1.      Die Vorgängerregimenter Garde Nr. 6 und Nr. 15 1675 - 1806

1.1.      Von großen Kurfürsten und Riesengardisten 1675 - 1740

Regiment des Königs Nr. 6 um 1730 (Zeichnung von Prof. Richard Knötel)

„Es lebe durch des Höchsten Gnade der König, der uns helfen kann, so schlägt er mit der Wachtparade noch einmal 8000 Mann“

 Spruch von einem alten Vivat-Band

Im Hintergrund hören Sie den Marsch "Der alte Dessauer", AM I,1b, von 1706 in Originalbesetzung der damaligen Zeit. Mit freundlicher Genehmigung durch die DGfMM.

Der 30-jährige Krieg (1618-48) hatte auch in Brandenburg-Preußen fürchterlich gewütet. Schweden, Kaiserliche, Protestanten - nahezu alle beteiligten Heere waren durch die Ländereien der protestantischen Hohenzollern gezogen und hatten Tod und Verderben gebracht. Auch um dies in Zukunft zu Verhindern, vor allem aber um sich von polnischer und schwedischer Lehnshoheit zu befreien, rief Kurfürst Friedrich Wilhelm, der „Große Kurfürst“ (16.02.1620-09.05.1688), ein stetig wachsendes stehendes Heer ins Leben. Erste erfolgreiche Bewährungsproben folgten im schwedisch-polnischen Kriege, der 1660 im Frieden von Oliva mit der Souveränität von polnischer Lehnshoheit endete. 1672/73 und 1674 kämpften brandenburgische Truppen an der Westgrenze des heiligen römischen Reiches deutscher Nation gegen die Franzosen. Dies geschah nicht ganz uneigennützig, denn im Gebiet um Cleve und Jülich besaßen auch die Hohenzollern Ländereien. Es folgte der Krieg gegen die vormals verbündeten Schweden. Dabei wurde man in Europa erstmals auf das kleine Brandenburg aufmerksam, nachdem es in der glanzvollen Schlacht von Fehrbellin am 28.06.1675 die Schweden vernichtend geschlagen hatte. Der Krieg dauerte zwar noch bis 1679, doch hatte die kleine brandenburgische Armee es geschafft sich gegen Gegner zu behaupten, die ihrerseits größer und stärker waren als sie selbst. Dies sollte zu einem Markenzeichen der späteren preußischen Armee werden.

Mittelschild einer Patronentasche des Regiments des Königs Nr. 6 (WTS Koblenz)

Am 11.11.1674 befahl Kurfürst Friedrich Wilhelm als Reaktion des Einfalles der Schweden in die Mark Brandenburg das "allgemeine Landes-Aufgebot". Januar bis März 1675 formierte sich dieses Aufgebot in Berlin, Havelberg und Frankfurt an der Oder zu insgesamt ca. 1.500 Mann. 1675 wurde durch Reskripte vom 11./21. Mai und 10./20. Juni ein Regiment zu Fuß für den Kurprinzen Friedrich (11.07.1657-25.02.1713) errichtet, das Regiment Kurprinz Nr. 6[1]. Dieses Regiment, zunächst noch aus nur zwei Bataillonen bestehend, ist der älteste Stamm des späteren Ersten Garderegimentes zu Fuß. Am 10.06.1675 genehmigte der Kurfürst den Antrag der Märkischen Stände und Städte, aus dem Aufgebot ein Regiment für den Kurprinzen Friedrich zu formieren. Mit dem gleichen Datum ernannte er den ihm vorgeschlagenen Hauptmann von Krummensee zum Obrist-Wachtmeister dieses Regiments. Die Garnison des neuen Regiments wurde Brandenburg, Ruppin und Spandau.

Über die Uniformierung des Regiments Kurprinz Nr. 6 in seinen ersten Jahren ist wenig bekannt. Getragen wurde offenbar ein weiter blauer Rock mit Rollaufschlägen, wie er allgemein in der Kurbrandenburgischen Armee üblich war. Dazu ein breitkrempiger Hut. Die Uniformen glichen also noch mehr den Zivilkleidern jeder Tage.

Seinen ersten, nur durch eine Gerichts-Akte nachweisbaren, Einsatz erlebte das neue Regiment zu Fuß Kurprinz Nr. 6 bei der Belagerung von Stettin vom 25.07. bis 16.12.1677. Es nahm offenbar am gesamten Pommern-Feldzug der Kurbrandenburgischen Armee teil. Am 14.09.1678 landete diese auf Rügen. Ein Bataillon des Regiments Kurprinz war beim Corps de bataille unter General-Leutnant Götz. Obrist-Wachtmeister von Krummensee fiel im Gefecht vor Palmerort. Sein Nachfolger wurde Obrist Hans Georg von Belling Kurz danach kam ein Bataillon des Regimentes nach Halberstadt in Garnison. Das andere bezog Kantonnements in Angerburg, Lötzen, Oletzko, Johannisburg, Lyck, Sensburg, Paffenheim, Ortelsburg und Barthem, nachdem sich zwei Kompagnien im Januar 1679 unter General von Görtzke im Gefecht bei Splitter gegen die Schweden unter General von Horn beteiligt hatten. 1679 folgte daraufhin der Friede von St.Germain en Laye.

Um 1678 wurden dem Regiment Kurprinz Nr. 6 erstmals Fahnen verliehen. Es waren dies eine Leibfahne (=Regimentsfahne) und für jede Kompagnie eine Kompagniefahne. Die Leibfahne hatte ein weißes Tuch mit roten Eckflammen. Im Mitteloval befanden sich zwei grüne Zweige mit Goldband. Darüber war ein goldener Namenszug und ein weiß-roter Kurhut. Um das Oval herum befanden sich vier goldene Flammen. Der Fahnenstab war braun mit vergoldeter Spitze und weiß goldenen Banderolen und Quasten. Die Kompagniefahnen bestanden aus rotem Tuch mit weißen Eckflammen. Das Mitteloval war weiß, darin der rote märkische Adler mit goldenem Schnabel, goldenen Fängen und Zepter, die Zunge des Adlers war rot. Über dem Adler befand sich ein Kurhut, dessen Kopfteil weiß mit goldenen Perlen war, das Oberteil dagegen karminrot. Um das Oval vier goldene, aufrecht stehende Flammen. Der Fahnenstab war ebenfalls braun mit vergoldeter Spitze, weißgoldenen Banderolen und Quasten. Das Nagelband rot, die Nägel golden.

Türkenkriege, 5. Österreichischer Türkenkrieg (1683-99)

Der nächste Einsatz des Regimentes erfolgte in den Türkenkriegen. Am 12.06.1684 stieß dabei eine Kompagnie des Regiments Kurprinz Nr. 6 zum Regiment Dohna und bildete mit diesem zusammen 8 Kompagnien. Diese gehörten zu den vom Deutschen Reich gestellten Brandenburgischen Hilfstruppen unter dem General Graf Döhnhoff. Im September des gleichen Jahres vereinigten sich diese Reichs-Truppen unter dem Befehl des Grafen Truchseß bei Lemberg und marschierten bis an den Dnjepr.

1685 mußten zwei Kompagnien des Regiments Kurprinz Nr. 6 an das Regiment Nr. 12 abgegeben werden.

Am 17.04.1686 fand bei Crossen an der Oder eine Heerschau des Kurfürsten über die nach Ungarn bestimmten Brandenburgischen Hilfstruppen unter General von Schöning statt. An der Heerschau nahm auch ein Bataillon des Regiments Kurprinz Nr. 6, bestehend aus 578 Mann unter Obrist von Belling teil. Danach folgte der Abmarsch der Brandenburgischen Truppen über den Jablunka-Paß, die Straße Neutra-Gran nach Ofen. Die von den Türken unter Abdurhaman verteidigte Stadt wurde nun belagert. Am 26.07.1686 Begann man mit der Attacke auf die Stadt. Obrist von Belling, der den Angriff leitete, erstieg dabei als erster Angreifer den Hauptwall. Doch damit war die Stadt noch lange nicht erobert.  Erst am 03.09.1686 fiel auch die innere Mauer und der Schloßhof. Abdurhaman fiel bei dieser Attacke. Vom Regiment Kurprinz Nr. 6 fielen Obrist von Belling, Major von Bismark, Capitäns von Thile und von Rahmel und die Fähndriche von Pannewitz und von Bornstedt wurden verwundet. Am 07.12.1686 begann der Rückmarsch des Bataillons über Mähren nach Grünberg. 1687 wurde das gesamte Regiment bei Neidenburg in Preußen wieder vereinigt.

Nach außen und im Innern gefestigt, so hinterließ der „Große Kurfürst“ Friedrich Wilhelm bei seinem Tode am 19.04.1688 den neu auf der Weltbühne aufgetauchten Staat Brandenburg. Die Armee war unter seiner Regierung von 6.000 auf 28.000 Mann angewachsen. Der Sohn des „Großen Kurfürsten“, Kurfürst Friedrich III. zeigte kein besonderes Interesse am Militär, obwohl er es mehrfach einsetzte. Merkwürdigerweise fielen wie hier, auch später entscheidende Wendungen in der Geschichte dieses Regimentes und des preußischen Militärs im Allgemeinen, in die Regierungszeit eher unmilitärischer Herrscher. Nach seinem Regierungsantritt 1688, ging das Regiment Kurprinz Nr. 6 auf seinen Sohn Kurprinz Friedrich Wilhelm (14.08.1688-31.05.1740) über. Der später „Soldatenkönig“ genannte Sohn wuchs quasi mit und bei seinem Regiment auf.

In diese Zeit fiel auch die Stiftung des zweiten Stammregimentes des späteren Ersten Garderegiments zu Fuß. Am 01.08.1688 wurden aus 8 Kompagnien des Réfugé-Regimentes Varenne Nr. 13 das Regiment von Lottum Nr. 15 zu zwei Bataillonen für den Obristen Phillip Karl Freiherr von Wylich und Lottum gebildet, welcher auch Chef dieses Regimentes wurde. Die Garnisonen des neuen Regiments wurden für 2 Kompagnien Minden, Herford für 4, Bielefeld für 2 und die Grafschaft Mark ebenfalls für 2 Kompagnien. Das Jahr 1688 wurde allgemein später als das Gründungsjahr des Ersten Garderegiments zu Fuß angesehen, da dieses nach dem Zusammenbruch von 1806 zum überwiegenden Teil aus den Resten des alten Regiment Garde Nr. 15 hervorgegangen war. Der Stiftungstag 01.08.1688 wurde demnach auch stets festlich begangen.

Zur Erinnerung an die Gründung des Regimentes von Lottum Nr. 15 wurde am 27.01.1889 von Kaiser Wilhelm II. folgende Dokumentenübergabe vorgenommen:

"AKO.        An Mein Erstes Garderegiment zu Fuß.

1889. Januar 27. Berlin.

    Ich lasse Meinem Ersten Garderegiment zu Fuß in der Anlage Abschrift der durch Meinen in Gott ruhenden Vorfahren, den Kurfürsten Friedrich III. dem Obersten Freiherrn v. Lottum unter dem 1. August 1688 alten Styls ertheilten Kapitulation zur Aufbewahrung in seinem Regiments-Archive zugehen.

N. d. dem Regiment ertheilten Ausfertigung."

Quelle: Geschichte der Königlich Preußischen Fahnen und Standarten seit dem Jahre 1807. Der Wortlaut des Kapitulation war folgender.

"Capitulation des Obristen Freiherrn von Lottum´s etc.

1. August 1688.

 

    Wir Friedrich der Dritte von Gottesgnaden Markgraff zu Brandenburg etc. Thun kundt und geben hiermit jedermänniglichem, denen es zu wissen von nöthen ist in gnaden zu vernehmen, daß Wir den Wohlgebornen Unsern lieben getreuen Freiherrn von Lottum Obristen, in ansehung der von Ihm allmahl verspüreten unterthänigsten Zuneigung zu Unsern Diensten, wie auch der zu Ihme führenden gnädigsten Confidenz, in gleichen der éstime halber so Wir von seiner Person machen, alß Obristen in Unsere würkliche Krieges Dienste engagyret, demselben auch zu mehr derer bezeugung Unserer Ihme zutragenden Churfürstl. Hulde undt Gnade ein Regiment zu Fuß conferiret haben; Thun auch hiermit undt in Krafft dieses Patents also undt dergestalt, daß Unß undt Unserm Churf. Hause, Erben und nachkommen derselbe alß Unser Obrister getreu, holdt, gehorsam und gewertig seyn, Unsern nutzen undt bestes befordern, schaden undt nachtheil verhüten und abkehren, Waß Wir immediaté oder Unsertwegen die Ihme fürhgesetzte hohe Generalität, demselben anbesehen, auch respektivé committiren undt auftragen werden, ohnweigerlich bei tage und nachte, mit behörigem Fleiße, auch mit Auf Opfferung gutes undt blutes, exequiren, und werkstellig machen, undt in Summa sich also comportiren und bezeigen solle, wie es einem treuen, fleißigen und Krieges erfahrenen Obristen, woll anstehet, seine Eydes Pflichte solches erfordern, undt Unser gnädigstes Vertrawen deßfalß zu ihme gerichtet ist, Allermaßen Wir auch wegen des ihme zu conferirenden Regiments, nachfolgender gestalt, mit demselben capituliret: Anfänglich ist Unsere Gnädigste Intention undt wille, daß Unserm Obristen zur formirung dieses Regiments von dem Varenischen Regt. zu Fuß, Acht Kompagnien wovon jede in Vierzig Gemeinen bestehet, nebst einem Capit.-Lieut. undt einigen Unter officirern laut beygefügter Liste übergeben, dan auch demselben die zugleich hierbey specificirte Compag. außgelieffert werden sollen (maßen deßhalb an den Obristen Marquis de Varenne die notturfft befohlen) worauß´undt auß der darbey annoch zu zuwerbenden Mannschafft ein ganzes Regiment auff den Fuß, alß andere Teutsche regimenter gesetzet sein, gerichtet werden soll: Und weil alßdan die Unter Stabs-Bedienten, wie auch bey denen compagnien einige Unter officiere annoch ermangeln thun, So stehet Unserm Obristen frey dieselben zu bestellen undt anzunehmen, Wobey Unser Gnädigster befehl und wille weiter ist, daß die übrige Mannschaft biß auf Einhundert fünff undt zwanzig Gemeine zu completirunge des Regiments zugeworben werden soll; Maßen wir den Obristen auff sothane Mannschafft daß gewöhnliche Werbe geldt, alß auff jedweden Mann Acht Rthlr undt auff Vier Monathe das Tractament, laut Unserer Verpflegungs-Ordinanz undt zwar auff den ersten Monath ein dritteil, auf den zweiten zwei Drittel undt auf die übrigen 2 Monathe complet Auf die prime planen, undt den Staab aber ihn von anfang für voll verpflegen lassen wollen: Das Gewehr anlangendt, deßhalb bezahlen Wir monathlich so viel alß andere Regimenter bekommen, undt müßen die Officirer solches schaffen, vermöge der Verordnung, so deßhalb gemachet worden, Picquen, Schweinsfedern, Trommeln aber wollen Wir anschaffen laßen, wie auch die Fähnlein, wan neue nötig sein sollten.

