1.2.       Preußens Gloria 1740 - 1786

Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 um 1745, Zeichnung von Prof. Richard Knötel, Knötel: Uniformkundliche Farbtafel.

„Solange man Soldaten gehalten hat, wurde gewiß noch nie ein Korps so behandelt wie dieses. Schöner Exerzieren kann man wohl nicht leicht sehen, als es von diesem Bataillon geschah, wenn es der König selbst kommandierte. Zum Exerzieren zu marschieren war ihnen ein Fest, auf die Manövers freuten sie sich das ganze Jahr. Wenn sie aber nicht in Reihe und Glieder stunden, waren sie äußerst ungezogen, da ihnen schlechterdings niemand als der König und ihre Offiziere etwas befehlen durften.“

v. Kaltenborn, Briefe eines alten Preußischen Offiziers

Im Hintergrund hören Sie den Grenadiermarsch des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 und des Regiments Garde Nr. 15, mit freundlicher Genehmigung durch die DGfMM.

Beim Regierungsantritt Friedrichs II. (24.01.1712-17.08.1786) bestanden beim Regiment Nr. 6 das I., II. und III. Bataillon (= 15 Kompagnien) „große Grenadiers“ und drei Flügelgrenadierkompagnien, insgesamt also 3.782 Mann. Beim Regiment Kronprinz Nr. 15 waren es das I. und II. Bataillon Grenadiers und das III. Bataillon Musketiere.

"König Friedrich Wilhelms in Preußen Regiment zu Potsdam, 3 Bataillone stark, hat bis Majo 1740 mit nachbezeichneten Officieren bestanden, als aber Seine Königliche Majestät den 31. Mai 1740 daselbst gestorben und den 22. Juni 1740 allda solenniter beigesetzt worden, hat es Seiner jetzt regierenden Königlichen Majestät Frederico II gefallen, obengedachtes Regiment gänzlich aufzuheben und zu verändern, und sind die Herren Officiers, wie bei eines jeden Nahmen verzeichnet employiret und versetzet worden." Dieses ist die Überschrift der letzten Rangliste des "Langen Potsdamschen Regimentes" Nr. 6 für den Monat Juni 1740.

Rangliste König Friederich Wilhelm in Preuſsen Regiment Nr. 6 pro Majo 1740

zu Potsdam, 3 Bataillon, oder 18 Compagnien stark. In Klammern der Verbleib nach dem 22.06.1740, Beförderungen, etc.

Quelle: Reinhard, Carl von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1740-1857, Potsdam 1858, August Stein

Obrister Se. Königliche Maj. Friedrich Wilhelm in Preuſsen (31.05.1740 verstorben)

Obrister Adam von Weyher (Generalmajor geworden, Kommandeur Garnison-Bataillon von Weyher in Magdeburg)

Obrist Lieutenant Gottfried Emmanuel von Einsiedell (Generalmajor von der Infanterie geworden, Kommandierender Obrister Bataillon Grenadiergarde, 1. Kompagnie)

Obrist Lieutenant Wilhelm Prinz in Preuſsen

Obrist Lieutenant Friedrich Christoph von Saldern (Obrister geworden, Bataillon Grenadiergarde, 2. Kompagnie)

Major von Röder (Obrister geworden, Garnison-Bataillon von Weyher in Magdeburg, depressirt das avancement und erhält den 07.07.1740 die Dimission)

Major von Bredow (Obrister geworden, 2. Bataillon Regiment Garde, 2. Kompagnie)

Major von Pohlens (Obrister geworden, Kommandeur Regiment Prinz Heinrich in Preuſsen)

Capitain von Pritz, hat des verstorbenen Königs Leibkompagnie kommandiert (Obrister geworden, Kommandeur Regiment Prinz Ferdinand in Preuſsen)

Capitain von Kalsow (Obrister geworden, Regiment Graf von Dohna)

Capitain Grenadier Kompagnie von Rochow (Obrister geworden, Regiment Prinz Ferdinand von Braunschweig)

Premier Capitain und General Adjutant von Haacke (Obrister und Generaladjutant, zum Grafen deklariert im Juli 1740)

Premier Capitain Grenadier Kompagnie von Derschau (Obrister geworden, Regiment von Münchow)

Premier Capitain Grenadier Kompagnie von Schwerin der Schwarze (Obrister geworden, Regiment von Münchow)

Premier Capitain ohne Kompagnie unrangiert von Hoffstedt (Mai 1740 verstorben)

Premier Capitain Grenadier Kompagnie von Schwerin der Blonde (Obrist Lieutenant geworden, Grenadierbataillon Regiment Garde, 2. Kompagnie)

Premier Capitain Grenadier Kompagnie von Borck (Obrister und General-Adjutant S. K. M.)

Premier Capitain Grenadier Kompagnie von Lüderitz (Obrist Lieutenant geworden, Garnison-Bataillon von Weyher in Magdeburg)

Premier Capitain Grenadier Kompagnie von Wieddersheim (Obrist Lieutenant geworden, Regiment Prinz Ferdinand von Braunschweig)

Premier Capitain Grenadier Kompagnie von Bornstedt (Obrist Lieutenant geworden, Feldbataillon Persode)

Premier Capitain Grenadier Kompagnie von Vangerow (Obrist Lieutenant geworden, Garnison-Bataillon von Weyher in Magdeburg)

Stabscapitain von Podewils (Obrister und General-Adjutant S. K. M. geworden)
Stabscapitain von Nooth (Obrister geworden, Regiment von Glasenapp, Chef der Kompagnie des zum von Weyerschen Garnison-Bataillon versetzten Obrist Lieutenant von Briesen)

Stabscapitain von Nettelhorst (Obrist Lieutenant geworden, Regiment Graf von Dohna)

Stabscapitain von Briesewitz (Major geworden, Bataillon Grenadiergarde, 3. Kompagnie)

Stabscapitain von Ingersleben der älteste (Capitain geworden, Erstes Bataillon Leibgarde, Chef 4. Kompagnie, gleichzeitig Patent als Obrist Lieutenant von der Armee)

Stabscapitain Graf von Wartensleben (Obrister und General-Adjutant S. K. M. geworden)

Stabscapitain von Lange (Major geworden, Grenadierbataillon Regiment Garde, 3. Kompagnie, gleichzeitig Patent als Obrist Lieutenant von der Armee)

Lieutenant von Bandemer (Major geworden, Regiment Prinz Ferdinand von Braunschweig)

Lieutenant von Bonin (Major geworden, Regiment Prinz Ferdinand von Braunschweig)

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Schafstedt (Major geworden, Regiment Prinz Ferdinand von Braunschweig)

Lieutenant und Adjutant von Winterfeldt (Major und Flügel-Adjutant S. K. M. geworden)

Lieutenant und Adjutant von Sichtern (Major geworden, Regiment Prinz Heinrich in Preuſsen)

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Rohr (Major geworden, Regiment Prinz Heinrich in Preuſsen)

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Stach (Major geworden, 2. Bataillon Regiment Garde, 2. Kompagnie, gleichzeitig Patent als Obrist Lieutenant von der Armee)

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Bila der älteste (Capitain geworden, Bataillon Grenadiergarde, Chef 4. Kompagnie)

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Waldow (Capitain geworden, Füsilier-Regiment von Jeetz, Chef der Kompagnie des zum von Glasenappschen Regiment versetzten Capitain von Kleist)

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Fitzgerald (Capitain geworden, Erstes Bataillon Leibgarde, Chef 5. Kompagnie, gleichzeitig Patent als Obrist Lieutenant von der Armee)

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Seelen (Capitain geworden, Regiment Prinz Heinrich in Preuſsen, Chef 1. Kompagnie) Dieser Posten ist auch für Capitain von Rohe genannt.

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Schulenburg (Capitain geworden, Bataillon Grenadiergarde, Chef 5. Kompagnie)

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Beschwitz (Capitain geworden, 2. Bataillon Regiment Garde, Chef 3. Kompagnie)

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Bardeleben der älteste (Capitain geworden, 2. Bataillon Regiment Garde, Chef 5. Kompagnie)

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Rohe (Capitain geworden, Regiment Prinz Heinrich in Preuſsen, Chef 1. Kompagnie) Dieser Posten ist auch für Capitain von Seelen genannt.

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Canitz (Stabscapitain geworden, Erstes Bataillon Leibgarde, bei des Obristen Prinz Withow von Brandenburg Kompagnie)

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Düring (Erstes Bataillon Leibgarde)

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Münchow (Capitain geworden, Bataillon Grenadiergarde, Chef 6. Kompagnie)

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Wedell der älteste (Erstes Bataillon Leibgarde)

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Wedell der jüngste (Stabscapitain geworden, Bataillon Grenadiergarde)

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Zernikow (Stabscapitain geworden, Bataillon Grenadiergarde)

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Chmilinsky (Premier Lieutenant geworden, Bataillon Grenadiergarde)

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Born (Capitain geworden, Garnison-Bataillon von Weyher in Magdeburg, Chef 5. Kompagnie)

Lieutenant Grenadier Kompagnie von Jeetze (Erstes Bataillon Leibgarde)

Lieutenant und Adjutant von Bila der jüngste (Premier Lieutenant geworden, Bataillon Grenadiergarde)

Lieutenant und Adjutant von Kleist (Erstes Bataillon Leibgarde)

Lieutenant und Adjutant von Wolrath (Grenadierbataillon Regiment Garde)

Lieutenant und Adjutant von Bock (Grenadierbataillon Regiment Garde)

Lieutenant und Adjutant von Düricke (Grenadierbataillon Regiment Garde)

Lieutenant und Adjutant von Grothausen (Capitain und Kompagniechef geworden, Feldbataillon Persode)

Lieutenant und Adjutant von Stojentin (Capitain und Kompagniechef geworden, Feldbataillon Persode)

Lieutenant und Adjutant von Hertzberg (Capitain und Kompagniechef geworden, Feldbataillon Persode)

Lieutenant und Adjutant von Jaschinsky (Stabscapitain geworden, Erstes Bataillon Leibgarde)

Lieutenant und Adjutant von Grusewsky (Premier Lieutenant geworden, Bataillon Grenadiergarde)

Lieutenant und Adjutant von Ingersleben der jüngste (Erstes Bataillon Leibgarde)

Lieutenant und Adjutant von Geist (Erstes Bataillon Leibgarde)

Lieutenant und Adjutant von Ascheberg (Stabscapitain geworden, Erstes Bataillon Leibgarde)

Lieutenant und Adjutant von Ingersleben der mittelste (Capitain geworden, Regiment von Kalckstein, Chef der Kompagnie des als Major zum Neuen oder jung Dohnaschen Regiment versetzten, ältesten Bruders)

Lieutenant und Adjutant von Retzow (Premier Lieutenant geworden, Bataillon Grenadiergarde)

Lieutenant und Adjutant von Bausen (Bataillon Grenadiergarde)

Lieutenant und Adjutant von Zingell (Capitain geworden, Garnison-Bataillon von Weyher in Magdeburg, Chef 6. Kompagnie)

Lieutenant und Adjutant Prinz Heinrich in Preuſsen Hoheit (Chef Regiment Prinz Heinrich in Preuſsen)

Lieutenant und Adjutant von Bardeleben (Bataillon Grenadiergarde)

Fähnrich von Lode (Garnison-Bataillon von Weyher in Magdeburg)

Fähnrich Graf von Schlippenbach (Garnison-Bataillon von Weyher in Magdeburg)

Fähnrich von Hohendorf (Garnison-Bataillon von Weyher in Magdeburg)

Fähnrich von Heidebrecht (Seconde Lieutenant geworden, Bataillon Grenadiergarde)

Fähnrich von Saldern (2. Bataillon Regiment Garde)

Fähnrich von Tauentzien (Bataillon Grenadiergarde)

Fähnrich von Lange (Lieutenant geworden, Erstes Bataillon Leibgarde)

Fähnrich von Tettenborn der älteste (Lieutenant geworden, Erstes Bataillon Leibgarde)

Fähnrich von Bredow (Stabscapitain geworden, Garnison-Bataillon von Weyher in Magdeburg)

Fähnrich von Davier (Erstes Bataillon Leibgarde)

Fähnrich von Tettenborn der jüngste (Seconde Lieutenant geworden, Bataillon Grenadiergarde)

Fähnrich von Steinkeller (Seconde Lieutenant geworden, Bataillon Grenadiergarde)

Fähnrich von Witte (Seconde Lieutenant geworden, Bataillon Grenadiergarde)

Fähnrich von Gersdorff (Seconde Lieutenant geworden, Bataillon Grenadiergarde)

Fähnrich von Steinwehr (Seconde Lieutenant geworden, Bataillon Grenadiergarde)

Fähnrich von Haacke (Bataillon Grenadiergarde)

Fähnrich von Billerbeck (Erstes Bataillon Leibgarde)

Fähnrich von Kahlen (Lieutenant geworden, 2. Bataillon Regiment Garde)

Fähnrich von Wedell (Lieutenant geworden, 2. Bataillon Regiment Garde)

Fähnrich von Schöning (Lieutenant geworden, 2. Bataillon Regiment Garde)

Fähnrich von Uckermann (Lieutenant geworden, 2. Bataillon Regiment Garde)

Friedrich II. war ein nüchterner Rechner, er hielt nichts von teuren Prestige-Soldaten und löste folglich die Riesengarde auf. Die Mannschaften wurden auf andere Regimenter verteilt oder aus dem Armee-Dienst entlassen. Die Leibkompagnie wurde dabei zu gleichen Teilen auf die neuen Regimenter der Prinzen Ferdinand Nr. 34 und Heinrich Nr. 35 aufgeteilt. Die ältesten und schlechtesten Leute bildeten das Garnisonbataillon von Weyher in der Magdeburger Sternschanze. Oberst Adam von Weyer war der letzte Kommandeur des alten Regiments des Königs Nr. 6 gewesen und das neue Garnisonbataillon wurde gebildet aus denjenigen, die es vorzogen, nicht in Ruhestand zu gehen. Es bestand bis 1788. Lediglich ein Bataillon des alten Regiments des Königs Nr. 6 wurde aufrecht erhalten und fortan als Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 geführt. In dieser Formation bestand es bis 1806. Die Offiziere des alten Regiments bekamen größtenteils Anstellungen in der neuen Garde oder beim Garnison-Bataillon von Weyher. Nur ein paar wenige Offiziere kamen zu anderen Regimentern oder nahmen ihren Abschied. Ähnlich wurde mit den Mannschaften verfahren. Wer seinen Abschied nehmen wollte, erhielt ihn. Noch lange Jahre später zogen die "Riesen" durch die preußischen Lande und erzählten gegen Bezahlung von der wunderlichen Liebe des Soldatenkönigs zu seinen "Blauen Kindern".

Diese Veränderungen wurden jedoch erst nach der Beerdigung seines Vaters begonnen. Bis dahin sollte die Armee gänzlich unangetastet bleiben. Das Reglement zu seiner Beisetzung hatte Friedrich Wilhelm I. selbst verfaßt. Er wollte von seiner Riesengarde begleitet in der Garnison-Kirche beigesetzt werden, "...dann aber bringen die Grenadiers die Fahnen dahin, wo Ihr es, mein lieber Sohn, befehlen werdet." Bis zum Ende der feierlichen Beerdigung sollte sein Regiment noch von ihm Befehl empfangen, danach aber die Fahnen dem neuen Kriegsherrn überantwortet werden. Friedrich löste daraufhin, wie oben berichtet, das alte Regiment des Königs Nr. 6 seines Vaters auf und erhob sein eigenes, das Regiment Kronprinz Nr. 15, zur neuen Garde.

Auch die letzte Rangliste des Regiments Kronprinz Nr. 15 vor dem Regierungsantritt Friedrichs II. ist erhalten geblieben. Die Überschrift lautet: "Cron Printz in Preuſsen Friderichs-Regiment. 2 Bataillon, oder 12 Compagnien stark. Pro Majo et Junio 1740 haben nachverzeichnete Officiers dabey gestanden, als aber Ihro Königl. Hoh. nach Absterben Ihres Herrn Vaters, des Königs Friedrich Wilhelm, den 31. May 1740 in der Regirung aols König succediret haben Sie allergnädigst gut gefunden, nach der zu Potsdam den 22. Junii geschehenen solennen Beerdigung, auch mit diesem Ihrem Regiment den 23. Junii 1740 eine Veränderung vorzunehmen, dasselbe mit 1 Bataillon Grenadiers zu verstärken, einige Ober Officiers dabey zu behalten, verschiedene aber davon zu versetzen, wie bey eines jeden Nahmen verzeichnet ist." (aus der Regimentsgeschichte)

Rangliste des Cron Printz in Preuſsen Friderichs-Regiment Nr. 15 pro Majo et Junio 1740

2 Bataillon, oder 12 Compagnien stark. In Klammern der Verbleib nach dem 22.06.1740, Beförderungen, etc.

Quelle: Reinhard, Carl von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1740-1857, Potsdam 1858, August Stein

General-Major Des Cron Printz in Preuſsen Friderich Königliche Hoheit (31.05.1740 König in Preuſsen geworden)

Obrist-Lieutenant von Söldner (Obrister geworden, Kommandeur Grenadierbataillon Regiment Garde, Chef 1. Kompagnie)

Major von Quaadt (Obrist-Lieutenant geworden, Regiment Prinz Ferdinand in Preuſsen)

Major von Kahlbutz (Regiment Prinz Ferdinand in Preuſsen)

Major von Schultz (Erstes Bataillon Leibgarde, Chef 3. Kompagnie, gleichzeitig Patent als Obrist Lieutenant von der Armee)

Capitain von Bardeleben (Demission als Major am 18.06.1740)

Capitain Hellermann (bereits am 08.05.1740 abgegangen und soll eine Pension oder Civil-Bedienung in Stettin bekommen haben)

Capitain von Grape (Regiment Prinz Ferdinand in Preuſsen)

Capitain 2. Grenadierkompagnie Hiltermann (Regiment Prinz Ferdinand in Preuſsen)

Capitain 1. Grenadierkompagnie von Hauſs (Regiment Prinz Ferdinand in Preuſsen)

Capitain Conradi (Regiment Prinz Ferdinand in Preuſsen)

Capitain von Kamcke (Major geworden, Regiment von Glasenapp, Chef der Kompagnie des als Obrist Lieutenant zum Alt Borckschen Regiment versetzten von Massow)

Capitain von Wylich zu Diersfort (Major und Flügel-Adjutant S. K. M. geworden)

Stabscapitain von Loen (Grenadierbataillon Regiment Garde, 1. Kompagnie)

Stabscapitain von Saldern (Capitain geworden, 2. Bataillon Regiment Garde, Chef 4. Kompagnie)

Premier Lieutenant von Mitschefal (Capitain geworden, Regiment Prinz Ferdinand in Preuſsen, Chef 1. Kompagnie) Dieser Posten ist auch für die Capitaine von Massow  und von Hillensberg genannt.

Premier Lieutenant von Finck (Capitain geworden, 2. Bataillon Regiment Garde, Chef Grenadierkompagnie)

Premier Lieutenant Grenadierkompagnie von Below (keine Angabe)

Premier Lieutenant Grenadierkompagnie von Meyering (Premier Capitain geworden, Regiment Garde, Kommandeur Leibkompagnie, gleichzeitig Patent als Obrist Lieutenant von der Armee)

Premier Lieutenant von Massow (Capitain geworden, Regiment Prinz Ferdinand in Preuſsen, Chef 1. Kompagnie) Dieser Posten ist auch für die Capitaine von Mitschefal und von Hillensberg genannt.

Premier Lieutenant von Kleist (Capitain geworden, Erstes Bataillon Leibgarde, Chef Grenadierkompagnie)

Premier Lieutenant von Meseberg (Capitain geworden, Grenadierbataillon Regiment Garde, Chef 4. Kompagnie)

Premier Lieutenant Grenadierkompagnie von Köller (keine Angabe)

Premier Lieutenant Grenadierkompagnie von Hillensberg (Capitain geworden, Regiment Prinz Ferdinand in Preuſsen, Chef 1. Kompagnie) Dieser Posten ist auch für die Capitaine von Massow  und von Mitschefal genannt.

Premier Lieutenant von Buddenbrock (Major und Flügel-Adjutant S. K. M. geworden)

Seconde Lieutenant von Below (keine Angabe)

Seconde Lieutenant Grenadierkompagnie von Jürgas (Erstes Bataillon Leibgarde)

Seconde Lieutenant von Jeetze (Erstes Bataillon Leibgarde)

Seconde Lieutenant von Kamcke (Erstes Bataillon Leibgarde)

Seconde Lieutenant von Diericke (Erstes Bataillon Leibgarde)

Seconde Lieutenant Grenadierkompagnie von Ploetz (Erstes Bataillon Leibgarde)

Seconde Lieutenant von Thoſs (Erstes Bataillon Leibgarde)

Seconde Lieutenant Grenadierkompagnie von Holly (keine Angabe)

Seconde Lieutenant von Rathenow (Capitain geworden, Grenadierbataillon Regiment Garde, Chef 6. Kompagnie)

Seconde Lieutenant von Schildt (Grenadierbataillon Regiment Garde)

Seconde Lieutenant Grenadierkompagnie Schilling (Erstes Bataillon Leibgarde)

Seconde Lieutenant von Pirch (2. Bataillon Regiment Garde)

Seconde Lieutenant von Knobelsdorff (Capitain geworden, Grenadierbataillon Regiment Garde, Chef 5. Kompagnie)

Seconde Lieutenant von Düring (keine Angabe)

Fähnrich von Rathenow (keine Angabe)

Fähnrich von Schlotheim (keine Angabe)

Fähnrich von Borck (2. Bataillon Regiment Garde)

Fähnrich von Schenckendorff (Erstes Bataillon Leibgarde)

Fähnrich Prinz Ferdinand Hoheit (Obrister geworden, Chef Regiment Prinz Ferdinand in Preuſsen)

Fähnrich von Kleist (2. Bataillon Regiment Garde)

Fähnrich von Rohe (keine Angabe)

Fähnrich von Kalbe (keine Angabe)

Fähnrich von Victor (Erstes Bataillon Leibgarde)

Fähnrich von Klöhden (keine Angabe)

Fähnrich von Reichwaldt (Erstes Bataillon Leibgarde)

Fähnrich von Sydow (2. Bataillon Regiment Garde)

Fähnrich von Steinkeller (keine Angabe)

Das neu gebildete Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 war die eigentliche Fortsetzung der alten Garde. Der alte Kommandeur des Leibbataillons Gottfried Emmanuel von Einsiedel, wurde folglich ihr neuer "Commandeur en Chef" und das Bataillon führte fortan seinen Namen. Der Kommandeur des Bataillons Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 wurde Friedrich Christoph von Saldern. Eine A.K.O. vom 28.07.1740 des jungen Königs an ihn, läßt die Intention des Königs deutlich werden:

"Cabinets-Ordre d. d. Potsdam den 28. July 1740 - betreffend das Bataillon Grenadier-Garde

 

    Nachdem Se. Königliche Majestät in Preußen p. p. resolviret zum glorwürdigsten Andenken des nun in Gott ruhenden Königs Majestät ein Bataillon Grenadier-Garde auf den Fuß des vormaligen Königs-Regiments bestehen zu lassen, also wollen Hochgedachte Se. Königliche Majestät hiermit und Kraft dieses festsetzen, daß künftighin dieses Bataillon Grenadier-Garde, sowohl in Ordnungen, Mondirungen, propreté, insbesondere auch Gewehr und Patrontaschen in Summa in Allem und Jedem, wie es nun Namen haben mag, ohnverändert bleiben solle. Gestalt denn Höchstdieselben dem Commandeur gedachten Bataillons allergnädigst befehlen, daß wenn künftighin in der Armee ein Reglement oder Ordres, so denen vormaligen zuwieder laufen, ergehen möchten, derselbe sich daran im geringsten nicht binden, sonderns Alles auf den Fuß behalten und conserviren solle, wie es zu Zeiten des Höchstseligen Königs Majestät gewesen. Seine Königliche Majestät wollen auch dieses Bataillon in der Armee distinguiret wissen, dergestalt, daß sie denen Ober-Officiers einen pas im Rang zum Voraus Allergnädigst verwilligen und gestatten, so daß der Obrister General-Major, der Obrist-Lieutenant Oberist u. s. w. im Rang bei der Armee nach der Anciennetät ihrer Patente, welche sie nach ihrem Charakter bei der Garde haben, rangieren sollen.

 

Urkundlich p. p.

Friedrich."

Zum Titel "Commandeur en Chef" berichtet der Verein für die Geschichte Potsdams in seiner 19. Sitzung vom 23.02.1864: "Obgleich es nur ein Bataillon war, so hatte es doch in der Armee den Reng eines Regiments. Während alle anderen Regimenter der Armee jedes einen Chef und einen Commandeur hatten, waren diese beiden Chargen bei dem Garde-Grenadier-Batailon Nr. 6 in einer Person vereinigt, und hatte daher kam der in der Armee sonst nicht noch einmal vorhandene Titel: Commandeur en Chef." Offenbar wurden entgegen dieser Regelung dennoch auch Kommandeure ernannt, vielleicht als Stellvertreter des Commandeurt en Chef.

Das Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 sollte also der Erinnerung an Friedrich Wilhelm I. geweiht sein und machte unter seinem Nachfolger und sogar noch dessen Neffen Friedrich Wilhelm II. keinerlei Veränderungen der Uniformen oder der Ausrüstung mit, auch wenn diese eine Erleichterung für die Soldaten bedeutet hätten. Auch blieb auf den Truppenfahnen des Bataillons Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 als einzige in der ganzen preußischen Armee der alte Schriftzug "FWR" für Fredericus Wilhelmus Rex bestehen.

Das Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 bestand aus 5 Kompagnien und einer Flügelgrenadierkompagnie. 25 Offiziere, 59 Unteroffiziere, 7 Hautboisten, 3 Pfeifer, 19 Tambours, 690 Grenadiere, 7 Zimmerleute, 6 Feldscheerer (=Feldärzte). Dazu 3 Unterstab, 50 Überkomplette, in Summa 869 Köpfe. Die Überkompletten sind nicht mit den Unrangierten zu verwechseln, welche noch daneben bestanden.

Als Uniform wurde dem Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 die letzte Uniform des II./III. Bataillons des Königs Regiments Nr. 6 zugewiesen.

Die Offiziere des Bataillons Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 hatten zum blauen Rock rote, runde "brandenburgische" Aufschläge, keine Kragen und vorn herunter auf jeder Seite 8 golden gestickte Schleifen (je zwei und zwei), zwei dergleichen auf jeder Tasche, vier hinten und vier auf jeder der blauen Aufschlagpatten, blaßpaille Unterkleider und Hüte mit einer schmalen goldenen Tresse, dazu als besondere Auszeichnung weiße und schwarze Hut-Cordons.

Offizier, Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 ab 1740, Zeichnung von Adolph Menzel (1815-1905), Menzel: Die Armee Friedrichs des Großen in ihrer Uniformierung.

Die Unteroffiziere hatten rote offene Aufschläge, rote Kragen, vorn herunter je 6 goldene geschwungene Litzen (je zwei und zwei zwischen den goldenen Knöpfen), darunter rechts zwei goldene Knöpfe, zwei auf jeder Tasche, auf dem Ärmel vier Litzen und vier goldene Knöpfe, zwei goldene Knöpfe hinten, blaßpaille Unterkleider, weiße Halsbinden. Die Unteroffiziere des Bataillons Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 benutzten zu ihrem Pallasch einen Unterschnallkoppel (als einzige in der preußischen Armee). Die Gefäße der Pallasche waren von Tombak, die Kompagnietroddeln hingen bei diesem Bataillon, wiederum als einziges der ganzen Preußischen Armee, an einem Leder-Riemen. Über die Farben der  Kompagnietroddeln ist leider nichts bekannt, außer, daß die der Leibkompagnie aller Wahrscheinlichkeit nach weiß waren, analog zu allen anderen Regimentern der Armee und wie es schon 1726 das Reglement forderte. Die Unteroffiziere trugen, wie bei den anderen Regimentern auch, einen schwarzweißen Troddel, jedoch ebenfalls am Lederband.

Die Grenadiere unterschieden sich von den Unteroffizieren durch die nach hinten spitz zulaufenden goldenen Tressen-Litzen und die roten Halsbinden. Sie trugen außerdem eine Grenadiermütze. Diese besaß ein tombakfarbenes (im Feldzug wurde ein messingnes verwendet) Schild und darauf einen Gardestern (Stern vom Schwarzen Adler-Orden). Über dem Gardestern befand sich die Königskrone. Der ganze Schild war aus einem Stück geprägt und der Stern nicht emailliert. Der Tuchbeutel war rot, die Borten goldfarben. Rückseitig befand sich die Inschrift "Königs Regiment", vorne die Chiffre FWR für Fredericus Wilhelmus Rex.

Grenadier, Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 ab 1740, Zeichnung von Adolph Menzel (1815-1905), Menzel: Die Armee Friedrichs des Großen in ihrer Uniformierung.

Die Montierung des Bataillons Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 blieb nun bis 1799 unverändert. Die erste Rangliste nach der Neuformierung sah nun wie folgt aus.

Rangliste des König Friedrichs Bataillon Grenadier-Garde Nr. 6 pro 23. Juny 1740

ist den 23. Juny 1740formirt worden. In Klammern die Herkunft vor dem 23.06.1740, alter Dienstrang, etc. Dahinter die Dienststellung im neu formierten Regiment Nr. 15.

Quelle: Reinhard, Carl von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1740-1857, Potsdam 1858, August Stein

General Major von Einsiedell (Obrist Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam) Obrister und Kommandeur Bataillon Grenadier Garde und Chef 1. Kompagnie

Obrister von Saldern (Obrist Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam), Chef 2. Kompagnie

Major von Briesewitz (Stabs Capitain, Regiment des Königs Potsdam), Chef 3. Kompagnie

Capitain von Bila der älteste (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam), Chef 4. Kompagnie

Capitain von Schulenburg (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam), Chef 5. Kompagnie

Capitain von Münchow (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam), Chef 6. Kompagnie

Stabs Capitain von Wedell der jüngste (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam)

Stabs Capitain von Zernikow (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam)

Premier Lieutenant von Schmilinsky (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam)

Premier Lieutenant von Bila der jüngste (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam)

Premier Lieutenant von Grusewsky (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam)

Premier Lieutenant von Retzow (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam)

Seconde Lieutenant von Bausen (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam)

Seconde Lieutenant von Bardeleben der jüngste (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam)

Seconde Lieutenant von Heidebrecht (Fähndrich, Regiment des Königs Potsdam)

Seconde Lieutenant von Tettenborn der jüngste (Fähndrich, Regiment des Königs Potsdam)

Seconde Lieutenant von Steinkeller (Fähndrich, Regiment des Königs Potsdam), eodem Adjutant

Seconde Lieutenant von Witte (Fähndrich, Regiment des Königs Potsdam)

Seconde Lieutenant von Einsiedell (muß noch nicht in Dienst gewesen sein)

Seconde Lieutenant von Steinwehr (Fähndrich, Regiment des Königs Potsdam)

Fähnrich von Haacke (Fähndrich, Regiment des Königs Potsdam)

Fähnrich von Tauentzien (Fähndrich, Regiment des Königs Potsdam)

Fähnrich von Schmilinsky (Gefreyt Corporal, Regiment des Königs Potsdam)

Fähnrich von Wagener (Gefreyt Corporal, Regiment des Königs Potsdam)

Fähnrich von Langguth (Gefreyt Corporal, Regiment des Königs Potsdam)

Das Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 bekam zum Regierungsantritt Friedrichs II. neue Fahnen verliehen. Die Leibfahne hatte das Tuch und Nagelband in weiß, das Mittelfeld kornblumenblau, das Devisenband weiß mit goldener Schrift "Pro Gloria Et Patria". Um das Mittelfeld befand sich ein goldener Palmenkranz, darüber eine  goldene, durchbrochene Krone mit blauen Steinen auf den Bügeln und blauem Reichsapfel, der Innenring war rot. Im Mittelfeld war ein schwarzer Adler mit goldenem Schnabel, Fängen und Krone, die Zunge war rot. In den Fängen zum einen ein Schwert mit goldenem Griff und silberner Klinge, zum anderen ein goldenes Blitzbündel. Über und unter dem Mittelfeld je eine, rechts und links ebenfalls je eine in Richtung des Mittelfeldes züngelnde goldene Flamme. In den vier Ecken kleinere goldene Palmzweige mit dem gekrönten Namenszug des Königs FWR (Friedericus Wilhelminus Rex). Diese Eckfelder entweder weiß oder blau, in diesem Punkt sind die Quellen leider nicht eindeutig.[1] Über diesen Medaillons befanden sich kleine Kronen analog zur großen Krone. Der Fahnenstab war gelb mit vergoldeter Spitze und Nägeln, die Banderole und Quasten schwarz-silbern. Diese Fahnen führte das Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 bis zu seiner Auflösung 1806, sie wurden lediglich erneuert, wenn sie verschlissen waren. Die Form und Farbgebung blieb jedoch stets die gleiche.

Das I. Bataillon Leibgarde  Nr. 15 wurde am 04.08.1740 in Ruppin hauptsächlich aus dem alten I. Bataillon des Regiments Kronprinz Nr. 15 gebildet. Chef des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 wurde der König. Kommandeur desselben wurde Markgraf Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Schwedt. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 bestand etatmäßig aus: 5 Kompagnien und einer Flügelgrenadierkompagnie. 44 Offiziere, 61 Unteroffiziere, 7 Hautboisten, 3 Pfeifer, 23 Tamboure, 690 Grenadiere, 7 Zimmerleute und 6 Feldscheerer. Dazu 6 Unterstab, 77 Überkomplette, 2 Kadetten bei der Leibkompagnie, in Summa 926 Köpfe. Die Leibkompagnie hatte 116 Mann, die Flügelgrenadierkompagnie 120 und die übrigen 114 Mann.

Aus den Mannschaften des aufgelösten Regiments des Königs Nr. 6 und der Grenadierkompagnie des II. Bataillons vom Regiment Kronprinz Nr. 15 wurde am 03.08.1740 in Nauen das II. Bataillon des Regiments Garde Nr. 15 gebildet. Die 5 Musketierkompagnien des Regiments Kronprinz Nr. 15 bildeten den Stamm des Regiments Prinz Ferdinand Nr. 34. Kommandeur des II. Bataillons Regiments Garde Nr. 15 wurde Obrist von Bredow, welcher auch Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15 wurde. Bald darauf wurde in Potsdam das III. Bataillon Garde des Regiments Garde Nr. 15 aus Abgaben der Armee im Tausch gegen überzählige Mannschaften des aufgelösten Regiments des Königs Nr. 6 gebildet. Der erste Kommandeur des III. Bataillons wurde Obrist von Soeldener. In dieser Formation bestand das Regiment Garde Nr. 15 nun fort bis 1806. Das II. und III. Bataillon wurde als "Regiment Garde" (Nr. 15) bezeichnet, während das I. Bataillon als "Leibgarde" (Nr. 15) bezeichnet wurde. Das Regiment Garde hatte 2 Bataillone á 5 Kompagnien und je einer Flügelgrenadierkompagnie. 54 Offiziere, 118 Unteroffiziere, 14 Hautboisten, 4 Pfeifer, 38 Tamboure, 1380 Grenadiere, 14 Zimmerleute, 12 Feldscheerer. Dazu 4 Unterstab, 100 Überkomplette, in Summa 1.738 Köpfe.

Die erste Rangliste des neu formierten Regiments Garde Nr. 15 sah nun wie folgt aus.

Rangliste des König Friderichs-Regiment Nr. 15 pro 23. Juny 1740

sowie solches den 23. Juny 1740 auf 3 Bataillon eingerichtet. In Klammern die Herkunft vor dem 23.06.1740, alter Dienstrang, etc. Dahinter die Dienststellung im neu formierten Regiment Nr. 15.

Quelle: Reinhard, Carl von: Geschichte des Königlich Preußischen  Ersten Garde-Regiments zu Fuß 1740-1857, Potsdam 1858, August Stein

1. Bataillon Leibgarde Nr. 15

Obrister Seine Königliche Majestät Friderich (General Major von der Infanterie und Obrister Regiment Kronprinz), Chef Erstes Bataillon Leibgarde, Leibkompagnie und Regiment Garde

Obrister Prinz Wilhelm (Obrist Lieutenant, Regiment Kronprinz und Regiment Markgraf Carl in Berlin), keine Angabe über die Dienststellung, vermutlich Chef 2. Kompagnie

Major von Schultz (Regiment Kronprinz, Chef 3. Kompagnie), Chef 3. Kompagnie

Capitain von Meyering (Premier Lieutenant, Regiment Kronprinz)

Capitain von Ingersleben (Stabs Capitain, Regiment des Königs Potsdam), Chef 4. Kompagnie

Capitain von Fitzgerald (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam), Chef 5. Kompagnie

Capitain Grenadierkompagnie von Kleist (Premier Lieutenant, Regiment Kronprinz), Chef Grenadierkompagnie

Stabs Capitain von Canitz (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam)

Stabs Capitain von Jaschinsky (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam)

(Stabs Capitain) Lieutenant von Ascheberg (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam) NB. wegen Ascheberg contramand. und soll Lieutenant bleiben

Lieutenant von Tauentzien der ältste (Adjutant beim Regiment des Königs Potsdam)

Lieutenant Woloffsky (aus Potsdam)

Lieutenant von Greiffenhelm (Corporal, Regiment des Königs Potsdam, Leibkompagnie)

Lieutenant von Kamcke (Sous Lieutenant, Regiment Kronprinz)

Lieutenant von Düring (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam)

Lieutenant von Wedell der ältste (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam)

Lieutenant von Jeetze (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam)

Lieutenant von Düricke (Sous Lieutenant, Regiment Kronprinz)

Lieutenant von Laxdehn (aus Potsdam, soll als Unter Officier bey denen Großen Blau Kitteln gestanden haben)

Lieutenant von Geist (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam)

Lieutenant von Tettenborn der ältste (Fähnrich, Regiment des Königs Potsdam)

Lieutenant von Jürgass (Sous Lieutenant, Regiment Kronprinz)

Lieutenant Schilling (Sous Lieutenant, Regiment Kronprinz)

Lieutenant von Wiese (Gefreyt-Corporal, Regiment des Königs Potsdam)

Fähnrich von Davier (Regiment des Königs Potsdam)

Fähnrich von Schenckendorff (Regiment Kronprinz)

Fähnrich von Billerbeck (Regiment Kronprinz)

Fähnrich von Victor (Regiment Kronprinz)

Fähnrich von Reichwald (Regiment Kronprinz)

 

2. Bataillon Regiment Garde Nr. 15

Obrist von Bredow (Major, Regiment des Königs Potsdam), Kommandeur Regiment Garde und Chef 1. Kompagnie

Major von Stach (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam), Chef 2. Kompagnie

Capitain von Beschwitz (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam), Chef 3. Kompagnie

Capitain von Saldern (Stabs Capitain, Regiment Kronprinz), Chef 4. Kompagnie

Capitain von Bardeleben der älteste (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam), Chef 5. Kompagnie

Capitain Grenadierkompagnie von Finck (Premier Lieutenant, Regiment Kronprinz), Chef Grenadierkompagnie

Stabs Capitain von Borck (Grenadier Unter-Officier, Regiment Kronprinz), 1. Kompagnie

Lieutenant von Hamilton (aus Potsdam)

Lieutenant du Roché (Sergeant, Regiment des Königs Potsdam)

Lieutenant von Kahlen (Fähnrich, Regiment des Königs Potsdam)

Lieutenant von Kleist (Lieutenant, Regiment des Königs Potsdam)

Lieutenant Lotzow (soll Unter-Officier zu Potsdam bey denen Großen Unrangirten gewesen sein)

Lieutenant von Wedell (Fähnrich, Regiment des Königs Potsdam)

Lieutenant von Saldern (Fähnrich, Regiment des Königs Potsdam)

Lieutenant von Uckermann (Fähnrich, Regiment des Königs Potsdam)

Lieutenant von Plötz (Sous Lieutenant, Regiment Kronprinz)

Lieutenant von Pirch (Sous Lieutenant, Regiment Kronprinz)

Lieutenant von Lossow (Sous Lieutenant, Regiment von Glasenapp)

Lieutenant von Haendell (Unter-Officier, Regiment des Königs Potsdam)

Fähnrich von Jürgaſs (Gefreyt-Corporal, Regiment Kronprinz)

Fähnrich von Borck (Regiment Kronprinz)

Fähnrich von Kleist (Regiment Kronprinz)

Fähnrich von Sydow (Regiment Kronprinz)

Fähnrich von Schenckendorff (Regiment Anhalt)

 

Grenadierbataillon Regiment Garde Nr. 15

Obrister von Söldener (Obrist Lieutenant, Regiment Kronprinz), Kommandeur Grenadierbataillon Regiment Garde und Chef 1. Kompagnie

Obrist Lieutenant von Schwerin der Blonde (Capitain, Regiment des Königs Potsdam), Chef 2. Kompagnie

Major von Lange (Stabs Capitain, Regiment des Königs Potsdam), Chef 3. Kompagnie

Capitain von Meseberg (Premier Lieutenant, Regiment Kronprinz), Chef 4. Kompagnie

Capitain von Knobelsdorff (Sous Lieutenant, Regiment Kronprinz), Chef 5. Kompagnie

Capitain von Rathenow (Sous Lieutenant, Regiment Kronprinz), Chef 6. Kompagnie

Stabs Capitain von Loen (Regiment Kronprinz), 1. Kompagnie

Lieutenant von Schenckendorff (Premier Lieutenant, Regiment Alt Prinz Heinrich)

Lieutenant Storch (aus Potsdam)

Lieutenant von Greiffenfels (Sergeant, Regiment des Königs Potsdam)

Lieutenant von Düricke (Regiment des Königs Potsdam)

Lieutenant von Graselska (aus Potsdam)

Lieutenant von Schild (Sous Lieutenant, Regiment Kronprinz)

Lieutenant von Lüderitz (aus Potsdam)

Lieutenant von Anderkaſs (Gefreyt-Corporal, Regiment des Königs Potsdam)

Lieutenant Giseleng (aus Potsdam)

Lieutenant von Burgsdorff (soll Unter-Officier zu Potsdam bey denen Großen Unrangirten gewesen sein)

Lieutenant Wilhelmi (Sergeant, Regiment des Königs Potsdam)

Lieutenant Nötzell (Feldwebel, Regiment des Königs Potsdam)
Fähnrich Friedrich Wilhelm Rodich (soll dem Vernehmen nach bey des verstorbenen Königs Regiment zu Potsdam gestanden haben)

Fähnrich von Posadowsky (soll dem Vernehmen nach bey des verstorbenen Königs Regiment zu Potsdam gestanden haben)
Fähnrich Hecking (soll dem Vernehmen nach bey des verstorbenen Königs Regiment zu Potsdam gestanden haben)
Fähnrich von Burgsdorff (soll dem Vernehmen nach bey des verstorbenen Königs Regiment zu Potsdam gestanden haben)
Fähnrich von Röder (soll dem Vernehmen nach bey des verstorbenen Königs Regiment zu Potsdam gestanden haben)

Die drei Bataillone Garde Nr. 15 hatten also in Summa 2.664 Köpfe. Mit dem Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 zusammengerechnet bestand die Garde Friedrichs also etatmäßig aus 3.533 Köpfen, davon 123 Offiziere. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 hatte einen besonderen Regiments-Feldscheerer, Büchsenmacher und Büchsenschäfter, aber keinen Profos (lat.=Verwalter der Militärgerichtsbarkeit), den es mit dem Regiment Garde Nr. 15 gemeinschaftlich hatte. Die drei Bataillone Garde Nr. 15 hatten einen Feldprediger, der zugleich Feldprobst der Armee war, ferner 1 Auditeur (lat.=Vorsitzender eines Militärgerichts) und einen Regiments-Quartiermeister. Die Zahl der Unrangierten variierte, betrug aber meist um 400 Mann, wobei dabei auch die Unrangierten der Gardes du Corps mitgezählt wurden.

Streng genommen war also die Einteilung der Garde nun folgende: I. Bataillon Leibgarde Nr. 15, dann das Regiment Garde Nr. 15, bestehend aus dem II. und III. Bataillon Garde. Kommandeur des Regiments Garde wurde immer der Kommandeur des II. oder III. Bataillons. Dazu kam noch das Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6. Jedes Garde-Bataillon bestand aus 5 Kompagnien und einer 6. Flügelgrenadier-Kompagnie, welche im Gefecht gewöhnlich detachiert und zu separaten Grenadier-Bataillonen zusammengefaßt wurden.

Regiment Kronprinz Nr. 15 bis 1740 und Erstes Bataillon Leibgarde Nr. 15 ab 1740, Zeichnung von H. Rothgaengel, Archiv Seitenautor.

