Denkmäler des Ersten Garderegiments zu Fuß

Semper Talis Postkarte mit Denkmälern des Ersten Garderegiments zu Fuß, Historische Fotopostkarte, gelaufen 1923, Archiv Hellenthal.

„Keiner der Teilnehmer wird den gewaltigen Eindruck vergessen haben, den die ganze Feier machte, insbesondere der Augenblick, als aus der Hülle aufsteigend die Gestalt des Erzengels erschien.“

 

Bericht der Regimentsgeschichte zur Enthüllung des alten Denkmals in St. Privat

An dieser Stelle soll ein Überblick gegeben werden über die teilwerise heute noch exisatierenden Denkmäler des Ersten Garderegiments zu Fuß. Als Haus- und Hoftruppe der preußiscvhen Könige und Deutschen Kaiser verfügte das Regiment naturgemäß über mehgrere Denkmäler.

I. Das Denkmal im Katharinenholz in Bornstedt

Denkmal des Ersten Garderegiments zu Fuß im Katharinenholz in Bornstedt, Bild aus der Regimentsgeschichte.

Das erste Denkmal, das ausschließlich dem Ersten Garderegiment zu Fuß gewidmet wurde, konnte am 02.09.1872 im Katharinenholz in Bornstedt eingeweiht werden. Bei der feierlichen Enthüllung des Denkmals waren Kaiser Wilhelm I., seine Gattin und alle Prinzen und Prinzessinen des kaiserlichen Hauses, die Damen des Regimentes und der Bürgermeister von Potsdam Beyer anwesend. Das Regiment stand unter präsentiertem Gewehr im Karree um das Denkmal, welches auf Befehl des Kaisers enthüllt wurde. Danach hielt der Kaiser eine kurze Ansprache und man ging zum Frühstück in ein Zelt, welches unweit vom Denkmal aufgestellt worden war. Es bestand aus einem steinernen Sockel mit vier Säulen an jeder Ecke, die je einen bronzenen Adler trugen. Auf dem Sockel in der Mitte war ein liegender, etwa lebensgroßer Löwe. Darunter waren auf jeder Seite Loorbeerkränze mit den Namen der Schlachten, an denen das Regiment in den Feldzügen 1866 und 1870/71 teilgenommen hatte. Auf den Randsäulen waren die Namen von Schlachten, an denen das Regiment nur am Rande teilgenommen hatte verzeichnet. Der Sockel trug drei Tafeln, die jeweils etwa 1,40m x 1,40m, bzw. 1,40m x 1,60m groß waren. Nur der Text der vorderen Tafel ist noch erhalten, die Inschrift lautete:

"Dem ehrenvollen Andenken der in den Feldzügen 1866, 1870 und 1871 mit Gott für König und Vaterland ruhmvoll gefallenen Offiziere, Unteroffiziere u. Mannschaften gewidmet vom Ersten Garde Regiment zu Fuss am 18ten August 1872"

Das Denkmal wurde nach dem 2. Weltkrieg von den Kommunisten gesprengt.

Im Herbst des Jahres 2005 wurden im Katharinenholz die Reste des Denkmals des Ersten Garderegiments zu Fuß entdeckt. Leider fühlt sich hier, wie bei den meisten anderen militärischen Hinterlassenschaften auch, niemand für zuständig die Bergung oder gar den Wiederaufbau des Denkmales in Angriff zu nehmen. Die Reste liegen nun ungeschützt im Wald herum und warten darauf, entwendet zu werden. Anfang des Jahres 2008 hat sich der Vörderverein Militärmuseum Brandenburg-Preußen e. V. dazu entschlossen, die Reste des Denkmals zu bergen.

 

II. Das alte Denkmal in St. Privat

Denkmal des Ersten Garderegiments zu Fuß in St.-Privat, historische Fotopostkarte.