    Nach verfließung solcher Vier Monathe, muß, das Regiment complet sein, damit es zur Musterunge sistiret werden, die behörige pflicht ablegen, undt gleich anderen Regimentern, wohin wir daßselbe commendiren werden, seine Dienste, undt waß von Unß anbefohlen werden möchte, ohnweigerlich verrichten könne.

    Undt weil dieß Regim. von lauter Französischen Officirern bestehet, so versichern Wir Unsern Obristen hiermit gnädigst, dz. wan von solcher Nation bei dem Regimente einige mit tode abgehen, oder sonsten davon wegkommen, undt er der Obriste nicht selbst Franzosen wieder vorschlagen wirdt, Wir demselben keine Franzosen wieder obtrudiren noch auff dringen, sondern allmahl vorhero seine unterthänigste Vorschläge vernehmen wollen, wehm er zu solchen dienste capabel halten wirdt:

    Die Jurisdiction undt bestellung der Ober Officirer betreffendt, deßhab wird Unserm Obristen eine gleichförmige Capitulation, wie allen Unsern andren Obristen gegeben werden, wornach er sich wirdt zu nrichten haben, den Muster Platz, wollen Wir Unsern Obristen im Fürstenthumb Minden, undt in der Graffschafft Ravensberg anweisen lassen, undt weile das Regiment insgesambt allda nicht wirdt stehen können, so haben Wir demselben, die hierbey liegende specificirte Quartiere noch dazu anweisen lassen: Wobey auch Unsere gdst. Intention ist, daß ihme, dem Obristen, vermöge der letzten Ordinanz bey einer jeden compagnie Sieben Gemeine, nebst einem Unter officirer wie bey andern Regimentern undt Bataillons geschiehet, gut gethan, undt bey denen Musterungen frey passiret werden sollen, jedoch aber sollen ihme darauff keine werbegelder gereichet werden: Ferner ist der Obriste schuldig daß Regiment allezeit complet undt in gutem stande zu erhalten, auch deßfallß auff seine officirer gute Achtung zu geben, damit dieselbe auch ihre schuldigkeit hierunter beobachten:

    Wegen der Gefangenen bleibet es bey der gemachten Verordnunge, daß nemblich von denjenigen, so vom Feinde mögten bekommen werden, die halbscheidt der Rançon Unß heimbfallen, die andere helffte aber dem Regimente verbleiben, diejenigen aber, welche von den Unserigen Gefangen werden möchten, wollen Wir zu rançoniren über Unß nehmen:

    Wan dieses Regiment durch feindtliche einfällem sterben, oder sonsten auff andere weise ohne seine verschulden geschwächet wirdt, oder in abgang kombt, alßdan wollen Wir ihme jedesmal behörige Recruiten geben lassen, und solches wieder zu completiren, undt im stande zu bringen:

    Wir wollen auch dieses Regiment an Praerogatifen undt Range undt waß andere Unsre Regimenter haben, allerdings gleich tractiret, und deßfalß ganz keine Differentz gemachte wißen: Wan auch Unser état undt zustandt Unß veranlassen solte, einige Abdankunge daß bewegenden Uhrsachen fürzunehmen, so soll dieses Regiment nicht cassiret werden, sondern wie die alten Regimenter, auf denjenigen Fuß, worauff Wir es naninzo richten oder setzen lassen, stehen bleiben: anerwogen mehrbesagter Unser Obrister andere Dienste, in welchen Er wohl accomodiret gewesen, undt worim Ihme sein advancement nicht fehlen können, auß unterthster devotion gegen Unß quitiret hat:

    Damit auch mehrgedachter Unser Obrister Unser Gnade desto mehr zu verspüren haben möge; Versprechen Wir ihme hiemit, undt wan gelegenheit sich darzu ereugenen wirdt, auff deßelben bessere accomodation undt ferneres advancement allemahl in gnaden bedacht sein sollen: Sollte auch der Obrister dieser charge halber von jemandt, unter was praetext es auch sein möge, an seiner Person oder Landt Gütern angefochten werden, so wollen Wir ihn allezeit gebührend mainteniren und schadtloß halten, wan der Obriste, oder sonst jemandt von diesem Regiment verstirbt, so soll dessen engsten Anverwandten oder Erben die verlassenschafft ohnweigerlich abgefolget werden. Wie Wir dan auch diejenigen Officirer und Gemeine, welche etwa in Unsern diensten beschädiget undt umb ihre Gesundtheit gebracht, mit einiger ergetzlichkeit, unmdt Unterhalt, dem befinden nach versehen und begnadigen wollen. Zu Uhrkundt deßen allen, haben Wir diese Capitulation eigenhändig unterschrieben, et cum appressione Sigilli gratiae.

    Gegeben Cöln den 1. August 1688.

J. E. Grumbkau."

Welche Truppenteile abzugeben waren, ist im Dokument II. 7.3.1. der Geheimen Kriegs-Kanzlei vermerkt:

"Vom Varenschen Regiment werden folgende Compagnien zu formirung des Lottumschen Rgts abgegeben,

    1. Obrist Lieut. Siternes

    2. Major de Camas,

    3. Capit. de Ply,

    4. Capit. Cransac.

    5. Capit. Chesnoy,

    6. Capit. d´Herbin,

    7. Capit. du Trossel,

    8. Capit. de Senegas,

                    Quartiere

        des Lottumschen Regts zu Fuße,

    2. Comp. im Windischen,

    4. Comp. im Ravensberg: alß in Bielefeldt v. Herfort,

    2. Comp. in der Graffschaft Marck,

    8. Comp.

Quelle: Geschichte der Königlich Preußischen Fahnen und Standarten seit dem Jahre 1807

Genaue Nachrichten über die Fahnen des Regiments von Lottum Nr. 15 zu seiner Gründungszeit sind nicht vorhanden. Da es jedoch bei seiner Gründung den gesamten Stamm vom Regiment Varenne Nr. 13 erhielt, ist es möglich, daß es auch dessen Fahnen mit den Farben grün mit silber, aber naturgemäß mit anderen Emblemen, führte. Vielleicht waren die Fahnen aber auch von blauer Farbe, denn das seit 1693 in Ungarn befindliche Bataillon des Regiments (siehe unten) hatte auf die Anfrage von 1699 geantwortet, daß es blaue Fahnen führen würde. Über die Embleme ist weiter nichts bekannt.

1688 wurden für das Regiment Kurprinz Nr. 6 folgende Garnisonen verzeichnet: Rathenow, Lenzen, Ruppin, Perleberg, Pritzwalk, Kyritz, Havelberg, Wusterhausen, Gransee, Wittstock, Templin, Tangermünde, Osterburg, Werben, Arneburg, Bismark und Kalbe. Dies blieb so bis zum Jahre 1713.

Pfälzer Erbfolgekrieg (1688-97)

Das katholische Frankreich war mit dem Osmanischen Reich verbündet. Um die in den Türkenkriegen gegen das Deutsche Reich, vor allem Österreich, kämpfenden Türken zu entlasten, entfesselte der Sonnenkönig Ludwig XIV. (05.09.1638 - 01.09.1715) den Pfälzischen Erbfolgekrieg. In dessen Verlauf wurden weite Teile der Niederlande und der Pfalz verwüstet, manche Städte sogar mehrfach. Gegen Frankreich schloß sich die Große Allianz aus Schweden Groß-Britannien, der Niederlande, Savoyen und dem Deutschen Reich zusammen.

Am folgenden Feldzug der Kurbrandenburgischen Armee nahmen die Regimenter Nr. 6 und Nr. 15 teil. Vom 14.07. bis 02.10.1689 fand dabei die Belagerung von Bonn statt, welches vom Marquis d´Alsfeld verteidigt wurde. Ein Bataillon des Regiments Kurprinz Nr. 6 befand sich beim Treffen des General-Feldmarschalls von Schöning unter General Briquemault. Drei Kompagnien unter Obrist von Krusemark traten in holländischen Dienst. Obrist Adam von Krusemark fiel am 26.09.1689 vor Bonn und wurde durch Obrist-Lieutenant Graf Albrecht Conrad Finck von Finckenstein beim holländischen Bataillon und als Regimentskommandeur durch Obrist von Bismark ersetzt. Das Regiment Lottum Nr. 15 stellte ein Bataillon beim Treffen des General-Feldmarschalls von Spaen unter General von Ziethen. Drei Kompagnien des Regiments von Lottum Nr. 15 blieben in Wesel.

1689 mußten zwei Kompagnien des Regiments Kurprinz Nr. 6 neu formiert werden

Das Winterquartier der Brandenburgischen Truppen 1690/91 verbrachten als ein Teil dieser Truppen ein Bataillon Kurprinz Nr. 6 in Brabant und im Cleve´schen 3 Kompagnien, in Mons 5 Kompagnien Lottum Nr. 15. Am Feldzug 1691 nahmen beide Regimenter ebenfalls Teil. Ein Bataillon Kurprinz Nr. 6 stand unter Feldmarschall von Flemming bei Lüttich, ein Bataillon von Lottum Nr. 15 stand unter Feldmarschall von Spaen bei der Armee des Königs von England.

Am 19.09.1691 fand die Schlacht bei Leuze statt. Die Arrieregarde des Generals von Tilly, als Teil der holländischen Armee unter Fürst von Waldeck wurde dabei von den Truppen des Herzogs von Luxemburg angegriffen. Das Bataillon Finckenstein des Regiments Kurprinz Nr. 6 deckte dabei den Rückzug der Arrieregarde durch Besetzung des Flutgrabens von La Catoire nach Vertreibung des Königs-Dragoner-Regiments. Während ein Teil des Bataillons unter Major von Röder die Stellung hielt, warf sich Obrist-Lieutenant Graf Albrecht Conrad Finck von Finckenstein auf das Dragoner-Regiment  de Tesse und schlug es in die Flucht. Das Regiment Kurprinz Nr. 6 verlor an diesem Tag 80 Mann.

Am 03.08.1692 nahm das Regiment Kurprinz Nr. 6 an der Schlacht bei Steenkerken teil. Die Avantgarde unter dem Herzog von Württemberg als Teil der alliierten Armee unter dem englischen König Wilhelm III. von Oranien (14.11.1650 - 19.03.1702) entriß dabei den Truppen des Herzogs von Luxemburg überraschend die Höhen von Heyernissen. Das Bataillon von Finckenstein, auf dem linken Flügel vorgehend, wurde dabei fast gänzlich aufgerieben.

1692 übernahm Obrist Wilhelm de la Cave das Kommando über das Regiment Kurprinz Nr. 6. Er löste damit Obrist von Bismark ab.

Am 02.05.1693 marschierte ein Bataillon des Regiments von Lottum Nr. 15 (790 Mann) von Crossen an der Oder zum Hilfskorps des General-Lieutenants von Brand nach Ungarn um gegen die Osmanen zu kämpfen. Dieses Bataillon verblieb im Winter 1693/94 im Neustädter Prozeß und stand bis 1698 in Ungarn. Es wurde dem Regiment von Sydow Nr. 17 unterstellt.

Am 23.09.1694 fand die Schlacht um die Feste Huy statt, welche von den Truppen des Gouverneurs de Reignac verteidigt wurde. Je ein Bataillon Kurprinz Nr. 6 und von Lottum Nr. 15 befanden sich dabei beim Korps des Generals von Heyden.  Den Grenadieren der beiden Bataillone gelang es, das Fort Piccard zu stürmen. Hinter den fliehenden Verteidigern herstürmend, gelangten sie danach auch in das Fort Rouge und nahmen den Turm Taravifet. Nach der Schlacht verlieb das Bataillon von Lottum Nr. 15 als Besatzung in Huy.

Vom 19.07. bis 03.08.1695 wurde die Stadt Namur belagert und erobert. Ein Bataillon des Regiments Kurprinz Nr. 6 stand dabei auf dem rechten Maas-Ufer beim Korps des Generalfeldmarschalls von Flemming. Beim Sturm unter General Wilhelm de la Cave erlitt das Bataillon so schwere Verluste, daß ihm im Oktober 148 Rekruten angewiesen werden mußten.

1695 wurde Obrist von Hagen Regimentskommandeur beim Regiment von Lottum Nr. 15. Im gleichen Jahr wurde Obrist Graf Albrecht Conrad Finck von Finckenstein Kommandeur des Regiments Kurprinz Nr. 6. 1695 trat ein Bataillon des Regiments von Derfflinger zu Fuß Nr. 12 zum Regiment von Lottum Nr. 15 über.

Um 1696 wurden dem Regiment Kurprinz Nr. 6 neue Fahnen verliehen. Die Leibfahne hatte ein weißes Tuch mit weißer Nagelschnur. Das war Mittelteil kornblumenblau, umrahmt von einem goldenen Palmenkranz mit goldenem Band. In dem Mittelteil grün-bräunliche Hügel, darüber ein schwarzer Adler mit goldenem Schnabel und Fängen und roter Zunge. Das Spruchband war weiß mit goldener Schrift „Non soli cedit“ (lat.: Er weicht der Sonne nicht) und  ebenfalls im Mittelfeld noch eine goldene Sonne. Über, unter und seitwärts des Kranzes befanden sich sechs goldene Flammen. In den vier Ecken war je ein offener Lorbeerkranz mit dem Namenszug des Kurprinzen FWCP (Friedrich Wilhelm Churprintz). Über den Eckkränzen je eine Krone mit goldenem Kopfteil, Bügeln und Kreuzen, rotem Quer- und Unterfutter. Der Fahnenstab war braun mit vergoldeter Spitze. Die Banderole und Quasten waren weiß-golden meliert. Die Kompagniefahnen waren identisch zu der Leibfahne, hier wurden lediglich die Farben blau und weiß umgekehrt. Das Tuch war also kornblumenblau mit blauer Nagelschnur. Das Mittelteil dagegen weiß und das Devisenband kornblumenblau. Banderole und Quasten waren blau-golden meliert.

1696 wurde der größte Teil der Brandenburgischen Truppen aus Ungarn zurückberufen. Das Bataillon des Regiments von Lottum Nr. 15 verblieb jedoch in Ungarn und stand dort bei der Armee des General-Majors von Schlabrendorf, welcher insgesamt ca. 3.000 Mann befehligte. Am 11.09.1697 hatten diese Truppen einen großen Anteil an der Schlacht bei Zenta gegen die Türken unter Sultan Mustafa II. Nach dieser Schlacht umarmte der berühmte General Prinz Eugen von Savoyen (18.10.1663-21.04.1736), der die Truppen befehligte, von Schlabrendorf mit den Worten: "Lieber Herr General, Gott, Ihm und seiner seiner angeführten Truppe Tapferkeit haben wir diesen Sieg zu verdanken." Im Winter 1697/98 traten die Brandenburgischen Truppen den Rückmarsch über Sillein, Teschen, Breslau nach Crossen an der Oder an. Das Bataillon unter Obrist von Lethinathe des Regiments von Lottum Nr. 15 erreichte Crossen im Mai 1698.