Das Urlaubssystem der Garde war sehr streng. Bei den Urlaubsanträgen wurden zwei Bedingungen gestellt um diese zu genehmigen: 1. die Anwesenheit zu hause und 2. daß sie nicht desertieren und in fremde Dienste gingen. Im Allgemeinen wurde eine Kaution von 300 Thalern gestellt. "Uebrigens konnte eine auf Geldgewinn abzielende Compagniewirthschaft bei den Garden nicht existieren, da sie ein so beschränktes Beurlaubungssystem hatte." (aus der Regimentsgeschichte)

"Die Bataillons wurden zu 6 Compagnien und ganz nach dem Etat der damaligen Infanterie formirt, doch erreichten sie erst nach und nach ihre volle Stärke. Obgleich das 1. Bataillon Garde und das Grenadier-Garde-Bataillon aus lauter Grenadieren bestanden, standen doch ihre Flügel-Compagnien ganz im Verhältniß der Grenadier-Compagnien und hießen Flügel-Grenadier-Compagnien. Das Corps der Unrangierten ließ der König bestehen; es war gleichsam ein Depot für die Garden und stand nicht auf dem Etat, sondern wurde aus der Chatoulle bezahlt. Ebenso wurde die in Werder garnisonirende Invaliden-Compagnie des Alten Königs-Regiments für die Aufnahme der Invaliden der Neuen Garde bestimmt. Alle diese Verhältnisse sind jedoch erst nach Beendigung des 1. Schlesischen Krieges fest geordnet worden." (aus der Regimentsgeschichte)

Neben den aktiven Bataillonen bestanden die Invalidencorps. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 hatte mit den Gardes du Corps das Invalidencorps der "Ausrangierten". Diese standen in Potsdam und hatten eine Wache an der Glienicker Brücke. Das II./III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 hatte das Korps der "Garde-Invaliden", welche in Werder standen und den dortigen Hauptübergang bewachten. Dieses Garde-Invaliden-Corps bestand schon seit 1730 und wurde vom neuen König unverändert übernommen. Beide Invalidencorps erhielten die volle Löhnung ihres Regimentes, nur diejenigen, die nicht mehr zum Wachdienst tauglich waren, erhielten nur noch das halbe "Traktament". Auch übernommen wurde ein Vermächtnis der Königin Sophie Charlotte von Hannover (30.10.1668 - 01.02.1705, Ehefrau von Friedrich I. in Preußen), wonach das Amt Lehnin für 60 Witwen von Soldaten der Garde monatlich 60 Scheffel Roggen liefern mußte. So wurden sogar die Witwen des Invalidencorps noch versorgt. In Kriegszeiten bildeten die Invaliden die Besatzung Potsdams und der königlichen Schlösser. Eine besondere Abteilung der Invaliden stand später beim neuen Palais. Diese Invaliden mußten alle im I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 gedient haben und bezogen Wohnungen in der Nähe des Schlosses. Der erste Capitain der Invaliden in der Regierungszeit Friedrichs II., war Feldwebel Stein, dann folgte Feldwebel Rohdich. Die Uniformierung war zunächst noch braun, später mußten die Invaliden selber für ihre Kleidung sorgen.

Die Pension der Offiziere war Gnadensache und wurde vom König persönlich entschieden. Ebenso die Höhe der Pension. Allgemein war die Bezahlung der Soldaten schlecht. Meist mußten die Frauen der Soldaten auch arbeiten gehen. Daneben wurden in den Regimentern ebenfalls gearbeitet. Im I. Bataillon Leibgarde beschäftigten sich fast alle Leute nebenher mit Spinnen. Dennoch muß wohl große Armut geherrscht haben, denn Reisende berichteten häufig von bettelnden Soldaten in den Straßen Potsdams.

Im Jahr des Regierungsantrittes Friedrichs II. erhielt natürlich auch sein Regiment Garde Nr. 15 neue Fahnen. Diese neuen Fahnen wichen völlig von den bisherigen ab. Die Leibfahne besaß ein gesticktes weißes Tuch mit silbernen senkrechten Streifen, das Nagelband und die Nagelung waren silbern. In der Mitte befand sich ein silberner, zum Teil goldeingefaßter Rokokoschild, dessen Devisenband silbern mit goldener Randeinfassung und goldener Schrift "Pro Gloria Et Patria" ausgeführt war. Das Mittelfeld war mit goldenen und silbernen Lorbeerzweigen umrankt, darüber war eine goldene, durchbrochene Krone mit blauen Steinen auf den Bügeln und blauem Reichsapfel, ohne Mütze, mit einem roten Innenring. Im Mittelfeld befand sich ein schwarzer Adler mit goldenem Schnabel, Fängen und Krone, dessen Zunge rot war. Auf dem Tuch befanden sich keine Flammen. In den vier Ecken waren gekrönte goldene Namenszüge des Königs FR (Fredericus Rex). Darum links ein Palm- und rechts ein Lorbeerzweig von Silber. Darüber kleine Kronen analog zur Krone. Der Fahnenstab war gelb mit vergoldeter Spitze und silbernen Nägeln. Die Kompagniefahnen waren identisch, bis auf den Mittelschild, welcher blau Silbern punktiert war. Diese Fahnen führte das Regiment Garde Nr. 15 bis zu seiner Auflösung 1806, sie wurden wie die anderen Fahnen auch lediglich dann erneuert, wenn sie verschlissen waren. Die Form und Farbgebung blieb jedoch stets die gleiche.

Von den drei Bataillonen des Regiments Garde Nr. 15 hatte das I. Bataillon Leibgarde eine Sonderstellung. Der König kommandierte es persönlich, wie auch die Leibkompagnie. Diesen Brauch und die enge Verbundenheit mit dem jeweiligen Regenten übernahm später auch das Erste Garderegiment zu Fuß. Wie eng die Verbindung jedes preußischen Herrschers mit „seinem“ Regiment war, sieht man alleine daran, daß fortan diese Monarchen meist im Uniformrock „Ihrer“ Regimenter auftraten. Der berühmte einfache blaue Frack des „alten Fritz“ war z. B. nichts anderes als ein Offiziers-Interimsrock des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15. Die Offiziere des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 hatten den Offizieren in gleicher Stellung stets einen bis zwei Ränge voraus. Auch dadurch zeigte sich die Sonderstellung dieses Bataillons. Die Soldaten der Garde hatten überdies das Vorrecht, niemals zu Schanzarbeiten und selten zu Tranchee-Wachen herangezogen zu werden. Dieses Vorrecht erhielt sich bis zur Rheincampagne im Jahre 1792.

"Der König stand stets in unmittelbarer Beziehung zu den Garden, namentlich zu seinem 1. Bataillon. Alle Meldungen geschahen bei ihm persönlich; sehr oft, wenn er in Potsdam wohnte, fast täglich, erschien er zur Wachtparade, in den späteren Jahren vielfach tadelnd und selbst bei der höchsten Anspannung schwer zu befriedigen. Die Officiere kannte er, wie wir bei mehreren Gelegenheiten gezeigt, ganz genau, doch sprach er selten mit einem Subalternofficier. Die Stabsofficiere wurden sehr oft an die Königliche Tafel gezogen." (aus der Regimentsgeschichte)

Über die sonderbare Stellung des Ersten Bataillons Leibgarde Nr. 15 in der Armee des Königs berichtet der Verein für die Geschichte Potsdams im Jahre 1866 in seinen Mitteilungen.

Es existieren wenige Aktenstücke aus der Zeit Friedrichs, da meist alles mündlich angewiesen wurde. Zur Bildung der neuen Garde hat sich jedoch ein Brief vom 04.07.1740 erhalten, welcher der Kabinettsrat Eichel an die Geheime Kriegs-Kanzlei in Potsdam schickte:

"Schreiben des Cabinets Rathes von Eichel an die Geheime Kriegs-Kanzelei betreffend Formationen des Regiments Garde, d. d. Nauen den 4. July 1740.

 

Nachdem seine Königliche Majestät nunmehr ein anderes Arrangement mit dem Regiment zu Ruppin gemachet, und solches auf 3 Bataillone gesetzet, dabey auch wegen der Bataillons sowohl als wegen der Compagnien nachstehender Maaßen disponiret haben: Also soll auf Allerhöchsten Befehl die dabey vorgefallenen avancements der Geheimen Kriegs-Kanzelei, notificiren, deroselben aber dabey vermelden, daß noch zur Zeit zwar kein Etat davor gemachet, inzwischen die Patente sonder der geringsten Zeitverlust ausgefertigt und übermorgen früh an Seine Königliche Majestät zur Unterschrift eingesandt werden sollen, als Seine Majestät noch vor der Abreise nach Preußen alles Dieses abgemacht wissen wollen.

Die Avancements so vorläufig melden soll, sind diese:

Beim 1. Bataillon von des Königs-Regiment,

commandiret die Leib-Compagnie der bisherige Premier-Lieutenant von Meyerinck, welcher das Patent als Capitain bekommen, dabey aber noch das Patent als Oberst-Lieutenant von der Armee haben soll.

Die 2. Compagnie von dem 1. Bataillon von des Königs Regiment bekommt der Oberst Prinz Wilhelm, Bruder des Markgraf Carl, bei welcher als Stabs-Capitain von Kanitz kommt, bisheriger Lieutenant vom Potsdamer Regiment.

Die 3. Compagnie bekommt der Major Schulze, vom bisherigen Kronprinzlichen Regiment, mit dem Patent als Oberstlieutenant von der Armee.

Die 4. Compagnie. Der bisherige Stabs-Capitain von Ingersleben vom Potsdamer Regiment, bekommt ein Patent als Oberstlieutenant von der Armee.

Die 5. Compagnie. Der bisherige Lieutenant von dem Potsdamschen Regiment von Fitzgerald als Premier-Capitain, danebst ein Patent als Oberstlieutenant.

Die 4 Oberst-Lieutenants von der Armee haben Seine Majestät in der Rangliste folgendermaaßen placirt:

Meyerick.

Ingersleben.

Fitzgerald.

Schulze.

Die 6. und Grenadier-Compagnie bekommt der bisherige Premier-Lieutenant von Kronprinz, von Kleist, nekommt aber Nichts weiter als das gewöhnliche Prem.-Capita in Patent.

Das 2. Bataillon von des Königs Regiment

commandiret als Obrister, der bisherige Major von dem Potsdamschen Regiment von Bredow, und bekommt die 1. Compagnie, bei welcher der bisherige Grenadier-Unterofficier von dem Potsdamschen Regiment von Bork als Stabs-Capitain stehen soll.

Die 2. Compagnie bekommt der Major von Stach, bisheriger Lieutenant von dem Potsdamer Regiment.

Die 3. Compagnie bekommt der Capitain von Beschwitz, bisheriger Lieutenant von dem Potsdamer Regiment.

Die 4. Compagnie: Capitain von Saldern, Premier-Lieutenant vom Ruppinschen Regiment.

Die 5. Compagnie der Capitain von Bardeleben, bisheriger Grenadier-Lieutenant vom Potsdamschen Regiment.

Die 6. und Grenadier-Compagnie: Der Capitain von Fink, bisheriger Premier-Lieutenant vom Ruppinschen Regiment.

 

Das Grenadier-Bataillon von des Königs-Regiment

commandiret der Obrister von Soeldener, bisheriger Oberst-Lieutenant zu Ruppin und bekommt derselbe die 1. Compagnie, bei welcher als Stabs-Capitain der von Loen vom Ruppinschen Regiment kommt.

Die 2. Compagnie bei diesem Bataillon bekommt der Oberst-Lieutenant von Schwerin, der Blonde genannt, Grenadier-Capitain vom Potsdamer Regiment.

Die 3. Compagnie der Major von Lange, Stabs-Capitain vom Potsdamer Regiment.

Die 4. Compagnie der Capitain von Meseberg, Premier-Lieutenant von dem Ruppinschen Regiment.

Die 5. Compagnie der Capitain von Knobelsdorf, Lieutenant vom Ruppinschen Regiment.

Die 6. Compagnie der Capitain von Rathenow, Lieutenant von dem Ruppinschen Regiment.

   

Die Subalternen werde Morgen notificiren, inzwischen bitte die Anfertigung der Patente zu beschleunigen und bis Seine Majestät solche publiciret haben, allen éclat zu verhindern.

gez. Eichel.

Nauen, den 4.Juli 1740."

Offenbar machte jedoch die Bestimmung der Subalternen größere Schwierigkeiten, denn am 08.08.1740 schrieb Eichel aus Ruppin: "Die Rangliste von des Königs Regiment würde bereits eingesandt haben, wenn nicht täglich darinnen noch geändert und ich daher Solches noch aufzuhalten genöthigt wäre."

Die Uniform der neuen Garde Nr. 15 Friedrichs war sehr reich geschmückt. Getragen wurde ein blauer Rock mit scharlachrotem Kragen, roten Aufschlägen und einem silbernem Achselband. Dazu hellgelbe Unterkleider. Während sein Vater Gelbmetalle bevorzugte, so galt ab Friedrich II. Silber als die höherwertige Farbe in der preußischen Armee. Daher hatte „sein“ Regiment silberne Knöpfe und auch Litzen, diese vom später „altpreußisch“ genannten Typ, der nach hinten hin spitz zuläuft.

Beim I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 hatten die Uniformen der Offiziere vorne herunter je 8 silberne Schleifen, zwei dergleichen auf jeder Tasche, zwei in der Taille und je zwei auf jedem Ärmelaufschlag. Die Hüte waren silbern bestickt und hatten eine "Plümage" (= Straußenfedern). Daneben gab es auch einen einfacheren Interimsrock, bei dem auf jegliche Stickerei verzichtet worden war. Es war ein dunkelblauer Waffenrock mit roten Aufschlägen und rotem Kragen, zwei Reihen zu je 8 silbernen Knöpfen, 2 Taillenknöpfe, einem silbernem Achselband und einem mit silberner Tresse eingefaßten Hut mit Plümage. Die Unteroffiziere des I. Bataillons Leibgarde trugen vorne an jeder Seite 9 geschwungene silberne Schleifen mit Puscheln, zwei dergleichen hinten und zwei auf jedem Aufschlag, zwei Knöpfe auf jeder Tasche, den Kragen mit einer silbernen "Lahntresse" eingefaßt, breite silberne gebogene Hut-Tressen, in den Hüten scharlachrote Federn. Die Gemeinen trugen dagegen 9 silberne Schleifen mit Puscheln von Lahntresse, zwei dergleichen hinten, zwei auf jedem Aufschlag, den Kragen eingefaßt, auf den Hüten eine breite Bogentresse und dazu eine Hut-Kokarde. Die Grenadiercompagnien der ersten beiden Bataillone und das gesamte III. Bataillon  Regiments Garde Nr. 15 trugen schwarze Gamaschen, die übrigen weiße.

Friedrich der Große im Interimsrock des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15, Zeichnung von Adolph Menzel, Menzel: Die Armee Friedrichs des Großen in ihrer Uniformierung.

Auch die Grenadiere der drei Bataillone des Regiment Garde Nr. 15 trugen eine spitze Grenadiermütze. Doch war diese völlig anders wie die des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6. Es hatte einen silberfarbenen Schild, keinen Gardestern, dafür den Preußenadler, der links Donnerkeile und rechts ein Schwert hielt. Das Schild war reich verziert und auch aus einem Stück geprägt. Als Motto führte das Regiment auf dem versilberten Schild der Grenadiermütze über dem Adler den Spruch „PRO GLORIA ET PATRIA“ (≈„für Glorie und Vaterland“). Über dem Motto befand sich eine Krone, unter dem Adler war die Chiffre F.R. für Fredericus Rex. Rund um die Mütze waren ebenfalls versilberte Bleche, darauf hinten und auf jeder Seite je eine Granate mit drei Flammen. Die Grenadiere des I. Bataillon Leibgarde führte diese Mützen mit scharlachroten Beuteln, besetzt mit silberner Tresse, die Püscheln weiß, innen rot. Die Grenadiere des II. Bataillons Regiment Garde Nr. 15 trugen nach der Regimentsgeschichte exakt die gleiche Grenadiermütze wie die Grenadiere des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15. Nach einem Original im Zeughaus, welches leider verschollen ist, hatte jedoch das II. Bataillon weiße Bandlitzen statt der silbernen. Welche Angabe nun stimmt oder ob es im Folgenden Änderungen gegeben hat, ist nicht mehr zu ermitteln. Während bei den ersten beiden Bataillone nur die Grenadiere die Grenadiermütze trugen, trug das gesamte III. Bataillon Regiments Garde Nr. 15 Grenadiermützen. Diese waren wie vor, nur statt des roten war ihr Beutel und der Puschel innen "schwefelgelb" (außen weiß). Nur die Grenadiere des III. Bataillons Regiment Garde Nr. 15 trugen Grenadiermützen mit rotem Beutel und gelbem Püschel (in der Mitte). Dazu beim gesamten III. Bataillon weiße Bandlitzen.

Die Pfeifer der Leib- und Grenadier-Kompagnie, meist "Mohren" (=Schwarzafrikaner), trugen weiße Turbane mit schwarzen Federn und einer Agraffe und um den Hals einen etwa zwei Finger breiten silbernen Ring.

Gemeiner des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 ab 1740, Zeichnung von Adolph Menzel, Menzel: Die Armee Friedrichs des Großen in ihrer Uniformierung.

Die Uniformen des II. und III. Bataillons Regiment Garde waren weniger reich geschmückt. Auf den Röcken der Offiziere befanden sich vorne auf jeder Seite 8 silberne Schleifen mit hängenden Püscheln, zwei auf jeder Tasche, zwei in der Taille, zwei auf jedem Aufschlag und um die Hüte eine breite gebogene silberne Tresse. Sie glich also der Unteroffiziers-Uniform des I. Bataillons Leibgarde, nur ohne Achselband. Die Unteroffiziere und Gemeine unterschieden sich von denen des I. Bataillons Leibgarde durch scharlachrote Rabatten, die bei den Unteroffizieren mit sechs silbernen Tressenschleifen mit Puscheln (je zwei und zwei) besetzt waren, unter welchen rechts zwei silberne Knöpfe saßen. Außerdem hatten sie zwei silberne Knöpfe auf jeder Tasche, zwei Schleifen hinten und zwei auf jedem Aufschlag, den Kragen eingefaßt, um den Hut eine glatte Tresse und eine Hut-Kokarde. Die Rabatten der Gemeinen waren ebenfalls mit sechs silbernen Bandschleifen besetzt, jedoch hatten diese keinen Puschel, die Spitzen nach hinten zulaufend (je zwei und zwei), ebenso saßen zwei desgleichen hinten, zwei mit den Spitzen nach oben auf dem Aufschlag und auf jeder Tasche zwei silberne Knöpfe. Die Hüte der Gemeinen waren ebenfalls mit einer glatten Tresse eingefaßt.

Das Corps der Unrangierten hatte einfache, schmucklose blaue Röcke mit roten Aufschlägen und Kragen und uneingefaßte Hüte. So blieben die Uniformen nun bis 1788.

Über die Troddelfarben der Garde ist wenig bekannt. Die Kompagnien wurden in der Preußischen Armee erst 1808 nummeriert, hier wurden sie noch nach den jeweiligen Chefs, bzw. der Rangliste im Regiment benannt und wenn diese wechselten, wechselte auch die Troddelfarbe. So hatte z. B. Kompagnie des Obristen im Regiment eine bestimmte Farbe, die des 1. Majors, die des 2. Majors, usw. Bei den anderen Regimentern sind diese Farben ab 1802 festgelegt worden. Die drei Bataillone Garde Nr. 15 trugen jedoch die Säbeltroddeln, wie sie sie schon zu Zeiten Friedrich Wilhelms I. getragen hatten und änderten diese auch nicht bis zum Jahre 1806. Hier bestimmten immer noch die Kompagniechefs die Farben. Lediglich die Leibkompagnie mit dem obligatorischen weiß und die Unteroffiziere mit schwarz-weiß waren wie bei den übrigen Regimentern gekennzeichnet. "Ein vollständiges Verzeichnis dieser Kompagniefarben fehlt. Nur einzelne Farben-Zusammenstellungen sind bekannt. Bei zwei Kompagnien der Garde (Nr. 15) kommen namentlich eigentümliche Farben am Troddelkranz vor. Dieser ist rot und weiß oder blau und weiß senkrecht gestreift, während die übrigen Teile der Troddel  - Knopf, Eichel und Fransen - weiß sind." (C. Kling, siehe das Literaturverzeichnis)

Das Erste Bataillon Leibgarde Nr. 15 und das Regiment Garde Nr. 15 erhielten nach 1740 neue Zeltfahnen und neue Trommelüberzüge. Beim Trommelüberzug war das Tuch weiß, Mittelfeld blau, Devisenband blau mit weißer Inschrift "1 tes Bataillon Garde". Das Mittelfeld mit silbernen Lorbeerzweigen umrankt, darüber goldene, durchbrochene Krone mit weißen Steinen auf den Bügeln und goldenem Reichsapfel, keine Mütze, Innenring rot. Im Mittelfeld der goldene Namenszug des Königs FR (Fridericus Rex). Die Zeltfahnen waren identisch gestaltet, nur daß zusätzlich in jeder Ecke je eine dem Mittelfeld zugewandt züngelnde silberne Flamme saß.

Trommelüberzug des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 ab 1740, Zeichnung nach Reichenstein, Bleckwenn, Ruth: Zelt und Lager.

Friedrich erließ am 25.07.1740 eine Cabinettsordre die "Bettgelder" betreffend. Diese waren seit 1721 unverändert geblieben, jetzt wollte der König jedoch neue Betten anschaffen und die alten reparieren und legte daher fest, daß 1740 12.000 Thaler und 1741 12.300 Thaler von den Kur- und Neumärkischen Kreisen an den Magistrat von Potsdam zu zahlen seien. In den Folgejahren sollten je 10.000 Thaler zu zahlen sein.

Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, der Habsburger Karl VI. (01.10.1685 - 20.10.1740), hinterließ bei seinem Tode keinen männlichen Nachfahren. Damit griff die 1713 erlassene "Pragmatische Sanktion", wonach auch eine Frau die Nachfolge Karls an der Spitze des  Deutschen Reiches und Österreichs antreten könne. Zwar war die Pragmatische Sanktion zu Lebzeiten Karls von den meisten europäischen Staaten anerkannt worden, doch nun wurde sie von Kurfürst Karl Albrecht von Bayern (06.08.1697 - 20.01.1745) und von Friedrich II. angefochten, der Schlesien aufgrund des Schwibuser Vertrages von 1537 für sich beanspruchte. Noch  Im Oktober 1740 kam der Marquis Botta als Gesandter von Kaiserin Maria Theresia (13.05.1717 - 29.11.1780), der rechtmäßigen Erbin Karls, an den Potsdamer Hof. Er überbrachte die Nachricht vom Tode Karls und sagte beim Anblick der Preußischen Truppen: "Es ist wahr, Sire, Ihre Truppen sind schön, aber unsere haben vor dem Schuß gestanden!" Friedrich antwortete beleidigt: "Sie finden meine Truppen schön? Bald sollen Sie bekennen, daß sie auch gut sind!"

Erster Schlesischer Krieg (1740-42)

Schon im Dezember 1740 marschierte Preußen mit 28.000 Mann in Schlesien ein. Die neu formierten Garde-Bataillone nahmen zunächst an diesem Feldzug noch nicht teil, da sie mitten im Aufbau begriffen waren. Friedrich  wollte sie jedoch so bald als möglich folgen lassen. Am 03.01.1741 nahmen die Preußen ohne Schwierigkeiten Breslau ein. Während der Erbprinz Maximilian von Dessau mit seinen Truppen Glogau einschloß, rückten Ende Januar Verstärkungen von insgesamt 15 Bataillonen und 31 Eskadronen, dazu zahlreiche Artillerie nach. Darunter auch die drei Bataillone des Regiments Garde Nr. 15. Sie hatten Anfang Januar in Potsdam den Eid auf den König geleistet. Das I. Bataillon Leibgarde trat den Marsch am 16.02.1741 an und marschierte über Köpenick, Frankfurt und Crossen. Erst in der ersten Hälfte des März 1741 folgten die beiden übrigen Bataillone. Die Unrangierten waren unter den Lieutenants von Tettenborn und von Wallosowski in Ruppin geblieben, kamen jedoch später nach Nauen.

Das Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 gehörte zur Armee des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau, welche in der Stärke von 20 Bataillonen und 25 Eskadronen am 02.04.1741 im Lager von Göttin gegen die Sachsen und Hannoveraner zusammengezogen wurde. Die Flügelgrenadier-Kompagnie des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 wurde mit zwei Kompagnien des Regiments Jung-Bork Nr. 29 zusammengelegt zu einem Grenadier-Bataillon unter dem Befehl von Major von Itzenplitz und von Jung-Bork.

Am 06.04.1741 traf das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 bei der Armee des Königs in Friedland ein. Die Schlacht stand kurz bevor und so zog der König alle verfügbaren Truppen zusammen. Die Belagerungsarmee von Glogau war ebenfalls mit der Hauptarmee vereinigt. Das II. und III. Bataillon Regiments Garde standen derweil bei dem Korps des Herzogs von Holstein bei Frankenstein. Dabei befand sich auch das Grenadier-Bataillon Wedel, welches aus den zwei Flügelgrenadier-Kompagnien beider Garde-Bataillone und zweien des Regiments Derschau bestand und von Major der Armee und Premier-Lieutenant des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 Georg Vivizenz von Wedel befehligt wurde. Die Österreicher begannen nun ihre Operationen mit einer Offensive gegen die Neiße und einem Scheinangriff auf Jägerndorf, wo Friedrich die Truppen des Grafen Schwerin versammelte. Der Herzog von Holstein wurde mit seinen Truppen nach Ottmachau dirigiert. Der König wollte nun die Neiße überschreiten, doch die Österreicher waren schon zu weit vorgedrungen. Daher wählte er weiter unterhalb bei Michelau einen neuen Platz zum übersetzen. Am 08.04.1741 traf der König mit seiner Armee dort ein. Die Österreicher unter Neipperg erreichten an diesem Tage Grottkau. Er war damit gefährlich nahe an Ohlau herangerückt, wo sich die großen preußischen Magazine befanden. Daher entschloß sich Friedrich nun zum Angriff. Die durch die langen Märsche durch Schnee und Nässe erschöpften Truppen nötigten ihn jedoch, den Angriff zunächst auf den 10.04.1741 zu verschieben. Die Österreicher waren am 09.04. nach Mollwitz marschiert und hatten dort Quartiere bezogen. Am Abend des 09.04.1741 gab der König folgende Disposition zur Schlacht:

"Es wird nichts Anderes chargirt als Pelotonweise, und die Officiere müssen ihre Leute so commandiren, als auf dem Exercierplatz. Der Mann hat 30 Patronen. Die Pelotons sollen ruhig im Anschlag liegen, die Mündung wie gewöhnlich gesenkt. Die Commandeurs der Bataillons seind zu Fuß vor denen Bataillons, die Majors auch. Die Adjutanten zu Pferde dahinter. Bei denen Fahnen sollen die letzten 3 Rotten nicht schießen, Alle Bataillons werden in 8 Pelotons formiert. Ehe die Attaque angehet, muß das Gewehr visitiret und frisch Zündkraut aufgestreuet werden."[2]

Karte der Schlacht von Mollwitz am 10.04.1741, Archiv Seitenautor.

Am 10.04.1741 versammelte der König die ganze preußische Armee vor den Dörfern Pogarell und Alzenau und marschierte in vier Kolonnen gegen den Feind an. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 gehörte mit 12 anderen Bataillonen zur zweiten Kolonne. An den Flügeln der Kolonnen befand sich Kavallerie, zwischen dieser einige Grenadier-Bataillone verteilt. Die Infanterie hatte das Gepäck im Lager gelassen um schneller marschieren zu können. Die zweite Kolonne marschierte rechts der Straße nach Ohlau. Als das Dorf Pogarell passiert war, wurde links Aufmarschiert und die ganze Armee in zwei Treffen geordnet. Das I. Bataillon Leibgarde stand nun im 1. Treffen, rechter Flügel, welches von General-Major von Kleist und von Feldmarschall Graf Schwerin geführt wurde. Den rechten Flügel kommandierte General-Lieutenant von der Marwitz. Die Infanterie stand nun rechts an einem kleinen Gehölz nahe bei Hermsdorf und links bei einem sumpfigen Bach, das Dorf Pambitz-Neudorf im Rücken. Der feindliche Artilleriebeschuß setzte schon beim Aufmarsch ein, die Kavallerie bildete ebenfalls zwei Treffen bei einem kleinen Bach, das Dorf Mollwitz im Rücken. Gegen 14:00 Uhr marschierte die preußische Armee langsamen Schrittes vorwärts, das Gewehr geschultert, die Artillerie vor der Front. Die Österreicher griffen nun mit ihren überlegenen Reiter-Regimentern den preußischen rechten Flügel an und warfen die preußische Kavallerie. Die siegreichen Österreicher verfolgten die Preußen bis in die Linien der Infanterie hinein, wurden dort aber vom massierten Feuer der Bataillone Bolstern und Winterfeld abgewiesen. Der König ritt unterdessen auf Anraten seiner Generale nach Oppeln, weil man die Schlacht für verloren hielt. Während des Reitergefechts war auch die feindliche Infanterie auf Schußweite herangekommen. Nun zeigte sich, daß die gestrenge Schule Friedrich Wilhelms I. nicht umsonst war, denn die preußische Infanterie feuerte im Schnellfeuer wie auf dem Exerzierplatz. Sie rückte langsam und geordnet vor und hatte sich nach fünf Stunden fast verschossen, als Schwerin befahl, daß die gesamte preußische Armee nun avancieren möge. Er zwang damit Neipperg zum Rückzug. Damit war die Schlacht entschieden und Preußen hatte seinen ersten Sieg in diesem Kriege davongetragen.

Der Sieg in der Schlacht von Mollwitz am 10.04.1741 war teuer erkauft, die Preußen hatten 190 Offiziere und 4.659 Mann verloren. Die Österreicher verloren 223 Offiziere und 4.328 Mann, dazu 17 Feldzeichen und 8 Geschütze. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 hatte am rechten Flügel starke Verluste hinnehmen müssen. Es waren 6 Offiziere, 6 Unteroffiziere, 3 Spielleute und 40 Gemeine gefallen. Dazu kamen 10 Offiziere, 16 Unteroffiziere, 5 Spielleute und 293 Gemeine an Verwundeten. Die Stärke betrug noch 25 Offiziere, 59 Unteroffiziere, 21 Spielleute und 690 Gemeine. Der Chef der 5. Kompagnie, Capitain von Fitzgerald war gefallen, dafür übernahm Premier-Lieutenant von Düring das Kommando. Am 12.04.1741 bewilligte der König als Dank jedem Unteroffizier und Gemeinen seines Leibbataillons, welche an der Schlacht von Mollwitz teilgenommen hatten, zeitlebens eine monatliche Zulage von einem Thaler.

Dem König lag sehr daran, daß sein Leibbataillon schnell wieder aufgefüllt wurde. Daher schickte er 7 Offiziere als Werber los, jedem von ihnen gab er 1.000 Thaler als Werbegeld mit. In seinem Schreiben an den Fürsten Leopold vom 23.07.1741 hieß es:

"Es müssen gedachte Officiere in das Reich, sonderlich aber in der Gegend von dem Darmstaedtschen und wo sonst ein guter Schlag von Leuten ist, gehen, dabei aber wohl instruirt werden, keine kranke, alte schwindsüchtige oder andere Leute, so mit Beinschäden behaftet sind, anzunehmen, sondern lauter Kerls, die jung, gesund und von guten Gliedmaaßen sind. Jeder von solchen Kerls muß nicht unter 9 Zoll groß, wohl aber größer sein, und muß keiner von ihnen nicht mehr als höchstens 300 Thaler kosten."

Außerdem wurden die hübschesten von den im März bei Glogau gefangenen Österreichern ausgesucht und nach Nauen zu den Unrangierten geschickt. Einige Wochen nach der Schlacht stieß aus Nauen Lieutenant Wallowski mit 40 Unrangierten als Ersatz zur Armee nach Schlesien.

Am 11.04.1741 vereinigte sich das Korps des Herzogs von Holstein mit der Armee des Königs, damit waren alle drei Bataillone des Regiments Garde Nr. 15 und die Flügelgrenadiere des Bataillons Wedel wieder vereinigt. Drei Wochen stand die Armee nun in Mollwitz und belagerte Brieg, welches schon nach 6 Tagen kapitulierte. Die Zeit wurde außerdem genutzt, um die Kavallerie einzuüben, die bei der Schlacht von Mollwitz so sehr versagt hatte. Die Österreicher unter Neipperg standen zunächst im Lager bei Grottkau, am 01.05.1741 dann im Lager bei Neiße. Am 28.05.1741 marschierten die Preußen in 7 Kolonnen nach Grottkau, wo sie ein Lager bezogen. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 ging nach Schweidnitz, wo große Magazine waren und erreichte am 17.08.1741 Breslau. Am 09.06. erreichte der König das Lager von Friedewalde, bei seinen Truppen das II./III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 und das Grenadier-Bataillon Wedel. Am 21.06.1741 wurde die Ohlau überschritten und ein Lager bei Strehlen bezogen, wo die Armee bis zum 20.08. blieb. Am 21.08. zogen die Preußen nach Reichenbach, die Österreicher nach Frankenstein.

Am 08.09.1741 wurde das Lager von Göttin aufgrund des Ausbruchs von Krankheiten aufgelöst und nach Grüningen, südwestlich von Brandenburg verlegt. Dabei befand sich auch das Grenadiergarde Bataillon von Einsiedel Nr. 6.

Am 09.09. stand die preußische Armee bei Münsterberg. Ende September 1741 standen sich die feindlichen Heere bei Groß Neudorf, nur durch die Neiße getrennt, gegenüber. Am 26.09. überschritt Friedrich mit seiner Armee die Neiße, jedoch kam es zu keiner Schlacht, nur Oppeln wurde genommen. Die Besatzung von Oppeln war vorher schon nach Krappitz geflohen. Am 06.10.1741 wurde das Bataillon Wedel, verstärkt durch 2 weitere Grenadier-Kompagnien und eine Husaren-Abteilung, nach Krappitz befohlen um dieses zu nehmen und ein Magazin anzulegen was auch gelang. Neiße wurde belagert vom Korps des Erbprinzen Leopold, bei dem sich auch das II./III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 befand.

Am 02.10.1741 befahl der König den Truppen im Lager von Grüningen in die Winterquartiere abzurücken. Das Grenadiergarde Bataillon von Einsiedel Nr. 6 rückte nach Potsdam ab. Die Flügelgrenadier-Kompagnie stieß wieder zum Bataillon Einsiedel zurück.

Am 22.10.1741 marschierte Leopold mit seinen Truppen ab, die Belagerungstruppen wurden nun befehligt von Prinz Dietrich. Die Belagerung zog sich hin bis zum 01.11.1741 und am 02.11. wurden endlich Winterquartiere bezogen. Die drei Bataillone des Regiments Garde Nr. 15 gingen nach Schweidnitz, das Bataillon Wedel wurde aufgelöst und die Garde-Flügelgrenadiere kehrten zu ihrem Regiment zurück. Die Flügelgrenadier-Kompagnie des I. Bataillons Leibgarde ging jedoch mit dem König nach Berlin zurück. Der Rest des Bataillons Leibgarde marschierte am 22.10.1741 nach Potsdam zurück und traf erst am 09.04.1742 wieder in Schweidnitz ein[3].

Am Frühjahrsfeldzug 1742 nahm die Garde nicht teil, sie blieb in ihren Winterquartieren.

Am 12.02.1742 war Karl Albrecht von Bayern in Frankfurt zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekrönt worden. Damit konnte Maria Theresia nicht wie geplant ihren Mann Franz Stephan von Lothringen (08.12.1708 - 08.08.1765) zum Deutschen Kaiser machen.

Erst am 19.04.1742 trafen das II./III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 im Hauptquartier in Chrudim ein. Die Flügelgrenadier-Kompagnien waren nicht detachiert. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 blieb in Schweidnitz. Anfang 1742 wurde aus der Flügelgrenadier-Kompagnie des Bataillons Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 und dem Grenadier-Bataillon von Pfuhl, bestehend aus zwei Kompagnien des Regiments Gröben, ein neues Grenadier-Bataillon gebildet. Dieses Grenadier-Bataillon Pfuhl traf am 28.04. im Lager bei Chrudim ein. Das Lager blieb bis zum 11.05.1742 bestehen, obwohl der Feind inzwischen bedrohlich Nahe gerückt war. Am 13.05. sah der König den Feind in schönster Ordnung heranrücken. Am 15.05.1742 gingen Nachrichten ein, der Feind marschiere nach Prag ab, welche den König veranlaßten ein starkes Aufklärungsunternehmen zu starten. Er brach daher mit 10 Bataillonen (davon 2 der Garde) und 20 Schwadronen auf. Der König ging bis auf die Höhen von Podhorzan und bezog hier ein Lager. Noch am Abend des 15.05. ritt der König aus dem Lager und fand die Österreicher 1½ Meilen von dort entfernt lagern. Von einem Überläufer wurde ihm die Stärke des Gegners mit 10 Regimentern Infanterie, 13 Regimentern Kavallerie und 7 Regimentern Husaren und Kroaten angegeben. Am nächsten Morgen war das feindliche Lager jedoch leer. Der König marschierte mit seiner Avantgarde nach Kuttenberg und gab dem Erbprinzen von Dessau Befehl, nach Czaslau zu folgen. Währenddessen marschierte der Feind unter Prinz Carl von Lothringen nach Ronnow, wo er ein Lager aufschlug. Mit seinen leichten Truppen unterbrach er nun die Verbindung zwischen dem König und dem Erbprinzen. Dieser versuchte unter schwierigen Verhältnissen in sumpfigem Gelände seinen Marsch auf Czaslau fortzusetzen, vertrieb auch einige Husaren jenseits des Dobrawa-Bachs, erfuhr dann jedoch, daß Czaslau zu stark besetzt sei. Er schlug daher gegen 23:00 Uhr  das Lager etwa eine halbe Meile vom König entfernt auf. Der rechte Flügel stand am Czikowitzer See, der linke an der Dobrawa, das Dorf Chotusitz vor der Front. Mit dem Anbruch des 17.05.1742 rückte der Gegner auf die Stellungen des Erbprinzen zu. Der rechte Flügel seiner Kavallerie lehnte an dem See, die Infanterie links daneben. Der linke Flügel des 1. Treffens stand jenseits Chotusitz bis zum Thiergarten. Gegen 08:00 Uhr traf der König ein, als gerade die ersten Kanonenschüsse fielen und bildete mit seiner Avantgarde das 2. Treffen. Die Schlacht begann mit dem Zurückwerfen der österreichischen Kavallerie durch den linken Flügel. Gegen 10:00 Uhr rückte die feindliche Infanterie vor, nachdem die preußische Kavallerie des rechten Flügels geworfen worden war. Sie rückte in Chotusitz ein und steckte das Dorf in Brand. Der Gegenangriff der preußischen Infanterie warf die Österreicher in Unordnung zurück. Im gleichen Moment traf die zurückweichenden Österreicher der rechte Flügel, mit dem der König unterdessen avanciert und eine Linksschwenkung durchgeführt hatte. Die feindliche Infanterie, von ihrer Kavallerie verlassen, wich nun vollends zurück. Prinz Carl von Lothringen sammelte die zurückflutenden Truppen hinter Czaslau und ging auf Willimow zurück, verfolgt von der Kavallerie und allen Grenadier-Bataillonen der Preußen.

Das II./III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 und das Grenadiergarde Bataillon von Einsiedel Nr. 6 hatten zwar keinen Schuß abgefeuert während der Schlacht, der Capitain Knobelsdorf vom III. Bataillon Garde war jedoch gefallen und ein Gemeiner verwundet.

Der König bezog nun bei Czaslau ein Lager, die Österreicher bleiben ganz in der Nähe bei Haber stehen. Der Gegner war jedoch entmutigt und täglich kamen Überläufer zu den Preußen. Am 01.06.1742 bezog Friedrich ein Lager bei Malleschau. Am 11.06.1742 endete der erste Schlesische Krieg mit dem Frieden zu Breslau. Preußen bekam dabei das Herzogtum Ober- und Nieder-Schlesien und die Grafschaft Glaz zugesprochen.

In drei Kolonnen zog die Armee am 25.06.1742 aus Böhmen ab. Die Garde unter dem Premier-Lieutenant von Jeetz über Collin, Braunau, Schweidnitz und Breslau. Am 11.07. waren die drei Bataillone Garde Nr. 15 in Frankfurt an der Oder und marschierten von dort weiter nach Potsdam.

Als Reaktion auf die Kaiserkrönung Karls VII. besetzten die Österreicher ganz Bayern am 27.06.1742.

Im Juni 1742 nahm der Oberst von Soeldener vom III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 seine Demission. Sein Nachfolger wurde Oberst Graf Schwerin.

Nach dem ersten Schlesischen Krieg wurde für das Regiment Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 Potsdam alleinige Garnison. Dies sollte nun während der weiteren Geschichte der Garde bis 1918 so bleiben.

Das Canton-Regelement vom 16.08.1743 regelte den Ersatz der Armee. Die Garde hatte nun keinen festen Canton (=Rekrutierungsbezirk) mehr, sondern "alle Regimenter gaben im Winter jedes Jahres 3 Mann ihrer schönsten Leute, welche nicht zu alt sein und nicht unter 8 Zoll messen durften, an die Garde ab." (aus der Regimentsgeschichte) Nur die 6 Schlesischen Gebirgskreise hatten jährlich 60 Rekruten für die Garde und das Regiment Prinz Heinrich Nr. 35 zu stellen, waren aber ansonsten von allen anderen Werbungen befreit. Die von den anderen Regimentern abgegebenen Rekruten wurden vom König der Größe nach bezahlt: 8 Zoll = 80 Thaler, 9 Zoll = 100 Thaler, 10 Zoll = 200 Thaler, 11 Zoll 250 Thaler, größer 11 Zoll = 300 Thaler. Den alten Canton des Regiments Kronprinz Nr. 15 bekam das Regiment Prinz Ferdinand Nr. 34. Die überzähligen und neu eingestellten Mannschaften bildeten die "Unrangierten".

Allgemein ist zu bemerken, daß neben den Deutschen auch viele geworbene Ausländer in der preußischen Armee dienten. Besonders die Italiener liebte der König wegen ihrer Kunstfertigkeit. Daher war eine hohe Disziplin unausweichlich um die Soldaten zusammen zu halten. Diese Disziplin war streng, jedoch nicht grausam, schließlich hatte die Ausbildung der Männer Geld gekostet und so konnte man sie mit unsinnig harten Strafen nicht einfach wieder verlieren. Das war der feine Unterschied zu den anderen Armeen Europas, bei denen teilweise wesentlich härtere Disziplinarmaßnahmen durchgeführt wurden als in Preußen. Auch wurden viele Todesurteile vom König insgeheim in Festungsstrafen abgemildert. Besonders die Unteroffiziere wurden vom König mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht. Sie wurden allgemein mit "Sie" angeredet und waren das Rückgrat der Preußischen Armee. Ohne die gestrengen Unteroffiziere wäre die Disziplin schnell zusammengebrochen. Die besondere Unteroffiziers-Troddel an der Seitenwaffe in den Landesfarben schwarz-weiß zeichnete die Unteroffiziere als "Soldaten des Königs" bis 1918 aus. Nach der aktiven Dienstzeit wurden die Unteroffiziere meist ebenso strenge Beamte oder Lehrer.

Nach dem ersten Schlesischen Krieg widmete sich der König vor allem der Ausbildung seiner Soldaten. Zwar hatten sie Schlesien erfolgreich erobert und gehalten, doch war ihm klar, daß es neuerlich Krieg um diese reiche Provinz geben mußte, da Österreich sich nicht so leicht geschlagen gab. Am 03.09.1743 wurde in der Gegend des Ruinenberges in Potsdam ein großes Manöver abgehalten, an dem neben dem Regiment Garde Nr. 15 und dem Grenadiergarde-Bataillon Nr. 6 nur noch das Grenadier-Bataillon Kahlen teilnahm. Der König exerzierte auch fast täglich seine Garde und führte stetig Verbesserungen ein.

Im Jahre 1743 wurde der Etat der Grenadier-Kompagnien erhöht, sodaß sie nun die gleiche Stärke wie die anderen Kompagnien hatten. Im gleichen Jahr ernannte der König eine Kommission aus Offizieren der Garde und Mitgliedern des Magistrats von Potsdam, welche die Rechnungen für die "Bettgelder" aufnehmen sollte. Die Gelder sollten fortan nicht mehr an den Magistrat, sondern an die "Extraordinarienkasse" gezahlt werden, welche davon die Betten für die Garde kaufen und pflegen sollte. Im folgenden Jahr erließ dann der König jährlich 2.000 Thaler von der zu zahlenden Summe. Die Summe der Gelder wurde wie folgt verteilt:

I. Bataillon Garde Nr. 15 incl. Lazarett                                      912 Thaler, 9 Silbergroschen

Corps der Un- und Ausrangierten                                              513 Tahler

Regiment Garde Nr. 15                                                            1.943 Thaler, 18 Silbergroschen

Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 incl. Lazarett        1.243 Thaler, 5 Silbergroschen

Die übrigen Gelder wurden für Verwaltung und die anderen in Potsdam stehenden Truppen zu verhältnismäßigen Raten verwandt. Die "Bettgelder" wurden die Kompagniechefs ausgezahlt, welche dafür die Betten in Stand halten mußten. Diese Summen änderten sich nun bis 1793 nicht wesentlich. Jedes Bett war "zweischläfrig" und kostete 36 Thlr. und 7 Sgr.

