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Eitel Friedrich, Prinz von Preußen / von Katte: Das Erste Garderegiment zu Fuß im Weltkrieg 1914-18, Berlin 1934, Junker und Dünnhaupt, Seite 321.

Bildquelle rechts:

Archiv Seitenautor.

Aufnahme von 1919.

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Wachbataillon beim BMVg / Semper Talis Bund e. V. mit freundlicher Genehmigung.

Die Orden von Major Siegfried Graf zu Eulenburg-Wicken finden Sie hier.

Major Graf zu Eulenburg-Wicken (links im Weltkrieg, rechts 1960 bei einer Hochzeitsfeier), Regimentsführer 06.11.1916-09.11.1918. Bemerkenswert ist, daß dieser hochdekorierte Offizier (das Eichenlaub zum Pour-Le-Merite bekamen 1914-18 nur 122 Offiziere insgesamt und davon an Truppenführern für Tapferkeit ganze 7) während des Krieges nicht befördert wurde. Außerdem trägt er auf dem Foto bereits den Stahlhelm M16 mit dem Schachbrettwappen der Garde.

Zu seinem 100. Geburtstag (aus: Deutsches Soldatenjahrbuch 1970, 18. Deutscher Soldatenkalender, München 1970, Schild):

"Der letzte Kommandeur[1] des 1. Garde-Regiments zu Fuß, Siegfried Graf zu Eulenburg, rechtmäßiger Herr auf Wicken, Kr. Bartenstein, Ostpr., entstammte einem deutschen Uradelsgeschlecht, das 1199 erstmals urkundlich Erwähnung fand, im 12., 13. und 14. Jahrhundert einen dynastischen Herrschaftsbereich in der Markgrafschaft Meißen um Eulenburg besaß, dann Besitzungen in der Lausitz und in Böhmen hatte und in der späten Ordenszeit nach Ostpreußen kam. Wurde schon ein Eulenburg als Statthalter des Kurfürsten Friedrich I. von Brandenburg rühmlich genannt, so standen seit des Großen Kurfürsten Zeiten die Eulenburgs in stets gleichbleibender Treue zum Hohenzollernhaus. In einem vom Volksmund geprägten Spruch über einige bekannte ostpreuß. Adelsfamilien hieß es »klug wie ein Eulenburg« - und in der Tat, dieses seit 1786 gräfliche Geschlecht hat nicht nur stets mit Bravour den Degen geführt, den ererbten Besitz bewirtschaftet, sondern war auch immer dem Geistigen aufgeschlossen, der Bildung und dem Musischen zugetan. Was an wertvollstem Kulturgut allein im Wicker Haus steckte, mag der französische Ausruf des einzigen russischen Offiziers erhellen, der es 1914 betrat: »Mais c´est un musée!« Durch 500 Jahre stellten die Eulenburgs ihrer ostpreuß. Heimat, dem preuß. Staat und seiner Armee eine lange Reihe tüchtiger und verdienter Männer. Unter ihnen sind au7us jüngerer Zeit besonders zu nennen: Graf Friedrich als preuß. Minister des inneren, sein Vetter und Nachfolger im amt Graf Botho, sowie dessen Bruder Graf August als Minister des Kgl. Hauses. Das segensreiche Wirken der Eulenburg´schen Gesamtfamilie für das Vaterland ehrte Kaiser Wilhelm II. als König von Preußen mit der Verleihung eines erblichen Sitzes im Preuß. Herrenhaus und der Benennung des Fort XII der Festung Königsberg in »Fort Eulenburg«.

In unsere Zeit aber ragte noch die rein äußerlich schon imponierende, hünenhaft-schlanke Erscheinung von Siegfried Graf zu Eulenburg hinein, der ein wirklicher Herr, ein aufrechter, fester Charakter und ein überaus bescheidener, gütiger Mensch war. Ohne Übertreibung darf gesagt werden, daß diese ritterliche Soldatengestalt von starker Ausstrahlungs- und Prägekraft eine gewachsene Persönlichkeit war, in der sich bestes Preußentum als Idee und Lebensanschauung verkörperte.