1697 wurde das Regiment von Lottum Nr. 15 bis auf 6 Kompagnien aufgelöst. Es blieben hierbei 4 Kompagnien von Lottum und 2 Kompagnien vom ehemaligen von Derfflinger Regiment übrig.

Am 20.09.1697 wurde der Neunjährige Krieg oder Pfälzische Erbfolgekrieg im Westen mit dem Frieden zu Ryswick beendet. Dieser wurde zum Teil als "King Williams War" auch zwischen England und Frankreich in den Kolonien Nordamerikas geführt. Brandenburg war hier, wie auch im Folgenden häufig, ein Verbündeter Englands im Kampf gegen das katholische Frankreich.

Am 16.01.1699 wurde mit dem Frieden von Karlowitz der Krieg gegen die Türken beendet.

Am 30.01.1699 wurden zwei Kompagnien des Regiments Kurprinz Nr. 6 neu gebildet. Die Mannschaften hierfür kamen von den Regimentern von Lüderitz und von Grumbkow.

1699 wurden 4 Kompagnien des Regiments von Lottum Nr. 15 neu gebildet.

Kurfürst Friedrich III. strebte sehr stark nach Prestige und Ruhm und war dabei ganz ein Kind seiner Zeit. Ein Königstitel für sich und seinen Staat mußte her und so ernannte er sich nach langen und zähen Verhandlungen am 18.01.1701 in Königsberg zum König Friedrich I. in Preußen[2]. Das Regiment Kurprinz hieß ab diesem Tage Regiment Kronprinz, da sein Besitzer ja nun kein Kur-, sondern eben Kronprinz war.

Rangliste des Regiments zu Fuß Kronprinz Nr. 6 für März 1701

Quelle: von Bardensleben, C.: Beiheft zum Militär-Wochenheft, 4. Heft. Drei Ranglisten der Königlich Preußischen Armee aus den Jahren 1701, 1703 und 1707. In: Mittheilungen aus dem Archiv des Königlichen Kriegsministeriums. Heft II. Berlin1909, Ernst Siegfried Mittler und Sohn

Brigadier Albrecht Conrad Graf Finck von Finckenstein

Obristlieutenant von Lüderitz

Obristlieutenant von Tettau

Major Eberhard von Röder

Major von Treskow

Capitain Gabriel de Cheux

Capitain Stockheim

Capitain Reinsch

Capitain Lüderitz

Capitain (Reformée = auf Halbsold gesetzt oder zur Disposition) Grevenitz

Capitain (Reformée) Blankenburg

Capitain Gromkau

Lieutenant Krusemarck

Lieutenant  Treskau

Lieutenant Sandt

Lieutenant Dehn

Lieutenant Brunne

Lieutenant Ehlert

Lieutenant Helmich

Lieutenant Caspar von Rohr

Lieutenant Philip von Rohr

Lieutenant Ebert

Lieutenant Kröcher

Lieutenant (Reformée) Grevenitz

Lieutenant (Reformée) Rössing

Fähndrich Fink von Finkenstein

Fähndrich Mirville

Fähndrich Küchmeister

Fähndrich Kannmacher

Fähndrich Kelch

Fähndrich Finck von Finkenstein

Fähndrich Olschnitz

Fähndrich Freytag

Fähndrich Rochau

 

Reformée

Fähndrich Schönnauer

Fähndrich Bismarck

Fähndrich Mörner

Spanischer Erbfolgekrieg (1701-14)

Mit der Schlacht bei Capri am 09.07.1701 wurde der spanische Erbfolgekrieg eröffnet, aus dem sich auch das mit England verbündete neue Königreich Brandenburg-Preußen nicht heraushalten. Es wurde sofort nach Kriegsbeginn die Große Allianz gegen Frankreich aus dem Pfälzischen Erbfolgekrieg erneuert. Am 12.04.1702 wurden alle in holländischem Sold stehenden preußischen Truppen unter Fürst Anton Günther von Anhalt-Zerbst mit der Armee von John Churchill Duke of Marlborough (26.05.1650-16.06.1722) am Niederrhein vereinigt. Bei diesen Truppen befanden sich zwei Kompagnien der Regimenter Kronprinz Nr. 6 und von Lottum Nr. 15.

Rangliste des Regiments zu Fuß Lottum Nr. 15 für März 1701

Quelle: von Bardensleben, C.: Beiheft zum Militär-Wochenheft, 4. Heft. Drei Ranglisten der Königlich Preußischen Armee aus den Jahren 1701, 1703 und 1707. In: Mittheilungen aus dem Archiv des Königlichen Kriegsministeriums. Heft II. Berlin1909, Ernst Siegfried Mittler und Sohn

Chef: General-Lieutenant Carl Philip Baron von Wylich und Lottum, Gouverneur von Spandau

Obrister von Hagen

Obrist-Lieutenant von der Marwitz

Obrist-Lieutenant du Chesnoy

Major Schonebeck

Major Johann Friedrich Schmernheim

Capitain Coenen

Capitain Marwitz

Capitain Krieger

Staabs-Capitain Seers

Staabs-Capitain Börck

Capitain Baron von Lottum

Lieutenant Tricotel

Lieutenant Schönnauer

Lieutenant Binig

Lieutenant Mardeau

Lieutenant de Roche

Lieutenant Monott

Lieutenant Roseler

Fähnrich Linstädt

Fähnrich Düringshofen

Fähnrich Wienhagen

Fähnrich Born

Fähnrich Zadow

Fähnrich Hetterscheidt

Fähnrich du Chesne (de Duchesne)

 

Reformée

Major de Ply

Capitain Barfuß

Capitain Bries

Vom 16.04. bis 15.06.1702 wurde die Stadt Kaiserswerth belagert und eingenommen. Sie wurde verteidigt durch die Truppen der Maréchals Blainville und Colbert. Die Belagerung wurde geleitet von Fürst von Nassau-Saarbrücken. Beim Belagerungs-Korps des Generals von Heyden befand sich je ein Bataillon der Regimenter Kronprinz Nr. 6 und von Lottum Nr. 15. Die im holländischen Solde befindlichen Truppen nahmen ebenfalls an der Belagerung teil und marschierten dann zur Armee des Duke of Marlborough ab. Vom 29.08. bis 13.09.1702 wurde das durch die Truppen der Generale Varo und Labadie verteidigte Venloo belagert. Mit dabei die genannten Einheiten der Regimenter Kurprinz und Lottum. Vom 27.09. bis 06.10.1702 wurde das vom Prinzen von Horn verteidigte Roermonde belagert. Diese Belagerung leitete General-Lieutenant von Lottum. Vom 21.10. bis 27.02.1703 wurde Rheinbergen belagert. Die Bataillone Kronprinz und Lottum standen hierbei unter dem Kommando des Prinzen Albrecht Friedrich von Brandenburg. Vom 24.04. bis 14.05.1703 wurde Bonn belagert. Die Stadt wurde von den Truppen des Kommandant Alégre verteidigt. Geleitet wurde die Belagerung von den Generälen von Fagel und Coehorn. Beim Regiment Kronprinz Nr. 6 wurde General von Tettau verwundet.

1702 wurden zwei Kompagnien des Regiments von Lottum Nr. 15 an das Regiment von Sydow Nr. 17 abgegeben.

Rangliste des Regiments zu Fuß Kronprinz Nr. 6 für das Jahr 1703

 

Quelle: von Bardensleben, C.: Beiheft zum Militär-Wochenheft, 4. Heft. Drei Ranglisten der Königlich Preußischen Armee aus den Jahren 1701, 1703 und 1707. In: Mittheilungen aus dem Archiv des Königlichen Kriegsministeriums. Heft II. Berlin1909, Ernst Siegfried Mittler und Sohn

 

Brigadier Albrecht Conrad Graf Finck von Finckenstein

Obristlieutenant von Tettau

Obristlieutenant Eberhard von Röder

Major von Treskau

Capitain Gabriel de Cheux

Capitain Storkheim

Capitain Rinsch

Capitain von Grevenitz

Capitain von Blankenburg

Stabs Capitain von Treskow

Stabs Capitain von Busch

Lieutenant von Brünow

Lieutenant von Ehlert

Lieutenant von Helmich

Lieutenant Caspar von Rohr

Lieutenant Philip von Rohr

Lieutenant von Kröcher

Lieutenant von Grävenitz

Lieutenant von Rößing

Lieutenant Fink von Finkenstein

Sous Lieutenant von Mirville

Sous Lieutenant Finck von Finkenstein

Sous Lieutenant von Küchmeister

Sous Lieutenant von Olsnitz

Reformée Lieutenant Dehn

Fähndrich von Bismarck

Fähndrich von Kalckreuther

Fähndrich von Auer

Fähndrich von Lesgewang

Fähndrich von Kröcher

Fähndrich von Treskow

Fähndrich von Grambow

1703 mußten diese 2 fehlenden Kompagnien beim Regiment von Lottum Nr. 15 neu gebildet werden. Am 25.01.1703 wurde die 9. Kompagnie des Regiments Kronprinz Nr. 6 neu gebildet aus Abgaben des Regiments von Blankenburg. Am 14.06.1703  die 10. Kompagnie des Regiments Kronprinz Nr. 6 aus Abgaben des Regiments von Busche.

Rangliste des Regiments zu Fuß Lottum Nr. 15 für das Jahr 1703

 

Quelle: von Bardensleben, C.: Beiheft zum Militär-Wochenheft, 4. Heft. Drei Ranglisten der Königlich Preußischen Armee aus den Jahren 1701, 1703 und 1707. In: Mittheilungen aus dem Archiv des Königlichen Kriegsministeriums. Heft II. Berlin1909, Ernst Siegfried Mittler und Sohn

 

Chef: General-Lieutenant Carl Philip Baron von Wylich und Lottum, Gouverneur von Spandau

Obrister von Hagen

Obrist-Lieutenant von der Marwitz

Obrist-Lieutenant du Chesnoy

Major von Schönbeck

Major Johann Friedrich von Schmerheim (An. 17.08.1710)

Major von Coenen

Capitain Seers

Capitain Graf Lottum

Capitain Jüstet (von Gustedt)

Capitain Tricotell

Capitain Schönauer

Lieutenant Binings

Lieutenant Monott

Lieutenant Roseler

Lieutenant Düringshofen

Lieutenant Zadow

Lieutenant Hetterscheidt

Lieutenant Bauer

Lieutenant Brünow

Lieutenant du Chesne

Lieutenant Crentz

Lieutenant Scheele

Lieutenant Puttkamer

Fähnrich von Grävenitz

Fähnrich von Below

Fähnrich Graf von Byland

Fähnrich Friese

Fähnrich von Köppen

Fähnrich Stechow

 

Reformée

Major de Ply

Capitain Barfuß

Am 13.08.1704 folgte die bekannte Schlacht von Hochstädt. Die preußischen Hilfstruppen unter Fürst Leopolt von Anhalt gehörten dabei zum rechten Flügel der Armee des Prinzen Eugen von Savoyen[3]. Ihnen gegenüber stand bei Lützingen die Armee des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern. Die preußischen Bataillone zeichneten sich bei der Schlacht von Hochstädt durch große Tapferkeit aus. Vom 12.09. bis 23.11.1704 wurde Landau belagert. Die Stadt wurde verteidigt von den Truppen des Generals Laubanie, die Belagerer wurden angeführt von Prinz Ludwig von Baden. Das preußische Kontingent, bei dem auch die Bataillone Kronprinz und Lottum waren, standen unter dem Befehl des Fürsten Leopolt von Anhalt. Nach den letzen beiden Schlachten war das Bataillon des Regiments von Lottum Nr. 15 auf nur noch 172 Mann zusammengeschmolzen.

Am 21.03.1704 wurde beim Regiment Kronprinz Nr. 6 das III. Bataillon aus Abgaben der Regimenter Dohna, Holstein, Döhnhoff und Jung-Dohna gebildet. Im Januar 1705 wurde die 15. Kompagnie aus Abgaben des Regiments von Holly komplettiert.

Der spanische Erbfolgekrieg ging für das Regiment Kronprinz Nr. 6 mit der Belagerung und Einnahme von Hagenau vom 29.07. bis 06.08.1705 weiter. Das Regiment war mit zwei Bataillonen beteiligt. Die preußischen Truppen standen unter dem Befehl des Generals von Arnim und waren Teil der Armee des Prinzen Ludwig von Baden.

Rangliste des Regiments zu Fuß Lottum Nr. 15 nach der Liste für Ende 1705 in Milit. aus Haus-Archiv

 

Quelle: von Bardensleben, C.: Beiheft zum Militär-Wochenheft, 4. Heft. Drei Ranglisten der Königlich Preußischen Armee aus den Jahren 1701, 1703 und 1707. In: Mittheilungen aus dem Archiv des Königlichen Kriegsministeriums. Heft II. Berlin1909, Ernst Siegfried Mittler und Sohn

 

Chef: General der Infanterie Carl Philip Graf von Lottum

General Major von Hagen

Obrist von der Marwitz

Obristlieutenant von Schöneberg

Obristlieutenant Johann Friedrich von Schmerheim

Obristlieutenant von Coenen

Major Graf von Lottum

Major de Sers

Capitain Justet (von Gustedt)

Capitain Monnot

Capitain von Zadow

Capitain Brünnow

Capitain du Chesne

Capitain von Scheelen

Capitain Graf von Bylandt

Capitain von Puttkamer

Lieutenant Sehl

Lieutenant von Below

Lieutenant von Köppen

Lieutenant von Eichstedt

Lieutenant Fendt

Lieutenant von Kreytzen (Creutzen)

Lieutenant von Klopmann

Lieutenant von Wolden

Lieutenant Kühlenberg

Lieutenant Derenthal (Adel Best. 22.05.1708)

Lieutenant Schäffer

Lieutenant von Eisenberg

Lieutenant von Maltritz

Lieutenant von Wobeser

Lieutenant von Wartensleben

Fähnrich Jüterbock

Fähnrich Germar

Fähnrich Voß

Fähnrich von Byren

Fähnrich von Sydow

Fähnrich von Langjahr

Fähnrich von Jlow

Fähnrich Berg

Fähnrich von Unruh

Um 1706 bekam das Regiment Kurprinz Nr. 6 abermals neue Fahnen verliehen. Die Leibfahne bestand aus einem weißen Tuch mit weißem Nagelband. Das Tuch war mit kleinen schwarzen und roten, ungekrönten, gold-bewehrten Adlern bestreut. Die Obere Reihe schwarze, die zweite Reihe rote Adler, usw. abwechselnd. Das Mittelfeld war kornblumenblau mit grau-grünen Hügeln und weißem Devisenband mit goldener Schrift „Non soli cedit“. Über der Landschaft war ein schwarzer Adler mit goldener Kone, Schnabel und Fängen. Darüber eine goldene Sonne. Um das Mittelfeld goldene Palmzweige, darüber eine goldene Krone mit roter Mütze und blauen Steinen. In den vier Ecken goldene Palmzweige mit dem gekrönten Namenszug des Kronprinzen FWCP (Friedrich Wilhelm Chronprintz), darüber kleine Kronen, die der großen Hauptkrone identisch waren. Der Fahnenstab war braun mit vergoldeter Spitze und Nägeln. Die Banderole und Quasten waren blau-golden. Die Kompagniefahnen waren wie beim Vorgängermuster identisch zur Leibfahne, hier wurden lediglich die Farben blau und weiß umgekehrt. Das Tuch war also kornblumenblau mit blauer Nagelschnur. Mittelteil dagegen weiß und das Devisenband kornblumenblau.