Der Magistrat der Stadt Potsdam hatte außerdem 1.164 Thaler für Wachen und Lazarette zu zahlen und an "Servis" für die Offiziere:

I. Bataillon Garde Nr. 15                                      912 Thaler

Corps der Unrangierten                                        72 Tahler

Regiment Garde Nr. 15                                       1.800 Thaler

Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6         912 Thaler

Am 23.10.1743 wurde Obrist von Schwerin, Kommandeur des III. Bataillons, auch Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15. Er löste damit Obrist von Bredow in dieser Position ab. Ebenfalls 1743 wurde Obrist Wolf Friedrich von Retzow Kommandeur des Bataillons Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 und löste damit Obrist von Saldern ab.

Zweiter Schlesischer Krieg (1744-45)

Am 05.06.1744 schloß sich Preußen an die im Nymphenburger Vertrag von 1741 verbündeten Staaten Bayern, Frankreich, Spanien, Schweden, Kurköln, Kurpfalz, Sachsen, Neapel an um den Thronanspruch von Kaiser Karl VII. Albrecht von Bayern auf den deutschen Kaiserthron zu unterstützen. Maria Theresia hatte sich zwischenzeitlich mit Groß-Britannien und Piemont-Sardinien verbündet und ganz Bayern besetzt. Preuß0en war damit mit Frankreich verbündet, mit dem es so oft im Krieg gestanden hatte. Frankreich erwies sich jedoch als nicht sehr zuverlässiger Bündnispartner.

Die Preußen marschierten im August 1744 mit 80.000 Mann in Böhmen ein. Das I. Bataillon Leibgarde blieb in Potsdam., die anderen Garde-Bataillone bekamen am 12.08.1744 den Befehl aufzubrechen. Die Armee marschierte in 4 Kolonnen in Böhmen ein, zur ersten Kolonne, welche vom König und General-Lieutenant von Kalckstein geführt wurde, gehörte das Regiment Garde Nr. 15 und das Grenadiergarde-Bataillon von Einsiedel Nr. 6. Diese Kolonne bestand aus 18 Bataillonen und 86 Eskadronen und marschierte durch den Weißeschen Landkreis, dann über die Elbe mittels einer Pontonbrücke bei Pirna und rückte am 24.08.1744 in das Lager bei Peterswalde in Böhmen. Am 23.08.1744 waren im Lager von Grießhübel die Grenadier-Bataillone gebildet worden.  Das Grenadier-Bataillon von Wedel (Oberstlieutenant der Armee und Hauptmann des I. Bataillons Leibgarde) wurde gebildet aus den beiden Grenadierkompagnien der Bataillone Garde Nr. 15 und denen des Regiments Prinz von Preußen. Das Grenadier-Bataillon von Buddenbrock aus der Grenadiekompagnie des Bataillons Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 und drei Grenadierkompagnien des Regiments Anhalt. Diese Grenadier-Bataillone bildeten die Infanterie der Avantgarde der Kolonne des Königs und sollten stets einen Tag voraus marschieren und die Bäckerei und Fourage besorgen. Am 25.08. hatte die Armee einen Ruhetag, am 26. rückte sie in das Lager an der Bila, am 27. in das Lager von Lowositz. In Leitmeritz hatten die Preußen ein großes Weinlager ausgehoben. Am 28.08.1744 war daher wieder ein Ruhetag. Am 29. marschierten die Preußen in das Lager von Budin, am 30. und 31.08.1744 war wieder Ruhetag. Graf Schwerin marschierte derweil mit 30.000 Mann ebenfalls in Böhmen ein und besetzte Pardubitz und Königgrätz. Am 01.09. marschierte der König mit seinem Korps in das Lager bei Welwarn, am 02.09. erreichte das Korps auf dem linken Moldauufer Prag. Gleichzeitig erschienen die beiden anderen Kolonnen unter Erbprinzen Leopold und dem Grafen Schwerin auf dem rechten Ufer vor der Festung. Außerdem stand in Oberschlesien ein 22.000 Mann starkes Korps unter dem Generallieutenant von der Marwitz. Die Kolonne des Königs lagerte bei Klein-Bubna und schloß damit Prag vom linken Moldauufer her ein. Eine Abteilung von 86 Mann des I. Bataillons Leibgarde bildete eine Spezialbedeckung des Königs vor Prag.

Patrontaschen Gemeiner und Flügelgrenadier des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 ab 1740, Zeichnung nach Bleckwenn, Bleckwenn, Hans: Die friderizianischen Uniformen.

Am 08.09.1744 traf endlich das große Belagerungsgeschütz ein und am 09. wurden die Laufgräben eröffnet. Am 12.09. waren die Batterien feuerbereit. Am 16.09.1744 ergab sich die Festung, ohne daß die Garde auch nur ein Gefecht durchgeführt hätte. Lediglich Markgraf Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Schwedt, Oberst und Kommandeur des I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 war durch Kanonenbeschuß am 12.09.1744 beim Sturm auf den Ziska-Berg in den Gräben gefallen. Seinen Posten als Bataillonskommandeur übernahm Oberst von Meyerinck. Das Neue- und das Karls-Tor wurden von einer Kompagnie des II. Bataillons Regiment Garde Nr. 15 besetzt. Der König wandte sich nun südlich über Budweis nach Thein. Bei Prag blieb Generallieutenant von Einsiedel mit 5.000 Mann zurück.

Originale Patrontasche des Museums Burg Forchtenstein eines Flügelgrenadiers des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 ab 1740, Archiv Seitenautor.

Am 19.09. erreichte der König das Lager von Kundralitz erreicht, wo noch einmal Kriegsrat gehalten wurde. Am 21.09. marschierte die Avantgarde unter General von Nassau nach Tabor, die Armee des Königs in 3 Kolonnen nach Porgitz. Am 28.09. erreichte die Armee Tabor, wo sie bis zum 01.10.1744 verblieb, während General Nassau am 30.09. Budweis nahm. Am 02.10. stand die Armee im Lager von Thein, am 04. bekam der König die Nachricht, daß die Österreicher im Anmarsch seien. 8 Grenadier-Bataillone, darunter auch Wedel und Buddenbrock, wurden daher am 07.10. auf Tabor detachiert. Die fehlende Verbindung mit Prag und den spürbaren Mangel an Lebensmitteln nötigten den König nun umzukehren. Dies auch im Hinblick darauf, daß die verbündeten Franzosen in Freiburg halt gemacht hatten und daher Hilfe von ihnen nicht zu erwarten war. Am 08.10.1744 ging die Armee über die Moldau zurück. Hunger, Krankheit und Desertionen schwächten die Preußen, denen Prinz Karl von Lothringen langsam folgte. Am 09.10. erreichte der König das Lager von Bechin, am 10. war Ruhe, am 12. wurde Tabor erreicht. Am 13.10.1744 wollte der König angreifen, er hatte sogar schon die Dispositionen hierfür herausgegeben und wollte hier zum ersten mal die später berühmt gewordene "schiefe Schlachtordnung" anwenden. Es kam jedoch abermals nicht zur Schlacht und so ging die Armee über Weiritz, Aurach, Popolwitz am 18. in das Lager bei Konopitsch., wo sie bis zum 26. stehen blieb. Der Hunger und die Desertationen wurden auch hier immer größer, sodaß sich der König entschloß, am 24.10. anzugreifen. Spät abends marschierte er daher mit 8 Kolonnen gegen den Feind. In eisiger Kälte wurde bei in zwei Treffen bei Korschitz biwakiert. Am Horizont leuchteten viele Tausend Lagerfeuer der Österreicher. Am nächsten Morgen erkundete er das Terrain und mußte erkennen, daß ein Angriff auf den überlegenen Gegner einem Selbstmord gleichkam. So zog er widerstrebend in das alte Lager bei Konopitsch ab. Am 26.10. ging er mit seiner Armee über die Sassawa nach Pischelli, General von Nassau nach Kuttenberg. Es wurden "Brandhütten" gebaut um dem Feind ein größeres Lager vorzutäuschen. Am 31.10.1744 zog Prinz Leopold seinen rechten Flügel näher an Prag heran, der König seinen linken seitwärts nach Kolin in das Lager bei Charin-Chostelitz. Am 01.11. marschierte die Armee des Königs in die Cantonnierungsquartiere bei Böhmisch-Brodt. Dort war das Hauptquartier, die Garde und die Artillerie untergebracht. Am 03.11.1744 ging die Armee nach Planian, am 04. in das Lager von Groß-Ebell. Bis zum 08.11. kam es zu mehreren Vorpostengefechten, dann ging die Armee in die Ebene um Kolin um am darauf folgenden Tag über die Elbe setzen zu können. Die Bagage ging noch am 08.11. über eine Pontonbrücke, da es zu einer Schlacht zu kommen schien.

Am 12.10.1744 ernannte der König Herzog Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel zum Kommandeur des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 für den Obristen von Meyerinck, welcher Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15 werden sollte. Der Prinz blieb jedoch für die Dauer des Krieges noch auf seinem Posten als Brigade-Kommandeur. Daher bleib auch Meyerinck zunächst auf seinem Posten.

Am 09.11.1744 wurde dann die Elbe zwischen Kolin und Pardubitz passiert, danach die Brücken abgebrochen und eine verschanzte Stellung bezogen. Den Übergang deckte das Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 zusammen mit den Grenadier-Bataillonen Kalkstein und Polentz. Als der Feind begann, die Pontonbrücke mit Artillerie einzudecken, bekamen diese Grenadiere Befehl, in voller Schlachtformation stehen zu bleiben und abzuwarten, wo der Feind nachrücken würde. Dieser versuchte aber erst am 10.11. über die Elbe bei Steinitz zu setzen. Dann versuchte Prinz Carl von Lothringen erneut am 15.11.1744 bei Przelaucz den Übergang, was jedoch mißlang, da die Ponton-Brücken bis dahin nicht fertig wurden. In Wien legte man jedoch großen Wert darauf, daß die Preußen in Böhmen, also Habsburger-Land, keine Winterquartiere nehmen sollten. Daher wurde für den 19.11. erneut der Übergang anberaumt. 17 Grenadier-Kompagnien, 2.000 Füsiliere, 48 Geschütze und 1.000 Mann Kavallerie unter dem General Schulenburg rückten am 18.11.1744 abends nach Telczitz. Auf der anderen Seite der Elbe standen 300 Husaren und dahinter in Selmitz das Grenadier-Bataillon Wedel, im Gestüt in Kladruby das Grenadier-Bataillon Buddenbrock. Um 05:00 Uhr schifften sich die Österreicher und Sachsen im Schutze ihrer Artillerie ein und besetzten den unmittelbaren Randstreifen der Elbe. Auch österreichische Husaren überschritten den Fluß, diese jedoch in einer Furt. Die preußischem Posten am Ufer wurden zurückgeworfen und die Husaren benachrichtigen Wedel in Selmitz. Dieser rückte mit seinem Grenadier-Bataillon so schnell es ging in das Dorf Sulowitz, wo er den vielfach überlegenen Gegner aufzuhalten versuchte. Um 05:30 Uhr stieß das in Kladruby legende Bataillon Buddenbrock dazu. Alle Boten an den König wurden abgefangen, so mußten sie sich schließlich nach Wiesengowitz zurückziehen, wo sich auch inzwischen die restliche Armee versammelt hatte. Die Grenadier-Bataillone Wedel und Buddenbrock haben mit diesem volle vier Stunden andauernden Widerstand dem König die Zeit verschafft, die er zur Alarmierung benötigte.

Der Verlust des Bataillons Wedel betrug 2 Offiziere, 184 Grenadiere und ein Geschütz. Vom Regiment Garde Nr. 15 war der Premier-Lieutenant von Netzel gefallen. Der Verlust beim Grenadier-Bataillon Buddenbrock betrug 20 Mann.

 Am 21.11.1744 bekam General von Einsiedel den Befehl die Werke Wischerad und St. Lorenzberg im Festungsring von Prag zu sprengen, die vorhandenen Gewehre in die Elbe werfen zu lassen und die schwere Artillerie zu vernichten. Einsiedel verzögerte jedoch die Ausführung der Befehle, der Kurier, der den König davon in Kenntnis setzen sollte, wurde abgefangen. Er bereitete jedoch alles wie befohlen vor, die Ingenieure standen bereit.

Am 23.11.1744 stand die Armee des Königs in und um Königgrätz, das Regiment Garde Nr. 15 lag dabei in der Stadt, das Bataillon Einsiedel Nr. 6 in Ploistre. Bis zum 26.11. wurde alles Verwertbare aus dem Landstrich gezogen und die Kranken und Verwundeten nach Schlesien gebracht.

Am 25.11. bemerkte Einsiedel, daß es höchste Zeit war, die Stadt zu verlassen und so raffte er schnellstens seine 11 Bataillone und das Dragoner-Regiment zusammen. Er versuchte auch möglichst viele Pferde aufzutreiben um 42 österreichische Feldgeschütze mitnehmen zu können. Abends verkündete er, er werde am nächsten Morgen, dem 26.11.1744 die Stadt verlassen. Die Sprengungen mißlangen größtenteils. Der Abzug wurde zudem von leichten österreichischen Truppen belästigt, der große Troß von ca. 2.000 Wagen tat sein Übriges, um den Abzug zu erschweren. Einsiedel marschierte nun Richtung Leitmeritz.

Am 26.11.1744 marschierte die preußische Haupt-Armee in Richtung Schlesien über Nachod ab. Die Abteilung des I. Bataillons Leibgarde war wieder an der Seite des Königs. Die Nachhut bildeten 9 Bataillone unter Generallieutenant Graf Truchseß und Generalmajor Prinz von Braunschweig-Bevern. Mit dabei das Grenadiergarde Bataillon von Einsiedel Nr. 6 und die Grenadier-Bataillone Wedel und Buddenbrock. Der Prinz postierte am 26. abends auf der größten Elbbrücke 12 pfündige Kanonen. Am 27.11.1744 passierten morgens alle Truppen diese Brücke aus Königgrätz heraus, dann ließ der Prinz alle 3 Brücken abreißen. Man war noch bei der Arbeit, als der Gegner schon angriff. Die Preußen zogen sich auf Jaromircz auf dem linken Elbufer zurück. Kurz vor Erreichen dieses Ortes griffen am Nachmittag plötzlich einige Tausend Panduren aus einem Gehölz heraus an. General Truchseß ließ nun das Ganze anhalten. Bis auf das Grenadiergarde-Bataillon von Einsiedel Nr. 6 hatten alle Truppen schon das Flüßchen Metau überschritten. Das Bataillon Einsiedel wurde sofort auf einer Höhe postiert, um das angegriffene Regiment Markgraf zu unterstützen. Truchseß befahl jedoch nun allen übrigen Truppen, ebenfalls die Metau zu überschreiten und bildete jenseits des Flusses ein großes Karree. Das Regiment Karl blieb beim Rückzug über die Metau an einer Brücke liegen, während der Gegner durch den Fluß watete und die jenseitigen Häuser besetzte, von wo aus er das Karree mit Infanterie und Artillerie beschoß. Die Preußen erwiderten das Feuer und chargierten mit Pelotons. Daraufhin zog der Gegner aus den Häusern ab. Truchseß ließ daraufhin das Karree zurückgehen. Das wiederum bemerkten die Österreicher und griffen erneut an und sorgten für große Verluste bei den Preußen. Die Bataillone Einsiedel und Anhalt-Zerbst machten sofort kehrt und chargierten. Die feindliche Artillerie hatte sich bald verschossen, dann traf General Bosse mit vier frischen preußischen Grenadier-Bataillonen ein, zudem wurde es langsam dunkel. Daraufhin brachen die Österreicher die Schlacht ab und zogen sich über die Metau zurück. Truchseß setzte seinen Rückzug nun ungestört fort.

Den größten Verlust in der Schlacht bei Neu-Pleß am 27.11.1744 hatte das Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 zu beklagen: 18 Tote, 16 Verwundete und 12 Vermißte, bei einem Gesamtverlust der Preußen von 39 Toten und 63 Verwundeten.

Die Preußen zogen sich nun nach Schlesien zurück. Starker Schneefall und unaufhörliche Panduren-Attacken erschwerten den Marsch. Die Kolonne des Königs verließ am 01.12.1744 die Gegend von Nachod und erreichte am 04.12. Braunau.

Am 03.12.1744 hatte der General von Einsiedel mit seinen Truppen beim Übergang über die Elbe bei Leitmeritz ein ungünstiges Gefecht mit den Österreichern. Daraufhin versuchte der Chevalier de Saxe mit 9 Bataillonen, 11 Schwadronen und 8 Geschützen bei Böhmisch Aicha den Truppen Einsiedels den Rückzug nach Schlesien zu verlegen. Einsiedel ging daraufhin über die Neiße bei Weißkirchen, der Chevalier nach Wüst-Olbersdorf. Währenddessen war General von Nassau mit 12.000 Preußen aufgebrochen, um Einsiedel raus zu hauen. Der Chevalier wandte sich daraufhin nach Jung-Bunzlau. Einsiedel, von einem Wegweiser in die irre geführt, wurde vom Feind überholt und schlug sich mit seinen von Hunger, Kälte und Desertionen geschwächten und fast vollständig aufgelösten Truppen Richtung Schlesien durch, wo ihn General von Nassau vor der völligen Vernichtung bewahrte. Von Einsiedel wurde sofort seines Postens enthoben und vom König vor ein Kriegsgericht gestellt. Dieses sprach ihn jedoch frei. Das Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 behielt jedoch zunächst seinen Namen.

Vom 06. bis 08.12.1744 überschritt die Armee des Königs bei Johannesberg die schlesische Grenze. Am 09.12. brach der König mit der Abteilung des I. Bataillons Leibgarde nach Potsdam auf, den Oberbefehl über die Truppen in Schlesien übernahm in Schweidnitz Fürst Leopold von Anhalt-Dessau, der "alte Dessauer". Die Armee bezog nun ihre Winter-Quartiere, die Bataillone des Regiments Garde Nr. 15 wurden nach Neiße, dann nach Breslau verlegt. Das Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 ging nach Jauer, Neiße, später nach Frankenstein und im Februar stand es dann in Reichenbach.

Die Ruhe der Winterquartiere wurde durch den Einfall der Österreicher in Schlesien gestört. Der König begab sich nach einem Hilferuf des alten Dessauers am 22.12.1744 nach Schweidnitz. Am 01.01.1745 wurde die Armee auf dem linken Neißeufer konzentriert, am 09.01. marschierte Fürst Leopold vom ungeduldigen König getrieben in vier Kolonnen über die Neiße. Die Österreicher standen unter Marschall Traun in Schlesien von Landeck bis Neurode und in Böhmen von Braunau bis Trautenau. Als der alte Dessauer über die Neiße gesetzt hatte und bei Neustadt die Truppen sammelte, wich Traun nach Jägerndorf zurück. Fürst Leopold folgte den Österreichern. Es war sehr kalt, sodaß viele Leute erfroren und (laut Regimentsgeschichte ausschließlich) bei den Österreichern Hunderte desertierten. Am 21.01.1745 gingen die Preußen in die Winterquartiere zurück, das Hauptquartier wurde nach Neiße verlegt.

Für die Garden trat nun bis Ende April vollständige Ruhe ein. Lediglich das Grenadier-Bataillon Buddenbrock, bei dem die Grenadiekompagnie des Bataillons Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 stand, nahm an der Säuberung der Grafschaft Glatz durch das Korps Lehwaldt im Februar 1745 teil. Das Korps des General Lehwaldt bestand aus 3 Grenadier-Bataillonen, 11 Bataillonen Infanterie und 10 Eskadronen Husaren, die Bataillone waren jedoch sehr geschwächt. Am 10.02.1745 sammelte sich das Korps in der Ebene zwischen Wartha und Frankenberg und marschierte nach Hausdorf, etwa 1½ Stunden vor Glatz. Der Feind stand zwischen Landeck und Neurode. Das Hauptquartier des Grafen Wallis war in Habelschwerdt, wo der Graf auch seine Truppen konzentrierte, als die Preußen anrückten. General Lehwaldt brach am 13.02.1745 mit 2 Kolonnen auf und erreichte am Nachmittag die Höhen von Alt-Waltersdorf, 1½ Stunden vor Habelschwerdt. Österreichische Husaren wurden vom Bataillon Buddenbrock in einem kurzen, heftigen Gefecht aus Alt-Waltersdorf geworfen. Der Feind stand mit 11.000 Mann zwischen einem Gehölz und Habelschwerdt. Der rechte Flügel bestand aus Infanterie, der linke, durch einen Bach vom rechten getrennt der auch davor weiter lief, aus Kavallerie bis nach Habelschwerdt. Hinter dem Zentrum war das Schloß Plomnitz. Am 14.02.1745 bahnten sich die Preußen ihren Weg gegen den Feind durch ein Fichtengehölz. Das Bataillon Buddenbrock ging mit der schweren Artillerie vor. Da die Kavallerie durch den Bach gehemmt war, war zunächst nur die feindliche Infanterie am Gefecht beteiligt. Der linke Flügel der Preußen wurde durch den Fichtenwald etwas aufgehalten. Dann aber standen beide Flügel in ganzer Linie und gingen gegen die Österreicher vor, welche auf Plomnitz zurückwichen. Damit war das Gefecht auch schon beendet. Das Korps Lehwaldt griff noch ein "Retranchement" bei Reinerz an, wobei auch das Bataillon Buddenbrock wieder zum Einsatz kam. Am 01.03.1745 ging das Korps auseinander. "Es hatte mehr durch Kälte, als durch den Feind verloren, aber seinen Zweck erreicht: die Grafschaft Glatz von den Oestreichern zu befreien." (aus der Regimentsgeschichte)

Im März 1745 ging der König zurück zur Armee, bei ihm als Spezial-Bedeckung die Grenadierkompagnie des I. Bataillons Leibgarde. Major von Lange vom III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 ging als Oberstlieutenant zum II. Bataillon des selben Regiments. Capitain von Bülow wurde Major, Major von Stach (Chef der  2. Kompagnie des II. Bataillons Regiments Garde Nr. 15) nahm den Abschied und Capitain von Meseberg übernahm seinen Posten. Ende April konzentrierte der König die Armee bei Kamentz. Das Regiment Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 standen unter dem Befehl des Prinzen Ferdinand von Braunschweig, die Grenadier-Bataillone Wedel und  Buddenbrock unter dem Befehl des Prinzen Dietrich. Jedes Bataillon bekam außer den zwei 3-Pfündern noch je eine 12-Pfünder Kanone zugewiesen. Am 27.05.1745 rückte die Armee in das Lager von Frankenstein.

Am 29.05.1745 erfuhr der König, daß der Gegner bei Friedland über das Gebirge setze und mit der Vorhut bereits Landshut genommen hätte. Er beschloß daher auf Schweidnitz zu marschieren, um nicht von Breslau abgeschnitten zu werden. Am 30.05.1745 stand der König bei Reichenbach, am 01.06. bei Jauernick, der Gegner bei Hohenfriedberg. Am 02.06. machte der König einen Erkundungsritt, am Abend faßte er seinen Schlachtplan. Am 03.06.1745 um 20:00 Uhr brach der König mit der Armee in zwei Treffen auf um die Österreicher anzugreifen, die nun gänzlich in der Ebene um Hohenfriedberg standen.

Am 04.06.1745 um 02:00 Uhr morgens entwickelten sich die Preußen in der Ebene, der rechte Flügel bei Striegau, der linke über Stranwitz bis zum Nonnenbusch. Der König versammelte die Generale und erklärte ihnen den Schlachtplan. Die Hauptlast des Angriffes sollte vom rechten Flügel gegen die Sachsen, die mit ihrem linken Flügel beim Pilgramsberg und ihrem rechten Flügel bei Güntersdorf standen, erfolgen. Der linke Flüge sollte, wenn er vorteilhaftes Gelände vorfände, ebenfalls angreifen. Mit Anbruch des Tages formierte sich die Avantgarde der Preußen, während der König bemerkte, daß die Sachsen nicht am Pilgramsberg, sondern am Pilgramshayn standen. Er disponierte daraufhin kurzerhand um und ließ seinen rechten Flügel rechts abmarschieren. Die Grenadier-Bataillone Wedel, Buddenbrock und 7 andere Bataillone befanden sich bei ihrer ersten Aufstellung einem kleinen Wäldchen gegenüber, welches vor dem Dorf Gräben lag. Das Wäldchen war stark mit Artillerie und Infanterie besetzt, welche beim Anrücken des Bataillons Wedel - mit klingendem Spiel und wehenden Fahnen  - als diese auf 400 Schritt herangekommen waren, heftigstes Kartätsch- und Infanteriefeuer abgaben. Die Grenadiere gingen jedoch weiter vor, durchwateten einen 4 Fuß tiefen Wassergraben und gaben bei 150 Schritt Entfernung endlich ihr eigenes Feuer ab. Die Bataillone Anhalt und Buddenbrock wandten sich gegen die linke Seite des Gegners und die Sachsen zogen sich durch das Wäldchen zurück. An der anderen Lisiere (=Waldrand) empfing die Verfolger heftiges Infanteriefeuer des intakten 2. Treffens der Sachsen aus Gräben und hinter nassen Dämmen heraus. Sofort wurde eine Kanonade eröffnet, die etwa 10 Minuten lang auf die Sachsen einprasselte. Danach folgte der Angriff der Grenadiere in der ganzen Linie, unterstützt durch 10 Bataillone des 2. Treffens, worauf sich die Sachsen in völliger Auflösung unter Zurücklassung ihrer Geschütze zurückzogen. Damit war die Schlacht an diesem Flügel entschieden.

Karte der Schlacht von Hohenfriedberg am 04.06.1745, Archiv Seitenautor.

Nun griffen die Österreicher den linken Flügel der Preußen an, dieser Angriff traf die Preußen noch in Kolonne, da sie gerade die Brücke über das Schweidnitzer Wasser passierten. Die Österreicher standen nun bei Güntersdorf und Thomaswaldau, den rechten Flügel an Halbendorf gelehnt. Sie begannen den linken Preußischen Flügel mit Artillerie einzudecken. Besonders das 1. Treffen, dessen linker Flügel das Regiment Markgraf Karl bildete, bekam die volle Wucht des Angriffes ab. Die Brigade des Herzogs Ferdinand von Braunschweig bekam den Befehl sofort in die Linie einzurücken. Diese Brigade bestand aus den beiden Bataillonen des Regiments Garde Nr. 15, dem Grenadiergarde Bataillon von Einsiedel Nr. 6 und dem Bataillon Hacke. Das Regiment Karl wandte sich nun halbrechts gegen ein Gehölz und eroberte dieses mit dem Regiment Truchseß. Dadurch war jedoch eine Lücke in den Preußischen Linien des rechten Flügels entstanden. Da die Brücke bei Gräben zusammengebrochen war, hatten erst 10 Schwadronen Kavallerie das Schlachtfeld erreicht. Der Feind war dagegen in voller Schlachtordnung und marschierte geradewegs auf den linken Flügel zu. Die Brigade des Prinzen Ferdinand von Braunschweig hatte Güntersdorf vor der Front, welches mit Österreichischen Grenadieren besetzt war. Daneben standen die Österreichischen Regimenter Boden, Marschall, Hollowrath und Max Hessen. Die Brigade des Prinzen mußte dort nun stehen bleiben, da rechts die Regimenter Karl und Truchseß in dem Wäldchen kämpften. Ein zurückweichen wäre der sichere Untergang für die Preußen geworden. Die Österreicher marschierten nicht mehr vorwärts, als sie erkannten, daß die Preußen stehen geblieben waren. Sie versuchten sie mit ihrer Artillerie sturmreif zu schießen. So stand die Brigade des Prinzen eine volle Stunde lang im gegnerischen schweren Artilleriefeuer, was zu fürchterlichen Verlusten führte. Als sich hinter dem Prinzen das Regiment Zerbst als 2. Treffen entwickelte, beschloß dieser endlich wieder vorzurücken und dem Artilleriebeschuß zu entgehen. Mit geschultertem Gewehr rückten die Preußen nun vor und die Österreicher verdoppelten nochmals ihr Artilleriefeuer.

Das Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 in der Schlacht von Hohenfriedberg am 04.06.1745, Gemälde von Carl Röchling (1855-1920), Regimentschronik.

Doch trotz der Kartätschen und Infanteriesalven rückten diese immer weiter, zuletzt im Sturmschritt vor. Bei 50 Schritt vor dem Feinde eröffneten die Preußen zunächst Pelotonweise, dann mit allgemeinen Salven das Feuer auf die Österreicher, dabei immer weiter avancierend. Die Österreichische Infanterie geriet in Verwirrung und wich zurück. Die Kavallerie des linken Flügels griff nun den Feind an "und besonders das Regiment Bayreuth richtete ein furchtbares Blutbad unter dem durch das Feuer unserer Infanterie erschütterten Feind an." (aus dem Bericht des Prinzen von Braunschweig) Während dieses Gefechtes machte der rechte Flügel der Preußen eine ¼-Schwenkung und fiel den links von Güntersdorf stehenden Österreichern in die Flanke und trieb sie zur Flucht. Damit war die Schlacht entschieden und die Preußen verfolgten die Österreicher noch bis Hohenfriedberg.

Das Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 in der Schlacht von Hohenfriedberg am 04.06.1745, Gemälde von Günter Dorn

Der Sieg in der Schlacht von Hohenfriedberg am 04.06.1745 war teuer erkauft. Preußen hatte 190 Offiziere, 259 Unteroffiziere und 4.302 Gemeine verloren. Die Verbündeten verloren 10.285 Österreicher und 3.450 Sachsen an Toten und Verwundeten. dazu kamen 5.655 Österreicher und 3.378 Sachsen an Gefangenen. 72 Geschütze, 83 Feldzeichen und 8 Paar Pauken fielen den Preußen in die Hände. Doch zu welchem Preis? Besonders die Garde, die eine Stunde lang unbeweglich im Feuer gestanden hatte, war hart mitgenommen. Beim III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 war der Kommandeur Oberst Schwerin gefallen, der ebenfalls Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15 war. Vom Kommando des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 war der Oberstlieutenant von Düring gefallen, der Chef der Leibkompagnie. Insgesamt hatte das Regiment Garde Nr. 15 (also das II. und III. Bataillon) 4 Offiziere, 1 Unteroffizier und 15 Gemeine an Gefallenen, 2 Offiziere, 3 Unteroffiziere und 59 Gemeine an Blessierten zu beklagen. Das Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 hatte 2 Unteroffiziere, 74 Gemeine an Gefallenen und 7 Offiziere, 2 Unteroffiziere und 125 Gemeine an Blessierten. Das Bataillon Wedel hatte 1 Unteroffizier und 28 Gemeine an Gefallenen und 5 Offiziere, 6 Unteroffiziere, 2 Spielleute und 124 Gemeine an Verwundeten. Das Bataillon Buddenbrock hatte 5 Offizere und 42 Gemeine an Gefallenen, dazu 3 Offiziere, 9 Unteroffiziere, 3 Spielleute und 215 Gemeine an Verwundeten. Major von Buddenbrock war verwundet, sodaß sein Grenadier-Bataillon dem Obersten von Treskow übergeben wurde und fortan dessen Namen trug.

Nach einem Tag Ruhe marschierte der König am 06.06.1745 nach Woklenhayn, am 07.06. erreichte er Landshut, am 09.06.1745 Friedland. Am 13.06. erreichte er Politz, die Bataillone Wedel und Treskow bildeten dabei die Arrieregarde. Am 18.06.1745 erreichte man das Lager an der Metau, der Gegner stand derweil bei Jaromircz. Am 26.06. schickte der König Generallieutenant von Nassau nach Oberschlesien, sodaß die Armee in Böhmen nur noch 51.000 Mann stark war. Die nächsten Monate waren von Märschen und Lagern bestimmt. Die gegnerischen Armeen belauerten sich quasi. Vom 30.07. bis 23.08.1745 stand die Armee des Königs im Lager bei Chlum. Am 18.09.1745 ging der König bei Jaromircz über die Elbe und bezog ein Lager bei Miskoles. Am 19.09. eines bei Staudenz. Die Armee lagerte in 2 Treffen, die Kavallerie auf den Flügeln. Der rechte Flügel lehnte sich unweit Burkersdorf an ein kleines Gehölz. Vor der Front dieses Flügels floß in moorigem Grunde ein kleiner Bach. Die Infanterie stand von Staudenz bis Ratsch.

Am 30.09.1745 war der König gerade dabei, die Dispositionen für den Marsch auf Trautenau auszugeben, als ihm gemeldet wurde, daß die Österreicher in voller Schlachtordnung auf den Höhen hinter Burkersdorf ständen. Er befahl daraufhin, daß die Armee rechts abmarschieren solle und dem Feind gegenüber Aufstellung nehmen solle. Dieser Abmarsch wurde durch dichten Nebel begünstigt. Die Österreicher standen nun mit dem rechten Flügel Neu-Rognitz gegenüber. Dieser Flügel war mit 16 Geschützen und 30 Elite-Kompagnien Infanterie auf dem Bataillenberg verstärkt worden. Von dort zog sich die feindliche Infanterie bis Deutsch Praunitz. Hinter dem Bataillenberg befand sich noch ein drittes Treffen, die feindliche Kavallerie befand sich auf beiden Flügeln. Vor dem rechten Flügel befand sich außerdem eine starke Artillerie-Batterie. General Buddenbrock geriet mit der Kavallerie des preußischen rechten Flügels beim Aufmarsch schon in das Feuer des Bataillenberges. Die Grenadier-Bataillone Treskow, Wedel und Fincke stellten sich geradewegs gegenüber dem Bataillenberg auf. Die Brigade des Prinzen Ferdinand von Braunschweig, mit dabei die Bataillone Einsiedel Nr. 6 und Garde Nr. 15, stand etwas links von Burkersdorf. General Buddenbrock griff nun die feindliche Kavallerie des linken Flügels an und zersprengte sie vollständig. Daraufhin griff die Brigade des Prinzen Ferdinand, unterstützt durch das Regiment Anhalt mit geschultertem Gewehr im dichten Kugel- und Kartätschenhagel im Sturmschritt den Bataillenberg an. Bei diesem Sturmlauf fallen der General von Blankensee, Prinz Albert von Braunschweig und auch der Sieger von Sulowitz, Oberstlieutenant Georg Vivizenz von Wedel. Im mörderischen Feuer gingen die Grenadier immer weiter vor und konnten endlich auch eine eigene Salve abgeben. Dennoch mußten sich die stark gelichteten Reihen dann zurückziehen, da sie überdies auch der meisten Führer beraubt waren. Die österreichischen Grenadiere rückten sofort nach. In diesem Augenblick rückte das 2. Treffen vor und zusammen mit den Resten der Grenadier-Bataillone wurde nun doch der Bataillenberg genommen. Der Feind floh in die dahinter liegenden Wälder. Der König ließ nun die Gehöfte auf der linken Seite Burkersdorfs liegenden Gehöfte anzünden, um den Österreichern den Weg in das Dorf zu verwehren. Die Brigade des Prinzen Ferdinand durchquerte nun das Dorf und entwickelte sich neben dem Regiment Markgraf Karl. Der Gegner feuerte von der bewaldeten Höhe hinter Burkersdorf herunter. Der Prinz ließ nun im geschwinden Schritt "tambour battant" vorrücken. Der Gegner erhöhte noch sein Feuer und die preußischen Verluste stiegen. Der Angriff kam nicht recht voran, daher stieg Prinz Ferdinand vom Pferd und setzte sich an die Spitze des II. Bataillons Regiments Garde Nr. 15 und feuerte die Grenadiere persönlich an. Daraufhin eroberte seine Brigade die Höhe und das Wäldchen und vertrieb die Österreicher aus ihren Stellungen. In diesem Moment wurde der Prinz verwundet. Der Feind, die Regimenter Prinz Xaver (sächs.), Botta und Wettes ließen sämtliche Geschütze zurück und konnten sich auch auf zwei anderen Höhen nicht halten. Dann warf die preußische Kavallerie des linken Flügels die Infanterie des feindliche rechten Flügels. Damit war die Schlacht entschieden und die Österreicher flohen in den Sylvaer Wald, dicht gefolgt von den Preußen. Am Abend bezog der König ein Lager zwischen Prausnitz und Soor.

Der Sieg in der Schlacht von Soor am 30.09.1745 war erneut sehr verlustreich erkauft. Preußen büßte ¼ seiner Soldaten ein: 145 Offiziere und 3.766 Unteroffiziere und Gemeine an Verlusten, davon 34 Offiziere und 852 Unteroffiziere und Gemeine gefallen. Die Österreicher verloren 179 Offiziere und 6.510 Unteroffiziere und Gemeine. Die Sachsen verloren 35 Offiziere und 720 Unteroffiziere und Gemeine. Die Preußen hatten 8 Feldzeichen und 19 Geschütze erobert. Beim Regiment Garde Nr. 15 waren 3 Offiziere und 30 Gemeine gefallen. 8 Offiziere, 19 Unteroffiziere und 296 Gemeine verwundet. Dazu kamen 9 Unteroffiziere und 29 Gemeine an Vermißten. Das Regiment Garde Nr. 15 war vor der Schlacht noch 33 Offiziere, 76 Unteroffiziere und 993 Gemeine stark. Nun zählte es noch 22 Offiziere, 48 Unteroffiziere und 638 Gemeine. Vom Bataillon Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 waren gefallen 1 Offizier und 11 Gemeine. Dazu kamen 4 Offiziere, 3 Unteroffiziere und 73 Gemeine an Vermißten. 7 Unteroffiziere und 10 Gemeine waren vermißt. Das Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 zählte vor der Schlacht von Soor 15 Offiziere, 29 Unteroffiziere und 320 Gemeine. Jetzt waren noch 11 Offiziere, 19 Unteroffiziere und 237 Gemeine übrig. Die Bataillone Wedel und Treskow hatten so stark gelitten, daß sie den Rest des 2. Schlesischen Krieges vereinigt als Bataillon Treskow blieben.

Die Preußen blieben 5 Tage im Lager bei Soor stehen, dann führte der König seine siegreiche, jedoch stark mitgenommene Armee am 06.10.1745 nach Trautenau zurück. "Die Sorge um die Verpflegung nötigte ihn dazu." (aus der Regimentsgeschichte)

Der Nachfolger von Oberst Gottfried Emanuel von Einsiedel als Chef des Bataillons Grenadiergarde von Einsiedel Nr. 6 wurde am 08. oder 27.10.1745 Oberstlieutenant Wolf Friedrich von Retzow, daher trägt das Grenadiergarde Bataillon von Retzow Nr. 6 ab diesem Tag einen neuen Namen. Einsiedel starb schon am 14.10.1745 an gebrochenem Herzen, wie man sagte. Im Laufe des Jahres 1745 wurde Obrist von Briesewitz Kommandeur des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6, er löste damit Obrist von Retzow ab. Das genaue Datum ist unbekannt, denkbar wäre jedoch, daß dies am gleichen  Tage der Beförderung Retzows zum Bataillons-Chef vollzogen wurde.

Am 16.10.1745 brach die Armee erneut auf und ging in das Lager bei Schatzlar. Da nach allen Nachrichten die Österreicher unter Prinz Karl von Lothringen die Winterquartiere antraten, ließ der König seine Armee nun ebenfalls in die Winterquartiere einrücken. Er selbst ging mit dem Kommando vom I. Bataillon Leibgarde und den Gardes du Corps über Landshut, Gießmannsdorf nach Rohnstock, welches er am 22.10.1745 erreichte. Das Kommando über die zurückgebliebenen Truppen übernahm erneut der alte Dessauer, der sein Hauptquartier wieder in Schweidnitz aufschlug. Bei seinem Korps befanden sich auch die Reste des Regiments Garde Nr. 15 und des Bataillons Grenadiergarde von Retzow Nr. 6.

Der Gegner wußte, wie hart die Preußen mitgenommen waren und daß sie vor dem Frühjahr keinen Ersatz zu erwarten hatten. Daher beschloß man in Wien einen Winterfeldzug gegen Friedrichs Truppen in Schlesien durchzuführen. Hierbei sollten die Sachsen den alten Dessauer in Schweidnitz angreifen, Prinz Karl von Lothringen durch die Lausitz vordringen. Der König bekam hiervon Nachricht und beschloß diesem Plan zuvor zu kommen und mit seiner in Schlesien stehenden Armee in Sachsen einzudringen, bevor der Feind sich vereinigt hätte. Fürst Leopold sollte gleichzeitig mit seinen bei Halle stehenden Truppen über Leipzig gegen Dresden vorrücken und sich dort mit dem König vereinigen. Er zog hierfür schon am 05.11.1745 seine Truppen bei Rohnstock zusammen. In Berlin verbreiteten sich ob der schlechten Nachrichten vom Kriege Angst und Schrecken. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 gehörte zum 5.000 Mann starken Korps des Generals Graf Hacke (Kommandeur der Residenz), welches sich den Österreichern im Falle des Durchbruchs vor Berlin in offener Feldschlacht entgegen stellen sollte.

Von Rohnstock ging das Kommando des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 und die Gardes du Corps mit den in Soor eroberten Fahnen und zwei eroberten Kanonen über Beuthen und Grüneberg nach Berlin zurück. Am 14.11.1745 zogen das Kommando des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 und die Gardes du Corps mit den bei Soor eroberten Fahnen, die Gardes du Corps außerdem noch mit den bei Hochkirch eroberten, und den beiden Kanonen feierlich am Berliner Stadtschloß vorbei. Die Fahnen kamen anschließend in die Garnisonkirche, die Kanonen in das Zeughaus unter den Linden.

Am 16.11.1745 ging der alte Dessauer mit seinem Korps nach Jauer, am 18.11. vereinigte er alle seine Truppen bei Nieder-Adelsdorf. Hier stieß auch am gleichen Tage der König zu seinem Korps und übernahm wieder das Kommando. Am 20.11.1745 rückte Fürst Lobkowitz in Sachsen, am 21.11. Prinz Karl von Lothringen in die Lausitz ein. Am 21.11.1745 stand die 35.000 Mann starke Armee des Königs bei Ober-Mittlau. Das Grenadier-Bataillon Treskow stand dabei im 1. Treffen auf dem rechten Flügel unter General von Polentz, das Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 im Zentrum in der Brigade des Prinzen Ferdinand. Das Regiment Garde Nr. 15 stand unter dem General Lestwitz im 2. Treffen. Der Prinz von Preußen kommandierte den rechten Flügel, zu dem auch das Regiment Garde Nr. 15 gehörte. Am 23.11.1745 passierte die Armee den Bober. Um 11:00 Uhr  stand die Armee vor Naumburg und marschierte auf Katholisch Hennersdorf. General Polentz marschierte mit seinen drei Grenadier-Bataillonen dem General Rochow als Unterstützung nach, welcher mit seinen zwei Kürassier-Regimentern gegen das mit 2 Bataillonen und 6 Schwadronen besetzte Dorf vorrückte. An dem kurzen Gefecht um das Dorf nahm nur die Artillerie der Grenadier-Bataillone als Unterstützung teil. Am Abend lag die Armee bei Hennersdorf, das Bataillon Retzow blieb in Naumburg. Der Feind ging in größter Unordnung nach Böhmen zurück und der König folgte am 26.11.1745 nach Troitschendorf. Am 29.11. stand die Armee in und um Görlitz. Die Österreicher hatten innerhalb von 5 Tagen  alle ihre Magazine, die gesamte Bagage und etwa 5.000 Mann verloren. Generallieutenant Lehwaldt ging nach Meißen und schlug dort über die Elbe eine Brücke. Der König detachierte außerdem Korps nach Lauban und Zittau, während General Nassau Schlesien vom Feinde säuberte. Prinz Karl von Lothringen beschloß daher, sich mit den Sachsen bei Dresden zu vereinigen. Der König folgte nach Sachsen hinein und erreichte am 05.12.1745 Bautzen, am 09.12. Kamentz, während der alte Dessauer bei Wilsdruf stand. Am 15.12.1745 standen die Reste der Österreicher bei Dresden. Am gleichen Tag errang der alte Dessauer den glänzenden Sieg von Kesselsdorf gegen die Sachsen. Am 18.12.1745 fiel Dresden und der König bot den Frieden an, welcher am 25.12.1745 unterzeichnet wurde. Damit endete der 2. Schlesische Krieg erneut mit einem hart erkämpften Sieg für Preußen.

