3.2.       Des Teufels Regiment 1933-1945

Vorbeimarsch des IR9 in der Lindenstraße am 28.01.1938, Bauer//Knitter/Ruppert.

"Der alten Garde Tritte sind nicht verhallt, Die ihrer Taten Erben im Dienen Kämpfen, Sterben, zogen im gleichen Schritte, gleich ihnen in Zucht und Halt."

aus einem Gedicht von Major Freiherr von und zu Egolfstein, ehemaliger Angehöriger des Ersten Garderegiments zu Fuß

Im Hintergrund hören Sie den Marsch Regimentsgruß. Dieser wurde von Heinrich Steinbeck (1884-1967) komponiert, einem Deutschen, der aber als Musikdirektor in der Schweiz tätig war. Der Marsch stammt aus dem Jahre 1927 und hatte direkt so durchschlagenden Erfolg, dass er schon im Jahre 1934 vom damaligen Heeresmusikinspizienten Prof. Hermann Schmidt als HM II,4 (also ganz vorne!) in die Sammlung der Parademärsche für die Infanterie in die Deutsche Heeresmarschsammlung aufgenommen wurde. Mit freundlicher Genehmigung durch die DGfMM.

Am 27.02.1933 brannte der Reichstag. In dem brennenden Gebäude griff man den niederländischen Linksanarchisten Marinus van der Lubbe (1909-1934) auf. Zwar beteuerte er, daß er den Brand alleine gelegt hätte, doch die Nazis konstruierten daraus, daß die Kommunisten einen Umsturzversuch vorhätten und so wurde vom Kabinett bereits einen Tag danach die "Verordnung zum Schutz von Volk und Staat" ("Reichstagsbrandverordnung") verabschiedet, welche der Reichspräsident noch am gleichen Nachmittag unterzeichnete. Damit konnten die Nazis nun nahezu ungehemmt Regimegegner inhaftieren, es entstanden die ersten "Konzentrationslager" (KZ). Als am 03.03.1933 die nächsten Reichstagswahlen stattfanden, konnte für die Linksparteinen von "Freien Wahlen" keine Rede mehr sein. Die NSDAP erhielt 43,9%, die KPD nur noch 12,3%, die SPD 18,3, das Zentrum 11,2%. Auf Basis der Reichstagsbrandverordnung wurden am 08.03.1933 alle 81 Mandate der KPD annulliert.

Bereits am 21.03.1933, also kurz nach der Machtergreifung der Nazis fand der so genannte „Tag von Potsdam“ statt, bei dem der greise Feldmarschall und Reichspräsident Paul von Hindenburg und der Gefreite Hitler den Schulterschluß des Alten und des Neuen versuchten. Der schon im Weltkrieg bei den Alliierten verhaßte „Geist von Potsdam“ sollte eine Widerauferstehung feiern. Hindenburg stieg sogar in die Königsgruft zu den von den Truppenfahnen des Ersten Garderegiment zu Fuß geschmückten Särgen Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs II. hinab. Ursprünglich war nur daran gedacht, die erste Sitzung des Reichstages des neuen nationalsozialistischen Staates irgendwo in Potsdam zu eröffnen. Magistratsrat Dr. Bestehorn, der einen dafür geeigneten Ort ausfindig machen sollte, schlug die Garnisonkirche vor. Die Zustimmungen des Kirchenältesten, des Pfarrers sowie der städtischen Instanzen wurden eingeholt. Der Vorschlag fand die Billigung der Reichsregierung. Bei der folgenden Ortsbesichtigung kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Bestehorn und dem Oberkirchenrat unter Leitung des Generalsuperintendenten der Kurmark, Dr. Dibelius, der es aus religiösen Gründen ablehnte, die Kirche für eine politische Veranstaltung zur Verfügung zu stellen. Nach längerem Hin und Her wurde dann vereinbart, dass in der Kirche nur der Festakt der Eröffnung des Reichstages und die eigentliche Sitzung im Langen Stall stattfindet. Schließlich erwies sich der Lange Stall als nicht geeignet, und die Reichstagssitzung fand in der Krolloper in Berlin statt. An den Naziparaden am gleichen Tage und während der folgenden Jahre, besonders am Heldengedenktag, nahmen die Fahnen dieses Regimentes nicht teil, sie blieben bei den Königen.

Zwei Tage nach dem Tag von Potsdam, am 23.03.1933 legte Reichskanzler Hitler dem Reichstag das "Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich", besser bekannt als "Ermächtigungsgesetz" zur Abstimmung vor. Mit dem Gesetz sollte die Regierung die Ermächtigung erlangen, ohne Zustimmung von Reichstag und Reichsrat sowie ohne Gegenzeichnung des Reichspräsidenten Gesetze zu erlassen. Nur die SPD stimmte dagegen, alle anderen Parteien, auch das Zentrum (aus dem später die CDU hervorging) stimmten für das Gesetz und schalteten damit praktisch das Parlament aus. Die Diktatur des neuen "Führers" Adolf Hitler war damit perfekt.

Mit einer Verordnung vom 14.03.1933 wurden allgemein wieder die alten Farben schwarz-weiß-rot für die Kokarden und Fahnen der Reichswehr eingeführt. am Stahlhelm wurde das Landeswappen gegen die Reichsfarben getauscht, an der Schirmmütze saß die Kokarde nun im Eichenlaubkranz. Wenig später wurden auf den Schirmmützen und über der linken Brusttasche der Reichsadler mit Hakenkreuz eingeführt.

Schon 1934 begann man mit der Aufrüstung und Aufstellung neuer Einheiten. Auch das 9. (Preußische) Infanterieregiment mußte Mannschaften und Offiziere an die neuen Truppen abgeben. Oberleutnant von L´Estocq wurde z. B. vom Chef der 4. (MG-)Kompagnie zum Regimentsadjutanten des durch das I. Bataillon des 9. (Preuß.) Infanterieregiments aufzustellenden 29. Infanterieregiments in Crossen an der Oder ernannt.

Beim "Röhm-Putsch" vom 30.06.1934 entledigte sich der "Böhmische Gefreite" (Reichspräsident von Hindenburg über ihn) Hitler seiner Widersacher in den eigenen Reihen und ließ sie von der SS (="Schutzstaffel", quasi die Leibgarde Hitlers) liquidieren. Besonders die SA (= "Sturmabteilung", die Schlägertrupps der NSDAP) und deren Führer hatten diese dabei im Visier. Der Chef der SA, Ernst Röhm, wurde ebenfalls erschossen, aber auch mit General von Schleicher der letzte Kanzler vor Hitlers Machtübernahme. Bei der Reichswehr betrachtete man die Dinge zwiespältig. Zum einen freute man sich darüber, daß mit der SA ein unerwünschter Nebenbuhler entmachtet wurde, der drauf und dran war, eine Art Volksmiliz und damit Parallelarmee zu werden. Zum anderen war man - besonders im preußisch strengen Potsdam - entsetzt über die Kaltblütigkeit und Grausamkeit der Nazis. Das 9. (Preußische) Infanterieregiment war gerade auf dem Truppenübungsplatz Jüterbog, als es alarmiert und erstmals mit scharfer Munition ausgestattet wurde. Niemand wußte wofür das alles geschah und gegen wen es gehen sollte. Ein Einsatz des Regimentes erfolgte jedoch nicht. Auf dem Rückmarsch nach Potsdam überholten die Kolonnen unzählige Wagen der SS, vollgepackt mit offensichtlich verhafteten.