Vom 23.07. bis 23.08.1706 nahm das Regiment Kronprinz Nr. 6 an der Belagerung und Einnahme von Menin teil, welches von den Truppen des Generals Caraman verteidigt wurde. Während der Kämpfe besuchte der Kronprinz sein Regiment in den Laufgräben vor der Stadt.

Der nächste Einsatz für das Regiment Kronprinz Nr. 6 war die Belagerung und Einnahme von Ath vom 19.09. bis 04.10.1706. Die Stadt wurde von den Truppen des Marquis Spinola verteidigt. Das Regiment von Lottum Nr. 15 stand derweil mit je einem Bataillon in Brabant und Wesel.

Offizier des Regiments Kurprinz Nr. 6 um 1708

Rangliste des Regiments zu Fuß Kronprinz Nr. 6 für Oktober, November und Dezember 1707

(Die Monate beziehen sich auf den Erhebungszeitraum)

 

Quelle: von Bardensleben, C.: Beiheft zum Militär-Wochenheft, 4. Heft. Drei Ranglisten der Königlich Preußischen Armee aus den Jahren 1701, 1703 und 1707. In: Mittheilungen aus dem Archiv des Königlichen Kriegsministeriums. Heft II. Berlin1909, Ernst Siegfried Mittler und Sohn

 

Chef Seine Königliche Hoheit Obrister Crohn Printz Friedrich Wilhelm in Preußen

General Lieutenant Albrecht Conrad Graf Finck von Finckenstein

Obrist von Borck

Obristlieutenant von Treskow

Obristlieutenant Doursal

Obristlieutenant Gabriel de Cheux

Major von Rinsch

Major von Blankenburg

Major von Marwitz

Capitain von Röbel

Capitain Caspar von Rohr

Capitain von Ehlert

Capitain Mielendonk

Capitain Helmich

Capitain Philip von Rohr

Capitain Sommerfeld

Capitain Seine Durchlaucht Printz von Anhalt

Sous Capitain Finck

Sous Capitain Bismarck

Sous Capitain Grevenitz

Lieutenant Lesgewang

Lieutenant Lange

Lieutenant Hauenstein

Lieutenant Kyau

Lieutenant Kröcher

Lieutenant Treskau

Lieutenant Kleist

Lieutenant Gotsch

Lieutenant Finckh

Lieutenant Pini

Lieutenant Bonneval

Lieutenant Sehlstrang

Lieutenant Calenberg

Lieutenant Wobeser

Lieutenant Finck

Sous Lieutenant Falckenberg

Sous Lieutenant Lewald

Sous Lieutenant Kikoll

Sous Lieutenant Uchteritz

Sous Lieutenant Hobeck

Sous Lieutenant Zickelsheim

Sous Lieutenant Desneval

Sous Lieutenant Cantz

Sous Lieutenant Aúger, Titul

Sous Lieutenant Schößer

Sous Lieutenant Zastrow

Sous Lieutenant Hohenstedt

Sous Lieutenant Häseler

Fähnrich Billerbeck

Fähnrich Olschnitz

Fähnrich Falkenberg

Fähnrich Bilzingslöwen

Fähnrich Petersen

Fähnrich Finck

Fähnrich Creutz

Fähnrich Kalckstein

Fähnrich Rennebeck

Fähnrich Röder

Fähnrich Loeben

Fähnrich Haack

Fähnrich Petersdorf

Fähnrich Schenck

Fähnrich du Rosée

Beide Regimenter, Kronprinz Nr. 6 und von Lottum Nr. 15, nahmen mit je zwei Bataillonen an der Schlacht bei Oudenarde am 11.07.1708 teil. Die Armee des Prinzen Eugen von Savoyen und des Duke of Marlborough griffen hierbei die Armee des Generals Vendôme in einer stark befestigten Stellung bei Oudenarde an. Die preußischen Truppen standen unter dem Befehl des Generals von Lottum. Nach dem Übergang über die Schelde erhielt General von Tettau den Befehl, mit den Regimentern Markgraf Albrecht und Lottum sich in den Beitz des Dorfes Mullen zu setzen. Dies gelang auch, jedoch erst nachdem auch die Regimenter Kronprinz, Erbprinz, Grumbkow, Dohna und Döhnhoff zum Einsatz kamen. Im Verlauf der Kämpfe wurde von den Preußen eine große Kavallerie-Attacke abgeschlagen. Kronprinz Friedrich Wilhelm nahm an der Schlacht im Gefolge des Generals von Lottum teil.

Am 15.07.1708 folgte unter dem Befehl des Generals von Lottum der Sturm auf die Verschanzungen bei Menin (zwischen Marneton und Comines). An den Kämpfen beteiligt war das preußische Kontingent unter General von Tettau mit Bataillonen der Regimenter Garde, Kronprinz, Lottum und Alt-Dohna.

Vom 13.08. bis 09.11.1708 folgte die Belagerung und Einnahme von Lille, welches von den Truppen des Maréchals de Boufflers verteidigt wurde. Die Belagerung wurde abermals von Prinz Eugen von Savoyen geleitet. Das Lottum´sche Korps stand dabei auf der Westfront zwischen Lambresart und Lomme. Je ein Bataillon Kronprinz, Varenne, Anhalt-Zerbst und Döhnhoff standen im Lager bei Helchin unter Brigardier du Truffel.

Am 28.09.1708 fand bei Wynendael, etwa 5 Meilen nördlich von Lille, ein Waldgefecht statt. Ein englischer Konvoi wurde hierbei von Truppen des Generals de la Mothe angegriffen. Gedeckt wurde der Konvoi von Truppen des Generals Cadagnon. Dabei befanden sich 2.000 Mann vom Lottum´schen Korps, darunter 160 Mann vom Regiment Kronprinz Nr. 6 unter Obrist-Lieutenant von Schmerheim.

Schon um 1708 bekam das Regiment Kronprinz Nr. 6 erneut neue Fahnen verliehen. Die Leibfahne hatte ein weißes Tuch und Nagelband, das Mittelfeld war  kornblumenblau, das Devisenband weiß, die Schrift „Non soli cedit“ golden. Um das Mittelfeld befand sich ein goldener Palmenkranz, darüber eine goldene Krone mit blauen Steinen auf den Bügeln und blauem Reichsapfel, die Mütze dazu karminrot. Im Mittelfeld befanden sich unten grün-braune Hügel, darüber ein schwarzer Adler mit goldenem Schnabel, Fängen und Krone, die Zunge war rot. Die Sonne war golden, über und unter dem Mittelfeld befanden sich je eine, rechts und links je zwei nach oben züngelnde goldene Flammen. In den vier Ecken waren kleinere goldene Palmzweige mit dem gekrönten Namenszug des Kronprinzen FWCP (Friedrich Wilhelm Chronprintz). Darüber befanden sich kleine Kronen, die der großen Hauptkrone identisch waren. Der Fahnenstab war braun mit vergoldeter Spitze und Nägeln, die Banderole und Quasten waren blau-golden. Die Kompagniefahnen waren wie gehabt identisch zur Leibfahne, hier wurden wiederum lediglich die Farben blau und weiß umgekehrt. Das Tuch war also wieder kornblumenblau mit blauer Nagelschnur. Mittelteil weiß und das Devisenband wieder kornblumenblau.

Vom 18.12.1708 bis 02.01.1709 wurde Gent belagert und eingenommen. Die Stadt wurde verteidigt von den Truppen des Generals de la Mothe. Die Angreifer wurden angeführt vom Duke of Marlborough. Das Lottum´sche Korps, dabei je ein Bataillon Kronprinz und Lottum, gigng an der Südseite zwischen der Ober-Schelde und der Lys gegen das Tor St. Pierre und das Fort Montrerey vor. Am 13.03.1709 fand bei Mastricht eine Revue der siegreichen preußischen Truppen vor dem Kronprinzen statt. Am 30.03.1709 folgte die Hauptmusterung durch den Kronprinzen, der sein Regiment vorexerzierte, im Lager von Drongen, unweit Gent.

Vom 27.06. bis 02.09.1709 wurde Turnay, welches von den Truppen des Marquis de Sourville verteidigt wurde, belagert und eingenommen. Wieder stand das Lottum´sche Korps unter dem Befehl des Duke of Marlborough. Die Schlacht zeichnete sich durch heftige Minenkämpfe aus. Der Kronprinz befand sich während der Belagerung häufig in den Approchen (= Annäherungsgräben bei der Belagerung von Festungen). Der Hauptangriff gegen das Tor von Valenciennes und die Zitadelle wurde vom Lottum´schen Korps durchgeführt.

Am 10.09.1709 traf das Korps im Lager zwischen Blangies und Sars la Bruyére ein. Am 11.09.1709 folgte dann die bekannte Schlacht von Malpaquet, an dem alle drei Bataillone Kronprinz Nr. 6 und die beiden Bataillone von Lottum Nr. 15 als Teil des Lottum´schen Korps teilnahmen. Insgesamt 93.000 Verbündete unter Prinz Eugen von Savoyen und dem Duke of Marlborough griffen bei der Schlacht 95.000 Franzosen unter den Maréchals Villars und Bufflers an. Das Lottum´sche Korps griff um 09:00 Uhr im Zentrum urch Wald und Sumpf mit dem Bayonett die erste feindliche Linie an und warf diese. Der Duke of Marlborough gab daraufhin von Lottum und Lord Orkney den Befehl, die zweite feindliche Linie im  Zentrum zu nehmen. Gleichzeitig umfaßte die Kavallerie der Verbündeten beide Flügel der Franzosen, welche sich über Bavay le Quesnoy in´s Lager von Valenciennes zurückzogen. Bei der Schlacht fiel General von Tettau, Prinz Eugen und Maréchal Villars wurden verwundet. Besonders schwere Verluste mußten die drei Bataillone des Regiments Kronprinz Nr. 6 hinnehmen. Das Regiment verlor während der Schlacht bei Malplaquet insgesamt 7 Fahnen, darunter auch die Leibfahne. Der Verlust wurde im selben Jahr durch Neuverleihungen der Fahnen ausgeglichen. Dese Fahnen waren identisch zum Vorgängermodell, nur, daß rechts und Links vom Mittelteil nur noch je eine, statt bisher zwei nach oben züngelnde Flammen angebracht waren. Desweiteren hatte die Leibfahne nun blau-silberne, statt bisher blau-goldene Banderole und Quasten.

Am 20.04.1710 standen im Lager von Soignies drei Bataillone Kronprinz Nr. 6 und zwei Bataillone von Lottum Nr. 15 im ersten Treffen unter General-Lieutenant von Natzmer des preußischen Kontingents unter Prinz von Anhalt-Dessau. Die preußische Infanterie unter General von Heyden marschierte anschließend zur Belagerung von Douay über Leuze-Tournay-Coutiche, dann am 26.04. bei Lattaing über die Scarpe zur Nordseite von Douay. Vom 27.04. bis 26.06.1710 wurde die Stadt belagert und eingenommen. Sie wurde verteidigt von den Truppen des Marquis Albergotti.

Am 12.11.1710 wurde unter der Führung des Prinzen von Anhalt-Dessau Aire belagert und eingenommen. Bei den Belagerern befand sich je ein Bataillon der Regimenter Kronprinz Nr. 6 und von Lottum Nr. 15. Der Rest des Korps des Prinzen von Anhalt-Dessau befand sich bei der Deckungs-Armee unter dem Duke of Marlborough bei Lilliers.

1711 wurde Obrist von Heyden, genannt Rynsch neuer Kommandeur des Regiments Kronprinz Nr. 6.

Nach diesen schweren Kämpfen im spanischen Erbfolgekrieg wurden die preußischen Regimenter nach und nach in die Garnisonen zurück geführt. Das Regiment Kurprinz Nr. 6 stand hierbei in Berlin, das Regiment von Lottum Nr. 15 zu je einem Bataillon in Wesel und der Kurmark. Dieser Stand änderte sich bis 1712 nicht.

Aus eigenen Mitteln stellte der junge Kronprinz um 1710 in Königs-Wusterhausen das Leibbataillon auf, welches zunächst noch nicht Teil des Regimentes Kronprinz Nr. 6 wurde. Besser bekannt ist dieses Bataillon als „rotes“ Bataillon (wegen seiner roten Uniformierung) und vielmehr noch als „Potsdamer Riesengarde“, volkstümlich auch die „langen Kerls“ genannt. Das Skelett eines von ihnen kann heute noch in der Berliner Humboldt-Universität bewundert werden. Die Soldaten kamen aus den verschiedensten Gebieten und Staaten Europas und mußten ein Mindestmaß von sechs Fuß = 1,88 m aufweisen. Freiwillig waren dabei allerdings die wenigsten in die preußische Armee gelangt. Oft mit List, Gewalt und Versprechungen nach Potsdam verschleppt, fanden sich viele der "langen Kerls" plötzlich im blauen Rock des Bataillons der "Unrangierten" wieder, aus dem sie dann später in "das lange Potsdamsche Grenadier- oder Königs-Regiment" eingereiht wurden. Seiner Vorliebe für "lange Kerls" folgend, scheute Friedrich Wilhelm weder Gewalt noch Geld, um die größten Leute aus dem In- und Ausland zu bekommen. 12 Millionen Taler soll er dafür ausgegeben haben. Der preußische Gesandte in London beispielsweise "deklarierte" lange Männer als "Statuen" oder "Gemälde" für die überhaupt nicht existierende Kunstsammlung Friedrich Wilhelms, um die englischen Behörden zu täuschen. Es gab deswegen ernsthafte diplomatische Auseinandersetzungen, nicht nur mit England.

Für "lange Kerls" bildete sich durch die Praxis nach und nach eine förmliche Taxe. Der gewöhnliche Preis des Handgeldes eines "fünf Fuß zehn Zoll" (Rheinländisches Maß) großen Mannes waren 700 Taler. Einer von "sechs Fuß" (1 Fuß = 31,4cm) wurde mit 1000 Talern bezahlt. Der teuerste aller "langen Kerls" soll der Irländer James Kirkland gewesen sein. Für ihn soll Friedrich Wilhelm fast 9000 Taler gezahlt haben.