Das Regiment Garde Nr. 15 rückte daraufhin sofort ab und zog am 01.01.1746 mit den eroberten Sächsischen Fahnen und Kanonen in Potsdam ein. Das Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 rückte erst am 14.01.1746 in Potsdam ein. Es hatte zuvor noch an der Besetzung des Posten Freiberg teilgenommen und war daher erst später abmarschiert. Der Posten wurde vorsorglich besetzt, da er im Falle der Wiederaufnahme von Kampfhandlungen strategisch wichtig war. Das Bataillon Treskow blieb noch einige Zeit in Meißen um dort als Lazarett-Bedeckung zu dienen.

Nach dem 2. Schlesischen Krieg folgten nun erst einmal Jahre des Friedens, welche mit Ausbildung und Exerzieren verbracht wurden. Jedes Jahr erhielt jeder Soldat eine neue Montierung. Der Etat hierfür wurde im Vorjahr dem König vorgelegt, der ihn dann bewilligte oder Abänderungen erließ. Das Tuch und der Futterstoff kamen aus dem Berliner Lagerhaus, Besätze und Leinwand besorgte der Regiments-Quartiermeister. Die Leinwand mußte inländisch sein, so hatte es der König befohlen. Die Uniform ansich war wegen ihres reichen Schmuckes sehr teuer, für das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 waren dies die nachfolgenden Summen:

Uniformtyp Thaler
Offizier 193
Flügel-Grenadier-Feldwebel 45
Flügel-Grenadier 26
Flügel-Grenadier-Pfeifer 40
Flügel-Grenadier-Tambour 28
Unteroffizier 44
Grenadier 26
Invalide 18
Feldscheer 8

Von der Offiziers-Uniform zahlte der König persönlich 62 Thaler. Beim Regiment Garde Nr. 15 waren es die folgenden Kosten:

Uniformtyp Thaler
Offizier 77
Flügel-Grenadier-Unteroffizier 13
Flügel-Grenadier 11½
Unteroffizier 12
Grenadier 11

Fast während der ganzen Friedenszeit war nun der Herzog Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel Kommandeur des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15. In der Regimentsgeschichte finden sich für die Jahre zwischen dem 2. und 3. Schlesischen Krieg ("Siebenjähriger Krieg") lediglich zahlreiche Schriftwechsel zwischen dem König und vornehmlich dem Prinzen als Kommandeur seines I. Bataillons Leibgarde. Sie sind charakteristisch für den Dienst in der Armee Preußens der damaligen Zeit und sind daher an dieser Stelle teilweise wiedergegeben.

Am 05.04.1746 stellte der Prinz dem König vor, daß die Offiziere 60 Thaler vom Regiments-Quartiermeister bekommen mögen zur Anschaffung neuer Schärpen, da sie seit der Stiftung des Bataillons keine neuen erhalten hätten. Der König erwiderte: "Das künftige Jahr."

Am 01.01.1747 erhöhte der König wieder die zu zahlenden "Bettgelder" für seine Garde auf 10.000 Thaler pro Jahr.

Am 04.02.1747 schrieb der König: "Ich habe bewegender Ursachen halber resolviret, daß wenn Sächsische Officiere durch Potsdam gehen wollen, ihnen jedesmal sogleich gute und sichere Ordonnances von meinem 1. Bataillon zugegeben werden sollen, um selbige überall hin zu begleiten und zu observiren, daß sie mit keinem Soldaten sprechen mögen."

Am 14.03.1747 schrieb der König: "Da ich durchaus nicht haben will, daß denen Bürgern, die publique Lasten tragen, die Arbeit entzogen, und der Verdienst geschwächt werde, also befehle ich hierdurch auf das Ernstlichste, daß insonderheit auch die Verfertigung der sämmtlichen Leibes-Mondirung für Mein Erstes Bataillon, schlechterdings dem hiesigen Schneidergewerk gelassen und ferner keine andern Leute, Küsters und dergleichen, oder auch Soldaten dazu genommen werden, auch denen Schneidern das Macherlohn unverkürzt nach dem Reglement gezahlt werde."

Am 20.05.1747 trat Oberst von Meyerinck seinen Posten als Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15 an. Der bisherige Kommandeur Oberst von Schulze erhielt das Regiment von Borcke. Von Meyerinck wurde noch 1747 zum General befördert.

Am 12.08.1748 schrieb der König: "Ich habe die von Ew. Liebden eingesandten Anschläge von Reparaturen derer sämmtlichen Casernen, Wachten und Lazareths erhalten, weil aber solche auf eine so große Summe herauslaufen, die ich anitzt nicht bezahlen kann, so soll vorerst nur das Allernothwendigste gemacht werden, wozu ich 1.000 Thaler bezahlen will."

Am 22.05.1749 erhielt General Meyerinck das Regiment von der Marwitz. Sein Nachfolger als Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15 wurde Obrist von Beschwitz.

Uniformen  des Bataillons Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 um 1750, Archiv Schuster.

Am 22.10.1749 schrieb der Prinz: "Der König befiehlt, daß die Bürgerschaft nicht mehr gehalten werden solle, fortwährend in den Ställen 5 gesattelte Pferde zum Nachsetzen der Deserteurs zu halten, sondern, daß in Zukunft Postpferde auf Kosten der Stadt dazu genommen würden."

Offizier des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 um 1752, Archiv Schuster.

Hierdurch wird deutlich, daß das Problem der Deserteure offensichtlich auch die Garde in Potsdam betraf (siehe auch den Brief vom 06.02.1752 weiter unten). Dies kommt zum einen vom hohen Anteil geworbener Nichtpreußen, zum anderen aber auch vom strengen Drill in der Armee. Dennoch war man in Preußen immer darauf bedacht, die Leute nicht zu sehr zu schinden. Zum einen hat die Ausbildung Geld gekostet, zum anderen spielt hier sicherlich die liberale Einstellung des Königs hinein. Preußen war auch in dieser Hinsicht im 18. Jahrhundert vorbildlich im Gegensatz zu den anderen Mächten des Kontinents, die Ihre Soldaten teilweise mit drakonischen Strafen zu Tode schinden ließen. Ein Beweis für diese Liberalität liefert der Brief des Königs vom 11.05.1750. Dieses Schriftstück ist in der Regimentschronik überliefert, welche hier im Wortlaut wiedergegeben wird.

"Instruktion vor die Capitaines und Stabs-Capitaines vom ersten Bataillon. 1750.

    Die Capitaines vom ersten Bataillon haben ihr Devoir als Commandeurs der Compagnieen bishero nicht so observiret, als es von accuraten Officiers gefordert wird, dahero umb daß sie wißen, was von ihnen gefordert wird: So wird ihnen diese Instruction zur Regel dienen können.

    1. Es ist nicht genug, daß der Capitaine die Officiers, Unter Officiers und Gemeine seine Kompagnie bei Nahmen kennet, sondern er muß ihre Conduite außwendig wißen und muß sich also mehr mit seiner Kompagnie zu thun machen, wie es bishero geschehen ist; Umb sie alle gründlich zu kennen muß er 2 Mahl die Woche die Quartiere selber visitiren, wann Streite in diesen quartieren entstehen, solche selber abthun, die Bursche umquartieren und alles nach möglicher Ueberlegung zum besten einrichten.

    2. Die Officiers reprimandiren, wenn sie negligeant sind, Schulden machen oder spielen und sie nach Befinden in Arrest schicken, und die Uhrsache am Könige melden. Die Bursche die liederlich sind, bei Unterofficiers legen, selbige reprimandiren, wann solches nicht hilfft, solche in seiner Gegenwart fuchteln lassen, und wann solches auch nichts helffen will, in die Wache schicken und am Könige melden. Es muß nicht gelitten werden, daß die Bursche Menscher bey sich im quartier haben, daß sie sich nach dem Zapfenstriche auf der Straße sehen lassen ohne Uhrlaub, absonderlich aber muß mit aller Schärffe auf alles was subordination heißet, gehalten werden alsdann ist es Zewit nach der rigeur zu verfahren, und vom 1. Lieutenant bis auf den übercompletten Tambour muß Keiner, der sich darwieder vergeht, geschonet werden.

    3. Bei dem Exerzieren muß Keiner geschlagen, noch gestoßen, noch geschimpfet werden, mit Geduld und methode lernt ein Kerl exerzieren, mit Schläge nicht. Es mag der König Hier sein, oder nicht, so muß ein Kerl exerziren, wo der Capitaine von der Compagnie nicht dabey ist, alsdann wenn ein Kerl raisonniret, oder nicht thun will, was ihm befohlen ist, oder tückisch ist, 2 bis 3 Patronen einladet, alsdann muß er gefuchtelt werden, aber doch mit Maaße, und muß nicht gesaget werden, hohle ihn der Teufel, der König muß einen andern geben. Der König wird alles erfahren, was passiret. Wird ein Kerl von dem Capitaine oder Officier beym Exerciren ungesund gestoßen werden, so soll derjenige so daran Schuld ist, ihn bezahlen und auf 6 Monathe nach Spandow condemniret werden. Es ist eine Schande, da die Capitaines die schönste Compagnie von der Armee zu commandiren haben, wozu der König die Leuthe mit vielem Fleiß und Unkosten zusammen bringen muß, daß die Officiers nicht das geringste attachement vor die Leuthe haben, sondern bei einigen Gelegenheiten gar zu brutal und bey anderen gar zu indulgent mit ihnen sind. Wann es auch die schlechtesten Compagnien von der Armee wären, so müßten sie nach ihrer Schuldigkeit doch vor die Leuthe sorgen, aber sie kosten ihnen nichts, also fragen sie auch garnichts darnach. Die Feldwebel müßen auf die Wacht commandiren, die Compagnien verlesen, den rapport thun und weiter nichts. Der capitaine aber muß alles thun.

    4. Im Punct der Kranken und des Lazareths. So muß der Capitaine der meisten Kranken im Lazareth hat die Woche 2 biß 3 Mahl und noch mehr hingehen, und nach sie sehen, die Bursche so marode sind, schonen, in dem Exerciren sogar einen Unterschied machen, zwischen diejenigen die gesund seynd oder eine schwache Brust haben und sich ihrer Leuthe bei aller Gelegenheit annehmen und vor sie sorgen.

    5. Diejenigen Capitaines und Officiers, so einen rang in der Armee haben und ambition haben, müßen wißen, daß Ihnen alles avancement untersaget wird, wo sie nicht dieser Instruktion in allen Stücken nachleben. Ihr Rang gilt in der armée, beym Regimente sind sie nichts denn Capitaines, und werden sich die schlecht recommendiren, welche große Herren spielen wollen, und sich stellen, als wenn es ihnen verächtlich sey, ihr devoir beim Regimente zu thun. Hier bey ihren Compagnien müßen sie zeigen, was sie Können auf daß, wann der König Ursach hat von ihnen zufrieden zu seyn, Er sich darauf verlaßen Kann daß was er ihnen anderweitig anvertraut in guten Händen gegeben sey.

   

    Potsdam, den 11. May 1750.

Friederich."

Am 01.05.1750 schrieb der König: "Der König bewilligt dem Prinzen einen besonderen Adjutanten, wie solches bereist vorher einige andere Generals Meiner Armee gehabt haben." Es wurde hierfür der Lieutenant von Bärenfels vom II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 ausgesucht. Am 15.05.1750 wurde der Prinz zum Generallieutenant befördert.

Offizier des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 um 1753, Archiv Schuster.

Am 29.06.1751 fragte der Prinz an, ob die Feldwebel, des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15, in Zukunft, auch wenn sie nicht bei der Schlacht von Mollwitz dabei gewesen wären, das Patent zum Premierlieutenant erhalten sollen. Dem stimmte der König zu.

Uniformen der Offiziere des Regiments Garde Nr. 15 von 1753 bis 1801, Zeichnungen von Bernd Schuster, Archiv Schuster.

Vielfach wird über die strenge Disziplin in der Armee Preußens berichtet, die nötig gewesen sei, um  - gerade bei dem hohen Anteil geworbener Nichtpreußen - die Disziplin aufrecht zu erhalten. Die Regimentsgeschichte bemerkt hierzu 100 Jahre später: "Man hat sich daran gewöhnt, den gesetzlos gebrauchten Stock in der Armee des Königs als herrschend zu denken. Dies war aber durchaus nicht der Fall. Der Unterschied mit der heutigen Disciplinarbestrafung bestand darin, daß schon dem Unterofficier eine gewisse Strafgewalt eingeräumt war. Er durfte drei Stockhiebe ertheilen. Diese Zahl stieg mit den Chargen, so daß sie beim Commandeur die Höhe von 11 Mal Spitzrutenlaufen durch 200 Mann erreichte. Lag hierin allerdings eine große diskretionäre Gewalt, so war doch die militairische Gesetzgebung durchaus geordnet und genau bestimmt."

Uniformen der Tamboure des Regiments Garde Nr. 15 von 1753 bis 1801, Zeichnungen von Bernd Schuster, Archiv Schuster.

Am 06.02.1752 übersandte der Prinz auf Befehl die Liste der Deserteure seit dem 04.03.1746: Beim I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 und den Unrangierten waren es 1 Grenadier und 3 Unrangierte. Beim II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 waren es 3 Unteroffiziere und 1 Grenadier. Beim III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 waren dies 1 Unteroffizier und 11 Grenadiere.

Am 03.03.1754 nahm der Obrist von Beschwitz seinen Abschied. Sein Nachfolger als Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15 wurde Obrist von Meseberg.

Am 10.06.1755 ernannte der König den Prinzen zum Gouverneur von Magdeburg und zum Chef des Regiments Nr. 5. Sein Nachfolger als Kommandeur des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 wurde Oberstlieutenant von Ingersleben.

Uniform der Tamboure des Bataillons Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 um 1753, Zeichnung von Bernd Schuster, Archiv Schuster.

Gemeiner des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 um 1753, koloriertes Bild einer Figurine im Zeughaus Berlin um 1900, Archiv Schuster.

Im August 1755 löste Österreich offiziell das Bündnis mit England auf. Es näherte sich stattdessen seinem Erbfeind Frankreich und Rußand an. Im März 1756 wurde zunächst ein Defensivbündnis zwischen Österreich und Frankreich geschlossen für den Fall eines Krieges Österreichs mit Preußen. Am 01.05.1756 folgte der Versailler Vertrag ("Versailler Traktat") zwischen beiden Mächten, der gegenseitige Truppenhilfe vorsah. Mit England war Frankreich in den Kolonien schon länger im Krieg, dem so genannten "French and Indian War" von 1754-1763, sodaß sich Preußen und England zwangsläufig annäherten, was schließlich in der Westminster-Konvention von 1756 mündete. Damit waren die Weichen zum ersten wirklichen Weltkrieg gestellt. Leider hatte Preußen bei dieser "Umkehrung der Allianzen" die schlechtesten Karten, denn England war nur eine Seemacht und konnte seinen "Festlanddegen" Preußen kaum zu Hilfe eilen. Österreich, Frankreich und Rußland waren dagegen ausgeprägte Landmächte, die nun gemeinsam in der Lage waren, den Emporkömmling Preußen von der Landkarte zu fegen und sich dessen Gebiete einzuverleiben.

Tressenbesatz des Bataillons Grenadiergarde von Retzow Nr. 6, aus dem originalen Tressenmusterbuch des DHM Berlin von 1755, Archiv Schuster.

Tressenbesatz des I. Bataillons Leibgarde und des Regiments Garde Nr. 15, aus dem originalen Tressenmusterbuch des DHM Berlin von 1755, Archiv Schuster.

Bis zum Jahre 1756 existierte im Langen Stall eine Griechisch Orthodoxe Kirche, welche nun in das Rathaus verlegt wurde. Der Lange Stall wurde anschließend vermietet vermietet an "herumziehende Theatergesellschaften". (aus der Regimentsgeschichte)

Im Jahre 1756 erließ der König abermals, wie schon 1744 2.000 Thaler der zu zahlenden "Bettgelder" für seine Garde in Potsdam, jedoch nur "zu Gunsten der Neumark." wie er sagte.

Im April 1756 hatte der Herzog von Mecklenburg-Schwerin seinen Untertanen, die in Preußischen Diensten standen, befohlen entweder diese Dienste zu verlassen oder ihre Güter zu verkaufen, da diese sonst beschlagnahmt würden. Es bleiben daher viele Beurlaubte, auch von der Garde, beim Beginn der Exerzierzeit aus. Der König befahl hierauf 5 Eskadronen Zieten-Husaren von Mecklenburg aus in das Schwerinsche einzudringen und alle fürstlichen Beamten, Großbauern, Bürgern und die Beurlaubten, derer man Habhaft werden konnte einzubringen, aber nicht zu plündern. Am 16.05.1756 brachte das Kommando Husaren 12 Mecklenburgische Beamte, 30 Bauern und Bürger und Herzogliche Soldaten nach Potsdam. Die Beamten wurden in Spandau inhaftiert, die übrigen mußten Soldat werden. Der Herzog brachte die Sache vor den Reichshofrat, dort versandete sie jedoch.

Am 27.06.1756 nahm Obrist von Meseberg seine Demission. Der Nachfolger als Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15 wurde Oberst Freiherr von Geist, genannt von Hagen. An diesem Tage wurden die 4 Garde-Bataillone mit den Unrangierten aufgefüllt und auf Kriegsstärke gebracht.

Uniform der Tamboure des Bataillons Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 um 1756, Zeichnung von Bernd Schuster, Archiv Schuster.

Am 28.06.1756 sagte der König zu General von Schwerin, ob er wohl wisse, daß Österreich mit Frankreich eine Allianz geschlossen hätte, um Preußen Schlesien wieder zu nehmen. Der Feldmarschall solle nun immer bei der Hand sein, da der Krieg wohl noch im Herbst oder spätestens im folgenden Jahr losgehen würde. Von diesem Zeitpunkt an liefen die Planungen des Königs für einen Präventivschlag gegen die Verbündeten.

In Vorbereitung auf den kommenden Feldzug hatte der Regiments-Feldscheer Schmückert von der Garde aufgrund einer französischen Erfindung ein Pulver zusammengesetzt, wovon man 14 Tage ohne andere Speisen sollte leben können. "Der König befahl eine Probe damit anzustellen. Den 5. Juli mußten von der Garde der Lieutenant von Saint-Paul mit 3 Mann vor die Lange Brücke nach der Maulbeerplantage vom Waisenhause gehen, und sich daselbst auf 8 Tage einquartieren. Sie sollten stark arbeiten, und alle Tage 2 Meilen marschieren. Es waren drei verschiedene Naturen ausgesucht: Ein gesunder starker Bursche und renommirter Esser; ein gewöhnlicher Esser, der aber stark trank, und der dritte ein gewöhnlicher Esser und Trinker. Jeder bekam des Tages 12 Loth dieses Pulvers, das in Wasser gekocht wurde. Nur der Trinker bekam täglich für 1 Dreier Branntwein, und durfte Taback rauchen. Die tägliche Portion kostete 6 Dreier. Der Versuch viel günstig aus, nur klagten die Leute über Obstruktionen. Als die 8 Tage um waren, gab man ihnen sehr gut zu essen und zu trinken, und auch das bekam ihnen gut. Der König, erfreut über eine so wichtige Erfindung, ernannte Schmückert zum General-Chirurgus, und befahl ihm, 60.000 Portionen auf 8 Tage in Breslau anzufertigen. Es geschah, das Pulver verfaulte aber schon in den nächsten Wochen, da es wohl nichts anderes als geriebenes Fleisch war." (aus der Regimentsgeschichte)

Nach dieser eher komischen Episode wurden nun die Vorbereitungen wieder verstärkt. Die Kompagnien aller Regimenter sollten ab dem 01.07.1756 um 10 Mann stärker sein als bisher. Nur die Garde-Kompagnien behielten ihre alte Stärke von 114 Mann.

Am 18.07.1756 war der König auf der Kirchenparade. Bei dieser Gelegenheit bekam Oberst Geist das Regiment Garde Nr. 15 übergeben. Die meisten Beurlaubten der Potsdamer Garnison waren bis Mitte Juli schon eingetroffen. Am 18.07. mußten die Compagnien heimlich Zwillich für Stiefeletten kaufen und diesen schwarz färben. Am 19.07. bekamen die Offiziere Befehl, ihre Feldequipage in Stand zu setzen. Der Potsdamer Bürger Goldony lieferte bis zum 29.07.1756 400 Pferde zu je 39 Thaler an die Garde. Die eingetroffenen Pferde wurden zunächst in Königshorst auf die Weide geschickt. Bis zum 26.07. war alles Feldzeug instand gesetzt. Die Kompagnien sollten sich derweil heimlich Marketender besorgen. Die Magazine wurden gefüllt und in der Gewehrfabrik 40 neue Meister aus Suhl und Zella eingestellt.

Am 28.07.1756 kam noch einmal der österreichische Gesandte Graf Zinzendorf nach Potsdam, was dazu führte, daß an diesem Tag besondere Geheimhaltung befohlen wurde. Am 06.08.1756 formierte der König bei der Geldparade des I. Bataillons Leibgarde eineKolonne nach der neuesten Art, bei der beide Flügel hinter der mittelsten Kompagnie doublierten. Danach formierten sich die drei Grenadierkompagnien des Regiments Garde Nr. 15 zu einem Grenadierbataillon, welches der König exerzierte. Die Grenadier-Unteroffiziere hatten ihr Gewehr übergehängt und trugen zusätzlich eine 13 Fuß lange Pieke, welche sie beim Chargieren fällten. Die Unteroffiziere bildeten die 3. Rotte von beiden Flügeln. 6 Unteroffiziere jeder Grenadier-Kompagnie hatten gezogene Gewehre mit Bajonetten und 20 Patronen, diese Gewehre hatte eine Reichweite von 500 Schritt.

Am 09.08.1756 befahl der König, daß jeder Soldat in seinem Tornister folgendes mitnehmen solle: 2 Unterhemden, 2 Collerets, 2 Paar Oberärmel, 2 Paar leinene Hosen, 1 Paare Strümpfe oder Talglappen, Schuhe, Bürste, Kamm, ½ Pfund Puder, Löffel, Gabel, Feldmütze, Handschuhe, 2 Flintensteine. Alle Sonntage sollten sie sich im Felde pudern. Die Gemeinen sollten mit Röcken ohne Tressen marschieren, die Offiziere mit gestickten, die Leute mit leinenen Hosen. Barbiermesser und Spiegel sollten zu hause gelassen werden, das Rasieren übernahmen die Feldscheere, welchen dazu 170 Barbiergesellen einrangiert wurden. Die Uniformröcke, die in dieser Zeit gefertigt wurden waren von schlechterem Tuch und wurden mit alten Tressen besetzt. Jede Kompagnie hatte 24 Zelte, die Leib- und Grenadierkompagnien 26, wovon jedes 130½ Pfund wog. Jede Kompagnie hatte 16 Pferde.

Am 23.08.1756 wurde eine Wache zum Hofdrucker Bauer abgestellt, der Minister Finckenstein und Eichel waren dort anwesend als das Manifest der Kriegserklärung gedruckt wurde. Die Offiziere Billerbeck, Lengefeld und Möllendorf erhielten Grenadier-Bataillone und schieden damit aus dem Regiment Garde Nr. 15 aus.

Originale Galauniform aus dem DHM Berlin eines Offiziers des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 um 1756, Archiv Schuster.

Am 27.08. kam die Bataillons-Artillerie aus Berlin. Auf der Parole gab der König selbst die Ordres zum Marsch an die Offiziere, ohne zu sagen, wohin es ging. Aus den 2 Grenadierkompagnien des Regiments Garde Nr. 15 und den 2 Grenadierkompagnien des Regiments Prinz von Preußen wurde das Grenadier-Bataillon von Bülow gebildet. Es wurde Brot auf 9 Tage ausgegeben, ferner die Zelte und Kessel. Jedes Brot wog 6 Pfund und der Mann  erhielt 2 Pfund pro Tag. Die Bagage des Königs bestand aus 100 Maultieren und 14 Reitpferden. Um 16:00 Uhr wurden die Quartiere inspiziert, kein Bursche durfte mehr ausgehen. Um 18:00 Uhr wurde erneut inspiziert und der Marschanzug nachgesehen. Um 21:00 Uhr wurde der Zapfenstreich geschlagen und erneut "visitiret", die Lichter mußten ausgelöscht werden. Den ganzen Tag waren die Tore geschlossen, keiner durfte die Stadt verlassen.

Damit war alles zur Vorbereitung des Präventivschlages getan. Die Friedenszeit hatte der König gut genutzt, sodaß er nun mit seiner schlagkräftigen Armee losziehen konnte.

 Dritter Schlesischer Krieg, Siebenjähriger Krieg (1756-63)

Am Morgen des 28.08.1756 wurde das Manifest des Königs verlesen, welches mit den Worten endete: "Se. Majestät entfernt sich von Ihrer gewohnten Mäßigung nur, weil diese aufhört eine Tugend zu sein, wenn es sich darum handelt, die Ehre, die Unabhängigkeit, das Vaterland, den Thron zu vertheidigen."

Um 04:00 Uhr mußten alle Packpferde und Bagage-Wagen vor der Langen Brücke sein. Die Ordnung war: die königliche Equipage, die Bagage der Suite, 8 Brückenwagen (24-30 Fuß lang), Bagage der Bataillone nach der Marschordnung, zuletzt die Packpferde. Um 04:30 Uhr marschierten die Gardes du Corps ab. Um 05:00 Uhr wurde Generalmarsch geschlagen und um 05:30 Uhr abgerückt. Die Bataillone marschierten in 10 Zügen, die Tamboure jeder Kompagnie waren vor dem 1. Zug. Im Lustgarten wurde scharf geladen. Die Marschordnung war: Vorne das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15, dann das II. Bataillon Regiments Garde Nr. 15, dann die Bagage, bedeckt von der 5. Kompagnie des II. Bataillons. Dahinter das III. Bataillon Garde Nr. 15, dann die Grenadier-Bataillone von Bülow und Grenadiergarde von Retzow Nr. 6. Jedes Bataillon hatte seine Bagage hinter sich, welche durch den 2. Zug der 5. Kompagnie gedeckt wurde. Jedes Bataillon hatte 2 drei- oder sechspfündige Kanonen bei sich, zu deren Bedienung immer 8 Mann vorgesehen waren. Dies waren 4 (3) Kanoniere und 4 (5) Zimmerleute. Die Mannschaften unter 20 Jahren wurden als Ersatz zu hause gelassen. Jede Kompagnie hatte ihren Marketender und jedes Regiment 14 Backknechte bei sich.

Uniformen  des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 um 1756, Zeichnungen von Prof. Richard Knötel, Regimentschronik / Archiv Schuster.

Der erste Marsch ging nach Beltz. Dort kamen das I. Bataillon Leibgarde und das II. Bataillon Garde unter, die anderen in der Umgebung. 51 Mann der Grenadierkompagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 bildeten beim Marsch die Spezialbedeckung des Königs und biwakierten im Lager auch stets in seiner unmittelbaren Nähe. Am 29.08.1756 rückte die Kolonne in Sachsen ein, das Hauptquartier nebst I. Bataillon Leibgarde und II. Bataillon Garde kamen nach Jüterbogk. Dort wurde jedem Bataillon das Manifest bekannt gemacht und damit die Gründe und Ursachen ihres Marsches. Am 30.08. war das Hauptquartier in Seyda, am 31. war Ruhetag. Am 01.09.1756 wurde die Elbe bei Elster erreicht und per Pontonbrücke, bestehend aus 40 Pontons, bei Pretsch überschritten. Am 02.09. kamen alle Garde-Bataillone nach Torgau, wo der sächsische Generallieutenant von Münchow gefangen wurde. Am 03.09.1756 war wieder Ruhetag. Am 04.09. ging der Marsch auf Strehlen, am 05. war das Hauptquartier in Lommatsch, die 3 Bataillone Garde Nr. 15 in der Stadt. Am 06.09.1756 stand die Armee des Königs in Roth-Schönberg, im dortigen Schloß nahm der König sein Hauptquartier. Am 07. war erneut Ruhetag. Bei der Parole an diesem Tage wurde alles Plündern und jede Gewalttätigkeit bei Strafe des Hängens verboten. Den Wachen wurde befohlen, niemanden aus dem Lager zu lassen. Am 08.09.1756 wurden die engen Straßen bei Limbach passiert. Die Sachsen, die diesen Moment gut hätten nutzen können, standen derweil unbeweglich im Lager bei Pirna. Der König cantonnirte dann in der Vorstadt von Wilsdruf, das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 in der Stadt selbst. Bei der Parole an diesem Tag wurde befohlen, "daß auf dem Marsch bei jedem Bataillon ein Officier commandirt werden solle, um die Packknechte und die Wagen in Ordnung zu erhalten. Die Weiber sollten durch den Profoß geführt werden." (aus der Regimentsgeschichte) Am 09.09.1756 wurde in Richtung Dresden aufgebrochen. Die Bataillone Garde Nr. 15 waren in der 8 Bataillone und 8 Schwadronen starken Avantgarde. Hinter Plauen an der Weisseritz wurde das Lager bezogen. Das Königliche Schloß zu Dresden wurde mit einer Preußischen Wache besetzt, jedoch die inneren Posten wurden nach wie vor von der Königlich Polnischen Schweizer-Garde besetzt, da sich im Schloß noch die Königin von Polen mit dem übrigen Hof befand. Der König entsandte Oberst Lentulus zur Begrüßung und nahm selbst sein Quartier in der Vorstadt im Machinky´schen Palais. In der Stadt waren nun 4 Bataillone zur Besatzung abkommandiert. Am 10.09. marschierte der König mit 16 Bataillonen und 13 Eskadronen aus dem Lager in Dresden in das Lager von Groß-Sedlitz, unweit Pirna. Der Rest der Armee war in 2 Korps bei Dresden stehen geblieben und stand unter dem Befehl von Markgraf Karl. Die Grenadierkompagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 wurde mit der des Regiments Prinz Moritz vereinigt. Die 3 Bataillone Garde Nr. 15 marschierten in der Avantgarde, dahinter das Grenadier-Bataillon Bülow und das Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 cantonnirte in Groß-Sedlitz, der König wohnte im Königlichen Lustschloß. Es wurde bei Pratschwitz eine Ponton-Brücke über die Elbe geschlagen. Dorf und Schloß Zehist war von der Flügelgrenadierkompagnie des Bataillons Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 besetzt.

Uniform der Gemeinen des Bataillons Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 um 1756, Zeichnung von Bernd Schuster, Archiv Schuster.

Durch diese Märsche war die Sächsische Armee im befestigten Lager bei Pirna praktisch eingeschlossen. Die Sachsen hatten dieses Lager nicht mit Lebensmitteln versehen und der König ließ nun alle bis auf eine zuführenden Straßen blockieren. Er wollte die Sachsen möglichst intakt seiner eigenen Armee einverleiben. Am 11.09.1756 blieben die Stellungen unverändert, nur die Grenadierkompagnie des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 marschierten in das Lager bei Cotta. Dort formierte sie mit den 3 Grenadierkompagnien des Regiments Anhalt das Grenadier-Bataillon von Kleist, welches dann auf dem linken Flügel lagerte, der vom Prinzen Ferdinand von Braunschweig kommandiert wurde. Der Posten in Zehist wurde von den zwei Grenadierkompagnien des Regiments Garde Nr. 15 und dem Bataillon Bülow und dessen 2 Geschützen besetzt. Am 13.09. marschierte ein Corps unter dem Herzog Ferdinand von Braunschweig über die einzige freie Straße über Grieshübel nach Peterswalda in Böhmen ein und schnitt damit die Sachsen von Böhmen ab. Der König von Sachsen verhandelte unterdessen mit den Preußen auf Neutralität, was von Friedrich abgelehnt wurde. Am 16.09.1756 wurde die Front nach Pirna enger gezogen und der Posten von Zehist durch zwei Grenadierkompagnien des Regiments Prinz von Preußen verstärkt. Am 20.09. erließ der König genaue Instruktionen für den Fall des Ausfalles der Sachsen.

Am 27.09.1756 erfuhr der König, daß die Österreicher unter Feldmarschall Browne in das Lager bei Budin gerückt sei um von hier aus die Sachsen zu entsetzen. Er ging daraufhin am Nachmittag von Groß-Sedlitz nach Zehist, wo er die Nacht über blieb. Seine Bedeckung bildete die Grenadierkompagnie des I. Bataillons Leibgarde. Das Kommando der 38 Bataillone und 26 Eskadronen starken Belagerungsarmee übernahm Markgraf Karl. Am 28.09. traf der König im Lager von Johnsdorff ein. Am 01.10.1756 kam es zur Schlacht bei Lowositz, bei der die Vereinigung der Österreicher und Sachsen verhindert wurde. Die Flügelgrenadiere des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 besetzten zu Beginn der Schlacht den Ort Wchinitz. Das Grenadier-Bataillon von Kleist stand auf dem linken Flügel unter dem Herzog von Bevern und beteiligte sich an den Kämpfen um den Lobosch und eroberte im harten Häuserkampf in Lobosch 3 Geschütze. Der Verlust des Bataillons betrug 3 Offiziere und 130 Mann.

Uniform der Unteroffiziere des Bataillons Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 um 1756, Zeichnung von Bernd Schuster, Archiv Schuster.

Am 02.10.1756 überbrachte Fähnrich von Oppen, vom I. Bataillon Leibgarde Nr. 15, der Armee vor Pirna die Nachricht vom Siege bei Lowositz. In den Tagen bis zum 05.10. beobachtete man im Lager der Sachsen Bewegungen, welche auf einen baldigen Abmarsch schließen ließen. Daher wurde die Wachsamkeit der Preußen noch verschärft und die Leute behielten nun auch nachts ihre Kleidung an. Bis zum 13.10.1756 hatten die Sachsen eine Schiffsbrücke über die Elbe bei Thürmsdorf geschlagen, in dieser Nacht setzten sie sich über grundlose Wege, die der Regen aufgeweicht hatte, in Bewegung. Die Österreicher hatten ein Corps unter Haddick zur Unterstützung entgegen gesandt. Die Sachsen kamen im Tal von Halbstadt nur langsam vorwärts, da dort nur ein schmaler Weg den Berg hinauf führte. Die Artillerie blieb als erstes stecken und verstopfte die Straße. Am Tag gelangten 7 Bataillone der Sachsen auf die Königsteiner Ebene und entwickelten sich. Unterdessen hatten die Preußen um 06:00 Uhr erfahren, daß die Sachsen ausgebrochen seien. Gegen 08:00 Uhr brach das Lager von Groß-Sedlitz auf. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 besetzte das Retranchement und den Brückenkopf an der Elbe. Der Rest des Corps marschierte geschlossen rechts ab. Bei Goes stieß auch das Grenadier-Bataillon von Bülow zur Kolonne. Der Marsch ging nach Kriezschwitz, wo ein Lager bezogen wurde. Das Regiment Garde Nr. 15 und das Grenadier-Bataillon Bülow stießen mit 3 Eskadronen Husaren zum Corps des Prinzen Moritz, welches in der Linie vor dem Dorf aufmarschiert stand. Sie standen dort auf dem rechten Flügel im 1. Treffen. Der König war mit der Flügelgrenadierkompagnie des I. Bataillons Leibgarde am Morgen aus dem Lager von Lowositz nach Sachsen aufgebrochen. Die Armee des Königs marschierte unterdessen mit 15 Bataillonen und 16 Eskadronen über Struppen nach Thürmsdorf. Die Brücke dort wurde von den Sachsen selbst zerstört. Gegen 18:00 Uhr rückte das I. Bataillon Leibgarde in Pirna ein und Oberstlieutenant von Tauentzien forderte die Kapitulation der Garnison des Sonnensteins. Diese Kapitulation kam aber nicht zustande, da die Garnison freien Abzug mit ihrem Geschütz verlangte, was Tauentzien ablehnte. In der Nacht standen sich die Armeen gegenüber. Die Sachsen hofften auf den Entsatz durch Brownes Truppen, dieser aber hatte sich schon am Nachmittag zurückgezogen. Am 14.10.1756 morgens erfuhren die Sachsen davon und der sächsische Kriegsrat beschloß aufgrund der für sie stündlich schlechter werdenden Lage die Kapitulation, welche am 14. und 15.10. verhandelt wurde. Die Preußen bezogen derweil ein Lager bei Struppen. Die Feste Lilienstein ergab sich Oberstlieutenant von Tauentzien, welcher sie sogleich von einem Teil des I. Bataillons Garde besetzen ließ. In der Feste fielen den Preußen 54 Kanonen, 45 Mörser und unzählige Mengen an Waffen, Munition, Pulver und sonstigen Vorräten aller Art in die Hände.

Am 17.10.1756 standen um 07:00 Uhr 7 Preußische Bataillone, darunter auch das Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6, am Wege nach Waltersdorff in 2 Treffen, die Elbe im Rücken. Auf der Höhe vor dem Lautersteg standen weitere 5 Bataillone. Diesen "Spalier" kommandierte der Generallieutenant von Winterfeldt.  Das Regiment Garde Nr. 15 stand unter dem Prinzen Heinrich an der Schiffbrücke, ihnen gegenüber das Regiment Prinz von Preußen. Hier leisteten die Sächsischen Regimenter dem König in Preußen den Treue-Eid. Der König selbst war zugegen bei dieser für alle Beteiligten - auch der Preußischen - peinlichen Feierlichkeit, welche ganze 3 Tage andauerte. "Die meisten Regimenter schwuren ohne Schwierigkeiten, einige zögerten, so die Leib-Grenadiergarde, aber sie ward bei den Compagnien des 2. und 3. Bataillons Garde in den Zelten bei den Burschen vertheilt und man scheint dort Mittel gefunden zu haben, ihre Bedenklichkeiten zu heben." (aus der Regimentsgeschichte) 39 Kadetten des ebenfalls gefangenen Kadettenkorps, welches auf dem Königstein inhaftiert war, wurden beim I. Bataillon Leibgarde als Gefreite-Corporals angestellt. Da fast alle Sächsischen Offiziere den Dienst quittierten, wurden diese Stellen mit Preußischen Offizieren besetzt. Hierzu wurden alle Fähnrichs und viele Feldwebel zu Offizieren befördert um diesem enormen Bedarf nachzukommen.

Kampagnen-/Interimsmonturen des Ersten Bataillons Leibgarde Nr. 15 um 1756, Gemeiner und Offizier, Zeichnung von Jan Eschbach, Archiv Seitenautor.

Der Feldzug des Jahres 1756 endete damit für die Preußen mit einem glanzvollen Erfolg. Sie hatten, ohne viele Verluste zu erleiden, Sachsen erobert und die Sächsische Armee nahezu unversehrt der eigenen einverleibt. Der König ließ daher die Armee von Böhmen nach Sachsen in die Winterquartiere marschieren. Damit dieser Marsch im Gebirge ungefährdet blieb, marschierte der König am 20.10.1756 mit 10 Bataillonen (darunter das Bataillon Bülow) und 6 Eskadronen zur Verstärkung nach Böhmen. Die Bagage blieb in Pirna und in dieser Stadt wurde auch die Sächsische Leib-Grenadiergarde einquartiert. 100 der schönsten Leute aus dieser Garde und weitere 100 aus allen anderen Sächsischen Regimentern wurden für die Garde des Königs ausgesucht und auf den Sonnenstein gebracht. Dazu wurden 6 Offiziere und 6 Unteroffiziere vom I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 abkommandiert, um die Sachsen zu beobachten. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15, inklusive der Flügelgrenadiere, die dieses mal nicht mit dem König marschierten, ging nach Groß Sedlitz. Das Regiment Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 gingen in das Lager von Groß-Sedlitz. Dort bildeten sie die Brigade Ingersleben. Am 28.10.1756 rückte die Armee in die Cantonnirungsquartiere in und um Dresden ab. Das I. Bataillon Leibgarde stand im Hauptquartier Groß-Sedlitz, das Regiment Garde Nr. 15 in Krebs, das Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 in Meusegast und das Grenadier-Bataillon von Bülow in Zehist. Jeder General bekam 100 Thaler, jeder Capitain 500 und jeder Subalternoffizier 50 Thaler Winterquartiergelder, welche sämtlich von der Stadt Leipzig zu zahlen war.

Am 14.11.1756 ging der König mit allen 4 Garde-Bataillonen nach Dresden und bezog das Brühlsche Palais. Die Schloßwache wurde vom I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 besetzt, die inneren Posten jedoch nach wie vor von der Sächsischen Schweizer-Garde. Das Bataillon Bülow marschierte nach dem Plauenschen Grunde, am 15.11. nach Radeberg. "Den Officiren ward besondere Aufmerksamkeit auf den Verkehr ihrer Leute mit den Bürgern anempfohlen. Jeder Soldat mußte ein Bett bekommen und durfte nicht auf Böden und in Kellern untergebracht werden. 2 Mal die Woche mußte ihnen Fleisch geliefert werden. Den katholischen Soldaten ward streng verboten bei einem anderen Priester als einem Militär-Geistlichen zu beichten." (aus der Regimentsgeschichte) Im Kadettenhaus war das große Preußische Lazarett, alle Sächsischen Postbeamten wurden gegen Preußische ausgetauscht. Die Preußen richteten sich in Dresden ein und das I. Bataillon Leibgarde exerzierte in der Bildergalerie, das Regiment Garde Nr. 15 in der Oper und dem Ballhaus. Am 10.12.1756 marschierte das Bataillon Bülow von Radeberg nach Königsbrück, am 12. nach Löbau um ein Österreichisches Corps bei Gabel zu beobachten. Am 21.12.1756 wurde der Lieutenant von der Marwitz vom II. Bataillon Regiments Garde Nr. 15 zum Capitain befördert und zugleich Flügel-Adjutant und Quartiermeister-Lieutenant.Als das feindliche Corps bei Gabel auseinander gegangen war, rückte das Grenadier-Bataillon Bülow nach Bischoffswerda ab.

Am 04.01.1757 reiste der König nach Berlin und kam erst am 14.01.1757 zurück nach Dresden. Am 15.01. kamen 8 Junker von den Hofpagen und Unrangierten zum I. Bataillon Leibgarde Nr. 15. Alle vier Garde-Bataillone wurden im Laufe der Winterquartierung mit Unrangierten auf Soll-Stärke gebracht. Am 16.01. wurde Oberstlieutenant von Tauentzien zum Oberst, die Leutnants Graf Lehndorff, Cocceji und von Borikowsky zu Stabs-Capitainen befördert. In Dresden wurden viele Leute krank, allein beim Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 waren es 49 Kranke und 9 Tote. "Dies sind nicht Alle, denn die Regimenter verschweigen Viele vor dem König und werben heimlich neue Leute an." (aus dem Tagebuch Lieutenants von Scheelen). Das Bataillon von Kleist marschierte am 18.03.1757 von Leipzig nach Zwickau, es war 742 Mann stark, davon 157 vom Grenadiergarde Bataillon. Das Bataillon Bülow war 702 Mann stark, davon 312 Mann von der Garde.

Die Stärke der 4 Garde-Bataillone im Frühjahr 1757 war wie folgt:

Insgesamt also: 111 Offiziere, 211 Unteroffiziere, 102 Spielleute, 2400 Gemeine, 199 Überkomplette. Mit den 469 abkommandierten Flügelgrenadieren ergab sich eine Gesamtstärke der Garde von 3.492 Köpfen.

Der Plan des Königs für den Frühjahrsfeldzug 1757 sah vor, daß die gesamte Armee am gleichen Tage in 4 Kolonnen in Böhmen einrücken sollte und sich am 04.05. vor Prag treffen und am 06.05. den Feind angreifen, der bis dahin auf Prag zurückgewichen sein sollte. Am 24.03.1757 verließ der König Dresden und ging nach Lockwitz. Beim Abmarsch standen drei Kompagnien der Leibgarde aufmarschiert, um die Fahnen abzuholen. Die Garde marschierte dann geschlossen mit dem König. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 kam zum Hauptquartier nach Lockwitz, das Regiment Garde Nr. 15 nach Possendorf und Babisnau. Das Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 ging nach Burgstättel, das Grenadier-Bataillon von Bülow nach Röhrsdorf.