Allgemein hielt man sich in Potsdam nun merklich zurück in Bezug auf die neuen Machthaber. Man hatte spätestens durch den Röhm-Putsch im Offiziers-Korps erkannt, wer die neuen Machthaber waren. Es wurde eine konservative, preußische Kultur gepflegt, die sich auch durch offene und kritische Gespräche im Regimentshaus äußerte. Das  9. (Preußische) Infanterieregiment wurde so zur ersten Anlaufstelle für konservative Offiziere. Aus ihren Reihen sollten später so manche in den politischen Widerstand gehen. Viele Offiziere des 20. Juli 1944 hatten, zumindest zeitweise, im  9. (Preußischen) Infanterieregiment gedient.

Nachdem ab 1933 die Ausbildung der Rekruten in allen Kompagnien erfolgte, ging das bisherige Ausbildungsbataillon in Lübben zum Infanterie-Regiment 8 (IR 8) über. Die Kompagnien wurden nach und nach aufgelöst.

Am 13.07.1934 wurden allen 4 Fahnen des Ersten Garderegiments zu Fuß die Frontkämpferkreuze 1914/18 am Bande verliehen. Das Band war schwarz-weiß/schwarz-weiß-rot längs gestreift. Am unteren Ende hingen die Ehrenkreuze.

Fahnenkompagnie des 9. (Preuß.) Infanterieregiments beim Semper Talis Tag 1934, Privatarchiv.

Am 02.08.1934 starb der greise Reichspräsident Paul von Hindenburg. Dieses Amt riss der Gefreite Hitler nun auch noch an sich, was später fatale folgen haben sollte. Denn mit dem Amt des Reichspräsidenten war Hitler nun auch der Oberbefehlshaber der Reichswehr geworden. Gleich darauf wurde der neue Fahneneid eingeführt, bei dem die Soldaten nicht mehr wie bisher der Republik und dem Volk, sondern nun ausschließlich der Person Adolf Hitler die Treue schwören mußten. Für die meisten der lang gedienten Reichswehr-Soldaten war dies ein Affront. Die überrumpelten Soldaten (man hatte sie beim Antreten bewußt nicht informiert, was passieren würde) hatten sich in guter preußisch-deutscher Soldatentradition vor Gott einem Mann verpflichtet, der den meisten von ihnen fremd und unheimlich war. Dieser Soldateneid aber hielt viele von ihnen nun bis zum Ende des Reiches davon ab, dem verbrecherischen Regime die Treue zu brechen.

Unteroffiziere der 15. Kompagnie des Ausbildungsbataillons 9. (Preußisches) Infanterieregiment am 01.10.1934, Bauer/Knitter/Ruppert.

Am 01.10.1934 wurde der langjährige Kommandeur des 9. (Preußischen) Infanterieregimentes, Generalmajor Busch, Kommandeur der neugebildeten 23. Infanteriedivision (23. ID). In diesem Verband waren neben dem 9. (Preußischen) Infanterieregiment auch das Infanterie-Regiment 67 aus Spandau, das Infanterieregiment 68 aus Brandenburg, das Artillerieregiment 23 aus Potsdam, die Nachrichten Abteilung 23 ebenfalls aus Potsdam und andere Divisionseinheiten. Als Divisionssymbol, welches fortan alle Fahrzeuge der Division zierte, wurde eine stilisierter Grenadier der Riesengarde Friedrich Wilhelms I. gewählt.

Divisionsabzeichen der 23. ID, Privatarchiv.

Im Herbst 1934 wurde die neue 14. (Panzerabwehr-)Kompagnie gebildet. Die bisherige 14. Kompagnie des Ausbildungsbataillons wurde damit endgültig aufgelöst.

Gliederung der 23. Infanteriedivision (15. Oktober 1935):

Infanterie-Regiment 9 (Stab, I.-III.)

Infanterie-Regiment 67 (Stab, I.-III.)

Infanterie-Regiment 68 (Stab, I.-II.)

Artillerie-Regiment 23 (Stab, I., III.)

Artillerie-Regiment 59 (I., II.)

Pionier-Bataillon 43

Panzerabwehr-Abteilung 23

Infanterie-Divisions-Nachrichten-Abteilung 23

Um den in der Reichswehr gepflegten preußisch-konservativen Geist, und die innere Geschlossenheit zu zerstreuen, wurden die Regimenter nach 1933 auseinander gerissen und zur Aufstellung neuer Regimenter verwendet. Die neuen Machthaber wollten den Korps-Geist und die verschworenen Gemeinschaften brechen. Jedes Reichswehr-Regiment sollte daher drei neue Regimenter aufstellen. Der Aufbau der neuen, größeren "Wehrmacht" begann. Auch das 9. (Preußische) Infanterieregiment war von diesen Umgliederungen betroffen. Am 01.10.1934 wurden Teile des I. Bataillons zur Aufstellung des IR 29 in Crossen an der Oder verwendet. Das komplette III. Bataillon wurde 1935 zum Aufbau des IR 67 verwendet und mußte somit in Potsdam neu aufgestellt werden. Auch wurden plötzlich Um- und Neubauten genehmigt, die vorher lange abgelehnt worden waren. Die Nazis betrieben damit und mit anderen Dingen bewußt die Distanzierung vom preußischen Ethos der Sparsamkeit, Bescheidenheit und Korrektheit, für die auch die alte Reichswehr noch gestanden hatte.

Die Reichswehr wurde mit dem "Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht" vom 16.03.1935 offiziell zur Wehrmacht und der Versailler Vertrag wurde nach und nach von der neuen deutschen Regierung übergangen. Äußerlich änderte sich wenig, lediglich ein kleinerer Helm und ein modernerer Feldrock wurden 1936 eingeführt, der Rest der Uniformierung blieb wie bisher. Als ebenfalls 1936 ein spezieller Paraderock, von den Soldaten abfällig „Sarasani“ oder "Kaiser Wilhelm Gedächtnisrock" genannt, eingeführt wurde, erhielt dieser auch Litzen an den Ärmelaufschlägen. Diese Litzen entsprachen weitestgehends dem Weltkriegs-Muster wie es das Ersten Garderegiment zu Fuß zuletzt getragen hatte, nur daß die Litzen silbern waren und stets auf weißen Patten saßen, auch für Mannschaften. Im gleichen Jahr erfolgte die Umbenennung von  9. (Preußisches) Infanterieregiment in "Infanterie-Regiment 9" (IR 9).

Paraderock eines Hauptfeldwebels im IR9.  Militärhistorische Sammlung des Wachbataillon beim BMVg / Semper Talis Bund 2010.

Mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht nach dem Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht war der Übergang von der alten Reichswehr zur neuen Wehrmacht endgültig vollzogen.

Gliederung der 23. Infanteriedivision (6. Oktober 1936):

Infanterie-Regiment 9 (Stab, I.-III., Erg.)

Infanterie-Regiment 67 (Stab, I.-III., Erg.)

Infanterie-Regiment 68 (Stab, I.-II.)

Artillerie-Regiment 23 (Stab, I., III.)

Artillerie-Regiment 59 (I., II.)

Pionier-Bataillon 23

Panzerabwehr-Abteilung 23

Infanterie-Divisions-Nachrichten-Abteilung 23

Fahnenkompagnie des IR 9 beim Semper Talis Tag 1938, dem 250jährigen Regimentsjubiläum, Privatarchiv.

Ab 1937 führten der Stab, das I. Bataillon sowie die 13. und 14. Kompagnie des IR 9 die Tradition des Ersten Garderegiments zu Fuß fort. Das II. Bataillon übernahm neben der Tradition des Garde-Jäger- und Garde-Schützen-Bataillons auch die der beiden Garde-Maschinengewehr-Abteilungen. Die Traditionen des Infanterieregiment Generalfeldmarschall Prinz Friedrich Karl von Preußen Nr. 64 und Infanterieregiment Nr. 130 wurden anderen Truppenteilen übergeben. Das neue III. Bataillon übernahm die Tradition des Garde-Grenadier-Regiments Nr. 1 Kaiser Alexander von Rußland.

Gliederung der 23. Infanteriedivision (12. Oktober 1937):

Infanterie-Regiment 9 (Stab, I.-III., Erg.)

Infanterie-Regiment 67 (Stab, I.-III., Erg.)

Infanterie-Regiment 68 (Stab, I.-II., Erg.)

Artillerie-Regiment 23 (Stab, I.-III.)

Artillerie-Regiment 59 (I., II.)

Pionier-Bataillon 23

Panzerabwehr-Abteilung 23

Infanterie-Divisions-Nachrichten-Abteilung 23

Kraftfahr-Abteilung 3

Im gleichen Jahr  wurde dem STB, obwohl er per Satzung ausdrücklich unpolitisch war, jegliche Aktivität von den Nazis verboten.

"Adolf Hitler übernahm den Oberbefehl über die Wehrmacht

    Am 4. Februar d. J. übernahm der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler die unmittelbare Befehlsgewalt über die gesamte deutsche Wehrmacht.

    Das bisherige Wehrmachtsamt im Reichskriegsministerium steht nunmehr als »Oberkommando der Wehrmacht« und sein militärischer Stab unmittelbar unter seinem Befehl. General der Artillerie Keitel wurde zum Chef des Oberkommandos der Wehrmacht ernannt und im Range den Reichsministern gleichgestellt.

    Der Führer und Reichskanzler ernannte den General der Artillerie v. Brauchitsch unter Beförderung zum Generaloberst zum Oberbefehlshaber des Heeres.

    Generalfeldmarschall v. Blomberg und General der Artillerie Freiherr v. Fritsch sind auf ihren Antrag aus Gesundheitsrücksichten aus ihren bisherigen Aemtern ausgeschieden.

    Der Führer und Reichskanzler hat den Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generaloberst Göring, zum Generalfeldmarschall ernannt."

 

Aus der Deutschen Militär-Musiker-Zeitung, 60. Jahrgang, Nummer 7 vom 12.02.1938.

 

Gliederung der 23. Infanteriedivision (10. November 1938):

Infanterie-Regiment 9 (Stab, I.-III., Erg.)

Infanterie-Regiment 67 (Stab, I.-III., I. Erg, II. Erg.)

Infanterie-Regiment 68 (Stab, I.-II., I. Erg, II. Erg.)

Artillerie-Regiment 23 (Stab, I.-III.)

Artillerie-Regiment 59 (I., II.)

Pionier-Bataillon 23

Panzerabwehr-Abteilung 23

Infanterie-Divisions-Nachrichten-Abteilung 23

Kraftfahr-Abteilung 3

Mit der Neuaufstellung des III. Bataillons in Potsdam war das neue Infanterie-Regiment 9 (IR 9) komplett in Potsdam versammelt. Allerdings konnten die Unterbringungsprobleme erst mit Fertigstellung der "Adolf-Hitler-Kaserne" am Bornstedter Feld beseitigt werden.

1939 wurde die Kaserne an der Priesterstraße "SEMPER-TALIS-Kaserne" benannt.

Das IR 9 lag bei Kriegsausbruch 1939 in folgenden Standorten:

SEMPER-TALIS-Kaserne, Priesterstraße 2-8:    Bataillonsstab I., 1., 2., 3., 9. 11. Kompagnie

Jäger-Kaserne, Jägerallee 10-12:                         5., 7., 8. Kompagnie

Adolf-Hitler-Kaserne, Pappelallee 8:                    Regimentsstab, Bataillonsstab II., 4., 8., 13., 14. Kompagnie, Stabskompagnie

Hindenburg-Kaserne, Jägerallee 23:                     Bataillonsstab III., 10., 12. Kompagnie

Im ehemaligen Kasino der Gardes du Corps Am Kanal, war nach einem großzügigen Ausbau und Ausgestaltung das Offiziersheim des IR9 untergebracht.

Am 01.09.1939 entfesselte der Gefreite Hitler einen neuen Weltkrieg, der noch verheerender werden sollte als jener, den er selber nur als Gasverwundeter in einem Lazarett überlebt hatte. Leider war er seit dem Tod von Hindenburg auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte geworden, übte überdies seit dem 04.02.1938 auch offiziell die unmittelbare Befehlsgewalt über das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) aus und im Verlaufe des Krieges machte der Gefreite dann auch immer häufiger von dieser Weisungsbefugnis gebrauch und "pfuschte" den Berufsoffizieren vom Generalstab damit in ihr Handwerk. Doch zunächst verlief der Krieg für das Deutsche Reich erfolgreich. Das IR 9 war dabei stets, ganz in der Tradition der alten Garderegimenter, in vorderster Front beteiligt.

Gliederung der 23. Infanteriedivision (September 1939):

Infanterie-Regiment 9 (Stab, I.-III.)

Infanterie-Regiment 67 (Stab, I.-III.)

Infanterie-Regiment 68 (Stab, I.-III.)

Artillerie-Regiment 23 (Stab, I.-III.)

Artillerie-Regiment 59 (I.)

