärts. Als die Queue der Garden das letzte Dorf Klinkow passirt hatte, sah man in der Entfernung den Feind von Boizenburg her sich developpiren. Die feindliche Cavallerie, so wie die Colonnen eilten nun den Paß von Prenzlau zu gewinnen und feindliches Geschütz ging vor. Von unsrer Seite war auch Geschütz aufgefahren und so unter einer Kanonade ging der Marsch fort. Hinter mir folgte der Lieutenant von Schwerin von der Grenadier-Garde mit Mannschaften und einigen Officieren. Am Thore waren einige Compagnien vom Grenadier-Bataillon Graf Dohna postirt. Die Garde hatte bisher 1 Mann Verlust. Es ging das Pasewalker Thor wieder heraus und auf der jenseitigen Höhe wurde von Hinten aufgelaufen und sogleich Bataillons-Quarrees formirt. Die Quarrees setzten sich auch en échiquier und man mußte vermuthen, daß Alles seinen ernstlichen ehrenvollen Fortgang nehmen würde, als auf einmal für den braven Soldaten der Ruf gleich einem Donnerschlag erging, es sollte auf dem Fleck sogleich Alles halten, wo es stände, und die Gewehre abnehmen. Man sah zugleich auch schon einige Franzosen zwischen den Quarrees herumreiten.

In diesem Augenblick kam vom Fürsten der Befehl, sämmtliche Stabsofficiere des Corps sollten zu ihm kommen. Wir Subalternen harrten mit unseren Leuten in schrecklicher Ungeduld auf den Ausgang des Kriegsraths, ermunterten uns und dieselben, welche bei aller Müdigkeit und allem Hunger noch zu jeder Anstrengung aufgelegt waren, und in peinlichster Erwartung sah man der Rückkunft der Stabsofficiere entgegen. Dieselben kamen. Der Major von der Gröben, Commandeur des Bataillons, kam in das Quarree hineingeritten und sagte: Der Fürst hätte bisher mit wahrer Zufriedenheit die Musterhafte Anstrengung der Garden gesehen, könnte indeß nach den Umständen nicht Anders, da der Prinz Murat ihm auf sein Ehrenwort versichert, daß bereits 160,000 Mann die Pässe nach Stettin besetzt hielten - nun kamen die Bedingungen, unter welchen der Fürst capitulirt hatte - und die Truppen sollten Gewehr, Taschen und Säbel ablegen.

Viele brave Grenadiere weinten über diese Schande, und die Compagnie, die ich commandirte, wollte nicht ihre Waffen ablegen, so daß mir der Commandeur des Bataillons zurufen mußte: ich solle doch der Compagnie befehlen, die Waffen abzulegen; inzwischen, ich konnte es der wahrlich so musterhaft gewesenen Compagnie nicht befehlen, und der Major mußte selbst kommen, sowie sie auch vom Platz abführen, weil ich unter solchen Umständen keine Compagnie zu commandiren unternommen."

Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 (ohne Flügelgrenadierkompagnie und den Zug der Leibkompagnie, der zur Bedeckung der Königlichen Bagage abkommandiert war) und das Regiment Garde Nr. 15 (ohne die 150 Versprengten) kapitulierten also am 28.10.1806 in Prenzlau. Mit dabei Major Gustav Adolph von Kessel, der Kommandeur der Leibkompagnie. Von Kessel verpflichtete sich nach der Kapitulation durch sein Ehrenwort, in diesem Kriege nicht mehr gegen Frankreich zu kämpfen und ging nach Schönhausen bei Tangermünde. Eine kleine Abteilung des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6, bestehend aus 4 Offizieren, 22 Unteroffizieren und 155 Gemeinen unter der Führung Lieutenants von Schwerin, kapitulierte ebenfalls in Prenzlau. Zwei Fahnen des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 wurden bei der Kapitulation von Prenzlau oder Erfurt (hier sind die Quellen nicht eindeutig) an die Franzosen übergeben.