Da die Sachsen, die den Gardes du Corps einverleibt worden waren, erklärten, daß sie nicht gegen ihre ehemaligen Kameraden kämpfen wollten, wurden sie allesamt zur Infanterie versetzt. Jedes Bataillon der Garde mit Ausnahme der Leibgarde erhielt je 10 Mann der Sachsen. Nun wurde fleißig exerziert und gefeuert. Anhand der Verpflegungsgelder vom 02.04.1757 erkennt man, daß zu diesem Zeitpunkt noch 32 Mann im I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 dienten, die die Schlacht von Mollwitz am 10.04.1741 mitgemacht hatten. Diese erhielten eine Sonder-Zulage von je einem Thaler. Major von Lengefeld vom Regiment Garde Nr. 15, zwischenzeitlich abkommandiert als Kommandeur zu einem Grenadier-Bataillon, erkrankte schwer und verließ daraufhin die Armee. Am 20.04.1757 sammelte der König seine Armee bei Ottendorf. Nach der hier ausgegebenen Ordre de bataille gehörte das Regiment Garde Nr. 15, das Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 und das Grenadier-Bataillon von Bülow unter dem General von Hülsen zur Brigade des Prinzen Ferdinand von Braunschweig. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 stand im 2. Treffen in der Brigade des General-Lieutenant von Meyerinck. Am 22.04.1757 ging die ganze Infanterie in ein Lager bei Nollendorf, am 23. nach Linay, am 26. nachts zwischen Koschitz und Wolenitz über die Eger. Am gleichen Tag stieß Fürst Moritz mit seinen Truppen zur Armee des Königs. Bei ihm auch das Grenadier-Bataillon von Kleist. Am 28.04.1757 marschieret die Armee nach Budin. Die Österreicher unter Marschall Browne gingen derweil hinter die Defileen von Minitz zurück, wo sie sich am 29.04. mit den Truppen des Herzogs von Aremberg vereinigten. Am 30.04. ging der König mit der Armee nach Belwarn und bezog dort ein Lager. Am 01.05.1757 ging er mit einer Avantgarde von 13 Grenadier-Bataillonen und 40 Eskadronen gegen Prag vor. Bei der Avantgarde war auch die Leibgarde und Bülow. Am 02.05. folgte die Armee bis auf den Weißen-Berg. Vom Kloster St. Margaretha bis Podhaba an der Moldau wurden Lager bezogen. das Hauptquartier mit dem König und der Leibgarde war in Welleslawin. Am 05.05.1757 wurde eine Brücke über die Moldau bei Selz geschlagen. Fürst Schwerin ging schon am 04.05. mit seiner Armee über die Moldau und lagerte nun bei Brandeis. Am 05.05.1757 um 09:00 Uhr war die Brücke fertig und der König ging mit 20 Bataillonen und 38 Eskadronen auf das rechte Moldau-Ufer. Auf dem linken blieb ein Korps von 26 Bataillonen und 38 Eskadronen unter Feldmarschall Keith zurück, dabei befanden sich auch alle Garde-Bataillone. Lediglich die Flügelgrenadier-Kompagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 bildete die Bedeckung des Königs. An der siegreichen, jedoch sehr blutigen Schlacht von Prag am 06.05.1757 nahm daher auch von der Garde nur diese Kompagnie teil.

Nach der Schlacht belagerten die Preußen die Österreicher, die sich nach Prag zurückgezogen hatten. Die Truppen des Feldmarschall Keith bildeten den ´linken Teil des Einschließungsringes. Am 23.05.1757 um 01:00 Uhr nachts brachte ein Überläufer die Nachricht, daß die Österreicher einen Ausfall planen würden. Keith ließ sogleich seine Bataillone an´s Gewehr treten und die Kavallerie aufsitzen. Um 02:00 Uhr griff der Feind mit 7 - 8.000 Mann beim Mansfeldschen Garten, der noch nicht ganz fertig war, an. Sofort marschierten 200 Mann vom Regiment Garde Nr. 15 zur bedrohten Stelle, gleich darauf das restliche Regiment und das Bataillon Grenadiergarde Nr. 6. Die Leibgarde stand etwa 1.000 Schritt vor Welleslawin als Flankenschutz. Die 3 Bataillone der Garde rückten bis zum Strohhof vor, ehe der Gegner zurückwich. In der Ausfallschlacht am 23.05.1757 wurde Prinz Ferdinand, der Bruder des Königs, verwundet. Der Gesamtverlust betrug bei den Preußen 60 Tote und 294 Verwundete. Beim Regiment Garde Nr. 15 waren 7 Gemeine gefallen, 1 Offizier (Lt. von Raoul, III. Bataillon Garde) und 26 Gemeine Verwundet. Beim Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 waren 2 Grenadier gefallen und 4 Verwundet. Beim Grenadier-Bataillon von Kleist waren 4 Grenadiere verwundet worden. Zwei Offizieren des Regiments Garde Nr. 15 wurden zum Lohn Pour le merites verliehen, die höchste Preußische Tapferkeits-Auszeichnung.

In der Nacht vom 25. auf den 26.05.1757 besetzten 100 Grenadiere des III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 unter Capitain Friedrich Wilhelm von Rohdich den am weitesten gegen die Festung vorgeschobenen Posten. In der Nacht brachen plötzlich eine große Zahl Österreicher, darunter 1.000 Kroaten, im Schutze der Dunkelheit auf den Posten zu. Rohdich hatte vorher schon seine kleine Schar in 4 Züge aufgeteilt und versuchte nun den Posten so lange als möglich zu halten, damit die Hauptmacht alarmiert werden konnte. Er ließ nun einen Zug vorrücken und kommandierte fortwährend und so laut als möglich "Marsch!", was von den ebenso laut Unteroffizieren wiederholt wurde. Dann ließ er zugweise feuern. Damit verwirrte er die von General von Buttlar geführten Angreifer und so gewann man die kostbare Zeit zum Heranführen der Verstärkungen. Der Ausfallversuch vom 25./26.05.1757 mißlang ebenso wie der Versuch zwei Tage zuvor.

Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 in der Schlacht von Kolin am 18.06.1757, Gemälde von Prof. Richard Knötel, Regimentschronik.

Rohdich erhielt als Anerkennung vom König den Orden Pour le mérite, eine "Canonicats-Präbende" und später noch die Amtshauptmannschaft von Rosenberg. Der Verein für die Geschichte Potsdams in der 19. Sitzung vom 23.02.1864:

"Rohdich brachte den Winter über in Dresden zu. Dagegen sollte der Feldzug des nächsten Jahres, 1757, ihm Gelegenheit zu persönlicher Auszeichnung bieten, dien um so folgenreicher für ihn war, als sie zum ersten Male das Auge des großen Königs auf ihn lenkte.

Diese gewiß lange von ihm herbeigesehnte Gelegenheit fand sich bei der Belagerung von Prag, wohinein Friedrich der Große das Österreichische Heer gedrängt, nachdem er es in einer blutigen Schlacht geschlagen. Als es nun zur Einschließung, Berennung und Belagerung dieser starken Festung kam, stand das Regiment Garde und mit ihm der Capitain Rohdich der Kleinseite gegenüber und unter den Befehlen des Feldmarschalls von Keith. Die belagerte Armee, welche großen Mangel litt, machte wiederholte Versuche, sich aus der Festung herauszuschlagen. Ein solcher Ausfall geschah auch in der Nacht vom 25. auf den 26. Mai, als Rohdich gerade mit 100 Grenadieren einen am weitesten gegen die Festung vorgeschobenen Posten besetzt hatte. Eine sehr bedeutende Zahl Österreichischer Grenadiere, meist Freiwillige, und 1000 Croaten schlichen sich unbemerkt so weit als möglich in der Dunkelheit gegen den von den Preußen besetzten Posten vor und brachen dann gleichzeitig gegen das kleine Häuflein los. Rohdich traf jedoch die zweckdienlichsten Anstalten, so daß es ihm gelang, die Gegner bis zur Ankunft von Verstärkungen aufzuhalten und dann den Österreichischen General Buttler wieder in die Festung zurückzutreiben.

Als man die näheren Umstände des Gefechts erfuhr, war die einstimmige Anerkennung für die Geistesgegenwart und Tapferkeit des Capitains Rohdich gewonnen. Auf den Bericht, welcher darüber dem Könige gemacht wurde, erhielt Rohdich den Orden pour le mérite, eine Canonicats-Präbende und später auch noch die Amts-Hauptmannschaft von Rosenburg. Der König verlieh nämlich sehr häufig an verdiente Officiere die Enkünfte von geistlichen Stiftungen und bürgerlichen Ämtern, und waren dann Amts-Hauptmannschaft und Präbende eigentlich nur außerordentliche Geldzulagen."

In Wien beschloß die Kaiserin, daß Marschall Daun mit seiner auf 80.000 Mann verstärkten Armee auf Prag marschieren solle und dieses entsetzen. Ihm gegenüber stand nur das Korps Bevern mit gerade mal 17.000 Preußen. Der König ging nun persönlich mit 4 Bataillonen (darunter das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15), 6 Eskadronen und 15 schweren Geschützen zum Korps Bevern und wollte Daun eine Schlacht liefern. Bevern wußte, daß er Daun nicht gewachsen war und versuchte, so gut es ging, dessen Vormarsch auf Prag zu verlangsamen. Am 13.06.1757 erreichte der König Aurziniowes und versuchte, ein kleines Detachement unter Treskow an der Saszawa an sich zu ziehen. Am Morgen des 14.06. erfuhr der Herzog von Bevern den Anmarsch des Königs, jedoch so unklar über dessen Richtung, daß er um ihm entgegen zu gehen, 1½ Meilen in die falsche Richtung marschierte. Der König erreichte unterdessen Kaurzim und war nun selber in höchster Gefahr mit seiner kleinen Schar von Daun aufgerieben zu werden. Am Abend konnten sich jedoch Bevern, Treskow und der König im Lager von Malotitz bei Kaurzim vereinigen. Der König beorderte noch am Abend den Fürsten Moritz von Dessau mit 6 Bataillonen und 10 Eskadronen aus dem Lager von Prag zu ihm zu stoßen. Am 15.06.1757 blieb der König stehen, der Fürst von Dessau traf in der Nacht mit seinen Verstärkungstruppen ein. Die Preußen waren nun etwa 34.000 Mann stark. Ihnen gegenüber standen die ca. 53.000 Österreicher und Sachsen unter Daun im Lager von Gintitz. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 war an diesem Tage ungefähr stark: 25 Offiziere, 59 Unteroffiziere, 20 Spielleute, 7 Zimmerleute, 870 Gemeine und 6 Feldscheerer. Der vorsichtige (man könnte auch sagen zaudernde) Marschall Daun ging am 16.06.1757 in die für ihn sehr vorteilhafte Stellung von Kriechenau auf dem Kramhajeker Berg. Diese starke Stellung frontal anzugreifen, hielt der König nicht für sinnvoll. Er beschloß daher, den rechten Flügel zu umgehen. Am 16.06. blieb der König im Lager, am 17.06.1757 marschierte er dann nachmittags nach Planian ab und bezog am Abend bei Wrbczan ein Lager. Daun zog daraufhin seinen rechten Flügel weiter nach rechts auseinander. Nun stand sein linker Flügel südlich Planian bei Hradenin, durch unwegsames Gelände gut gesichert. Die Masse der Reiterei des Generals Radasdy im Zentrum, der rechte Flügel stand mit leichten Truppen vor dem Dorf Krzeczhorz unweit des Eichwaldes. Die Dörfer vor der Front wurden stark besetzt.

Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 in der Schlacht von Kolin am 18.06.1757, Gemälde von Carl Röchling, Archiv Seitenautor.

Der König beschloß nun den rechten Flügel Dauns anzugreifen und marschierte am 18.06.1757 um 05:00 Uhr aus der linken Flanke gegen Planian ab. Seine Armee war in 2 Treffen und einer Reserve gestaffelt. 6 Grenadier-Bataillone bildeten eine rechte und linke Flanke. Der König wollte seine Linie in schräger Richtung gegen den rechten Flügel Dauns führen. Das 2. Treffen bildete damit den Rückhalt für das 1. und sollte dann den finalen Stoß führen. In diesem 2. Treffen stand die Leibgarde als zweites Bataillon des rechten Flügels an entscheidender Stelle. Gegen 08:00 Uhr erreichte der König das Wirtshaus "Zur Goldnen Sonne" und gab dort die Disposition zur Schlacht aus: Zieten sollte mit der Kavallerie erst Radasdy, dann den rechten Flügel der Österreicher angreifen. General Hülsen sollte mit 7 Bataillonen das Dorf Krzeczhorz nehmen und dann ebenfalls den rechten Flügel attackieren. Die Übrige Armee sollte dem Vormarsch Zietens und Hülsens folgen und hinter Krzeczhorz einschwenken und vom linken Flügel her angreifen. Daun erkannte die Absicht des Königs und schob daraufhin seine ganze Front weiter nach rechts, entsandte den Grafen Wied nach Krzeczhorz um eine Flanke zu bilden und besetzte schließlich den äußersten rechten Flügel, das Eichwäldchen. Auf der ganzen Front wurden 70 Geschütze verteilt. Nach dem Reitergefecht Zietens mit Radasdy rückte Hülsen in 3 Treffen gegen Krzeczhorz vor und nahm das Dorf unter schweren Verlusten. Jetzt erst bemerkte Hülsen die formierte Flanke bis zum Eichbusch und blieb zunächst in einem Treffen formiert etwa 2.000 Schritt vor dem Rest der Armee stehen. Zieten hatte unterdessen Radasdy erneut geworfen, sich dann aber aus dem Artilleriefeuer nach Kutlirz zurückgezogen. Der König änderte nun die Disposition und befahl der Armee sofort und nicht erst hinter Krzeczhorz, einzuschwenken und vorzugehen. 14 Bataillone im 1. Treffen unter Fürst Moritz von Dessau, dahinter 8 im 2. Treffen und an den Flanken die Kavallerie marschierten auf. Im schweren Artilleriefeuer rückten die Preußen gegen Brzistwy vor als der König sah, daß Fürst Moritz die rechte Flanke Hülsens nicht erreichte. Er befahl daraufhin, das 1. Treffen des Fürsten Moritz solle sich im Vorrücken links ziehen. Diese Bewegung glückte nicht, 4 Bataillone des 2. Treffens mußten daraufhin in die Lücken des 1. Treffens eingeschoben werden. Hülsen nahm nun den Eichbusch, überrannte eine feindliche Batterie und warf die feindliche Infanterie des 1. Treffens zurück. Fürst Moritz nahm die Lisiere (= Rand) von Brzistwy.

Einbruch des österreichischen Dragonerregiments Sachsen Gotha in das Karree des preußischen I. Bataillons Garde, Zeichnung von Jan Eschbach, Die Zinnfigur.

Nun hätte der Angriff Zietens mit seinen 55 Eskadronen erfolgen müssen, doch dieser blieb untätig stehen. Marschall Daun ging nun mit seinen starken Reserven zum Gegenangriff über und eroberte den Eichbusch zurück. Die Division Sincere griff den Fürsten Moritz an, während General Manteuffel mit viel zu starken Kräften das nur von wenigen Kroaten besetzte Dorf Chotzemitz angriff und damit die Truppen des Fürsten zusätzlich zersplitterte. Um 16:00 Uhr brach, nach vorangegangenen mehrfachen Kavallerieangriffen, die Sächsische Kavallerie durch die inzwischen arg gelichteten Reihen in Front und Flanke. 14 Preußische Bataillone wurden zum größten Teil einzeln zusammengeschlagen, der Rest floh in Richtung Kaiserstraße. Auch General Manteuffel wurde geworfen. Der König befahl nun, da er eingesehen hatte, daß heute kein Sieg zu erringen war, dem Herzog von Bevern, mit den noch intakten 7 Bataillonen und der wenigen Kavallerie den Rückzug der Armee nach Planian zu decken. Die Regimenter Moritz, Kalkstein und Manteuffel um 1. Treffen, die Leibgarde im 2. Treffen. Der rechte Flügel kam zuerst an den Feind und verlor schnell viele Leute im mörderischen Gewehr- und Kartätsch-Feuer, sodaß sich das 1. Treffen zurückziehen mußte und von der Kavallerie verfolgt wurde. "Nunmehr kam die Reihe an uns. Bisher hatten wir Nichts gelitten, da aber die zwei Regimenter Moritz und Kalkstein so vor uns im 1. Treffen stunden, zurückwichen, so war es unserer Ehre zuwider partie mit ihnen zu machen." (aus der Regimentsgeschichte) Oberst von Tauentzien marschierte dann mit dem I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 etwa 150 Schritt gegen den Feind, nur unterstützt durch einen Teil des Kavallerie Regiments Driesen. Gegen 18:00 Uhr stand das Bataillon ganz allein gegen den linken Flügel der Österreicher und feuerte was es konnte. Der Feind war zunächst überrascht und wich zurück. Als die Österreicher aber erkannten, daß dies nur ein einziges Bataillon war, was da feuerte, griffen 5 Eskadronen Dragoner vom Regiment Herzog von Gotha an. Das schon durch das Kartätsch-Feuer von 40 Kanonen um die Hälfte reduzierte Leibbataillon drohte nun umzingelt zu werden. Die Reserve-Kavallerie griff seltsamerweise nicht ein um ihren Kameraden beizustehen, obwohl sie sah, was vor sich ging.

Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 in der Schlacht von Kolin am 18.06.1757, Gemälde von Günter Dorn, , Engelmann / Dorn: Die Schlachten Friedrichs des Großen.

"Unser drittes Glied mußte also rechts um Kehrt machen, und feuerte so glücklich, daß fast auf jeden Schuß ein Kerl vom Pferde fiel, und die übrigen die Flucht ergriffen. Weil nun die feindliche Infanterie uns indessen bis auf 100 Schritt auf den Hals gekommen war, so zogen wir uns zurück an die Armee, so schon sehr weit hinterwärts stand und sich nach Nimburg retirirte. Kaum waren wir 300 Schritt zurückmarschirt, so kam schon wieder feindliche Cavallerie um uns herum und wollte einhauen; allein unser Feuer vertrieb sie zum 2. und noch zum 3. und letzten Male, als wir schon 1500 Schritt zurück und nicht mehr stärker als 300 Mann waren. Hier zog sich der Feind ganz zurück auf seine Anhöhen, und wir waren die letzten aus der Schlacht, welche der übrigen Armee nach Nimburg folgten. Der Feind schickte nicht weiter, nicht einmal eine Husarenpatrouille nach, die uns verfolgt hätte. Er blieb den ganzen Tag auf den Höhen stehen, und glaubte, wir würden ihn den anderen Tag von Neuem attaquiren. Weil unser Bataillon sich 1½ Stunde ganz allein amüsirte, so wurde es Abend und der Feind in seinem Siege gewiß, anstatt dessen, wenn wir uns sogleich mit den anderen zurückgezogen hätten, so würde der Feind die Armee verfolget, die Infanterie zerstreuet, die Bagage erbeutet haben, ja der König hätte keine Zeit übrig gehabt sich zu retiriren und wäre vielleicht gefangen worden. Der König ist sehr mit unser Bataillon zufrieden und giebt jedem Kerl monatlich 1 Thlr. Zulage. Das Schlimmste ist, daß ich bei Nacht alle Bagage verloren. Als unsere verdammte Cavallerie beim Ausreißen die Bagage passirte, rief dieselbe den Knechten zu, daß Alles verloren und die, so ihr Leben lieb hätten, sich mit der Flucht retten sollten. Dieses war genug für einen Bauernkerl. Die meisten schmissen die Sachen ab, und jugen davon, viele plünderten solche vorher und verkauften alles an die Reuter, und eine große Anzahl sind auch mit den Pferden davon gegangen, ohne daß man weiß, wo sie geblieben sind." (aus einem Bericht eines Offiziers des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15)

Karte der Schlacht von Kolin am 18.06.1757, Archiv Seitenautor.

Die Fahne des Bataillons I. Leibgarde Nr. 15 war während der Schlacht mehrere Male zerschossen worden, mehrere Fahnen-Unteroffiziere fielen, unter ihnen auch ein Junker von dem Knesebeck. Keine Frage, der Tag der Schlacht von Kolin war ein wahrer Heldentag für die Garde, er wurde bis 1918 im Ersten Garderegiment zu Fuß stets festlich begangen. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 hatte mit seinem Blut den Rückzug der Armee und des Königs ermöglicht.

Die Schlacht von Kolin am 18.06.1757 kostete die Preußen 392 Offiziere und 13.376 Unteroffiziere und Gemeine. 22 Feldzeichen und 45 Kanonen gingen verloren. Die Österreicher verloren 360 Offiziere und 7.754 Unteroffiziere und Gemeine ein. das I. Bataillon Leibgarde 8 Offiziere und 270 Unteroffiziere und Gemeine an Toten. Dazu kamen 16 Offiziere und 172 Unteroffiziere und Gemeine an Verwundeten. Insgesamt also ein Verlust von 24 Offizieren und 475 Unteroffizieren und Gemeinen. Gefallen waren die Lieutenants von Bock, von Stosch, von Horn, von Kannegießer, von Stange; die Fähnrichs von Schenck, von Puttkammer, von Bartsch. Verwundet wurden der General von Ingersleben (Kommandeur des Bataillons), Oberst von Tauentzein, Capitain von Kameke, die Lieutenants von Barby, von Gartz, von Klitzing, von Wangenheim, von Logau, von der Schulenburg, von Scheelen, von Prittwitz; die Fähnrichs von Zanthier, von Bredow, von der Osten, von Puttkammer, von der Marwitz, von dem Knesebeck.

"So wie Pyrrhus, da er zum ersten Male Roms Legionen bekämpfte, die erschlagenen Römer mit Erstaunen betrachtete, so blickten Theresiens Feldherren auf die mit dem Gesicht gegen den Feind gewandten Leichname der gefallenen Leibtrabanten." (aus der Regimentsgeschichte)

Am Brunnen in Nimburg hielt der König die berühmte Heerschau der geschlagenen Trümmer Armee von Kolin ab. Dann eilte er mit diesen nach Prag zurück, da die Belagerung nun natürlich aufgegeben werden mußte. Gleich nach der Ankunft des Königs vor Prag hörte die Beschießung auf. Die Batterien wurden abgebrochen, das Belagerungsgeschütz nach Leitmeritz geschickt. Der Abzug vom rechten Moldauufer am 20.06.1757 ging ungestört vor sich, danach marschierte diese Kolonne (mit ihr der König) bei Brandeis über die Elbe. Der Abzug vom linken Ufer der Moldau am  Nachmittag des selben Tages ging jedoch nur unter schweren Kämpfen von statten. Marschall Keith´s Truppen erlitten starke Verluste. Beim Regiment Garde Nr. 15 waren 1 Grenadier Verwundet, beim Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 ein Grenadier tot und drei verwundet, beim Bataillon Bülow waren 28 Grenadiere gefallen, 3 Offiziere und 49 Grenadiere verwundet, beim Bataillon Kleist 18 Grenadiere tot, 43 verwundet. Die letzten beiden Bataillone waren bei der Arrieregarde (= Nachhut). Unter den Verwundeten war auch der Bataillonsführer, Oberst Gottlieb Daniel von Bülow. Major von Kleist übernahm daraufhin dessen Bataillon. Das alte Bataillon Kleist übernahm der Major Levin von Hacke vom Grenadiergarde Bataillon von Retzow Nr. 6. Dieser war jedoch krank und führte das Bataillon in Realität erst 1758. Für ihn übernahm die Führung zunächst Oberstlieutenant Friedrich von Plotho vom Regiment Prinz Friedrich.

Ab diesem Tag waren also die Flügelgrenadiere der Garde wie folgt aufgeteilt: 2 Kompagnien des Regiments Garde Nr. 15 und 2 des Regiments Prinz von Preußen Nr. 18 bildeten das Grenadierbataillon von Kleist. 1 Kompagnie vom Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 und 3 Kompagnien des Regiments Anhalt Nr. 3 bildeten das Grenadier-Bataillon von Hacke.

Es wurde die ganze Nacht hindurch marschiert, gegen 01:00 Uhr wurde ein längerer Halt gemacht, da die Truppen sehr erschöpft waren. Gegen Morgen wurde weitermarschiert und am Mittag erreichte man  das Lager von Mickowitz. Der König wollte nun mit der Hauptarmee auf das linke Elbufer zurückgehen um von dort gegen die anrückenden Franzosen und Reichstruppen zu operieren. Eine Seitenarmee sollte die Lausitz gegen die Österreicher decken, von denen Friedrich annahm, daß sie gewohnt langsam waren und sich zudem auch aufteilen würden. Das taten sie aber nicht und der König war auch nach eindeutigen Meldungen Anfang Juli 1775 nicht vom Gegenteil zu überzeugen. Um die Seitenarmee des Fürsten von Anhalt kampffähiger zu machen, schickte er ihr Verstärkungen zu und nahm dafür einige Truppenteile, die bei Kolin schwer gelitten hatten, zu seiner Armee. Darunter war auch das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15, welches am 22.06.1757 zum König stieß. Eine Anekdote der Regimentgeschichte erzählt dazu: "Beim Anblick der stolzen Trümmer seines geliebten Bataillons soll der König Thränen der Rührung nicht haben unterdrücken können. Als aber die Grenadiere Vater Fritz weinen sahen, da trat der Flügelmann an ihn heran und sagte »was schadet es, daß die Kaiserin auch einmal einen Sieg erfochten hat! Davon wird uns der Teufel nicht holen!«" So waren nun alle 4 Garde-Bataillone bei der Armee des Königs am 27.06.1757 bei Leitmeritz vereint. Fürst Moritz stand am 28.06. bei Jung-Bunzlau, an diesem Tage übertrug der König dem Prinzen von Preußen den Befehl über das Corps des Fürsten Moritz. Der Österreichische General Laudon, der dem König auf dem linken Elbufer gegenüber stand, operierte mit Streifcorps gegen dessen Verbindungslinien mit Dresden.

Das Grenadier-Bataillon von Kleist war nach Welmina (Wellemin) detachiert worden. Dort griffen das Bataillon ca. 1.200 Kroaten mit 3 Geschützen das Bataillon am 03.07.1757 an. Nachdem die Geschütze eine Weile gefeuert hatten, umschwärmten die Kroaten das Bataillon. Kleist ließ daraufhin ein Karree bilden und nun folgte ein dreistündiges Gefecht. Als die Grenadiere sich verschossen hatten, drangen die Kroaten in eine Flanke ein. Sie wurden mit dem Bajonett hinausgeworfen und just in diesem Moment griffen Preußische Husaren in den Kampf ein und vertrieben die Kroaten in die Berge. Die Verluste des Bataillons Kleist waren: 7 Offiziere und 205 Unteroffiziere und Gemeine an Toten und Verwundeten.

Bis zum 20.07.1757 blieb der König in Leitmeritz, am 23. rückte er auf Pirna, am 26. ging er über die Elbe. Zur Unterstützung der Armee des Prinzen von Preußen führte der König am 29.07.1757 18 Bataillone und 38 Eskadronen über die Spree bis nach Bautzen, wo die Armeen sich vereinigten. Unter der Verstärkung war auch Das Regiment Garde und die Bataillone Retzow und Kleist. Von Bautzen aus kommandierte der König die Leibgarde nach Potsdam zur Komplettierung ab. Unter Führung seines Obersten von Tauentzien marschierte das Bataillon über Dresden nach Potsdam und verblieb dort nun bis zum Herbst. Die zerschlagene und um 50.000 Mann reduzierte Preußische Armee stand nun volle 16 Tage in Bautzen und versuchte sich zu reorganisieren. Eile war geboten, denn die Franzosen und die Reichsarmee waren im Anmarsch, Schlesien mit leichten Truppen überschwemmt, die Österreichische Hauptarmee, zwischen Schlesien und dem König, stand bei Zittau.

Endlich konnte der König am 12.08.1757 gegen Zittau vorgehen. Sein Plan war es, die Gegner einzeln zu schlagen, so lange sie sich noch nicht vereint hätten. Keith passierte die Spree bei Bautzen, der König ging am 15. auf Weißenberg und marschierte in zwei Kolonnen in das Lager von Bernstädtel. Bevern erreichte am selben Tag Löbau und vereinte sich mit Keith. Am 16.08.1757 waren alle Preußischen Streitkräfte bei Bernstädtel vereint, der Gegner stand bei Burkersdorf in einer guten Stellung. Die Preußischen Generäle überzeugten den König davon, daß es nicht sinnvoll wäre, diese Stellung anzugreifen. Am 18.08. nahm General Grumbkow das strategisch wichtige Görlitz. Als die Österreicher nicht wie erhofft angegriffen hatten, zog sich der König am 20.08.1757 nach Bernstädtel zurück.

Nun begann ein für die Preußen unangenehmes Katz und Maus Spiel. Unterdessen war nämlich das im Elsaß organisierte französische Hilfscorps im Juli auf Frankfurt am Main marschiert, wo es der Prinz von Soubise übernahm, der darauf in Thüringen vordrang. Am 25.08.1757 vereinigten sich die Franzosen mit der Reichsarmee unter Prinz von Hildburghausen. Beide Armeen waren zusammen nun 57.000 Mann stark. Der König brach am gleichen Tag mit 16 Bataillonen und 25 Eskadronen gegen diese Bedrohung auf, mit dabei das Regiment Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6. Die Bataillone Hacke und Kleist blieben bei der dem Herzog von Bevern übergebenen Armee zurück. Über Bautzen, Hartha, kam der König am 29.08.1757 nach Dresden und vereinigte sich hier mit dem Corps des Fürsten Moritz. Von Dresden marschierte der König über Grimma und Pegau und überschritt am 11.09. bei Kösen die Saale. Dort erfuhr er vom Rückzug der feindlichen Armee nach Gotha und vom Vordringen eines Französischen Corps gegen die Preußischen Elbprovinzen. Er entsandte daraufhin den Herzog Ferdinand mit 5 Bataillonen und 10 Eskadronen gegen die Franzosen und ließ unter dem Fürsten Moritz 11 Bataillone und 10 Eskadronen an der Saale als Eingreifreserve stehen. Der König verfügte nun noch über 15 Bataillone und 25 Eskadronen, mit welchen er auf Erfurt rückte. Seydlitz wurde mit 20 Eskadronen nach Gotha entsandt um den Feind zu beobachten. Fürst Moritz ging unterdessen nach Torgau, da er Nachricht erhalten hatte, die Österreicher rückten gegen die Mark Brandenburg vor. Unterdessen war auch Rußland ernsthaft in den Krieg eingetreten und hatte am 30.08.1757 bei Groß-Jägersdorf die erste Schlacht gegen Preußen geschlagen. Ebenfalls am 30.08. stand das Corps Winterfeld, bei ihm auch die Grenadier-Bataillone Kleist und Hacke, beim Jäckel- oder Holzberg, Görlitz im Rücken. Winterfeld hatte den Auftrag, Görlitz mit seinen Magazinen zu sichern. Am 07.09.1757 kam es zum Gefecht bei Moys, die Bataillone Keith und Hacke waren daran aber nicht beteiligt. Bei dem Gefecht fiel General von Winterfeld, der unter dem Soldatenkönig lange in der Garde gedient hatte. Seinen Posten übernahm General Fouqué. Am 10.09.1757 ging das Corps mit der Armee des Herzogs von Bevern nach Schützenhain, am 12. nach Bunzlau. Dann marschierte der Herzog über Haynau nach Liegnitz, welches er am 19.09.1757 erreichte. In der Nacht zum 27.09. brach Bevern nach Glogau auf und marschierte auf dem rechten Ufer der Oder hinauf bis Breslau, wo er wieder auf das linke Ufer der Oder wechselte. Am 01.10.1757 nahm der Herzog sein Lager hinter der Lohe, Breslau in seinem Rücken. Die Grenadier-Bataillone Kleist und Hacke waren beim Herzog.

Der König ging nun nach Buttstädt zurück um sich dem Fürsten Moritz mehr zu nähern. Am 11.10.1757 cantonnirte der König bei Eckartsberga. Am 15.10.1757 rückte das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 in Leipzig ein, jedoch noch ohne Feldequipage, die ihm ja bei Kolin abhanden gekommen war. Am 16.10. war auch der König in Leipzig und erfuhr, daß die Österreicher unter Haddik gegen Berlin vorgingen. Sofort marschierte der König nach Torgau, wo er am 18. eintraf. An der Saale ließ er Keith mit 7 Bataillonen 6 Eskadronen zurück. Dann bekam der König die Meldung, daß die Vereinigte Armee gegen die Saale vorrücke und Keith auf Leipzig zurück ging. Der König beschloß daraufhin, die Corps der Prinzen Moritz und Ferdinand an sich zu ziehen und endlich die Schlacht zu suchen. Am 26.10.1757 erreichte er Leipzig, wo Keith hart bedrängt wurde. Das I. Bataillon Leibgarde wurde aufgrund der fehlenden Feldequipage in Torgau zurückgelassen. Lediglich die Grenadierkompagnie und weitere 60 Mann nahm der König als Spezialbedeckung mit sich. Am 30.10.1757 marschierte der König mit 14 Bataillonen und 18 Eskadronen nach Weißenfels. Mit dabei die das Regiment Garde Nr. 15 und das Grenadiergarde Bataillon von Retzow Nr. 6. Der Gegner, an die 64.000 Mann stark, stand auf der anderen Saale-Seite von Weißenfels bis Halle. Die Brücke in Weißenfels wurde von den Franzosen abgerissen, daher bekam die Leibgarde in Torgau den Befehl, den dort befindlichen Pontontrain heranzubringen. Am 03.11.1757 erreichte es Leipzig und bekam nun Befehl, dort stehen zu bleiben, da man in Weißenfeld schon eine Behelfsbrücke errichtet hatte. Am 04.11.1757 brach der König mit seiner kleinen, nur 20.000 Mann starken Armee auf und schlug am 05.11.1757 die Schlacht von Roßbach, bei der die Garde keinen keinen einzigen Schuß abgefeuert und keinen Mann verloren hatte. Die schlacht begann mit der Attacke der Reiterei unter Seydlitz, die ihn in den Rücken der Feindlichen Infanterie führte, nachdem er die Kavallerie vollständig geschlagen hatte. Der König befahl nun der hinter dem Janushügel marschierenden Infanterie einzuschwenken und den Gegner in die linke Flanke zu fallen. Durch einige geschickte Rechtsschwenke gelang es, den in Bataillonskolonnen gegen Reichertswerden vorgehenden Gegner tatsächlich in der Flanke zu packen. Die Franzosen ergriffen bald die Flucht, sodaß nur wenige Preußen überhaupt auf Schußweite herankamen. In die wilde Flucht brach erneut Seydlitz mit seiner Reiterei. Erst auf den Höhen von Obschütz wurde die Verfolgung aufgrund der einbrechenden Dunkelheit abgebrochen.

Der Sieg in der Schlacht von Roßbach am 05.11.1757 war vollständig, bei nur eigenen Verlusten von 30 Offizieren (davon 7 gefallen) und 518 Mann (davon 162 gefallen), büßten die Alliierten etwa 650 Offiziere und 9.500 Mann ein. Die Garden hatten keinen Mann verloren. Seydlitz bekam dafür den Schwarzen Adler Orden verliehen. Damit war die Gefahr im Westen für das bedrängte Preußen zunächst gebannt. Die Russen zogen sich derweil wieder aus Ost-Preußen, bis auf Memel, zurück.

Karte der Schlacht von Roßbach am 05.11.1757, Archiv Seitenautor.

Am 14.11.1757 marschierte der König von Leipzig ab über Torgau, Großenhayn, Kamentz, Bautzen und erreichte am 23.11. Zittau. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 verblieb in Leipzig.

Am 22.11.1757 wurde die Schlacht von Breslau geschlagen. Am rechten Flügel unter dem Generallieutenant Brandeis standen die Grenadier-Bataillone Kleist und Hacke beim Dorf Pilsnitz. Dieser Flügel wurde zu Beginn der Schlacht dreimal von überlegenen Kräften des Generals Keuhl angegriffen. Die Angriffe wurden jedoch allesamt abgeschlagen und der Gegner zog sich in Unordnung aus dem Schußbereich zurück.  Erst in der Nacht zogen sich mit den letzten Truppen die beiden Grenadier-Bataillone nach Klein-Leipe zurück. Die Verluste waren enorm: Das Grenadier-Bataillon Kleist hatte 4 Offiziere, 6 Unteroffiziere und 102 Gemeine als gefallen und 3 Offiziere, 7 Unteroffiziere und 126 Gemeine als verwundet eingebüßt. Das Grenadier-Bataillon Hacke hatte 2 Offiziere, 3 Unteroffiziere und 107 Gemeine als gefallen und 2 Offiziere, 1 Unteroffizier und 12 Gemeine als  verwundet eingebüßt. Die Reste der Armee wandten sich nach Glogau, auf Befehl des Königs übernahm General von Zieten den Befehl.

Am 28.11.1757 erreichte der König Parchwitz, bei ihm das Regiment Garde Nr. 15 das Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6. Dort vereinten sich am 02.12.1757 die Armeen des Königs und Zietens, sodaß nun 32.000 Mann unter dem Kommando des Königs standen. Damit waren auch die Flügelgrenadiere der Garde wieder beim König, denn mit der Armee Zietens kamen die Grenadier-Bataillone Kleist und Hacke nach Parchwitz. Am Abend des 04.12.1757 erhielt der König die Nachricht, daß der Feind aus dem Lager bei Breslau abgezogen und über das Schweidnitzer Wasser gegangen sei. Die Preußen lagen an diesem Tag um Neumark. Preußen hatte zwar zuletzt erfolgreich gefochten, dennoch war die Lage alles andere als rosig. Mit halb Europa im Krieg und von seinen Verbündeten nur unzureichend unterstützt, sah der König keine andere Wahl, als zu siegen oder unterzugehen. "Lassen Sie es sich gesagt sein, ich werde gegen alle Regeln der Kunst die beinah dreimal stärkere Armee des Prinzen Carl angreifen, wo ich sie finde ... Ich muß diesen Schritt wagen, oder Alles ist verloren, wir müssen den Feind schlagen, oder uns Alle vor seinen Batterien begraben lassen. Das Regiment Cavallerie, welches nicht gleich, wenn es befohlen wird, sich unaufhaltsam in den Feind stürzt, lasse ich gleich nach der Schlacht absitzen und mache es zu einem Garnison-Regiment. Das Bataillon Infanterie, das, es treffe worauf es wolle, nur zu stocken anfängt, verliert Fahnen und Säbel, und lasse ich ihm die Borten von der Mondirung abschneiden." (aus der Regimentsgeschichte)

Karte der Schlacht von Leuthen am 05.12.1757, Archiv Seitenautor.

Die Ordre de bataille vom 05.12.1757 sah das Grenadier-Bataillon Hacke in der Avantgarde, das Regiment Garde Nr. 15 in der Brigade des Prinzen Franz von Braunschweig auf dem rechten Flügel, links neben ihm das Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 als Teil der Brigade des Generals von Kahlden. Das Grenadier-Bataillon Kleist schließlich bildete mit dem Grenadier-Bataillon Unruh die rechte Flanke des 1. Treffens. Die 84 Bataillone und 144 Eskadronen des Prinzen Karl von Lothringen standen mit dem Rücken zum Schweidnitzer Wasser. Der rechte Flügel unter dem Herzog von Ahremberg stand an das Dorf Rypern angelehnt. Vor dem Dorf war ein Gehölz und davor ein Graben. Beides war stark mit Infanterie besetzt. An den rechten Flügel schloß sich die Kavallerie, das Dorf Guckerwitz im Rücken, dann die Infanterie in 2 Treffen von Frobelwitz bis Leuthen an. Die Kavallerie des linken Flügels stand bei Leuthen und an diese angeschlossen stand das Corps des Grafen Radasdy bis nach Sagschütz, gegen das Vorwerk Coline eine zurückgezogene Flanke bildend. Der König beschloß den Hauptangriff gegen den feindlichen linken Flügel zu führen, den er für schlecht angelehnt befand. Nachdem die 4 Kolonnen am 05.12.1757 losmarschiert waren, ließ er die Teten jeder Kolonne hinter dem Dorf Borne rechts schwenken und verwandelte damit den Flügelabmarsch in einen Treffenabmarsch. Während des Aufmarsches wurde eine feindliche Kavallerie-Abteilung von der Preußischen Kavallerie vor dem Dorf Borne angegriffen. Die Infanterie der Avantgarde postierte sich zur Unterstützung des Angriffes in den Gebüschen vor den Dörfern Lampertsdorf und Katlau. Nachdem der Aufmarsch beendet war, bleiben 6 Bataillone der Avantgarde an der Tete um die Flanke der Kavallerie zu decken. Bei diesen 6 Bataillonen war auch das Bataillon Hacke. Die Idee des Königs war, die ganze Armee gegen den linken Flügel des Gegners zu führen, dort einzuschwenken, diesen Flügel zu werfen, den eigenen linken Flügel aber zurückzuhalten. Die Hauptlast des Angriffes sollte also der Preußische rechte Flügel tragen und dort standen die Bataillone der Garde. General Wedel eröffnete mit 3 Bataillonen der Avantgarde und 10 so genannten Brummer-Geschützen, die General Retzow aus den Kasematten von Glogau herbeigeschafft hatte, gegen 13:00 Uhr die Schlacht von Leuthen. Die Infanterie des rechten Flügels folgte auf 300 Schritt Entfernung. Der rechte Flügel bestand aus der Brigade des Prinzen Franz von Braunschweig: Das Grenadier-Bataillon Kremzow, 2 Bataillone des Regiments Markgraf Karl Nr. 19 und 2 Bataillone des Regiments Garde Nr. 15. Dazu die Brigade des Generals Kahlden: Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6, 2 Bataillone des Regiments von Kannacher Nr. 30 und 2 Bataillone des Regiments von Pannewitz Nr. 10. Im Vorrücken wurden die Preußen von einem Geschütz im Gehölz vor dem Dorf Borne eingedeckt, welches die Österreicher dann aber zurückließen und sich auf die mit 14 Geschützen besetzte Höhe östlich Sagschütz zurückzogen. General Wedel, unterstützt von den übrigen 6 Bataillonen der Avantgarde aus der rechten Flanke, u. a. mit dem Bataillon Hacke und dem Bataillon Kremzow, nahm auch diese Höhe. Die feindliche Kavallerie ging hinter Gohlau zurück. Der feindliche linke Flügel war damit geworfen und die Preußische Kavallerie verfolgte den Gegner. Jetzt erst erkannte der Gegner die Absicht des Königs und versuchte nun seinen linken Flügel zu verstärken und den rechten Flügel vorrücken zu lassen, um wieder eine parallele Linie herzustellen.

Die Erstürmung des Katholischen Friedhofs von Leuthen am 05.12.1757 durch das III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15, Gemälde von Günter Dorn, Engelmann / Dorn: Die Schlachten Friedrichs des Großen.

Die Preußische Infanterie hatte sich währenddessen beständig rechts gezogen, sodaß der linke Flügel Lobetinz passierte. Die 6 Bataillone der Flanke warfen nun die einzeln zur Verstärkung des Österreichischen linken Flügels heranrückenden Bataillone. Jetzt erhielt das 1. Treffen Befehl, in Echelons zu avancieren, die Bataillone mit 50 Schritt Distanz zueinander. Die Echelons bewegten sich nun auf Leuthen zu, dessen Rand nur schwach, einzelne Punkte, namentlich der Kirchhof, jedoch sehr stark besetzt waren. Hinter dem Dorf stand eine Infanterie-Linie und auf der nächsten Höhe zahlreiche Artillerie. Die Preußische Infanterie rückte geschlossen gegen das Dorf an und drang in dasselbe ein. Im Dorf entbrannte ein heftiges Infanteriegefecht, das III. Bataillon Garde Nr. 15 hatte besonders um den Kirchhof erbittert kämpfen müssen.

Die Erstürmung des Katholischen Friedhofs von Leuthen am 05.12.1757 durch das II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15, Gemälde von Günter Dorn und Carl Röchling, Engelmann / Dorn: Die Schlachten Friedrichs des Großen und Regimentschronik.

"Das Dorf lag in der Länge vor, lauter geschlossene Gehöfte, stark mit Mannschaft besetzt, welche ein tüchtiges Feuer machte. Der Commandeur und mit ihm das Bataillon (3. Bataillon Garde) stutzten. Zwei Erfolge nur waren möglich, - entweder Eindringen oder Zurücklaufen. Das Erste mußte im Moment geschehen, oder das Andere unausbleiblich. Der älteste Hauptmann, von Möllendorff, rief also dem Commandeur zu: »Hier ist nicht zu bedenken!« weil jedoch dieser unentschlossen blieb, so sprang jener mit den Worten vor: »Ein anderer Mann her! Leute folgt mir!« Es ging auf einen versperrten Thorweg los. Man riß und stieß die Flügel auf; 10 Gewehre lagen im Anschlag, der Anführer eines muthigen Klumpens stürzte sich darunter." (aus einem Bericht des Preußischen Offiziers von Berenhorst).

"Drittes Bataillon Regiments-Garde in der Schlacht bei Leuthen 1757" Gemälde von Carl Röchling (1855-1920), Röchling: Unser Heer.

Just diesen Moment der Attaque von Moellendorffs[4] (1724-1816) hat später der Maler Carl Röchling (1855-1920) festgehalten. Er malte die Erstürmung des Kirchhofs von Leuthen aus insgesamt 4 Perspektiven. Alle Bilder hingen im Regimentshaus des Ersten Garderegiments zu Fuß.