Beobachtungs-Abteilung 23

Pionier-Bataillon 23

Panzerabwehr-Abteilung 23

Infanterie-Divisions-Nachrichten-Abteilung 23

Aufklärungs-Abteilung 23

Feldersatz-Bataillon 23

Infanterie-Divisions-Nachschubführer 23

Feldpostnummern des IR9 ab der Mobilmachung: Die Einheiten wurden als Teile vom Infanterie-Regiment 9 in der Feldpostübersicht eingetragen. Anfang 1940 wurden die einzelnen Kompanien gestrichen und diese ab Mitte 1940 direkt beim jeweiligen Stab eingetragen. 1941 wurde die Kolonne zur 7. leichte Fahrkolonne der Infanterie-Divisions-Kolonne 23 umbenannt. 1942/43 wurde das komplette Regiment zum Panzergrenadier-Regiment 9 umbenannt. Lediglich das III. Bataillon wurde dabei gestrichen. Ebenfalls 1942/43 wurde dann ein komplett neues Infanterie-Regiment 9 eingetragen, womit eigentlich das neue Grenadier-Regiment 9 gemeint war. Am 03.02.1944 wurden dann alle Einheiten zum Grenadier-Regiment 9 umbenannt.

Einheit Feldpostnummer Nummer ab Mitte 1940 Nummer ab 1942/43
Regimentsstab 29503 29503 48017
Stab I. Bataillon 06741 06741 A 48201 A
1. Kompanie 17540 06741 B 48201 B
2. Kompanie 05679 06741 C 48201 C
3. Kompanie 11760 06741 D 48201 D
4. Kompanie 22992 06741 E 48201 E
Stab II. Bataillon 00599 00599 A 48515 A
5. Kompanie 26940 00599 B 48515 B
6. Kompanie 12429 00599 C 48515 C
7. Kompanie 11042 00599 D 48515 D
8. Kompanie 15599 00599 E 48515 E
Stab III. Bataillon 15639 15639 A 48784 A
9. Kompanie 28721 15639 B 48784 B
10. Kompanie 18896 15639 C 48784 C
11. Kompanie 13805 15639 D 48784 D
12. Kompanie 01728 15639 E 48784 E
13. Kompanie 16426 16426 48467
14. Kompanie 29864 29864 48112
Kolonne 27898 27898 bis 1941 -

Polenfeldzug 1939

Nachdem das Regiment am 26.08.1939 seine Standorte verlassen und an die deutsch-polnische verlegt hatte, überschritt es am 01.09.1939 bei Klein Lutau-Zempelburg die Grenze in Richtung Pruszcz. Am 02.09. kam es bei Klonowo zu ersten Gefechten im Wald und an der Bahnlinie. In den Abendstunden mußten polnische Gegenangriffe abgewehrt werden. Bei diesen Kämpfen an dem Bahndamm nahmen auch der spätere Bundespräsident Richard von Weizsäcker und sein Bruder Heinrich teil, letzterer als Leutnant. Bereits am 02.09.1939 fiel bei diesen Kämpfen Heinrich von Weizsäcker in der Tucheler Heide, wenige hundert Meter von seinem Bruder entfernt, am Bahndamm von Klonowo (rund 40 km nördlich von Bromberg, poln. Bydgoszcz).

Richard von Weizsäcker berichtet: „Am 1. September marschierten wir in der Tucheler Heide durch die Wälder, hatten aber keine Feindberührung, am 2. September gab es bei Klonowo die ersten Gefechte mit polnischen Soldaten. Ich war in der MG-Kompanie, mein Bruder Heinrich Zugführer in einer Schützenkompanie. Bei einem Sturmangriff wurde er durch einen Schuss in den Hals tödlich getroffen. Erst in der Dunkelheit konnte sein Leichnam geborgen werden.

Ich habe die ganze Nacht neben meinem toten Bruder gesessen und ihn am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang zusammen mit zwei anderen Gefallenen beerdigt. Mein Leben danach war nie mehr dasselbe wie vorher. Mit dem oft zitierten Satz des römischen Dichters Horaz‚ ‚Dulce et decorum est pro patria mori‘ (Süß und ehrenvoll ist es, fürs Vaterland zu sterben), konnten weder mein Bruder noch ich etwas anfangen.“

Nach diesen Gefechten wurde das Regiment Divisionsreserve und stieß längs der Weichsel nach Norden vor. Über Swiekatowo wurde am 8. September bei Mewe über die Weichsel gesetzt und Ostpreußen erreicht. Per Bahn ging es dann quer durch Ostpreußen nach Lych. Von dort wurde nach Bialystok vorgestoßen. Nach dem Einmarsch der Roten Armee übergab das Regiment die Stadt an die Russen und marschierte nach Stettin, wo es auf die Bahn verladen und nach Westen transportiert wurde.

Westfeldzug 1940

Das Regiment wurde im Raum Bernkastel-Wittlich ausgeladen und westlich von Arzfeld am Ostufer der Our stationiert. Am 10.05.1940 überschritt das Regiment bei Gmünd die deutsch-luxemburgische Grenze, marschierte durch luxemburgisches Gebiet und betrat Belgien, wo es zu ersten Schußwechseln kam. Über Südbelgien marschierte das Regiment durch Bastogne, St. Hubert und Libramont bis nach Charleville an der Maas. Beim Übergang über die Maas kam es zu heftigen Gefechten, bei denen das III. Bataillon unter Führung des Regimentskommandeurs Oberst von Gilsa die Straßenbrücke bei Charleville intakt erobern konnte. Oberst von Gilsa erhielt dafür das Ritterkreuz verliehen. Das Regiment erweiterte den Bückenkopf in Richtung Mézières. Von hier drehte das Regiment nach Süden ab und sicherte die linke Flanke des Sichelschnitts der gepanzerten Verbände. Am 09.06.1940 erzwang das IR 9 den Übergang über die Aisne und den Aisne-Kanal. Dabei hatte das Regiment schwere Verluste. Nach dem Übergang drang das Regiment durch die Champagne nach Süden an den Rhein-Marne vor und erzwang auch hier den Übergang. Weiter ging es an die Marne, das Plateau von Langres und anschließend Richtung Dijon, das am 19.06.1940 erreicht wurde. Nach dem Waffenstillstand sicherte das Regiment die Demarkationslinie und wurde Anfang Juli nach Montbéliard an der französisch-schweizerischen Grenze verlegt. Ende Juli 1940 wurde das Regiment wieder auf die Bahn verladen und nach Osten ins neu geschaffene "Generalgouvernement" verlegt.

Rußlandfeldzug 1941-1942

Nach dem Entladen wurde das Regiment im Raum Wlozlawek (Leslau) einquartiert. Im Herbst 1940 wurde der Stab und das III. Bataillon an die 123. Infanterie-Division abgegeben. Am 11.03.1941 verlegte das Regiment nach Dobrin und Anfang Juni 1941 an die Demarkationslinie zwischen Deutschland und der damals noch verbündeten Sowjetunion nach Ostrow-Maz verlegt. Von hier aus stieß das Regiment am 22.06.1941 (auf den Tag genau 129 Jahre nach dem Überfall Napoleons auf Rußland) über die Demarkationslinie auf Smolecky vor. Am 23.06.1941 wurde die Narew erreicht, die am 24.06. kämpfend überschritten werden konnte. Weiter kämpfte sich das Regiment auf Bialystok vor, wo es an der Kesselschlacht um Bialystok teilnahm. Nach Beendigung dieser Schlacht stieß das Regiment über Slonim und nördlich von Baranowitschi auf die Beresina vor, die am 15.07.1941 südlich von Minsk überschritten werden konnte. Am 20.07.1941 wurde Mogilew erreicht.