Riesengardist James Kirkland aus Irland

 Sogar das kostbare Bersteinzimmer seines Vaters soll Friedrich Wilhelm bei Zar Peter dem Großen (1672-1725) gegen 15 Mann für seine Riesengarde eingetauscht haben. Auch wenn im Ausland die "Spielerei" Friedrich Wilhelms oft belächelt wurde, gilt festzuhalten, daß die Potsdamer Garde zum Lehrregiment der preußischen Armee und Potsdam zur "Pflanzschule der Armee" wurden. Die Bildung des Bataillons mit den "Langen Kerls" war keine Marotte von Friedrich Wilhelm. Sie entsprach eher dem Versuch, durch Körpergröße, Waffenlänge und militärischen Drill taktischen Vorteil zu erlangen. Auch die typische, lang gezogene Grenadiermütze hatte ihren Zweck. Zum einen war ein Soldat damit nochmals größer, manchmal bis zu 2,50m! Zum anderen konnten mit dieser Art Kopfbedeckung die Arme frei zum Wurf der Granaten bewegt werden, die schließlich dem “Grenadier“ seinen Namen gaben. Beim Granatwurf und auch beim Laden der Gewehre kam den Grenadieren ihre extreme Körpergröße sogar zugute.

Uniformen des Regiments, bzw. Bataillons Nr. 6 von der Riesengarde Friedrich Wilhelms I, bis zu den Grenadieren Friedrich Wilhelms III., Zeichnung von Fritz Kersten

Vorne auf dem Schild trugen die „langen Kerls“ den Stern des Schwarzen Adler Ordens, den höchsten Orden Preußens, als Auszeichnung für die ersten Soldaten des Landes. Um den Adler in der Mitte des Sternes herum befand sich der Motto-Spruch Preußens: „SUUM QUIQUE“ (lat. = „Jedem das seine“). Dieser „Gardestern“ durfte nur von den Garderegimentern geführt werden und schmückte später auch die Pickelhauben dieser Regimenter. Das ebenfalls auf dem Schild der Grenadiermützen der Riesengarde angebrachte Motto-Bandeau „SEMPER-TALIS“ (lat. ≈ „stets gleich“ oder „immer derartig beschaffen“) war jedoch nicht allen Garderegimentern gestattet. Nur das Bataillon der Riesengarde durfte dieses Motto führen!

Das Rote Leibbataillon bekam 1710 selbstverständlich auch eigene Fahnen verliehen. Bei der Leibfahne war das Tuch weiß einem mit stehendem roten Flammenkreuz, das Mittelfeld war kornblumenblau. Um das Mittelfeld herum befanden sich goldene Palmenzweige und eine goldene, durchbrochene Königskrone mit blauen Steinen und Reichsapfel und silbernen Kerzen. Im Mittelfeld waren grün-braune Hügel, ein schwarzer Adler mit goldenem Schnabel, Fängen und Krone, die Sonne war golden, Devisenband weiß mit goldener Schrift „Non soli cedit“. Auf den Balken des Flammenkreuzes je eine nach dem Mittelschild gerichtete Flamme. Dazu Goldene Eckkränze mit gekröntem Namenszug des Kronprinzen FWCP (Friedrich Wilhelm Chronprintz), kleine Kronen analog der großen Krone. Das Nagelband war weiß, der Fahnenstab braun mit vergoldeter Spitze und Nägeln, die Banderole und Quasten schwarz-silbern meliert. Die Kompagniefahnen waren wie gehabt identisch zur Leibfahne, hier wurden wiederum lediglich die Farben blau und weiß umgekehrt. Das Tuch war also wieder kornblumenblau mit blauer Nagelschnur. Mittelteil weiß und das Devisenband wieder kornblumenblau.

"S.M. König Friedrich Wilhelm I. im Lustgarten", Gemälde von Prof. Richard Knötel

1713 stand je ein Bataillon des Regiments von Lottum Nr. 15 in Wesel und Ober-Rhein.

Am 11.04.1713 endete der spanische Erbfolgekrieg für Preußen mit dem Frieden von Utrecht, den jedoch nicht alle kriegführenden Mächte anerkannten. Endgültig beendet war er mit dem Frieden von Rastatt vom 07.03.1714

Zwar war König Friedrich I. in Preußen dem Militär weniger zugeneigt als sein Vorgänger oder sein Nachfolger, doch auch dieser Herrscher vermehrte das stehende Heer weiter, sodaß bei seinem Tode am 25.02.1713 ca. 35.000 Männer unter Waffen standen. Der erste große Auftritt des Roten Leibbataillons fand anläßlich der Beerdigung König Friedrichs I. am 02.05.1713 statt.

"Rotes" Leibbataillon des Regiments Kurprinz Nr. 6 um 1713 (Zeichnung von Prof. Richard Knötel)

Im Jahre 1713, beim Regierungsantritt König Friedrich Wilhelms I., bekam das Regiment des Königs Nr. 6 neue Fahnen verliehen. Dies war nötig geworden, da der Namenszug in den Eckfeldern nun nicht mehr stimmte. Bei der Leibfahne waren wiederum Tuch und Nagelband weiß, das Mittelfeld kornblumenblau, das Devisenband war weiß mit goldener Schrift „Non soli cedit“. Um das Mittelfeld befand sich ein goldener Palmenkranz, darüber eine goldene, durchbrochene Krone ohne Mütze, mit blauen Steinen auf den Bügeln und blauem Reichsapfel. Der Innenring war rot. Im Mittelfeld war wieder die bekannte Landschaft, jedoch liegen unterschiedliche Aussagen über deren Aussehen vor. Darüber befand sich ein schwarzer Adler mit goldenem Schnabel, Fängen und Krone und roter Zunge. Die Sonne war golden, über und unter dem Mittelfeld befanden sich je eine, rechts und links ebenfalls je eine nach oben züngelnde goldene Flamme. In den vier Ecken kleinere goldene Palmzweige mit dem gekrönten Namenszug des Königs FWR (Friedrich Wilhelm Rex). Darüber jeweils kleine Kronen analog zur großen Krone. Der Fahnenstab war ab 1713 stets gelb mit vergoldeter Spitze und Nägeln, die Banderole und Quasten schwarz-silbern. Die Kompagniefahnen waren abermals identisch zur Leibfahne, hier wurden also wiederum lediglich die Farben blau und weiß umgekehrt. Das Tuch war demnach wieder kornblumenblau mit blauer Nagelschnur. Das Mittelteil weiß und das Devisenband wieder kornblumenblau. Im gleichen Jahr bekam natürlich auch das Rote Leibbataillon (I. Bataillon) neue Fahnen mit dem königlichen Schriftzug und den veränderten Kronen. Sie waren nun gänzlich weiß, sowohl die Leibfahne als auch die Kompagniefahnen! Die alten rot-weißen und rot-blauen Fahnen des Roten Leibbataillon (I. Bataillon) wurden offenbar an das Regiment Markgraf Christian Ludwig Nr. 7 abgegeben.

Rangliste des Regiments zu Fuß Lottum Nr. 15 für das Jahr 1713

Quelle: von Estorff: Beiheft zum Militär-Wochenheft, Achtes und neuntes Heft. Zwei Rang-Listen des Preußischen Heeres 1713 und 1740 (Lottumb zu Fuß, S.40 & 41). In: Mittiheilungen aus dem Archiv des Königlichen Kriegsministeriums. Heft I. Berlin1891, Ernst Siegfried Mittler und Sohn

Generalfeldmarschall Philipp Carl Freiherr von Wylich zu Lottum (oder Lottumb)
Obrister von Schönebeck
Obrister von Coenen
Obristleutnant Graf von Lottum
Obristleutnant de Sers
Major de Justet
Major von Bruno
Capitain von Schmerheim (Obrist und Kommandierender zu Sparenberg)
Capitain von Kreytz senior
Capitain du Chesne
Capitain Seel
Capitain von Kreytz junior
Capitain Klopmann
Capitain Kahlenberg
Lieutenant Schäffer
Lieutenant Eisenberg
Lieutenant von Wobeser
Lieutnant Jüterbock
Lieutenant Germer
Lieutenant Langjahr,
Lieutenant von Unruh
Lieutenant Roddinghusen
Lieutenant von Graevenitz
Lieutenant Geule
Lieutenant Feske
Lieutenant Diring von Dirigshofen
Lieutenant Niebaur,
Lieutenant Otto Wilhelm van Voß
Lieutenant von Münchhausen
Fähndrich von Drosedow
Fähndrich von Bardeleben
Fähndrich von Hirsch
Fähndrich Born
Fähndrich von Pfeil
Fähndrich von Marle
Fähndrich von Hagen
Fähndrich von Damitz
Fähndrich von Hellermann
Fähndrich Brauns

In seinen ersten Regierungstagen 1713 ernannte der neue König Friedrich Wilhelm I. in Königs-Wusterhausen sein Regiment Kronprinz Nr. 6 zum Leibregiment. Es hieß fortan Regiment des Königs Nr. 6 und erhielt Brandenburg und Potsdam als Garnison zugewiesen.

Figurine zur Weltausstellung Paris 1900 eines Offiziers des Regiments des Königs Nr. 6 um 1713

Im Jahre 1713 oder 1714 schaffte der neue König Friedrich Wilhelm I. die Mäntel, die bisher bei der Preußischen Armee üblich gewesen waren, ab. Er rechnete offenbar nicht mit Winterfeldzügen. So blieb es nun die nächsten knapp 100 Jahre bestehen, daß der Preußische Grenadier keinen Mantel hatte.

Eine Besonderheit der Garnisonstadt Potsdam nahm in den ersten Regierungstagen Friedrich Wilhelms I. seinen Anfang: Die "Bettgelder", mit denen die Potsdamer Regimenter ihre Betten anschafften. Bis zum Jahre 1721 mußte nun der Teltowsche Kreis diese Bettgelder alleine tragen.

Rangliste des Regiments des König Nr. 6 für das Jahr 1713

Quelle: von Estorff: Beiheft zum Militär-Wochenheft, Achtes und neuntes Heft. Zwei Rang-Listen des Preußischen Heeres 1713 und 1740 (Lottumb zu Fuß, S.40 & 41). In: Mittiheilungen aus dem Archiv des Königlichen Kriegsministeriums. Heft I. Berlin1891, Ernst Siegfried Mittler und Sohn

I. (Rotes) Leibbataillon
Obrist König Friedrich Wilhelm in Preußen
Major von Kleist
Premiercapitain von Eyff
Premiercapitain von Massow
Sekondecapitain von Weyher
Sekondecapitain von der Marwitz
Sekondecapitain von dem Knesebeck
Premierlieutenant Söldener
Premierlieutenant Seel
Premierlieutenant von Grebenitz
Secondelieutenant Queis
Secondelieutenant von Gorgas
Fähnrich Gottfried Emmanuel von Einsiedel
Fähnrich von Podewils
Fähnrich von Goddentow
Fähnrich von Sallern
Fähnrich von der Schulenburg

II./III. Bataillon Regiment des Königs
Obrist von Heyden, genannt Rynsch
Obristlieutnant von der Marwitz
Obristleutnant von Köppen
Major von Kröcher
Major von Finck
Capitain von Pini
Capitain von Borck
Capitain Kickoll
Capitain von der Groeben
Capitain Prinz von Anhalt-Dessau
Capitain Grape
Capitain von Häseler
Capitain Hohenstedt
Premierlieutenant von Creutz
Premierlieutenant Hacke
Premierlieutenant Adelsheim
Premierlieutenant von Sydow
Premierlieutenant von Mardefeldt
Premierlieutenant von Queis
Premierlieutenant von Treskow
Secondelieutenant von Schöning
Secondelieutenant von Kühnheim
Secondelieutenant von Kleist senior
Secondelieutenant Gotthülf,
Secondelieutenant von Klingsporn
Secondelieutenant und Adjutant von Consbruch
Secondelieutenant Falckenberg
Secondelieutenant von Kleist junior
Secondelieutenant von Puttkamer
Secondelieutenant von Bülow
Fähnrich Hobeck
Fähnrich von Kahlbutz
Fähnrich von Blanckensee
Fähnrich Knaut
Fähnrich und Adjutant von Lüderitz
Fähnrich von Massow
Fähnrich von Stojentin
Fähnrich von Möllendorff
Fähnrich von Below
Fähnrich von Wachholtz

Rangliste des Regiments Lottum Nr. 15 für das Jahr 1713

Generalfeldmarschall Philipp Carl Freiherr von Wylich zu Lottum
Obrist von Schönebeck
Obrist von Coenen
Obristleutnant Graf von Lottum
Obristleutnant de Sers
Major de Justet
Major von Bruno
Capitain von Schmerheim (Obrist und Kommandierender zu Sparenberg)
Capitain von Kreytz senior
Capitain du Chesne
Capitain Seel
Capitain von Kreytz junior
Capitain Klopmann
Capitain Kahlenberg
Lieutenant Schäffer
Lieutenant Eisenberg
Lieutenant von Wobeser
Lieutnant Jüterbock
Lieutenant Germer
Lieutenant Langjahr,
Lieutenant von Unruh
Lieutenant Roddinghusen
Lieutenant von Graevenitz
Lieutenant Geule
Lieutenant Feske
Lieutenant Diring von Dirigshofen
Lieutenant Niebaur,
Lieutenant Otto Wilhelm van Voß [4]
Lieutenant von Münchhausen
Fähnrich von Drosedow
Fähnrich von Bardeleben
Fähnrich von Hirsch
Fähnrich Born
Fähnrich von Pfeil
Fähnrich von Marle
Fähnrich von Hagen
Fähnrich von Damitz
Fähnrich von Hellermann
Fähnrich Brauns

Großer Nordischer Krieg (1700-21)

Im Jahre 1713 trat der neue König Friedrich Wilhelm I. dem Bündnis Rußlands, Dänemarks, Sachsens und Hannovers gegen die Schweden bei. Damit begann auch für Preußen der Große Nordische Krieg, bei dem es sich abermals gegen die Schweden behaupten mußte. Ende April 1713 rückten 10 Kompagnien (die Züge zu 16 Rotten) des Regiments Kronprinz Nr. 6 zum Lager bei Stettin ab. Das Regiment war dabei Teil der Brigade des Generals von Borck. Am 28.06.1713 rückte das Regiment über Demmin nach Stralsund ab.

Offizier des Regiments des Königs Nr. 6 um 1715

In die Schlacht zogen die Potsdamer Grenadiere des Rothen Leibbataillons nur einmal, nämlich 1715 vor Stralsund gegen die Schweden. Sie waren dabei Teil der Armee unter dem "Alten Dessauer" Leopold von Anhalt-Dessau (1676-1747), die vom 14.07. bis 24.12.1715 Stralsund belagerte. Die Festung kapitulierte schließlich, nachdem König Karl XII. geflohen war. Auch das Regiment des Königs Nr. 6 war an diesen Kämpfen beteiligt.