Siegfried Graf zu Aulenburg wurde am 10. Oktober 1870 auf dem gut seiner Großeltern mütterlicherseits in Crangen/Pommern geboren, während sein Vater als Adjutant der 2. Garde-Kav.-Brigade in Frankreich im Felde stand. Abiturient des Berliner Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums, trat er 1889 als Avantageur (Fahnenjunker) in das 1. Garde-Regiment zu Fuß in Potz dam ein, in dem er in den folgenden 30 Jahren eine militärische Laufbahn vom Zugführer in der Leib-Kompanie bis zum Kommandeur dieses Hausregiments der preußischen Könige zurücklegte. Lediglich Kommandos zur Kriegsakademie und zur kriegsgeschichtlichen Abt. des Großen Generalstabes hatten den dienst im Regiment unterbrochen, in dem er 9 Jahre Chef der 10. Komp. war. Seine Füsiliere bewahrten ihm eine dankbare Anhänglichkeit, nicht zuletzt durch seine weitgehende Fürsorge in persönlichen und beruflichen Dingen. Im Oktober 1913 Major geworden und zum Rgts.-Stab versetzt, übernahm Graf Eulenburg  bei der Mobilmachung 1914 das I. Bataillon, das als Traditionstruppe der »Riesengarde« Friedrich Wilhelms I. das »Semper Talis«-Band über dem Helmadler trug. An der Spitze dieser Elitetruppe wurde er am 24. August 1914 im Gefecht bei Ermeton in Belgien zum erstenmal schwer verwundet. Wie nach seinen späteren Verwundungen hatte er das Glück, wieder zum Regiment zurückzukehren, das in der Mai-Offensive 1915 in Galizien kämpfte. In der Sommeschlacht 1916 führte Graf Eulenburg stellvertretend vier Wochen lang das hochbewährte 3. GRzF. Mit dem »Hohenzollern« ausgezeichnet und gerade an die Spitze des Königin Elisabeth Garde-Gren.-Rgts. Nr. 3 gestellt, erhielt er für den gefallenen Oberstlt. v. Bismarck das 1. G.R.z.F. als Kommandeur. Bei der Offensive im Baltikum 1917, in der »Großen Schlacht in Frankreich« und beim Vorstoß über die Marne 1918 errang dieses stolze Regiment unter Graf Eulenburgs Führung weitere große Erfolge und räumte auch in den zermürbenden Rückzugskämpfen nur befehlsgemäß seine Stellungen. Für persönliche hervorragende Tapferkeit und Führungsleistung wurde er am 17.8.1917 mit dem Pour le Mérite, am 4.9.1918 als Jüngster von insgesamt nur 6 Regiments-Kommandeuren mit dem Eichenlaub ausgezeichnet. Außerdem besaß er das Goldene Verwundetenabzeichen für fünf- und mehrfache Verwundung, eine Zusammenstellung, die für einen Regiments-Kommandeur im 1. Weltkrieg einmalig geblieben ist. Ritter des Preuß. Hohen Ordens vom Schwarzen Adler und Ehrenkommendator des Johanniter-Ordens, wurden ihm später das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik und der Preußenschild der Ostpr. Landsmannschaft verliehen.

Waren die Beförderungsbestimmungen im 1. Weltkrieg zu eng geblieben, so waren sie im 2. Weltkrieg mitunter zu weit geworden. Für die erstere Behauptung aber darf hier die Tatsache stehen, daß Graf zu Eulenburg als Major und Batl.Kdr. 1914 ausrückte und als Major und Rgts.Kdr. Ende 1918 zurückkehrte. Sein 1. GR. z. F. führte er in fester Ordnung von der Front nach Potsdam, legte jedoch das Kommando nieder, als er dieses auf höheren Befehl mit Soldatenräten der Garnison teilen sollte. In einer bewegenden soldatischen Feierstunde nahmen Kommandeur und Regiment in der Garnisonkirche angesichts der Königssärge voneinander abschied. Eine nachträgliche Rangerhöhung hatte er damals abgelehnt. 1919 stellte er das "Freikorps Eulenburg" auf, das noch mit Teilen in´s Baltikum kam, dann in die vorläufige Reichswehr überführt wurde.

Es war erstaunlich, wie sehr Graf Eulenburg nach Übernahme des Familiengutes Wicken in seine neue Aufgabe hineinwuchs und ein erfolgreicher Landwirt wurde. Am Aufbau des heimatlichen Grenzschutzes beteiligt, blieb seine Beziehung zum Heer durch alljährliche Teilnahme an den Manövern und an Planspielen erhalten. Er erhielt den Charakter als Oberstlt., dann als Oberst. 1924-1933 stand er als einer der profiliertesten Landesführer an der Spitze des ostpreuß. »Stahlhelm« / Bund der Frontsoldaten. Verdient um die Wehrbereitschaft der isolierten Provinz, von seinen Kameraden sehr verehrt, erwarb er sich in breiten Schichten der Bevölkerung hohe Achtung.