Stellung einer Pak und eines sMG des IR 9 vor Mogilew im Juli 1941, Archiv Seitenautor.

Nach viertägigem schweren Kampf konnte die Stadt erobert und der Dnjepr überschritten werden. Das Regiment marschierte weiter in Richtung Desna, eroberte am 03.08.1941 den Eisenbahn-Knotenpunkt Roslawl und erreichte in der Nacht zum 18.08. die Desna. Am 26.08.1941 traf das Regiment hier ein schwerer russischer Gegenangriff, der es aus seinen Stellungen am Fluß vertrieb. Die alte Hauptkampflinie (HKL) konnte erst am 02.09. wieder erreicht werden. Am 02.10.1941 startete mit der Operation "Taifun" der Angriff über die Desna. Nach hartem Kampf konnte der Gegner hier zerschlagen und der Vormarsch nach Osten fortgeführt werden. Am 07.10.1941 erreichte das Regiment der Befehl, sofort nach Norden abzudrehen, um sich an den Kesselschlachten um Wjasma und Brjansk zu beteiligen. Bei Trischino erreichte das Regiment den Kesselrand und nahm von hier aus an den Kesselkämpfen teil. Nach Abschluß dieser Kämpfe wurde der Vormarsch auf Moskau wieder aufgenommen, bis auch das Infanterie-Regiment 9 im Schnee stecken blieb und sich auf den Sestra-Abschnitt zurückzog. Bei den schweren Winterkämpfen1941/42 wurde das Regiment fast vollständig aufgerieben. Weihnachten verbrachte es im Raum Sacharino und Waldischino. Nach einem Rückzug über 200 km bis nach Wjasma wurden die Reste des Regiments für fünf Tage aus der Front genommen und hinter die Front verlegt. Anschließend wurde das Regiment gegen die immer wieder angreifenden Russen südlich von Wjasma angesetzt. Erst im Februar1942 erhielt das Regiment einige Ruhetage hinter der Front. Anschließend wurde weiter um Wjasma gekämpft, es folgte die Operation "Hannover", die Zerschlagung sowjetischer Luftlandetruppen und Partisanen-Verbände westlich der Ugra. Diese Kämpfe dauerten an bis zum 21.06.1942.

Endlich, am 27.06.1942, wurde das hart mitgenommene Regiment aus der Front gezogen und per Bahn nach Belgien gebracht. In Flandern wurde die 23. Infanteriedivision und mit ihr das Regiment Graf Neun ausgeladen und aufgelöst. Teile der alten 23. ID bildeten jedoch noch sogenannte "Alarmeinheiten".

Umgliederung in Belgien 1942

Die 23. ID sollte umgegliedert werden in die neue 26. Panzerdivision (26. PD), zu dem die Panzergrenadierregimenter 9 (PzGR9) und 67 gehören sollten, welche jeweils aus den alten Infanterieregimentern 9 und 67 entstehen sollten. Die 26. PD wurde offiziell am 15.09.1942 aufgestellt, der Aufstellungsort war Ypern und Umgebung. Die entstehende Division wurde Reserve der Heeresgruppe D in Nordfrankreich, da man mit alliierten Landeoperationen rechnete. Generell war jedoch die 26. PD bereits für den Einsatz in Italien bestimmt, mit dem alsbald zu rechnen war, da der Afrika-Feldzug als verloren angesehen wurde.

Um drohenden Invasionen zu begegnen, wurden Teile der alten 23. ID, die Alarmeinheiten, nach Dänemark verlegt.

Mitten in der Umgliederung zur 26. PD erfuhr man in Ypern davon, daß parallel in Döberitz und Dänemark die 23. ID mit den Grenadierregimentern 9 und 67 neu aufgestellt wurde. Hierzu wurden die Wiedergenesenen der alten Regimenter und Teile der Ersatzbataillone verwendet. Der Stab der Division in Döberitz arbeitete bereits! In Ypern fürchtete man nun um den Verlust der Gardetradition, es sollte sogar das alte Divisionsabzeichen mit dem Grenadierkopf bis zum Januar 1943 abgelegt werden. Man um ging jedoch diese Weisung, indem dem Grenadierkopf schlicht ein Rad hinzugefügt wurde. Damit entstand das neue Divisionsabzeichen der 26. PD. Die Traditionen der Garderegimenter wurden jedoch 1:1 von der alten 23. ID zur 26. PD übertragen.

Die erneute Teilung der Potsdamer Regimenter hatte auch das letzte Brechen des preußisch-konservativen Geistes zum Hintergrund. Wie schon 1935 sollten die Offizierskreise aufgebrochen werden und der Zusammenhalt der konservativen Offiziere geschwächt werden.

Am 08.12.1942 verstarb in seiner Villa Ingelheim in Potsdam Eitel Friedrich Prinz von Preußen, der letzte Kommandeur des Ersten Garderegiments zu Fuß. Er war Mitglied des monarchistischen "Bundes der Aufrechten" und damit ein ausgewiesender Gegner Hitlers. Das NS-Regime verweigerte daher dem hochdekorierten Offizier des Ersten Weltkriegs die sonst übliche Beisetzung mit militärischen Ehren und verbot zudem den aktiven und ehemaligen Militärs die Teilnahme in Uniform. Seine ehemaligen Kameraden nahmen daraufhin in zivil teil. Eitel Friedrich wurde im Antikentempel im Park von Sanssouci beigesetzt.

Innenraum des Antikentempels mit den Sakophargen der kaiserlichen Familie, Aufnahme vor 1945, Bundesarchiv.

Der Weg des GR 9

Hier splittet sich die Geschichte auf, denn ein anderer Teil ging zum vom 16.09. bis 28.10.1942 in Dänemark neu aufgestellten Grenadier-Regiment 9 (GR9). Kommandeur des GR 9 wurde Oberst Dewitz, der am 19.01.1942 der letzte Kommandeur des IR 9 geworden war. Adjutant des GR9 wurde Oberleutnant Friedrich Freiherr von Weizsäcker.

Am 23.10.1942  wurde zwar die 23. ID neu aufgestellt aus Teilen der alten 23. ID und aus dem Ersatzheer, diese Formation hatte jedoch so gut wie nichts mehr mit den alten Potsdamer Regimentern gemein. Bemerkenswert ist, daß ab November 1942 ein Divisionsabzeichen in Form der Schiffre "FR" für Friedrich II. eingeführt wurde.

Divisionsabzeichen der neuen 23. ID ab November 1942, Archiv Seitenautor.

Die neue 23. ID kämpfte weiter an der Ostfront, mit ihr das GR 9.

