Gedichte und Liedtexte

Hier finden Sie einige Gedichte und Liedtexte zum Ersten Garderegiment zu Fuß und deren Vorgängerregimentern Garde Nr. 6 und Nr. 15. Diese Sammlung ist ohne Anspruch auf Vollständigkeit und wird laufend erweitert. Eine Wertung der aus heutiger Sicht doch recht pathetisch anmutenden Texte erfolgt hier nicht. Sie spiegeln, ebenso wie andere Kriegslyrik, den damaligen Zeitgeist wieder.

 

 

Erstes Bataillon Garde

 

Auf den Tod des Prinzen Anton von Hohenzollern

Erstes Bataillon Garde. Parad´ oder Schlacht

Ihm wenig "Differenzen" macht,

Ob in Potsdam sie trommelnd auf Wache ziehn,

Ob sie stehen und Fallen in Kolin,

Ob Patronenverknattern, ob Kugelpfiff,

Immer derselbe feste Griff,

Dieselbe Ruh. Jede Miene drückt aus:

"Ich gehör´ zur Familie, ich bin vom Haus."

 

Ihrer viere sitzen im Knapphanszelt,

Eine Kottbuser hat sich jeder bestellt,

Einen Kornus dazu; das Bier ist frisch.

Ein Berliner setzt sich mit an den Tisch,

Ein Berliner Budiker - da währt´s nicht lange,

Plappermühl, ist im besten Gange.

"Wahrhaftig, ihr habt die schönste Montur,

Litzen, Paspel, Silberschnur,

Blechmützen wie Gold, gut Trakement,

Und der König jeden von euch kennt.

Erstes Bataillon Garde, Prachtkerle vor all´n,

Solch Götterleben sollt´ ihr mir gefall´n."

 

Drei schwiegen. Endlich der vierte spricht:

"Ne, Freund Berliner! so ist es nicht.

Eine propre Montur was soll uns die geben?

Unser Götter - is bloß ein Jammerleben.

Potsdam, o du verfluchtes Loch,

Führst du doch heut in die Hölle noch.

Und nähmst ihn mit mitsamt seinen Hunden,

Da wär´ auch der gleich mit abgefunden,

Ich mein´ den da oben - uns läg´ nichts dran,

Is doch bloß ein Quälgeist und Tyrann,

Schont nicht Fremde, nicht Landeskinder,

Immer derselbe Menschenschinder,

Immer dieselbe verfluchte Ravage -

Potsdam - o du große Blamage!"

 

Das war dem Berliner nicht nach seinem Sinn,

Er lächelte pfiffig vor sich hin:

"Ich sag´ das schon lange. Was hat er denn groß?

Große Fenster hat er, sonst is nicht viel los.

Und reden kann er. Na das kann jeder,

Hier aber, er zieht nicht gern vom Leder."

 

Da lachen alle vier, und der eine spricht:

"Ne, Freund Budiker, so geht es nicht.

Zuhören kannst du, wenn wir mal fluchen,

Aber darfst es nicht selbst versuchen;

Wir dürfen frech sein und schimpfen und schwören,

Weil wir selber mit zugehören,

Wir dürfen reden von Menschenschinder,

Dafür sind wir seine Kinder,;

Potsdam, o du verfluchtes Loch,

Aber er ist unser König doch,

Unser großer König. Gott soll mich verderben,

wollt ich nicht gleich für Fritzen sterben."

 

 

Theodor Fontane (1819-1898)

 

So ging des Todes Hauch durch seine Züge,

So hat das neid´sche Schicksal sich als Lohn

Für Hohenzollerns gloriose Siege

Gefordert einen Hohenzollernsohn.

 

In Griechenlands erhabenen Denkmalen

Und in des Orients heißer Farbenpracht

War Dir in ew´gen Schönheitsidealen

Das deutsche jugendliche Herz erwacht.

 

Was auch an Reiz die Fremde Dir geboten,

Es war die Pflicht, die Dir vor Allem nah.

Und als daheim des Krieges Wetter drohten.

Da flog Dein Herz - war Prinz Anton schon da.

 

Wie wild der Kampf - und ach! wie Vielen

Der Arm ersank und wie die Wunde brennt!

Chlum, Rosberitz, das sind die Thermopylen

Von Preußens Erstem Garde-Regiment!

 

O, Hügel, roth von edlem Jugendblute,

Von tausend Muttertränen heiß benetzt,

Dort sankst auch Du in heil´gem Kampfesmuthe,

Du Fürstenjüngling, bis zum Tod verletzt!

 

Von Helldorff, Knesebeck, die Wedell,

Von Alvensleben - diese Tapfren sinds,

Die ihre treuen Herzen hoch und edel,

Im Tod bethätigt - und nun auch der Prinz.

 

Du bist gefolgt den braven Kameraden,

Sie traf der Tod jäh in das tapfre Herz;

Du warst ein Braver nicht allein durch Thaten,

Du wurdest Held auch durch des Duldens Schmerz.

 

Und wenn, nachdem der heiße Streit gewonnen,

Bekränzt mit Laub und unter Jubelei

Heimkehren nun die siegenden Kolonnen -

Ihr sechs vom Regiment seid nicht dabei.

 

Nichts trübt den Glanz auf Deinem Wappenschilde,

Dein Leben war so jugendrein und licht!

Und wer empfunden Deiner Sitten Milde,

Wird Dein gedenken, bis das Herz ihm bricht.

 

Daß Du so früh im Tode mußt erblassen

Und daß Dein letztes Wort war ein Ade!