Hinter dem Dorf setzten sich die Österreicher erneut fest. Im Dorf waren die Preußischen Linien durcheinander geraten. Es waren der General von Retzow und dessen Sohn, Lieutenant von Retzow, vom gleichnamigen Grenadiergarde-Bataillon Nr. 6, welche durch Herbeiführen eines Bataillons aus dem 2. Treffen diesen kritischen Moment meisterten und damit das Dorf Leuthen in der Hand der Preußen blieb. Danach vollendete die Preußische Kavallerie den Sieg von Leuthen. Die Österreicher flüchteten nach Lissa, wohin der König selbst sie verfolgte. Am Abend sangen die zwischen Guckerwitz und Lissa stehenden, siegreichen Preußen in Dankbarkeit den berühmt gewordenen Choral von Leuthen: "Nun danket alle Gott!"

Die Verluste bei der Schlacht von Leuthen am 05.12.1757 waren enorm. Preußen verlor 223 Offiziere und 6.159 Unteroffiziere und Gemeine, davon 59 Offiziere und 1.116 Unteroffiziere und Gemeine an Gefallenen. Die Österreicher verloren 3.000 Tote und etwa 7.000 Verwundete, darunter 11 Generale. Außerdem eroberten die Preußen 46 Fahnen, 9 Standarten, 131 Geschütze und nahmen 12.000 Mann gefangen. Das Regiment Garde Nr. 15 verlor 1 Offizier (Lieutenant von Waigotsch), 1 Unteroffizier und 71 Gemeine an Toten und 16 Offiziere, 24 Unteroffiziere und 405 Gemeine an verwundeten. Die Verwundeten Offiziere waren: Oberstlieutenant von Diericke, Major von Arnim, die Capitains von Möllendorff, von Lüdertitz, von Lohmann, von Kospoth, von Boriskowsky, die Lieutenants von Brüning (von Brünneck), von Bockelberg, von Reder, von Hademsdorf, von Wachholtz und die Fähnrichs von Arnim, von Freesen, von Bork. Das Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 verlor2 Unteroffiziere und 33 Gemeine an Gefallenen und 4 Offiziere, 7 Unteroffiziere und 146 Gemeine an Verwundeten. Die verwundeten Offiziere waren: Die Lieutenants von Flemming, von Breitenbach, von Sydow und der Fähnrich von Dobschütz. Das Bataillon Hacke hatte an Toten 2 Offiziere (die Lieutenants von Trotschke und von Retzow), 1 Unteroffizier und 10 Gemeine. an Verwundeten 3 Unteroffiziere und 79 Gemeine. Das Bataillon Kleist hatte 1 Offizier (Capitain von Barfuß von der Garde), 2 Unteroffiziere, 20 Gemeine an Toten. Dazu noch 1 Offizier und 23 Gemeine an Verwundeten. Die beiden Grenadier-Bataillone Hacke und Kleist waren sehr schwach, da auch die Verluste der Schlacht von Breslau noch nicht ausgeglichen waren.

Der Lohn des Königs war die Verleihung von sechs Pour-Le-Merite, dem höchsten Kriegsorden Preußens[5], an die Bataillone der Garde. Der Tag der Schlacht (05.12.) ist denn auch ein Ruhmes- und Jahrestag des ganzen Regimentes und seines Nachfolgeregimentes, dem Ersten Garderegiment zu Fuß geworden, der stets festlich begangen wurde. 

Am 06.12.1757 marschierte die Armee in 2 Kolonnen rechts ab und setzte über das Schweidnitzer Wasser. Der Gegner war inzwischen über die Lohe gegangen und sammelte seine Armee bei Breslau. Am 07.12. rückte der König vor Breslau und schloß es von der linken Seite her ein. Am 13.12.1757 begannen die Preußischen Batterien ihr Feuer, schon am 19.12 ergab sich die Besatzung der Stadt. Lediglich Schweidnitz war nun noch in Österreichischer Hand, wurde jedoch den Winter über blockiert. Die Preußen zogen jetzt in die Winterquartiere ab. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 stand nach wie vor in Leipzig. Das Regiment Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 in Breslau, genau wie das Grenadier-Bataillon Hacke. Das Grenadier-Bataillon Kleist stand den Winter über in Neiße.

Während der Zeit der Winterquartiere wurde zwischen dem König und dem Oberst von Tauentzien, Kommandeur des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15, ein sehr interessanter Schriftwechsel geführt. So schreibt Tauentzien z. B. am 20.12.1757, daß Lieutenant von Schulenburg gestorben sei am Fieber und daß einzelne Grenadiere "dumme Streiche gemacht haben." Außerdem habe er 3.000 Thaler vom Rath und der Kaufmannschaft Leipzigs erhalten und an die Kriegskasse abgeführt. Der König antwortete, "Tauentzien solle Desertionen verhüten, Geld und Rekruten in Sachsen auftreiben helfen und Leute von allerhand Gewerken, namentlich Taftmacher engagiren, die sich in Preußischen Landen niederlassen wollen." Am 02.01.1758 schrieb der König: "Mein lieber Oberst von Tauentzien, Ich befehle hierdurch, daß Ihr dahin sehen sollt, damit die Winterquartiergelder vor die Officiers von meinem Regiment aus Leipzig gezahlt werden müssen. Dabei Ihr denn die Winterquartiergelder vor die Grenadier-Compagnie von meinem 1. Bataillon Garde nicht vergessen müsset. Dabei meine Intention ist, daß Ihr diese Winterquartiergelder auf die dortigen reichsten katholischen Bürger eintheilet, damit sie solche bezahlen, weil sie bis dato Nichts bezahlt haben." Am 07.01.1758 schickte von Tauentzien dem König durch den Lieutenant von Horn "wie ihm befohlen, die Liste von den liederlichen neuen Leuten nebst den Uebercompletten, die in Leipzig angeworben. sie sind nicht groß aber hübsche junge Leute. Die Winterquartiergelder will er schon beitreiben, aber mit den 800,000 Thlr., die der König gefordert, wolle sich der Rath noch nicht befassen." Tauentzien legte diesem Brief eine Liste von 4 Unteroffizieren, 5 Tambours und 63 Gemeinen Überkompletten bei, unter denen der Größte 14 Zoll maß. Die Kompagnie-Chefs waren damals: Leibkompagnie der König, 2. Oberst von Tauentzien, 3. Capitain von Laxdehnen, 4. Oberstlieutenant von Ingersleben, 5. Capitain von Billerbeck. Am 16.01.1758 schrieb Tauentzien, daß die Grenadier-Compagnie über Torgau abmarschiert sei und daß er die geforderten 800.000 Thaler ohne Exekution schwerlich erlangen könne. Am 21.12.1758 antwortete der König: "Tauentzien soll Exekution vornehmen." Am 26.01.1758 schrieb Tauentzien: "Zu den Winterquartiergeldern habe er 7000 Thaler und hoffe den Rest zu erhalten. Dem Rath habe er Execution eingelegt, doch habe er erfahren, daß die Kaufleute ihre besten Sachen einpacken, um sie fort zu schicken. Handwerker habe er schon sechs Familien engagirt, er habe jetzt den Canal gefunden solche Leute zu bekommen, und bitte nur um Befehl, wohin sie zu adressiren." Der König antwortete am 05.02. aus Breslau: "Tauentzien solle mit schärfster Execution gegen den Rath vorgehen mit der größten rigeur verfahren, da das Geld absolut herbeigeschafft werden müsse. Wenn es nicht anders sein kann, und diese Leute es nicht anders haben wollen, so solle er solche Magistratspersonen und Kaufleute auf die Wache zu Leipzig setzen lassen. Se. Majestät sehe ganz wohl, daß die Mäßigung, so Sie bishero bei aller Gelegenheit bezeiget haben, Ihre Feinde nur immer stolzer und unbiegsamer macht. Um nun Gleiches mit Gleichem zu vergelten, so werden Sie in Zukunft Ihr Verfahren jederzeit nach dem Betragen Ihrer Feinde richten und je mehr Schaden diese dem Lande machen, je mehr wird die Stadt Leipzig bezahlen müssen." Tauentzien antwortete daraufhin am 11.02.1758 aus Leipzig: "Die Ordre an den Magistrat habe er gestern abgegeben, und da sie ihm erwiedert, daß sie keinen Groschen mehr geben wollten, so habe er 1 Officier und 50 Mann Wache auf dem Rathhause commandirt, alle Thüren besetzt und keinen heruntergelassen, mit der Bedrohung, sie so lange bei Wasser und Brod setzen zu lassen, bis er die 800,000 Thaler richtig erhalten. Am 11. boten sie 150,000 Thaler auf Abschlag, er habe dies aber nicht acceptiren wollen, da es nicht einmal die Hälfte sei. Se. Majestät müßten nicht so ungnädig sein, wenn er so verführe, anders sei aber Nichts zu bekommen, er werde sehen, was sie morgen offeriren würden." Am 22.02.1758 schrieb Tauentzien dann erneut an den König: "14,000 Thaler Quartiergelder seien nun zusammen; 9800 Thaler habe er an Capitain von Bardeleben und Oberstlieutenant von Saldern übermacht (vom Regiment Garde), den Rest behalten. Der Rath habe angefangen auf die 800,000 Thaler abzutragen, auch für 8000 Thaler Silber in die Münze geschickt. Da Einige inzwischen saumselig sind, so wird er morgen Execution in die Häuser legen. Lieutenant von Stechow bittet um seinen Abschied, da er invalide. Es herrschten hitzige Fieber im Bataillon." Der König antwortete aus Breslau am 01.03.1758: "Er sei zufrieden mit dem Geldgeschäft. Stechow solle arretirt werden und nach Spandau geschickt werden. ... Sonst theile ich Euch hierbei nur noch vorläufig zu Eurer Nachricht mit, das gegen Ende Maerz und wenn das Wetter erst besser sein wird, Ich ein anderes Regiment an meinen Bruder den Prinzen Heinrich nach Leipzig schicken und das 1. Bataillon Garde von dort hierher marschieren lassen werde." Tauentzien antwortete am 07.03.1758: "Stechow ist durch Lieutenant von Scheelen fortgeschickt. 100,000 Thaler habe er bereits. Lieutenant von Garz ist geheilt aus Dresden zurückgekehrt, Lieutenant von Bork ist noch schlecht. Grenadier Berends von Laxdehnens Compagnie habe sich aus der Gefangenschaft selbst ranzionirt." Der König antwortete am 12.03. aus Breslau: "Approbirt Alles wegen der Gelder. Vor seinem Abmarsch solle Tauentzien den General Hauß genau darüber instruiren. Wegen der Rekrutirung im Berenburgischen müsse man je eher je lieber Leute zu bekommen suchen. Dem Fürsten von Berenburg könne seine sogenannte Garde ohne alles Bedenken weggenommen werden."

Am 03.01.1758 wurde der inzwischen zum General beförderte Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15, Freiherr von Geist, genannt von Hagen, zum Regiment von Amstel versetzt, welches er fortan führte. Sein Nachfolger als Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15 wurde Oberstlieutenant von Saldern.

Den Feldzug des Jahres 1758 begann der König am 15.03. mit der Belagerung von Schweidnitz. Er konzentrierte seine immer noch nicht komplett aufgefüllten 20 Bataillone und 35 Eskadronen an diesem Tag in Landshut. Die Lazarette waren immer noch mit Verwundeten und Kranken gefüllt, daher zählte die Armee nur 6.000 Mann Infanterie und 3.400 Mann Kavallerie. Bei der Belagerungsarmee befanden sich auch das Regiment Garde Nr. 15, das Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 und das Grenadier-Bataillon von Hacke. Die 8.000 Mannstarke Besatzung von Schweidnitz kapitulierte am 16.04.1758.

Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 rückte nun von Leipzig nach Neiße ab, wo es am 02.05.1758 eintraf. Oberst von Tauentzien wurde Kommandant der Festung. Am 27.04.1758 brach der König mit der Avantgarde, zu der die Garden und die Bataillone Hacke und Kleist gehörten, auf und marschierte bis Neustadt. Der Gegner wich unter General de Ville nach Ollmütz zurück. In Troppau blieb das Grenadier-Bataillon Kleist zur Verbindung mit Schlesien stehen. Am 02.05. standen die Preußen vor Ollmütz bei Littau. Der anschließenden Belagerung der Stadt, "...machte bekanntlich die Wegnahme eines Mehl- und Fourage-Transportes ein schnelles Ende." (aus der Regimentsgeschichte) Die Garde stand derweil beim König bei Prosnitz. Der König zog sich daraufhin nach Böhmen zurück. Da die Russen Anfang Juni 1758 wieder in die Neu-Mark eingefallen waren, war die Lage des Königs nun abermals sehr kritisch. Er übergab das Kommando der Armee in Sachsen seinem Bruder Prinz Heinrich und eilte in die Mark. Am 25.08.1758 schlug der König die Russen in der Schlacht von Zorndorf. Die Österreicher wollten nun den Kriegsschauplatz nach Sachsen verlegen und so rückte am gleichen Tag die Reichsarmee in Richtung Dresden vor mit dem Ziel diese Stadt zu erobern. Marschall Daun aber ging in die Ober-Lausitz und wollte so die Verbindung zwischen der Armee des Prinzen Heinrich in Sachsen und der des Markgrafen Karl in Schlesien unterbrechen. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 war schon Mitte August 1758 nach Breslau abmarschiert. Der König eilte nun zurück nach Sachsen. Die Reichsarmee stand bei Pirna und Daun bei Stolpen. Die Preußen unter dem Prinzen Heinrich bei Maxen, der König bei Reichenberg. Ein in Dresden befindliches Magazin versorgte beide Preußische Armeen. Die Österreichische Stellung der Armee Dauns war zu stark, um sie anzugreifen. Daher wendete der König zunächst gegen Laudon auf Bautzen, der mit der Reichsarmee jedoch nach dem Capellenberg abzog. Laudon zog sich weiter nach Bischofswerda zurück, die Straße nach Bautzen war für Friedrich wieder frei. Bautzen selber wurde durch General Retzow mit 10.000 Mann besetzt, bei denen sich auch das Bataillon Kleist befand. Daun verließ nun seine Stellung bei Stolpe und brach in der Nacht des 05.10.1758 durch den Ottendorfer Wald nach Krosta auf, wo er ein Lager bezog. Der König folgte ihm nach Bautzen, Retzow ging nach Weißenberg und sollte dort den Strohm-Berg besetzten. Ihm kam jedoch O´Kelly mit 4 Bataillonen und schwerer Artillerie zuvor. Daraufhin löste der König Retzow einige Tage durch den Herzog von Württemberg ab. Daun konzentrierte seine Truppen im Lager bei Kittlitz, umweit Löbau, den rechten Flügel hinter dem Stromberg, den linken hinter den Waldbergen von Hochkirch. Das Gros der Österreicher stand auf dem linken Ufer des Löbauer Wassers. Vor der Front der Stellungen bildeten Dörfer, Waldungen und kleine Gebüsche, alles stark mit Truppen besetzt, eine starke Linie. General Laudon lagerte am Fuß des Hochkircher Gebirges bei Wuischke. Die Österreicher waren etwa 65.000 Mann stark.

Der König konzentrierte seine Truppen im Lager von Hochkirch. 6 Bataillone standen vor dem Ort, gegen das Gebirge 3 als Flanke gegen das Dorf. Das Zentrum bildeten 11 Bataillone auf den Höhen von Pommeritz und Rodewitz, wo der König sein Hauptquartier hatte. Das Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 stand gerade vor Rodewitz, das III. Bataillon Regiments Garde Nr. 15 stand in dem Ort, das II. Bataillon stand in Wawitz. Hinter dieser Linie standen verschiedenen Abteilungen Kavallerie und Infanterie bei den Dörfern Hochkirch, Pommeritz und Wawitz. Vor der Front waren die Dörfer Kuppritz und Niethen mit je einem Bataillon besetzt. Der linke Flügel stand mit 9 Bataillonen vor dem Niethener Grund, eine Flanke von 4 Bataillonen gegen Lauska, dahinter 25 Eskadronen links von Rodewitz, durch den Niethener Grund vom linken Flügel getrennt. Vor der Front und an den Flanken standen Geschütze. Die Österreicher konnten diese Stellungen gut einsehen. Trotz mehrfacher Anstrengungen ließ sich der König nicht dazu bewegen, in ein günstigeres Lager zu ziehen, so witterten die Österreicher nun ihre Chance. Am rechten Österreichischen Flügel marschierten daher am 14.10.1758 um 05:00 Uhr 46 Bataillone und 16 Eskadronen auf und sammelten sich zwischen Sornsig und Wuischke.  Das Corps des Prinzen von Durlach sollte gleichzeitig gegen General Retzow bei Weißenberg angreifen. Der übrige Teil der Österreicher blieb im Zentrum. Die ersten Schüsse fielen gleich gegen 05:00 Uhr bei den flankierenden 3 Bataillonen bei Hochkirch. Dabei auch das Grenadier-Bataillon Hacke, welches eine Feldwache und eine Batterie vor Hochkirch hatte. Man hielt die Schüsse zunächst für das übliche Panduren-Geplänkel, als das Gewehrfeuer aber heftiger wurde alarmierte das Bataillon Hacke schnell und eilte seiner Feldwache zur Hilfe. Das Bataillon stellte sich auf, es herrschte noch dichter Nebel. Testweise feuerte der Unteroffizier Tempelhoff einige Schüsse in den Nebel hinein, die nicht erwidert wurden. Plötzlich feuerten mehrere Bataillone auf 100 Schritt eine Salve ab. Das anschließende Feuergefecht war nur kurz, die Österreicher drangen mit überlegenen Kräften in die Stellung des Bataillons Hacke ein und es entbrannte ein wütender Kampf Mann gegen Mann. Das Bataillon Hacke wurde nahezu völlig aufgerieben, da die nahezu alle Männer getötet oder gefangen genommen wurden. Der zeitweilige Kommandeur, Oberst von Plotho fiel. Durch den Gefechtslärm aufgeschreckt, geriet das Lager bei Hochkirch in Bewegung. Alles eilte zu den Waffen und stellte sich in Schlachtordnung. Einzelne Bataillone warfen sich dem Feind entgegen und warfen ihn sogar im Nahkampf bis über die Vorpostenlinie hinaus zurück. Dennoch mußten die Preußen hinter das Dorf Hochkirch zurückweichen. Am rechten Flügel hatte Laudon inzwischen die Preußische Kavallerie geworfen und auf den Höhen von Mechwitz eine Batterie errichtet. Um das brennende Dorf tobte nun die Schlacht, die Österreicher hielten es, die Preußen hatten den Kirchhof erobert. Der König entsandte eine Kolonne aus dem Zentrum gegen das Dorf Hochkirch und eine gegen die Batterie. Der Erfolg blieb aus. Gegen 07:00 Uhr lichtete sich der Nebel und der König sah das ganze Ausmaß der Attaque Dauns. Er ging dennoch an die Spitze seine Bataillone des Zentrums und führte sie rechts gegen die Höhen von Hochkirch. Es waren dies das II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15, das Grenadiergarde-Bataillon von Retzow Nr. 6 und das Bataillon Bornstedt. Die Bataillon griffen einzeln an, erst Garde, dann Retzow, dann Bornstedt und scheiterten alle. Der König führte jeden Angriff persönlich. Die Österreicher hatten sich vor Hochkirch formiert und Leichen zu ihrem Schutz aufgehäuft. Dann griff eine Österreichische Brigade zwischen Hochkirch und Steindörfel an und die feindliche Kavallerie brach aus dem Steindörfler Grund hervor. Die Flanke Friedrichs war damit bedroht und er zog sich mit den drei zerschlagenen Bataillonen nach Pommeritz zurück. Während des Kampfes um Hochkirch ging das III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 unter dem Helden von Leuthen, Major von Möllendorff, gegen die Höhen bei dem Dorf Drehsa vor. Drehsa zu besetzen war sehr wichtig, um nach dem Verlust von Steindörfel den Rückzugsweg nach Bautzen offen zu halten. Auch Laudon wußte dies und wandte sich mit seinem Korps gegen das Dorf. Möllendorff erreichte es jedoch zu erst und ließ sofort mit der Bataillons-Artillerie auf die anrückenden Österreicher feuern, die sich dann auch zunächst nach Steindörfel zurückzogen. Der König sammelte nun die geschlagene Armee in der Linie Pommeritz, Niethen, Rodewitz und ging mit dem linken Flügel nach Drehsa zurück. Daun griff nun den Preußischen linken Flügel an, dort stand bei Kotitz das Bataillon Kleist mit einer starken Batterie. Um 08:00 Uhr  griffen das Bataillon etwa 6 Bataillone und 10 Eskadronen unter dem Herzog von Ahremberg an. Das Kanonenfeuer vertrieb die Österreicher jedoch zunächst. Dann erfolgte ein weiterer Angriff, der jedoch ebenso abgewiesen wurde. Der dritte, mit überlegenen Kräften geführte Angriff ließ Kleist dann doch zurückweichen. Inzwischen war auch der Prinz von Durlach mit seinen Truppen angekommen und so mußte sich Kleist nach Rodewitz zurückziehen. Der Feind hatte Kleist inzwischen eingekesselt, das Dragoner-Regiment von Krockow versuchte es zu entsetzen, jedoch wurde es abgewiesen. Als sich die bei Kleist stehenden Puttkammerschen Husaren Nr. 4 zurückzogen, wurde die Lage aussichtslos und so ergab sich Kleist mit dem Rest seiner Leute. Sie gerieten in Gefangenschaft und wurden nach 6 Wochen ausgelöst. Die Bataillone des linken Flügels nahmen hinter dem Niethener Grund eine günstige Stellung ein, sodaß der Herzog von Ahremberg nicht über die Höhen von Lauska hinaus vorrücken konnte. Die Schlacht machte nun quasi eine Pause wegen der Erschöpfung der Truppen und aufgrund Mangels an Munition. Jetzt befahl der König den Rückzug, den Marschall Daun, gewohnt zögerlich, nicht störte.

Karte der Schlacht von Hochkirch am 14.10.1758, Archiv Seitenautor

Der Verlust der Preußen bei der Schlacht von Hochkirch am 14.10.1758 war groß. Er betrug 246 Offiziere und 8.850 Mann. Die Österreicher hatten insgesamt 5.600 Mann eingebüßt. Beim Regiment Garde Nr. 15 waren vier Offiziere gefallen, nämlich Capitain von Lehndorf, Premierleutnant von Wedel und die Fähnrichs von Poßen und von Böhne. Dazu kamen 246 Unteroffiziere und Gemeine an Gefallenen. Verwundet waren 9 Offiziere und 342 Unteroffiziere und Gemeine. Der Kommandeur des Bataillons Grenadiergarde von Retzow Nr. 6, Paul Sigismund von Chmilinski, fiel, in der Schlacht, sei8n Nachfolger wurde Anton Abraham von Steinkeller. Das Grenadiergarde Bataillon von Retzow Nr. 6 hatte neben dem oben erwähnten Bataillonskommandeur einen Offizier (Fähnrich von Schwerin), 98 Unteroffiziere und Gemeine an Gefallenen. Dazu kamen 3 Offiziere und 127 Unteroffiziere und Gemeine an Verwundeten.

Nach der Schlacht bei Hochkirch mußte Friedrich Berlin und die Marken preisgeben, Dohna wurde aus Pommern, Wedel aus der Uckermark nach Sachsen befohlen. Am 26.10.1758 erreichte der König mit seiner Armee Görlitz. Am 31.10. marschierte er nach Laubau, am 03.11. erreichte er Jauer. Am gleichen Tag hob der Gegner die Belagerung von Neiße auf, am 07.11.1758 erreichte der König Nimptsch. Marschall Daun ging derweil auf Dresden zu, weshalb der König kehrt machte und am 17.11. Weißenburg erreichte. Da Daun sich aber schon am 16.11. auf Pirna zurückgezogen hatte, ging der König nur mit einem Teil seiner Truppen auf Dresden. Der übrige Teil, dabei auch die Garde-Bataillone, ging unter dem Markgrafen Karl nach Schlesien und bezog Quartiere bei Naumburg am Queis. Am 01.12.1758 rückte man nach Breslau in die Winterquartiere ab. Da auch das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 dort stand, hatte die Garde komplett diese Stadt zum Winterquartier. Lediglich das Grenadier-Bataillon von Hacke, dessen Kommandeur von den Wunden genesen war und es nun wieder übernahm, stand im Gebirge in Gottesberg unter General von Zieten.

Anfang 1759 wurden die Reihen der Preußen wieder aufgefüllt. So stellte sich dann die Stärke der Garde wie folgt dar: I. Bataillon Leibgarde Nr. 15: 915 Mann, II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15: 707, III. Bataillon: 705, Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6: 705 Mann, Bataillon von Kleist: 702 Köpfe, Bataillon von Hacke: 742 Köpfe. Die ganze Preußische Armee zählte 214 Bataillone, 222 Eskadronen, also 215.561 Köpfe. Davon standen in Schlesien 102.974 Mann.

Nur das Grenadier-Bataillon Kleist war im Winter tätig. Es nahm an einer Expedition von 5 Bataillonen, 25 Schadronen und 12 Geschützen zur Zerstörung russischer Depots in Posen teil. General von Wobersnow zerstörte am 28. und 29.02.1759 die dortigen Magazine und trat am 04.03. wieder den Rückmarsch nach Schlesien an. Mitte März 1759 marschierten die Bataillone aus den Winterquartieren in neue Quartiere zwischen Schweidnitz und Jauer. Mit dabei das Regiment Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6, welche in Rohnstock einzogen. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 blieb in Breslau, nur die Flügelgrenadierkompagnie marschierte am 23.03. wieder als Spezialbedeckung des Königs mit. Am 01.04.1759 zog der König nach Landeshut, da die Österreicher wieder näher an Trautenau gerückt waren. Die Bataillone Kleist und Hacke standen nun in Röhrsdorf, Regiment Garde in Bokenhayn, wo auch das Hauptquartier lag, Retzow in Bürgsdorf. Am 16.04. marschierte die Armee auf Troppau. Bis Ende Juni tat sich nun nicht viel, da der König dieses Jahr defensiv bleiben wollte und mußte. Daun dagegen war, man ahnt es, gewohnt zögerlich und stand im Lager bei Schurz. Am 05.07.1759 brach der König gegen Daun auf, der bei Mark-Lissa stand. Das Bataillon Hacke und das Regiment Garde gehörten hierbei zur Avantgarde. Am 10.07. marschierte der König in die Stellung von Schmotteisen bei Löwenberg. Daun marschierte am 30.07. mit dem linken Flügel näher an die Russen heran nach Laubau, der rechte blieb unter dem General Buccow stehen. Daun detachierte nun 30.000 Mann unter Haddick und ließ diese längs der Spree und Neiße gegen die Kurmark vorgehen. Er hoffte, der König würde, um Berlin zu schützen ebenfalls Truppen detachieren. Nach der unglücklichen Schlacht bei Kay am 23.07.1759, an dem die Garden nicht teil nahmen, welche aber erneut 6.776 Offiziere und Mannschaften gekostet hatte, vereinten sich die Russische und die Österreichische Armee. Der König ging nun selbst zum Korps Württemberg und übernahm dieses. Die Truppen in Schlesien übertrug er seinem Bruder Prinz Heinrich. Am 12.08.1759 schlug der König die unglückliche Schlacht von Kunersdorf und wurde von den vereinten Armeen der Russen und Österreicher vernichtend geschlagen. An dieser Schlacht nahmen die Garden keinen Anteil. Die Verluste waren mit 569 Offizieren und 18.400 Mann abermals enorm, die Lage der Preußen wurde nun vollends prekär. Am 14.08.1759 fiel Torgau, am 27.08. marschierte Prinz Heinrich in drei Kolonnen rechts ab aus dem Lager von Schmotteisen nach Bunzlau. Der Kommandeur des gleichnamigen Grenadierbataillons, Major von Kleist hatte inzwischen ein anderes Bataillon übernommen. Sein altes Bataillon mit den zwei Grenadierkompagnien des Regiments Garde Nr. 15 hieß nun Bataillon Anhalt. Am 28.08. erreichte er Sprottau, am 29. Sagan. Am 28.08.1759 gingen die Russen aus dem Lager von Lossow und marschierte nach Hohenwalde, Haddick nach Beeskow. Prinz Heinrich marschierte am 03.09.1759 nach Sorau.

Figurine zur Weltausstellung Paris 1900 eines Grenadiers des Ersten Bataillons Leibgarde Nr. 15 um 1760, Archiv Seitenautor

Die Österreicher drangen mit der Reichsarmee in Sachsen ein und belagerten Dresden, welches am 04.09.1759 fiel. Haddick marschierte daraufhin nach Dresden ab, um sich mit der Reichsarmee zu vereinigen. Am 05.09. marschierte der Prinz nach Sprottau ab und ging über Bunzlau bis Kunzendorf. Am 08.09. nach Lauban, am 09. nach Pfaffendorf, am 12.09.1759 nach Görlitz. Daun stand am 10.09. im Lager bei Spremberg. Am 14.09. ging die Russische Armee zur Belagerung von Glogau über. Um die Österreicher aus Schlesien zu locken und so dem König Luft gegen die Russen zu verschaffen, marschierte der Prinz auf Hoyerswerda und bezog ein Lager hinter der schwarzen Elster. Am 28.09. marschierte er dann nach Ruhland. Daun marschierte nach Hartha, am 29.09. nach Kesselsdorf, der Prinz nach Elsterwerda. Dann wandte sich der Prinz wieder nach Torgau, Marschall Daun entgegen. Am 17.10.1759 erreichte der Prinz Torgau, Daun am 18.10. Strehla, am 19. Belgern, am 22. Schilda. Die Russen hatten sich inzwischen wieder nach Polen zurückgezogen und so wandte sich Daun am 04.11. in Richtung Dresden. Am 05.11. marschierte der Prinz nach Belgern, am 06. nach Strehla, am 07.11. nach Lommatsch. Am 14.11.1759 kam der König wieder zur Armee, während die Österreicher Sora erreichten. Der König ging mit der Avantgarde, dabei die Grenadier-Bataillone Hacke und Anhalt, in Verfolgung des Gegners voraus, als sie bei Korbitz auf die Arrieregarde der Österreicher unter General Sincere trafen. Es folgte ein hitziges Gefecht, bei dem beide Seiten alle ihre Patronen verschossen. Am 18.11. marschierte die Armee nach Wilsdruf. Am 20.11.1759 folgte die für die Preußen abermals schlecht verlaufene Schlacht von Maxen, bei der das Corps Finck sich schließlich ergeben mußte. 13.741 Verwundete und Gefangene fielen in die Hände des Gegners, darunter 500 Offiziere (davon 9 Generale), dazu 120 Feldzeichen und die gesamte Artillerie des Corps. Die Garde hatte an der Niederlage von Maxen keinen Anteil. Am 24.11. bezogen die Preußen neue Quartiere. Die Bataillone Hacke und Anhalt marschierten unter General Braun nach Mohorn, das III. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 war mit dem Hauptquartier in Unkersdorf, das Bataillon Grenadiergarde von Retzow Nr. 6 in Rennersdorf, das II. Bataillon in Hindorf. Am 06.12.1759 marschierten die Bataillone Anhalt und Hacke nach Freiberg zur Unterstützung des Generals Hülsen, am 30.12. nach Dippoldiswalde. Am 10.01.1760 bezog die Armee endlich die Winterquartiere.

So kam denn das unglückliche Jahr 1759 zum Ende. Die Preußen hatten seit Oktober 1758 alle Schlachten verloren: Hochkirch, Kay, Kunersdorf und Maxen und waren nur noch ein Schatten ihrer selbst. Die Armee war in diesem Zeitraum um etwa 12.000 Mann geschrumpft und stand nur noch mit 90.000 Mann in Schlesien. Der Gegner hatte inzwischen mehr als 200.000 Mann im Felde stehen. Das Preußische Heer war aufgefüllt worden mit vielen geworbenen Ausländern und sehr jungen Rekruten. "Mochte damals Manches lockrer werden im Dienstbetriebe, an den Muth, die Tapferkeit, die Ausdauer wurden die selben Anforderungen gestellt." (aus der Regimentsgeschichte)

Im Laufe des Jahres 1759 war Feldwebel Klug Capitain der Garde-Invaliden geworden.

Am 05.02.1760 erhielt Friedrich Christoph von Saldern, der bisherige Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15, das Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 als Chef, welches fortan seinen Namen trug. Am 16.03.1760 übernahm Oberst Wichard Joachim Heinrich von Möllendorff das Regiment Garde Nr. 15 als Kommandeur.

Zu Begin des Jahres 1760 hatte der König seine Truppen aufgeteilt um seinen zahlreichen Gegnern möglichst überall die Stirn zu bieten und sie von der Vereinigung abzuhalten. Dies mit Offensivbewegungen zu bewerkstelligen war aussichtslos, angesichts der Übermacht des Feindes, das hatte der König erfaßt. Daher stellte er 35.000 Mann unter dem Prinzen Heinrich bei Frankfurt an der Oder gegen die Russen, 10.000 Mann unter General Fouqué in Schlesien und 40.000 Mann unter ihm selbst in Sachsen gegen die Österreicher auf. Der König stand in einer starken Stellung zwischen Nossen und Meißen hinter der Triebsche. Die Bataillone Hacke und Anhalt lagen in Löthain, das Regiment Garde Nr. 15 in Ober- und Nieder-Jahna, das Bataillon Grenadiergarde von Saldern Nr. 6 in Sieglitz, das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 nach wie vor in Breslau.

Am 15.06.1760 ging der König über die Elbe, um dem bedrängten General Fouqué in Schlesien zu Hilfe zu kommen. Am 17.06. erfuhr er vom Anrücken der Österreicher auf Magdeburg und beschloß, diesen entgegen zu gehen. Die Bataillone Hacke und Anhalt wurden unter General Stutterheim nach Berbigsdorf detachiert. Am 22.06.1760 traf auch die Reichsarmee bei Dresden ein. Dem König standen nun 80.000 Mann gegenüber, die aber merkwürdigerweise nichts gegen ihn unternahmen. Der König belagerte nun Dresden. Die Belagerung wurde am 28.07.1760 ohne nennenswerte Ereignisse abgebrochen und der König ging nach Meißen zurück.

Nach dem unglücklichen Gefecht bei Landeshut hatten sich die Truppen des Generals Fouqué nach Breslau zurückgezogen, die Armee des Prinzen Heinrich stand zwischen Dramburg und Kroßen, das Hauptcorps bei Landsberg, um die Russen davon abzuhalten in das nunmehr offenen Schlesien einzurücken. Nach dem der Prinz erfuhr, daß die Russen über Posen nach Schlesien marschierten und sich dort mit dem General Laudon vereinigen wollten, marschierte der Prinz ebenfalls nach Breslau. Am 01.08.1760 erfuhr der Prinz bei Glogau, daß Laudon Breslau eingeschlossen hatte. In Breslau standen: I. Bataillon Leibgarde Nr. 15, I. Bataillon Rebentisch, I. Bataillon Knobloch, I. Bataillon Alt-Sydow, 300 Husaren von Gersdorff, zusammen etwa 4.000 Mann. Dazu kamen 3.500 Mann vom Fouquéschen und Zietenschen Corps, 117 Mann Artillerie, Geschütze und Munition waren genug vorhanden. In der Stadt lagen etwa 4.000 Österreichische Gefangene. Die Reiterei lag außerhalb der Stadt und hatte auf allen Straßen gegen das Gebirge Feldwachen ausgesetzt. Patrouillen streiften bis Ohlau, Strehlen, Canth und Neumark. Das Belagerungs-Corps wurde kommandiert von den Generälen Draschkowitz und Nauendorf. Am 30.07.1760 erreichten die Vorposten Breslau, woraufhin die Brücken hochgezogen, die Tore gesperrt und die Wälle besetzt wurden. Die Österreicher besetzten Schmiedefeld, Pöpelwitz, Maßelwitz, Groß-Mochbern und Klein-Tintz. General Tauentzien, Chef der Leibgarde und Stadtkommandant, sandte die Cavallerie Fouqués nach Glogau zurück, da er sie bei einer Belagerung nicht gebrauchen konnte. Am 31.07. zogen die Österreicher den Ring enger, bei Oswitz wurde eine Pontonbrücke über die Oder geschlagen. General Laudon forderte Tauentzien zur Übergabe der Stadt auf, da er mit 56 Bataillonen und 35 Schwadronen und der im vollen Anrücken befindlichen Russen die Lage Tauentziens für aussichtslos hielt. Dieser lehnte jedoch ab. Daraufhin griffen die Croaten die Vorstadt an, Tauentzien machte mit einem Freibataillon einen Ausfall und zündete die Vorstädte an. danach fuhr er fort in seinen Verteidigungs-Anstrengungen. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 wurde in 5 "Divisionen" aufgeteilt. Die ersten 4 mit je einem Capitain, 2 Subalternen, 6 Unteroffizieren und 100 Mann, standen: 1. Division im Mathias-Kloster bei der Müller-Schanze, die 2. an der Mühl-Pforte, 2 Divisionen blieben Reserve bei der Graupenbastion. Diese 4 Divisionen lösten sich alle 24 Stunden ab. Die 5. Division besetzte die Hunde- und Graupenbastion. Am 01.08.1760 übergab Laudon Tauentzien eine Note ("Pro memoria"), in der er ihm mit philosophisch-politischen, juristisch-militärischen Darlegungen und durch Drohungen zu Übergabe überzeugen wollte. Breslau sei garkeine Festung, sondern eine Handelsstadt. Die Antwort war folgende:

"Da Breslau mit Festungswerken und Wassergräben ganz umgeben, so ist Solches allerdings als eine Festung, und keineswegs als eine bloße Kauf- und Handelsstadt zu consideriren, wie es denn auch anno 1757 nach der bataille von Leuthen gegenseitig selbst als fester Platz defendiret worden. Se. Königliche Majestät haben mir das Commando darüber allergnädigst anvertraut und befohlen, diesen Ort bis aufs Aeußerste zu mainteniren, und der Herr General werden selbst einsehen, wie ich mit meinem Kopf dafür repondiren muß. Es rührt also von keiner Kaprice ger, daß ich Euer Excellenz gestrige Aufforderung abgeschlagen, sondern es ist der Wille meines Herrn, dessen Vertrauen ich als ein ehrlicher Mann möglichst zu erfüllen bemüht sein werde. Dieserhalb bleibt es bei dem gefaßten Entschluß Breslau zu defendiren, wie es einem entschlossenen Commandanten zukommt, und wie ich solches vor dem Könige und der ganzen honetten Welt zu verantworten hoffe. Ich werde mich auch durch keine Drohungen abhalten lassen, womit Euer Excellenz Dero Pro memoria anzufüllen beliebig gewesen. Hierbei muß ich überlallen, was Dieselben vor Resolution nehmen werden. Sollten Sie für gut finden die Stadt zu bombardiren, sollte solche auch das Unglück haben, in einen Schutthaufen verwandelt zu werden, so wird Solches zu der Uebergabe Nichts beitragen. Der König hat mir nicht die Häuser, sondern die Festungswerke anvertraut. Da es auch allemal auf die Menge ankommt, wovon in dem gegenwärtigen Kriege verschiedene Exempel vorhanden sind, so ist die hiesige Garnison stark genug, und wird selbige bei allen Gelegenheiten sich mit mir dergestalt wehren, wie es rechtschaffenen braven Leuten zukommt, die ihrem Herrn bis auf den letzten Blutstropfen treu zu dienen versprochen haben. En particulier habe übrigens die Ehre mit aller Hochachtung zu beharren.

Breslau, den 1. August 1760.

Tauentzien."

Laudon eröffnete daraufhin die Bombardierung der Stadt. Das Königliche und das Hatzfeldsche Palais fingen rasch Feuer, ein ganzes Stadtviertel stand bald in Flammen. Als die im Jesuiten-Kloster einquartierten Gefangenen unruhig wurden, wurden einige Schüsse unter sie abgefeuert. Daraufhin blieben sie den Rest der Belagerung über ruhig. Prinz Heinrich war unterdessen zum Entsatz Breslaus aufgebrochen. Am 04.08.1760 hob daraufhin Laudon die Belagerung auf und ging nach Canth zurück. Prinz Heinrich erreichte an diesem Tag Neumarkt. Der Verlust der Garnison bei der Belagerung war gering. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 hatte 1 Toten und 4 Verwundete. Viel wichtiger war aber, daß Tauentzien dem König Breslau und damit Schlesien erhalten hatte.

Unterdessen war der König am 01.08.1760 über die Elbe in das Lager bei Dallwitz gegangen. Die Truppen wurden nun mit Brot-Vorräten, die bis zum 16.08. reichen sollten, versehen. Dann marschierten sie am 03.08.1760 ab über Königsbrück, Radibor, Dobschütz, Ober-Rothwasser, Bunzlau, wo nach 22 Meilen am 08.08. endlich ein Ruhetag eingelegt wurde. Daun folgte dem König und stand am gleichen Tag bei Schmotteisen. Der König stand am 09.08.1760 bei Kroitsch mit Front zum Katzbach hinter dem Daun zwischen Löwenberg und Jauer stand. Laudon stand zwischen Jauer und Goldberg, die Russen bei Kunzendorf. Prinz Heinrich ging an diesem Tage bei Cosel über die Oder und folgte der russischen Nachhut. Am 10.08. ging der König nachts mit 4 Kolonnen über den Katzbach. Bei der Avantgarde befanden sich die Bataillone Hacke und Anhalt. Am Morgen entdeckte man das Corps Lascy. Da die feindlichen Flügel gut aufgestellt waren, beschloß der König, bis Goldberg herauf zu gehen und den linken Flügel zu umgehen. Beim Übergang über den Katzbach wurde dem Kommandeur der Flügelgrenadier-Compagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15, Capitain von Wedel, das Bein zerschmettert, der Unteroffizier von Norrmann fiel. Die Kompagnie übernahm Capitain von der Marwitz. Der König bezog ein Lager auf den Höhen von Seichau, Lascy war im vollen Rückzug auf Jauer. Daun marschierte über die Neiße und besetzte die Höhen von Hermsdorf und Hennersdorf und versperrte dem König so die Straße über Jauer nach Schweidnitz. Da die Brotreserven zur Neige gingen, zog sich der König am 12.08. über den Katzbach zurück und bezog am 13.08. ein Lager bei Liegnitz. Daun folgte nach Hochkirch, Lascy nach Niedergrain, Laudon nach Jeschkendorf. Am 13.08. abends erhielt der König die Nachricht, daß General Czernitschef am folgenden Tag bei Auras über die Oder gehen und sich mit Daun vereinigen wolle. Der König beschloß daraufhin, sich mit dem Prinzen Heinrich zu vereinen und wollte am 14.08.1760 nachts abmarschieren. Der König erließ Dispositionen zum Abmarsch, als er jedoch im Feuerschein der Lagerfeuer die wahren Stellungen der Österreicher erkannte, änderte er die Dispositionen. Dies führte bei den Truppen zu einiger Verwirrung und als der König gerade dabei war, diese zu lösen, erhielt er die Nachricht, daß der Feind keine 400 Schritt vom linken Flügel mehr entfernt sei. Der König befahl daraufhin dem General Schenkendorff, mit der Brigade des linken Flügels vom 1. Treffen eine kleine Höhe hinter Bienowitz zu besetzen. Das 2. Treffen erhielt den Befehl, sich weiter links zu ziehen, um nicht überflügelt zu werden. Schenkendorff ließ eine große Batterie auf der Höhe etablieren und Laudon gelang es in drei Versuchen nicht, die Preußen dort zu schlagen. Im Verein mit einer Brigade des 2. Treffens und der Kavallerie des linken Flügels wurden die Österreicher hier gegen 04:00 Uhr endgültig zurückgeschlagen. Besonders das Regiment Anhalt-Bernburg Nr. 3, welches seit Dresden zur Strafe ohne Litzen und Borten war, warf sich mit dem wütenden Schrei "Ehre oder Tod!" mit Kolben und Bajonetten auf den Feind, der schließlich zurückwich. Währenddessen stand der rechte Flügel unter Zieten und Wedell ganz still mit Front gegen Liegnitz. Durch den Vormarsch des linken Flügels entstand in der Mitte der Linie, gegenüber dem Dorf Panten eine Lücke, die nur durch 1 Peloton des Regiments Alt-Braunschweig Nr. 5 ausgefüllt war. Eine Kolonne des Generals Laudon machte aus dem Dorf  Panten heraus einen Ausfall und nahm das Peloton gefangen. Als die Preußen die Lücke bemerkten, wurden die Bataillone Wedel, Forcade, Grenadiergarde Nr. 6 und das Regiment Garde Nr. 15, welches von Oberstlieutenant von Möllendorff befehligt wurde, in die Lücke beordert. Möllendorff erkannte sofort den Ernst der Lage und ließ zwei Pelotons vom II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 gegen das Dorf vorrücken und es in Brand stecken. Major von Rohdich folgte mit den restlichen 2 Pelotons des Regiments und vereint schlugen sie den Feind in die Flucht. Laudon machte zwar noch den Versuch, bei Bienowitz wieder vorzurücken, wurde jedoch erneut abgewiesen und mußte sich schließlich über den Katzbach zurückziehen. Währenddessen hatte Zieten mit dem Preußischen rechten Flügel eine Stellung auf dem Gloßberg hinter Pfaffendorf eingenommen, mit welcher er nun das Gelände vom Schwarz-Wasser, über den Katzbach, sowie die Fläche vor Liegnitz beherrschte. Er etablierte hier sofort eine große Batterie, links daneben standen nun die Grenadier-Bataillone Hacke und Anhalt im 1. Treffen. Daun ließ nun seine Kavallerie der Avantgarde über das Schwarz-Wasser bei Pfaffendorf gehen. Als sie jedoch in das Feuer der Batterie auf dem Gloßberg geriet, ging diese in Unordnung auf Pfaffendorf zurück. Währenddessen überfiel eine Husaren-Abteilung bei Hummel die Bagage des Königs, welche von der Flügelgrenadier-Compagnie des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 bewacht wurde. Capitain von der Marwitz zog sich sofort nach Hummel hinein, verbarrikadierte die Zugänge und wies die Husaren ab. Als Daun gegen 05:00 Uhr von der Niederlage Laudons erfahren hatte, wich auch er auf seine Ausgangsstellungen bei Hochkirch zurück.