Gliederung der 23. Infanteriedivision (neu) (1942):

Grenadier-Regiment 9

Grenadier-Regiment 67

Grenadier-Regiment 68

Pionier-Bataillon 23

Artillerie-Regiment 23

Panzerjäger-Abteilung 23

Infanterie-Divisions-Nachrichten-Abteilung 23

Infanterie-Divisions-Nachschubführer 23

Rußlandfeldzug 1942-1945

Dem GR 9 erging es nicht viel besser als seinem Vorgängerregiment oder dem PzGR 9. Es verblieb im Verbande der neuen 23. ID. Nach der Neuaufstellung des Regiments ging es rasch wieder an die Ostfront. Das Regiment wurde nach Leningrad verlegt und hatte dort die Winteroffensive 1942/43 zu bestehen. Am 04.05.1943 wurde das Regiment aus der Front gezogen, um die Verbandsübungen nachzuholen, die in Dänemark nicht mehr absolviert werden konnten. Am 21.06.1943 wurde das Regiment dann in die Front südlich des Ladogasees verlegt, wo es am 22.06.1943 der russische Großangriff traf. Nach 11 Tagen Kampf wurde das Regiment in der Nacht vom 03. bis 04.07.1943 aus der Front gezogen, um aufgefrischt zu werden. Zu dieser Zeit bestand es noch aus ganzen 225 Mann! Am 16.08.1943 wurde das aufgefrischte Regiment wieder an die Front geworfen, und zwar nach Ossija. Am 10.09.1943 wurde dann das III. Bataillon aufgelöst und die Reste auf das Regiment verteilt. Ende November 1943 erfolgte die Verlegung in den Raum von Newel an den Fluß Uschtscha. Auch hier hatte das Regiment wieder schwere Verluste. Im April 1944 wurde das Regiment nach Opotschka verlegt und kämpfte sich dann bis Mitte Juli 1944 nach Ludsen in West-Preußen zurück. Am 02.08.1944 wurde das II. Bataillon aufgelöst und in das I. Bataillon eingegliedert.  Am 28.08.1944 wurde schließlich das gesamte Grenadier-Regiment 9 aufgelöst, die Reste kamen zum GR 67. Das Regiment wurde daraufhin neu aufgestellt in Ostpreußen und im Verband der 24. Panzer-Division eingesetzt und ging mit ihr in Ostpreußen unter. Am Morgen des 28.03.1945 gingen die letzten Überlebenden des GR9 in Balga am Haff auf die Boote um zur Nehrung über zu setzen. Unter ihnen der verwundete Regiments-Adjutant Hauptmann Richard Freiherr von Weizsäcker.

Der Weg des PzGR 9

Divisionsabzeichen der neuen 26. PD ab November 1942, Archiv Seitenautor.

Das Divisionskommando der 26. PD wurde durch Umbenennung des Kommando 23. Infanterie-Division als Kommando 26. Panzer-Division in der Feldpostübersicht eingetragen. 1943 wurde das Alarm-Bataillon eingetragen. Noch 1943 wurde der Eintrag in Feldersatz-Kompanie geändert. Am 03.01.1944 wurde der Eintrag um einen Feldgendarmerie-Trupp 93 erweitert. Am 11.05.1944 wurde die Begleitkompanie eingetragen.

Einheit Feldpostnummer
Divisionskommando 15096
Begleit-Kompanie ab Mai/44 24348
Feldgendarmerie-Trupp 93 ab Jan/44 15096 A
Stab Alarm-Bataillon ab 1943 16676 A
1. Kompanie ab 1943 16676 B
2. Kompanie ab 1943 16676 C

Gliederung der 26. PD:

Panzer-Regiment 26

Panzer-Grenadier-Brigade 26

Panzer-Grenadier-Regiment 9

Panzer-Grenadier-Regiment 67

Kradschützen-Bataillon 26

Panzer-Artillerie-Regiment 93

Panzer-Aufklärungs-Abteilung 26

Heeres-Flak-Artillerie-Abteilung 304

Panzerjäger-Abteilung 51

Panzer-Pionier-Bataillon 93

Panzer-Nachrichten-Abteilung 93

Kommandeur der Panzer-Divisions-Nachschubtruppen 93

Feldpostnummern des PzGR 9 ab 1942/43: Die Einheiten wurden als Teile des Panzergrenadier-Regiment 9 in der Feldpostübersicht eingetragen. Am 13. April 1944 wurden dann auch eine 10. und 11. Kompanie eingetragen. Am 9. November 1944 wurden die Bataillone auf je 5 Kompanien erweitert. Beim II. Bataillon wurde auch eine Versorgungs-Kompanie eingetragen. Beim I. Bataillon wurde das erst am 21. März 1945 gemacht. An diesem Tag wurde die 11. Kompanie gestrichen. Noch am gleichen Tag wurde die 9. zur 11. Kompanie umbenannt. Für die Umbenennung der 10. zur 12. Kompanie gibt es kein genaues Datum.

Einheit Feldpostnummer
Regimentsstab 29503
Stab I. Bataillon 06741 A
1. Kompanie 06741 B
2. Kompanie 06741 C
3. Kompanie 06741 D
4. Kompanie ab Nov/44 06741 E
5. Kompanie ab Nov/44 06741 F
Versorgungs-Kompanie I ab Mär/45 06741 G
Stab II. Bataillon 00599 A
5. Kompanie 00599 B bis Nov/44
6. Kompanie 00599 C bis Nov/44

ab Nov/44 00599 B

7. Kompanie 00599 D bis Nov/44

ab Nov/44 00599 C

8. Kompanie ab Nov/44 00599 D
9. Kompanie ab Nov/44 00599 E
10. Kompanie ab Nov/44 00599 F
Versorgungs-Kompanie II ab Nov/44 00599 G
9. (s.I.G.) Kompanie 16426 bis Mär/45
10. Kompanie ab Apr/44 10592 bis 44/45
11. Kompanie ab Apr/44 04813 gestr. Mär/45

ab Mär/45 16426

12. Kompanie ab 44/45 10592

Westfront 1942

Das Panzergrenadier-Regiment 9 wurde der 26. Panzerdivision (26. PD) unterstellt und versah seinen Dienst bei den folgenden Einsätzen:

1942 - Frankreich: Amiens (Ausbildung und Küstenschutz)

Italienfront 1942-1945

Bei der Landung der Alliierten in Italien wurde auch die 26. PD und mit ihr das PzGR 9 an die Invasionsfront verlegt.

1943 - Süd Italien: Salerno, Monte Cassino.

1944 - Italien: Anzio, Nettuno (gegen alliierte Landungen), Orsogna, Frosinone,

1944 - Italien : Lucca, Marino, Rimini, Cesena, Ravenna, Bologna.

1945 - Italien: Adriar, Imola.

Die gesamte 26. PD vollzog schließlich die Kapitulation vor britischen Truppen in Bologna im Mai 1945.

Hier verliert sich endgültig die Spur des alten Ersten Garderegiments zu Fuß. Wenn es noch so etwas wie Kontinuität gegeben haben mochte über den November 1918 hinaus, so war diese nun mit der endgültigen Auflösung der Folgeregimenter beendet.

Wolfgang Leonhardy, Obergefreiter im Panzergrenadierregiment 9, Salerno/Italien, 1943, Archiv Seitenautor.