1713 wurde das III. Bataillon des Regiments des Königs Nr. 6 zur Bildung des Regimentes von Borck Nr. 22 abgegeben. Ebenfalls 1713 übernahm Obrist von Schoenebeck das Kommando über das Regiment von Lottum Nr. 15.

Ringkragen des Regiments des Königs Nr. 6 (DHM Berlin)

Um 1713 sah die Uniform des Regiments des Königs Nr. 6 wie folgt aus: Die Offiziere hatten einen dreifach aufgestülpten Hut, der mit schmaler Goldtresse eingefaßt war. Der Ringkragen war vergoldet und mit einem weißen Emaille-Schild besetzt, welcher den schwarzen preußischen Adler, umgeben von der Kette des Schwarzen Adler Ordens zeigte. Der Rock war blau mit roten Aufschlägen und rotem Futter. Auf den Aufschlägen saßen je drei Knöpfe mit zwei Bogen. Die Aufschlagspatten waren blau. Die Weste war blau mit rotem Futter, Hosen und Strümpfe rot. Die Schuhe waren eckig und besaßen eine Schnalle. Getragen wurde eine Netzschärpe über dem Rock. Die Knöpfe waren golden und hatten ein erhaben gearbeitetes Muster. Die Grenadiere trugen eine Grenadiermütze, wie sie später beim Rothen Leibbataillon getragen wurde. Dazu ein blauer Rock mit rotem Kragen, roten Rabatten und roten Aufschlägen. Hosen und Strümpfe rot, dazu der alte Stoßdegen in einer braunen Lederscheide.

Grenadiermütze der "Langen Kerls" vom "Rothen Leibbataillon" um 1714

Friedrich Wilhelm I. gestaltete das Regiment des Königs Nr. 6 nach seinen Vorstellungen um. Die kleineren Leute wurden zu anderen Regimentern versetzt und durch Abgaben aller Regimenter an Mannschaften, die mindestens 6 Fuß groß waren, ersetzt. Trotz eifrigst betriebener Werbung im In- und Ausland konnten jedoch bis Ende April 1713 nur 10 Kompagnien ausrücken zum Lager bei Stettin. Erst 1716 wurde das III. Bataillon formiert, nachdem der Bestand des Regiments durch schwedische Kriegsgefangene und Deserteure der verbündeten sächsischen Truppen wesentlich erhöht war.

1716 wurde der spätere Chef des Regimentes, Obrist Freiherr Friedrich Wilhelm von Coenen zu Siegenwerpp, Kommandeur des Regiments von Lottum Nr. 15. Der bisherige Kommandeur Obist von Schoenebeck war gestorben.

Offizier des Regiments des Königs Nr. 6 um 1716

Das Regiment Kronprinz Nr. 6 erhielt das neue Muster der Truppenfahnen, welches das Leibbataillon schon 1713 erhalten hatte, erst 1717. Hier wurden auch wieder Unterschiede zwischen Leib- und Kompagniefgahnen gemacht. Die Leibfahne hatte das Tuch und Nagelband weiß, das Mittelfeld ebenfalls weiß, sowie auch das Devisenband weiß. Der Schriftzug „Non soli cedit“ war wie gehabt golden. Um das Mittelfeld befand sich ein goldener Palmenkranz, darüber eine goldene, durchbrochene Krone ohne Mütze, mit blauen Steinen auf den Bügeln und blauem Reichsapfel. Der Innenring war rot. Im Mittelfeld unten die bekannte Landschaft, darüber ein schwarzer Adler mit goldenem Schnabel, Fängen und Krone, und roter Zunge. Die Sonne war golden, über und unter dem Mittelfeld befanden sich je eine, rechts und links ebenfalls je eine nach oben züngelnde goldene Flamme. In den vier Ecken waren kleinere goldene Palmzweige mit dem gekrönten Namenszug des Königs FWR (Friedrich Wilhelm Rex). Darüber kleine Kronen analog zur großen Krone. Der Fahnenstab war gelb mit vergoldeter Spitze und Nägeln, die Banderole und Quasten schwarz-silbern. Die Kompagniefahnen waren absolut identisch dazu, lediglich das Mittelfeld war kornblumenblau. Diese Fahnen führte das Regiment nun bis zum Tode Friedrich Wilhelms I.

1717 gab Friedrich Wilhelm I. das Rothe Leibbataillon seinem Regiment des Königs Nr. 6 als I. Bataillon bei. Damit war das Regiment nun wieder drei Bataillone stark.

Im Infanteriereglement von 1718 heißt es zu den Troddeln der Fußtruppen (Seite 440): "Hierbei ist zu notiren, daß die Büschel an den Säbel-Quästen bei einer jeden Compagnie von einer aparten Farbe sein sollen, damit die Compagnien bei einem Regiment an den Säbel-Quästen unterschieden werden können." Die Farben wurden offenbar von den jeweiligen Regiments-Chefs festgelegt, da sie nirgends reglementiert waren. Die Troddel-Farben beim Regiment des Königs Nr. 6 und Lottum Nr. 15 sind leider nicht überliefert.

Offizier des Regiments des Königs Nr. 6 um 1718

1719 wurde die alte Festung Wesel in der westlichen Enklave Preußens zur Garnison für das Regiment von Lottum Nr. 15. Am 14.03.1719 wurde Obrist Freiherr Friedrich Wilhelm von Coenen zu Siegenwerpp der Chef des Regiments von Lottum, welches damit Regiment von Coenen Nr. 15 hieß. Im gleichen Jahr übernahm Obrist von Borck das Kommando über das Regiment Nr. 15.

Schon am 11.09.1720 wurde Obrist Christoph Heinrich von der Goltz Chef des Regiments von Coenen, welches fortan Regiment von der Goltz Nr. 15 hieß. Ebenfalls 1720 wurde Obrist von Kröcher Kommandeur des Regiments des Königs Nr. 6.

Am 10.09.1721 endete mit dem Frieden von Nystad der Große Nordische Krieg, von dem alle Ostsee-Staaten profitiert hatten - mit Ausnahme Schwedens, dessen politischer Abstieg mit diesem Friedensschluß begann.

Offizier des Regiments des Königs Nr. 6 um 1723

Im August 1723 wurde das I. Bataillon des Regiments von der Goltz Nr. 15 nach Perleberg, Wittenberge, Pritzwalk und Lenzen verlegt. Das II. Bataillon kam nach Wittstock, Kyritz und Pritzwalk.

Während der Regierungszeit Friedrich Wilhelms I. wurde ein System der Einquartierung in Potsdam etabliert, welches lange Zeit später noch gebräuchlich war. Erst als alle Truppen in Kasernen einquartiert waren, wurde dieses Verfahren aufgegeben. "Die Soldaten lagen bei den Bürgern einquartiert. Die Einwohner Potsdams, schon ohnehin im Genuß reicher Wohlthaten durch die Gnade des Königs,, bezahlten keine anderen Abgaben als die Accise. Dafür war aber ein jeder Hauseigenthümer verpflichtet, eine Stube und nach Umständen auch eine Kammer, nach der Straße heraus, für 2, 4 und 6 Soldaten, stets zu unterhalten. ... Nur die Prediger- und Schulhäuser waren eximirt, dagegen mußte z. B. ein Officier, wenn er Hausbesitzer war, auch Einquartierung halten. Die Stuben durften nicht 2 Treppen hoch liegen, daher findet man in Potsdam auch so wenig zweistöckige Häuser." (aus der Regimentsgeschichte)

Offizier des Regiments des Königs Nr. 6 um 1726

Am 12.12.1721 erging an die Landräte der Kur- und Neumark folgende Ordre: "..daß da der Teltowsche Kreis zur Verpflegung der Cavallerie mit zugezogen, so sollen auch nun die bis jetzt von erwähntem Teltowschen Kreise allein getragenen Kosten vor den Betten und Bettgeräth des Königlichen Regiments zu Potsdam von den gesammten Chur- und Neumärkischen Kreisen, nebst dem Uebertrage der Herrschaft Wusterhausen und Teupitz übernommen werden, so jährlich 5000 Thlr. betragen." So blieb es nun bis 1740.

Figurine zur Weltausstellung Paris 1900 eines Grenadiers des I. (rothen) Leibbataillons des Regiments des Königs Nr. 6 um 1729

Um 1725 bekam das Regiment von der Goltz neue Fahnen verliehen. Die Leibfahne bestand aus einem gelben Tuch mit stehendem roten Flammenkreuz, das Mittelfeld war weiß. Um das Mittelfeld herum befanden sich goldene Palmenzweige und eine goldene, durchbrochene Königskrone mit blauen Steinen und Reichsapfel und silbernen Kerzen. Im Mittelfeld befand sich unten die Landschaft, darüber der schwarze Adler mit goldenem Schnabel, Fängen und Krone, die Zunge war rot. Das Devisenband war weiß mit goldener Schrift „Non soli cedit“. Auf den Balken des Flammenkreuzes befand sich je eine nach dem Mittelschild gerichtete goldene Flamme. Dazu Goldene Eckkränze mit gekröntem Namenszug FWR (Fredericus Wilhelmus Rex), darüber kleine Kronen analog zur großen Krone. Das Nagelband war weiß, die Fahnenstange braun mit vergoldeter Spitze und Nägeln, die Banderole und Quasten schwarz-silbern meliert. Die Kompagniefahnen waren wie gehabt identisch zur Leibfahne, hier wurden wiederum lediglich die Farben gelb und weiß umgekehrt. Das Tuch war also wieder gelb mit gelber Nagelschnur. Der Mittelteil war weiß und das Devisenband wieder gelb.

1726 wurden allgemein weiße Säbeltroddeln für die Leibkompagnien jedes Regimentes eingeführt. Die übrigen Kompagnien behielten ihre durch den Regimentschef festgelegten Farben.

Uniformen der Gemeinen des  des Regiments von der Golz, bzw. Kronprinz, bzw. Garde Nr. 15 1729 bis 1756, Zeichnungen von Bernd Schuster

Aus dem Jahre 1727 hat sich ein Dokument erhalten, die Handgelder bei Eintritt in das Regiments des Königs Nr. 6 betreffend (Quelle: Regimentschronik, siehe das Literaturverzeichnis). Sehr schön wird hierbei die extreme Sparsamkeit und die Volkstümlichkeit des Königs deutlich, der sich einer sehr einfachen Sprache bedient.

"Verfügung S. M. König Friedrich Wilhelm I. betreffend Gewährung des Handgeldes bei Abschluß der Kapitulation von Mannschaften welche in Dienste S. M. Regiments treten.

Gegeben Wusterhausen, den 28. Oktober 1727.

    Mein lieber Major von Weier! Gottlob daß noch Alles in gutem Stande ist. - Ich überschicke Euch die Liste der Kapitulanten, es gehet zu hoch, das ist mit dem Gelde nicht länger auszuhalten, also habe ich hierbei aufgesetzet was ein Kapitulant haben soll, allemal wann einer wieder auffs Neue kapitulirt und muß dieses beim Regiment seyn als eine Semmel beim Bäcker. Ich halte aber daß es schwer wird seyn dies einzuführen, weil sie ins Gelach hin zu fordern, also befehle ich Euch dem Major Knesebeck, Kapitain Einsiedel, Sallern, Hobeck, Bredow vorzukriegen und mit Ihnen wohlüberlegen, daß man die Burschen damit conteniren und daß sie nicht mürrisch werden. Es kommt viel auf die Offiziere, wie daß sie den Leuten zureden und vorstellen, daß sie wohl stehen und ein Soldat nicht schwierig sein müsste, und wenn er alt würde er verfolget werden und ein groß und gutes Tractament haben, und alle Eure Wissenschaft solltet Ihr anwenden, es dahin zu bringen, daß es eine Regel werde, wie es bei der specification stehet. Ich hoffe daß Ihr mir bald schreiben werdet von gutem succez, der ich sehr Euer guter Freund seyn werde.

Friedrich Wilhelm.

Secification was die Grenadirs von Meinem 1. 2. 3. Bataillon an Handgeld bekommen sollen, wenn ihre Zeit um ist, und sollen allemahl auf 8 Jahre wieder capituliren, und dieses muß so seyn wie eine Semmel beim Bäcker und nicht mehr und nicht weniger.

1. Bataillon:     1. Glied 100 Thaler                   3. Glied 20 Thaler

                        4. Glied 80 Thaler                      Grenadiers 33 Thaler

                        2. Glied 60 Thaler

Die 21 Mann 1. Gliedes Leib Kompagnie vom rechten Flügel bekommen 150 Thaler, Leib Kompagnie: 1. Glied 120 thaler, 4. Glied 100 thaler, 2. Glied 80 Thaler, 3. Glied und Grenadiers egal mit die andern.

 

2. und 3. Bataillon:    1. Glied 32 Thaler            3. Glied 20 Thaler

                                   4. Glied 30 Thaler            Grenadiers 15 Thaler

                                   2. Glied 25 Thaler

    Alle Burschen, die in meinen Landen mit Häusern angesessen sind, bekommen Nichts. Alle Burschen die 50 Jahre alt sind bekommen die Hälfte. Alles was Rekruten sind, die noch nicht Meinem Regiment oder Armee gedient, da muß man capituliren so gut wie man kann, wenn es schöne junge Rekruten so bekommen sie mehr. Ich zweifle nicht, daß meine Offiziere Alles anwenden werden, daß dieses feste beim Regiment eingeführet werde. Wenn ein oder anderer Matador ist, kann ich ihm unter der Hnade mehr nachzahlen, es muß aber nicht zur consequence gelten.

Friedrich Wilhelm."

Offenbar reichten diese Gelder dennoch nicht aus, die Leute "bei der Stange" zu halten. Denn am 21.09.1728 erließ der König genaueste Instruktionen, was zu machen sei, wenn ein Angehöriger des Regiments des Königs Nr. 6 desertiert war (aus der Regimentschronik).

"Instruktion S. M. König Friedrich Wilhelm I. an den Kommandeur des Regiments Sr. Majestät wie er sich zu verhalten hat wenn einer desertiret.

 

Gegeben Wusterhausen, den 21. September 1728.

    Demnach Sr. Königl. Mayst. in Preussen Unser Allergnädigster Herr nötig finden wegen der desertion zu Potsdam alle mögliche praecaution zu nehmen, So haben Sie resolvitret daß sobald es bekanndt gemachet wird daß Jemand echappiret, es folgendermaßen gehalten werden soll:

  1. Zu Wasser sollen die Potsdam´schen Fischer aus und inwendig die communication bis am Turno, desgleichen die Neuendorff´schen Fischer das Fließ und alles Mohr bis Saarmund visitiren.

  2. Der Potsdam´sche Haydereuther und der Zehlendorff´sche Haydeläuffer sollen die umbliegenden Dörfer aufbiethen und alle Wälder und Dickten, absonderlich die Stolpi´sche Berge durchsuchen lassen, der Potsdam´sche Haydeläuffer durchsucht abder den Busch und Dickten nach Gütergotz und allarmiret Gütergotz, Schenkendorff, Sputhendorff und umbliegenden Dörffer.