Die Preußen hatten den Sieg in der Schlacht von Liegnitz am 15.08.1760 wieder teuer erkauft. Insgesamt 92 Offiziere, 3.302 Mann und 11 Feldzeichen waren verloren gegangen. Die Österreicher hatten 88 Offiziere und 4.646 Mann an Gefangenen und 203 Offiziere (darunter 6 Generale), 3.594 Mann an Verwundeten und Toten. Dazu kamen 23 Feldzeichen, 810 Geschütze und 45 Munitionswagen, die den Preußen in die Hände fielen. Das Regiment Garde Nr. 15 hatte verloren: 8 Gemeine gefallen, 1 Offizier und 23 Gemeine verwundet. Das Grenadiergarde Bataillon von Saldern Nr. 6 hatte 4 Gemeine an Gefallenen und 10 Gemeine an Verwundeten zu beklagen. Das Grenadier-Bataillon von Hacke hatte 20 Gemeine an Gefallenen und 45 Gemeine an Verwundeten. Das Grenadier-Bataillon von Anhalt verlor 93 Gemeine an Gefallenen und 75 Gemeine an Verwundeten.

Daun stand nach der Schlacht von Liegnitz bei Hochkirch, Lascy bei Waldau, Laudons arg mitgenommenes Korps bei Koischwitz. Der bevollmächtige Frankreichs, Montazet bemerkte zur Schlacht von Liegnitz: "Man hat gut reden, der König sei vernichtet. Das mag wahr sein, aber sein Geist, der alles belebt, ist immer derselbe!" Friedrich wollte den günstigen Verlauf der Schlacht ausnutzen und ging noch am gleichen Tage mit einer starken Avantgarde über den Katzbach bei Parchwitz. Die Brigade Saldern, bestehend aus dem Regiment Garde und dem Bataillon Grenadiergarde, folgte unter dem Markgrafen Carl, am Abend folgten die Bataillone Hacke und Anhalt unter dem General Zieten. Der König wollte sich auch jetzt mit dem Prinzen Heinrich, der noch in Breslau stand, vereinigen. Am 16.08.1760 ging er daher nach Neumarkt und blieb dort bis zum 18.08. Bei Auras wurde eine Brücke geschlagen, währenddessen gingen die Russen, durch eine List getäuscht, über die Oder zurück. Daun ging nach Striegau zurück. Der König ging am 19.08.1760 näher an Breslau heran, nach Groß-Mochbern. Am 28.08.1760 vereinigte der König endlich seine Armee mit der des Prinzen Heinrich. Nach der neuen Ordre de bataille gehörten nun die Bataillone Hacke und Anhalt zur Brigade des Generals von Stutterheim und mit dieser zur Avantgarde. Das 1. Treffen befehligte der Prinz Heinrich, in dessen Zentrum stand die Brigade Saldern, mit den Garden, dazu 2 Bataillone des Regiments Prinz von Preußen Nr. 18 und das Grenadier-Bataillon Farcade. Bei dieser Brigade stand eine Batterie von 12 fünfpfündigen Kanonen. Die Preußen hatten nun hier 50.000 Mann im Felde stehen. Daun zog sich ins Gebirge zurück und der König bezog ein Lager bei Költschen, am 03.09.1760 ging er nach Bunzelwitz. Während sich hier nun der König und Daun unbeweglich gegenüber standen, gingen die Russen unter Czernitschef gegen Berlin vor, während die Österreicher 15.000 Mann unter Lascy losschickten, den Russen durch die Lausitz zu folgen. Es war das erste mal, daß die Feinde die Hauptstadt Preußens besetzten. Am 07.10.1760 zog der König die Armee aus dem Gebirge in die Ebene von Schweidnitz. Die Russen und Österreicher räumten Berlin am 12.10.1760, der König erfuhr am 14.10. in Guben davon und beschloß auf deren Rückzugslinie zu marschieren. Zieten sollte den Russen, die über die Oder nach Droßen gegangen waren, folgen. Die Armee des Königs marschierte am 17.10. nach Lübben, Daun war dem König unter Zurücklassung von 40.000 Mann gefolgt und erreichte am 18.10. Lißkau. Am 26.10.1760 ging der König bei Roßlau über die Elbe und vereinigte sich hier mit den Truppen des Prinzen von Württemberg und von Hülsen. Daun ging am 24. nach Torgau, am 28.10. nach Eilenburg. Der König wollte nun eine Schlacht liefern, da er befürchtete, Daun könne ihn von seinen Magazinen in Magdeburg abschneiden. Er marschierte daher am 29.10. in 4 Kolonnen nach Düben, am 30. nach Eilenburg. Dann marschierte er am 02.11.1760 in aller Frühe in 4 Kolonnen in Richtung Eilenburg, wo er Daun immer noch vermutete (die Aufklärung war zu diesem Zeitpunkt sehr schlecht). Er fand den Feind aber nicht. Daun änderte, auf die Nachricht vom Anrücken der Preußen, seine Schlachtordnung dahingehend, daß der rechte Flügel sich an den durch Sipitz fließenden Bach lehnte, der linke über Zinna ausdehnte. Seine Reserven standen auf den Höhen von Großwig. Lascy stand bei Loßwig am Damm von Torgau dorthin. Am Morgen zog er sich hinter die dortigen Teiche, mit der Front gegen den großen Teich und Röhrgraben zurück. Man erwartete die Preußen von Loßwig her kommend. Das Gelände war für die Österreicher sehr günstig. Wollten die Preußen angreifen, so konnten sie nur durch das Dorf Sipitz gehen, da rundherum sumpfiges Gelände, die Teiche und steile Weinberge waren. Im Norden fielen die Sipitzer Höhen steil ab und mündeten in bewaldetem, hügeligen Gelände. Dahinter war die Dommitscher Heide. Genau dorthin schickte der König 41 Bataillone und 48 Eskadronen, die den Feind umgehen und ihm von Norden her in den Rücken fallen sollten. Zieten schickte er mit 21 Bataillonen und 54 Eskadronen auf der Eilenburger Straße nach Torgau. er sollte, bei Erfolg des Königs, den Sieg vervollständigen. Solch eine Taktik nannte Moltke später "Getrennt marschieren - vereint schlagen." Die Grenadier-Bataillone Hacke und Anhalt waren beim Umgehungscorps des Königs, die Garden mit der Brigade Saldern bei Zieten. Der König ging mit der Avantgarde in den Wald bei der Dommitscher Heide hinein und trieb die feindliche leichte Infanterie vor sich her. Daun erhielt nun Meldung vom Vorrücken der Preußen durch die Dommitscher Heide und bildete mit seinem linken Flügel einen Haken auf den Höhen von Siptitz, den rechten lehnte er an das Dorf Zinna. Der linke Flügel der Österreicher stand nun etwa 600 Schritt hinter den bewachsenen Hügeln der Dommitscher Heide. Ein an vielen Stellen schadhafter Verhau versperrte alle Wege nach Siptitz. Etwa um 11:00 Uhr trat die Preußische Kavallerie aus der Heide heraus, nach 13:00 Uhr die Tete der Brigade Stutterheim, dabei auch die Grenadier-Bataillone Hacke und Anhalt. Der König ließ nun Halt machen, da die ganze Kolonne nur in Reihen durch den Wald gegangen war und somit die 2. und 3. Kolonne noch weit zurück hingen. Währenddessen führte General von Zieten ein eher unbedeutendes Avantgarde-Gefecht auf seinem linken Flügel. Da dabei aber auch mit Geschützen gefeuert wurde, glaubte der König nun anhand des Gefechtslärmes zu erkennen, daß Zieten bereits mit seinem ganzen Korps im Gefecht stünde. Er beschloß daher, die bis zu diesem Zeitpunkt versammelten Bataillone angreifen zu lassen. Es waren dies 10 Grenadier-Bataillone, die Brigade Ramin und das Husaren-Regiment von Zieten (Leib-Husaren Nr. 2). Er vertraute auf die gewohnte Durchschlagskraft seiner Grenadiere und ließ die Avantgarde bis hinter den Striebach marschieren und sich dann in 2 Treffen entwickeln. Die Brigade Stutterheim bildete das 1. Treffen, die Brigade Syburg das 2. und dahinter die Brigade Ramin das 3. Der Aufmarsch geschah in heftigem Unwetter und keine 800 Schritt vom Feinde entfernt, also auf Kartätschschußweite. Die Reihen wurden daher schon beim Entwickeln zusammengeschossen. Die Grenadiere zogen sich so weit als möglich rechts, damit sie den linken Flügel der Österreicher erreichen konnten und brachen durch den Verhau. Trotz des ununterbrochenem schweren Feuers rückten die Preußen gegen die Mitte des linken Flügels der Österreicher vor. "Sie wurden mit einem wüthenden Geschützfeuer aus dem vor der Front der feindlichen Armee aufgestellten Geschütz empfangen. Ganze Reihen stürzten nieder. Die Generale von Stutterheim und von Syburg wurden verwundet; Oberst Graf Anhalt erschossen, die meisten Officiere der beiden Bataillone wurden erschossen oder verwundet. Nach einstündigem Gefecht zwingt das furchtbare Feuer die immer mehr und mehr schwindenden Bataillone zurückzugehen; einige Regimenter des 1. Österreichischen Treffens verfolgen sie. Unterdeß war das 1. Preußische Treffen aufmarschiert, und nahm die Zurückgehenden auf." (aus der Regimentsgeschichte). Nach diesem Massaker waren die Grenadier-Bataillone Hacke und Anhalt praktisch aufgerieben. Als die Batterie der Brigade Stutterheim mit ihren 10 Geschützen auffahren wollte, waren keine Leute und Pferde mehr da um dies zu bewerkstelligen. Der König befand sich während des Gefechtes zwischen den beiden Treffen der Grenadiere, um ihnen ein Beispiel zu geben und sie zum Durchhalten anzuspornen. Nun wurde auch das 1. Treffen der Preußen geworfen. Nur die endlich aus dem Wald komplett herausgetretene Kavallerie stellte das Treffen wieder her. Gegen Abend schien sich ein Unentschieden zu entwickeln. Beide Seiten hatten stark gelitten und avanvcierten nun auf dem nördlichen Schauplatz der Schlacht nicht mehr. General Zieten hatte unterdessen seine Stellung am großen Teiche beibehalten, er wollte, wie es der ursprüngliche Schlachtplan vorsah, auf den Durchbruch des Königs warten und dann dem weichenden Gegner in den Rücken fallen. Da aber nun der Gefechtslärm vom Flügel des Königs her immer entfernter klang, gab er dem Drängen seiner Generale und des Oberstlieutenants von Möllendorff nach und beschloß vorzurücken. Er stand mit seinem rechten Flügel am Entenfang, mit dem linken vor den Siptitzer Höhen im Walde. Die Kavallerie auf dem rechten Flügel. Man bombardierte schon eine ganze Weile die Österreicher. Nun ließ Zieten um 17:00 Uhr 4 Bataillone seines 1. Treffens auf das Dorf Siptitz vorrücken, damit er sich mit dem König wieder vereinen konnte. Den Rest seines Korps ließ er treffenweise links abmarschieren und sich gegen die Schaafteiche ziehen. Dem General Tettenborn gelang es mit seinen 4 Bataillonen nicht, das Dorf zu nehmen, stattdessen steckten die Österreicher es in Brand und etablierten auf der dahinter liegenden Höhe eine große Batterie. Die angebrochene Nacht wurde durch den Feuerschein des brennenden Siptitz erhellt. Die Brigade Saldern stand gerade gegenüber von dem Dorf. Diese Brigade versuchte nun die Batterie zu nehmen. Saldern wurden beim Vorrücken drei Pferde unter ihm erschossen, Major von Posadowsky vom 2. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 wurden beide Beine weggerissen. Auch dieser Angriff scheiterte blutig und die Preußen waren gerade dabei, ihre Reihen zu ordnen, als Möllendorff bemerkte, daß der Damm zwischen den beiden Schaafteichen nicht besetzt war. Zieten, dem Saldern die Mitteilung Möllendorffs meldete, schickte sogleich einige Bataillone (Forcade, Markgraf Karl) über den Damm, General von Saldern folgte mit seiner Brigade und nahm die Höhen. Da es nun ganz dunkel war, entstand einige Verwirrung unter den Truppen. Oberstlieutenant von Möllendorff ritt auf ein Bataillon zu, welches er für ein Preußisches hielt und wurde gefangen genommen. General Lascy entsandte einen Teil seiner Truppen um die Preußen von den Höhen zu vertreiben, Saldern hielt jedoch stand. Der Gefechtslärm von Siptitz her alarmierte General von Hülsen, der daraufhin 4 frisch eingetroffene Bataillone vom Korps des Königs längs des Waldrandes unbemerkt von den Österreichern vorgehen ließ. Dem nun folgenden Angriff in der Flanke des Feindes schlossen sich auch die Reste der anderen Batailloine an. Unter Trommeln und Fanfaren warf man den Feind, der sich hinter Zinna zurückzog. Die Schlacht war gewonnen, doch unter welchen Opfern. Zahllose Verwundete lagen auf dem Schlachtfeld und litten unter Kälte und Plünderungen. Noch in der Nacht zog sich Daun hinter die Elbe zurück. Am 08.11.1760 bezogen die Österreicher ein Lager auf der rechten Elbseite beim Plauenschen Grunde.

Die genauen Verluste der Schlacht von Torgau am 03.11.1760 sind nie bekannt geworden, doch waren sie so fürchterlich, daß der König verbot, sie zu veröffentlichen. Die hier wiedergegebenen Zahlen entstammen späteren Publikationen und Schätzungen, nur von den Offiziers-Verlusten sind einigermaßen gesicherte Zahlen bekannt. Gesamtverluste der Preußen: 16.670 Mann, davon 3.858 Gefallene, 3.654 Vermißte oder Gefangene. Das entspricht einem Drittel der Gesamtstärke, bei der Infanterie sogar mehr als der Hälfte! Es waren 8 Kanonen und 45 Feldzeichen verloren gegangen. Die Österreicher verloren 15.897 Mann, davon 7.000 Gefangene. Außerdem  49 Kanonen und 31 Feldzeichen. Das Regiment Garde Nr. 15 hatte einen Verlust von  einem Offizier (Major von Posadowsky), 3 Unteroffizieren und 45 Gemeinen  an Toten. Dazu an Verwundeten: 9 Offiziere, darunter die Fähnrichs von Alvensleben und von Koschenbahr, dazu 9 Unteroffiziere, 5 Spielleute, 5 Zimmerleute und 238 Grenadiere. Vermißt waren Oberstlieutenant von Möllendorff, 2 weitere Offizere, 2 Spielleute, 1 Zimmermann und 35 Grenadiere. Das Bataillon Grenadiergarde von Saldern Nr. 6 hatte insgesamt einen Gesamtverlust von 8 Offizieren und 338 Mann, gefallen war Major von Schmilinsky. Mehr ist leider nicht bekannt. Das Grenadier-Bataillon von Anhalt hatte zu beklagen: Oberstlieutenant von Anhalt (der Kommandeur), Premierlieutenant von Rivotzky, Secondelieutenant von Maltitz, 2 Unteroffiziere und 61 Grenadiere an Gefallenen. Dazu 6 Unteroffiziere, 1 Spielmann und 109 Grenadiere an Verwundeten. Weiterhin 69 Unteroffiziere und Gemeine an Vermißten. Vom Grenadier-Bataillon Hacke ist nur bekannt, daß Secondelieutenant von Windheim gefallen war. Die Verluste mußten aber auch hier gewaltig gewesen sein.

Nach der Schlacht von Torgau wurden die Reste der Grenadier-Bataillone Hacke und Anhalt unter Major Graf Hacke zu einem Bataillon zusammengefaßt. Möllendorff war verwundet in Gefangenschaft geraten. Die Österreicher ließen ihn auf sein Ehrenwort in Torgau zurück.

Der König folgte den Österreichern und lagerte am 08.11.1760 bei Meißen. Am 15.11.1760 bezog die Armee die Winterquartiere. Das Hauptquartier des Regiments Garde Nr. 15 und des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 kam nach Neustadt, das Grenadier-Bataillon Hacke-Anhalt blieb in Chemnitz unter dem Befehl des General Linden. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 blieb in Breslau. Während der Winterphase reorganisierten sich die beiden Grenadier-Bataillone, das Bataillon  Anhalt kam unter den Befehl des Hauptmanns von Brünneck vom Regiment Garde, es behielt jedoch als ehrendes Andenken den Namen Anhalt.

Am 27.01.1761 wurden von Möllendorff vom Regiment Garde und von Steinkeller vom Bataillon Grenadiergarde vom König zum Oberst befördert.

Das Jahr 1761 begann mit einer Expedition des Generals Syburg nach Sachsen und Thüringen, die dem König 1 Million Thaler und viele Rekruten einbrachte. Dies war nötig geworden, um die Verluste auszugleichen und weil die Österreicher den Gefangenenaustausch verweigerten. Die neuen Rekruten waren jedoch nicht mehr vom alten Schlage; Meist aus dem Lazarett entlassene und Angehörige aller Herren Länder, sogar Offiziere mußten neuerdings angeworben werden. Ein Novum bei den Preußen. Die Garden wurden nahezu komplett, da auch die Leibgarde ihre Unrangierten abgab.

Der König entsandte den Prinzen Heinrich mit einem Teil der Armee nach Sachsen um Marschall Daun zu beobachten, er selbst wollte Schlesien verteidigen. am 03.05.1761 versammelte er seine Armee in Strehla. Er hatte 32 Bataillone (darunter die 5 Bataillone der Garden) und 63 Eskadronen. Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 blieb nach wie vor in Breslau, nur die Flügelgrenadiere bildeten wie immer die Spezialbedeckung des Königs. Der Marsch wurde in 3 Kolonnen begonnen, in der 1. Abteilung die Bataillone Hacke und Anhalt, in der 2. Garde und Saldern. Über Görlitz erreichte die Armee am 13.05.1761 Hohenfriedberg. Der König ließ an diesem Tage General Tauentzien zu sich kommen, belobigte ihn wegen der Verteidigung von Breslau, beförderte ihn zum Generallieutenant und verlieh ihm den Schwarzen Adlerorden, den höchsten Orden Preußens. Am 16.05. rückte die Armee näher an Schweidnitz heran. Hier wurde die Ordre de bataille ausgegeben, wonach Anhalt und Hacke in der Brigade des Generals von Knoblauch im Lager auf dem Zeiskenberge standen. Das Regiment Garde Nr. 15 stand mit dem Regiment Prinz von Preußen Nr. 18 in der Brigade des Generals von Möllendorff, das Bataillon Grenadiergarde von Saldern Nr. 6 stand in der Brigade Saldern, beide Brigaden gehörten Reserve-Corps und cantonnirten in Kunzendorf und Kummerau. Die Armee des Königs zählte ungefähr 58.000 Mann. Der König wollte die Vereinigung der Russen und Österreicher verhindern, wollte jedoch keine Offensive wagen, da "...die Preußische Armee nicht in der Verfassung sich alle Tage herumzuschlagen." In der Stellung von Kunzendorf blieb der König bis Anfang Juli, dann ging er in das Lager von Pülzen. Am 21.07.1761 marschierte der König nach Siegroth, da er Kunde bekommen hatte, daß sich Laudon den Russen über Oppeln nähern wollte. Darauf folgten viele kleinere Märsche, am 19.08.1761 fochte das Bataillon Anhalt ein kleines Gefecht mit russischen Kosaken beim Kloster Wahlstadt. Am 20.08.1761 stand die Armee dann im Lager von Bunzelwitz. In diesem merkwürdigen Lager standen sich nun die feindlichen Armeen untätig bis zum 09.09.1761 als sich die Russen bis auf das Corps Czernitschefs vom Kriegsschauplatz zurückzog. Am 23.09.1761 marschierte der König aus Bunzelwitz ab, da die Magazine in Schweidnitz erschöpft waren. Am 25.09. ging er über Pülzen, Siegroth nach Groß-Noßen. Hier erfuhr der König durch eine Recogniscirung des Generals Lentulus, bei der auch das Bataillon Anhalt war, daß die Festung Schweidnitz am 01.10.1761 durch Laudon genommen worden war. Der König ging daraufhin nach Strehlen, das Regiment Garde lag dort, das Bataillon Grenadiergarde in Krippenitz. In Strehlen versuchte ein schlesischer Edelmann den König gefangen zu nehmen und den Feinden zu übergeben. Der genaue Verlauf dieser Aktion ist nicht bekannt, ebensowenig, was aus dem Edelmann wurde. Anfang Dezember 1761 marschierte die Armee in die Winterquartiere ab, welche nun für die gesamte Garde und auch die Bataillone Hacke und Anhalt Breslau war.

Die Offiziersstärke der Garde war zu dieser Zeit:

Jeder Capitain erhielt 300 Thaler, jeder Subalterne 60 Thaler Winterquartiergelder.

Das größte Ereignis während der Winterquartierphase war zweifelsohne der Tod der Zarin Elisabeth I. von Rußland am 05.01.1762 (bzw. am 24.12.1761 nach dem damals in Rußland gültigen Julianischen Kalender) im Alter von nur 52 Jahren und vor allem dessen politische Folgen. Ihr Neffe und Nachfolger auf dem Zarenthron, Peter III. (21.02.1728-17.07.1762) war ein ausgesprochener Preußenfreund. Er führte schon vor seiner Thronbesteigung einen intensiven Schriftverkehr mit Friedrich und trat selbst gerne in Preußischer Uniform auf. Peter wünschte nun den Schwarzen Adlerorden und das Patent als Chef eines Preußischen Infanterieregiments, dafür wollte er 18.000 Mann unter Czernitschef auf den Kriegsschauplatz auf Seiten Preußens führen. Welch ein Tausch, welch eine Wendung der Geschichte! Am 05.05.1762 schloß Peter einen Separatfrieden mit Preußen, der auch unter der Zarin Katharina II. der Großen (02.05.1729-17.11.1796) bestand hatte. Daraufhin zog sich rasch auch Schweden aus der Koalition gegen Preußen zurück. Man hat diesen unglaublichen Vorgang auch das "Wunder des Hauses Brandenburg" ("Miracle de la maison Brandenbourg") genannt. Ohne dieses Wunder, wäre Preußen nach 6 Jahren Krieg gegen eine gewaltige Übermacht am Ende gewesen. So aber konnte Friedrich nun mit 120.000 Mann in Schlesien und Sachsen den Feldzug des Jahres 1762 gegen den immer noch überlegenen "Rest" der Koalition beginnen.

Mitte Mai 1762 bezogen die Österreicher ein Lager am Fuße der Zobten, ein Corps unter General Draschkowitz stand bei Silberberg zur Deckung der Grafschaft Glatz. Der König hatte nun etwa 78.000 Mann in Schlesien stehen und verlegte sein Hauptquartier von Breslau nach Bettlern. Das Bataillon Hacke bildete die Bedeckung des Hauptquartiers. Die Vorposten des Bataillons standen längs des Schweidnitzer Wassers und der Lohe. Das Bataillon Hacke marschierte nach Kriptau und Kentschkau. Der König wollte nun Daun veranlassen, sich zu detachieren und sandte General Werner mit einem Corps nach Cosel, um Mähren zu bedrohen. Aber auch die Entsendung des Herzogs von Bevern konnte Daun nicht zum Detachieren veranlassen. Am 01.07.1762 stieß das Russische Hilfscorps unter Czernitschef bei den Höhen zwischen Landau und Schauerwitz zur Armee des Königs. Das Hauptquartier war nun bei Griegwitz. Nach der neuen Ordre de bataille waren nun auch die Russischen Bataillone und Schwadronen in die Preußischen Treffen verteilt. Das Bataillon Hacke stand im 1. Treffen in der Brigade des Generals Schenckendorf auf dem rechten Flügel. Das Bataillon Anhalt stand mit dem neuen Regiment Kaiser von Rußland (früher Syburg) in der Brigade Ramin, Garde und Saldern in der Brigade Bülow im 2. Treffen. Das Bataillon Leibgarde blieb wieder in Breslau. Jedes Grenadier-Bataillon erhielt zu den Bataillons-Kanonen noch je eine 6-pfündige Haubitze. Daun war in der Nacht zum 02.07.1762 nach Freiburg zurück gegangen, der König folgte am Tage nach Würben, am 03.07. bis Bunzelwitz. Der König versuchte in den nächsten Tagen vergeblich Braunau und das dortige Magazin zu erobern. Daraufhin entsandte er General Neuwied mit seinem Corps nach Böhmen. Zur Verbindung mit diesem Corps marschierte das Bataillon Hacke am 09.07.1762 nach Landeshut. Daun hatte sich inzwischen doch wie erhofft durch Detachierungen geschwächt, namentlich die Höhen von Giersdorf und Burkersdorf auf seinem rechten Flügel  waren nur noch schwach besetzt. Der König wollte nun diese Höhen besetzen und ließ daher am 13.07.1762 General Zieten um 02:00 Uhr früh in zwei Kolonnen aufmarschieren. Die erste, dabei das Bataillon Hacke, marschierte nach Giersdorf, die zweite nach Bögendorf und besetzte dort die Straße von Schweidnitz nach Hohengiersdorf. mit Front gegen Schweidnitz.

Mitten in die Aufmarschbewegungen platzte die Meldung von der Absetzung des Zaren Peter durch seine Frau Katharina am 09.07.1762. An diesem Tage hatte Katharina ihn in Oranienbaum durch die Russischen Garden festsetzen, eine Thronentsagungsakte unterzeichnen lassen und sich selbst zur neuen Zarin ausrufen lassen. Peter wurde nach Ropscha gebracht und dort am 17.07.1762 von Parteigängern der neuen Zarin umgebracht. Czernitschef hatte Befehl, sofort nach Polen zurück zu gehen. Der König bat ihn darum, den Abmarsch drei Tage zu verzögern, damit den Österreichern nichts davon bekannt wurde. In diesen drei Tagen wollte der König die Entscheidung suchen. Für die Schlacht viel jedoch das Russische Hilfskorps aus. Während die Hauptarmee im Lager von Hohengiersdorf stehen blieb, wollte der König den rechten Flügel Dauns auf den Höhen von Burkersdorf und Leutmannsdorf angreifen. Die Brigade des Generals Möllendorff (Garden, 2 Bataillone Regiment Prinz von Preußen, Grenadier-Bataillon Drach) war am 17.07.1762 nach Kunzendorf marschiert. Am 19.07. erhielt Möllendorff Befehl, nach Roth-Kirschdorf zu marschieren und sich dort mit dem Corps des Generals Neuwied zu vereinen, welches an diesem Tage nach Kreisau marschiert war. Die Brigade Möllendorff erreichte am 20.07.1762 Polnisch Weistritz. Dort stieß der König mit 6 Bataillonen und 5 Schwadronen dazu. Es wurden sogleich Brücken über die Weistritz geschlagen und ein Lager mit Front gegen die Höhen von Burkersdorf bezogen. Der Feind beschoß das Lager ohne Wirkung aus den Stellungen von Burkersdorf. am Abend erreichte zahlreiche Artillerie die Preußen. Die Höhen von Burkersdorf sind sehr steil zur Weitritz abfallend und waren von den Österreichern mit 15 Bataillonen und einem Dragoner-Regiment besetzt worden. In südöstlicher Richtung liegen die Höhen von Leutmannsdorf, welche demselben Gebirgszug angehören und gleichfalls unmittelbar zur Ebene abfallen. Sie sind steiler als die von Burkersdorf, waren aber nur schwach besetzt. Am 20.07. nachmittags marschierte das Österreichische Corps des General Brentano nach Leutmannsdorf. Die Österreicher zogen sich am Abend zurück auf den Gebirgszug, als sich die Preußen zur Bildung einer Ausgangslinie für den nächsten Tag näherten. Das von einem Wassergraben mit Zugbrücke umgebene Schloß Burkersdorf blieb mit 1 Offizier und 32 Mann besetzt. Das Dorf mit 2 Bataillonen und 400 Mann. General Möllendorff beschloß, sich dieses Dorf bei Einbruch der Nacht in seinen Besitz zu bringen. Hierzu ließ er seine Brigade aufmarschieren, an der Spitze 50 Freiwillige der Grenadiergarde unter Lieutenant Sydow und des 100 Bataillons Drach mit einer Kanone. Dahinter das Bataillon Grenadiergarde von Saldern Nr. 6. Das Bataillon Drach, das Regiment Garde Nr. 15 und 3 Eskadronen Husaren sollten den Angriff auf dem rechten Weistritrz-Ufer unternehmen, 1 Grenadier-Bataillon auf dem linken. Die übrigen Truppen der Brigaden Möllendorff und Knoblauch sollten sich zum Nachrücken bereithalten. Nachdem sie eine Salve auf die Angreifer abgefeuert hatten, zogen sich die Österreicher zurück. Möllendorff griff nun das Schloß und die dazu gehörenden Gehöfte an. Die Besatzung des Schlosses ergab sich erst, als die Preußen mit der Kanone die Zugbrücke zerstört hatten. Die Freiwilligen hatten 13 Tote und Verwundete. Sie behielten während der weiteren Kämpfe das Schloß besetzt, das Bataillon Grenadiergarde von Saldern Nr. 6 das Dorf. Gegen Morgen war die Angriffs-Parallele der Preußen fertig und mit 45 Haubitzen armiert. Eine Batterie von 12 Kanonen war so postiert worden, daß sie das Defilee der Burkersdorfer Höhen bestreichen konnte. Die Höhen von Leutmannsdorf wurden am 21.07.1762 ab 03:30 Uhr angegriffen. Der König erschien um diese Zeit bei den Truppen des linken Flügels und befahl Möllendorff, den Angriff durch seine Artillerie zu unterstützen. Das Feuer war jedoch nicht sonderlich wirksam, da die Batterien zu weit weg von den Höhen platziert worden waren. Lediglich die Österreichische Kavallerie zog sich rasch aus der Ebene zurück. Einer Meldung an Möllendorff zufolge hatten die Österreicher den Schaaftrift, einen Weg südöstlich des Kohlgrundes, unbesetzt gelassen. Über diesen Weg konnten die Preußen unbemerkt auf die Höhen zu einem unbesetzten Verhau und dann abwärts in den Rücken der Österreichischen Verschanzungen gelangen. Möllendorff erkannte sofort die Gelegenheit, die starke Stellung von hinten aufzurollen und schickte Die Regimenter Garde Nr. 15 und Prinz von Preußen Nr. 18 den Schaaftrift hinauf. Auf dem Marsch dorthin erhielten sie jedoch einen abändernden Befehl des Königs. Der Gegner hatte nämlich inzwischen mit 4.000 Mann einen Ausfall aus Schweidnitz gemacht. "Der König, welcher gerade von Leutmannsdorf nach Burkersdorf ritt, begegnete den 4 Bataillonen und ertheilte den Befehl, zu halten. General Möllendorff, besorgt, daß dieser Aufenthalt im Angesicht des Feindes diesem verrathen würde, daß er auf die Schaaftrift zu marschire, stellte dies dem Könige vor und fügte hinzu, daß außerdem die bei Bögendorf stehende Preußische Cavallerie die Besatzung verhinderte, sich von Schweidnitz zu entfernen, und um sich wenigstens in Besitz des auf der Höhe gelegenen Verhaues zu setzen, ließ er aus jedem Bataillon des Regiments Prinz von Preußen Freiwillige vortreten. Kaum war dies geschehen, so langte der Befehl vom Könige an: den Angriff fortzusetzen." (aus der Regimentsgeschichte). Das Regiment Nr. 18 marschierte an der Tete, die Garde dahinter. Im Gebirge angekommen ließ Major von Rohdich das III. Bataillon Regiments Garde Nr. 15 an einem Fußsteig anhalten, der durch das Gehölz zur Verschanzung der Österreicher führte. Er ließ 100 Freiwillige unter Hauptmann Raoul vorziehen und begann die Verschanzung mit seinem Geschütz zu beschießen. Sobald Major Rohdich den Angriff im Rücken des Feindes hören würde, sollte er die freiwilligen den Fußsteig ersteigen lassen und die Verschanzung an dieser Seite angreifen lassen. Möllendorff ließ nun seine Regimenter Garde und Prinz von Preußen Nr. 18, Freiwillige vor, den Angriff beginnen. Nach einer Salve wich der Feind zurück. Als Rohdich den Lärm vom Kamm her hörte, ließ auch er seine Freiwilligen vorrücken. Möllendorffs Freiwillige vom Regiment Prinz von Preußen Nr. 18 sollten derweil den die Schanze umgebende, inzwischen brennende Verhau nehmen, wurden jedoch abgewiesen. Die Freiwilligen vom Regiment Garde Nr. 15 schlossen sich dem Angriff an, wurden jedoch ebenfalls abgewiesen. "General Möllendorff entdeckte jedoch hierbei, daß die Besatzung der Schanze in großer Unordnung sei, und viele Mannschaften dieselbe gar verließen. Er ertheilte daher der eben eintreffenden 1. Division des 2. Bataillons Garde, gefolgt von der 2. Division als Soutien, den Befehl: die Schanze in geschlossener Ordnung mit dem Bajonett zu nehmen. Der Feind wartete den Angriff nicht ab. Er verließ die Schanze bis auf 26 Mann unter dem Hauptmann O´Braphy. Diese kleine Schaar schien die Feigheit ihrer Kameraden vergessen machen zu wollen; erst ein hartnäckiger Bajonettkampf überwand sie. Hiermit endete der Kampf. In voller Hast verließ der Feind die Höhen und Verschanzungen und zog sich nach Ohmsdorf." (aus der Regimentsgeschichte) Möllendorff vereinigte seine 4 Bataillone und stand nun in der Flanke des auf dem linken Weistritzufers stehenden Gegners. Der König zeigte sich hoch zufrieden mit Möllendorff und in der Nacht ab 22:00 Uhr räumten die Österreicher den Papelberg. Daun ging mit der ganzen Armee über Tannhausen nach Giersdorf zurück. Die Brigade Möllendorff verließ daraufhin am 22.07.1762 die Höhen und lagerte am Fuße derselben mit Front nach Schweidnitz, dessen Belagerung nun nichts mehr im Wege stand.

Die Schlacht von Burkersdorf am 21.07.1762 hatte die Österreicher etwa 550 Gefangene, 2.500 Verwundete und Tote und 7.000 Überläufer gekostet. Etwa 700 gefangene Preußen waren befreit worden. Über die Verluste der Preußen ist wenig bekannt. Das Regiment Garde Nr. 15 soll einen Verlust von 15 Offizieren und 389 Mann gehabt haben.

Friedrich belagerte nun Schweidnitz, am 26.07.1762 verlegte er sein Hauptquartier nach Dittmannsdorf. Die Brigade Möllendorff blieb im Lager bei Burkersdorf. Das Bataillon Anhalt stand unter General Ramin in Altwasser. Das Bataillon Hacke auch unter Ramin in Reußendorf. Daun ließ derweil seine Kavallerie zwischen Wartha und Silberberg rücken und der König befürchtete, daß Daun Schweidnitz entsetzen wollte. Er ließ daher am 12.08.1762 die Brigade Möllendorff und das Grenadier-Bataillon Hacke nach Peterswalde marschieren und auf den bereits mit 3 Bataillonen besetzten Höhen ein Lager beziehen. Am 13. folgte er selber mit dem Hauptquartier. Am 16.08. kam auch das Grenadier-Bataillon Anhalt dazu, sodaß Möllendorff nun 11 Bataillone unter seinem Befehl hatte. Dahinter, bei Peikersdorf standen 43 Schwadronen unter Zieten bereit. General von Tauentzien von der Leibgarde Nr. 15 erhielt den Oberbefehl über das Belagerungs-Corps von Schweidnitz. Sein Adjutant war Lieutenant von Scheelen vom Regiment Garde Nr. 15, der für die Belagerung den Orden Pour le merite erhielt. Außerdem war Capitain von Raoul vom II. Bataillon Regiment Garde Nr. 15 als Trancheemajor zur Belagerung kommandiert. Am 16.08.1762 fand das Gefecht bei Reichenberg statt. Der König hatte zwar die Brigade Möllendorff persönlich vorgeführt,, erreichte aber erst gegen 20:00 Uhr das Schlachtfeld, als der Kampf schon vorüber war. Die Infanterie hatte den größten Teil des Marsches im Trab unter dem Schlagen des Grenadiermarsches zurückgelegt. Die Brigade biwakierte auf dem Schlachtfeld und marschierte am Morgen nach Peterswalde zurück. Am 09.10.1762 kapituierte Schweidnitz mit 9.000 Mann und 352 Geschützen.

Am 29.10.1762 wurde bei Freiberg abermals eine für die Verbündeten vernichtende Schlacht geschlagen. Die Preußen verloren nur 1.400 Mann, die Verbündeten dagegen 2.600 Tote und Verwundete. Von der Reichsarmee wurden gefangen ein General, 25 Offiziere, 1.002 Mann, von den Österreichern 54 Offiziere, 3.331 Mann. Viele Leute desertierten. 28 Geschütze, 9 Feldzeichen, eine große Menge Munitionswagen und die Lager von zwei Regimentern wurden von den Preußen erobert. Die Garden hatten an dieser Schlacht keinen Anteil.

Am 29.10.1762 ging Marschall Daun mit einem starken Detachement nach Sachsen vor, Möllendorff bekam daher Befehl am 30.10. nach der Lausitz abzumarschieren. Der Marsch ging über Haußdorf, Schönau, Löwenberg, Sprottau nach Sorau, welches am 05.11.1762 erreicht wurde. Dort wurden die Winterquartiere bezogen.

Damit war der Feldzug und der 3. Schlesische Krieg, der siebenjährige Krieg,  beendet. Alle Seiten wünschten den Frieden, der am 15.02.1763 im Jagdschloß zu Hubertusburg abgeschlossen wurde. Mit dem Frieden von Hubertusburg hatte Preußen zwar nichts hinzu gewonnen, es war jedoch endgültig als neue Großmacht in Europa angekommen und nun eine ernstzunehmende Größe. Es hatte sich gegen halb Europa erfolgreich zur Wehr gesetzt. Am 18.02.1763 traten die Garden den Rückmarsch an und erreichten über Lübben und Mittenwalde am 25.02.1763 Potsdam. England und Portugal hatten mit Frankreich bereits am 10.02.1763 den Frieden von Paris geschlossen, der auch den gleichzeitigen Kolonialkrieg ("French and Indian war" 1754-1763) beendete. Frankreich hatte hier auf ganzer Linie verloren und mußte große Gebiete, wie Quebec abtreten. Die verlorenen Kriege in den Kolonien und Europa führten zu einer großen Staatsverschuldung in Frankreich, was letzten Endes auch einer der Gründe für die französische Revolution war. Frankreich trat nun verbittert in Gegensatz zu England und unterstützte später die amerikanischen Kolonisten in ihrem Unabhängigkeitskampf gegen das Mutterland.

Für das Bataillon Grenadiergarde von Saldern Nr. 6 sind komplette Verlustzahlen für den Siebenjährigen Krieg zu finden, für das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 und das Regiment Garde Nr. 15 fehlen diese Zahlen leider. Die Grenadier-Compagnie ist bei den folgenden Zahlen nicht berücksichtigt (nach der Regimentsgeschichte).

  Unteroffiziere Spielleute Grenadiere
Während des Siebenjährigen Krieges beim Bataillon (Nr. 6) gestanden 93 45 1.726
Todtgeschossen 6 8 310
An Blessur gestorben 14 1 93
Invalide 19 4 113
In Lazarethen gestorben 16 5 268
Executirt - - 5
Vermißt 13 11 732

1763 wurden in Preußen Inspektionen eingeführt, welche zwischen dem König und den Regimentern standen und "damit auf eine größere Gleichmäßigkeit des Dienstbetriebes" achten sollten. Dies galt natürlich nicht für das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15, welches nach wie vor dem König direkt unterstand. Das Regiment Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde von Saldern Nr. 6 unterstanden hingegen der Inspektion Potsdam, die nun von Oberst Julius von Buttlar geleitet wurde.

Am 25.06.1763 wurde General Friedrich Bogislav von Tauentzien das Kommando über die Inspektion Schlesien übertragen. Seinen Posten als Kommandeur des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 übernahm Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, der Neffe des Königs. Ebenfalls 1763 erhielt Friedrich Christoph von Saldern die Inspektion Magdeburg, blieb aber noch der Chef des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6.  General von Möllendorff erhielt gleichzeitig die Inspektion Brandenburg, blieb aber weiterhin auch Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15.

Am 24.04.1764 wurde Oberst von Billerbeck neuer Kommandeur des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15. Der bisherige Kommandeur Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen übernahm das bisherige Regiment Prinz August Wilhelm von Preußen Nr. 18. Der nachmalige König Friedrich Wilhelm II. erhob dieses Regiment Nr. 18 später zum "Regiment des Königs" und damit quasi ebenfalls zur Garde. Aus diesem Regiment des Königs Nr. 18 kamen nach 1806 viele ehemalige Angehörige zum neuen Ersten Garderegiment zu Fuß.

Am 22.11.1765 wurde Oberst von Billerbeck verabschiedet und Oberst von Laxdehnen übernahm seinen Posten als Kommandeur des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15.

Am 20.12.1766 übernahm Generalmajor Friedrich Christoph von Saldern das Regiment Ferdinand von Braunschweig. Sein Nachfolger als Chef des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 wurde Oberst Hans Siegmund von Lestwitz. Das Bataillon führte fortan seinen Namen.

Im Jahre 1768 hatte das Regiment Garde Nr. 15 insgesamt 6 "Diensttuende" von 60 Jahren und 55 von 50 Jahren. Für das gleiche Jahr findet sich eine Statistik, über den Verbleib der Soldaten im Regiment (aus der Regimentsgeschichte):

Beim Regiment verblieben von: Offiziere Unteroffiziere Spielleute Gemeine
Stiftung des Regiments am 23.06.1740 1 19 3 40

Altes Regiment des Königs Nr. 6

1 7 - 7

Altes Regiment Kronprinz Nr. 15

- 14 - 16

Soor am 30.09.1745

5 28 3 49

Ausmarsch 1756

20 72 13 242

Leuthen am 05.12.1757

26 70 13 249

Torgau am 03.11.1760

37 93 22 671

Am 15.08.1769 wurde in Ajaccio auf Korsika ein gewisser Napoleon Bonaparte geboren.

Am 07.05.1771 wurde von Möllendorf Chef des Füsilierregiments Jung-Braunschweig Nr. 39. Seinen Posten als Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15 übernahm Oberst Treusch von Buttlar-Brandenfels

Der größte Teil des gewöhnlichen Dienstes der Truppe bestand aus dem Wachdienst. Die Stadt Potsdam war zum Wasser hin mit einem fünffachen Postenwall umgeben. Die Lange Brücke wurde besonders stark bewacht, da hier die Sächsische Grenze nur wenige Kilometer entfernt war. Längs des Ufers standen Palisadenwände. Ohne Paß durfte keine Militär- oder Zivilperson die Tore passieren. Auch an jeder der Zugbrücken über den Kanal standen Posten. Jedes Garde-Bataillon hatte seine Wache, wohin die Gefangenen in den sogenannten "Brummstall" gebracht wurden. Die Bataillone besetzten folgende Wachen (nach der Regimentsgeschichte):

Bataillon Wache Offiziere Unteroffiziere Tambours Gemeine
I. Leibgarde Nr. 15 Schloß 3 3 2 57

II./III. Regiments Garde Nr. 15 und

Grenadiergarde Nr. 6

Hauptwache 2 4 2 39

II./III. Regiments Garde Nr. 15 und

Grenadiergarde Nr. 6

Berliner Tor 1 3 1 39

II./III. Regiments Garde Nr. 15 und

Grenadiergarde Nr. 6

Keller Tor 1 2 1 36

II./III. Regiments Garde Nr. 15 und

Grenadiergarde Nr. 6

Alt-Wasser-Tor 1 2 1 24

II./III. Regiments Garde Nr. 15 und

Grenadiergarde Nr. 6

Neustädter Tor 1 2 1 24

II./III. Regiments Garde Nr. 15 und

Grenadiergarde Nr. 6

Teltower-Brücke 1 2 2 40
In Summa alle Bataillone: 10 18 10 274

Außerdem wurden täglich 9 Offiziere der Garnison zum Nachreiten kommandiert, falls ein Soldat desertierte. Die Wache auf der Glienicker Brücke wurde von den Ausrangierten bezogen. Die Wache des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 ging nur vor dem König "ins Gewehr". Die Parole wurde stets durch den Kommandanten durch den König empfangen.