Die Bedingungen der Kapitulation von Prenzlau lauteten für die Garde-Bataillone, daß die Offiziere ihre Degen und Equipagen behalten dürften, die übrigen Leute durften ihre Tornister behalten. Die Offiziere wurden, auf ihr Ehrenwort, bis zur Auswechselung nicht mehr zu dienen, entlassen und durften hingehen, wohin sie wollten. Gleiches galt für die Feldwebel und Gefreiten-Corporale, den Gemeinen hingegen wurde Potsdam zum Aufenthalt angewiesen. Entgegen diesen Kapitulationsbestimmungen wurden die Garden in den darauf folgenden Tagen zunächst beobachtet, danach förmlich begleitet, bei ihrer Ankunft in Potsdam aber wurden zwar die Offiziere entlassen, den Gemeinen jedoch die Abführung nach Frankreich angekündigt, was vielfach auch geschah. Die Kapitulation von 'Prenzlau betraf auch die Offiziere, die beispielsweise wegen Krankheit nicht bei der Truppe standen. Der erkrankte Major Carl, Prinz von Meckelnburg vom I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 schrieb: "...Von Rathenow ward ich abermals nach Strelitz trasportirt, auf Befehl des Regiments und auf Verordnung des Regiments-Chirurgus Dr. Wiebel, o ich meine Genesung abwarten sollte. 3 Tage nach meiner Ankunft in Strelitz erfolgte die Capitulation von Prenzlau. Den 31. October kam der Französische General Savary nach Strelitz mit einem kleinen Corps. Die an den beiden vorhergehenden Tagen schon hierher gekommenen Französischen Truppen hatten keine Notiz von mir genommen, doch Savary war mein hiesiger Aufenthalt schon bekannt. Er kam sogleich auf das Schloß und verlangte mich von meinem Vater. Ich schützte Krankheit vor, ich sei in diesem Augenblick nicht als dienstthuend anzusehen. Doch dies half Nichts und ich mußte Gefangener auf mein Ehrenwort werden oder ihm am andern Morgen auf mein Ehrenwort folgen. Ich wählte das erstere."

Heute weiß man, daß es  nur die Spitzen der französischen Armee waren, die Hohenlohe in Prenzlau gegenüberstanden. Die Stellung war vorzüglich, die Truppe hatte Munition und daß die Pässe nach Stettin bereits besetzt seien, war natürlich eine freche Lüge Murats. "Dies ist der Verlauf des unheilvollen Ereignisses: die Capitulation von Prenzlau. Ohne über das Ganze urtheilen zu wollen, dürfen sich die Garden das Zeugnis geben, daß sie bis zum letzten Augenblick voll und ganz ihre Schuldigkeit gethan. Widerstrebend riß sie das allgemeine Verhängnis hin, das für den Soldaten um so zwingender wirkt, als der Gehorsam ihn blind dem höheren Willen unterwirft, dafür hat er aber auch das tröstende Bewußtsein, daß das Unglück ihn nicht entehrt, so lange er tapfer und gehorsam geblieben." (aus der Regimentsgeschichte)

Während die anderen Teile der Garde in Erfurt und Prenzlau kapitulierten, war das Königliche Hauptquartier und mit ihm jener Zug der Leibkompagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 "...am 20. October früh bei Werden über die Elbe, über Wittstock, Prenzlau, den 27. bei Stettin über die Oder und traf am 4. November, nach 20 Marschtagen, in denen es beinah 100 Meilen bei schlechtem Wetter und aufgeweichten Wegen mit der schweren Wagencolonne zurückgelegt, in Graudenz ein." (aus der Regimentsgeschichte)

Die fünf von Lieutenant von Hagen geretteten Fahnen des Regiments Garde Nr. 15 sind wahrscheinlich bei der Kapitulation von Magdeburg am 08.11.1806 den Franzosen übergeben worden. Französische Quellen sprechen dagegen davon, daß eine Fahne der "Königlichen Garde" erobert worden sei. Wie auch immer sie verloren gingen, Fakt ist, daß sämtliche Fahnen des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15, des Regiments Garde Nr. 15 und des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 entweder zerstört oder in französischen Besitz über gegangen sind.

Der Fahnenjunker Ferdinand von Hirschfeld rettete Teile des gestickten Fahnentuchs der Leibfahne des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15, die er sich um den Leib band und durch die Oder schwamm. Er gab dieses Stück 1810 dem König. Auch der Hoboist Stellin rettete Teile einer Fahne des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15, er übergab dieses Stück 1807 in Memel dem König. Der Sergeant Pietschmann rettete die Spitze einer Fahne, vermutlich ebenfalls des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15. Er übergab diese 1810 dem König. Danach wurden die geretteten Fahnenteile in das Zeughaus in Berlin gebracht. Dort verliert sich ihre Spur.