Daß Deine theure Hand wir nicht mehr fassen! -

die Thräne stürzt - dem Herzen - ach wie weh!

 

Fahr wohl, Du edles Reis von Zollerns Eiche,

Der Mutter Glück, der Stolz des Vaters Du!

Der Lorbeer krönet Deine Stirn, die bleiche,

Und Engelstimmen singen Dich zur Ruh!

 

 

Georg Horn

 

 

 

 

Einzug

 

 

Der Trommler von Saint Quentin

 

Victoria hat heute Dienst am Tor:

"Garde, zeig deine Karte vor,

Preußische Garde, willkommen am Ort,

Aber erst das Losungswort."

 

"Wir bringen gute Losung heim,

Und als Parole ´nen neuen Reim,

Einen neuen preußischen Reim auf Ruhm."

"Nenn´ ihn Garde!" "Die Höhe von Chlum."

 

 

Theodor Fontane (1819-1898), 20.09.1866 als Begrüßungsgedicht an das Gardecorps

Bei St. Quentin die blutige Schlacht,

Die haben die preußischen Garden gemacht,

Da haben uns´re Berliner Riesen

Den Welschen und Briten die Zähne gewiesen,

Und allen voran das Regiment,

Das mit freudigem Stolz sich das Erste nennt.

Hei, war das ein Ringen blutig und heiß!

Und Frankreichs Boden sog Blut und Schweiß,

Die Kugeln pfiffen, und von den Geschützen

War rings ein Krachen und Rauchen und Blitzen.

Die Fahnen rauschten in Wind und Sonne,

Der Kampf war Luft, und der Tod war Wonne.

 

Da plötzlich hat übers weite Feld

Das Hornsignal zum Stürmen gegellt...

Hell und schmetternd in weiten Bogen

Ist´s über die Reihen der Kämpfer gezogen.

Da haben, die vorne am Feind gelegen,

Das Seitengewehr gezogen, den Degen;

Dem Grenadier und dem Leutnant

Ist´s siedendheiß durch die Adern gerannt;

Das Herz hat jedem im Sturmmarsch geschlagen...

Den Tornister herunter und auf den Kragen!

Und auf! und im feindlichen Kugelregen

Dem bleiernen Tod dort drüben entgegen...

Und um Flintenkolben und Flintenschaft

Die Hände gepreßt mit eiserner Kraft,

Und das Auge starr und den Blick grad´ aus

Auf die Hölle gerichtet von Tod und Graus:

So stürmen sie, das Bajonett gefällt,

Mit Hurraruf übers weite Feld,

Und hintendrein mit hartem Tak-Tak

Peitscht sie zum Sturme der Trommelschlag,

Und wenn auch wohl einem erlahmt die Kraft:

Die Trommel, die Trommel hat neue geschafft.

 

Da plötzlich wird´s hinter der Sturmfront stumm,

Der eine, der and´re da vorn schaut sich um:

Der Trommler fiel... und plötzlich: im Tritt

Kommt dieser und jener so recht nicht mehr mit;

Man spürt die Knochen, man merkt die Müh´,

Und diesem und jenem zittert das Knie.

Da plötzlich, da horch... von rückwärts klingt

Ein Ton, der ins Ohr und ins Herze dringt:

Die Trommel rattert im harten Takt!

Es ist, als wenn´s die Gewehre packt,

Und führt sie in jauchzender Siegeslust

In rasendem Lauf an des Feindes Brust.

So stürmt die Garde wie Donner und Blitz,

Und der Tambour stürmt mit: Prinz Eitel Fritz!

 

 

Dr. Jacobsen 1914 zur Schlacht von Colonfay

 

Friedrich Wilhelm von Rohdich

Alexandrowka

 

Von Deinen grauen Helden, die Dich schirmten

Mit muthgestählter Hand,

Wenn schwarze Ungewitter schwer sich thürmten,

Dich schreckend, - Vaterland;

 

Sank auch Dein Rohdich, der in blut´gen Schlachten

Dir Glück und Ruhm errang,

Und in der Feinde, die Dich beben machten,

Furchtbare Phalanx drang;

 

Der sonder Hochgeburt - vernehmt´s ihr Krieger,

Ihr Berge, hallt es nach,

Durch Thatkraft sich als Menschenfreund und Sieger

Die schönsten Lorbeern brach;

 

Drum, setze Vaterland, zu deinen weisen

Helden, Schwerin und Keith,

Auch Rohdich, den die frommen Dichter preisen,

Hin zur Unsterblichkeit!

 

Th. Heinsius zum Tode Friedrich Wilhelms von Rohdich (Chef des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6) am 23.01.1796

 

Aus den Kriegern, die in Krurland

Rußland gegen Yorck verlor,

hat der König sich erwählet

einen russischen Sängerchor.

 

Zweimal zogen mit den Garden

Preußens sie bis nach Paris,

sangen ihres Volkes Weisen

wenn es sie der König hieß.

 

Trugen keine Wehr und Waffen,

Glöckchen nur und Tamburin;

singend zogen nach Paris sie

singend dann nach Potsdam hin.

 

Als ein Denkmal der Erinnerung

an den russ´schen Freundschaftsbund

baut ein Russendorf der König,

baut es nah bei Potsdams Grund.

 

Jedem Sänger fällt ein Häuslein

völlig eingerichtet zu,

völlig, bis auf Topf und Spinnrad

und im Stall die bunte Kuh.

Bis auf aum und Strauch im Garten

fertig jedes Russenheim.

"So, nun eßt und trinkt zuviel nicht

und gewinnet Honig ein!"

 

Lehrer Höpfner