Die Unterbringung der Bataillone war in Potsdam seit den Zeiten Friedrich Wilhelms I. nahezu unverändert geblieben. Die Soldaten waren immer noch meist in Bürgerquartieren untergebracht. "Das 1. Bataillon hatte das Vorrecht, nur zu Vieren in einer Stube und Kammer zu liegen; beim Regiment Garde und Grenadiergarde-Bataillon zu Sechsen. Der Wirth mußte für die Einquartierung Licht und Aufwartung geben, vom 1. October bis Ausgangs April heizen, an Exerciertagen für sie kochen, Geschirr, Stroh und Utensilien liefern und das Bettzeug waschen lassen. Bis in die ersten Regierungsjahre Friedrichs II. mußte er auch alle süßen und sauren Zuthaten zum Essen liefern. Jede Compagnie hatte außerdem 2 Stuben als Montirungskammern. Diese harte Last erscheint weniger drückend, wenn man bedenkt, daß der König die meisten Häuser selbst baute und dann den Einwohnern schenkte, die Einquartierung also gleichsam nur ein Erbzins war. Zu dem Holz gab der König einen Zuschuß aus den Königlichen Forsten. Derselbe betrug für:

das 1. Bataillon Garde            77 Haufen,

Regiment Garde                    194 Haufen

Bataillon Grenadiergarde    102 Haufen

Unrangierte                            10 Haufen

Außerdem gab der König über 200 Haufen Torf. Es ist in späteren Zeiten das Verdienst des Generals Rohdich um die Stadt Potsdam, daß er es als Commandant beim Könige durchsetzte, daß dieser nicht allein einen jährlichen Zuschuß von 7075 Thlr. für die Unterhaltung der Utensilien bewilligte, sondern auch nach und nach fast den ganzen Holzbedarf und die sonstigen Ausgaben übernahm, so daß in den letzten Zeiten der Hauseigenthümer eigentlich nur die Stube hergab." (aus der Regimentsgeschichte)

Die verheirateten Soldaten hatten eine Stube für sich in den sogenannten "Kasernen". Diese lagen für die Leibgarde in der Berliner Straße, den späteren Reserve-Kasernen. Die Kasernen gehörten dem König, aber eine eigentliche Kaserneneinrichtung bestand nicht, sondern es waren nur den Leuten überlassene, karg möblierte Wohnungen mit einem Tisch und einigen Stühlen darin.

Die 4 Bataillone der Garde hatten 3 Lazarette. Jenes für das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15, lag in der Burgstraße, es wurde später das Lazarett des Garde-Husaren-Regimentes. Das Lazarett des Regiments Garde Nr. 15 lag an der Neustädter Kommunikation, das vom Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 ebenfalls. In Glienicke befand sich überdies noch ein Lazarett für ansteckende Krankheiten in dem dortigen alten Königlichen Lustschloß.

Die Monierungskammern der Bataillone waren für die Leibgarde teils auf dem Schloß und teils im Turm der Garnisonkirche. Das Regiment Garde und das Bataillon Grenadiergarde hatten ihre Monierungskammern in den Gebäuden, in denen später die Regimentskammer des Ersten Garderegiments zu Fuß war.

1771 verzeichnet eine Statistik für das Bataillon Grenadiergarde von Lestwitz Nr. 6 an Diensttuenden: 20-30 Jahre: 323, 30-40 Jahre: 295, 40-50 Jahre 114, 50-60 Jahre 23 und 60-jährige 2.Für das gleiche Jahr verzeichnet eine Statistik den Verbleib der Soldaten im Bataillon (aus der Regimentsgeschichte):

Beim Bataillon verblieben von: Offiziere Unteroffiziere Spielleute Gemeine

Altes Regiment des Königs Nr. 6

1 - 1 2

Ausmarsch 1756

11 24 6 67

Torgau am 03.11.1760

16 40 11 167
im Bataillon Campagne gemacht 19 47 15 260
Anderwärts 1 12 - 125
Beweibte - 34 13 246

1772 fand die erste polnische Teilung statt, bei der auch Preußen einen beträchtlichen Gebietszuwachs auf Kosten Polens verbuchen konnte. Preußen erhielt dabei das Ermland, Westpreußen, Kulmerland und Pommerellen sowie das Netzegebiet und damit eine Landverbindung von Brandenburg und Pommern nach Ostpreußen. Danzig blieb allerdings zunächst freie Stadt. Die anderen Großmächte Rußland und Österreich bereicherten sich ebenfalls an Polen. Friedrich II. nannte sich nun nicht mehr wie seine Vorgänger König in Preußen, sondern, da er ja West- und Ostpreußen in seinem Staat vereinigt hatte, König von Preußen. Seine Nachfolger auf dem Hohenzollern-Thron behielten diesen Titel dann bei.

Am 23.01.1773 wurde Oberst von Scheelen neuer Kommandeur des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15. Der bisherige Kommandeur Generalmajor von Laxdehnen bekam an diesem Tage seinen Abschied und war kurz darauf am 06.02.1773 verstorben.

1775 dienten bei der Garde folgende nach Größe (!) aufgeschlüsselte Mannschaften (aus der Regimentsgeschichte):

Größe in Preußisch Zoll Regiment Garde Nr. 15 Bataillon Grenadiergarde von Lestwitz Nr. 6
Einländer Ausländer Einländer Ausländer
14 1 1 1 -
13 - 4 1 -
12 2 11 4 6
11 32 33 11 15
10 101 121 37 53
9 300 281 118 149
8 182 258 78 169
7 71 143 44 94
Summen 689 852 294 486

Hieraus wird das Mißverhältnis zwischen "Einländern" und geworbenen oder "eroberten" Ausländern ersichtlich. Ein Preußisches Zoll = 2,61544616 cm.

Am 04.07.1776 erklärten sich die 13 Kolonien in Amerika für Unabhängig von ihrem Mutterland England. Was folgte war der Unabhängigkeitskrieg mit dem Mutterland, bei dem auf Seiten der Amerikaner auch ein General Friedrich Wilhelm August von Steuben (17.09.1730-28.11.1794) kämpfte. Steuben[6] hatte im Siebenjährigen Krieg für Preußen gekämpft und nicht zuletzt wegen ihm hatte Preußen sehr gute Beziehungen zu den jungen Vereinigten Staaten nach deren Unabhängigkeit. Der Krieg endet am 03.09.1783 im Frieden von Paris mit dem Sieg der Amerikaner. Diese Ereignisse waren zwar sehr weit weg, doch die Kunde von der Unabhängigkeit und Freiheit der Bürger Amerikas drang auch nach Europa. Die amerikanische Revolution wurde so zum Vorboten für die Ereignisse wenige Jahre später in Frankreich.

Am 20.10.1776 wurde Friedrich Wilhelm von Rohdich zum Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15 ernannt und damit Nachfolger von Oberst Julius Treusch von Buttlar-Brandenfels, welcher als Generalmajor seinen Abschied nahm. Die Inspektion Potsdam, der auch die drei Bataillone Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde von Lestwitz Nr. 6 unterstanden, übernahm ebenfalls Oberst Friedrich Wilhelm von Rohdich, da auch sie von Buttlar-Brandenfels zuvor geführt worden war.

Am 29.07.1777 wurde Friedrich Wilhelm (03.08.1770-07.06.1840), der spätere König Friedrich Wilhelm III. vom König zum Fähnrich im I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 ernannt. Er war zu diesem Zeitpunkt noch keine 7 Jahre alt. Das Patent im Wortlaut:

"Nachdem seine Königliche Majestät von Preußen, Unser Allergnädigster König und Herr, Dero kleinen Neveu, Prinzen Friedrich Wilhelm, um denselben zu Kriegsübungen so vielmehr anzufrischen, zum Fähnrich beim Ersten Bataillon Leibgarde zu Fuß deklariret, als thun Sie auch Solches hiermit und in Kraft dieses Patents also und dergestalt, daß gedachter Prinz Friedrich Wilhelm zuvörderts Sr. Königlichen Majestät getreu, hold und gehorsam sein, was Ihro in dieser Charge als Fähnrich zu thun und zu verrichten nach und nach aufgetragen wird, willig und mit Fleiß zu besorgen sich angelegen sein lassen, und dagegen bei Verspürung Ihrer beständigen Application mehr Allerhöchstgedachter Sr. Königlichen Majestät weitere Affektion, Fürsorge und Avancement gewärtig sein sollen.

 

Des zu Urkund haben Se. Königliche Majestät dieses Patent eigenhändig unterschrieben und mit Dero Insiegel bedrucken lassen.

 

So geschehen und gegeben Berlin den 29. July 1777.

Friedrich."

Der Prinz antwortete Friedrich mit einem Dankschreiben, worauf der König wiederum mit einem Brief antwortete: "Es wäre mir lieb, daß er Lust zeigte, Etwas zu lernen, und sich applicirte, wenn er damit continuirte, würde ich ihn recht lieb haben, und fortfahren mehr für ihn zu thun." Dieser Brief wurde zusammen mit der ersten Uniform für den Prinzen geschickt. Am folgenden Bayerischen Erbfolgekrieg nahm der junge Secondelieutenant nicht teil, er blieb in Berlin.

1777 wurde Oberst Johann Christian Wilhelm von Steinwehr zum Chef des Regiments Nr. 14 ernannt, welches fortan seinen Namen trug. Sein Nachfolger als Kommandeur des Bataillons Grenadiergarde von Lestwitz Nr. 6 wurde Paul von Hanenfeld.

Bayerischer Erbfolgekrieg, Kartoffelkrieg, Zwetschkenrummel 1778-79

Am 30.12.1777 starb in München der Wittelsbacher Kurfürst Maximilian III. Joseph (geb. 28.03.1727) an den Pocken, er hinterließ keine Kinder. Damit war die bayerische Linie der Wittelsbacher erloschen. Bayern fiel damit an die nächste Verwandtschaft, Karl Theodor von Pfalz-Sulzbach (11.12.1724-16.02.1799), Kurfürst der Pfalz mit einer Residenz in Mannheim und auch einer gerade erst fertig gestellten Residenz im Schloß Benrath in Düsseldorf. Karl Theodor liebte München, Bayern und die Bayern nicht. Das wäre heute wohl auch nicht viel anders, wenn man als Rheinländer vom weltoffenen Rheinland ins erzkonservative Bayern ziehen müßte. Er hätte es gerne bei den Österreichern gegen die Spanischen Niederlande (heute: Belgien) eingetauscht und damit eine Art Niederrhein-Reich geschaffen. Österreich unter Kaiser Joseph II. (13.03.1741-20.02.1790) erhob Ansprüche auf Niederbayern und die Oberpfalz und bot zunächst im Tausch hierfür Geld und Vorderösterreich (Freiburg bis Konstanz) an. Dieser Tausch wurde in der Wiener Konvention vom 03.01.1778 besiegelt und schon am 11.01.1778 rückten Österreichische Truppen in Bayern ein. Preußen fürchtete durch diese Vorgänge eine gefährliche Machtverschiebung zugunsten Österreichs und so unterstützte es die Partei des möglichen Erben Karl Theodors (der bislang ebenfalls noch keinen männlichen Erben hatte): Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken (29.10.1746-01.04.1795). Friedrich erklärte daraufhin als Reichsfürst den Reichsfrieden für gebrochen und erließ Mitte März 1778 an die Regimenter die Ordre, sich auf den Kriegsetat zu setzen.

Das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15, das Regiment Garde Nr. 15 und das Bataillon Grenadiergarde von Lestwitz Nr. 6 nahmen an dem folgenden Feldzug ebenfalls teil und marschierten am 10.04.1778 morgens nach Dalwitz, dann in den folgenden Tagen über Lieberose, Sprottau, Hainau, Schweidnitz am 28.04.1778 nach Reichenbach. Hier versammelte der König seine Armee. Die Kolonne wurde von Generalmajor von Lestwitz als Brigade-Commandeur angeführt. Die 2 Grenadierkompagnien des Regiments Garde Nr. 15 waren mit 2 Grenadierkompagnien vom Regiment Prinz von Preußen Nr. 18 unter Major von Apenburg (vom Bataillon Grenadiergarde von Lestwitz Nr. 6) schon in Potsdam vereinigt worden zu einem separaten Grenadierbataillon. Die Grenadierkompagnie des Bataillons Lestwitz wurde in Schlesien mit 3 Kompagnien des Regiments von Anhalt Nr. 3 unter Major von Blomberg vereinigt. Vor Reichenbach trat der König vor die Potsdamer Kolonne und besichtigte sie. Die Preußen kantonierten nun in einem Distrikt von 7 Meilen Breite und 3½ Meilen Tiefe. Die Vorposten standen von Pleß bis Landeshut. Die Österreicher standen um Königgrätz und Jung-Bunzlau. Der Kaiser kommandierte persönlich die in Böhmen stehenden Truppen, unter ihm Lascy und Haddik.

Nach der Ordre de bataille vom 12.04.1778 gehörten die vier Bataillone Garde mit noch 6 anderen zu einem Reserve-Corps des 1. Treffens unter General Lestwitz. Das Bataillon Apenburg gehörte zur Avantgarde. Am gleichen Tage kommandierte der König, daß so wenig Wagen als möglich mitgenommen werden sollen, pro Kompagnie nur je einer, der Rest sollte auf Wagen verladen werden. Nachts sollten bei Alarmierung sofort die Bataillone zusammentreten und chargieren, auch die Bataillonsartillerie sollte feuern. "Es ist besser, daß einige Patronen in den Wind verfeuert werden, als daß der wirkliche Ort, wo der Feind attakirt, nicht defendiret werde. Wieder wird den Compagnien befohlen, immer Essig mitzunehmen um ihn, wenn die Leute erhitzt, unter das Wasser zu mischen. Sechs Salven müssen genügen, den Feind zu erschüttern; es muß alsdann mit dem Bajonett vorgegangen werden. Niemals muß gegen eine Höhe geschossen, dieselbe immer erstürmt werden. Die Arrieregarde soll, wenn sie angegriffen, stets Quarree formiren. Werden die Winterquartiere bezogen, so sollen die Leute sofort purgiren, und um sich an die Hitze der warmen Oefen zu gewöhnen, sollen die Fenster aufgemacht werden" (aus der Regimentsgeschichte)

Während die Verhandlungen liefen, wurden die Leute mit Exerzieren bei Laune gehalten. Dennoch war der Zustand der Armee alles andere als mustergültig. Ein höherer Offizier der Garde schrieb in seinem Tagebuch: "Es geht Alles confuse zu. Es ist kein Mensch da, so sich der Sache annahm und en detail einrichtet. Der König hat den Hauptplan im Kopf und bekümmert sich nicht um das Detail, der Erbprinz ist disgoustiret, weil ihm Nichts anvertraut wird, Tauentzien ist zu schwach. Anhalt bekümmert sich um Nichts, was ihm nicht befohlen wird. Minister Hoym versteht das Magazinwesen nicht. Es fehlt an einem Intendanten und einem General-Quartiermeister." Es wird ja vielfach behauptet, die Preußische Armee sei erst nach Friedrichs Tod verkrustet und im Althergebrachten verharrt und die Schuld an diesem Niedergang wird den beiden schwachen Königen Friedrich Wilhelm II. und III. gegeben. Diese Aufzeichnungen hier sprechen jedoch eine andere Sprache.

Am 04.07.1778 brach die Armee nach Böhmen auf und passierte am 05.07. bei Nachod die Grenze. Beim Überschreiten der Grenze schlugen die Bataillone den Marsch und lauter Jubel erklang. Ganz so wie es an gleicher Stelle 1866 das Erste Garderegiment zu Fuß machte. Am 08.07.1778 wurde ein Lager bei Welsdorf bezogen. Die Österreicher standen derweil bei Jaromirz. "Bis zum 15. August blieb der König in Welsdorf, dann marschirte die Armee wegen Mangel an Lebensmitteln nach Burkersdorf, auf dem Schlachtfelde von Soor." (aus der Regimentsgeschichte) Am 23.08.1778 verließ die Armee das Lager und marschierte nach Arnsdorf. Das Reserve-Corps marschierte erst am 24.08. ab und ging über Liebenau nach Wiltschitz. An beiden Tagen hatte die Kavallerie des Reserve-Corps Gefechte mit dem Feind. Am 14.09.1778 brach die Armee nach Altstadt auf, am 19.09. ging sie über die Aupa nach Schatzlar. Der Gegner störte den Übergang nicht. Am 14.10.1778 bezogen die Garden Kantonierungsquartiere in und um Landeshut, wo auch das Hauptquartier war. "Das Grenadier-Bataillon Apenburg gehörte zu einem Corps des General von Tauentzien, welches am 15. October nach Jägerndorf aufbrach, um den Feind, der sich nach Mähren zurückgezogen hatte, zu beobachten. Das Bataillon kam in Jägerndorf selbst zu stehen. Der Marsch nach Böhmen war ohne Erfolg gewesen. Den Winter über standen die Bataillone in Breslau." (aus der Regimentsgeschichte) So schleppte sich dieser Feldzug ohne nennenswerte Ereignisse dahin und nahm für 1778 sein Ende.

Originaler Rock des DHM Berlinn eines Gemeinen im des Regiment Garde Nr. 15 um 1785, Merta: Das Heerwesen in Brandenburg und Preußen.

Am 04.02.1779 marschierten die 4 Bataillone Garde aus Breslau nach Reichenbach ab. Der König befahl, daß Graf Anhalt mit einem Teil des Raminschen Corps einen Einfall nach Böhmen machen solle, um Kontributionen und Lieferungen aufzutreiben. Zu seiner Unterstützung marschierte der König am 16.02.1779 nach Silberberg. Dort schlug er das Hauptquartier auf, das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 befand sich ebenfalls in diesem Ort. Das Regiment Garde Nr. 15 kam nach Schönwalde, das Bataillon Grenadiergarde von Lestwitz Nr. 6 nach Briesnitz. In diesen Positionen blieben die Truppen bis zum Friedensschluß von Teschen am 13.05.1779 stehen. Beim Friedensschluß wurden Bayern und die Pfalz zusammengelegt, Österreich erhielt das Innviertel und Preußens Ansprüche auf Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Bayreuth wurden bestätigt. Der Tausch der Ländereien, wie er in der Wiener Konvention vom 03.01.1778 festgelegt worden war, wurde für nichtig erklärt. So endete dieser abfällig "Kartoffelkrieg" oder "Zwetschkenrummel" genannte Konflikt ohne nennenswerte Gefechte.

Am 17.05.1779 marschierten die Gardebataillone über Crossen an der Oder und Frankfurt nach Potsdam, welches sie am 03.06.1779 erreichten, wo sogleich der Feldetat aufgehoben wurde. "Der Baierische Erbfolgekrieg hatte die Armee mehr enttäuscht, als daß er einen frischen Geist in ihr erweckt. Nach dem Frieden wurde der Dienst unverändert fortbetrieben. Der König suchte den Einwirkungen des Friedens und eines gewiß unzufriedenen Wesens, das sich der jüngeren Officiere zu bemächtigen anfing, kräftig entgegen zu arbeiten." (aus der Regimentsgeschichte)

Unteroffizier des I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 um 1786, Zeichnung von Adolph Menzel, Archiv Schuster.

Am 17.06.1779 wurde Generalmajor Friedrich Wilhelm von Rohdich neuer Chef des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6, welches fortan seinen Namen trug. Generalmajor Hans Siegmund von Lestwitz nahm seinen Abschied. Rohdich war gleichzeitig Stadtkommandant von Potsdam geworden. Er war der einzige Offizier der sowohl Kommandeur des Regiments Garde Nr. 15, als auch Chef des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 gewesen war. Das Kommando über das Regiment Garde Nr. 15 übernahm Oberst Wilhelm Magnus von Brünneck. "Nach dem Frieden 1779 ernannte ihn (Rohdich) der König zum Commandeur en chef des Grenadiergarde-Bataillons für Lestwitz, welches Bataillon bekanntlich den Rang eines Regiments hatte, gleichzeitig avancirte er zum Generalmajor, wurde Commandant von Potsdam und Direktor des großen Potsdamer Militair-Waisenhauses. Rohdich stieg fortwährend in der Gunst des Königs und war der fast tägliche Tischgenoß seines Monarchen, welcher ihn auch verschiedener wichtigen und geheimen Aufträge würdigte." (aus der Regimentsgeschichte)

1779 wurde Feldwebel Graefe Capitain der Garde-Invaliden.

"Mit dem Jahre 1779 beginnt in dem Leben Rohdichs jene dauernd segensreiche Thätigkeit in Bezug auf Erziehung und Vorbildung der Jugend zu braven Soldaten, für welche der General geradezu als bahnbrechend bezeichnet werden muß." (aus der Regimentsgeschichte) Rohdich stellte zunächst die unter Friedrich Wilhelm I. schon seit 1721 bestandene Garnisonschule wieder her. Die Schule war dazu bestimmt, die Soldatenkinder unentgeltlich zu unterrichten. Die Zahl der Kinder war jedoch außerordentlich groß, allein vom Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 kamen schon 500 Kinder. "Während der Kriege war die Schule aber so in Verfall gerathen, theils aus Geldmangel, theils aus Mangel an Oberaufsicht, daß alle Kinder, die nicht im Waisenhause Aufnahme fanden, in den Straßen von Potsdam vollkommen verwilderten. In Gemeinschaft mit dem verdienten Feldprobst Kletschke entwarf Rohdich einen Plan für die Verbesserung der Garnisonschule, welcher am 17. December 1780 die Allerhöchste Genehmigung erhielt. Es wurde ein eigenes Gebäude in der Priesterstraße für die Schule erworben, und die Zahl der Schüler stieg bald auf 700. General von Rohdich widmete der Anstalt fortgesetzt die ausdauererndste persönliche Aufsicht, wohnte den Prüfungen bei und beschenkte die sich hervorthuenden Schüler. Ebenso erreichte er vom Könige die Erhöhung der Kindergelder von 8 auf 16 Groschen, und die Ausdehnung derselben auf alle Infanterie-Regimenter der Potsdamer Inspektion, während sie bisher nur für die Potsdamer Garnison bezahlt worden waren." (aus der Regimentsgeschichte)

Zeichnung nach Gay und Originale Grenadiermützen des DHM Berlin des II./III. Bataillon Regiments Garde Nr. 15 um 1786, Archiv Schuster.

Friedrich erließ am 25.07.1781 eine neue "Instruktion für die Inspekteurs der Infanterie" in der er besonders der jungen Offiziere gedachte, die nicht mehr den alten Geist besaßen, wie er meinte. So sagte er z. B.: "So gut auch ein Degen ist, so richtet er von selbst nichts aus, wenn er nicht von einem guten und starken Arm geführt wird, der Gebrauch davon zu machen weiß. Meine Gedanken gehen vornehmlich dahin, daß auch im geringsten nichts bey der Ordnung zu versäumen ist. Die Inspecteurs der ihnen untergebenen Regimenter müssen denen Officiers mehr ambition und mehr application im soliden Dienst beybringen. .... Um nun die Sache dahin zu bringen, so ist es nöthig, die jungen Officiers zu animiren, daß sie in ihren müßigen Stunden, die sie so viel haben, einige zum wenigsten anwenden, um ihr Handwerk besser zu studiren, und sich geschickt zu machen, dermahleinst, wenn es sie trifft, die höheren Posten, die sie erlangen werden, mit aller Ehre und mit allem Ruhm zu bekleiden. ... Im übrigen so weiß ich wohl, wie schon gesagt, daß nicht alle Officiers bey der Armée zu großen Idées capable sind, mithin ist es auch nicht so nothwendig mit dergleichen, die nicht Geschicklichkeit genug haben, als zu diesen Sachen erfordert wird, sich viel abzugeben, desto mehr aber mit solchen, die Verstand und Kopf haben, und die vorzüglich gute Hoffnung von sich geben, wie denn die Inspekteurs auch, wenn solche Officiers unter den Regimentern sind, die Verstand und Geschicklichkeit besitzen, und zu großen Idées capable sind, es mögen sein Capitains, Lieutenants, oder was er vor einer ist, solche mir anzeigen und bekannt machen müssen."

Originaler Uniformrock des DHM Berlin eines Gemeinen im I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 um 1786, Archiv Schuster.

Zeichnung nach Gay und Originale Grenadiermütze des DHM Berlin des  I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 um 1786, Archiv Schuster.

Friedrich machte sich offenbar Sorgen um seine Armee. Daß er damit recht hatte, zeigten die späteren Ereignisse. "Auch von unten herauf drängte es in der Armee zu Reformen. Es ist besonders interessant, wie viele Mängel, an denen die Armee später zu Grunde ging, damals schon klar erkannt wurden, wie aber der am Alten hängende Sinn, stolz auf die große Vergangenheit, jede Veränderung, auch im Aeußerlichen, rundweg für eine Verschlechterung erklärte." (aus der Regimentsgeschichte) Es ist ein Schriftwechsel aus dem Jahre 1782 bekannt, bei dem vermutlich General von Rohdich an den General von Scheelen 9 verschiedenen Fragen zu Bekleidungs- und Ausrüstungsstücken stellt und Vorschläge macht, wie diese zu verbessern sind. Scheelen lehnt darin jede Neuerung ab.

Im Dezember 1781 erhielt der nunmehr 11 Jahre alte Fähnrich im I. Bataillon Leibgarde Nr. 15, Prinz Friedrich Wilhelm, den Obersten von Backhoff als militärischen Erzieher. Dieser schrieb am 07.05.1782 über seinen Zögling: "Euer Königlichen Majestät mir vorzüglichst Allerhöchst ertheilten Befehl aus dem Prinzen einen Soldaten zu machen allerunterthänigst zu befolgen, wird mir nicht schwer, denn obwohl der Prinz generaliter eine sehr große Wißbegierde haben, so mist dennoch die gründliche Erlernung der Kriegskunst bei Ihnen kein bloßer Trieb, sondern eine heftige Leidenschaft, so daß in den militairischen Lektionen Nichts Ihre Aufmerksamkeit stören kann und Sie Sich selbst zu solchen treiben, ja es geht so weit, daß wenn die aufgeschriebenen Leute im Lustgarten exercieren und feuern, so ist, da der Prinz bei Ihrer großen Jugend noch nicht die Kraft haben, zu abstrahiren, Ihr Geist unten bei denselben, und wenn Sie gleich sonst in Ihren Lektionen sehr fleißig sein, so hat man doch alsdann alle Mühe, Ihn zur Aufmerksamkeit zurückzubringen."

Uniformen  I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 und Grenadiere des Regiments Garde Nr. 15 um 1786, WTS Koblenz / WGM Rastatt / Archiv Schuster.

"Seit dem Jahre 1783 exercierte der Prinz täglich mit der Leib-Compagnie des 1. Bataillons Garde und war nachher auf der Parole anwesend. General von Scheelen war sein strenger Lehrmeister; der Prinz liebte ihn nicht, und fand, daß der General den Stock ein wenig zu viel gebrauche." (aus der Regimentsgeschichte) Am 04.11.1784 wurde Fähnrich Friedrich Wilhelm, Prinz von Preußen, zum Secondelieutenant befördert. Das Patent hierzu lautete:

"Nachdem Seine Königliche Majestät mit besonderem Vergnügen und Zufriedenheit wahrgenommen, welchergestalt Dero petit-neveu, Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, als Fähnrich mit auszeichnender Application und Eifer sich auf den Kriegsdienst befleißigen, so haben Seine Majestät um Ihnen ein Merkmal Dero Allerhöchsten Wohlwollens und Propension zu geben, auch um Sie desto mehr zu animiren, sich hierin immer vollkommener zu machen, und dem großen Beispiel Ihrer Durchlauchigsten Vorfahren zu folgen, Sie zum Seconde-Lieutenant ernannt, also, daß Sie Seine Majestät getreu, hold und gewärtig sein, Ihre Charge gehörig wahrnehmen, was Ihnen zu thun und zu verrichten obliegt, bei Tag und bei Nacht fleißig und treulich ausrichten, bei allen vorkommenden Kriegsbegebenheiten sich tapfer und unverweislich bezeigen mögen, dagegen Sr. Königlichen Majestät Ihnen von Allerhöchstdero zu Sie tragender Affektion immer mehrere Beweise zu geben sein werden.

Des zu Urkund haben Se. Königliche Majestät dieses Patent eigenhändig unterschrieben und mit Dero Insiegel bedrucken lassen.

So geschehen und gegeben Berlin den 4. November 1784.

Friedrich."

Im Jahre 1785 wurde die Summe der zu zahlenden "Bettgelder" für die Garde um 120 Thaler erhöht.

Am 05.04.1785 übernahm Oberst von Roeder das Regiment Garde Nr. 15. Der bisherige Kommandeur von Brünneck erhielt das von Zitzewitzsche Regiment.

I. Bataillon Leibgarde  Nr. 15 um 1786, Zeichnung von Prof. Richard Knötel, Knötel: Uniformkundliche Tafel.

Die Strafen der Soldaten unter dem Alten Fritz sind oft als "drakonisch" und überhart dargestellt worden. Bei den Garden waren sie jedoch offenbar weniger hart, denn das Regiment Garde Nr. 15 hatte im Jahre 1784 ganze 23 Kriegsrechte und 1785 derer 26. Mit "Kriegsrechte" bezeichnete man die Aburteilungen nach dem Kriegsrecht. Die Gerichtsbarkeit des Kommandeurs eines Regimentes erstreckte sich dabei auch auf Weiber und Kinder der Soldaten. Die häufigsten Verbrechen waren Diebstähle und Verkauf von Montierungsstücken. "Zu letzterem verleiteten namentlich die silbernen Tressen und Hutschnüre der Uniform." (aus der Regimentsgeschichte) Offenbar gab es auch viele Fälle von Selbstmord in der Truppe, jedoch ausschließlich von geworbenen Nichtpreußen, ganz offensichtlich aus Heimweh. Die Deserteure, die eingefangen wurden, durften nicht in der Garde bleiben. Die gewöhnliche Strafe für schwere Verbrechen war 12 bis 20 mal "durch die Gasse laufen", welche von 200 Mann gebildet wurde. Das nannte man "Spieß- oder Spitzrutenlaufen".

Grenadiermütze des Bataillons Grenadiergarde von Rohdich Nr. 6 um 1786, Archiv Schuster.

Am 10.08.1786 wurde Major von Kunitzky neuer Kommandeur des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15. Der bisherige Kommandeur, Generalmajor von Scheelen war verstorben.

Offizier im I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 um 1786, Zeichnung von Adolph Menzel, Menzel: Die Armee Friedrichs des Großen in ihrer Uniformierung / Archiv Schuster.

Der alternde König ließ es sich nicht nehmen, nahezu jedes Jahr an den Herbstmanövern der Truppen der Potsdamer Inspektion aktiv teilzunehmen. Noch 1785 kommandierte er dabei persönlich das I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 im Gefecht um den Kahlen-, Großen und Kleinen Hetzberg. Im Sommer 1786 jedoch verschlechterte sich der Gesundheitszustand Friedrichs zusehends. Vom Krankenbett aus leitete er die Geschäfte der Potsdamer Garnison weiter. Am 16.08.1786 empfing er dort noch einmal den General von Rohdich und übergab ihm die Parole mit Disposition zu  einem am Folgetage auszuführenden Manöver. Zu dieser Zeit diente im I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 der Secondelieutenant Friedrich Wilhelm, Prinz von Preußen, der spätere König Friedrich Wilhelm III. In sein Tagebuch schrieb er über den Tod des Großonkels:

"Was sich am Sterbetage des Königs zugetragen hat, als den 17ten August 1786.

Den Tag zuvor, als den 16ten war Löhnungstag, hinfolglich ging die Garnison vor dem Thore, wie gewöhnlich exercieren. Der Major von Bischoffswerder kam an mich herangeritten und benachrichtigte mich von den gefährlichen Gesundheitsumständen des Königs, die in der That mißlich waren, denn man vermuthete gar schon die Nachricht des Todes während des Exercierens. Die ganze übrige Zeit des Tages war sehr unruhig. Gegen Abend kam die Nachricht der Besserung des Königs, aber zugleich mit dem Zusatz, daß er die Nacht schwerlich überleben würde. Dieses fand zu aller Leidwesen auch statt. Den Abend waren wir, wie gewöhnlich, bei der jetzigen Königin im Palais. Einige sagten, der König wäre schon todt, Andere, daß die Zugänge zur Insel besetzt wären; dieses war gegründet, wie wir nachher erfuhren.

Des Morgens früh, als den 17ten August um halb 4 Uhr , da ich im ersten Schlafe war, wachte ich auf, indem ich Jemanden mit Herrn Behnisch sprechen hörte. Ich fragte sogleich, wer die unbekannte Stimme wäre, und bekam die Nachricht, daß der Major von Bischoffswerder seinen Bedienten schickte, um mir die Gewißheit vom Tode des Königs melden zu lassen, welcher gegen 3 Uhr dieses zeitliche Leben verlassen hatte. Wie natürlich, so konnte ich nicht mehr schlafen. Sowie der Kammerdiener Wolter kam, machte ich nur, daß ich fertig wurde und schickte zum General-Major von Backhoff und zum Major von Kunitzky (Commandeur des 1. Bataillons Garde), um ihnen eben dieses melden zu lassen. Sobald ich angezogen war, kam der Capitain von Schenkendorff, mich abzuholen; die Pferde wurden sogleich gesattelt und wir ritten zum General Backhoff, ihn auch abzuholen. Da dieser aber noch nicht fertig war, ritten wir in einem Trabe nach dem Nauenschen Thore, welches aber, wie natürlich, zu war, weil, sobald als der König todt war, alle Thore zugemacht wurden. Man machte es uns indessen auf und wir ritten nach des Königs, nämlich des jetzigen, alten Garten; so wie wir aber ankamen, sagte uns der Jäger Schroeder, der König wäre schon nach Sans-souci, wir ritten also auch spornstreichs hin, stiegen ab und gingen die erste Rampe nach der Stadt herauf ... Wir gingen den verstorbenen König zu sehen. Er war in dem Conzertsaal auf seinem Feldbette ausgestreckt, einen kleinen Hutkopf auf dem Kopfe, der mit einer Serviette um das Kinn befestigt war; ferner hatte er einen alten blauen seidenen Mantel um, unter welchem er noch ein Pelzhemde anhatte ... Zum Ruhme aller Laquaien und Pagen muß ich sagen, daß man wahre Betrübniß auf ihren Gesichtern sehen konnte, wie sehr sie den König betrauerten ... Der König hatte befohlen, man sollte einen geschickten Wachspoussirer rufen, damit er einen guten Abdruck vom Gesicht des hochseligen Königs machen sollte. Der Bildhauer Eckstein aus Potsdam ward zu diesem Geschäft bestimmt.

Die Büste, welche hernach nach dieser Form gemacht wurde, gleicht ganz ungemein dem verstorbenen Könige. Während daß der Bildhauer Eckstein mit dem Abformen beschäftigt war, ritten wir wiederum in die Stadt, um beim Schwören zugegen zu sein. Das erste Bataillon, das 2te und 3te, Rohdich, Prinz von Preußen, die reitende Artillerie und die Garde du Corps schworen, eines nach dem anderen, im Lustgarten. Nachdem die Fahnen und Estandarten vor die Mitte ihrer Bataillons und Eskadrons gebracht waren, machte das 1ste Bataillon einen Kreis, hierauf hielt der Feldprobst Kletschke eine Rede, worin er die Soldaten zur Treue gegen ihren neuen Landesherrn ermahnte, nach geendigter Rede las der Auditeur Pitschel die Kriegs-Artikel vor, und nachdem dieses geendigt war, las derselbe den Eid vor, den wir Alle, die im Cirkel waren, nachsprachen. Hierauf nahm der General-Lieutenant von Rohdich den Hut ab, schwenkte ihn dreimal um den Kopf, indem er ebenso oft: Vivat der König Friedrich Wilhelm ausrief, welches von allen Stimmen nachgerufen wurde. Da dies Alles vorbei war, ward der Kreis wiederum geöffnet, die Fahnen mit den gewöhnlichen Ceremonien nach dem Schlosse gebracht und die Burschen gingen nach ihren Quartieren. So wie es dieses Bataillon gemacht hatte, machten es auch die übrigen ... Zum Mittag waren wir befohlen auf Sanssouci zu speisen. Daselbst war man beschäftigt, die Königliche Leiche zu waschen und in ihre Staatsuniform anzukleiden. Der Lieutenant von Canitz war mit 30 Grenadiers vom 1. Bataillon zur Wache nach Sans-souci commandirt; sie besetzten die Zugänge, um das Volk abzuhalten. Gegen 11 Uhr versammelten sich die Officiere der Garnison, um die Parole anzuhören. Der König lag jetzt angezogen auf seiner Feldbettstelle. Nun machte man die Thüren und Fenster auf, und die Officiere wurden hereingelassen. Viele der Officiere, so den hochseligen König sahen, kamen mit Thränen in den Augen heraus, besonders die alten, so sich seiner großen Thaten erinnerten, und der Schlachten, so sie unter seinem Befehl hatten gewinnen helfen.

Der Regiments-Feldscheer Orgel benebst einigen Compagnie-Feldscheeren von der Garde hatten den hochseligen König gewaschen und mit Spiritus eingerieben. Bald darauf kam der General von Rohdich, der beim Könige Parole geholt hatte, heraus. Die hieß: »Berlin« und: »Der Dienst bleibt beim Alten!«" - Man hatte einen alten Rüstwagen zum Leichenwagen des hochseligen Königs bestimmt, in welchem die Leiche von Sans-souci nach dem Königlichen Schlosse zu Potsdam gebracht werden sollte. Dieser Wagen nun war beim Sattler Gleisberger gebracht, der den Auftrag hatte, ihn mit schwarzem Tuch zu behängen ... In dem Audienzzimmer hatte man eine Erhöhung von 20 Stufen gemacht. Zu dieser Zeit wurde der Leichenwagen von 8 Pferden bespannt nach Sans-souci gefahren, um die Königliche Leiche zu holen. Gegen 8 Uhr Abend kam der Leichenwagen Schritt für Schritt an. Der Lieutenant und Adjutant von Winterfeld und der Lieutenant von Knobelsdorff ritten vorauf. Auf beiden Seiten des Leichenwagens gingen 12 Unterofficiere vom Ersten Bataillon Garde. So wie der Leichenwagen vor der Thüre auf der grünen Treppe angekommen, machte er Halt; die 12 Unterofficiere hoben die Leiche vom Wagen und trugen sie bis auf die Erhöhung der zwei Stufen, wo sie den Sarg niedersetzten und sich davon begaben."

Friedrich Wilhelm von Rohdich war einer der Generallieutenants, die bei der Trauer-Prozession den Thronhimmel trugen. "Mit welchen Gefühlen mag der edle tiefempfindende Soldat neben diesem traurigen Zuge gegangen sein! Umschloß doch dieser Sarg für Rohdich fast Alles, was ihm hoch und erhaben war: einen großen König, einen unsterblichen Krieger, einen wahren Freund, einen stets bereiten Helfer für die vor sein Ohr gebrachte Noth der Armen!" (aus der Regimentsgeschichte)

Uniformen der Garde um 1786, Gemälde von Prof. Richard Knötel, Regimentschronik.

Später wurde dann der Sarg unter der Kanzel der Garnisonkirche zu Potsdam, wo schon der Sarg Friedrich Wilhelms I. stand, beigesetzt. Dort standen nun die beiden Särge, einfach, schmucklos und ohne Inschriften. In seinem Testament hatte Friedrich zwar festgelegt, ,daß er ohne großen Prunk im Fackelschein bei seinen Hunden im Park von Sanssouci beigesetzt werden wollte, doch dieser Wunsch sollte erst viele Jahre später erfüllt werden. Weiterhin enthielt das Testament viele Bestimmungen für die Armee und namentlich seine Garden. Eine davon war folgende: "Es hatte nämlich der König auf die Schlacht von Torgau eine große goldne Medaille schlagen lassen. Dieselbe war aber nie öffentlich bekannt und ausgegeben worden, und verwahrte nur der König selbst einige Exemplare. Nach den Bestimmungen des Testaments erhielt eine der General von Rohdich, eine das 1. Bataillon Garde, zwei das Regiment Garde. Am 28. Januar 1787 wurden diese Medaillen nach dem Willen des Königs vertheilt. Vom 1. Bataillon erhielt sie der Commandeur desselben, Major von Kunitzki, vom 2. der Oberstlieutenant von Röder, vom 3. der Major von Arnim. Diese Erbschaft, welche die Bataillone an einen der glorreichsten Tage ihrer Geschichte erinnerte, sollte sie dadurch zugleich für alle Zeiten auf jene Bahn führen, die Friedrich sie geführt, und der der Preußische Wahlspruch: non soli cedet Ausdruck giebt." (aus der Regimentsgeschichte)

Interimsrock eines Offiziers im I. Bataillon Leibgarde Nr. 15 um 1786, DHM Berlin, Archiv Schuster.

"So stehen wir am Schlusse der großen und ruhmvollen Epoche, welche für Preußen, für die Armee und im Besonderen auch für die Garden so reich an Glanz und Ehre war." (aus der Regimentsgeschichte)

 

Lesen Sie weiter


[1] Ein Originalstück im Heeresgeschichtlichen Museum Wien (Nr. 4335, möglicherweise 1758 bei Hochkirch erbeutet) zeigt abweichend blaue Eckmedaillons. Die gleiche Farbzusammenstellung - weiß mit blauem Schild und blauen Medaillons - führte seit 1747 das Infanterieregiment Fürst Moritz Nr. 23  als Auszeichnung für die Schlacht bei Soor. Da diese Zusammenstellung offensichtlich einen Gardetypus darstellt, hat möglicherweise auch das Grenadiergarde Bataillon Nr. 6 zumindest vorübergehend blaue Medaillons geführt. Im "Darmstädter Fahnenbuch" von 1747, welches sämtliche Fahnen des preußischen Heeres aufführte, sind abweichend dazu die Medaillons in den Ecken und das Mittelfeld von Lorbeer- statt Palmkränzen umrahmt. Ob diese Fahnen beim Grenadiergarde Bataillon Nr. 6 tatsächlich eingeführt wurden ist fraglich und sei nur der Vollständigkeit halber aufgeführt. Die Eckfelder trugen nicht den Namenszug des neuen Königs. Es gab dazu einen Kabinettsbeschluß, nach dem alle Ausrüstungs- und Bekleidungsstücke des Grenadiergarde-Bataillons Nr. 6 zum Andenken an Friedrich Wilhelm I. unverändert bleiben sollten. Daher sind auf diesen Fahnen die Chiffren FWR zu sehen und nicht FR.

[2] An dieser Disposition sieht man genau, mit welcher Akribie Friedrich jedes Detail plante. Außerdem ist die typische Kampfweise beschrieben, nämlich daß das Bataillon, welches zu Friedenszeiten aus 5 Kompagnien bestand, im Kampf die Flügelgrenadier-Kompagie abgab und diese dann mit anderen Flügelgrenadier-Kompagnien zu einem Grenadier-Bataillon zusammengefaßt wurde. Daher bestand das Bataillon nur noch aus 4 Kompagnien und diese wurden vom Adjutanten in Pelotons zu 8 Kompagnien zusammengefaßt. Auf dem Marsch wurde in 10 Pelotons marschiert. Obgleich bei der Garde in jedem Bataillon eine Kompagnie zusätzlich stand, war doch die Einteilung dieselbe.

[3] Hier widersprechen sich die Quellen. Die Regimentsgeschichte von 1857 sagt aus, daß das I. Bataillon Leibgarde in Schweidnitz blieb, die Regiments-Chronik von 1902 besagt jedoch, daß das Bataillon nach Potsdam zurück ging und erst am 09.04.1742 wieder in Schweidnitz eintraf.

[4] Von Moellendorff brachte es bis zum Feldmarschall und nahm sogar noch am Feldzug 1806 teil.

[5] Nach der Schlacht von Torgau wurden sogar sieben Pour-Le-Merite an das Regiment (meist Leuten des 3.Bataillon) verliehen!

[6] Steuben war des Englischen nicht mächtig und unterschrieb häufig Papiere mit "Oll Korrekt" oder kurz "O.K." Daher stammt diese merkwürdige Abkürzung.