  3. Der Cunersdorff´sche Haydereuther biethet Miechendorff, Langerwische, Caputh und Bergholtz auff und durchsuchet den Wald jenseits bder Teltov´schen Brücke und alle Dickten.

  4. Fertiget der Commandeur ab, Einen Unteroffizier und 4 Mann nach Baumgarten-Brück.

  5. Einen Unteroffizier und 6 Mann nach der Glienick´schen Brücke, Stolpe, Gruhnwald und allen Kreutzwegen daselbst.

  6. Einen Unteroffizier und 3 Mann nach der Nedelitz´schen Fähre.

  7. Einen Unteroffizier und 3 Mann nach der Drewitz´schen Brücke, Saarmiund, Tremsdorff, und umbliegende Dörffer.

  8. Einen Unteroffizier und 3 Mann nach dem Schmerberg.

  9. Einen Unteroffizier und 3 Mann nach dem Ther-Ofen und Machenow.

    Hauptsächlich muß aber der Capitaine von der Hauptwacht dahin stehen, daß Niemand alß gewisse Leuthe zu Commandirten gegeben werden, undt kann er dieselben von allen Wachten aussuchen.

    Ferner sendet der Commandeur zu Pferde ab:

  1. Einen Offizier nach Niemegk und Belzig.

  2. Einen Offizier nach Klesto und Brück.

  3. Einen Offizier nach Cremmen und daherumbliegende Pässe und Dörffer.

  4. Einen Offizier nach Schenkendorff und übrige Dörffer biß Charlottenburg.

  5. Einen Offizier nach Beelitz und Treuenbriuetzen, welcher Salzbrunn und Rummelsborn wohl besetzen lassen muß.

  6. Einen Offizier nach Mittenwalde, Zossen und Wusterhausen, woselbst er den Beamten anzufangen, daß er die Schmöckwitz´sche Fähre und Windorf-Brücke wohl besetzen, deßgleichen Fredersdorff woselbst ein Haydereuther wohnet, auch Cöpenick allarmiren solle.

  7. Einen Offizier nach dem Schwietzer-Brück und umbliegende Dörffer.

  8. Einen Offizier den Paß Neu-Brück und umbliegende Zolle zu besetzen.

  9. Muß eine Estafette nach Baruth abgesandt werden.

    Daferner nun wieder alles Vermuthen jemand aus der Potsdam´schen Garnison echappiren sollte, hat der Commandeur alßdann dahin zu sehen, daß vorstehende Puncte in allem auffs genaueste nachgelebt werde.

Wusterhausen, den 21. September 1728.

Friedrich Wilhelm.

An den Comandeur Sr. Königl. Mayj. Regiments, wie er sich zu Verhalten hat, wenn einer desertiret."

Die ersten uniformkundlichen Darstellungen des Regiments von der Goltz Nr. 15 datieren aus dem Jahren 1729 und 1730. Wie die Uniformierung vorher ausgesehen hat, kann nur vermutet werden.

Figurine zur Weltausstellung Paris 1900 eines Musketiers des Regiments von der Goltz Nr. 15 um 1729

1730 trugen die Mannschaften einen blauen Rock mit roten Rabatten mit 10 gelben Knöpfen und Aufschlägen . Dazu rote Hosen, rote Weste und rotes Rockfutter. Aufschlag und Aufschlagspatte mit weißer, zwei mal blau durchzogener Borte besetzt. Am Hut eine weiße Borte mit grünem Puschel. Die Grenadiermütze besaß einen durchbrochenen Vorderschild mit goldenen Emblemen und rotem Unterfutter. Dazu ein roter Kranz und den Oberteil blau. Die Nähte der Grenadiermütze waren mit der selben Borte, wie am Rock besetzt.

Uniformen der Gemeinen des  des Regiments von der Golz Nr. 15 um 1729

Im Jahre 1730 gründete der König für seine Garde das "Garde-Invaliden-Corps". Die Dienstzeit der Soldaten war lebenslänglich, d. h. bis zur eintretenden Invalidität. Ein Invalidencorps bestand etatmäßig aus 1 Feldwebel im Range eines Capitain (=Hauptmann), 2 Feldwebel, 31 Unteroffiziere, 14 Spielleute, 477 Gemeine. Die Garde-Invaliden standen zunächst in Pritzerbe. Sie bekamen die volle Löhnung des Regimentes, lediglich die nicht mehr zum Wachdienst tauglichen bekamen nur die halbe Löhnung. Die Uniformierung der Invaliden war zunächst braun. Im Allgemeinen erkannte der Staat einen Versorgungsanspruch nur bei im Dienst Invalide gewordenen Soldaten an. "Alles Uebrige war Gnadensache." (aus der Regimentsgeschichte). Bei den Ausländern bestand nur bei mindestens 30-jähriger Dienstzeit ein Versorgungsanspruch. Diese Praxis wurde so später von Friedrich II. und auch dessen Nachfolgern übernommen.

Im Jahre 1730 wurde das Regiment des Königs Nr. 6 umstrukturiert, wobei das I. Bataillon die Tradition der "Langen Kerls" fortführte unter der Bezeichnung "Rothes Leib-Bataillon Grenadiere". Das II. und III. Bataillon wurden nun als Grenadier-Bataillone "Königs-Regiment" geführt. Einen gemeinsamen Regiments-Kommandeur der drei Bataillon gab jetzt nicht mehr, nur noch einen gemeinsamen Regiments-Chef: den König. Kommandeur des I. (Leib-)Bataillons wurde Obrist von Kleist. Kommandeur des II./III. Bataillons Königs-Regiments wurde Obrist von Massow.

Offizier des Regiments des Königs Nr. 6 um 1728

Die Uniformierung beim Rothen Leib-Bataillon Grenadiere (I. Bataillon) des Regiments des Königs Nr. 6 sah ab 1730 wie folgt aus: Offiziere trugen nun rote Westen, weiße Gamaschen und goldene Stickereien, ansonsten unverändert zur bisherigen Uniformierung. Die Grenadiere trugen nun eine goldene Kragen- und Aufschlagseinfassung, ansonsten unverändert wie bisher. Die Grenadiermütze hatte nun ein orangefarbenes Puschel. Das Vorderschild war aus rotem Tuch mit goldfarbener Einfassung, blauem Rückenschild und blauem Sack. Auf dem Vorderschild der Stern vom Schwarzen Adler Orden in silber, darüber eine goldene Krone. Der Kranz war rot, gelb eingefaßt. Der Vorderkranz besaß eine kleine Granate, darum der goldene Schriftzug "Semper talis". Der Kranzrücken hatte eine Granate in gold.

Uniform der Gemeinen des Regiments des Königs Nr. 6 um 1729

Offizier des Regiments des Königs Nr. 6 um 1729

Die Uniformen des II./III. Bataillons Königs-Regiments Nr. 6 änderte sich ebenfalls 1730. Offiziere trugen nun den blauen Rock ohne Rabatten. Dazu rote Aufschläge und gestickte goldene Schleifen. Das Rockfutter war rot. Die Weste und die Beinkleider waren gelb, die Gamaschen weiß. Die Mannschaften hatten an ihrem Rock einen roten Kragen ohne Einfassung. Aufschlag und Rabatten waren rot und das Schoßfutter ebenfalls. Die Litzen waren gelb mit Puscheln und zwar je zwei unter den Rabatten, je zwei über den Aufschlägen und zwei in der Taille, die Unterkleider waren gelb.

Grenadier und Offizier des Regiments des Königs Nr. 6, Leibbataillon um 1730, nach Thümen

Die Grenadiermützen des II./III. Bataillons Regiments des Königs Nr. 6 hatten einen roten Sack, die drei Nähte mit schmalen goldenen Borten besetzt. Der Kranz war von gelbem Blech, hinten saßen drei Granaten mit Flammen, unten war die Aufschrift "Königs-Regiment". Auf jeder Seite war eine brennende Granate, hin und wieder Kriegs-Armaturen. Der Vorderschild war von Tomback, in der Mitte saß der Stern vom Schwarzen Adler Orden, oben darüber eine Krone, unten die Buchstaben "F. W. R." für Fredericus Wihelmus Rex als gekrönte Chiffre. Das Puschel war weiß, innen rot. Im Felde wurden statt der Tombak-Schilder solche aus Messing getragen.

Grenadiermütze  des Regiments des Königs Nr. 6 um 1737

Unteroffizier des Regiments des Königs Nr. 6 um 1732

Am 29.02.1732 wurde Kronprinz Friedrich (1712-1786), der spätere König Friedrich II. „der Große“, der Chef des Regiments von der Goltz, welches fortan Regiment Kronprinz Nr. 15 hieß. Daher erhielt das Regiment mit diesem Datum neue Fahnen. Diese waren nun erstmals nicht golden geschmückt, sondern silbern. Die Leibfahne hatte dabei das Tuch und das Nagelband weiß, dazu ein schmales blaues Keilkreuz. Das Mittelfeld war kornblumenblau, das Devisenband weiß, die Schrift „Non soli cedit“ golden. Um das Mittelfeld herum befand sich ein silberner Palmenkranz, darüber eine silberne, durchbrochene Krone mit blauen Steinen auf den Bügeln und blauem Reichsapfel, keine Mütze, der Innenring war rot. Im Mittelfeld befand sich unten die Landschaft, darüber ein schwarzer Adler mit goldenem Schnabel, Fängen und Krone, die Zunge war rot. Die Sonne war golden. Auf dem Keilkreuz  befand sich je eine dem Mittelfeld zugewandt züngelnde silberne Flamme. In den vier Ecken waren kleinere silberne Palmzweige mit dem gekrönten Namenszug des Königs FWR (Friedrich Wilhelm Rex). Darüber kleine Kronen analog zur großen Krone. Der Fahnenstab war gelb mit vergoldeter Spitze und Nägeln, die Banderole und Quasten schwarz-silbern. Die Kompagniefahnen waren identisch, nur hatten sie zusätzlich noch blaue Eckkeile.

Kronprinz Friedrich als Offizier des Regiments Kronprinz Nr. 15 um 1735, Gemälde von Antoine Pesne

Zur Verleihung des Regiments von der Goltz Nr. 15 an den Kronprinzen haben sich zwei Königliche Ordres erhalten, die hier im Wortlaut wiedergegeben sind. Quelle ist wiederum die  Regimentschronik.

"Königliche Ordres betreffend Verleihung des Regiments von der Goltz (No. 15) an Seine Königliche Hoheit den Kronprinzen vom 29. Februar 1732.

    Nachdem Sr. Königliche Majestät in Preussen, Unser Allergnädigster Herr das bisherige Goltze´sche Regiment, welches durch anderweitige Placirung des General Lieutenants v. d. Goltze vacant worden, dero Kronprinz Liebden Hoheit als Obristen Allergnädigst anvertrauet und conferiret. Als fügen Sie solches den bei dedachtem Regiment hierdurch zu wissen, mit Allergnädigstem Befehl sich hiernach überall allergehorsamst zu achten, ermeldete Sr. Hoheit Liebden als Ihren nunmehrigen Chef zu erkennen und denen an sie kommenden Ordres mit allem Respect und Gehorsam zu geloben.

gez. Friedrich Wilhelm.

gegengez. von Grumbkow.

   

Friedrich Wilhelm, König in Preussen u. s. w. Wir sind aus sonderbarer väterlicher tendresse und Liebe bewogen worden, Deiner Liebden das bis dahin vacant gewesene Goltz´sche Regiment und zwar mit dem Charakter als Obrister in Gnaden zu schenken und anzuvertrauen, weshalb wir auch die hierbey gehende Capitulation auf das Regiment und das Obristen Patent, auch unter heutigem dato die Ordre und Notification an bemeldetes Regiment vollzogen. Wir haben also Deiner Liebden von diesem unserem Entschlusse freundväterlich Notification gegeben und zugleich bekannt geben wollen: daß Wir das Regiment hinter die General-Majors und vor alle Obristen-Regimenter rangiret haben, so daß es vor der Hand alle Zeit das älteste von denen Obristen-Regimentern ist und bleibt. Wie verbleiben übrigens u. s. w.

gez. Friedrich Wilhelm.

An des Kronprinzen Königliche Hoheit."

Offizier des Regiments Kronprinz Nr. 15 um 1735, nach Thüme

Das Regiment Kronprinz Nr. 15 erhielt vermutlich nach 1732 neue Zeltfahnen und neue Trommelüberzüge. Beim Trommelüberzug war das Tuch blau, Deckel schwarz, Devisenband weiß mit schwarzer Inschrift "Regiment von Cron Printz". Im Mittelfeld der Stern des schwarzen Adler Ordens, die von der Mitte ausgehenden Spitzen silbern, im Mittelschild der Adler schwarz, der Grund goldfarben, Devisenband weiß, Ränder und „SUUM QUIQUE“-Motto goldfarben. Die Zeltfahnen waren identisch gestaltet, nur daß zusätzlich in jeder Ecke je eine dem (bei dem Fähnlein gelben) Mittelfeld zugewandt züngelnde silberne Flamme saß.

Trommelüberzug des Regiments Kurprinz Nr. 15 vor 1740, Zeichnung nach Reichenstein, Bleckwenn, Ruth: Zelt und Lager.

1732 änderte der Kronprinz die Uniformierung seines Regiments Nr. 15. Sie wurde nun der des Königs-Regiments Nr. 6 ähnlicher, nur daß sein Regiment carmesinrote und silberfarbene Stickereien erhielt. Die Unterkleider wurden nun paille (= blaßgelb), die Knöpfe waren von Zinn. Die Offiziere trugen unter der Brust zwei Schleifen, hinten eine, in der Seite am Knopf zwei, auf der Taschen- und der Ärmelpatte je zwei, in jeder Falte zwei. Der Rock hatte keinen Kragen. Die Klappen waren stehend und mit 6 Schleifen besetzt. Die Aufschläge waren rot, rund und offen. Die Schleifen waren silbern gestickt und besaßen an einem Ende Quästchen. Die Unteroffiziere hatten unter der Klappe zwei Knöpfe, auf der Ärmelpatte zwei Schleifen und hinten eine. Kragen, Klappen (diese mit je 6 Schleifen besetzt) und Aufschläge waren rot. Die Aufschläge waren rund und offen. Die Schleifen waren nach hinten spitz zulaufend und aus silberner Bandborte. Die Gemeinen trugen abweichend zu Offizieren und Unteroffizieren das etwas hellere Dragonerblau. Die Borten waren von weißer Wolle. Ansonsten war die Uniform der Gemeinen gleich derer der Unteroffiziere.