Das Traditionsabzeichen der 26. Panzer-Division, umgangssprachlich auch "Grenadierkopf" genannt, war ein internes Truppenabzeichen der 26. Panzer-Division, das im Oktober 1944 durch eine Genehmigung Adolf Hitlers an der linken Seite der Feld- oder Schirmmütze von den Angehörigen dieser Division getragen werden durfte. Das Divisionsabzeichen erhielt durch diese Genehmigung auch seine offizielle Legitimation. Ein dazu erlassenes Schreiben vom 25.10.1944, welche sich in einem Soldbuch eines Divisionsangehörigen befand, hat folgenden Wortlaut:

„Der Führer und oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat entschieden, daß das Traditionsabzeichen der 26.Pz.Div. (Grenadierkopf) - getragen links an der Mütze - beibehalten werden kann.“

Allerdings ist anzunehmen, das es sich hierbei um eine nachträgliche Trageerlaubnis handelte, dass das Abzeichen irgendwann zwischen dem 14. September 1942, dem Zeitpunkt der Divisionsaufstellung und der Genehmigung im Oktober 1944 entstanden ist.

Traditionsabzeichen der neuen 26. PD, ab November 1942 als offizielles Mützenabzeichen, nebst Verleihungsurkunde, Privatsammlung

Ein besonderes Kapitel des IR 9 ist sicherlich das mißglückte Attentat vom 20. Juli 1944, an dem wie erwähnt viele ehemalige Offiziere dieses Regimentes beteiligt waren. Eine der herausragenden Figuren war dabei Henning von Tresckow (10.01.1901-21.07.1944), der bis zur Versetzung zur Kriegsakademie 1934 im 9. (Preuß.) Infanterieregiment gedient hatte und im 1. Weltkrieg die 2. MG-Kompagnie des Ersten Garderegiments zu Fuß führte. Im 2. Weltkrieg stieg er zum Stabschef der Heeresgruppe Mitte der Ostfront auf. Zusammen mit seinem Kameraden aus dem 1. Weltkrieg beim Ersten Garderegiment zu Fuß, Berndt von Kleist (geb. 30.04.1896) leitete er den Widerstand an zentraler Stelle. Bei von Tresckow liefen quasi die Fäden zusammen. Er bezahlte dies mit dem Freitod 1944, den er wählte im dem "Volksgerichtshof" des Herrn Freisler zu entgehen, bei dem die Urteile sowieso schon vorher feststanden. Im Sommer 1943 erhielt von  Tresckow zwei Monate Heimaturlaub. In Berlin organisierte er ein Attentat auf Hitler, bei dem Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff eine in seinen Manteltaschen versteckte Bombe im Berliner Zeughaus während einer Besichtigung durch Hitler zünden sollte. Hitler entging diesem Anschlag nur, weil er die Besichtigung früher als geplant abbrach. Der mutige Gersdorff, der bei dem Attentat ebenfalls gestorben wäre, hatte alle Mühe, den bereits aktivierten Zünder in eine Toilette zu werfen und die Bombe damit wieder zu entschärfen. Zu dieser Zeit kam auch Oberst Klaus Graf Schenk von Stauffenberg zum Widerstandskreis. Begeistert arbeitete dieser mit von Tresckow an den "Walküre"-Befehlen. Doch alle Versuche eines Attentates scheiterten. So ging es über Monate. Im Januar 1944 wurde von Tresckow zum Generalmajor befördert. Am 01.07.1944 wurde Stauffenberg Stabschef beim Befehlshaber des Ersatzheeres. Am 20.07.1944 kam es endlich zum Attentat auf Hitler. Zu diesem Zeitpunkt war von Tresckow noch immer Ia bei der Heeresgruppe Mitte. Nach dem Scheitern des Attentats ließ er sich am Morgen des 21.07.1944 in der Nähe des polnischen Dorfes Ostrow an die Front fahren. Gegen Mittag erreichte von Tresckow den Gefechtsstand der 28. Jäger-Division. Er telefonierte und sprach kurz mit seinem Begleitoffizier. Dann lies er sich ins Niemandsland zwischen den Fronten bringen. Heiter plauderte er, stieg aus und ging in den Wald. Wenig später erklangen Schüsse und eine Granate detonierte. Von Tresckow hatte sich mit einer Gewehrsprenggranate getötet. Sein Begleitoffizier meldete daraufhin den "Tod durch Partisanenhand". Henning von Tresckow wurde auf dem kleinen Friedhof des Familiengutes Wartenberg in der Neumark begraben. Wenige Tage später grub die Gestapo den Leichnam aus. Sie hatte inzwischen die Verstrickung von Tresckow zu den Verschwörern herausgefunden und daß der "Überfall" nur vorgetäuscht war. Einige Wochen später wurde seine Leiche schließlich verbrannt und die Asche über Felder gestreut.

Im Frühjahr 1945 wurden einige Offiziere der Genesenden-Kompagnie des Ersatzbataillons vom PzGR 9 in Potsdam zu ihrem Kommandeur gerufen. Bei der folgenden Besprechung wurde ihnen zu ihrem großen Erstaunen eröffnet, daß sie namentlich vom kommandierenden General der Stadt Potsdam, General von Wulffen, dazu bestimmt worden waren, bei einer ungewöhnlichen Zeremonie mitzuwirken. Es sollten die Särge mit den preußischen Königen Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. geöffnet und die sterblichen Überreste der Könige in andere Särge umgebettet werden. Danach sollten diese in weniger gefährdetes Gebiet überführt werden, da die Gefahr von Bombenangriffen auch für Potsdam immer größer wurde. Die Zeremonie selbst wurde vom Stadtkommandanten geleitet, die ausgesuchten Offiziere sollten dabei in Linien zu zwei Gliedern mit Front nach innen an der Gruft stehen. Nach der Umbettung, die von einem Fachmann mit dessen Gehilfen durchgeführt werden sollte, sollten die Offiziere die Särge nach oben bringen und auf einen bereitstehenden LKW der Luftwaffe setzen. Im Anschluß daran sollten die in der Kirche befindlichen Fahnen und Standarten ebenfalls auf den Wagen geladen werden. Den weiteren Transport würden Offiziere der Luftwaffe übernehmen. Es wurde Dienstanzug mit Stahlhelm und strengste Geheimhaltung befohlen. Abends um 21:45 Uhr waren alle Beteiligten in der Garnisonkirche versammelt. Die Kirche war im weiten Umkreis umstellt und alle Zugangsstraßen abgeriegelt. Bläulich schimmerte der Pour le merite in der schwach beleuchteten Kirche. In dem Lichtstrahl, der durch den Türspalt der wesentlich heller beleuchteten Gruft bis zur Königsloge hinauf ins Halbdunkel durchbrach, flimmerten feine Staubkörnchen. General von Wulffen stand mit einigen Offizieren seines Stabes in Mitten der Kirche. Schweigend begrüßte er jeden einzelnen Anwesenden mit Handschlag. Dann begann der General die Zeremonie mit den Worten:

"Meine Herren, wir erleben heute etwas Einmaliges. Es ist uns - wenn auch aus traurigen Gründen - vergönnt, einem der Großen dieser Erde unser letztes Geleit zu zeigen. Ich habe Sie als ältere Offiziere hierzu ausersehen. Ich bitte Sie, bei der Umbettung in der Gruft Haltung einzunehmen und keine ungeziemende Neugierde zu zeigen. Was Sie zu tun haben, wissen Sie. Behalten Sie diese Stunde ewig in Ihrem Herzen!"