Infolge seines vorgerückten Alters fand er im 2. Weltkrieg keine Verwendung mehr, womit sich der alte Soldat zunächst schwer abfinden konnte. Als dann Mitte Januar 1945 die russische Front immer näher heranrückte, mußte auch er die angestammte Heimat verlassen nach 25 Jahren eigenen, 300 des Familienbesitzes und rund 500 des Wirkens seines Geschlechts in Ostpreußen. In einem 2000 km langen Treck, zusammen mit seiner Frau im offenen Landauer-Wagen, bespannt mit 2 Pferden eigener Zucht, langten sie nach 50 Übernachtungen in Lindau am Bodensee an, wo sie in 2 kleinsten Mansardenzimmern bis zu ihrem Tode Zuflucht fanden und 1958 die Diamant-Hochzeit feiern konnten. Unter den 6 Grafen Eulenburg, die im 2. Weltkrieg fielen, befand sich auch ihr einziger Sohn Dipl. Landwirt Dr. Botho Ernst Graf zu Eulenburg, der als Major und Rgts.Kdr. seit 1944 vermißt wird. In einem Brief vom 17.3.1946 schrieb Graf Siegfried: »...will ich aber nicht klagen, das führt zu nichts, verschlimmert nur die Lage für einen selbst und die Umgebung! Aber Deutschlands Schmach, Not und Verknechtung mit dem Raube des deutschen Ostens lasten zentnerschwer auf mir. Das Vaterland ist nun 1000 Jahre zurückgeworfen. Trotzdem müssen wir um unser Nachkommen willen den Kopf hoch behalten, d. h. unser Möglichstes zum Wohle unseres Vaterlandes tun!... Die Grenzen Preußens liegen für uns nicht allein auf der Landkarte, sondern in unseren Herzen und daraus wird sie niemand herausreißen können!...«

Bis weit über das 90. Lebensjahr hinaus geistig sehr rege und körperlich rüstig, hat Graf Eulenburg noch die Geschichte seines alten Geschlechts und einen genauen Bericht über seinen Flüchtlingstreck geschrieben. Am 18. Oktober 1961 starb er in Lindau/Bodensee und wurde am 21. auf dem dortigen neuen Friedhof nach einer sehr würdigen Trauerfeier beigesetzt, in der u. a. S. Kgl. Hoheit Fürst von Hohenzollern der ritterlich-vorbildlichen Persönlichkeit des Verstorbenen gedachte. Der Sprecher des »Wicker Kreises« aber nahm abschied vom »Markgrafen«, wie seine alten Getreuen ihn nannten, mit folgenden Worten: »Graf Eulenburg war für die Männer und Frauen, die um ihn standen, der Inbegriff der Treue, der Sauberkeit im Denken und Handeln, der Wahrheitsliebe und der Tapferkeit. Wir wußten aber auch um die unendlich große Güte, mit der er Jedem gegenüber trat, der Kummer und Herzeleid hatte, und daß er jedem ohne ansehen der Person half. Sein Leben und seine großen Fähigkeiten hat er im Krieg und Frieden in den Dienst der Treue und Pflicht für Preußen und Deutschland und für sein Ostpreußen gestellt und uns alle in diesem Geiste durch sein leuchtendes Beispiel zur Nacheiferung angespornt.«"

Das Familienwappen der Grafen zu Eulenburg, Privatarchiv.

Bildquelle:

Deutsches Soldatenjahrbuch 1970, 18. Deutscher Soldatenkalender, München 1970, Schild.


[1] Es kam vor, daß lediglich ein neuer Regimentsführer ernannt wurde, kein neuer Regimentskommandeur. Die Gründe hierfür sind unterschiedlicher Natur, so wünschte z. B. 1914 Eitel Friedrich Prinz  von Preußen seinen Posten als Regimentskommandeur nach dem Kriege wieder einzunehmen. Daher sind seine Nachfolger auch "nur" zum Regimentsführer ernannt worden. Kommandeur blieb offiziell weiterhin Eitel Friedrich. Die Bezeichnung "Kommandeur" im Soldatenjahrbuch ist demnach falsch, es müßte auch hier "Führer" heißen.