Zusammenstellung des Endes des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 im Jahre 1806
  Offiziere Unteroffiziere Spielleute Grenadiere
Stärke bei Auerstädt 25 50 28 678
Gefallen / verwundet bei Auerstädt 5 - - 36
bei Erfurt Kapitulierten 16 28 25 431
bei Prenzlau kapitulierten 4 22 - 155
Versprengte / Rest - - 3 56

 

Zusammenstellung des Endes des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 im Jahre 1806
  Offiziere Unteroffiziere Spielleute Grenadiere
Stärke bei Auerstädt 20 38 40 548
Gefallen / verwundet bei Auerstädt - - - 9
Gefallen im Harz - - - 1
bei Erfurt kapitulierten 19 41 38 527
Versprengte / Rest 1 - 3 56

 

Zusammenstellung des Endes der Flügelgrenadierkompagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 im Jahre 1806
  Offiziere Unteroffiziere Spielleute Grenadiere
Stärke bei Auerstädt 4 10 5 120
bei Erfurt kapitulierten 4 8 5 119
Versprengte / Rest - 2 - 1

 

Zusammenstellung des Endes des Regiments Garde Nr. 15 im Jahre 1806
  Offiziere Unteroffiziere Spielleute Grenadiere
Bataillon II. III. II. III. II. III. II. III.
Stärke bei Auerstädt 24 23 51 53 27 28 680 684
Gefallen / verwundet bei Auerstädt 1 - - 1 3 - 70 33
Summe gefallen / Verwundet bei Auerstädt 1 1 3 103
bei Prenzlau kapitulierten 45 110 43 1167
Versprengte / Rest 1 - 9 94

 

Zusammenfassung des Endes der preußischen Garden zu Fuß im Jahre 1806
  Offiziere Unteroffiziere Spielleute Grenadiere
Bei Erfurt kapitulierten am 16.10.1806 20 36 30 550
Bei Prenzlau kapitulierten am 28.10.1806 68 173 81 1849
in Summa 88 209 111 2399
Über die Weichsel kamen mit den Waffen 1 2 1 24

Die Zahl der Unteroffiziere bei der Kapitulation ist größer, als die beim Abmarsch vom Schlachtfeld von Auerstädt. Diese Merkwürdigkeit kommt von den Wiedergenesenen, den Versprengten, die zur Truppe zurück fanden und den bei Genthin am 22.10.1806 aus Potsdam eingetroffenen. Daher ist der wirkliche Abgang an Grenadieren während des Rückzuges etwas größer als hier aufgeführt. Bei den über die Weichsel entkommenen Truppen handelt es sich um jenen Zug der Leibkompagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15, der zur Bedeckung der königlichen Bagage abkommandiert gewesen war.

Hier endet der Werdegang der stolzen Garderegimenter Nr. 6 und Nr. 15. Doch wie so oft in der preußischen Geschichte, entstand aus der Niederlage, aus den Trümmern des Alten etwas völlig Neues, eine gänzlich neue Armee und mit ihr auch die neue Garde.

"Wir stehen am Schlusse der Geschichte der Garden Friedrichs. Höhere Einflüsse waren es, welche eine solche Katastrophe möglich machten. Für uns, und von dem Standpunkt, den diese Geschichte als Regimentsgeschichte einnimmt, bleibt das tröstende Bewußtsein, daß, wenn auch die Form erstarrt war, Ehre und Muth doch lebten in diesen Reihen und der Geist, den der Heldenkönig vor Allem seinem Officiercorps einzuflößen gewußt, war nicht von ihm gewichen; und so ist es gewiß volle Wahrheit, was der Lieutenant von Brünneck (1808 wieder bei der Garde angestellt) in seinem Bericht schreibt: »Ich bin überzeugt in einem Corps gedient zu haben, was nach Maaßgabe menschlicher Kräfte unter jenen unglücklichen Umständen Alles geleistet hat, was von demselben zu fordern war, dessen ehrenvolle Anstrengungen unter glücklicheren Verhältnissen gewiß anerkannt, sich aber jetzt nur mit dem Bewußtsein treuer Pflichterfüllung lohnen kann.«" (aus der Regimentsgeschichte)

 

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[1] Der aus einer alten Offiziersfamilie stammende Heinrich von Kleist trat 1792 in das Regiment Garde Nr. 15 als Gefreiter-Korporal ein und verließ es Secondelieutenant als im Jahre 1799 auf eigenen Wunsch. Er beging Selbstmord im Jahre 1811.

[2] Nachdem der Herzog vor den siegreichen Franzosen unter Napoleon auf neutrales dänisches Gebiet geflohen war, starb er am 10.11.1806 im Alter von 71 Jahren in Ottensen an den Folgen seiner Verwundung. Sein eigenes Herzogtum hatte er für neutral erklärt und aus diesem Kampf herausgehalten. Seine letzte Ruhestätte fand Karl Wilhelm Ferdinand Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel in der Krypta des Braunschweiger Doms.

[3] "Lieutenant von Paulsdorf kam darauf zu dem Corps, welches der Generalmajor von Lettow in Heiligenstadt gesammelt hatte, wurde von diesem General als Adjutant gebraucht und capitulirte mit unter Blücher bei Lübeck." (aus der Regimentsgeschichte)