Die Offiziere nahmen die befohlene Haltung ein. Nach einigen Minuten kam der Fachmann mit seinen Gehilfen und ging durch das gebildete Spalier in die Gruft. Ein Gehilfe wollte die Türe schließen, aber der Meister, wohl ahnend, wieviel brennende Augenpaare auf die Gruft gerichtet waren, öffnete die Türe soweit, daß das Innere der Gruft zu übersehen war.

Zunächst wurde der Deckel des schwarzen Marmor-Sarkophags abgedeckt und der dunkle Sarg Friedrichs des Großen herausgehoben. Der Meister gab im leisen Flüsterton seine Anweisungen. Dann wurde der Deckel des Sarges gelöst und abgehoben. Nach kurzer Untersuchung stellte der Meister fest, daß eine Umbettung nicht erforderlich und der Sarg in gutem Zustand war. Danach schloß er den Sarg wieder. Während dieser kurzen Zeit konnten die Anwesenden einen Blick auf Friedrich II. werfen - für alle ein einmaliges Erlebnis. Inmitten des Sarges - wunderbar erhalten - aber unwahrscheinlich klein, lag der König: Ein kleines, sehr dunkles, eingefallenes Gesicht. Der bekannte große große silberne Stern des Schwarzen Adler Ordens schimmerte matt auf der linken Brustseite des dunkelblauen Waffenrockes. Der Rock reichte bis fast zu den Knien. Die Reitstiefel aus weichem, schwarzen Leder, waren vielfach geknifft.

Nun wurde der linke, größere Sarkophag, der Friedrich Wilhelm I. barg, geöffnet. Hier war eine Umbettung notwendig. Die sehr enge Gruft machte es erforderlich, daß zunächst der Sarg Friedrich des Großen hinausgetragen werden mußte. Die ersten 6 Offiziere gingen hinein, um den Sarg hinauszutragen. Hierbei konnten sie auch die sterblichen Überreste Friedrich Wilhelms I. sehen. Der Vater Friedrichs des Großen litt bekanntlich an Wassersucht und war schon stark verfallen. Die Konturen ließen eine massige Gestalt erkennen. Der Dreispitz überschattete ein fast schwarzes Gesicht. Der dunkle, verschlossene Waffenrock war nicht mehr gut erhalten. Auffallend waren die schweren, weit über die Knie reichenden, gelben Schaftstiefel nach Art der Kürassierstiefel. Der bekannte Krückstock lag neben ihm.

Nachdem die Umbettung beendet war, trugen die hierfür bestimmten Offiziere die beiden Könige an den übrigen salutierenden Offizieren vorüber und hoben die Särge auf den LKW. Anschließend wurden die Fahnen herausgetragen und ebenfalls aufgeladen. Noch einige Worte des Generals mit dem Dienstältesten der Luftwaffenoffiziere und der Wagen fuhr behutsam an. Alle Hände gingen zum letzten Gruße an den Stahlhelm, bis die Dunkelheit den Wagen mit den Königen einhüllte. Die Särge der Preußenkönige und die Gardefahnen aus der Potsdamer Gruft, mit ihnen die Truppenfahnen des Ersten Garderegiments zu Fuß, wurden nach Bernterode in Thüringen verbracht. Dort entdeckten sie die Amerikaner am 27.04.1945.

Die Umbettung der Könige war durchaus berechtigt, wie sich wenig später zeigte. Denn im Antikentempel wurde die Leiche des Prinzen Eitel Friedrich, wie die der anderen dort beigesetzten Mitglieder des Hauses Hohenzollern, unter anderem auch der der Kaiserin Auguste Victoria, beim wenige Wochen später stattfindenden Einmarsch der Roten Armee von der russischen Soldateska geschändet. Kurz danach wurden durch die Verwaltung der Schlösser alle Leichen wieder in die Särge gelegt und Sarkopharge, sowie der Antikentempel verschlossen. Der Holzsarkopharg mit innenliegendem Zinksarg des Prinzen Eitel Friedrich befindet sich noch heute, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, im Antikentempel zu Potsdam.

Ein britischer Großangriff auf Potsdam in der Nacht vom 14./15.04.1945 beschädigte die Stadt schwer und mit ihr auch die Garnisonkirche und das Preußische Staatsarchiv inklusive dem Heeresarchiv. Dabei wurden auch die meisten Unterlagen zum alten Ersten Garderegiment zu Fuß zerstört. Allgemein war man bisher des Glaubens, daß auch die Garnisonkirche beim Luftangriff vom 14./15.04.1945 von Bomben getroffen wurde. Nach mehreren übereinstimmenden Augenzeugenberichten sind jedoch nicht die Bomben, sondern die im benachbarten Langen Stall gelagerte und explodierende Munition dafür verantwortlich, daß erst das hohe Kirchendach in Feuer fing und von dort das Feuer auf den Turm übergegriffen habe. Kirche und Turm brannten aus und die Läuteglocken wie das Glockenspiel wurden dabei vernichtet. Was in den Kriegswirren nicht verloren ging, wurde von den Siegern geplündert. So auch die Sammlungen des Zeughauses in Berlin (heute Deutsches Historische Museum), das wohl die größte und umfassendste Sammlung militärhistorischer Exponate aus der preußischen Geschichte besaß.

Über das Kriegsende für den letzten Kommandeur des Ersten Garderegiments zu Fuß, Siegfried Graf zu Eulenburg-Wicken, berichtet der Deutsche Soldatenkalender 1970: "Infolge seines vorgerückten Alters fand er im 2. Weltkrieg keine Verwendung mehr, womit sich der alte Soldat zunächst schwer abfinden konnte. Als dann Mitte Januar 1945 die russische Front immer näher heranrückte, mußte auch er die angestammte Heimat verlassen nach 25 Jahren eigenen, 300 des Familienbesitzes und rund 500 des Wirkens seines Geschlechts in Ostpreußen. In einem 2000 km langen Treck, zusammen mit seiner Frau im offenen Landauer-Wagen, bespannt mit 2 Pferden eigener Zucht, langten sie nach 50 Übernachtungen in Lindau am Bodensee an, wo sie in 2 kleinsten Mansardenzimmern bis zu ihrem Tode Zuflucht fanden .... Unter den 6 Grafen Eulenburg, die im 2. Weltkrieg fielen, befand sich auch ihr einziger Sohn Dipl. Landwirt Dr. Botho Ernst Graf zu Eulenburg, der als Major und Rgts.Kdr. seit 1944 vermißt wird."

 

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