Am 18.08.1899 wurde von Kaiser Wilhelm II., der auch die Anregung dazu gegeben hatte, in feierlicher Form unter Beteiligung der Leibkompagnie, das Denkmal des Ersten Garderegiments zu Fuß in St. Privat eingeweiht. Er hielt dabei eine Rede in der es u. a. hieß:

"Die für das Denkmal gewählte Form ist abweichend von den sonst auf den Schlachtfeldern üblichen. Der gepanzerte Engel stützt sich friedlich auf sein Schwert, geziert mit dem Motto des Regimentes: Semper talis. Ich will daher, daß dieser Figur eine allgemeine Bedeutung verliehen wird. Es steht auf diesem blutgetränkten Schlachtfeld gleichsam als Wächter für alle gefallenen Soldaten beider Heere, des französischen wie des unseren. Denn tapfer und heldenmütig für ihren Kaiser und ihr Vaterland sind auch die französischen Soldaten in ihr ruhmvolles Grab gesunken. Und wenn unsere Fahnen sich grüßend vor dem erzenen Standbild neigen werden und wehmutsvoll über den Gräbern unserer lieben Kameraden rauschen, so mögen sie auch über den Gräbern unserer Gegner wehen, ihnen raunen, daß wir der tapferen Toten in wehmutsvoller Achtung gedenken."

Geschaffen wurde dieses Denkmal nach einer Anregung von Wilhelm II. vom Bildhauer Walter Schott. Es zeigte einen überlebensgroßen messingnen Cherub, einen Erzengel. Auf dem Schwert stand das Motto des Regimentes "Semper Talis". Die Inschrift lautete "Den braven unvergesslichen Kameraden. Wilhelm II. und sein Erstes Garderegiment z. F."

Das Denkmal in St. Privat wurde, wie auch viele andere auf dem ehemaligen deutschen Gebiet von Elsaß-Lothringen, zerstört. Die große Statue wurde 1922 von Dieben abmontiert und offenbar eingeschmolzen. Lediglich der steinerne Sockel blieb bis heute stehen.

 

III. Das Semper-Talis-Denkmal in Potsdam

Das Denkmal des Ersten Garderegiments zu Fuß in Potsdam (Semper-Talis-Denkmal), historische Fotopostkarten.

Am 18.01.1921 wandte sich der Verein ehemaliger Offiziere des Ersten Garderegiments zu Fuß in Berlin und Potsdam, sowie der Offiziersverein des Regiments an den Potsdamer Magistrat:

"...Bei den wegen der Beziehungen des Regiments zur Stadt Potsdam - beider Geschichte sind nicht voneinander zu trennen - bin ich überzeugt, daß die Stadt regsten Anteil an dieser Denkmalsfrage nehmen wird. Als geeigneter Platz für das Denkmal erscheint der quadratische Platz südöstlich der Garnisonkirche zwischen Breiter und Mammonstraße.

Auf ihm und in seiner nächsten Umgebung hat sich ein großer Teil des Regimentslebens abgespielt, mit dem Garnisonkirche und Langer Stall engstens verbunden sind...

Siegfried Graf zu Eulenburg

Königlich Preußischer Major a. D., letzter Kommandeur des 1. Garde-Regiments zu Fuß"

Am 25.02.1921 beschloß der Magistrat den Schmuckstreifen der Breiten Straße hinter der Waisenbrücke zum Bau des Denkmales zur Verfügung zu stellen. Ein erstes Modell des Prof. Wandschneider wurde abgelehnt, daraufhin schrieb General von Friedeburg im August 1921 einen Denkmalswettbewerb aus. Im November 1922 waren 6 Entwürfe im Maßstab 1:6 fertig und wurden dem Magistrat vorgestellt, welche dafür zunächst den Raum 320 im Stadtschloß zur Verfügung stellte. Dann aber verlegte der Magistrat die Ausstellung der Modelle in das Zivilkasino in der Waisenstraße. Es wurde schließlich der Entwurf des Bildhauers Dorrenbach angenommen. Am 24.06.1924 wurde dann das „SEMPER-TALIS-Denkmal“ neben der Potsdamer Garnisonkirche eingeweiht. Auf ihm sind die Gefallenen des Ersten Garderegiment zu Fuß geehrt worden. Aber auch die aus dem Regiment hervorgegangenen Truppen, wie das 1. Garde-Reserve-Regiment sind mit aufgenommen worden. Das Denkmal trug auf der Vorderseite die Inschrift:

"SEMPER TALIS

Dem Ersten Garderegiment zu Fuß und seinen treuen Toten 1914-1918"

Auf der Rückseite stand die Inschrift:

"Für Kaiser und Reich

Für König und Vaterland starben im Weltkrieg den Heldentod

Im Ersten Garderegiment zu Fuß

sein Regimentsführer Oberstleutnant von Bismarck

96 Offiziere, 480 Unteroffiziere, 4025 Mannschaften

 

Im ersten Garde-Reserve-Regiment

sein Führer Oberstleutnant von Schmidt,

106 Offiziere, 353 Unteroffiziere, 3059 Mannschaften

und

in anderen Truppenteilen zahllose aus beiden Regimentern stammende Kameraden."

 

Die Reste des im Krieg schwer getroffenen Denkmals des Ersten Garderegiments zu Fuß direkt neben der Garnisonkirche wurden 1946 gesprengt. Um sie zusätzlich zu demütigen, ließen die Kommunisten ehemalige Angehörige des alten Ersten Garderegiments zu Fuß diese Sprengung durchführen. So manchem treuen Ersten Gardisten standen dabei die Tränen in den Augen.

 

IV. Das neue Denkmal in St. Privat

Das neue Denkmal des Ersten Garderegiments zu Fuß in St. Privat, Bild aus dem semper talis Blatt Nr. 28, Dez. 1967.

Am 20.08.1967, fast genau 97 Jahre nach dem Tag der Schlacht bei St. Privat am 18.08.1870, wurde ein neues Denkmal des Ersten Garderegiments zu Fuß an dieser Stelle eingeweiht. Das alte Denkmal war schon zwischen den Weltkriegen zerstört worden. Von September 1964 an hatte der STB für dieses Denkmal gesammelt und die notwendigen Genehmigungen bei den französischen Behörden eingeholt. Im Juli 1967 war das Fundament fertig und nun wurde der Gedenkstein, welcher bis dahin auf dem Kasernenhof des Wachbataillons beim BMVg in Siegburg gestanden hatte vom Wachbataillon nach St. Privat geschafft und dort gemeinsam mit Pionieren der Garnison Metz auf dem festen Fundament aus Bruchstein aufgestellt. Am 18.08.1967 fand die letzte Nachprüfung vor Ort statt, die keine Beanstandungen hervorbrachte. Im Rahmen der Jahrestagung des STB in Saarbrücken, bei dem auch der Militärattaché in Paris, Oberst i. G. Bucksch,  und General Vaillant, Militärattaché bei der französischen Botschaft in Bonn anwesend war, wurde ein großer Festakt begangen. Am nächsten Tag, dem 20.08.1967 ging es um 8:00 Uhr per Bus los in Richtung Frankreich. Nachmittags wurde in St. Privat feierlich der Gedenkstein enthüllt. Es ist ein wuchtiger Stein mit einer Gedenkplatte mit der Inschrift:

"Am 18. August 1870 fielen beim Angriff auf St. Privat der Kommandeur Oberst v. Roeder und 361 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften des Ersten Garderegiments zu Fuß. Semper talis.".

Aufgestellt ist er etwa 20 Schritt entfernt vom und im rechten Winkel zum nicht gesprengten Original-Denkmal des 3. Garderegiments zu Fuß. An der Feier nahmen neben den alten Gardisten auch deren Frauen, zahlreiche Ehrengäste, viele Dorfbewohner und viele Kinder der Umgebung teil. Die Festrede hielt in französischer Sprache der Schirmherr des STB, Albrecht, Prinz von Hohenzollern.

semper talis