Uniformen der Offiziere des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 von 1737 bis 1801, Zeichnungen von Bernd Schuster

Uniformen der Tamboure des I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 von 1737 bis 1801, Zeichnungen von Bernd Schuster

Die Grenadiermütze des Regiments Kronprinz Nr. 15 sah ab 1732 wie folgt aus: Der Sack war rot, die Nähte mit weißen Schnüren besetzt, der Kranz von weißem, versilbertem Blech. Hinten und auf jeder Seite saß eine brennende Granate. Das Vorderschild war von versilbertem Blech, in der Mitte ein großer heraldischer Preußenadler. In der rechten Klaue hielt er ein Zepter, in der linken den Reichsapfel, auf der Brust standen die Buchstaben "F. W. R." für Fredericus Wilhelmus Rex. Über dem Kopf saß die Königskrone. Unten waren nochmals die Buchstaben F W R mit einer Krone darüber eingeprägt. Daneben befanden sich Kriegs-Armaturen. Der Puschel war weiß, in der Mitte blau und rot.

Grenadiermütze des Regiments Kronprinz Nr. 15 um 1737

Die Tamboure des Regiments Kronprinz Nr. 15 hatten ab 1732 unter der Klappe zwei Schleifen, auf der Ärmelpatte zwei, hinten eine Die Klappe, der Vorder- und der Hinterteil, die Taschen und die Ärmelpatte und das Schwalbennest waren unten eingefaßt. Neun Balken waren auf jedem Ärmel, fünf auf jedem Schwalbennest. Der Kragen, die Klappen (mit 6 Knöpfen) und die offenen, runden Aufschläge waren rot. Schleifen und Einfaßschnurspitze waren weiße Schnüre, in der Mitte mit zwei roten, zwischen beiden ein paille Streifen.

Am 1732 standen vom Regiment Kurprinz Nr. 15 das I. Bataillon in Ruppin, das II. Bataillon in Nauen.

Uniform der Gemeinen des Regiments des Königs Nr. 6 um 1737

Seit 1733 stand das gesamte Regiment des Königs Nr. 6 nur noch in Potsdam.

1734 wurde der "Lange Stall"  von Gayette im Auftrage König Friedrich Wilhelms I. in Preußen als Exerzierhaus für sein Regiment des Königs Nr. 6, vorzugsweise sein I. (Rothes) Leibbataillon Große Grenadirs Nr. 6, errichtet. Sie sollten hier bei schlechtem Wetter exerzieren, bei gutem wurde gewöhnlich der Lustgarten hierfür genutzt. Er erstreckte sich von der Garnisonkirche bis zum Stadtkanal und hatte eine Gesamtlänge von ca. 100m.

Tambour des Regiments des Königs Nr. 6 um 1737

Um 1735 wurde beim Regiment Kronprinz Nr. 15 offenbar eine neue Leibfahne eingeführt, die nun ein weißes Mittelschild hatte. Alles andere blieb wie bisher.

Ebenfalls 1735 wurde Obrist Gottfried Emmanuel von Einsiedel Kommandeur des Rothen Leibbataillons (I. Bataillon) des Regiments des Königs Nr. 6. Er genoß bei Friedrich Wilhelm I. als bewährter Truppenführer so großes Vertrauen, daß der König ihm sein Leibbataillon anvertraute. Auch Friedrich II. schenkte ihm zunächst weiter das Vertrauen nach seiner Thronbesteigung.

Offiziersuniformen des Regiments des Königs, bzw. Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 von 1737 bis 1801, Zeichnungen von Bernd Schuster

Im Jahre 1736 wurde Obrist von Soeldener Kommandeur des Regiments Kronprinz Nr. 15. Auch er wurde nach dem Regierungsantritt Friedrichs II. weiter in seinem Regiment belassen. Ebenfalls 1736 mußte das Regiment von Marwitz einen Teil seiner Leute an das Regiment des Königs Nr. 6 abgeben. Der Brief des Königs an von Marwitz ist erhalten geblieben (Quelle: Regimentschronik):

"Abgabe von Mannschaften des Regiments von Marwitz an das Lange Potsdam´sche Regiment 1736.

 

    Mein lieber General-Major von Marrwitz! Ich habe resolviret die bei letzterer Revue von eurem Regimente genommenen Leute folgendermaaßen zu bezahlen:

 

Vor 2 Mann von der Leib Compagnie                                     1497 Thaler.

Vor 1 Mann v. d, Obrist von Schlieben Compagnie                1000 Thaler.

Vor 2 Mann v. d, Major Wagners Compagnie                        1253 Thaler.

Vor 1 Mann v. d. Capitain Podewills Compagnie                   1400 Thaler.

Vor 1 Mann v. d. Capitain Gerst Compagnie                            750 Thaler.

Vor 1 Mann v. d. Capitain Grumbkow Compagnie                    87 Thaler.

                                                                                   Summa  5982 Thaler.

 

    Ihr sollt also dieses Geld von dem Geheimen Rath von Luck zu Berlin in empfang nehmen lassen, und darauf halten, und Mir dafür repondiren, daß solches Geld bloß zur Werbung angewandt, und dafür Leute angeschafft werden, so in eben dem Zuge und Rotten, wo die abgenommenen gestanden, wieder zu stehen kommen. Euer gz.

   

Potsdam, den 28. July 1736.

Friedrich Wilhelm."

Offizier des Regiments des Königs Nr. 6 um 1737-1740

Nach 1736 blieben nun alle Befehlsverhältnisse, Garnisonen und die Ausrüstungsstücke der preußischen Regimenter unverändert. Lediglich die Garde-Invaliden bekamen 1738 Werder als neue Garnison zugewiesen.

Kronprinz Friedrich als Offizier des Regiments Kronprinz Nr. 15 um 1739

Im Angesicht seines nahenden Todes hatte der schwer erkrankte König noch genaueste Angaben für seine Beisetzung durch seinen Sohn gemacht. Leider ist dieser nur noch als Auszug erhalten, jedoch gibt auch dieses Teilstück des Befehles gut den Hergang der Beerdigung Friedrich Wilhelms I. wieder, denn sein Sohn, dem dieses Schriftstück übergeben wurde, gedachte den letzten Wunsch seines Vaters Wort für Wort umzusetzen. Anders verlief es freilich bei seiner eigenen Beerdigung 46 Jahre später. Quelle dieses Auszuges ist die Regimentschronik.

"Auszug aus dem Befehl über die Anordnung zur Beerdigung Seiner Majestät von Allerhöchstdemselben am 29. Mai 1740 in Gegenwart der Generalität und mehrerer Geheimen Räthe S. Kgl. Hoheit dem Kronprinzen übergeben:

    Ich habe Euch hierdurch nachstehende Instruktion ertheilen wollen, wie Ich will, daß Ihr es mit Meinem Leibe halten sollt, wenn der Allerhöchste Mich aus dieser Zeitlichkeit wird zu sich nehmen, und zwar will Ich:

    I. IIpp. III. Bei Meinem Tode sollen die neuen Montirungen, und neuen Hüte und Alles übrige an die Soldaten meines Regiments ausgegeben werden. Der Hauptmann von Langenn und die Offiziers von den Unrangirten, desgleichen Subalternen vom II. und III. Bataillon und die Unrangirten sollen indeß die Wache in der Stadt haben.

    IV. Den folgenden Tag soll Mein Regiment zusammenkommen, die Bataillons sollen sich formiren, das I. Bataillon macht Front nach dem Schlosse, der rechte Flügel steht am Wasser, wo die Mauer anfängt, das II. Bataillon stehet daneben und das III. hinter dem II. Alles soll complett sein und jeder Grenadier 3 Patronen bekommen! An die Fahnen soll Flor gemacht und die Trommeln mit schwarzem Tuche überzogen werden, auch die Pfeiffer und Hautboisten mit Flören. Jeder Offizier soll einen Flor auf dem Hute und an dem Arme haben und das Feldzeichen mit Flor eingewickelt sein.

    V. Der Leichenwagen, welcher aus dem Berlinischen Marstalle genommen werden soll, muß an der grünen Treppe stehen und zwar die Köpfe der Pferde nach dem Wasser zu. In den Leichenwagen sollen Mich 8 Kapitäns von Meinem Regimente hineinbringen, sobald aber dies geschehen, treten sie wieder in ihre Divisions. Diese 8 Kapitäns tragen Mich auch Hiernächst bei der Kirche auch wieder vom Leichenwagen und in die Kirche hinein. So wie der Wagen herunterfährt, wird vom Regimente verkehrt as Gewehr unter dem linken Arm genommen, darauf der Todtenmarsch geschlagen. Die Hautboisten blasen das bekannte Lied: O Haupt voll Blut und Wunden, alsdann der Leichenwagen das ganze Regiment entlang fährt bis an das eiserne Thor. Da bleibt der Wagen still halten, das ganze Regiment marschirt vorbei, und das I. Bataillon setzt sich darauf mit dem rechten Flügel vor der Kirche, das II. bei solchem, und das III. bei dem II. Alsdann wenn sie aufmarschirt sind, folget die Leiche. Meine beiden Söhne Wilhelm und Heinrich bleiben beim Regiment, Ihr als mein ältester Sohn, nebst dem kleinen Ferdinand, marschirt in eurer Montirung hinter dem Wagen, desgleichen alsdann alles, was von Generals und Offiziers so nicht zum Regiment gehören, Hier ist und mitgehen will. So sollen die beiden Feldprediger von Meinem Regiment Cochius und Ösfeld mitfolgen.

    VI. Hierauf soll Meine Leiche von vorgedachten 8 Capitains Meines Regiments in die Kirche hinein getragen werden, und zwar in die Thür, in welche Ich sonst gegangen bin. Auf dem Sarge soll liegen Mein bester Montirungs-Degen, Mein bestes Feldzeichen, ein Paar vergüldete Sporen und ein vergüldeter Helm, dergleichen man auf der Berliner Rüstkammer finden kann. Wenn die Capitains Mich also in die Kirche getragen haben, wird der Sarg etwas vor das Gewölbe niedergesetzt, worauf die Hautboisten sich hören lassen, und Mein Kapellmeister Ludovici soll die Orgel spielen. Unterdessen sollen die Capitains, so Mich in die Kirche getragen haben, wieder nach ihren Divisions gehen. Von den Generals und übrigen Offizieren werden schon welche sein, welche Mir die letzte Ehre erweisen, und Mich in Meine Gruft tragen werden.

    VII. Vier und zwanzig sechspfündige Kanonen, welche von Berlin gebracht und auf der Plantage stehen, sollen dann mit Geschwindschüssen zwölfmal feuern, und zwar Feuer auf Feuer, alsdann gibt ein Bataillon nach dem anderen Feuer, und die Kanonen sollen aber anfangen.

    VIII. Ich verbiete hiermit, daß keine Parentation gehalten werden soll. Die Bataillons werden nach dem Feuern wieder gebrochen, die Grenadiers bringen die Fahnen dahin, wo Ihr Mein lieber Sohn, befehlen werdet. Die Kompagnien marschiren nach Ihren Capitains-Quartieren. Jeder Grenadier soll das gewöhnliche Biergeld haben, so wie in der Exerzierzeit.

    IX. Sollen alle anwesenden Generals und Offiziers von Meinem Regiment sowohl, als auch sonsten die fremden Offiziers den Abend im großen Saal wohl traktiret und Ihnen das beste Stück Rheinwein zu trinken gegeben werden, wie überhaupt an diesem Abend nichts, als guter Wein getrunken werden soll.

    Xpp. Ich zweifle also nicht, Ihr, als Mein lieber und treuer Sohn, werdet diesen Meinen letzten willen in allen Stücken vollkommen erfüllen, und Ich bin bis in den Tod Euer treuer wohlaffektionierter Vater.

    Potsdam, den 29. May 1740.

Friedrich Wilhelm."

König Friedrich Wilhelm I. in Preußen (16.08.1688-31.05.1740) starb zwei Tage später. Friedrich Wilhelm, den seine Zeitgenossen auch den „Soldatenkönig“ nannten, hinterließ seinem Sohn 1740 ein beachtliches Heer von 80.000 Mann. Er schuf ein gut ausgebildetes und perfekt strukturiertes Heer und kann damit wohl zu Recht als der Schöpfer der preußischen Armee gelten. Allerdings ging seine Liebe zu seinen "blauen Kindern" so weit, daß er sie lieber nicht im Kriege einsetzte. So kam es, daß der Soldatenkönig, seine Soldaten eigentlich nur zum Exerzieren hatte. Das sollte sich nach 1740 schnell ändern, denn der Sohn gedachte sehr wohl das perfekte Werkzeug, das sein Vater ihm hinterlassen hatte, einzusetzen...

 

 

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[1]  Eine eigentliche Nummerierung der preußischen Regimenter erfolgte erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, davor wurden sie meist nach den häufig wechselnden Regimentschefs benannt. Der Einfachheit halber und um Verwechslungen vorzubeugen, wird hier und im Folgenden die Nummerierung beibehalten, wie sie 1806 in der Rangliste des preußischen Heeres aufgeführt wurde.

[2] Preußen, genauer: Westpreußen war kein Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, das bei der Königstitelvergabe für Friedrich anderenfalls ein wesentlich stärkeres Mitspracherecht gehabt hätte. So aber wurde die Lösung König in Preußen gewählt um die übrigen deutschen Fürsten und Polen, zu dem Ostpreußen immer noch gehörte, zu besänftigen.

[3] Prinz Eugen von Savoyen (1633-73) wurde später im Soldaten- und Volkslied "Prinz Eugen der edle Ritter" verewigt.

[4] Nach Auskunft des Familienarchivs der Familie Heerma van Voss aus den Niederlanden, handelt es sich um folgende Person (Basierend auf einer Recherche, die ein Herr Wijnaendts van Resand im Jahre 1914 im geheimen Kriegsarchiv Berlin im Auftrage der Familie Heerma van Voß durchführte):

Otto Wilhelm v. Voss, geboren 1688  in Laar bei Emlichheim in der Grafschaft Bentheim
10.11.1710 als Fähnrich in das Regiment Nr. 15 eingetreten
05.05.1713 zum Lieutenant befördert
In der Rangliste der Königlich Preußischen Armee für das Jahr 1713 genannt (jedoch leider ohne Vornamen)
09.09.1723 zum Capitain befördert
09.04.1731 Demission

In den Familienarchiven wird noch gesprochen von einem wahrscheinlich älteren Voss von dem der Vorname nicht notiert wurde, der jedoch ebenfalls beim Regiment von Lottum Nr. 15 diente. Wijnaendts van Resand vermutet hier einen Bruder des hier oben genannten / es könnte sich dabei vielleicht um Ferdinand Arnold van Voss handeln, aber da der Vorname fehlt, ist es nicht gesichert. Da dieser van Voss jedoch schon 1712 verstarb, kann er nicht der in der Rangliste von 1713 genannte sein.

(Ferdinand Arnold) van Voss
30.12.1704 als Fähnrich in das Regiment eingetreten
16.03.1709 befördert zum Lieutenant
am 03.03.1712 verstorben (Sterbeort und Todesursache ungeklärt)

Daten mit freundlicher Genehmigung durch Christian Heerma van Voss, Leiter des Familiearchief Heerma van Voss.